21/12/2025
Der Glaube ist für viele Menschen ein zentraler Anker in ihrem Leben, eine Quelle der Orientierung und des Trostes. Im Herzen des Judentums und Christentums finden sich drei grundlegende Säulen, die das Verständnis von Gott, Mensch und Welt maßgeblich prägen: die Zehn Gebote als ethischer Kompass, das Vaterunser als archetypisches Gebet und die großen kirchlichen Bekenntnisse als verbindliche Glaubensaussagen. Diese Texte sind nicht nur historische Dokumente, sondern lebendige Zeugnisse einer jahrtausendealten Tradition, die bis heute Millionen von Gläubigen weltweit inspirieren und leiten. Sie bieten Antworten auf existenzielle Fragen und formen das gemeinsame Verständnis dessen, was es bedeutet, im Glauben zu leben.

Die Zehn Gebote: Ein Fundament der Moral und Gottesbeziehung
Die sogenannten Zehn Gebote, im Griechischen und Lateinischen als Dekalog bekannt, bilden einen der bekanntesten und einflussreichsten Moralkodizes der Menschheitsgeschichte. Ihre Ursprünge reichen weit zurück in die biblische Überlieferung, wo sie zweimal ausführlich festgehalten sind: im 2. Buch Mose (Exodus), Kapitel 20, Verse 2-17, und im 5. Buch Mose (Deuteronomium), Kapitel 5, Verse 6-21. Diese Gebote werden traditionell als direkte Offenbarung Gottes an Mose auf dem Berg Sinai verstanden und dienten dem Volk Israel als grundlegende Richtschnur für das Zusammenleben mit Gott und untereinander.
Unterschiedliche Zählweisen der Gebote
Obwohl der biblische Text keine explizite Nummerierung enthält, hat sich im Laufe der Geschichte die Einteilung in zehn Gebote etabliert – eine praktische Merkhilfe, die man an den zehn Fingern abzählen kann. Interessanterweise gibt es jedoch unterschiedliche Traditionen, wie die Verse genau aufgeteilt werden, was zu leichten Abweichungen in der Zählung führt. Die römisch-katholische und die lutherische Kirche fassen beispielsweise das Verbot der Bilder- und Statuenanbetung („Du sollst dir kein Bildnis machen… und anbeten“) mit dem Gebot „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“ zusammen. Dies führt dazu, dass sie das Verbot des Begehrens (des Nächsten Haus, Frau, Besitz) in zwei separate Gebote aufteilen, um die Zehnzahl zu wahren. Andere Kirchen, insbesondere reformierte Traditionen, zählen das Bilderverbot als eigenständiges Gebot und fassen das Begehrensverbot als ein einziges zusammen. Diese Unterschiede ändern jedoch nichts am eigentlichen Inhalt und der tiefen Bedeutung der Gebote.
Die Zehn Gebote gliedern sich in zwei Hauptteile: Die ersten Gebote betreffen die Gottesbeziehung, während die nachfolgenden die zwischenmenschlichen Beziehungen regeln. Sie sind ein Ausdruck des Bundes zwischen Gott und seinem Volk und fordern zu Respekt, Ehrlichkeit, Treue und Gerechtigkeit auf. Sie bilden die Basis für zahlreiche weitere Gesetze und ethische Überlegungen im Judentum und Christentum.
Hier eine Übersicht der Gebote, wie sie in den meisten Traditionen verstanden werden:
- Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
- Du sollst dir kein Bildnis machen und keine Götter anbeten. (Oft kombiniert mit 1. in kath./luth. Tradition)
- Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen.
- Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst.
- Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.
- Du sollst nicht töten.
- Du sollst nicht ehebrechen.
- Du sollst nicht stehlen.
- Du sollst kein falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
- Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus/Frau/Besitz. (Oft aufgeteilt in kath./luth. Tradition)
Das Vaterunser: Jesu Lehre des Betens
Das Vaterunser ist zweifellos das bekannteste und am häufigsten gebetete Gebet im Christentum. Es wird in allen christlichen Konfessionen gesprochen und gilt als das grundlegende Gebet, das Jesus Christus selbst seine Jüngern lehrte. Die biblische Überlieferung findet sich im Matthäusevangelium (Matthäus 6,9-13) als Teil der Bergpredigt, sowie in einer kürzeren Version im Lukasevangelium (Lukas 11,2-4). Es ist nicht nur ein Gebet, sondern eine Blaupause, wie man beten soll – ein Modell für die Kommunikation mit Gott.
Der Text des Vaterunsers
Der Text, wie er heute in den meisten Gottesdiensten und im persönlichen Gebet verwendet wird, lautet:
„Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“
In vielen Traditionen, insbesondere in protestantischen Kirchen, wird dem Vaterunser oft noch eine Doxologie (Lobpreis) angefügt: „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“ Dieser Zusatz findet sich bereits im 2. Jahrhundert in frühen kirchlichen Schriften und betont die Majestät und Macht Gottes.
Die Bedeutung jeder Bitte
Jede Zeile des Vaterunsers ist reich an Bedeutung:
- „Vater unser im Himmel“: Spricht Gott als liebenden Vater an, der sowohl nah als auch transzendent ist.
- „Geheiligt werde dein Name“: Drückt den Wunsch aus, dass Gottes Heiligkeit und Ehre überall anerkannt werden.
- „Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.“: Eine Bitte um das Kommen von Gottes Herrschaft und die Erfüllung seines göttlichen Plans auf Erden.
- „Unser tägliches Brot gib uns heute.“: Eine Bitte um die grundlegenden Bedürfnisse des Lebens, sowohl materiell als auch spirituell.
- „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.“: Eine zentrale Bitte um Vergebung, die eng mit der eigenen Bereitschaft zur Vergebung verbunden ist.
- „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“: Eine Bitte um Schutz vor Versuchungen und dem Bösen in der Welt.
Das Vaterunser ist somit nicht nur ein Gebet um persönliche Bedürfnisse, sondern auch ein Gebet, das die Ankunft von Gottes Reich und die Erfüllung seines Willens in den Mittelpunkt stellt.
Die Kirchlichen Bekenntnisse: Eckpfeiler des Glaubens
Neben den Zehn Geboten und dem Vaterunser sind die kirchlichen Bekenntnisse, auch Glaubensbekenntnisse genannt, von fundamentaler Bedeutung für das Verständnis und die Einheit des christlichen Glaubens. Sie fassen die Kernüberzeugungen der Christenheit prägnant zusammen und dienen als gemeinsame Basis für alle Konfessionen. Die wichtigsten und ältesten dieser Bekenntnisse sind das Nizänische Glaubensbekenntnis und das Apostolische Glaubensbekenntnis.
Das Nizänische Glaubensbekenntnis
Das älteste und theologisch tiefgründigste christliche Glaubensbekenntnis ist das Nizänische (oder Nicänische) Glaubensbekenntnis. Es wurde auf den frühen ökumenischen Konzilien von Nicäa (325 n. Chr.) und Konstantinopel (381 n. Chr.) formuliert und präzisiert. Es entstand in einer Zeit heftiger theologischer Debatten über die Natur Christi und der Dreifaltigkeit und sollte eine verbindliche orthodoxe Lehre festlegen. Es ist das gemeinsame Bekenntnis der meisten christlichen Kirchen, einschließlich der römisch-katholischen, orthodoxen und vieler protestantischer Kirchen.
Der Text des Nizänischen Glaubensbekenntnisses lautet:
„Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt.
Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden. Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein.
Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater [und dem Sohn] hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn (oder: der im Vater durch den Sohn) angbetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten, und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt. Amen.“
Dieses Bekenntnis betont die Gottheit Jesu Christi und seine Wesensgleichheit mit dem Vater (Homoousios), die Dreifaltigkeit (Vater, Sohn und Heiliger Geist) sowie grundlegende Elemente des Heilsgeschehens wie Inkarnation, Kreuzigung, Auferstehung und Wiederkunft Christi.
Das Apostolische Glaubensbekenntnis
Das sogenannte Apostolische Glaubensbekenntnis ist im Vergleich zum Nizänum kürzer und einfacher in seiner Formulierung. Obwohl es nicht direkt von den Aposteln verfasst wurde, spiegelt es die apostolische Lehre wider und entstand vermutlich im 2. bis 4. Jahrhundert in Rom als Taufbekenntnis. Es ist besonders in den westlichen Kirchen, wie der römisch-katholischen Kirche und vielen protestantischen Denominationen, weit verbreitet und wird oft im Gottesdienst gesprochen.
Der Text lautet:
„Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde,
und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.“
Bedeutung der Bekenntnisse in verschiedenen Konfessionen
Die Art und Weise, wie diese Bekenntnisse interpretiert und als autoritativ angesehen werden, variiert zwischen den verschiedenen christlichen Konfessionen:
- Römisch-katholische Kirche: Neben der Bibel gelten die Auslegungen der frühen Theologen (Kirchenväter) sowie die päpstlichen Schreiben und Erlasse (Enzykliken, Konzilsbeschlüsse) als maßgebend für die kirchliche Lehre. Die Bekenntnisse sind somit Teil einer umfassenderen Lehrtradition.
- Orthodoxe Kirche: Die orthodoxe Kirche legt großen Wert auf die Schriften der Kirchenväter als primäre Autorität für die Auslegung der Bibel. Sie vertraut darauf, dass der Heilige Geist die Kirche und ihre Bischöfe in der rechten Lehre unterweist. Die Einheit der Lehre wird durch die Konsultation der Patriarchen und Synoden gewahrt, nicht durch eine einzelne oberste Autorität wie den Papst. Einige orthodoxe Kirchen sind jedoch uniert, was bedeutet, dass sie den jeweiligen Papst als ihr Oberhaupt anerkennen, aber ihre eigenen Riten und Traditionen beibehalten.
- Evangelische Kirche: Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und andere evangelische Kirchen kennen neben den altkirchlichen Bekenntnissen (Nizänum, Apostolikum) eine Reihe weiterer Bekenntnisschriften, die während der Reformation entstanden sind, wie beispielsweise das Augsburger Bekenntnis oder die Barmer Theologische Erklärung. Diese Schriften dienen als Auslegung der biblischen Botschaft und als Grundlage der jeweiligen kirchlichen Lehre, wobei die Bibel selbst als oberste Autorität gilt.
Die Zeitlose Relevanz für den Glauben
Die Zehn Gebote, das Vaterunser und die Glaubensbekenntnisse sind weit mehr als nur alte Texte. Sie sind lebendige Traditionen, die den Kern des christlichen Glaubens bilden und tief in der Spiritualität von Milliarden Menschen verwurzelt sind. Die Gebote bieten einen ethischen Rahmen für ein gottgefälliges und menschenwürdiges Leben. Das Vaterunser ist ein universelles Gebet, das Gläubige in allen Lebenslagen mit Gott verbindet und ihnen Worte schenkt, wo eigene fehlen. Die Bekenntnisse wiederum stiften Identität und Einheit, indem sie die gemeinsamen Überzeugungen formulieren und die Gläubigen in einer gemeinsamen Geschichte und Theologie verankern. Sie sind Orientierungspunkte, die auch in einer sich ständig wandelnden Welt Bestand haben und eine tiefe, sinnstiftende Dimension in das menschliche Dasein bringen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Sind die Zehn Gebote heute noch relevant?
- Absolut. Obwohl sie vor Jahrtausenden entstanden sind, bleiben die Zehn Gebote ein zeitloser Moralkodex. Sie bieten grundlegende ethische Prinzipien für ein geordnetes Zusammenleben und eine respektvolle Beziehung zu Gott und den Mitmenschen. Konzepte wie die Achtung des Lebens, die Ehe, Eigentum und Wahrheit sind universell gültig und finden sich in vielen Rechtssystemen und ethischen Überlegungen weltweit wieder.
- Warum gibt es unterschiedliche Zählweisen der Zehn Gebote?
- Die Unterschiede in der Zählung rühren hauptsächlich daher, wie zwei spezifische biblische Verse interpretiert werden: das Verbot der Bilderanbetung und das Verbot des Begehrens. Einige Traditionen (z.B. römisch-katholisch, lutherisch) fassen das Bilderverbot mit dem Gebot gegen andere Götter zusammen und teilen dafür das Begehrensverbot in zwei separate Gebote auf. Andere (z.B. reformierte, orthodoxe) zählen das Bilderverbot als eigenständiges Gebot. Dies ist eine Frage der Tradition und Interpretation, nicht des Inhalts.
- Kann jeder das Vaterunser beten, auch Nicht-Christen?
- Ja, das Vaterunser kann von jedem gebetet werden, der es möchte. Obwohl es das grundlegende Gebet der Christen ist und von Jesus gelehrt wurde, sind seine Bitten universeller Natur – um die Heiligung Gottes, das Kommen seines Reiches, tägliche Versorgung, Vergebung und Schutz vor dem Bösen. Viele Menschen finden in seinen Worten Trost und eine Verbindung zu einer höheren Macht, unabhängig von ihrer spezifischen religiösen Zugehörigkeit.
- Was ist der Hauptunterschied zwischen dem Nizänischen und dem Apostolischen Glaubensbekenntnis?
- Der Hauptunterschied liegt in ihrer Entstehung und ihrem theologischen Fokus. Das Nizänische Glaubensbekenntnis wurde auf Konzilien formuliert, um theologische Streitigkeiten beizulegen, und ist daher detaillierter in seinen Aussagen über die Natur Christi (seine Gottheit und Wesensgleichheit mit dem Vater) und die Dreifaltigkeit. Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist älter, kürzer und simpler in seiner Sprache. Es entstand wahrscheinlich als Taufbekenntnis und konzentriert sich auf die grundlegenden Fakten des Heilsgeschehens, ohne die tiefgehenden theologischen Präzisierungen des Nizänums.
- Warum sind Glaubensbekenntnisse für die Kirche wichtig?
- Glaubensbekenntnisse sind wichtig, weil sie eine gemeinsame Basis des Glaubens schaffen. Sie definieren, woran Christen glauben, und dienen als Schutz vor Irrlehren. Sie fördern die Einheit innerhalb der Kirche, indem sie die Kernwahrheiten des Evangeliums zusammenfassen. Zudem sind sie ein Mittel zur Weitergabe des Glaubens von Generation zu Generation und dienen im Gottesdienst als öffentliche Bezeugung des gemeinsamen Glaubens.
Die Zehn Gebote, das Vaterunser und die verschiedenen Glaubensbekenntnisse sind somit mehr als nur historische Texte; sie sind lebendige Ausdrucksformen des Glaubens, die Orientierung, Trost und Gemeinschaft stiften. Sie bilden das unverrückbare Fundament, auf dem die christliche Spiritualität seit Jahrtausenden ruht und weiterhin unzählige Menschen auf ihrem Lebensweg begleitet.
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