Was ist der Advent und warum ist er so wichtig?

Die wahre Bedeutung des Advents: Eine Zeit des Wartens

06/12/2021

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Der Advent, eine Zeit, die oft mit Lebkuchen, Kerzenlicht und dem Duft von Tannenbäumen assoziiert wird, birgt eine viel tiefere Bedeutung, als es auf den ersten Blick scheint. Manche mögen im Advent den Eindruck haben, dass noch mehr zu tun ist als sonst, eine Flut von Erledigungen, die sich vor den Feiertagen ansammelt. Doch die eigentliche Botschaft des Advents ist eine ganz andere: Er ist nicht in erster Linie Erledigungs-, sondern Wartezeit. Warten heißt, sich einstellen auf Kommendes. Warten ist eine Haltung, keine Aktion. Sie hat mit Offenheit zu tun, damit wir wahrnehmen, wer oder was auf uns zukommt. In einer Welt, die ständig nach schneller Erfüllung strebt, lädt der Advent uns ein, innezuhalten und die Kunst des erwartungsvollen Wartens neu zu entdecken.

Was ist der Advent und warum ist er so wichtig?
Manche haben im Advent den Eindruck, dass noch mehr zu tun ist als sonst. Dabei ist der Advent nicht in erster Linie Erledigungs-, sondern Wartezeit. Warten heißt, sich einstellen auf Kommendes. Warten ist eine Haltung, keine Aktion. Sie hat mit Offenheit zu tun, damit ich wahrnehme, wer oder was auf mich zukommt.
Inhaltsverzeichnis

Was ist Advent wirklich? Die Ursprünge einer besonderen Zeit

Das Wort „Advent“ leitet sich vom lateinischen „Adventus Domini“ ab, was „Ankunft des Herrn“ bedeutet. Es ist die liturgische Vorbereitungszeit auf das Hochfest der Geburt Jesu Christi, Weihnachten. Ursprünglich war der Advent eine Fastenzeit, die sich über mehrere Wochen erstreckte und der geistigen Reinigung und Buße diente, ähnlich der Fastenzeit vor Ostern. Die ersten Spuren einer Adventszeit finden sich bereits im 4. Jahrhundert in Gallien und Spanien, wo sie als Vorbereitung auf die Epiphanie gefeiert wurde, die damals die Geburt und Taufe Christi umfasste. Erst später, etwa ab dem 6. Jahrhundert in Rom, entwickelte sich der Advent zu einer direkten Vorbereitung auf Weihnachten.

Papst Gregor der Große (590-604) soll maßgeblich zur Gestaltung des römischen Advents beigetragen haben, indem er die Zahl der Sonntage auf vier festlegte. Diese vier Sonntage symbolisieren die viertausend Jahre, die nach biblischer Zählung zwischen der Schöpfung und der Geburt Christi vergangen sind. Der Advent ist somit eine Zeit des doppelten Wartens: Wir warten auf die jährliche Feier der Geburt Jesu vor über 2000 Jahren und gleichzeitig auf seine Wiederkunft am Ende der Zeiten. Es ist eine Zeit der Hoffnung und der Sehnsucht nach dem Kommen des Erlösers.

Die reiche Symbolik des Advents: Licht, Grün und Zeit

Der Advent ist reich an Symbolen, die uns helfen, seine tiefere Bedeutung zu erfassen und zu leben. Sie sind nicht nur schöne Bräuche, sondern auch Wegweiser zu innerer Besinnung.

Der Adventskranz: Ein Kreis der Erwartung

Der Adventskranz ist wohl das bekannteste Symbol dieser Zeit. Seine runde Form ohne Anfang und Ende steht für die Ewigkeit und die unendliche Liebe Gottes. Das frische Grün der Tannenzweige, die auch im Winter ihre Farbe behalten, symbolisiert Leben, Treue und die Hoffnung auf das ewige Leben. Die vier Kerzen, die nacheinander an den Adventssonntagen entzündet werden, stehen für das zunehmende Licht, das mit der Geburt Christi in die Welt kommt. Jede Kerze hat oft eine eigene Bedeutung: die erste Kerze für die Propheten, die das Kommen Christi voraussagten; die zweite für Bethlehem, den Geburtsort; die dritte für Johannes den Täufer, der den Weg bereitete; und die vierte für Maria, die Mutter Jesu.

Der Adventskalender: Tägliche Vorfreude

Der Adventskalender, ursprünglich eine Erfindung, um Kindern die Wartezeit auf Weihnachten zu verkürzen, ist zu einem festen Bestandteil der Adventszeit geworden. Hinter jedem Türchen verbirgt sich eine kleine Überraschung oder ein Bild, das die Tage bis zum Heiligen Abend zählt. Er lehrt uns, dass Vorfreude ein wichtiger Teil des Erwartens ist und dass das Schöne oft in kleinen, täglichen Momenten liegt.

Die liturgischen Farben: Violett und Rosa

In vielen Kirchen ist die liturgische Farbe im Advent Violett (oder Purpur), was Buße, Umkehr und Erwartung symbolisiert. Am dritten Adventssonntag, dem sogenannten „Gaudete“-Sonntag (lateinisch für „Freuet euch!“), wird oft eine rosa Kerze entzündet und die liturgische Farbe wechselt zu Rosa. Dies drückt die bereits spürbare Freude über die nahende Ankunft des Herrn aus und bildet eine kleine Unterbrechung der ernsteren Töne der Bußzeit.

Die spirituelle Dimension des Wartens: Eine Haltung der Offenheit

Die uns gegebene Einsicht, dass Warten eine Haltung und keine Aktion ist, ist zentral für das Verständnis des Advents. Es geht nicht darum, passiv zu sein, sondern aktiv empfänglich. Es ist eine innere Bereitschaft, das Kommende wahrzunehmen und anzunehmen. Dieses Warten ist gefüllt mit Besinnung und einer tiefen inneren Ausrichtung. Wir warten nicht nur auf ein Ereignis, das vor langer Zeit geschah, sondern auch auf die Gegenwart Christi in unserem Leben hier und jetzt.

Im biblischen Kontext ist Warten oft gleichbedeutend mit Wachsamkeit und Gebet. Die Propheten im Alten Testament warteten über Jahrhunderte auf den Messias. Simeon und Hanna im Neuen Testament warteten ihr ganzes Leben im Tempel auf die Ankunft des Erlösers. Ihr Warten war keine Last, sondern eine von Hoffnung getragene Hingabe. Sie waren offen für Gottes Plan und erkannten ihn, als er sich erfüllte.

Dieses aktive Warten fordert uns auf, zur Ruhe zu kommen, unsere Sinne zu schärfen und unser Herz für die leisen Botschaften Gottes zu öffnen. Es ist eine Einladung, die Hektik des Alltags beiseitezuschieben und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: die Ankunft des Göttlichen in der Welt und in unserem eigenen Leben.

Advent im Spannungsfeld von Tradition und Moderne

In unserer modernen Gesellschaft wird der Advent oft von kommerziellen Interessen überlagert. Die vorweihnachtliche Zeit beginnt gefühlt immer früher, und der Druck, Geschenke zu kaufen, Feiern zu organisieren und perfekte Dekorationen anzubringen, kann überwältigend sein. Dies steht im krassen Gegensatz zur ursprünglichen Bedeutung des Advents als Zeit der Ruhe, der inneren Einkehr und der Vorbereitung.

Die Herausforderung besteht darin, inmitten dieser Hektik einen Raum für die eigentliche Botschaft des Advents zu schaffen. Es geht darum, bewusst Prioritäten zu setzen und sich nicht von äußeren Zwängen leiten zu lassen. Der Advent kann eine wertvolle Gelegenheit sein, dem Konsumrausch zu entfliehen und sich auf die immateriellen Werte zu besinnen: Liebe, Gemeinschaft, Glaube und Hoffnung.

Traditioneller Advent versus Kommerzieller Advent

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AspektTraditioneller AdventKommerzieller Advent
ZweckZeit der geistigen Vorbereitung, Buße und ErwartungZeit des Konsums, des Kaufens und der Unterhaltung
FokusInnere Einkehr, Gebet, Nächstenliebe, Besinnung auf Christi AnkunftÄußere Dekoration, Geschenke, Partys, Umsatzsteigerung
StimmungStille, meditative Ruhe, Vorfreude, DemutHektik, Stress, Lärm, oberflächliche Fröhlichkeit
AktivitätenGottesdienstbesuche, Adventssingen, Gebet, Fasten, SpendenWeihnachtsmärkte, Shopping-Marathons, Firmenfeiern, Medienkonsum

Den Advent bewusst gestalten: Praktische Anregungen

Wie können wir die Wartezeit des Advents in unserer geschäftigen Welt bewusst und sinnvoll erleben? Es gibt viele Wege, die uns helfen können, die wahre Bedeutung dieser Zeit wiederzuentdecken:

  • Rituale schaffen: Zünden Sie jeden Adventssonntag eine Kerze am Adventskranz an. Nehmen Sie sich bewusst ein paar Minuten Zeit, um im Schein der Kerzen zur Ruhe zu kommen, vielleicht mit einem Gebet oder einer kurzen Meditation.
  • Digitale Auszeiten: Reduzieren Sie bewusst die Zeit, die Sie vor Bildschirmen verbringen. Nutzen Sie die gewonnene Zeit für Gespräche, Lesen oder einfach nur Stille.
  • Achtsamkeit im Alltag: Versuchen Sie, die kleinen Dinge bewusst wahrzunehmen – den Duft von Glühwein, das Leuchten der Lichter, das Lachen von Kindern.
  • Sich auf das Wesentliche besinnen: Fragen Sie sich, was Ihnen im Advent wirklich wichtig ist. Ist es die Anzahl der Geschenke oder die Qualität der gemeinsamen Zeit?
  • Geben statt Nehmen: Der Advent ist eine wunderbare Zeit, um sich für andere einzusetzen. Spenden Sie Zeit oder Geld für wohltätige Zwecke oder helfen Sie jemandem in Ihrer Nachbarschaft.
  • Spirituelle Vertiefung: Besuchen Sie einen Adventsgottesdienst, lesen Sie biblische Texte oder spirituelle Bücher, die sich mit dem Thema Warten und Hoffnung beschäftigen.

Häufig gestellte Fragen zum Advent

Warum dauert der Advent vier Wochen?

Die Festlegung auf vier Wochen und vier Sonntage geht auf das 6. Jahrhundert zurück, insbesondere auf Papst Gregor den Großen. Die vier Wochen symbolisieren die viertausend Jahre, die nach alttestamentlicher Zählung zwischen dem Sündenfall und der Geburt Jesu vergangen sind. Jede Woche repräsentiert somit tausend Jahre des Wartens auf den Erlöser.

Ist der Advent eine Fastenzeit?

Historisch gesehen war der Advent eine strenge Fastenzeit, ähnlich der vor Ostern. In der katholischen Kirche wurde die Fastenpflicht nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) gelockert. Heute ist der Advent keine verpflichtende Fastenzeit im traditionellen Sinne mehr, aber viele Gläubige nutzen die Zeit für eine freiwillige Form des Fastens oder des Verzichts, um sich bewusster auf Weihnachten vorzubereiten und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Was bedeutet der dritte Adventssonntag, „Gaudete“?

Der dritte Adventssonntag wird „Gaudete“ genannt, nach dem lateinischen Eröffnungswort des Gottesdienstes, das „Freuet euch!“ bedeutet. An diesem Sonntag wird die violette liturgische Farbe durch Rosa ersetzt, und die dritte Kerze am Adventskranz ist oft rosa. Er drückt die bereits spürbare Freude über die nahende Ankunft des Herrn aus und bildet eine festliche Unterbrechung der ansonsten eher besinnlichen Adventszeit.

Warum ist Licht ein so wichtiges Symbol im Advent?

Licht ist ein zentrales Symbol im Advent, da Jesus Christus im Christentum als das „Licht der Welt“ bezeichnet wird, das die Dunkelheit der Sünde und des Todes vertreibt. Das Anzünden der Kerzen am Adventskranz, die Lichterketten und die allgemeine Beleuchtung in der Adventszeit symbolisieren das zunehmende Licht, das mit der Geburt Christi in die Welt kommt und die Dunkelheit vor Weihnachten erhellt.

Kann auch ein nicht-religiöser Mensch den Advent feiern?

Ja, auch wenn der Advent tief in der christlichen Tradition verwurzelt ist, können seine universellen Botschaften von Hoffnung, Frieden, Besinnung und der Vorfreude auf das Gute von jedem Menschen geteilt und gelebt werden. Die Zeit bietet eine wunderbare Gelegenheit, innezuhalten, zur Ruhe zu kommen und sich auf Werte wie Gemeinschaft, Achtsamkeit und Nächstenliebe zu konzentrieren, unabhängig von der eigenen religiösen Überzeugung.

Der Advent ist eine kostbare Zeit, eine Einladung zur Ankunft – nicht nur der Ankunft Christi, sondern auch der Ankunft bei uns selbst. Er fordert uns auf, dem Drang nach ständiger Aktivität zu widerstehen und stattdessen die Kunst des Wartens zu kultivieren. Mögen wir alle diese besondere Zeit nutzen, um uns auf das Wesentliche zu besinnen, unsere Herzen zu öffnen und die tiefe Freude und Hoffnung zu erleben, die der Advent uns schenken will.

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