Was macht man wenn man dem Geist des Evangeliums treu ist?

Die Kunst der Predigtillustration

01/02/2022

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In der Kunst des Predigens steht die Fähigkeit, komplexe Wahrheiten zugänglich zu machen, im Vordergrund. C. H. Spurgeon, ein Meister der Verkündigung, beleuchtete einst die entscheidende Rolle von Illustrationen – jenen bildhaften Vergleichen, Metaphern und Gleichnissen, die eine Predigt nicht nur verständlicher, sondern auch lebendiger gestalten. Er zog einen treffenden Vergleich: Wenn Argumente die Säulen eines Predigtgebäudes sind, dann sind Illustrationen die Fenster, die das beste Licht hereinlassen. Dieser Gedanke dient uns als leitfendes Bild, um die Bedeutung und den richtigen Einsatz von bildhafter Sprache in der Verkündigung des Evangeliums zu ergründen.

Was macht man wenn man dem Geist des Evangeliums treu ist?
Wenn wir dem Geist des Evangeliums treu sind, bemühen wir uns, alles deutlich zu machen: es ist unser Studium, einfach zu sein und von den ungebildetsten unserer Hörer verstanden zu werden; lassen Sie uns also dem Volke manches Bild und manches Gleichnis vor Augen stellen.
Inhaltsverzeichnis

Warum Illustrationen? Das Licht der Klarheit

Der Hauptzweck von Fenstern in einem Haus ist, wie Fuller weise bemerkte, das Hereinlassen von Licht. Genau diese Funktion erfüllen Parabeln, Gleichnisse und Metaphern in der Predigt: Sie illustrieren, das heißt, sie „erhellen durch Licht“. Oftmals scheitert die reine lehrhafte Rede daran, die Hörer zu erreichen und aufzuklären. Doch indem wir ein Fenster der Analogie öffnen und das freundliche Licht eines Bildes hereinlassen, wird unsere Botschaft plötzlich einleuchtend und klar. Unser Herr und Heiland, der sich selbst als das Licht der Welt bezeichnete, war ein Meister dieser Kunst. Seine Reden waren reich an Gleichnissen, was dazu führte, dass das gewöhnliche Volk ihm gerne zuhörte. Sein Beispiel verleiht dem Gebrauch von Vergleichen und Gleichnissen zur Erläuterung himmlischer Wahrheiten höchste Autorität. Die Weisheit gebietet nicht nur Noah, sondern jedem Prediger der Gerechtigkeit: „Ein Fenster sollst du daran machen.“ Man mag mühsam Definitionen und Erklärungen aufbauen und die Hörer dennoch im Dunkeln lassen, was man eigentlich meint. Eine treffende Metapher hingegen vermag den Sinn auf wundersame Weise zu klären und zu beleuchten.

Wenn wir dem Geist des Evangeliums treu bleiben wollen, ist es unser oberstes Bestreben, alles deutlich zu machen. Unser Ziel ist es, einfach zu sein und selbst von den ungebildetsten unserer Hörer verstanden zu werden. Daher sollten wir dem Volk reichlich Bilder und Gleichnisse vor Augen stellen. Der weise Mann, der sagte: „Die Welt unter mir ist ein Spiegel, in dem ich die Welt über mir sehen kann. Die Werke Gottes sind des Hirten Kalender und des Landmanns Alphabet“, verstand dies zutiefst. Da wir nichts zu verbergen haben, hegen wir nicht den Ehrgeiz, dunkel oder unverständlich zu sein. Lykophron erklärte einst, er würde sich an einem Baum aufhängen, wenn er jemanden fände, der sein Gedicht „Die Weissagung der Kassandra“ verstehen könnte. Glücklicherweise trat niemand auf, der ihn zu solch einem Missbrauch des Holzes trieb. Wir hingegen würden wohl Amtsbrüder finden, die in Bezug auf ihre Predigten ein Gleiches riskieren könnten. Diesen Stil der Beredsamkeit kultivieren wir nicht; unsere Predigten sollen nicht rätselhaft, sondern erhellend sein.

Die Predigt als angenehmes Erlebnis

Fenster tragen maßgeblich zur Anmut und Annehmlichkeit einer Wohnung bei. Ebenso machen Illustrationen eine Predigt angenehm und interessant. Ein Gebäude ohne Fenster wäre eher ein Gefängnis als ein Haus; es wäre gänzlich dunkel, und niemand hätte Lust, es zu mieten. Gleichermaßen ist eine Predigt ohne Parabeln oft prosaisch, langweilig und ermüdet den Zuhörer. Der Prediger Salomo suchte nach „angenehmen Worten“ oder, dem Hebräischen nach, „Worten der Wonne“. Gewiss, Redefiguren und Vergleiche erfreuen unsere Hörer. Wir sollten ihnen das Salz der Parabel nicht zur Speise der Lehre versagen. Unsere Gemeinden hören uns mit Vergnügen zu, wenn wir ihnen eine passende Anzahl von Bildern präsentieren. Während eine kleine Geschichte erzählt wird, können sie sich ausruhen, Atem schöpfen, ihrer Einbildungskraft freien Lauf lassen und sich so für die ernstere Arbeit vorbereiten, in der sie unseren tieferen Auslegungen folgen müssen. Die Predigt wird so zu einem Erlebnis, das nicht nur den Verstand anspricht, sondern auch das Herz berührt und die Seele erquickt.

Belebung und Aufmerksamkeit durch Bilder

Illustrationen helfen nicht nur, zu erfreuen, sondern auch, die Hörer zu beleben und ihre Aufmerksamkeit zu schärfen. Fenster, wenn sie sich öffnen lassen – was leider in vielen Gotteshäusern nicht oft der Fall ist – sind eine große Wohltat, indem sie die Hörer durch frische Luft erfrischen und erquicken und die armen Sterblichen beleben, welche von der dumpfigen Luft schläfrig geworden sind. Ebenso sollte eine originelle Redefigur, ein edles Bild, ein eigentümlicher Vergleich oder eine reichhaltige Allegorie einen frischen Windhauch hereinlassen, der wie ein lebengebender Odem über unsere Hörer weht, sie aus ihrer Fühllosigkeit erweckt und ihre Fähigkeiten anregt, die Wahrheit aufzunehmen. Diejenigen, die an das einschläfernde Predigen gewisser würdevoller Theologen gewöhnt sind, würden sich sehr wundern, wenn sie die Begeisterung und die lebhafte Freude sehen könnten, womit die Gemeinden eine Rede anhören, durch welche ein ruhiger Strom treffender und natürlicher Illustrationen fließt. Viele Predigtbände, die sich auf den staubbedeckten Brettern der Buchhandlungen finden, sind dürr wie eine Wüste. Doch wenn sie im Laufe von tausend Absätzen ein einziges Gleichnis enthalten, ist es wie eine Oase in der Sahara und dient dazu, die Seele des Lesers am Leben zu erhalten. Wenn Sie eine Predigt ausarbeiten, denken Sie wenig an den Bücherwurm, der sicher seinen Teil Speise bekommen wird, wie trocken auch Ihre Lehre ist. Haben Sie stattdessen Erbarmen mit jenen Hungernden, die unmittelbar um Sie herum sind und die durch Ihre Predigt das Leben finden müssen, weil sie es sonst niemals finden werden. Wenn einige Ihrer Hörer fortfahren zu schlafen, werden sie notwendigerweise im ewigen Verderben aufwachen, denn sie hören keine andere Stimme, die ihnen hilft. Die Klarheit und Lebendigkeit der Predigt ist somit eine Frage von ewiger Bedeutung.

Die Grenzen der Illustration – Stärke vs. Schmuck

Während wir Illustrationen zum notwendigen Gebrauch empfehlen, müssen wir uns daran erinnern, dass sie ebenso wenig die Stärke einer Predigt sind, wie das Fenster die Stärke eines Hauses ist. Aus diesem Grunde sollten sie unter anderem nicht zu zahlreich sein. Zu viele Öffnungen für das Licht mögen die Festigkeit eines Hauses sehr beeinträchtigen. Wir haben Predigten gekannt, die so voll von Metaphern waren, dass sie schwache, fast hätte man gesagt, verrückte Bauwerke wurden. Predigten sollen nicht Blumensträuße, sondern Weizengarben sein. Sehr schöne Predigten sind gewöhnlich sehr nutzlos. Nach Eleganz zu streben, heißt, sich um Nicht-Erfolg zu bemühen. Es ist möglich, zu viel des Guten zu haben; ein Glashaus ist nicht die bequemste Wohnung, und neben anderen nicht empfehlenswerten Eigenschaften hat es die, dass es sehr anlockend für Steinewerfer ist. Wenn ein kritischer Gegner unsere Metapern angreift, so macht er gewöhnlich kurzen Prozess damit. Für freundlich Gesinnte sind Bilder Argumente, aber für Gegner sind sie Gelegenheit zum Angriff; der Feind klettert am Fenster empor. Vergleiche sind zweischneidige Schwerter, die nach beiden Seiten hinhauen, und häufig mag das, was ein geistreiches und schlagendes Bild schien, witzig gegen Sie gekehrt werden und den Leuten Gelegenheit geben, auf Ihre Kosten zu lachen. Die Balance ist entscheidend: genug Licht, um zu erhellen, aber nicht so viel, dass die Struktur instabil wird.

Der Zweck und die Gefahr des Zuviels

Illustrieren Sie ja, aber lassen Sie die Predigt nicht lauter Illustrationen sein, sonst wird sie sich nur für eine Versammlung von Einfaltspinseln eignen. Ein Buch ist umso besser, wenn es Kupferstiche hat, aber ein Buch, das ganz aus Holzschnitten besteht, ist gewöhnlich für kleine Kinder bestimmt. Unser Haus sollte aus dem starken Mauerwerk der Lehre gebaut werden, auf der tiefen Grundlage der Inspiration; seine Säulen sollten aus festen Schriftbeweisen bestehen und jeder Stein der Wahrheit sorgfältig an seinen Platz gelegt werden. Und dann sollten die Fenster in gehöriger Ordnung eingesetzt werden, „drei Reihen“, wenn Sie wollen: drei gegen drei, „Licht gegen Licht“, wie in dem Haus vom Walde Libanon. Aber ein Haus wird nicht errichtet um der Fenster willen, und eine Predigt darf nicht ausgearbeitet werden in der Absicht, einen Lieblings-Apolog darin anzubringen. Ein Fenster ist bloß eine dem ganzen Bauplan untergeordnete Annehmlichkeit, und das ist die beste Illustration ebenfalls. Wir werden in der Tat töricht sein, wenn wir eine Rede verfertigen, um eine Metapher zur Schau zu stellen; ebenso töricht wie ein Architekt wäre, der einen Dom baute, um ein altes Glasfenster zu zeigen. Wir sind nicht in die Welt gesandt, einen Kristallpalast zu bauen, in dem Kunstwerke und elegante Modesachen ausgestellt werden, sondern als weise Baumeister sollen wir ein geistliches Haus erbauen, darin Gott wohne. Unser Gebäude soll dauerhaft sein und ist zum täglichen Gebrauch bestimmt, darum darf es nicht ganz Kristall und Farbe sein. Wir verfehlen als Prediger des Evangeliums unseren Weg ganz und gar, wenn wir auf Witz und Putz abzielen. Die Predigt ist kein Kunstwerk zur Selbstinszenierung, sondern ein Gefäß für die göttliche Botschaft.

Authentizität und Natürlichkeit

Illustrationen müssen wirklich Licht auf den behandelten Gegenstand werfen, sonst sind sie Scheinfenster, und aller Schein ist ein Gräuel. Als die Fenstersteuer noch bezahlt wurde, schlossen die Leute in vielen Häusern auf dem Lande die Hälfte der Fenster, indem sie dieselben mit Gips überzogen und diesen dann anmalten, so dass er wie ein Fenster aussah, obwohl kein Licht mehr hindurch konnte. Blinde Fenster sind passende Sinnbilder von Illustrationen, die nichts illustrieren und die selber einer Erklärung bedürfen. Hochtrabende Rede ist nie charakteristischer als in ihren Bildern; da ergötzt sie sich in einem wahren Karneval vom Bombast. Der Zweck einer solchen Sprache ist nicht der, den Hörer zu belehren, sondern ihn zu blenden und ihm, wo möglich, die Idee einzuprägen, dass sein Prediger ein wunderbarer Redner ist. Wer sich, um Beifall zu gewinnen, zu rhetorischen Kunstgriffen irgendwelcher Art herablässt, der verdient, auf Lebenszeit von der Kanzel ausgeschlossen zu werden. Lassen Sie Ihre Redefiguren wirklich nur das darstellen, was Sie meinen, sonst sind es stumme Götzen, die nicht im Hause des Herrn aufgestellt werden sollten. Es mag gut sein zu bemerken, dass Illustrationen nicht zu hervorragend sein sollten, oder um bei unserem Bilde zu bleiben, sie sollten keine gemalten Fenster sein, welche mehr die Aufmerksamkeit auf sich selber ziehen als das klare Tageslicht hereinlassen. Unsere Redefiguren sollen nicht sowohl dazu dienen, dass man sie sieht, als dass man durch sie hindurch sieht. Wenn Sie des Hörers Seele von dem Thema abziehen, indem Sie ihn zur Bewunderung Ihres eigenen Bilderreichtums reizen, so tun Sie mehr Böses als Gutes. Ich sah in einer unserer Ausstellungen das Porträt eines Königs; aber der Künstler hatte Seine Majestät umgeben mit einer Laube von Blumen, die so ausgezeichnet gemalt waren, dass aller Augen von der königlichen Figur abgezogen wurden. Die ganze Kunst des Malers war an Nebendinge verschwendet, und die Folge war, dass das Porträt, welches alles in allem hätte sein sollen, einen untergeordneten Platz einnahm. Dies war sicher ein Irrtum der Porträtmalerei, ob es auch ein Erfolg in der Kunst sein möchte. Wir haben Christus den Menschen vor die Augen zu malen, „wie er gekreuzigt ist unter ihnen“, und das lieblichste Bild oder die schönste Illustration, welche die Seele von unserem göttlichen Gegenstande ablenkt, muss gewissenhaft verschworen werden. Jesus muss alles in allem sein. Er muss Anfang und Ende all unseres Predigens bilden; Parabel und Poesie müssen unter seinen Füßen sein, und die Beredsamkeit muss ihm als seine Magd dienen. Niemals darf die Möglichkeit da sein, dass die Sprache des Predigers eine Nebenbuhlerin seines Themas werde; das hieße Christus vermindern und nicht ihn ehren. Daher die Warnung, dass die Illustrationen nicht zu hervortretend sein dürfen.

Aus dieser letzten Bemerkung fließt die weitere, dass Illustrationen am besten sind, wenn sie natürlich sind und aus dem Gegenstande herauswachsen. Sie sollten jenen wohlgeordneten Fenstern gleichen, die augenscheinlich ein Teil des Plans zu dem Gebäude waren und nicht als ein späterer Gedanke oder zur bloßen Verzierung hereingesetzt wurden. Keine Illustrationen sind halb so schlagend, wie die, welche von bekannten Gegenständen hergenommen werden. Viele schöne Blumen wachsen in fremden Ländern, aber dem Herzen sind die am teuersten, welche vor unserer eigenen Hüttentür blühen. Ausarbeitung bis in die kleinsten Punkte hinein ist nicht empfehlenswert beim Gebrauch von Redefiguren. Das beste Licht kommt durch das klarste Glas: zu viel Malerei schließt die Sonne aus. Gottes Altar sollte vorzeiten von Erde oder unbehauenen Steinen gebaut werden, „denn“, sagte das Wort, „wo du mit deinem Messer darüber fährst, so wirst du ihn entweihen“. Ein mühsam ausgearbeiteter künstlicher Stil, auf dem des Gravierers Messer reichliche Spuren zurückgelassen, eignet sich mehr für menschliche Vorträge im Gerichtssaal, im Forum oder im Senat, als für prophetische Reden, die im Namen Gottes und zur Förderung seiner Ehre gehalten werden. Unseres Herrn Gleichnisse waren so einfach wie Erzählungen für Kinder und so natürlich und schön wie die Lilien, die in den Tälern blühten, wo er das Volk lehrte. Er borgte keine Legende vom Talmud, kein Feenmärchen von Persien und holte auch seine Bilder nicht jenseits des Meeres her; sondern er weilte unter seinem eigenen Volke und sprach von gewöhnlichen Dingen in schlichtem Stil, wie nie ein Mensch geredet hat und wie doch jeder beobachtende Mann reden sollte. Seine Gleichnisse waren wie er selbst und seine Umgebung; sie waren nie gezwungen, phantastisch, pedantisch oder künstlich. Lassen Sie uns ihn nachahmen, denn wir werden nie ein Muster finden, was vollkommener oder für die Gegenwart geeigneter wäre. Wenn wir unsere Augen auftun, so werden wir einen Überfluss an Bildern um uns her sehen.

Reinheit und Geschmack

Ich hoffe, es ist kaum nötig hinzuzufügen, dass Illustrationen niemals niedrig oder gemein sein dürfen. Sie mögen nicht hochfliegend sein, aber sie sollten stets dem guten Geschmack entsprechen. Sie mögen schlicht sein und doch keusch und schön, aber roh und grob sollten sie nie sein. Ein Haus ist verunziert, wenn es schmutzige Fenster hat, voll Spinnweben, beschmiert mit braunem Papier verklebt oder mit Lumpen verstopft: solche Fenster sind mehr die Zeichen einer elenden Hütte als eines Hauses. Bei unseren Illustrationen muss niemals die geringste Spur von etwas sein, was die zarteste Keuschheit verletzen könnte. Wir lieben nicht das Fenster, aus dem Isebel guckt. Wie die „Schellen der Rosse“ müssen unsere leichtesten Ausdrücke dem Herrn heilig sein. Alle unsere Fenster sollten offen sein gegen Jerusalem und nicht gegen Sodom. Die Reinheit der Botschaft muss sich auch in der Reinheit der gewählten Bilder widerspiegeln.

Fallstricke vermeiden: Gebrochene Bilder

Tragen Sie Sorge, dass Ihre Fenster nicht zerbrochen oder auch nur gesprungen sind: mit anderen Worten, hüten Sie sich vor durcheinander gemengten Metaphern und hinkenden Gleichnissen. Ein trefflicher Mäßigkeitsanwalt rief aus: „Kameraden, lasst uns ans Werk gehen! Lasst uns unsere Axt auf die Schulter nehmen und die wüsten Plätze umpflügen, bis das gute Schiff Mäßigkeit fröhlich über das Land segelt.“ Wir erinnern uns gut, wie wir vor Jahren einen eifrigen irischen Geistlichen ausrufen hörten: „Garibaldi, meine Herren, der ist ein viel zu großer Mann, um die zweite Violine zu spielen vor einem so miserablen Gestirn wie Viktor Emanuel.“ Es war in einer öffentlichen Versammlung, und wir waren verpflichtet, ernsthaft zu bleiben; aber es wäre uns eine große Erleichterung gewesen, wenn wir herzlich hätten lachen dürfen über die Vorstellung von Garibaldi mit einer Violine, der einem Gestirn etwas vorspielte. Neulich drückte ein Bruder den Wunsch aus, wir möchten „alle Seelengewinner sein und um des Herrn bluterkaufte Juwelen ringen, dass sie ihre Kronen zu seinen Füßen würfen.“ Die Worte hatten einen so frommen Klang, dass die Hörer nicht das Falsche des Ausdrucks bemerkten. Einer von unserer eigenen Zahl hoffte, jeder Student würde fähig werden, die Posaune des Evangeliums mit einem so klaren und gewissen Tone zu blasen, dass die Blinden sähen. Vielleicht meinte er, dass sie vor Erstaunen über den furchtbaren Schall die Augen öffnen sollten, aber das Bild wäre passender gewesen, wenn er gesagt, „dass die Tauben hörten.“

Man könnte ganze Seiten mit diesen Schnitzern ausfüllen: ich habe genug gegeben, um Sie sehen zu lassen, wie leicht die Krüge der Metapher gesprungen sein können und nicht mehr tauglich zum Gebrauch. Der tüchtigste Redner kann gelegentlich ein Versehen darin machen; es ist keine sehr ernste Sache, und doch mag sie wie eine tote Fliege die gute Salbe verderben. Es ist sehr schade, wenn Illustrationen so verworren sind, dass sie den Sinn verdunkeln und daneben Lacher erwecken. Verworrene Metaphern sind in der Tat eine arge Verwirrung. Lassen Sie uns den Leuten gute Illustrationen geben oder gar keine. Die Präzision im Bild ist ebenso wichtig wie die Präzision in der Lehre.

Vorteile und Herausforderungen von Predigtillustrationen

Um die Balance und den richtigen Umgang mit Illustrationen besser zu verstehen, betrachten wir eine vergleichende Übersicht:

Vorteile der IllustrationenHerausforderungen und Fallstricke
Erhöhen die Klarheit und Verständlichkeit komplexer Themen.Können die Predigt schwächen, wenn sie zu zahlreich sind.
Machen die Predigt angenehmer und interessanter.Gefahr, dass die Form (Illustration) wichtiger wird als der Inhalt (Lehre).
Beleben die Hörer und schärfen die Aufmerksamkeit.Können als "blinde Fenster" nichts illustrieren oder selbst Erklärung benötigen.
Bieten dem Zuhörer Momente der Entspannung und des Nachdenkens.Können vom Hauptthema ablenken, besonders wenn sie zu prominent sind.
Verankern die Botschaft tiefer im Gedächtnis durch bildliche Assoziationen.Müssen geschmackvoll und keusch sein, dürfen niemals vulgär wirken.
Ermöglichen es, abstrakte theologische Konzepte greifbar zu machen.Können durch vermischte oder hinkende Metaphern lächerlich wirken.
Folgen dem Vorbild Jesu, der reichlich Gleichnisse nutzte.Können von Kritikern leicht angegriffen oder ins Lächerliche gezogen werden.

Häufig gestellte Fragen zur Predigtillustration

Was ist der grundlegende Zweck einer Illustration in der Predigt?
Der grundlegende Zweck ist es, die behandelte Wahrheit zu erhellen und verständlicher zu machen. Illustrationen dienen dazu, Licht auf das Thema zu werfen und abstrakte Konzepte greifbar zu machen, sodass auch die ungebildetsten Hörer die Botschaft erfassen können.
Sollten Illustrationen die Hauptsache einer Predigt sein?
Nein, keineswegs. Illustrationen sind wie Fenster in einem Haus – sie lassen Licht herein und tragen zur Annehmlichkeit bei, sind aber nicht die tragenden Wände oder das Fundament. Die Predigt sollte auf solider Lehre und Schriftbeweisen aufgebaut sein, wobei Illustrationen diese Struktur unterstützen und bereichern, aber niemals ersetzen oder dominieren sollten.
Wie viele Illustrationen sind angemessen?
Es gibt keine feste Regel, aber der Text warnt davor, zu viele Illustrationen zu verwenden, da dies die Predigt schwächen kann. Sie sollen nicht überhandnehmen und die Predigt zu einem „Blumenstrauß“ statt einer „Weizengarbe“ machen. Eine ausgewogene und passende Anzahl, die das Thema unterstützt, ist ideal.
Welche Art von Illustrationen sollte man vermeiden?
Man sollte "blinde Fenster" vermeiden, also Illustrationen, die selbst erklärungsbedürftig sind oder nichts zur Klarheit beitragen. Auch zu prominente oder künstliche Bilder, die die Aufmerksamkeit auf sich selbst und nicht auf das Thema (insbesondere Christus) lenken, sind schädlich. Weiterhin sind niedrige, vulgäre oder geschmacklose Illustrationen strikt zu meiden, ebenso wie "gebrochene" oder vermischte Metaphern, die verwirrend wirken oder zum Lachen anregen.
Woher nimmt man am besten Illustrationen?
Am besten sind Illustrationen, die natürlich sind und aus dem Gegenstand oder dem bekannten Lebensbereich der Hörer herauswachsen. Wie Jesus es tat, sollten Prediger aus dem alltäglichen Leben und der unmittelbaren Umgebung schöpfen, statt nach exotischen oder komplizierten Bildern zu suchen. Beobachtungsgabe ist hierbei von unschätzbarem Wert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kunst der Predigtillustration eine hohe Kunst ist, die Disziplin und Weisheit erfordert. Illustrationen sind mächtige Werkzeuge, um die Botschaft des Evangeliums zu erhellen, zu beleben und den Hörern zugänglich zu machen. Sie sind die Fenster, durch die das Licht der Wahrheit in die Herzen der Menschen strömt. Doch wie bei jedem Werkzeug ist der richtige und überlegte Einsatz entscheidend. Sie dürfen niemals zum Selbstzweck werden, niemals die Stärke der Predigt untergraben oder vom zentralen Thema – der Herrlichkeit Jesu Christi – ablenken. Wenn wir Illustrationen mit Sorgfalt, Natürlichkeit und dem aufrichtigen Wunsch einsetzen, die Seelen zu erreichen und Christus zu verherrlichen, dann werden unsere Predigten nicht nur informativ, sondern auch transformativ sein, ein wahres geistliches Haus, das Gott zur Ehre gereicht.

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