26/04/2025
Der Gemeindegesang ist ein Herzstück des evangelischen Gottesdienstes und prägt das religiöse Leben vieler Menschen im deutschsprachigen Raum. Im Zentrum dieser musikalischen Tradition steht ein Werk, das Generationen von Gläubigen begleitet hat: das Evangelische Gesangbuch. Doch welche Kirchen und Gemeinschaften nutzen dieses umfassende Liederbuch eigentlich, und welche Bedeutung hat es über den reinen Gesang hinaus?
- Das Evangelische Gesangbuch (EG) – Ein Fundament des Protestantismus
- Die Entwicklung des Evangelischen Gesangbuchs: Eine Reise durch die Zeit
- Bedeutung des Gemeindegesangs im evangelischen Glauben
- Das EG im Vergleich zu anderen Gesangbüchern
- Aktuelle Entwicklungen und Zukunft des Gemeindegesangs
- Häufig gestellte Fragen zum Evangelischen Gesangbuch
- Ist das EG das einzige Liederbuch, das in evangelischen Kirchen verwendet wird?
- Verwenden alle evangelischen Landeskirchen genau das gleiche EG?
- Kann ich das Evangelische Gesangbuch auch für den privaten Gebrauch nutzen?
- Gibt es eine digitale Version des EG?
- Werden dem EG noch neue Lieder hinzugefügt?
Das Evangelische Gesangbuch (EG) – Ein Fundament des Protestantismus
Das Evangelische Gesangbuch, kurz EG, ist das offizielle und meistgenutzte Liederbuch der evangelischen Kirchen in Deutschland, Österreich und dem Elsass. Es wurde 1993 eingeführt und löste damit das Evangelische Kirchengesangbuch (EKG) von 1950 ab. Das EG ist mehr als nur eine Sammlung von Liedern; es ist ein theologisches, kulturelles und spirituelles Kompendium, das die Vielfalt des evangelischen Glaubens widerspiegelt.

Es enthält nicht nur Lieder für alle Sonn- und Feiertage des Kirchenjahres, sondern auch Psalmen, Gebete, liturgische Gesänge und verschiedene Agenden für Gottesdienste und Kasualien (Taufe, Trauung, Bestattung). Seine Struktur ist thematisch und nach dem Kirchenjahr geordnet, was den Gemeinden eine einfache Navigation und Nutzung ermöglicht.
Wer nutzt das Evangelische Gesangbuch?
Die Hauptnutzer des Evangelischen Gesangbuchs sind die Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Dazu gehören eine Vielzahl von Landeskirchen, darunter die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, die Evangelische Kirche im Rheinland, die Evangelische Landeskirche in Württemberg und viele andere. Jede dieser Landeskirchen verwendet das EG als Kernbestandteil ihrer Gottesdienste, wobei es oft regionale Anhänge gibt, die spezifische Lieder oder liturgische Texte enthalten, die für die jeweilige Region von besonderer Bedeutung sind.
- Evangelische Landeskirchen in Deutschland (Mitglieder der EKD)
- Evangelische Kirche A.B. in Österreich
- Evangelische Kirche H.B. in Österreich
- Evangelische Kirche A.B. von Elsass und Lothringen
- Teilweise auch evangelische Gemeinden im Ausland, die eine Verbindung zu den deutschen Landeskirchen haben.
Es ist wichtig zu betonen, dass das EG nicht nur in den Hauptgottesdiensten am Sonntag verwendet wird, sondern auch in Kindergottesdiensten, Bibelkreisen, Andachten, bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen. Es ist ein ständiger Begleiter im Leben evangelischer Christen.
Die Entwicklung des Evangelischen Gesangbuchs: Eine Reise durch die Zeit
Die Tradition des Gemeindegesangs reicht tief in die Geschichte der Reformation zurück. Martin Luther selbst legte großen Wert darauf, dass die Gemeinde aktiv am Gottesdienst teilnehmen konnte, und sah im Gesang ein mächtiges Instrument zur Verbreitung des Evangeliums. Er übersetzte Psalmen und schuf neue Lieder, die schnell populär wurden.
Vor dem heutigen EG gab es in Deutschland eine Vielzahl von regionalen Gesangbüchern. Die Bestrebungen, ein überregionales, ja einheitliches Liederbuch für alle evangelischen Kirchen Deutschlands zu schaffen, führten 1950 zur Einführung des Evangelischen Kirchengesangbuchs (EKG). Dieses war bereits ein großer Schritt hin zur Vereinheitlichung und legte den Grundstein für das heutige EG.
Die Revision, die zum EG von 1993 führte, berücksichtigte nicht nur theologische und musikalische Entwicklungen, sondern auch gesellschaftliche Veränderungen. Neue Lieder, die den Zeitgeist aufnahmen, fanden ebenso Eingang wie ökumenische Lieder und Lieder aus anderen Kulturen. Dies zeigt die dynamische Natur des Gesangbuchs, das sich stetig weiterentwickelt, um den Bedürfnissen der Gemeinden gerecht zu werden.
Bedeutung des Gemeindegesangs im evangelischen Glauben
Der Gemeindegesang ist weit mehr als nur musikalische Untermalung des Gottesdienstes. Er ist ein zentraler Ausdruck des Glaubens und hat vielfältige Funktionen:
- Glaubensbekenntnis: Im gemeinsamen Singen bekennen Gläubige ihren Glauben. Die Texte der Lieder sind oft verdichtete theologische Aussagen.
- Gemeinschaftsstiftung: Das gemeinsame Singen verbindet die Menschen über Generationen und soziale Schichten hinweg. Es schafft ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und der gemeinsamen Identität als Gemeinde.
- Trost und Ermutigung: Viele Lieder spenden Trost in Leid und Not und ermutigen in schwierigen Lebenslagen. Sie können eine Quelle der Kraft sein.
- Lehre und Verkündigung: Lieder sind eine Form der Verkündigung. Sie prägen theologische Inhalte ein und vermitteln biblische Geschichten und Lehren auf eine einprägsame Weise.
- Gebet: Viele Lieder sind Gebete in musikalischer Form. Sie ermöglichen es der Gemeinde, Gott gemeinsam Lob, Dank, Bitte und Klage darzubringen.
- Freude und Lobpreis: Der Gesang ist auch Ausdruck der Freude über Gottes Wirken und eine Form des Lobpreises und der Anbetung.
Die Gottesdienst-Besucher erleben durch das Singen eine tiefere Beteiligung und können ihre Emotionen und ihren Glauben auf eine Weise ausdrücken, die über das gesprochene Wort hinausgeht. Das Evangelische Gesangbuch bietet hierfür die notwendige Grundlage und Vielfalt.
Das EG im Vergleich zu anderen Gesangbüchern
Obwohl das EG das dominierende Gesangbuch im deutschen Protestantismus ist, gibt es andere Liederbücher, die in unterschiedlichen Kontexten verwendet werden. Der bekannteste Vergleich ist sicherlich das katholische Gesangbuch.
| Merkmal | Evangelisches Gesangbuch (EG) | Gotteslob (GL) | Freikirchliche Liederbücher (z.B. Feiert Jesus!) |
|---|---|---|---|
| Kirche/Konfession | Evangelische Landeskirchen (EKD), Evangelische Kirche A.B. und H.B. in Österreich | Römisch-katholische Kirche (Deutschland, Österreich, Südtirol) | Verschiedene Freikirchen (z.B. Baptisten, Methodisten, Pfingstgemeinden) |
| Erscheinungsjahr (aktuelle Fassung) | 1993 | 2013 | Laufend neue Bände und Sammlungen |
| Inhaltlicher Fokus | Breites Spektrum von Chorälen der Reformation bis zu neuen geistlichen Liedern; starker Fokus auf Kirchenjahr und theologische Tiefe. | Umfassendes Gebet- und Gesangbuch; enthält auch Messordinarium, Psalmen, Gebete, Litaneien, stark katholisch geprägte Lieder. | Oft modernere Lobpreislieder, Gospels, Worship-Songs; weniger traditionelle Choräle, Fokus auf persönlich-erfahrbaren Glauben. |
| Verbreitung | Standard in evangelischen Gottesdiensten | Standard in katholischen Gottesdiensten | Vielfältig, je nach Gemeinde und Präferenz |
| Ökumenische Lieder | Ja, enthält eine Reihe ökumenischer Lieder | Ja, enthält eine Reihe ökumenischer Lieder | Kann ökumenische Lieder enthalten, oft aber spezifischer ausgerichtet |
Neben dem Gotteslob gibt es in freikirchlichen Gemeinden oft eigene Liederbücher oder Liedsammlungen wie „Feiert Jesus!“, „Ich lobe meinen Gott“ oder „Jesus House Worship“. Diese zeichnen sich oft durch einen moderneren Musikstil, ein höheres Tempo und Texte aus, die stärker auf persönlichen Glaubenserfahrungen und Lobpreis ausgerichtet sind. Manchmal werden in evangelischen Gemeinden auch Ergänzungshefte zum EG genutzt, die neuere Lieder enthalten, die noch keinen Eingang ins Hauptgesangbuch gefunden haben.

Aktuelle Entwicklungen und Zukunft des Gemeindegesangs
Auch wenn das EG ein festes Standbein ist, entwickelt sich der Gemeindegesang weiter. Neue geistliche Lieder entstehen, und die Art und Weise, wie Musik im Gottesdienst eingesetzt wird, verändert sich. Viele Gemeinden nutzen Beamer und digitale Liedanzeigen, um auch Lieder zu singen, die nicht im EG enthalten sind. Es gibt Bestrebungen, das EG immer wieder zu ergänzen oder auch über eine neue Ausgabe nachzudenken, um den musikalischen und theologischen Entwicklungen Rechnung zu tragen.
Die Digitalisierung hat auch vor dem Evangelisches Gesangbuch nicht Halt gemacht. Es gibt Apps und Online-Ressourcen, die den Zugriff auf die Lieder und Texte erleichtern. Dies ermöglicht es nicht nur Kirchenmusikern und Pfarrern, schnell auf Inhalte zuzugreifen, sondern auch Gemeindemitgliedern, die Lieder zu Hause zu üben oder sich mit den Texten auseinanderzusetzen.
Häufig gestellte Fragen zum Evangelischen Gesangbuch
Ist das EG das einzige Liederbuch, das in evangelischen Kirchen verwendet wird?
Nein, das EG ist zwar das offizielle und am weitesten verbreitete Liederbuch der evangelischen Landeskirchen, aber viele Gemeinden nutzen zusätzlich Ergänzungshefte (wie z.B. „Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder“) oder moderne Liedsammlungen, um die Vielfalt des Gemeindegesangs zu erweitern. Insbesondere neuere Lieder aus dem Bereich des „Neuen Geistlichen Liedes“ oder Lobpreislieder werden oft ergänzend eingesetzt.
Verwenden alle evangelischen Landeskirchen genau das gleiche EG?
Der Hauptteil des EG ist in allen evangelischen Landeskirchen identisch. Es gibt jedoch regionale Anhänge, die spezifische Lieder, Gebete oder liturgische Texte enthalten, die für die jeweilige Landeskirche oder Region von besonderer historischer oder kultureller Bedeutung sind. Diese Anhänge variieren von Landeskirche zu Landeskirche.
Kann ich das Evangelische Gesangbuch auch für den privaten Gebrauch nutzen?
Absolut! Das Evangelische Gesangbuch ist nicht nur für den Gottesdienst gedacht, sondern auch für den privaten Gebrauch zu Hause. Viele Familien nutzen es für Andachten, zum Singen von Abendliedern oder einfach zum Nachlesen der Texte. Es ist eine wertvolle Ressource für die persönliche Frömmigkeit und das Gebet.
Gibt es eine digitale Version des EG?
Ja, das Evangelische Gesangbuch ist auch in digitaler Form verfügbar. Es gibt verschiedene Apps für Smartphones und Tablets, die den Inhalt des EG umfassen. Diese digitalen Versionen bieten oft zusätzliche Funktionen wie Suchmöglichkeiten, Lesezeichen und manchmal auch Hörproben der Lieder.
Werden dem EG noch neue Lieder hinzugefügt?
Das EG von 1993 ist eine feste Ausgabe. Neue Lieder werden in der Regel nicht direkt in diese Ausgabe integriert, sondern in Ergänzungsheften oder in neuen Liedsammlungen veröffentlicht. Es gibt jedoch immer wieder Diskussionen und Planungen für zukünftige Neuauflagen oder umfassende Überarbeitungen, bei denen dann auch neue Lieder aufgenommen werden könnten. Der Bestand an Liedern wird also kontinuierlich weiterentwickelt und ergänzt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Evangelische Gesangbuch ein unverzichtbarer Bestandteil des evangelischen Glaubenslebens ist. Es verbindet Generationen, prägt den Gottesdienst und bietet eine reiche Quelle für Lobpreis, Gebet und Verkündigung. Seine Nutzung durch die evangelischen Landeskirchen in Deutschland und angrenzenden Regionen festigt seine Position als zentrales Werkzeug des Gottesdienst-Geschehens und der persönlichen Frömmigkeit.
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