Welche Fähigkeiten entwickelte sie im Dschungel?

Sabine Kueglers Leben zwischen Dschungel & Westen

24/10/2022

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Sabine Kuegler ist eine Frau, deren Leben so außergewöhnlich ist, dass es Generationen fasziniert. Als sie als Kind in den unberührten Dschungel Westpapuas zog, ahnte niemand, dass ihre Erlebnisse beim Volk der Fayu sie zu einer weltweit bekannten Autorin machen und ihr späteres Leben auf dramatische Weise prägen würden. Von wilden Flüssen und Krokodilen bis hin zu einem schweren Kampf um ihre Gesundheit – Kueglers Geschichte ist eine tiefgründige Reflexion über Heimat, Kultur und die Suche nach dem wahren Glück.

Wie hat Sabine Kuegler ihre Kindheit im Dschungel verlebt?
Sabine traf bei ihrem langen Aufenthalt auch Freunde aus der Kindheit wieder. Sabine Kuegler hat ihre Kindheit im Dschungel verlebt. Sie ist dorthin noch einmal zurückgekehrt, um ihr Leben zu retten. Diese Reise hat sie nicht nur gesund gemacht, sondern geholfen, "endlich im Westen anzukommen und dort ein glückliches Leben zu führen".
Inhaltsverzeichnis

Eine Kindheit jenseits der Zivilisation: Aufwachsen bei den Fayu

Sabine Kuegler, geboren 1972 in Nepal, verbrachte den Großteil ihrer Kindheit und Jugend tief im Dschungel Westpapuas, dem indonesischen Teil Neuguineas. Ihre Eltern, deutsche Missionare und Sprachforscher, zogen mit ihr und ihren Geschwistern zu den Fayu, einem indigenen Stamm, der bis dahin kaum Kontakt zur Außenwelt hatte und für seine ursprüngliche Lebensweise bekannt war. Für die junge Sabine war der Dschungel nicht nur ein Zuhause, sondern auch eine Schule des Lebens, die sie auf einzigartige Weise prägte.

Fernab westlicher Annehmlichkeiten lernte Kuegler die Gesetze des Urwalds kennen. Sie spielte nicht mit Puppen, sondern schwamm in Flüssen und lernte, wie man mit Pfeil und Bogen umgeht, essbare von giftigen Pflanzen unterscheidet und sich bei gefährlichen Wildschweinangriffen verhält. Diese Fähigkeiten waren nicht nur Spiele, sondern essenzielle Überlebensstrategien. Sie gewöhnte sich an die landestypische Nahrung, erlebte Krankheiten wie Malaria und kam mit den sozialen Riten der Fayu in Berührung, einschließlich des Brautraubs und der Blutrache. Eine Anekdote, die ihre Kindheit prägte und später den Titel ihres neuen Buches inspirierte, erzählt davon, wie sie arglos in einem Fluss schwamm, bis die Einheimischen sie darauf hinwiesen, dass dies der „Krokodilfluss“ sei – ein prägendes Erlebnis für die spätere Erkenntnis kultureller Unterschiede.

Als Sabine Kuegler mit 17 Jahren Westpapua verließ und auf ein Schweizer Mädcheninternat geschickt wurde, erlebte sie einen tiefen Kulturschock. Die westliche Welt, mit ihren komplexen Regeln und der scheinbaren Anonymität, war für sie zunächst ein „psychischer Krieg“, der sich weitaus schlimmer anfühlte als die körperlichen Gefahren des Urwalds. Einfache Dinge wie ein Einkauf im Supermarkt oder das Überqueren einer belebten Straße wurden zu überwältigenden Herausforderungen. Ihre Anpassungsschwierigkeiten führten sogar zu einem Suizidversuch, was die immensen Hürden verdeutlicht, die sie überwinden musste, um in dieser fremden Welt Fuß zu fassen. Trotzdem baute sie sich ein Leben auf, heiratete und wurde Mutter von vier Kindern.

Die dramatische Rückkehr: Auf der Suche nach Heilung im Dschungel

Das Leben im Westen forderte Sabine Kuegler über Jahre hinweg seinen Tribut. Ab 2007 bemerkte sie erste Symptome einer rätselhaften Krankheit, die mit grippeartigen Beschwerden begann, sich jedoch zu einem immer wiederkehrenden Kreislauf aus unerträglichen Schmerzen und Schwäche entwickelte. Ihre Knochen fühlten sich an, als stünden sie in Flammen, sie litt unter ständiger Übelkeit und verlor rapide an Gewicht. Trotz zahlreicher Arztbesuche und Therapieversuche – von der modernen Medizin über Akupunktur bis hin zu chinesischen und buddhistischen Heilmethoden – konnte ihr niemand helfen. „Ich habe wirklich alles durchgemacht... Und es hat nichts geholfen, gar nichts“, erinnert sie sich.

Angesichts der Aussichtslosigkeit traf Kuegler 2012 eine radikale Entscheidung: Sie kehrte in den Dschungel Papua-Neuguineas zurück, in der Vermutung, sich dort mit einem Parasiten angesteckt zu haben, und mit der Hoffnung, dort auch ein Heilmittel zu finden. Ihre Kinder zogen zu ihren Vätern, während sie sich auf eine Reise begab, die ihr Leben retten sollte. Eine Ärztin in Port Moresby konnte ihr zwar keine Hoffnung machen, da alle früheren Patienten mit ähnlichen Symptomen gestorben waren, doch Sabine gab nicht auf. Sie ernährte sich ausschließlich von Kokosnüssen und Wurzeln, was ihr zunächst etwas Kraft gab, und suchte jahrelang nach einem Heiler.

Wie lange ist Frau Kuegler in den Dschungel zurückgekehrt?
Aber immer wieder zog es Kuegler zurück in den Dschungel. In ihrem zweiten Buch „Ich schwimme nicht mehr da, wo die Krokodile sind“ (Westend-Verlag) wie auch im Interview spricht sie über ihre große Zerrissenheit. Frau Kuegler, als Erwachsene sind Sie 2012 für einige Jahre in den Dschungel zurückgekehrt.

Aus Monaten wurden Jahre des Unterwegsseins. Kuegler unterstützte die Dörfer beim Anbau von Lebensmitteln, indem sie traditionelle Methoden mit neuen Ideen wie dem Einsatz von Chilis gegen Schädlinge oder Kokosnussschalen zur Steigerung der Kakaoerträge kombinierte. Sie lebte nach dem Prinzip des „Nehmen und Gebens“, das in den Stammeskulturen tief verwurzelt ist. Doch die Krankheit kehrte immer wieder zurück, bis sie am Ende kaum noch leben konnte. Der Durchbruch gelang schließlich auf den Salomonen, wo ein Heiler den klebrig-dicken Saft des sogenannten „Blutbaums“ einsetzte. Drei Tage lang schwebte Sabine zwischen Leben und Tod, während der Stamm bereits Totenlieder für sie sang. Doch der Satz des Heilers – „Du wirst dich fühlen, als ob du stirbst. Aber keine Sorge, das wird nicht passieren“ – gab ihr Halt. Es dauerte lange, bis sie wirklich glauben konnte, geheilt zu sein, doch sie war es.

Zwei Welten, eine Seele: Kulturelle Unterschiede im Fokus

Sabine Kueglers Leben ist ein faszinierendes Beispiel für die tiefgreifenden Unterschiede zwischen Stammeskulturen und der westlichen Welt. Ihre Erfahrungen, besonders nach ihrer Heilung und der bewussten Auseinandersetzung mit beiden Lebensweisen, haben ihr ein einzigartiges Verständnis für diese Divergenzen vermittelt.

Einer der fundamentalsten Unterschiede liegt in den Überlebensstrategien: Im Dschungel muss man unsichtbar sein, um zu überleben. Man ist Teil der Gruppe, gibt seine individuelle Identität auf, um nicht aufzufallen und Gefahren anzuziehen. Das Überleben hängt von der Gemeinschaft ab, ein Alleingang ist ein Todesurteil. Im Westen hingegen muss man sichtbar sein. Hier geht es darum, als Individuum aufzutreten, für sich einzustehen, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung für das eigene Leben zu tragen. Diese unterschiedlichen Denkweisen führten bei Kuegler oft zu Missverständnissen und Anpassungsschwierigkeiten.

Ein weiterer zentraler Punkt ist der Umgang mit Zeit und Gemeinschaft. In der Stammeskultur ist der Zeitbegriff fließend, und die Gemeinschaft steht über allem. Psychische oder mentale Probleme sind selten, da die Menschen sich gegenseitig stützen und Katastrophen schneller verarbeiten. Im Westen hingegen ist die Zeit ein „Krokodil“, ein ständiger Druck, und viele Menschen leiden unter Einsamkeit und Verlorenheit, auch wenn sie materiell gut gestellt sind. Sabine Kuegler musste lernen, sich hier bewusst einen „Mini-Stamm“ aus Freunden und Familie aufzubauen, da die Gemeinschaft nicht automatisch gegeben ist.

Die Kommunikation ist ebenfalls ein Bereich großer Gegensätze. Im Stamm wird viel weniger verbal ausgedrückt; man spürt einander, die nonverbale Kommunikation ist dominant. Im Westen hingegen ist explizite Kommunikation entscheidend, und Sabine musste lernen, „Nein“ zu sagen, was in der Stammeskultur undenkbar ist.

Warum sind sie 2012 in den Dschungel zurückgekehrt?
Sie sind 2012 trotz Ihrer Kinder in den Dschungel zurückgekehrt, weil Sie schwer krank waren. Die Ärzte in Europa hatten Sie abgeschrieben und Sie wollten im Urwald Heilung finden, was nach fünf Jahren gelungen ist. Hat das Ihren Blick aufs Leben verändert?

Das Konzept von Freiheit und Schutz unterscheidet sich ebenfalls stark. Kuegler fühlte sich im Stamm geschützt, aber im Nachhinein erkannte sie, dass sie dort weniger Freiheit hatte, ihr Leben selbst zu gestalten. Im Westen hingegen gibt es eine große Freiheit, aber dafür weniger automatischen Schutz durch eine engmaschige Gemeinschaft. Diese Erkenntnis, dass sie ihr Leben im Westen selbstbestimmt gestalten kann, eröffnete ihr eine neue Welt.

Vergleich: Dschungel vs. Westen – Eine Übersicht

AspektLeben im Dschungel (Fayu-Stamm)Leben im Westen
ÜberlebensstrategieUnsichtbar sein, Teil der Gruppe, keine individuelle Identität, körperlicher Krieg.Sichtbar sein, Individuum, Selbstbestimmung, psychischer Krieg, emotionaler Schutz.
Gemeinschaft & BeziehungenAutomatisch gegeben, starker Zusammenhalt, Freundschaft & Familie als höchstes Gut, keine Depressionen.Muss aktiv aufgebaut werden (Mini-Stamm), oft Einsamkeit, Fokus auf materiellem Erfolg.
ZeitverständnisFließend, weniger Druck, Leben im Hier und Jetzt.„Krokodil“, starker Druck, strikte Planung, Termine.
KommunikationWeniger verbal, mehr spüren, „Nein“ sagen unüblich.Explizit verbal, klare Aussagen, „Nein“ sagen notwendig.
Freiheit vs. SchutzHoher Schutz durch die Gruppe, aber weniger persönliche Freiheit.Große persönliche Freiheit, aber weniger automatischer Schutz/Geborgenheit.
GlückBasiert auf sozialem Miteinander, schneller Erholung nach Katastrophen.Oft mit Erfolg oder Reichtum verbunden, aber nicht immer zu Zufriedenheit führend.

Das Glück finden: Sabine Kueglers Weg zur Integration

Nach fünf Jahren im Dschungel, geheilt und erwachsen geworden, kehrte Sabine Kuegler 2017 nach Hamburg zurück. Die verlorenen Jahre mit ihren Kindern holte sie so gut es ging nach. Sie hatte gelernt, dass sie, um im Westen anzukommen und ein glückliches Leben zu führen, ihre tief verinnerlichten Überlebensstrategien aus dem Urwald loslassen musste. „Ich hatte das Gefühl, dass ich zum ersten Mal verstanden habe, wer ich bin“, sagt sie heute. Diese Erkenntnis war nur möglich, weil sie in die Stammeskultur ihrer Kindheit zurückkehrte und aus der Distanz auf die westliche Welt blicken konnte.

Sabine Kuegler hat akzeptiert, dass sie eine Zerrissenheit in sich trägt, aber diese ist nicht länger ein Hindernis, sondern ein Teil ihrer Identität. Sie schätzt die Selbstbestimmung und Freiheit, die der Westen bietet, auch wenn dies eine große Verantwortung mit sich bringt. Sie vermisst zwar die automatische Gemeinschaft des Dschungels und Annehmlichkeiten wie Toiletten oder heiße Duschen, doch sie hat verstanden, dass Glück nicht von materiellem Reichtum abhängt, sondern vom sozialen Miteinander. Sie sieht viel Einsamkeit im Westen, aber auch Menschen, die sich ein gutes Umfeld, ihren „Mini-Stamm“, aufgebaut haben. Als Kind dachte sie, jeder Mensch gehöre zu einem Stamm – ein Naturgesetz. Heute weiß sie, dass man sich im Westen aktiv mit Menschen zusammentun muss, die einem guttun und einen unterstützen. „Das ist es, was Zufriedenheit im Leben bringt.“

Ihre Erfahrungen haben auch ihren Blick auf gesellschaftliche Themen geschärft. Sie zieht Parallelen zu Migrationsdebatten und betont die Bedeutung kultureller Bildung: „Es wäre gut, wenn wir ihnen die deutsche Kultur besser erklären. Wie denken Deutsche, was sind ihre Werte, was darf man hier und was nicht?“

Faszination und Verantwortung: Ein Blick in die Zukunft

Obwohl Sabine Kuegler heute in Hamburg lebt und sich erfolgreich integriert hat, gerät sie immer noch ins Schwärmen, wenn sie vom Dschungel spricht – vom unvergleichlichen Licht, der Lebendigkeit und den atemberaubenden Farben. Und doch gibt es Tage, an denen sie Heimweh hat, besonders wenn sie sich überfordert oder müde fühlt. Ihre Kinder, die im Westen aufgewachsen sind, sind ihr Anker und der Grund, warum sie hierbleibt.

Auf ihrer Suche nach Heilung erlebte Kuegler auch außergewöhnliche Begegnungen, darunter die Sichtung eines „Umemu“, einer Art Urmensch, der sich evolutionär an das Leben in Höhlen angepasst haben soll. Diese Erlebnisse unterstreichen ihre Überzeugung, dass es immer noch unerforschte Gebiete und unentdeckte Stämme gibt, die es zu schützen gilt. Ihr Ziel ist es, diese Gebiete unter Schutz zu stellen, damit Natur und Menschen unberührt bleiben können.

Die Fayu, ihr Stamm der Kindheit, sind heute gut geschützt, zu bekannt, als dass sich jemand auf ihr Land wagen würde. Sabine Kueglers Lebensgeschichte lehrt uns, dass ein ideales Leben nicht in der Abwesenheit moderner Annehmlichkeiten liegt, sondern in der Qualität der menschlichen Beziehungen. „Wenn wir anfangen würden, besser miteinander umzugehen, wären wir zufriedener“, ist ihre Botschaft. Es geht darum, die Prioritäten neu zu setzen und Zeit für das zu finden, was wirklich zählt: Freunde und Familie.

Wie alt ist Bib im Dschungel?
Sehr gut beschrieben und lebendig erzählt. Ich konnte mich im Dschungel mit erlebenund direkt 'spüren' was und wie sie es erlebt hat. Bib über 79 Jahre alt und war sehr fasziniert von den Schilderungen. Hab dann auch den Film an gesehen und finde ihn ebenso gut .

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Sabine Kueglers Leben

Wie alt war Sabine Kuegler, als sie in den Dschungel zurückkehrte?
Sabine Kuegler kehrte 2012, im Alter von 39 Jahren, schwer krank in den Dschungel zurück, um dort Heilung zu finden.

Warum kehrte Sabine Kuegler 2012 in den Dschungel zurück?
Sie kehrte zurück, weil sie an einer unbekannten parasitischen Krankheit litt, die von westlichen Ärzten nicht diagnostiziert oder behandelt werden konnte. Sie hoffte, bei den indigenen Stämmen ein traditionelles Heilmittel zu finden.

Welche Fähigkeiten erlernte Sabine Kuegler als Kind im Dschungel?
Sie lernte essenzielle Überlebensfähigkeiten, darunter den Umgang mit Pfeil und Bogen, das Unterscheiden von giftigen und essbaren Pflanzen, das Verhalten bei Wildschweinangriffen und die Anpassung an die lokale Nahrung. Sie wurde mit den Sitten und Riten der Fayu vertraut.

Wie lange dauerte Sabine Kueglers zweite Dschungelreise zur Heilung?
Ihre zweite Dschungelreise, die der Heilung diente, dauerte insgesamt fünf Jahre, von 2012 bis 2017.

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