23/10/2022
Der Tod ist ein unvermeidlicher Teil des menschlichen Lebens, eine Realität, die der Islam nicht nur akzeptiert, sondern auch mit einer tiefen spirituellen Bedeutung und klaren Richtlinien umgibt. Für Muslime ist der Tod nicht das Ende, sondern der Übergang in ein neues Dasein. Die islamische Lehre legt großen Wert darauf, den Verstorbenen mit größtem Respekt, Würde und Sanftheit zu behandeln. Dies beginnt unmittelbar nach dem Ableben und erstreckt sich über die Waschung, das Gebet bis hin zur Bestattung und der nachfolgenden Trauerzeit. Es ist das Recht jedes verstorbenen Muslims, dass seine Brüder und Schwestern ihm auf diesem letzten Weg die gebührende Ehre erweisen. Die folgenden Abschnitte beleuchten detailliert die islamischen Vorschriften und Empfehlungen, die diesen bedeutsamen Übergang begleiten.
Die islamische Religion bewahrt die Rechte des Toten und des Sterbenden in außergewöhnlicher Weise. Muslime werden ermutigt, sich auch inmitten des Lebens an den Tod zu erinnern, denn er ist allgegenwärtig und ein Teil im Leben eines jeden Menschen. Die einfachen Prozeduren, die der Islam festlegt, sichern zu, dass der Sterbende und der Tote mit größtem Respekt und Milde behandelt werden.
- Die Rechte des verstorbenen Muslims und erste Schritte nach dem Tod
- Vorbereitung zur Bestattung: Ghusl und Kafan
- Das Totengebet (Salat al-Janazah)
- Die Bestattung (Dafn): Rituale und Regeln
- Was nach der Bestattung geschieht: Trost und Bittgebete
- Verbotene Handlungen bei Trauer und Bestattung
- Merkmale Islamischer Bestattungen im Vergleich
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Die Rechte des verstorbenen Muslims und erste Schritte nach dem Tod
Das Tragen der Leiche und das Begleiten des Trauerzuges sind zentrale Rechte des verstorbenen Muslims gegenüber seinen Glaubensgeschwistern. Diese Handlungen sind nicht nur eine Pflicht, sondern auch mit großem Segen verbunden. Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) sagte: „Wer einem muslimischen Begräbnis folgt, aus Glauben und in der Hoffnung auf Allahs Belohnung, bis das Gebet verrichtet wird, dem steht ein Qirat (an Belohnung) zu. Und wer es begleitet, bis es begraben wird, dem steht ein doppelter Qirat zu.“ Ein Qirat wurde dabei als „wie zwei große Berge“ beschrieben, was die immense Belohnung für diese Tat unterstreicht.
Unmittelbar nach dem Tod: Was ist zu tun?
Unmittelbar nach dem Ableben sollten die Anwesenden sanft die Augen des Verstorbenen schließen. Es ist empfohlen, dabei das Bittgebet für diejenigen zu sprechen, die von einem Unglück betroffen sind: „Wahrlich, zu Allah gehören wir, und zu Ihm ist unsere Rückkehr (Inna Lillahi wa inna ilaihi raji'un).“
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Begleichung etwaiger Schulden des Verstorbenen. Falls der Verstorbene seine Schulden nicht vor seinem Tod tilgen konnte, ist es nun die Verantwortung der Familie, Verwandten oder Freunde, diese aus seinem Besitz oder ihrem eigenen Vermögen zu begleichen. Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) betonte die Dringlichkeit dieser Angelegenheit, indem er sagte: „Die Seele eines Gläubigen bleibt in der Schwebe, bis alle seine Schulden bezahlt sind.“ Dies unterstreicht die Wichtigkeit, diese finanzielle Last vom Verstorbenen zu nehmen.
Der gesamte Körper des Verstorbenen sollte bedeckt werden, ausgenommen ist derjenige, der sich im Zustand des Ihram (Pilgerfahrt) befindet; in diesem Fall werden Kopf und Gesicht nicht bedeckt. Es ist erlaubt, den Verstorbenen zu küssen, als Zeichen der Zuneigung und des Abschieds, wie es von den Gefährten des Propheten überliefert ist.
Umgang mit der Trauer
Wenn die Nachricht vom Tod einer Person eintrifft, sollte ein Gläubiger versuchen, standhaft und geduldig zu bleiben. Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen ist etwas Normales, und das Weinen um den Toten ist erlaubt, solange es nicht in übertriebenes Klagen oder laute Klagen ausartet. Jammern, Kreischen, sich gegen die Brust schlagen oder an Haaren und Kleidern zu reißen, ist im Islam nicht gestattet, da dies als Ausdruck von Ungeduld und Unzufriedenheit mit Allahs Bestimmung verstanden wird.
Vorbereitung zur Bestattung: Ghusl und Kafan
Die Vorbereitung des Verstorbenen zur Bestattung ist eine gemeinschaftliche Verantwortung der muslimischen Gemeinschaft. Dazu gehören die rituelle Waschung (Ghusl) und das Einhüllen in ein Leichentuch (Kafan). Diese Prozeduren werden mit größtem Respekt, Fürsorge und Milde durchgeführt, gewöhnlich von jemandem, der das gleiche Geschlecht wie der Verstorbene hat und die islamischen Richtlinien dafür kennt.
Heutzutage werden diese Handlungen oft von qualifizierten Muslimen in islamischen Zentren, Moscheen oder staatlichen Einrichtungen durchgeführt. Die Waschung soll den Körper reinigen, während das Leichentuch (meist einfache, weiße Baumwollstoffe) eine Symbolik der Gleichheit vor Allah und der Rückkehr zur Einfachheit darstellt.
Das Totengebet (Salat al-Janazah)
Ein Gebet sollte für jeden toten Muslim verrichtet werden, unabhängig vom Alter, sogar für Babys, die gelebt, aber vor der Geburt verstorben sind. Das Totengebet (Salat al-Janazah) ist ein gemeinschaftliches Gebet (Fard Kifaya), das heißt, wenn es von einigen Muslimen verrichtet wird, entfällt die Pflicht für die anderen. Es ist Frauen gestattet, am Totengebet teilzunehmen, ebenso wie an anderen nicht verpflichtenden Gebeten.
Um die Zeit zwischen Tod und Begräbnis möglichst kurz zu halten, sollte das Gebet in derselben Stadt oder Gegend stattfinden, in der die Person verstorben ist. Es ist nicht notwendig, den Körper in ein anderes Land zu schicken, es sei denn, es gibt einen triftigen islamischen Grund dafür.
Die Teilnahme am Totengebet ist eine lohnenswerte Handlung, und Gläubige sollten nicht zögern, daran teilzunehmen, selbst wenn sie den Verstorbenen nicht persönlich kannten. Die Anzahl der Teilnehmer am Totengebet bringt auch großen Lohn für den Verstorbenen. Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) sagte, dass wenn ein Muslim stirbt und vierzig fromme Muslime für ihn bei seinem Totengebet beten, dann wird Allah ihre Gebete erhören.
Die Bestattung (Dafn): Rituale und Regeln
Nach dem Totengebet sollte der Verstorbene auf den muslimischen Friedhof oder den muslimischen Teil eines örtlichen Friedhofs gebracht werden. Das Tragen des Sarges und das Begleiten zum Bestattungsort ist eine empfohlene und lohnenswerte Tat. Der Islam besitzt eine einzigartige Art, Gräber und Friedhöfe zu gestalten, die sich durch Einfachheit und Bescheidenheit auszeichnet. Alle Muslime – ob reich oder arm, König oder Bürgerlicher – werden nach denselben Prozeduren bestattet.
Der Verstorbene wird im Grab auf seiner rechten Seite platziert, wobei sein Gesicht in Richtung der Qibla (Gebetsrichtung nach Mekka) zeigt. Derjenige, der ihn ins Grab legt, spricht: „Im Namen Allahs und nach der Sunnah des Gesandten Allahs (Bismillah wa 'ala Sunnati Rasulillah)“ oder „…nach der Religion des Gesandten Allahs (ala Millati Rasulillah salla Allahu alayhi wa sallam).“ Es ist empfohlen, dass diejenigen am Grab drei Handvoll Erde mit beiden Händen auf das Grab werfen, nachdem das Leichentuch verschlossen wurde.
Die Bestattung muss so bald wie möglich nach dem Tod erfolgen. Es gibt jedoch bestimmte Zeiten, zu denen es verboten ist, den Verstorbenen zu beerdigen: von Sonnenaufgang bis die Sonne vollständig sichtbar ist, wenn die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hat (Zenit), und von der Zeit, wenn die Sonne anfängt, blass zu werden, bis sie ganz untergegangen ist.
Was nach der Bestattung geschieht: Trost und Bittgebete
Nachdem die Bestattung abgeschlossen ist, gibt es weitere Empfehlungen und Verbote, die beachtet werden sollten:
- Das Grab sollte leicht über dem Boden erhöht sein, etwa eine Handbreit, um es zu markieren und zu schützen, ohne es jedoch mit dem Boden zu ebnen. Es kann auch mit einem Stein oder Ähnlichem gekennzeichnet werden. Das Grab sollte mit Wasser besprengt werden, um den Boden zu stabilisieren.
- Es ist nicht korrekt, dem Verstorbenen zu sagen, dass er in Kürze befragt wird. Stattdessen sollte man am Grab stehen, für ihn beten, um Festigkeit bitten und um Vergebung flehen. Der Prophet (Friede sei mit ihm) pflegte nach dem Begräbnis am Grab zu stehen und zu sagen: „Bittet um Vergebung für euren Bruder und bittet um Festigkeit für ihn, denn er wird jetzt befragt.“
- Es ist nicht erlaubt, am Grab etwas aus dem Quran zu rezitieren, da dies als Neuerung (Bid'ah) betrachtet wird und weder der Prophet noch seine Gefährten dies je getan haben.
Beileidsbekundungen
Es ist erlaubt und empfohlen, den Angehörigen des Verstorbenen Beileid auszusprechen. Die Beileidsbekundung sollte darauf abzielen, den Hinterbliebenen Trost zu spenden, ihren Kummer zu lindern und sie zum Geduldigsein zu ermutigen. Die überlieferten Worte des Propheten (Friede sei mit ihm) sind hierbei maßgeblich: „Wahrlich, zu Allah gehört, was Er nimmt, und zu Ihm gehört, was Er gibt. Alles hat bei Ihm eine festgesetzte Frist. So sei geduldig und hoffe auf Belohnung (Inna Lillahi ma akhadh, wa Lahu am a'ta, wa kullu schai in 'Indahu ila Ajalin Musamma, fal tasbir wal tahtasib).“ Falls man diese nicht kennt, kann man einfache, tröstende Worte finden, die dem Zweck dienen und nicht gegen islamische Grundsätze verstoßen.
Verbotene Handlungen bei Trauer und Bestattung
Im Islam gibt es klare Verbote bezüglich bestimmter Handlungen im Zusammenhang mit Trauer und Bestattung, die als Neuerungen (Bid'ah) gelten oder der Sunnah widersprechen:
- Lautes Weinen, Verbrennen von Weihrauch hinter der Bestattung oder laute Andachten (Adhkar) vor der Bestattung.
- Sich für Beileidsbekundungen zu versammeln, wenn dies zu einer Last oder einem Brauch wird, der dem Geist der Einfachheit widerspricht.
- Dass die Angehörigen des Verstorbenen Essen zubereiten, um diejenigen zu bewirten, die zu Beileidsbekundungen kommen. Die Sunnah ist vielmehr, dass Verwandte und Nachbarn Essen für die Familie des Verstorbenen zubereiten, um sie in ihrer Trauer zu entlasten.
- Gräber zu bauen, zu verputzen, zu beschriften oder darauf zu schreiben. Der Prophet (Friede sei mit ihm) untersagte es, Gräber zu verputzen, sich darauf zu setzen und sie zu bauen oder auf ihnen zu schreiben. Dies betont die Gleichheit und Bescheidenheit im Tod.
Merkmale Islamischer Bestattungen im Vergleich
Islamische Bestattungspraktiken zeichnen sich durch ihre Einfachheit, Würde und spirituelle Tiefe aus. Sie unterscheiden sich in vielen Aspekten von den Praktiken anderer Kulturen und Religionen, die oft aufwendigere Rituale, aufwendige Grabmäler oder andere Formen der Trauerbekundung beinhalten.
| Merkmal | Islamische Praxis | Kontrastierende Aspekte (Allgemein) |
|---|---|---|
| Grabgestaltung | Einfach, bescheiden, leicht erhöht, keine Bauten oder Inschriften. | Oft aufwendige Grabsteine, Mausoleen, Familiengräber, Skulpturen. |
| Trauerbekundung | Geduld, Bittgebete, leises Weinen erlaubt; lautes Klagen, Zerstörung verboten. | Mancherorts lautes Klagen, Selbstverletzung, spezielle Trauerkleidung über lange Zeit. |
| Beisetzungsart | Direkt in die Erde, ohne Sarg (außer bei Notwendigkeit); Gesicht zur Qibla. | Regelmäßig im Sarg; unterschiedliche Ausrichtungen. |
| Feuerbestattung | Nicht erlaubt (Haram), da der Körper als Ganzes zu Allah zurückkehrt. | In vielen Kulturen und Religionen üblich. |
| Vorbereitung | Rituelle Waschung (Ghusl) und einfaches Leichentuch (Kafan). | Oft Einbalsamierung, spezielle Kleidung, Make-up. |
| Verweildauer | Schnelle Bestattung, idealerweise innerhalb von 24 Stunden. | Oft mehrtägige Aufbahrung und Zeremonien. |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Dürfen Frauen am Totengebet teilnehmen?
- Ja, es ist Frauen gestattet, am Totengebet (Salat al-Janazah) teilzunehmen, ebenso wie an anderen nicht verpflichtenden Gebeten.
- Ist es erlaubt, am Grab aus dem Quran zu rezitieren?
- Nein, es ist nicht erlaubt, am Grab aus dem Quran zu rezitieren. Dies wird als Neuerung (Bid'ah) betrachtet, da weder der Prophet (Friede sei mit ihm) noch seine Gefährten dies taten.
- Was sagt man, wenn man den Verstorbenen ins Grab legt?
- Derjenige, der den Verstorbenen ins Grab legt, sagt: „Im Namen Allahs und nach der Sunnah des Gesandten Allahs (Bismillah wa 'ala Sunnati Rasulillah)“ oder „…nach der Religion des Gesandten Allahs (ala Millati Rasulillah salla Allahu alayhi wa sallam).“
- Ist es erlaubt, Gräber zu bauen oder zu verzieren?
- Nein, es ist untersagt, Gräber zu bauen, zu verputzen, zu beschriften oder darauf zu schreiben. Der Prophet (Friede sei mit ihm) verbot dies, um die Einfachheit und Gleichheit im Tod zu bewahren.
- Sollen die Angehörigen des Verstorbenen Essen für die Trauergäste zubereiten?
- Nein, die Sunnah ist, dass Verwandte und Nachbarn des Verstorbenen Essen zubereiten, um die trauernde Familie zu versorgen und zu entlasten, und nicht umgekehrt.
- Wann sollte die Bestattung stattfinden?
- Die Bestattung sollte so bald wie möglich nach dem Tod erfolgen. Es gibt jedoch bestimmte Zeiten (Sonnenaufgang bis vollständige Sichtbarkeit der Sonne, Sonnenzenit, Sonnenuntergang), zu denen das Begraben verboten ist.
Die islamischen Bestattungsriten sind ein Ausdruck tiefen Glaubens, Respekts und der Anerkennung der menschlichen Vergänglichkeit. Sie bieten den Hinterbliebenen Trost und eine klare Anleitung in einer der schwierigsten Zeiten des Lebens, während sie gleichzeitig die Würde des Verstorbenen bewahren. Die Betonung von Einfachheit, Gemeinschaft und dem Vertrauen in Allahs Bestimmung macht diese Riten zu einem einzigartigen und zutiefst spirituellen Abschied.
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