Warum ist der heilige Franziskus so bekannt?

Franz von Assisi: Ein Leben für Armut & Frieden

18/09/2023

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Die Gestalt des Heiligen Franz von Assisi fasziniert die Menschheit seit Jahrhunderten. Seine Geschichte ist eine Erzählung von tiefgreifender Verwandlung, radikaler Hingabe und einem unerschütterlichen Glauben, der die Fundamente seiner Zeit erschütterte und bis heute nachhallt. Doch wer war dieser Mann, der so viele inspirierte, und warum ist er auch heute noch so bekannt und verehrt?

Inhaltsverzeichnis

Der unerwartete Weg eines Kaufmannssohnes

Im Jahr 1181 oder 1182 erblickte Giovanni Battista Bernardone in der malerischen Stadt Assisi in Italien das Licht der Welt. Sein Vater, ein wohlhabender Tuchhändler, nannte ihn liebevoll „Franziskus“, der „kleine Franzose“. Seine Kindheit und Jugend waren von Wohlstand und Leichtigkeit geprägt. Er erlernte das Lesen und Schreiben, entwickelte sich zu einem geschickten Kaufmann und erzielte beachtliche Gewinne im Tuchhandel. Doch diese unbeschwerte Zeit sollte ein abruptes Ende finden.

Warum ist der heilige Franziskus so bekannt?
Am bekanntesten ist der heilige Franziskus heute aber für die Nähe zur Natur. Der Legende nach predigte er sogar vor Vögeln. 1224 oder 1225 verfasst er den "Cantico delle Creature" – den Sonnengesang. So wird er 1979 von Papst Johannes Paul II. zum Patron des Natur- und Umweltschutzes ernannt.

Das Jahr 1202 markierte einen Wendepunkt. Ein erbitterter Städtekrieg brach zwischen Assisi und Perugia aus. Franziskus geriet in Gefangenschaft und erkrankte schwer. Erst zwei Jahre später wurde er durch die Zahlung eines hohen Lösegeldes seines Vaters befreit. Diese traumatische Erfahrung legte den Grundstein für einen tiefgreifenden Bekehrungsprozess, der sein gesamtes weiteres Leben prägen sollte.

Der Ruf Gottes: „Baue mein Haus wieder auf!“

Zwischen 1205 und 1206 zog sich Franziskus immer mehr zurück. Eine drängende Frage beschäftigte ihn fortan: Was wollte Gott von ihm? Die Antwort fand er schließlich im kleinen Ort San Damiano. Der Legende nach vernahm er dort eine klare Botschaft von Christus selbst: „Franziskus, geh und baue mein Haus wieder auf, das, wie du siehst, ganz und gar in Verfall gerät.“ Die alte romanische Kirche des Ortes lag tatsächlich in Trümmern. Ohne zu zögern, begann Franziskus, Baumaterial zu erbetteln und die Kirche mit eigenen Händen wieder aufzubauen. Dieser Akt, der zunächst wörtlich genommen wurde, offenbarte später eine tiefere, spirituelle Bedeutung: Es ging um den Wiederaufbau der Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen.

Eine revolutionäre Haltung zur Armut und den Ausgestoßenen

Ein entscheidendes Ereignis in Franziskus' Leben war die Begegnung mit einem Aussätzigen im Jahr 1206 oder 1207. Franziskus gab ihm Geld und erhielt zum Dank den Friedenskuss. Während Almosen zu dieser Zeit üblich waren, geschah dies meist aus der Distanz. Franziskus hingegen stellte sich radikal auf die Seite der Armen und Ausgestoßenen. Er wusch sogar Aussätzige – ein Akt, der damals undenkbar war. Hier entstand ein völlig neues Verständnis von Armut: Franziskus wollte nicht nur Almosen geben, sondern solidarisch selbst arm sein, um den Ärmsten der Armen wirklich nahe zu sein.

Die Lossagung von der Familie und die symbolische Geste

Die radikale Lebensweise des Franziskus führte zu Spannungen mit seiner wohlhabenden Familie. Im Jahr 1207 sagte er sich endgültig von ihr los. Er hatte sich wochenlang versteckt, da seine Arbeit und der Kontakt zu Aussätzigen auf Ablehnung stießen und er sogar eingesperrt wurde. Seine Mutter befreite ihn schließlich, doch es kam zum öffentlichen Streit mit seinem Vater. Franziskus hatte das Geld seiner Eltern für wohltätige Zwecke verwendet, unter anderem für den Wiederaufbau der Kirche in San Damiano. Auf dem Domplatz von Assisi schleuderte er seinem Vater sein Geld und seine Kleider entgegen. Der Überlieferung nach bekleidete der Bischof den nackten Franziskus mit seinem Mantel – ein zutiefst symbolischer Akt, der seine neue Identität als Diener Gottes und seine vollständige Entsagung von weltlichem Besitz unterstrich.

Die Geburt einer Bewegung: Die Minderbrüder

Nach seiner Lossagung lebte Franziskus zunächst als Eremit und zog durch die Gegend. Im Jahr 1208 schlossen sich ihm zwei Juristen aus Assisi an, die von seinem Lebenswandel zutiefst beeindruckt waren. Franziskus wurde zu einem Vorbild. Eine besondere Methode, die als „Bibellosen“ bekannt war und eigentlich von der Kirche verboten wurde, führte ihn zu drei entscheidenden Bibelstellen, die für ihn und seine spätere Ordensregel von zentraler Bedeutung wurden:

  • „Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib ihn den Armen; und du wirst einen Schatz im Himmel haben; und komm, folge mir nach!“ (Matthäus 19,21)
  • „Nehmt nichts mit auf den Weg, keinen Wanderstab und keine Vorratstasche, kein Brot, kein Geld und kein zweites Hemd!“ (Lukas 9,3)
  • „Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (Lukas 9,23)

Diese Verse bildeten das Fundament für die erste „Ordensregeln“ des Franziskus, die auf dem Prinzip der radikalen Armut und Nachfolge Christi basierten. Besonders prägend war auch eine Stelle aus dem Matthäusevangelium, die er in der Messe in Portiuncula hörte, einer kleinen Kirche unterhalb von Assisi, die Franziskus von den Benediktinern überlassen wurde und die später zum Stammkloster der Franziskaner werden sollte:

„Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben. Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel! Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg, kein zweites Hemd, keine Schuhe, keinen Wanderstab; denn wer arbeitet, ist seines Lohnes wert.“ (Matthäus 10,8-10)

Franziskus und seine Gefährten zogen daraufhin los, um zu predigen. Dies war jedoch eine Zeit, in der viele Prediger unterwegs waren, darunter auch zahlreiche Häretiker wie die Katharer und Waldenser. Um Missverständnissen vorzubeugen und die Legitimität ihrer Mission zu sichern, nahm Franziskus 1210 Kontakt zu Papst Innozenz III. auf und bat um eine offizielle Predigterlaubnis, die ihm auch gewährt wurde. Von nun an wurden die Brüder als „minores“ – Minderbrüder – bezeichnet, ein Ausdruck ihrer Demut und ihres Dienens.

Wachstum, Ausbreitung und Herausforderungen

Die Predigt der Minderbrüder löste eine gewaltige Erneuerungsbewegung aus. Die Gemeinschaft wuchs rasch, und regelmäßig fanden Treffen in Assisi statt. Im Jahr 1212 schloss sich ihnen eine junge Frau namens Klara von Assisi an. Sie hatte als kleines Mädchen die dramatische Szene zwischen Franziskus und seinem Vater auf dem Marktplatz miterlebt und wählte Franziskus zu ihrem geistlichen Mentor. Aus ihrer Hingabe und Franziskus' Inspiration sollte später die Gemeinschaft der Klarissen hervorgehen, ein weiblicher Zweig des Ordens.

Im Jahr 1217 wurden beim sogenannten „Pfingstkapitel“ die einzelnen Regionen, in denen gepredigt werden sollte, unter den Brüdern aufgeteilt – ein Zeichen der wachsenden Struktur und Organisation der jungen Bewegung. 1219 reiste Franziskus sogar in den Orient, zur Zeit des 5. Kreuzzuges. Sein Ziel war es, zu missionieren. Obwohl es ihm nicht gelang, Sultan al-Kamil zu bekehren – auch nicht, als er der Legende nach anbot, durch ein Feuer zu schreiten, um die Wahrheit seines Glaubens zu beweisen –, war der Sultan den Christen wohlgesonnen. Franziskus' Begegnungen im Orient prägten ihn tief; er schrieb später Gebete, die Anklänge an den Islam aufweisen und Impulse aus diesen interreligiösen Begegnungen erkennen lassen.

Strukturierung und Rückzug

Ab 1221 nahm die Gemeinschaft des Franziskus immer festere Strukturen an. Eine erste, noch nicht endgültig bestätigte Ordensregel, die „regula non bullata“, entstand. Im Jahr 1223 bestätigte Papst Honorius III. schließlich die „regula bullata“, die endgültige Regel des Franziskanerordens, die bis heute Gültigkeit hat.

Trotz des rapiden Wachstums der Gemeinschaft zog sich Franziskus bereits seit 1215 immer mehr aus der aktiven Leitung zurück. Im Jahr 1221 trat er endgültig von der Ordensleitung zurück, blieb aber ein wichtiger Berater und griff regelmäßig in die Armutsdiskussionen ein, die in seinem Orden immer wieder aufbrandeten. Am Ende seines Lebens war er schwer krank. Er starb im Jahr 1226.

Ein bleibendes Erbe: Schnelle Heiligsprechung und universelle Bedeutung

Schon zwei Jahre nach seinem Tod, im Jahr 1228, wurde Franziskus heiliggesprochen – ein außergewöhnlich schneller Prozess, der seine immense Bedeutung und Verehrung unterstrich. Seine Verdienste waren vielfältig und tiefgreifend:

  • Er reagierte nicht nur auf die sozialen Probleme seiner Zeit, sondern entdeckte das Evangelium für seine Zeit und in der Kirche neu. Entgegen der damals vorherrschenden Auffassung, dass sich Fromme auf die Tradition berufen und nur Häretiker auf die Schrift, betonte Franziskus die direkte Auslegung und Befolgung der biblischen Botschaft.
  • Indem er es schaffte, die Armutsbewegung des Hochmittelalters in die Kirche zu integrieren, verhinderte Franziskus eine allzu große Entfremdung zwischen Kirchenleitung und dem einfachen Volk. Er zeigte, dass radikale Armut und Hingabe innerhalb der kirchlichen Strukturen möglich waren.
  • Er gab auch der Arbeit einen neuen Wert: Sie war für ihn kein notwendiges Übel, sondern ein Dienst, eine Form der Hingabe und des Beitrags zur Gemeinschaft.

Franziskus und die Natur: Der Sonnengesang

Am bekanntesten ist der heilige Franziskus heute jedoch für seine tiefe Nähe zur Natur und zur gesamten Schöpfung. Die Legende besagt, dass er sogar vor Vögeln predigte, eine Vorstellung, die seine tiefe Verbundenheit mit allen Lebewesen wunderbar illustriert. Zwischen 1224 und 1225 verfasste er den „Cantico delle Creature“ – den Sonnengesang –, ein Loblied auf Gott durch seine Schöpfung, das bis heute als eines der schönsten Werke der mittelalterlichen Dichtung gilt und seine ökologische Sensibilität lange vor dem modernen Umweltbewusstsein zum Ausdruck brachte.

Es ist daher kein Zufall, dass Papst Johannes Paul II. ihn 1979 zum Patron des Natur- und Umweltschutzes ernannte. Ein weiteres starkes Zeichen setzte Kardinal Jorge Bergoglio, als er 2013 nach seiner Wahl zum Papst den Namen „Franziskus“ annahm. Für Papst Franziskus ist der heilige Franz von Assisi „der Mann der Armut, der Mann des Friedens, der Mann, der die Schöpfung liebt und bewahrt.“ Diese Beschreibung fasst das Wesen und die anhaltende Relevanz dieses außergewöhnlichen Heiligen prägnant zusammen.

Häufig gestellte Fragen zum Heiligen Franziskus

Warum ist der Heilige Franziskus so bekannt?
Franziskus ist bekannt für seine radikale Lebensweise in Armut, seine tiefe Liebe zur Natur und allen Lebewesen, seine Rolle bei der Erneuerung der Kirche im Mittelalter und seine Botschaft des Friedens. Sein Vermächtnis beeinflusst bis heute soziale, religiöse und ökologische Bewegungen weltweit.
Was war das Besondere an Franziskus' Verständnis von Armut?
Im Gegensatz zur üblichen Almosenpraxis wollte Franziskus nicht nur geben, sondern selbst arm sein und in Solidarität mit den Ärmsten leben. Er verzichtete auf jeglichen Besitz und betonte die Nachfolge Christi in radikaler Besitzlosigkeit.
Warum wird Franziskus oft mit Tieren dargestellt?
Die Legenden erzählen von seiner tiefen Verbundenheit mit der Natur und den Tieren. Besonders bekannt ist die Geschichte, wie er Vögeln predigte. Diese Darstellungen symbolisieren seine Wertschätzung für die gesamte Schöpfung Gottes und seine Rolle als Patron des Natur- und Umweltschutzes.
Was sind die Franziskaner?
Die Franziskaner sind ein katholischer Orden, der von Franziskus von Assisi gegründet wurde. Sie leben nach den Regeln der Armut, des Gehorsams und der Brüderlichkeit und widmen sich der Predigt, der Seelsorge und der karitativen Arbeit.
Welche Bedeutung hat der „Sonnengesang“ des Franziskus?
Der „Sonnengesang“ (Cantico delle Creature) ist ein Loblied des Franziskus auf Gott durch seine Schöpfung. Es ist eines der ersten großen literarischen Werke in italienischer Sprache und drückt seine tiefe Ehrfurcht vor der Natur und allen Lebewesen als Ausdruck göttlicher Herrlichkeit aus. Es gilt als frühes Zeugnis ökologischen Denkens.

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