23/02/2022
Der Tod ist im Islam nicht das Ende, sondern der Übergang in ein ewiges Leben. Entsprechend wird dem Abschied eines Muslims von dieser Welt mit größtem Respekt, Würde und einer Reihe festgelegter Rituale begegnet. Diese Praktiken spiegeln den Glauben an die Auferstehung und die Rechenschaftspflicht wider und sollen dem Verstorbenen eine friedliche Reise ermöglichen, während sie den Hinterbliebenen Trost und Orientierung bieten. Im Mittelpunkt dieser Rituale steht oft das Gemeinschaftsgefühl und die Fürsorge für den Toten, aber auch die Erinnerung an die eigene Vergänglichkeit und die Hinwendung zu Gott.

- Das Stille Totengebet (Salat al-Janazah)
- Vorbereitung auf den Abschied: Der Sterbende im Islam
- Unmittelbar nach dem Tod: Erste Schritte
- Die rituelle Waschung (Ghusl)
- Das Einkleiden (Kafan)
- Der Trauerzug
- Die Beisetzung (Dafn)
- Nach der Beerdigung: Das Grab und der Besuch
- Beileid und Trauerfeiern
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Das Stille Totengebet (Salat al-Janazah)
Das Totengebet, bekannt als Salat al-Janazah, ist ein zentraler Bestandteil der islamischen Bestattungsriten und eine gemeinschaftliche Pflicht (Fard Kifayah). Es ist ein Gebet, das ausschließlich im Stehen verrichtet wird und sich von den üblichen täglichen Gebeten unterscheidet, da es weder Verbeugungen noch Niederwerfungen beinhaltet. Es drückt die Bitte um Vergebung und Barmherzigkeit für den Verstorbenen und die gesamte muslimische Gemeinschaft aus.
Ablauf und Besonderheiten
Dieses besondere Gebet wird normalerweise kurz vor der Beerdigung verrichtet, entweder in einer Moschee oder direkt auf dem Friedhof. Bevor die Betenden am Gebet teilnehmen, müssen sie rituell rein sein, was durch eine vorherige Gebetswaschung (Wudu) sichergestellt wird.
- Der Sarg des Verstorbenen wird in Richtung der Kaaba in Mekka aufgestellt.
- Der Imam, der das Gebet leitet, steht dahinter, und die Betenden ordnen sich in Reihen hinter dem Imam an.
- Der Imam erklärt kurz den Ablauf des Gebets, das aus vier Gebetseinheiten (Takbirat) besteht.
- Ein entscheidendes Merkmal ist, dass es ein stilles Gebet ist. Das bedeutet, jeder Betende spricht die einzelnen Gebetsteile leise für sich. Lediglich der Imam spricht die Takbirat „Allahu Akbar“ (Gott ist der Größte) laut aus.
Die vier Gebetseinheiten (Takbirat)
Jede Gebetseinheit beginnt mit der lauten Aussprache von „Allahu Akbar“ durch den Imam:
- Erste Takbira: „Allahu Akbar“
- Danach rezitieren die Betenden leise die Sure „Al-Fatiha“, das Eröffnungskapitel des Korans.
- Zweite Takbira: „Allahu Akbar“
- Anschließend werden leise Segenswünsche für die Propheten Abraham und Mohammed rezitiert (Salawat Ibrahimiya).
- Dritte Takbira: „Allahu Akbar“
- Nun spricht jede/r Betende leise ein Bittgebet für die/den Verstorbene/n. Dies kann ein überliefertes Gebet sein, wie „O Gott, vergib unseren Lebenden und Verstorbenen, unseren Anwesenden und Abwesenden, unseren Jungen und Alten, unseren Männern und Frauen.“
- Vierte Takbira: „Allahu Akbar“
- Diese letzte Gebetseinheit ist sehr kurz. Die Betenden sprechen leise ein Bittgebet für sich selbst und die gesamte muslimische Gemeinde. Es ist ratsam, dieses kurze Bittgebet bereits vor Beginn des Gebets vorzubereiten.
Nach der vierten Takbira schweigt man kurz, und der Imam beendet das Gebet mit dem Friedensgruß (Salam) nach rechts und links, dem die Betenden folgen. Danach wird der Verstorbene zum Grab gebracht und beerdigt. Am Grab kann eine kurze Grabrede gehalten werden.
Vorbereitung auf den Abschied: Der Sterbende im Islam
Die Pflege und Begleitung eines Sterbenden im Islam ist von großer Bedeutung. Es geht darum, dem Sterbenden Trost zu spenden, ihn an Gott zu erinnern und ihm den Übergang in das Jenseits zu erleichtern.
Umgang mit dem Sterbenden
Der islamische Glaube schreibt vor, wie mit einem Sterbenden umgegangen werden soll, um seine Würde zu wahren und ihm spirituelle Unterstützung zu bieten:
- Ausrichtung: Der Sterbende sollte, wenn möglich, auf die rechte Seite gelegt werden, das Gesicht in Richtung Kaaba (Mekka). Alternativ kann er auf den Rücken gelegt werden, mit den Füßen zur Kaaba und dem Kopf leicht erhöht, sodass das Gesicht ebenfalls in diese Richtung blickt. Die Ausrichtung auf die Kaaba symbolisiert die Einheit und die Hinwendung zu Gott.
- Glaubensbekenntnis: Ihm sollte das Glaubensbekenntnis (Shahada) „Es gibt nur einen Gott, Muhammad ist sein Prophet“ in anständiger und diskreter Weise ins Ohr geflüstert werden. Dies sollte nicht zu oft wiederholt werden, um den Sterbenden nicht zu belästigen, aber so, dass es seine letzten Worte sein könnten.
- Familienpräsenz: Das Glied der Familie, das ihm am nächsten steht, am fähigsten zur Verschwiegenheit und am frömmsten ist, sollte dem Sterbenden zugeführt werden. Diese Person soll ihn an Gottes Hoheit, die Vergebung seiner Sünden und an sein Testament erinnern.
- Umfeld: Bestimmte Personen und Gegenstände, die als unrein gelten oder von den Engeln abgelehnt werden könnten, wie menstruierende Frauen, unreine Personen, Musikinstrumente oder Unterhaltungsgeräte, sollten vom Sterbenden ferngehalten werden. Stattdessen soll eine wohlriechende Substanz zu ihm gebracht werden, um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen.
- Gebete und Koranrezitation: Es wird empfohlen, zahlreich für den Sterbenden und die Helfer zu beten. Der Koran, insbesondere die Sure Yasin, sollte rezitiert werden. Diese Rezitation muss sehr diskret sein, um den Sterbenden nicht zu beunruhigen. Nach dem Tod soll die Koranrezitation am Sterbebett jedoch aufhören, da dies nicht der Sunna des Propheten entspricht.
- Stärkung des Vertrauens: Demjenigen, der beim Sterbenden wacht, ist es empfohlen, ihm die Wohltaten Gottes in Erinnerung zu rufen, um sein Vertrauen in die Größe und Herrlichkeit Gottes zu stärken, denn es heißt: „Ich bin, wie mich mein Knecht sieht.“
Unmittelbar nach dem Tod: Erste Schritte
Sobald der Tod eingetreten ist, gibt es eine Reihe von sofortigen Maßnahmen, die ergriffen werden müssen, um den Verstorbenen auf die Waschung und Beisetzung vorzubereiten und seine Würde zu wahren.
- Augen schließen: Die Augen des Verstorbenen sollten sanft geschlossen werden.
- Kiefer fixieren: Der Unterkiefer sollte an den Kopf gebunden werden, um ein Erschlaffen zu verhindern.
- Bauch beschweren: Ein angemessener Gegenstand sollte auf den Bauch gelegt werden, um ein Aufblähen zu verhindern.
- Gelenke biegen: Wenn möglich, sollten die Gelenke sofort nach dem Tod sanft gebogen werden (Arme gegen Vorderarme gegen Seiten des Körpers, Beine gegen Oberschenkel, Oberschenkel gegen den Bauch). Dies verhindert die Körpersteifheit (Rigor Mortis) und erleichtert die spätere Waschung und Beisetzung. Ist dies nicht möglich, lässt man es.
- Ausrichtung und Bedeckung: Der Verstorbene wird leicht gehoben, das Gesicht gegen die Kaaba gerichtet. Er wird ausgekleidet und mit einem Tuch zugedeckt, das den gesamten Körper bedeckt.
- Schulden begleichen: Es ist äußerst wichtig, sich zu beeilen, die Schulden des Verstorbenen zu bezahlen, da dies eine wichtige Pflicht gegenüber Allah und den Menschen ist.
- Benachrichtigung: Es ist angebracht, die Leute über den Tod zu informieren, damit sie an der Bestattung teilnehmen können. Dabei ist jedoch darauf zu achten, die Stimme nicht zu erheben, da lautes Klagen heidnischen Bräuchen entspricht.
- Klagen verboten: Es ist streng verboten, die Stimme zu erheben, zu jammern, sich auf die Wangen zu schlagen oder die Kleider zu zerreißen. Tränen sind jedoch nicht verboten, solange sie nicht von diesen verbotenen Handlungen begleitet sind. Die trauernde Person soll das Leid geduldig tragen und auf den Trost und die Belohnung Gottes warten.
- Eile: Aus Respekt für den Toten ist es empfohlen, sich mit der Vorbereitung des Toten und seiner Bestattung zu beeilen.
Die rituelle Waschung (Ghusl)
Die islamische Waschung des Verstorbenen ist ein auferlegter religiöser Ritus und eine gemeinsame Verpflichtung (Fard Kifayah) aller Muslime. Hat sie jemand übernommen, sind die anderen davon befreit.
Anforderungen an den Wäscher
Die Person, die die Waschung durchführt, muss bestimmte Kriterien erfüllen:
- Ein gewissenhafter, volljähriger Muslim sein.
- Die Entscheidung, die Waschung durchzuführen, muss aus freiem Willen erfolgen.
- Vertrauenswürdig, ehrlich und gut über die Waschungsregeln gemäß der Sunna informiert sein.
- Die Unvollkommenheiten, die er am Verstorbenen sieht, verheimlichen und nicht unter die Leute bringen.
Wer wäscht wen?
Es gibt klare Regeln, wer die Waschung vornehmen darf:
- Männer: Am besten geeignet ist die vom Verstorbenen gewählte Person, danach in absteigender Reihenfolge: Vater, Großvater, dann die nahen väterlichen und mütterlichen männlichen Verwandten. Eine Frau darf ihren Ehemann waschen.
- Frauen: Am besten geeignet ist die Mutter, dann die Großmutter, danach die nahen weiblichen Verwandten. Ein Mann darf seine Ehefrau waschen.
- Kinder: Frauen dürfen einen verstorbenen Knaben waschen, und Männer dürfen ein verstorbenes Mädchen waschen.
- Ausnahmen: Stirbt eine Frau unter Männern, von denen keiner der Ehegatte ist, darf ein Fremder sie trocken mit Sand waschen, mit bedeckten Händen, um direkten Kontakt zu vermeiden. Entsprechend darf eine Fremde einen Mann waschen, wenn keine Ehegattin anwesend ist, ebenfalls ohne direkten Kontakt.
Wer wird gewaschen?
Nicht jeder Verstorbene wird gewaschen:
- Der Verstorbene muss Muslim sein; Ungläubige werden nicht gewaschen.
- Keine Frühgeburt: Ist der Fötus tot geboren, wird er nicht gewaschen.
- Ein genügend großer Körperteil muss vorhanden sein.
- Ein Märtyrer eines Kampfes auf dem Gottesweg muss nicht gewaschen werden.
- Reines Wasser muss zur Verfügung stehen. Andernfalls kann die Waschung durch eine trockene Waschung (Tayammum) mit Sand ersetzt werden.
Sonderfälle: Pilger und Märtyrer
Es gibt spezifische Vorschriften für Pilger und Märtyrer:
Pilger (Hajj/Umrah): Der Pilger muss mit Wasser gewaschen werden, jedoch ohne wohlriechende Substanzen. Auch sein Kopf darf nicht bedeckt sein, da er am Tage der Auferstehung als Pilger auferweckt werden wird.
Märtyrer: Ein Märtyrer des Kampfes auf dem Gottesweg wird nicht gewaschen. Seine Waffen, Gürtel und alles außer den Kleidern müssen entfernt werden. Er wird mit den Kleidern bestattet, in denen er getötet wurde, obwohl es nicht verboten ist, ihn in anderen Kleidern zu bestatten. Das Gebet ist für den Märtyrer nicht notwendig; er wird, wie vom Propheten vorgeschrieben, ohne Gebet bestattet, wie es für die Märtyrer der Schlacht von Uhud geschah.
Der Waschprozess
Die Waschung erfolgt nach genauen Schritten, um Reinheit und Respekt zu gewährleisten:
- Bedeckung: Zu Beginn der Waschung muss der Verstorbene vom Bauchnabel bis zu den Knien bedeckt sein.
- Privatsphäre: Die Waschung muss an einem privaten Ort durchgeführt werden.
- Reinigung: Der Wäscher umwickelt seine Hand mit einem Stoffstück, um den Körper von allen Unreinheiten zu reinigen. Danach wickelt er seine Hand in ein anderes Stoffstück, um den Rest des Körpers zu reinigen, und drückt leicht auf den Bauch (außer bei schwangeren Frauen).
- Geruchsneutralisierung: Es wird empfohlen, Weihrauch oder eine andere wohlriechende Substanz neben den Verstorbenen zu stellen, um unangenehme Gerüche zu vermeiden.
- Kopfausrichtung: Der Kopf des Verstorbenen wird leicht gehoben, damit das Waschwasser mit den Körperausscheidungen ablaufen kann und nicht zum Kopf zurückfließt.
- Mund- und Nasenreinigung: Der Wäscher führt zwei nasse Finger zwischen die Lippen des Verstorbenen, um die Zähne zu reinigen, und in die Nasenhöhlen, um diese ebenfalls zu reinigen. Danach führt der Wäscher die rituelle Reinigung (Wudu) wie für das Gebet durch, wobei darauf geachtet wird, dass kein Wasser in Mund und Nase fließt.
- Gießen des Wassers: Wasser wird über den Körper gegossen, beginnend mit der rechten Seite (vorne und hinten), dann die linke Seite auf die gleiche Weise. Der Wäscher beginnt mit dem Kopf und dem Bart.
- Verwendete Mittel: Der Verstorbene wird mit Lilienwasser, reinem Wasser oder einem reinigenden Mittel wie Seife gewaschen. Dem letzten Waschwasser wird eine kleine Menge einer wohlriechenden Substanz, wie Kampfer, beigeben.
- Vorsicht: Der Wäscher soll den Verstorbenen mit Ehrfurcht und Vorsicht behandeln, sei es beim Umdrehen, Abreiben der Glieder, Drücken des Bauches oder Biegsammachen der Gelenke.
- Wiederholung: Aus religiöser Pflicht wird der Verstorbene nur einmal gewaschen. Die Sunna des Propheten schreibt jedoch die Wiederholung der Waschung vor, so oft es notwendig ist (ungerade Zahlen, z.B. drei, fünf, sieben Mal).
- Nachfolgende Unreinheiten: Wenn sich nach der Waschung Unreinheiten lösen, muss die Stelle gereinigt und die Waschung ein, drei, fünf oder sieben Mal wiederholt werden. Lösen sich Unreinheiten nach dem Einkleiden, wird die Waschung nicht wiederholt, sondern nur die Unreinheiten beseitigt.
- Abtrocknen: Der Körper des Verstorbenen muss mit einem trockenen Tuch abgetrocknet werden, um zu verhindern, dass das Leichentuch nass wird.
- Einbalsamierung: Nach der Waschung werden Kopf und Bart des Verstorbenen mit einer wohlriechenden Essenz (außer Safran) einbalsamiert. Eine parfümierte Substanz wird auch auf die Körperstellen verteilt, auf die man sich beim Beten stützt (Stirn, Nase, Hände, Knie, Füße), sowie auf die Ohren und Achselhöhlen. Kampfer ist hierfür am besten geeignet.
Das Einkleiden (Kafan)
Das islamische Einkleiden des Verstorbenen (außer Märtyrer) ist eine vorgeschriebene religiöse Pflicht (Fard Kifayah). Die Kosten für Einkleiden, Vorbereitung und Bestattung müssen aus dem persönlichen Vermögen des Verstorbenen beglichen werden. Falls kein Vermögen vorhanden ist, fallen die Kosten auf diejenigen, die den Verstorbenen zu Lebzeiten unterhalten haben. Sollte auch dies nicht möglich sein, trägt die islamische Kasse die Kosten; andernfalls fällt die Haftung kollektiv an die Muslime.
Leichentücher für Männer und Frauen
Die Anzahl und Art der Leichentücher unterscheiden sich je nach Geschlecht:
| Geschlecht | Anzahl der Leichentücher | Details |
|---|---|---|
| Mann | Drei weiße Leichentücher | Keines davon ist ein Hemd oder Turban. Erlaubt sind auch nur zwei. Mindestens ein Tuch, das den ganzen Körper bedeckt. |
| Frau | Fünf weiße Leichentücher | Ein Hemd, eine Leibbinde, eine Bandage, ein Schleier für den Kopf, ein Stoffstück für die Oberschenkel. Wenn nicht möglich, wie beim Mann. |
| Kind | Ein einziges Leichentuch | Nicht verboten, es in drei Leichentücher einzuwickeln. |
Wie wird eingewickelt?
Der Prozess des Einwickelns folgt einer bestimmten Reihenfolge:
Für den Mann:
- Die mit Weihrauch parfümierten Leichentücher werden aufeinander ausgebreitet, wobei das unterste das größte und breiteste sein sollte.
- Der mit einem Tuch bedeckte Verstorbene wird auf die ausgebreiteten Tücher gelegt.
- Der Rand des obersten Leichentuches wird über die rechte Seite des Verstorbenen gefaltet, dann der andere Rand über die linke Seite. Dies wird mit dem zweiten und dritten Leichentuch wiederholt.
- Die Leichentücher werden um den Körper festgebunden und erst wieder gelöst, sobald der Verstorbene im Grab liegt.
- Falls kein Leichentuch den ganzen Körper bedeckt, werden nur Kopf und intime Organe bedeckt; für die Füße können Pflanzen, Blätter oder Ähnliches verwendet werden.
- Bei zahlreichen Verstorbenen und Mangel an Leichentüchern können zwei oder drei Männer in ein einziges Tuch gewickelt und im gleichen Grab bestattet werden (wie bei den Uhud-Märtyrern).
Für die Frau:
- Die Leichentücher werden in der Reihenfolge aufeinander ausgebreitet. Die mit einem Tuch bedeckte Verstorbene wird auf die ausgebreiteten und parfümierten Tücher gelegt.
- Das Stoffstück wird um ihre Oberschenkel gebunden.
- Die Leibbinde wird angezogen.
- Die Verstorbene wird mit ihrem Hemd bekleidet.
- Ihr Haar wird aus drei Teilen geflochten und auf dem Rücken platziert.
- Sie wird mit dem Schleier bekleidet.
- Sie wird in die Bandage eingewickelt, die zuerst festgebunden und dann wieder gelöst wird, sobald die Verstorbene bestattet ist.
Der Trauerzug
Der Trauerzug zum Grab ist ein wichtiger Bestandteil der Bestattung und soll schnell und ehrfürchtig erfolgen.

- Eile: Gemäß den Worten des Propheten (Friede sei mit ihm) sollte man sich mit dem Trauerzug beeilen. Dies ist zum Besten des Verstorbenen, wenn er ein guter Mensch war, und eine Befreiung von Übel, wenn nicht.
- Teilnahme: Die Teilnahme am Trauerzug ist eine von der Sunna empfohlene Praxis. Man kann auf drei Arten teilnehmen: nur über dem Verstorbenen beten und gehen; dem Leichenzug bis zum Friedhof folgen und an der Beerdigung teilnehmen; oder nach der Beerdigung bleiben und für den Verstorbenen um Vergebung und die Kraft des Glaubens bitten.
- Verhalten: Der Teilnehmer soll demütig sein, über das Ende nachdenken und sich seiner eigenen Vergänglichkeit bewusst sein. Er soll den Namen Gottes wiederholen und für den Verstorbenen beten, ohne die Stimme zu erheben. Weltliche Gespräche, Lachen oder ähnliche Ablenkungen sind zu vermeiden.
- Sitzen: Man soll sich nicht setzen, bevor der Verstorbene beerdigt ist. Wer vor dem Leichenzug eintrifft, darf bis zur Ankunft der Totenbahre sitzen.
- Reiten: Im Leichenzug sollte man nicht reiten. Wer nicht gehen kann und reiten muss, sollte dies hinter dem Trauerzug tun, um der Sunna des Propheten zu folgen.
Die Beisetzung (Dafn)
Die Beisetzung ist der letzte physische Akt der Bestattung, bei dem der Verstorbene seiner letzten Ruhestätte übergeben wird.
Gestaltung des Grabes
Das Grab hat bestimmte Anforderungen, um die Würde des Verstorbenen zu gewährleisten:
- Tiefe: Das Grab muss mindestens die Tiefe einer Menschenbrust erreichen. Tiefere und breitere Gräber sind jedoch besser.
- Nische (Lahd): Die Sunna lehrt, im Grab eine Nische (Lahd) auszuhöhlen, wie es im Grab des Propheten (Friede sei mit ihm) der Fall war. Diese Nische wird in Richtung der Kaaba ausgehöhlt, um den Verstorbenen hineinlegen zu können.
- Graben (Shaqq): Ist eine Nische nicht möglich, wird ein Graben (Shaqq) in den Grabgrund ausgehöhlt. Dieser Graben wird mit einem Dach (z.B. aus Schilf oder Holz) überdeckt, um zu vermeiden, dass der Verstorbene mit Staub bedeckt wird.
- Ort: Die Beerdigung des Verstorbenen soll auf einem muslimischen Friedhof stattfinden, es sei denn, dies ist unmöglich. Ein Märtyrer hingegen sollte, wenn möglich, dort begraben werden, wo er getötet wurde, wie es bei den Uhud-Märtyrern geschah.
Der Akt der Beerdigung
Die Beisetzung selbst wird mit großer Sorgfalt durchgeführt:
- Einführen in das Grab: Wenn möglich, soll der Verstorbene von der Seite des Grabes, wo seine Füße liegen werden, hineingelegt werden.
- Bedeckung für Frauen: Es gehört sich, das Grab einer verstorbenen Frau mit einem Tuch zu bedecken, während sie in das Grab gelegt wird.
- Wer legt die Frau ins Grab?: Eine verstorbene Frau wird von einem ihrer männlichen Verwandten in das Grab gelegt, dessen Verwandtschaftsgrad die Heirat verbietet (Mahram). Ist dies nicht möglich, soll sie von einem älteren, befähigten Mann hineingelegt werden.
- Positionierung: Der Verstorbene wird in der Nische auf der rechten Seite platziert, das Angesicht in Richtung Kaaba. Er muss nahe an der Wand liegen, um nicht auf das Angesicht zu fallen, und hinten von einem Erdhaufen gestützt werden, um nicht auf den Rücken zu fallen.
- Gebet beim Herablassen: Derjenige, der den Verstorbenen ins Grab legt, sagt: „Im Namen Gottes und im Glauben an Seinen Propheten.“
- Lösen der Knoten: Die Knoten des Leichentuches am Kopf und an den Füßen werden gelöst.
- Verschließen der Nische: Sobald der Verstorbene im Grab liegt, wird die Nische mit Schlammbacksteinen ummauert und die Zwischenräume mit Erde verstopft, um das Eindringen von Staub zu verhindern. Alternativ können Schilf oder Ähnliches verwendet werden.
- Erde werfen: Es ist empfehlenswert, dreimal Staub auf das Grab zu werfen, bevor es vollständig mit Erde bedeckt wird.
Nach der Beerdigung: Das Grab und der Besuch
Auch nach der Beisetzung gibt es Regeln für den Umgang mit dem Grab und den Besuch des Friedhofs.
Gestaltung und Pflege des Grabes
- Erhöhung: Das Grab soll um eine Handbreite über dem Boden erhöht werden, um es erkennbar zu machen und vor Tritten von Passanten zu schützen. Dabei sollen Gebete für das Heil des Verstorbenen gesprochen werden.
- Kennzeichnung: Das Grab darf mit einem Stein oder Ähnlichem kenntlich gemacht werden.
- Form: Es ist besser, die Oberfläche des Grabes zu wölben, als sie auszuebnen.
- Verbote: Es ist verboten, irgendetwas auf dem Grab zu bauen (z.B. Mausoleen) oder es zu verputzen, da dies als heidnische Bräuche angesehen wird. Es ist sträflich, sich auf das Grab zu setzen oder sich daran zu lehnen. Auch das Suchen von Zuflucht an Gräbern oder Spaziergänge darauf sind verboten. Es ist nicht erlaubt, Moscheen auf Gräbern zu bauen oder Lampen anzuzünden.
Besuch der Gräber
- Empfehlung für Männer: Der Besuch der Gräber ist Männern empfohlen, da er als Erinnerung an das Ende und an ein neues Leben dient.
- Verbot für Frauen: Gemäß der überlieferten Worte des Propheten ist der Besuch von Gräbern den Frauen verboten.
- Gebet beim Besuch: Beim Besuch sollte man sagen: „Segen und Friede auf Euch Gläubige und Muslime, die hier ruhen, wir werden Euch wiedertreffen. Wir bitten Gott, uns und Euch das Wohlbefinden zu verleihen.“ Man soll auch um Vergebung und Gnade für den Verstorbenen bitten.
- Strenge Verbote: Es ist streng verboten, den Verstorbenen um etwas zu bitten, ihn um seine Hilfe anzurufen oder um seine Fürsprache anzuhalten. Ebenfalls darf man nicht mit den Händen über das Grab streichen oder darum herumkreisen. Solche Handlungen gelten als abscheulich und abergläubisch, da sie zur Vergötterung und zur Verneinung der absoluten Einheit Gottes führen können.
Beileid und Trauerfeiern
Die islamische Tradition legt auch fest, wie Beileid ausgedrückt und Trauerfeiern gestaltet werden sollen.
- Beileidsbekundung: Gemäß der Sunna des Propheten wird das Beileid den Leidtragenden bis zu drei Tage und drei Nächte ausgesprochen. Die übliche Formel lautet: „Gott erhöhe Eure Belohnung, versichere Euch seines Trostes und verleihe die Vergebung Eurem Verstorbenen.“ Die Erwiderung darauf ist: „Gott erhöre Eure Gebete und schenke uns und Euch seine Gnade.“
- Verbotene Trauerversammlungen: Die Sitte, Versammlungen zu veranstalten, an denen der Koran während drei Nächten nach dem Tod rezitiert wird, oder besondere Trauerfeiern am Tag des Todes, am dritten oder vierzigsten Tag oder am Jahrestag, sind alles Handlungen, die vom Volk eingeführt wurden und weder auf dem Koran, der Sunna des Propheten noch den Überlieferungen der muslimischen Vorfahren basieren. Sie gelten als abergläubisch und sollten vermieden werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
F: Ist das islamische Totengebet laut oder leise?
A: Das Totengebet ist ein stilles Gebet. Jeder Betende spricht die Gebetsteile leise für sich. Nur der Imam spricht die Takbirat „Allahu Akbar“ laut aus.
F: Wer darf einen verstorbenen Muslim waschen?
A: Die Waschung wird idealerweise von nahen Verwandten des gleichen Geschlechts durchgeführt. Männer waschen Männer, Frauen waschen Frauen. Ausnahmen gibt es für Ehepartner und kleine Kinder. Der Wäscher muss ein gewissenhafter, volljähriger Muslim sein, der die Regeln der Waschung kennt und vertrauenswürdig ist.
F: Müssen Märtyrer im Islam gewaschen werden?
A: Nein, ein Märtyrer, der im Kampf auf dem Weg Gottes gefallen ist, wird nicht gewaschen. Er wird in seinen Kleidern, in denen er getötet wurde, bestattet, und es ist kein Totengebet für ihn erforderlich.
F: Dürfen Frauen im Islam Gräber besuchen?
A: Gemäß der überlieferten Informationen ist der Besuch von Gräbern den Frauen verboten, während er Männern empfohlen wird, um sich an den Tod und das Jenseits zu erinnern.
F: Wie lange darf man Beileid ausdrücken?
A: Die Beileidsbekundung sollte gemäß der Sunna bis zu drei Tage und drei Nächte nach dem Tod ausgesprochen werden.
F: Sind besondere Trauerfeiern an bestimmten Tagen (z.B. 40. Tag) erlaubt?
A: Nein, solche Versammlungen oder Feiern, die an bestimmten Tagen (wie dem 3., 40. Tag oder Jahrestag) nach dem Tod stattfinden, werden als abergläubische Handlungen angesehen, die nicht auf dem Koran oder der Sunna basieren und somit vermieden werden sollten.
Die islamischen Bestattungsriten sind ein Ausdruck tiefen Glaubens und Respekts. Sie dienen dazu, dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen und die Gemeinschaft in ihrem Glauben zu stärken. Möge Gott, der Gesegnete, der Erhöhte, uns durch das unsterbliche Wort stärken in dieser und in der anderen Welt, uns leben und sterben lassen im Glauben des Islams und in der Lehre der Sunna und uns zu seinen frommen Verehrern zählen. Er ist der Erhörer und der Beantworter aller unserer Gebete.
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