08/08/2023
Das Wort „Evangelium“ ist uns heute vor allem als Bezeichnung für die vier Bücher im Neuen Testament bekannt, die das Leben und Wirken Jesu Christi schildern. Doch der Ursprung und die Bedeutung dieses Begriffs reichen weit tiefer in die Geschichte zurück und offenbaren eine faszinierende Entwicklung von einer einfachen „guten Nachricht“ hin zur zentralen Botschaft des christlichen Glaubens. Aus dem Altgriechischen stammend, bedeutet εὐαγγέλιον (eu-angélion) wörtlich „gute Nachricht“ oder „frohe Botschaft“. Diese Botschaft, die einst von militärischen Siegen kündete oder kaiserliche Erlasse verkündete, erhielt durch Jesus von Nazareth eine völlig neue, transzendente Dimension: die Frohe Botschaft vom Heilsgeschehen. Dieser Artikel nimmt Sie mit auf eine umfassende Reise durch die Geschichte, die Bedeutung und die vielfältigen Aspekte der Evangelien, beleuchtet ihre Entstehung, ihre Verfasser und ihren unschätzbaren Wert für die Menschheit.

- Die Etymologie und historische Entwicklung des Begriffs „Evangelium“
- Die Vier Kanonischen Evangelien des Neuen Testaments
- Entstehungszeit und Datierung der Evangelien
- Die Rolle der Evangelien im Kanon und apokryphe Schriften
- Symbolik der Evangelisten (Evangeliensymbole)
- Eine spirituelle Perspektive: Rudolf Steiner und die Evangelien
- Häufig gestellte Fragen zu den Evangelien
Die Etymologie und historische Entwicklung des Begriffs „Evangelium“
Um die tiefere Bedeutung des Begriffs „Evangelium“ zu verstehen, ist es unerlässlich, seine historische Entwicklung nachzuvollziehen. Ursprünglich fand sich der griechische Begriff evangelion (εὐαγγέλιον) in der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, in Kontexten, die die Überbringung einer Siegesbotschaft an einen König beschreiben. Es war eine Nachricht, die Freude und Erleichterung auslöste, oft nach einem militärischen Triumph.
Im nachexilischen Judentum, insbesondere durch den Propheten Jesaja, wandelte sich der Begriff zu einer Heilsbotschaft. Jesaja kündigte eine Zukunft der Erlösung an, eine „gute Nachricht“ des Trostes und der Wiederherstellung für Israel (vgl. Jesaja 40,9–12 EU). Hier begann die Transformation des Begriffs von einer rein weltlichen zu einer theologisch aufgeladenen Bedeutung.
Eine weitere wichtige Prägung erfuhr das Wort im Römischen Reich. Dort bezeichnete „Evangelium“ Nachrichten aus dem Kaiserhaus, insbesondere solche, die als „gute Nachrichten“ aufgefasst wurden, wie Geburten von Erben oder kaiserliche Erlasse. Ein berühmtes Beispiel ist die steinerne „Kalenderinschrift von Priene“ aus dem Jahr 9 v. Chr., die den Geburtstag des vergöttlichten Kaisers Augustus als den Beginn von „Freudenbotschaften“ oder „Evangelien“ für die Welt beschrieb. Dies zeigt, wie der Begriff im damaligen kulturellen Kontext für bahnbrechende, weltverändernde Ereignisse von höchster Autorität verwendet wurde.
Mit Markus 1,1 EU erfährt der Begriff eine radikale Kontrastierung und Neudefinition in seiner Anwendung auf Jesus von Nazareth. „Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.“ Hier wird das Evangelium nicht mehr als eine Nachricht über einen weltlichen Sieg oder eine kaiserliche Geburt verstanden, sondern als die Heilsgeschehen vom Wirken, Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi. Diese Frohbotschaft war ursprünglich nicht schriftlich fixiert, sondern wurde mündlich verkündet, bevor sie in den uns heute bekannten Schriften festgehalten wurde.
Einige frühe Kirchenväter, wie Irenäus, bezeichneten das gesamte Neues Testament als Evangelium, um die Einheit der Botschaft von Jesus Christus zu betonen, die in vier Formen vorliegt: nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Justinus, ein anderer Kirchenvater, verwendete den Ausdruck sogar in beiden Bedeutungen, was die fließenden Übergänge in der Begriffsgeschichte unterstreicht.
Die Vier Kanonischen Evangelien des Neuen Testaments
Die vier Evangelien am Beginn des Neuen Testaments – nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes – sind die grundlegenden Berichte über das Leben, die Lehren, den Tod und die Auferstehung Jesu Christi. Sie entstanden mehrere Jahrzehnte nach den eigentlichen Ereignissen, die sie beschreiben, und wurden ursprünglich in Griechisch verfasst.
Obwohl die Verfasserangaben wie „Evangelium nach Matthäus“ nicht Teil des ursprünglichen Textes sind, wurden sie sehr früh hinzugefügt und sind in der gesamten Überlieferung einheitlich. Die theologische Forschung diskutiert, ob diese Namen tatsächlich die ursprünglichen Verfasser benennen oder ob sie später einem nicht namentlich bekannten Autor zugeschrieben wurden. Die Tradition hat jedoch feste Vorstellungen über die Identität dieser Evangelisten:
- Evangelium nach Matthäus: Traditionell wird Matthäus, ein Apostel und ehemaliger Zöllner, als Verfasser genannt. Sein Wirkungsbereich wird in Persien, am Kaspischen Meer, in Griechenland und eventuell Äthiopien vermutet. Seine Botschaft richtete sich primär an Judenchristen, die eine gute Kenntnis der jüdischen Bibel besaßen. Matthäus betont Jesus als den Messias, der die alttestamentlichen Prophezeiungen erfüllt.
- Evangelium nach Markus: Als Verfasser gilt traditionell Johannes Markus, der kein Apostel war, aber als Begleiter des Apostels Petrus viel Material für seinen Bericht erhalten haben soll. Sein Wirkungsbereich wird in Kleinasien, Griechenland, Rom und Ägypten angenommen. Markus schrieb vor allem für Heidenchristen und legt einen starken Fokus auf Jesu Taten, Wunder und seinen Leidensweg. Es ist das kürzeste und dynamischste der Evangelien.
- Evangelium nach Lukas: Lukas, traditionell als Arzt und Begleiter des Paulus identifiziert, war ebenfalls kein Apostel. Sein Bericht zeichnet sich durch eine gehobene Sprache und eine universelle Perspektive aus. Sein Wirkungsbereich wird in Jerusalem, Kleinasien und Rom vermutet, und er schrieb vor allem für gebildete Heidenchristen, wobei er die Botschaft Jesu als für alle Menschen bestimmt darstellt und soziale Gerechtigkeit sowie die Rolle der Frauen hervorhebt.
- Evangelium nach Johannes: Traditionell wird Johannes, einer der zwölf Apostel, als Verfasser angesehen. Sein Wirkungsbereich wird in Jerusalem und Kleinasien, insbesondere Ephesus, vermutet. Sein Evangelium richtet sich allgemein an Christen, deren Glaube vertieft werden soll. Es unterscheidet sich stilistisch und inhaltlich stark von den anderen drei (den Synoptikern) und konzentriert sich auf die Göttlichkeit Jesu, lange theologische Dialoge und symbolische Darstellungen.
Die vier neutestamentlichen Evangelien bilden das Herzstück des Neuen Testaments und bieten jeweils eine einzigartige Perspektive auf das Leben und die Lehren Jesu Christi. Obwohl sie alle dasselbe zentrale Thema behandeln, unterscheiden sie sich in ihrer Ausrichtung, ihrem Stil und ihren primären Adressaten.
| Evangelium | Traditioneller Verfasser | Möglicher Wirkungsbereich | Primäre Adressaten | Besondere Merkmale/Fokus |
|---|---|---|---|---|
| Matthäus | Matthäus (Apostel, ehem. Zöllner) | Persien, Kaspisches Meer, Griechenland, Äthiopien | Judenchristen mit Biblischem Wissen | Betont Jesus als den erwarteten Messias, Erfüllung alttestamentlicher Prophezeiungen, Lehrreden Jesu (Bergpredigt). |
| Markus | Johannes Markus (Begleiter Petrus') | Kleinasien, Griechenland, Rom, Ägypten | Heidenchristen (insbesondere in Rom) | Kürzestes und actionreichstes Evangelium, Fokus auf Jesu Taten und Wunder, Betonung seines Leidensweges (Messiasgeheimnis). |
| Lukas | Lukas (Arzt, Begleiter Paulus') | Jerusalem, Kleinasien, Rom | Gebildete Heidenchristen (insbesondere Theophilus) | Ausgehobene Sprache, Betonung der Universalität von Jesu Botschaft (für Arme, Frauen, Randgruppen), soziale Gerechtigkeit, Gebet. |
| Johannes | Johannes (Apostel) | Jerusalem, Kleinasien | Allgemein Christen, zur Glaubensvertiefung | Theologisch tiefgehendstes Evangelium, Fokus auf Jesu Göttlichkeit, lange Dialoge, Symbolik, „Ich bin“-Worte Jesu. |
Entstehungszeit und Datierung der Evangelien
Die genaue Entstehungszeit der neutestamentlichen Evangelien ist Gegenstand intensiver theologischer und bibelwissenschaftlicher Forschung. Der Zeitraum erstreckt sich grob von 30 oder 33 n. Chr. (dem Jahr der Kreuzigung Jesu) bis etwa 120 n. Chr., wobei Belege wie das Papyrus P52 (ein Fragment des Johannesevangeliums) aus der Zeit Kaiser Hadrians und Zitate von Kirchenvätern aus dem frühen 2. Jahrhundert die spätesten möglichen Entstehungszeiten markieren.
In der modernen Forschung wird kaum eine „Frühdatierung“ eines Evangeliums in die 30er Jahre vertreten, obwohl in der Antike die These eines Urevangeliums existierte. Die Diskussionen bewegen sich vielmehr im Spannungsfeld zwischen einer „mittleren Datierung“ um 60 n. Chr. und einer „Spätdatierung“ um 85 n. Chr. Diese Datierungen basieren auf verschiedenen Kriterien:
- Stilistische Eigenheiten: Die Analyse des Sprachstils und Vokabulars gibt Hinweise auf die Zeit, in der die Texte verfasst wurden.
- Wechselseitige Bezüge der Texte: Die Ähnlichkeiten zwischen Matthäus, Markus und Lukas (den sogenannten synoptischen Evangelien) legen nahe, dass sie sich gegenseitig kannten oder auf gemeinsame Quellen zurückgriffen. Dies hilft, eine relative Chronologie festzulegen.
- Theologische Unterschiede: Die Entwicklung theologischer Konzepte und die Art und Weise, wie bestimmte Fragen beantwortet werden, können auf unterschiedliche theologische Reifegrade und damit auf verschiedene Entstehungszeiten hindeuten.
- Bezugnahmen auf historische Fakten: Hinweise auf Ereignisse wie die Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahr 70 n. Chr. (oder das Fehlen solcher Hinweise) sind oft entscheidend für die Datierung. Wenn ein Ereignis als „bereits geschehen“ beschrieben wird, muss der Text danach verfasst worden sein.
Es ist bemerkenswert, dass trotz des nur kurzen öffentlichen Wirkens Jesu biographische Darstellungen von ihm existieren, die zeitlich näher an den beschriebenen Ereignissen liegen als die meisten Biographien antiker Persönlichkeiten. Zum Vergleich: Die früheste noch erhaltene Biographie über Kaiser Augustus wurde ein Jahrhundert nach dessen Tod von Sueton verfasst, und über Mohammed entstand die früheste Biographie von Ibn Hischām erst zwei Jahrhunderte nach seinem Tod. Diese relative Zeitnähe unterstreicht die historische Bedeutung der Evangelien als Quellen über Jesus von Nazareth.
Die Rolle der Evangelien im Kanon und apokryphe Schriften
Obwohl die ersten drei Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas) viele Begebenheiten ähnlich berichten und der Inhalt des kürzeren Markus-Evangeliums größtenteils in den längeren nach Matthäus und Lukas enthalten ist, wurden alle vier Evangelien für den kirchlichen Gebrauch beibehalten. Die entstehende Großkirche entschied sich bewusst dafür, diese vier in den christlichen Gemeinden gebrauchten Evangelien gesondert in den neutestamentlichen Kanon aufzunehmen. Es wurde weder das Markus-Evangelium weggelassen noch eine Evangelienharmonie (eine aus den vier Evangelien zusammengestellte durchgehende Erzählung) an die Stelle der einzelnen Evangelien gesetzt, obwohl Harmonisierungen wie Tatians Diatessaron in einigen Regionen (z. B. in der syrischen Kirche) beliebt waren, verdrängten sie die ursprünglichen Evangelien nie vollständig.

Neben diesen vier kanonischen Evangelien zirkulierten ab dem 2. Jahrhundert viele weitere Schriften, die ebenfalls als „Evangelien“ bezeichnet wurden, aber nicht in den Kanon aufgenommen wurden. Diese werden als pseudepigraphe oder Apokryphen Evangelien bezeichnet. Sie wurden oft unter dem Namen eines Apostels oder einer anderen wichtigen Figur verfasst, um ihnen Autorität zu verleihen, obwohl die tatsächlichen Verfasser unbekannt sind. Beispiele hierfür sind das Thomasevangelium, das Petrusevangelium, das Judasevangelium, das Evangelium der Wahrheit und das Philippusevangelium. Von vielen dieser Schriften sind heute nur noch Fragmente oder Zitate in den Werken der Kirchenväter erhalten, was ihre vollständige Rekonstruktion erschwert.
Symbolik der Evangelisten (Evangeliensymbole)
In der christlichen Ikonographie werden die vier Evangelisten – Matthäus, Markus, Lukas und Johannes – seit dem 4. Jahrhundert durch vier geflügelte Symbole dargestellt. Diese Symbole sind tief in der biblischen Tradition verwurzelt, insbesondere in den Visionen des Propheten Ezechiel (Ezechiel 1,10) und in der Offenbarung des Johannes (Offenbarung 4,7):
- Ein Mensch (oder Engel) versinnbildlicht Matthäus, da sein Evangelium mit dem menschlichen Stammbaum Jesu beginnt und seine Menschwerdung betont.
- Der Löwe symbolisiert Markus, weil sein Evangelium mit Johannes dem Täufer in der Wüste beginnt, dessen Ruf wie das Brüllen eines Löwen ist, und weil es die königliche Autorität und Auferstehung Jesu betont.
- Der Stier (oder Kalb) steht für Lukas, da sein Evangelium mit dem Priester Zacharias im Tempel beginnt, wo Tieropfer dargebracht wurden, und weil es Jesu Opfer als Sühne für die Sünden der Menschheit hervorhebt.
- Der Adler repräsentiert Johannes, da sein Evangelium mit einer hohen Theologie beginnt, die über die irdischen Dinge hinausgeht, ähnlich wie ein Adler in den Himmel aufsteigt, und weil es die Göttlichkeit Jesu betont.
Diese Symbole, die bis zum 13. Jahrhundert auch zu einem einzigen Gebilde zusammengefasst wurden, tragen die aus dem Griechischen übernommene Bezeichnung Tetramorph, was „Viergestalt“ oder „Viergetier“ bedeutet. Sie finden sich nicht nur in separaten Darstellungen, sondern auch als Attribute in figürlichen Darstellungen der Evangelisten selbst, in Kirchenfenstern, Fresken und Skulpturen, wo sie die Universalität und die verschiedenen Facetten der Botschaft der Evangelien verdeutlichen.
Eine spirituelle Perspektive: Rudolf Steiner und die Evangelien
Neben der traditionellen theologischen und historischen Betrachtungsweise gibt es auch spirituelle Deutungen der Evangelien, wie sie beispielsweise von Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie, vertreten wurden. Steiner sah sowohl die Synoptiker (Matthäus, Markus, Lukas) als auch den Evangelisten Johannes als „Eingeweihte“, die jeweils verschiedenen Einweihungsschulen entstammten. Für ihn war Johannes der einzige Augenzeuge der beschriebenen Ereignisse, während die übrigen Evangelistenschreiber das Material der Akasha-Chronik entnahmen – einer Art universellem, feinstofflichem Gedächtnis, das alle Ereignisse und Erkenntnisse speichert.
Für Steiner waren die Evangelien keine äußeren Biographien im modernen Sinne. Er betonte, dass die moderne Evangelienforschung ein Missverständnis begehe, wenn sie in den Texten eine rein äußere Biographie Jesu von Nazareth suchen wolle. Stattdessen sah er sie als eine „Erneuerung der alten Einweihungsschilderungen, der alten Einweihungsvorschriften“. Das bedeute, dass das, was sich sonst nur in den Tiefen der Mysterien ereignet habe, einmal auf dem großen Plan der Weltgeschichte stattgefunden habe. Deshalb dürfe man es mit denselben Worten beschreiben, wie die Einweihungsvorschriften abgefasst sind.
Steiner beschrieb seine eigene Erfahrung mit den Evangelien als eine unaufhörliche Quelle neuer Erkenntnisse: „Wenn ich selbst an die Evangelien herankomme, es mag noch so oft sein, so habe ich immer eine ganz bestimmte Empfindung, nämlich diese, dass in den Evangelien, wieweit man sie auch verstanden haben mag, was man auch aus ihnen heraus und über sie gedacht und gesagt hat – und man mag eben, ich betone das ausdrücklich, noch so oft an sie herantreten –, immer einem etwas Neues entgegentritt. Über die Evangelien lernt man nie aus.“
Diese tiefe Bewunderung für den unermesslichen Gehalt der Evangelien war für Steiner untrennbar mit dem Studium verbunden. Er sah es als eine Möglichkeit, immer tiefer in einen Gehalt einzutauchen, der kein Ende hat und dessen Bewunderung mit jeder Vertiefung wächst. Obwohl er anerkannte, dass der Weg der Evangelienforschung mit Schwierigkeiten bezüglich der Textüberlieferung verbunden sein kann, bildete dies für den Geisteswissenschaftler kein Hindernis. Für ihn trat das Bild der „Urevangelien“ mit ihrem „wortlosen Text“ in den Vordergrund, was das Stolpern über die Überlieferung erleichtere. Für Steiner war die Bewunderung ein unerlässliches Element, wenn das Evangelienlesen die Grundlage für ein religiöses Lehrwirken bilden sollte.
Häufig gestellte Fragen zu den Evangelien
Was bedeutet das Wort „Evangelium“?
Das Wort „Evangelium“ stammt aus dem Altgriechischen (εὐαγγέλιον, eu-angélion) und bedeutet wörtlich „gute Nachricht“ oder „frohe Botschaft“. Ursprünglich wurde es für Siegesbotschaften oder kaiserliche Erlasse verwendet, bevor es im Christentum die spezifische Bedeutung der Botschaft vom Heilsgeschehen in Jesus Christus erhielt.
Wer sind die Evangelisten?
Die Evangelisten sind die traditionellen Verfasser der vier kanonischen Evangelien im Neuen Testament: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Matthäus und Johannes waren Apostel und direkte Jünger Jesu, während Markus und Lukas Begleiter von Aposteln (Petrus bzw. Paulus) waren und ihre Berichte auf deren Zeugnisse stützten.
Warum gibt es vier Evangelien, wenn sie teilweise ähnliche Inhalte haben?
Die frühe Kirche entschied sich bewusst dafür, alle vier Evangelien in den Kanon aufzunehmen, weil sie jeweils eine einzigartige Perspektive und theologische Betonung auf das Leben und Wirken Jesu bieten. Obwohl sie sich in vielen Erzählungen überschneiden (besonders Matthäus, Markus und Lukas), ergänzen sie sich gegenseitig und geben ein umfassenderes Bild von Jesus Christus und seiner Botschaft, als es ein einzelnes Evangelium könnte.
Gibt es noch andere Evangelien außerhalb der Bibel?
Ja, neben den vier kanonischen Evangelien existieren zahlreiche weitere Schriften aus der Antike, die als „Evangelien“ bezeichnet werden, aber nicht in den biblischen Kanon aufgenommen wurden. Diese werden als apokryphe Evangelien bezeichnet (z. B. das Thomasevangelium, das Petrusevangelium, das Judasevangelium). Sie bieten oft alternative oder erweiterte Erzählungen über Jesus oder andere biblische Figuren, werden aber von der Mehrheit der christlichen Kirchen nicht als inspirierte Schriften anerkannt.
Wann wurden die Evangelien geschrieben?
Die vier kanonischen Evangelien entstanden mehrere Jahrzehnte nach den Ereignissen des Lebens Jesu. Die genauen Datierungen variieren in der Forschung, liegen aber meist zwischen ca. 60 n. Chr. und 90 n. Chr. (Matthäus, Markus, Lukas) und Ende des 1. Jahrhunderts bis Anfang des 2. Jahrhunderts (Johannes). Damit sind sie zwar keine unmittelbaren Augenzeugenberichte in jedem Detail, aber dennoch die frühesten und umfassendsten schriftlichen Quellen über Jesus von Nazareth, die uns vorliegen.
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