17/08/2021
In der vielfältigen Landschaft der christlichen Kirchen in Deutschland nehmen die Freien evangelischen Gemeinden (FeG) eine besondere Stellung ein. Sie repräsentieren eine dynamische Form des Glaubenslebens, die sich durch ihre Autonomie, eine tiefe biblische Verwurzelung und den Fokus auf eine lebendige Gemeinschaft auszeichnet. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Namen, und wie unterscheiden sich FeGs von anderen christlichen Gemeinschaften?
Dieser Artikel beleuchtet die Essenz der Freien evangelischen Gemeinden, ihre Geschichte, ihre Glaubensgrundlagen und ihre Rolle innerhalb der breiteren Bewegung der Freikirchen. Wir werden die Merkmale untersuchen, die sie einzigartig machen, und Antworten auf häufig gestellte Fragen geben, um Ihnen ein umfassendes Bild dieser faszinierenden Glaubensgemeinschaften zu vermitteln.

- Was ist eine Freie evangelische Gemeinde (FeG)?
- Die FeG und die Freikirchen: Eine Begriffsklärung
- Warum eine FeG besuchen oder Mitglied werden?
- Häufig gestellte Fragen zu Freien evangelischen Gemeinden
- 1. Wann wurde die erste deutsche Freie evangelische Gemeinde gegründet?
- 2. Sind Freie evangelische Gemeinden staatlich anerkannt?
- 3. Wie finanzieren sich Freie evangelische Gemeinden?
- 4. Gibt es eine Kirchensteuer bei den FeGs?
- 5. Muss ich Mitglied sein, um an den Gottesdiensten teilzunehmen?
- 6. Wie unterscheidet sich eine FeG von der evangelischen Landeskirche?
- 7. Sind Freie evangelische Gemeinden charismatisch oder pfingstlich?
- Fazit
Was ist eine Freie evangelische Gemeinde (FeG)?
Eine Freie evangelische Gemeinde, kurz FeG, ist nicht einfach nur eine einzelne Kirche, sondern Teil eines größeren Zusammenschlusses: des Bundes Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland (KdöR). Das Kürzel „KdöR“ steht für Körperschaft des öffentlichen Rechts, was bedeutet, dass der Bund staatlich anerkannt ist und bestimmte rechtliche Privilegien genießt, ähnlich den Landeskirchen, jedoch ohne die Kirchensteuer. Das Besondere an diesem Bund ist, dass er ein Zusammenschluss von selbstständigen Ortsgemeinden ist. Jede dieser Gemeinden ist autonom in ihrer Ausprägung, Größe und Gestaltung des Gemeindelebens.
Die Vielfalt ist hier Programm: Es gibt kleine, familiäre Gemeinden in ländlichen Regionen und große, dynamische Zentren in Städten. Diese Autonomie ermöglicht es den Gemeinden, flexibel auf die Bedürfnisse ihrer Mitglieder und des lokalen Umfelds einzugehen. Das Leitmotiv des Bundes, formuliert von Präses Ansgar Hörsting, lautet: „Bewegt von Gottes Liebe bauen wir lebendige Gemeinden.“ Dieses Motto unterstreicht zwei zentrale Säulen: Die unbedingte Liebe Gottes als Antriebskraft und das Ziel, lebendige, wachsende Gemeinschaften von Jesus-Nachfolgern zu sein.
Die FeGs verstehen sich als Orte, an denen Menschen den Glauben an Jesus Christus gemeinsam leben und vertiefen können. Sie sind offen für alle, die auf der Suche nach einer geistlichen Heimat sind und die Gemeinschaft mit anderen Gläubigen schätzen. Die lokale Verankerung und die Möglichkeit, verschiedene Gemeinden kennenzulernen, sind wichtige Aspekte, die den Besuchern oft durch eine Gemeindesuche erleichtert werden, bei der man einfach Postleitzahl oder Ort eingeben kann, um nahegelegene FeGs zu finden.
Die verbindenden Grundlagen der FeGs
Trotz ihrer Selbstständigkeit sind alle Gemeinden innerhalb des Bundes durch gemeinsame Überzeugungen und Prinzipien miteinander verbunden. Diese bilden das Fundament ihres Glaubens, ihrer Lehre und ihres Lebens:
- Die Bibel als verbindliche Grundlage: Die Heilige Schrift wird als das inspirierte Wort Gottes und somit als die höchste Autorität für alle Fragen des Glaubens, der Lehre und des Lebens angesehen. Sie ist der Maßstab, an dem sich alles ausrichtet.
- Das gemeinsame Bekenntnis zu Gott: Die FeGs bekennen sich zu Gott als Vater, Sohn und Heiligem Geist. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem Glauben an Jesus Christus als Retter und Erlöser der Menschheit. Die Erlösung durch Gnade und Glaube ist zentral.
- Ein Gemeindeverständnis als Gemeinschaft der Glaubenden: Die Gemeinde wird als eine Gemeinschaft von Menschen verstanden, die bewusst eine persönliche Entscheidung für Jesus Christus getroffen haben und ihren Glauben aktiv leben möchten. Der Beitritt zur Gemeinde erfolgt auf freiwilliger Basis, oft durch Taufe (Gläubigentaufe) oder Bekenntnis.
- Die Gewissensfreiheit in der Bindung an Gottes Wort: Obwohl die Bibel die oberste Autorität ist, wird die individuelle Gewissensfreiheit betont. Das bedeutet, dass jeder Gläubige in seinem persönlichen Verständnis und seiner Anwendung des Glaubens in Verantwortung vor Gott handelt, stets im Einklang mit den biblischen Prinzipien.
- Verpflichtende Gemeinschaft und Teil der weltweiten Gemeinde: Die FeGs sehen sich als Teil der weltweiten christlichen Kirche. Sie sind davon überzeugt, dass sie als Gemeinschaft von Jesus selbst zusammengestellt wurden und eine gemeinsame Verantwortung tragen, das Evangelium weiterzugeben und den Glauben in der Welt zu leben.
Diese Prinzipien bilden das Rückgrat der FeG-Identität und sorgen dafür, dass trotz lokaler Vielfalt eine gemeinsame Ausrichtung und ein Gefühl der Zugehörigkeit zum Bund bestehen bleiben.
Die FeG und die Freikirchen: Eine Begriffsklärung
Die Begriffe „Freie evangelische Gemeinde“ und „Freikirche“ werden oft synonym verwendet, sind aber nicht dasselbe. Eine Freie evangelische Gemeinde ist eine Form der Freikirche, aber nicht jede Freikirche ist eine FeG. Um dies zu verstehen, ist es wichtig, den Begriff der Freikirche genauer zu definieren.
Was ist eine Freikirche?
Eine Freikirche ist eine christliche Kirche, die sich von den traditionellen Landeskirchen (wie der Evangelischen oder Katholischen Kirche in Deutschland) in wesentlichen Punkten unterscheidet. Die wichtigsten Merkmale einer Freikirche sind:
- Freiwillige Mitgliedschaft: Die Mitgliedschaft basiert auf einer bewussten, persönlichen Entscheidung und nicht auf Taufe im Kindesalter oder staatlicher Zugehörigkeit.
- Finanzierung durch freiwillige Spenden: Freikirchen erheben keine Kirchensteuer. Ihre finanziellen Aufwendungen werden ausschließlich durch freiwillige Spenden ihrer Mitglieder und Freunde gedeckt. Dies unterstreicht die Überzeugung, dass der Glaube eine persönliche Angelegenheit ist, die aus Überzeugung und nicht aus Zwang finanziert wird.
- Unabhängigkeit vom Staat: Freikirchen sind vom Staat unabhängig und organisieren sich selbst. Obwohl viele als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt sind, bedeutet dies keine staatliche Steuerung oder Finanzierung.
- Betonung der persönlichen Glaubensentscheidung: Die Wiedergeburt oder eine persönliche Hinwendung zu Jesus Christus ist oft ein zentrales Element für die Mitgliedschaft.
Die Pfingstbewegung, zu der beispielsweise die Freie Evangeliums Christengemeinde Löningen gehört (die Teil des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden, BFP, ist), ist ein prominentes Beispiel für eine Freikirche. Charakteristisch für die Pfingstbewegung ist eine starke Betonung der Rolle des Heiligen Geistes in den Versammlungen und des biblischen Lebenswandels. Sie gilt als eine der am schnellsten wachsenden christlichen Bewegungen weltweit.

FeG versus andere Freikirchen: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Die Freien evangelischen Gemeinden teilen viele der oben genannten Merkmale mit anderen Freikirchen. Sie sind ebenfalls finanziell unabhängig, betonen die freiwillige Mitgliedschaft und die persönliche Glaubensentscheidung. Dennoch gibt es spezifische Akzente, die die FeG von anderen Freikirchen, wie etwa den Pfingstgemeinden, unterscheiden können.
| Merkmal | Freie evangelische Gemeinden (FeG) | Andere Freikirchen (z.B. Pfingstgemeinden) |
|---|---|---|
| Organisationsform | Bund selbstständiger Ortsgemeinden (KdöR) | Vielfältig; können Bünde, Denominationen oder Einzelgemeinden sein (oft auch KdöR) |
| Finanzierung | Ausschließlich freiwillige Spenden | Ausschließlich freiwillige Spenden |
| Mitgliedschaft | Freiwillig, basiert auf persönlicher Glaubensentscheidung | Freiwillig, basiert auf persönlicher Glaubensentscheidung |
| Theologische Schwerpunkte | Bibel als Grundlage, Trinität, Erlösung durch Jesus, Gewissensfreiheit. Betont oft die Breite des evangelischen Glaubens. | Kann variieren; Pfingstgemeinden betonen stark die Gaben des Heiligen Geistes, Erweckung und Heilung. |
| Gottesdienstgestaltung | Vielfältig, oft modern, aber auch traditionelle Elemente; Fokus auf Predigt und Gemeinschaft. | Kann sehr lebhaft und charismatisch sein, mit viel Lobpreis, Gebet für Heilung, offen für spontane Äußerungen des Geistes. |
| Historische Wurzeln | Entstanden aus Erweckungsbewegungen des 19. Jahrhunderts; oft von der Brüderbewegung beeinflusst. | Pfingstbewegung entstand um die Jahrhundertwende aus Erweckungs- und Heilungsbewegungen. |
Während beide Formen von Freikirchen die Bedeutung einer persönlichen und bewussten Glaubensbeziehung betonen, unterscheiden sich die Schwerpunkte und Ausdrucksformen. Die FeG legt großen Wert auf eine fundierte biblische Lehre und eine breite theologische Verankerung, während Pfingstgemeinden oft eine stärkere Betonung der dynamischen Wirkung des Heiligen Geistes im Alltag und im Gottesdienst aufweisen.
Warum eine FeG besuchen oder Mitglied werden?
Die Entscheidung für eine bestimmte Glaubensgemeinschaft ist zutiefst persönlich. FeGs bieten jedoch einige Aspekte, die für viele Menschen attraktiv sind:
- Authentische Gemeinschaft: FeGs legen großen Wert auf echte, tragfähige Beziehungen untereinander. Sie verstehen sich als Familie des Glaubens, in der man Unterstützung, Ermutigung und Herausforderung findet.
- Relevante Botschaft: Die Verkündigung in FeGs ist darauf ausgerichtet, die biblische Botschaft verständlich und relevant für das moderne Leben zu machen. Der Fokus liegt auf der praktischen Anwendung des Glaubens im Alltag.
- Mitgestaltungsmöglichkeiten: Da jede Gemeinde selbstständig ist, gibt es oft viele Möglichkeiten für Mitglieder, sich aktiv einzubringen und das Gemeindeleben mitzugestalten, sei es in der Kinderarbeit, im Musikteam, in der Technik oder in sozialen Projekten.
- Offenheit und Willkommenskultur: FeGs sind bekannt für ihre offene und einladende Atmosphäre. Jeder ist willkommen, unabhängig von seiner Herkunft, seinem Hintergrund oder seinem bisherigen Glaubensweg. Das Motto „Jede und jeder ist eingeladen, an diesen Gemeinden mitzubauen und sie mit Leben und Kraft und Ausstrahlung zu füllen“ spiegelt diese Haltung wider.
- Klare theologische Position: Für Menschen, die eine klare und biblisch fundierte Theologie schätzen, bieten FeGs eine verlässliche Basis.
Der Besuch einer FeG kann eine bereichernde Erfahrung sein, die es ermöglicht, den Glauben in einer unterstützenden und dynamischen Umgebung zu leben.
Häufig gestellte Fragen zu Freien evangelischen Gemeinden
1. Wann wurde die erste deutsche Freie evangelische Gemeinde gegründet?
Die Bewegung der Freien evangelischen Gemeinden entstand im 19. Jahrhundert aus verschiedenen Erweckungsbewegungen und dem Wunsch nach einer vom Staat unabhängigen, biblisch orientierten Gemeindeform. Die erste deutsche Freie evangelische Gemeinde wurde 1854 in Elberfeld (heute Wuppertal) gegründet. Dies markierte den Beginn einer Bewegung, die sich über das ganze Land verbreitete und 1874 zur Gründung des Bundes Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland führte.
2. Sind Freie evangelische Gemeinden staatlich anerkannt?
Ja, der Bund Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR). Dies verleiht ihm einen ähnlichen rechtlichen Status wie den großen Landeskirchen, ermöglicht ihm beispielsweise das Recht zur Durchführung von Taufen, Trauungen und Bestattungen mit staatlicher Anerkennung sowie das Recht, eigene Ausbildungsstätten zu betreiben. Es bedeutet jedoch nicht, dass der Staat die Gemeinden finanziert oder inhaltlich steuert.
3. Wie finanzieren sich Freie evangelische Gemeinden?
FeGs finanzieren sich ausschließlich durch freiwillige Spenden ihrer Mitglieder und Freunde. Es gibt keine Kirchensteuer oder staatliche Zuwendungen. Dieses Prinzip der Freiwilligkeit ist ein zentrales Merkmal der Freikirchen und unterstreicht die Überzeugung, dass der Glaube aus Überzeugung und Hingabe gelebt wird.

4. Gibt es eine Kirchensteuer bei den FeGs?
Nein, Freie evangelische Gemeinden erheben keine Kirchensteuer. Ihre Finanzierung basiert, wie bereits erwähnt, vollständig auf freiwilligen Spenden. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zu den Landeskirchen in Deutschland.
5. Muss ich Mitglied sein, um an den Gottesdiensten teilzunehmen?
Absolut nicht! Jeder ist herzlich willkommen, die Gottesdienste und Veranstaltungen einer Freien evangelischen Gemeinde zu besuchen. Die Teilnahme ist offen für alle Interessierten, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit oder ihrem Glaubensstand. Viele Menschen besuchen FeGs über längere Zeiträume, bevor sie sich eventuell für eine Mitgliedschaft entscheiden. Die Einladung steht jedem offen, einfach mal „reinzuschauen“.
6. Wie unterscheidet sich eine FeG von der evangelischen Landeskirche?
Die Hauptunterschiede liegen in der Struktur, Finanzierung und dem Gemeindeverständnis. Während die evangelische Landeskirche eine öffentlich-rechtliche Körperschaft mit staatlicher Kirchensteuerfinanzierung und einer Volkskirchenstruktur (Mitgliedschaft durch Taufe, oft als Säugling) ist, sind FeGs Freikirchen. Das bedeutet:
- Finanzierung: Freiwillige Spenden (FeG) vs. Kirchensteuer (Landeskirche).
- Mitgliedschaft: Bewusste, persönliche Glaubensentscheidung (FeG) vs. Taufzugehörigkeit (Landeskirche).
- Struktur: Bund selbstständiger Gemeinden (FeG) vs. hierarchische Struktur mit regionalen Kirchenleitungen (Landeskirche).
- Gewissensfreiheit: Bei FeGs ist die individuelle Gewissensfreiheit in Bindung an das Wort Gottes ein deutlich stärker betonter Aspekt.
Trotz dieser Unterschiede teilen FeGs und Landeskirchen viele theologische Grundlagen des evangelischen Glaubens.
7. Sind Freie evangelische Gemeinden charismatisch oder pfingstlich?
Die Freien evangelischen Gemeinden sind im Allgemeinen nicht den pfingstlichen Kirchen zuzuordnen. Während viele FeGs eine Offenheit für die Gaben des Heiligen Geistes und eine lebendige Spiritualität pflegen, ist ihr theologischer Schwerpunkt breiter gefasst und nicht primär auf die spezifischen Merkmale der Pfingstbewegung (wie Zungenrede oder Heilungsdienste als zentrale Elemente) ausgerichtet. Es gibt jedoch innerhalb des breiten Spektrums der FeGs Gemeinden, die stärker charismatisch geprägt sein können, aber dies ist keine Eigenschaft des gesamten Bundes.
Fazit
Die Freien evangelischen Gemeinden in Deutschland stellen eine lebendige und attraktive Option für Menschen dar, die einen tiefen, persönlichen Glauben in einer engagierten Gemeinschaft leben möchten. Ihre Betonung der biblischen Grundlage, der Gewissensfreiheit und der freiwilligen Finanzierung macht sie zu einem unverwechselbaren Teil der deutschen Kirchenlandschaft.
Als Bund selbstständiger Ortsgemeinden bieten sie eine beeindruckende Vielfalt, die es jedem ermöglicht, eine passende geistliche Heimat zu finden. Wenn Sie auf der Suche nach einer Gemeinschaft sind, die von Gottes Liebe angetrieben wird und in der Sie Ihren Glauben aktiv gestalten können, könnte eine Freie evangelische Gemeinde genau das Richtige für Sie sein. Zögern Sie nicht, eine der vielen Gemeinden in Ihrer Nähe zu besuchen und sich selbst ein Bild zu machen. Sie werden mit offenen Armen empfangen.
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