Ist die Verlobung wichtiger als diehochzeit?

Verlobung oder Hochzeit: Was zählt mehr?

06/02/2023

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In einer Welt, in der sich gesellschaftliche Normen ständig wandeln, stellen sich viele die Frage nach der wahren Bedeutung von Verlobung und Ehe. Ist die Verlobung lediglich ein romantischer Auftakt zur Hochzeit, oder birgt sie eine tiefere, vielleicht sogar entscheidendere Bedeutung? Die Bibel bietet hierzu eine überraschende und gleichzeitig erhellende Perspektive, die weit über menschliche Konventionen hinausgeht. Wir tauchen ein in Gottes ursprünglichen Plan für diese heiligen Bünde und beleuchten, warum die Verlobung in biblischer Sicht eine unerwartet zentrale Rolle spielt.

Was ist das Johannes-Evangelium?
Das Johannes-Evangelium wurde von dem Apostel Johannes (vgl. Joh 21,20-24) etwa 85-90 n. Chr. verfaßt, vermutlich in Ephesus. Als Augenzeuge der göttlichen Herrlichkeit Jesu wurde er vom Heiligen Geist geleitet, Jesus Christus besonders als den Sohn Gottes zu offenbaren und als den, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.

Dieser Artikel basiert auf den tiefgründigen Lehren von Pastor Wolfgang Wegert vom Gemeinde und Missionswerk Arche in Hamburg, der die Ehe und Verlobung als ein Gleichnis für die Beziehung zwischen Christus und Seiner Gemeinde darstellt.

Inhaltsverzeichnis

Der wahre Zweck der Ehe: Ein göttliches Geheimnis

Bevor wir uns der Verlobung widmen, müssen wir den fundamentalen Zweck der Ehe aus biblischer Sicht verstehen. Viele Menschen heiraten aus Gründen wie dem Wunsch nach Gesellschaft, Liebe, Sexualität oder Kinderwunsch. All diese Gründe sind menschlich nachvollziehbar und teilweise auch biblisch bestätigt (1. Mose 2,18). Doch die Bibel offenbart einen noch viel tieferen, gottbezogenen Grund.

Der Apostel Paulus spricht in Epheser 5,31-32 von einem „großen Geheimnis“:

„Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde.“

Dieses Geheimnis ist nicht unverständlich, sondern war lange verborgen und ist nun offenbart. Als Gott Adam und Eva schuf, tat Er dies prophetisch. Er sah in der Erschaffung des ersten Ehepaares ein Abbild der zukünftigen Beziehung zwischen Christus und Seiner Gemeinde. Der Hauptzweck der Ehe ist es demnach, diese herrliche Beziehung widerzuspiegeln und die Herrlichkeit des Evangeliums darzustellen. Die Ehe von Christen soll ein lebendiges Beispiel für die Liebe zwischen Jesus und Seiner Brautgemeinde sein.

Das bedeutet konkret: Die Ehefrau nimmt die Rolle der Gemeinde ein, und der Ehemann soll in seiner Beziehung zur Frau das Wesen Christi zeigen, wie Er sich Seiner Gemeinde gegenüber verhält. Dies ist eine gewaltige Verantwortung, insbesondere für den Ehemann.

Ehe als Spiegel Christi und Seiner Gemeinde

Paulus führt diese Analogie weiter aus:

  • „Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn“ (Epheser 5,22). Dies ist keine bloße gesellschaftliche Anweisung, sondern eine tiefe theologische Begründung: Die Frau soll ihren Mann als ein Gleichnis für Christus ansehen.
  • „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben“ (Epheser 5,25). Diese Liebe ist nicht allgemein oder oberflächlich. Sie ist eine opferbereite, selbstlose Liebe, die sich hingibt, verzeiht und für das Wohlergehen der Frau sorgt – genauso, wie Jesus Seine Gemeinde liebt.

Ehe nach biblischem Vorbild ist somit nicht primär auf die gegenseitige Befriedigung menschlicher Bedürfnisse ausgerichtet, sondern auf Gott bezogen. Sie ist heilig, weil sie einen heiligen Grund hat: Sie bildet Jesus und Seine Gemeinde ab. Dies ist ein Verständnis, das Menschen ohne lebendigen Glauben oft fehlt, weshalb der Wert der Ehe in ihren Augen oft geringer ist.

Die überraschende Bedeutung der Verlobung

Nachdem wir den Zweck der Ehe beleuchtet haben, wenden wir uns der Verlobung zu. Auch sie ist mehr als eine bloße Tradition oder ein romantischer Akt. Die Bibel lehrt, dass auch die Verlobung ein Gleichnis ist – ein Gleichnis dessen, was Jesus mit Seiner Gemeinde getan hat. Gott selbst sprach zu Seinem Volk:

„Ich will mich mit dir verloben für alle Ewigkeit, ich will mich mit dir verloben in Gerechtigkeit und Recht, in Gnade und Barmherzigkeit. Ja, in Treue will ich mich mit dir verloben, und du wirst den HERRN erkennen.“ (Hosea 2,21-22)

Dies ist eine ewige Zusage, ein unwiderruflicher Bund. Die Gemeinde Jesu befindet sich hier auf Erden in einem Verlobungszustand mit Christus. Die „Hochzeit des Lammes“ findet erst im Himmel statt (Offenbarung 19,7). Die Verlobung des Herrn mit uns ist ein fester, unwiderruflicher Bund, bei dem Er uns gesalbt, versiegelt und den Heiligen Geist als Unterpfand in unsere Herzen gegeben hat (2. Korinther 1,21-22). Er verlobt sich nicht auf Probe; es ist ein für Zeit und Ewigkeit gültiger Bund, mit einem Eid der ewigen Treue (Hebräer 6,17).

Christi Verlobung mit uns ist also absolut fest und bindend. Die symbolische „Ehe“ wird hier auf Erden noch nicht vollzogen, sondern erst bei der Hochzeit des Lammes im Himmel. Dort wird das Verlobungsgelöbnis eingelöst, und die Gemeinde wird die Ehefrau Christi. Die Frage ist nun: Welcher Augenblick ist entscheidend für unsere ewige Vermählung mit Jesus – die Hochzeit im Himmel oder die Verlobung hier auf Erden? Die Antwort, die die biblische Analogie nahelegt, ist: Die Verlobung hat alles entschieden! Sie hat demzufolge eine größere Bedeutung als die Hochzeit.

Verlobung in biblischer Zeit: Eine feste Bindung

Diese überraschende Erkenntnis spiegelt sich auch in der biblischen Praxis der Eheschließung wider. In alttestamentlichen Zeiten war die Verlobung (die sogenannte „Verpflichtung“) wichtiger als die spätere Hochzeit (die „Heimholung“). Die Verlobung war ein öffentlicher Akt mit weitreichenden rechtlichen Konsequenzen:

  • Das Brautpaar verpflichtete sich öffentlich zur Eheschließung und zur vorehelichen Treue (5. Mose 22,23-27).
  • Treue bis zum Tod wurde bereits bei der Verlobung gelobt und geschworen, nicht erst bei der Hochzeit.
  • Die Verlobung war genauso unauflöslich wie die Ehe selbst. Ein verlobtes Paar war gebunden und nicht mehr frei.
  • Ein Verlobter musste nicht in den Krieg ziehen, um sicherzustellen, dass er sein Eheversprechen einlösen konnte (5. Mose 20,7).
  • Verlobte, die die Treue brachen, wurden nach dem Gesetz des Moses ebenso bestraft wie Ehepartner (5. Mose 22,23-27).
  • Ein Brautpreis musste an die Eltern der Verlobten gezahlt werden (vgl. 1. Mose 24,53; 2. Mose 22,15-16). Dieser war bereits bei der Verlobung fällig und diente nicht als Kaufpreis, sondern als Absicherung des Eides des Verlobten und zur finanziellen Versorgung der Braut, falls der Ehemann sie entlassen oder schlecht behandeln sollte. Die Braut war somit finanziell ausgestattet, ein Schutz, der damals seinesgleichen suchte.

Die rechtliche Verbindlichkeit der Verlobung war so stark, dass die Bibel eine Verlobte oft schon als „Frau“ bezeichnete. Ein prominentes Beispiel ist Maria und Josef in Matthäus 1,18-20:

„Als nämlich Maria, seine Mutter, dem Josef verlobt war, wurde sie, ehe sie zusammengekommen waren, schwanger erfunden von dem Heiligen Geist. Josef aber, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht öffentlich bloßstellen wollte, gedachte sie heimlich zu entlassen. Während er dies aber bei sich überlegte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen.“

Obwohl sie noch nicht „ein Fleisch“ waren – was erst am Tag der Hochzeit geschah – wurden sie bereits als Mann und Frau bezeichnet, aufgrund der festen Verlobungsbindung.

Wie wird das Evangelium vorgetragen?
Wort des lebendigen Gottes! Das Evangelium wird immer vom Priester vorgetragen. Oft sucht sich der Priester selber eine Bibelstelle aus, die zur Predigt passt. Es kann aber vom Brautpaar vorgeschlagen werden. Natürlich können auch andere Bibelstellen aus den Evangelien nach Lukas, Markus, Mathäus oder Johannes ausgesucht werden.

Die Ehe – zu einer Einheit zusammengefügt

Die Ehe ist eine wunderbare Einheit, die Gott selbst eingerichtet hat. Adam und Eva waren die ersten, die Gott in der Ehe zu einer untrennbaren Einheit zusammenfügte, noch bevor die Sünde in die Welt kam. Die Ehe ist die innigste und engste Form menschlichen Zusammenlebens auf dieser Erde, eine Lebens-, Liebes- und Dienstgemeinschaft.

Gott schuf Mann und Frau unterschiedlich, aber gleichwertig. Wir sind nicht gleichartig, aber ebenbürtig. Diese Unterschiede betreffen nicht nur den Körper, sondern auch Geist und Seele. Männer und Frauen „ticken“ anders, sie sind in ihrem Wesen verschieden. Der Mann ist oft rationaler und sachbezogener, die Frau eher emotional und personenbezogen. Diese Unterschiede sind von Gott gewollt und sollen sich in der Ehe ergänzen.

Die Frau ist oft die Seele, das Herz der Ehe, während der Mann das „Haupt“ ist und die Führungsverantwortung trägt. Beide überlegen gemeinsam, aber der Mann trägt vor Gott eine besondere Verantwortung, seiner Frau Geborgenheit und Stabilität zu geben. Die Frau wiederum ist eine wertvolle Hilfe bei seinen Entscheidungen. Diese Einheit erstreckt sich über Geist, Seele und Leib. Die körperliche Einheit ist die Krönung der geistigen und seelischen Einheit, aber sie ist nicht das Wichtigste und sollte niemals vorausgehen.

Der Weg des Mannes zu einer Frau: Ein Geheimnis mit Prinzipien

Sprüche 30,19 spricht vom „Weg eines Mannes zu einer Frau“ als ein Geheimnis. Doch die Bibel gibt uns klare Grundsätze für eine glückliche Ehe, die sich in drei Schritten zusammenfassen lassen (1. Mose 2,24):

  1. Verlassen von Vater und Mutter: Dies bedeutet, das bisherige Umfeld aufzugeben und finanziell, wirtschaftlich, geistig und geistlich auf eigenen Füßen zu stehen. Es ist ein Prozess der Selbstständigkeit.
  2. Anhangen an seiner Frau (und umgekehrt an den Mann): Dies ist der Ausdruck der geistigen, geistlichen und seelischen Einheit. Es bedeutet „zusammenkleben“ und eine totale Lebenseinheit werden, die in der Verlobungszeit beginnt und mit der Eheschließung die körperliche Einheit beinhaltet. Die Ehe ist ein verbindliches Treueversprechen auf Lebenszeit. Gott hasst Scheidung (Maleachi 2,16).
  3. Ein Fleisch sein: Dies schließt das geschlechtliche Zusammensein ein, das Gott zur Freude und Fortpflanzung gegeben hat. Es ist jedoch mehr als sexuelle Gemeinschaft; es krönt die völlige Liebes- und Lebenseinheit zweier Menschen nach Geist, Seele und Leib.

Praktische Bedeutung für uns heute

Was bedeutet all dies für uns in der heutigen Zeit? Verlobung und Ehe sind ein heiliges Gleichnis für die Beziehung Jesu zu Seiner Gemeinde. Daher sollte die Verlobung in unserem Denken ein ganz anderes Gewicht bekommen.

Wenn Sie sich verloben möchten, stellen Sie Ihre Absicht Ihren Eltern vor und besprechen Sie Ihr Vorhaben vor allem mit Ihren geistlichen Leitern. Bitten Sie sie, die tiefe Bedeutung dieses Schrittes mit Ihnen zu bedenken und mit Ihnen zu beten. Anschließend sollten Sie sich vor die Gemeinde stellen und öffentlich Ihren Verlobungssegen begehren. Verlobung und Eheschließung sind keine Privatsache. Sie gehören beide in die Gemeinde, dorthin, wo Christus wohnt. Vor Ihm und vor Ihren Brüdern und Schwestern als Zeugen legen Sie Ihr Gelübde ab.

Der Gang zum Standesamt regelt lediglich die Beziehung zum Staat, nicht aber die Beziehung zu Gott. Kein Standesbeamter bescheinigt eine Eheschließung nach biblischen Kriterien. Als verheiratet sehen wir uns erst an, wenn wir die Braut vor Gott und Seiner Gemeinde am Tage der Hochzeit heimholen und unser Verlobungsgelübde vor dem Herrn bekräftigen.

Wahre Liebe: Mehr als nur Gefühl

Die Bibel definiert Liebe nicht als ein flüchtiges Gefühl, sondern als eine Hingabe und Entscheidung. „Echte Liebe basiert nicht auf Gefühlen.“ Jesus selbst hat uns das am Kreuz gezeigt. Seine Liebe zu uns war nicht von menschlichen Gefühlen des Vergnügens getrieben, sondern von einem Willen zur Selbstaufopferung. „Wer mit mir gehen will, der muss sich und seine Wünsche aufgeben. Er muss sein Kreuz auf sich nehmen und mir auf meinem Weg nachfolgen“ (Matthäus 16,24).

Wahre Liebe ist selbstlos und auf das Wohl des anderen gerichtet. Sie sucht nicht das Eigene (1. Korinther 13,5). Wenn wir unsere Liebe an Gefühle koppeln, wird sie so unbeständig sein wie diese. Gott aber möchte uns in unseren Beziehungen Seine bleibende Liebe schenken. Durch Seine Kraft und weil Er in uns wohnt, dürfen wir unseren Ehepartner lieben, bis der Tod uns scheidet. Entscheiden Sie sich daher in allen Situationen für die Liebe, die Gott gehorcht und für den anderen da ist, denn der Herr selbst hat sie durch den Heiligen Geist in Ihr Herz ausgegossen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

FrageAntwort
Was ist der Hauptzweck der Ehe aus biblischer Sicht?Der Hauptzweck der Ehe ist es, die herrliche Beziehung zwischen Christus und Seiner Gemeinde widerzuspiegeln und die Herrlichkeit des Evangeliums darzustellen.
Warum war die Verlobung in biblischen Zeiten so wichtig?Die Verlobung war ein öffentlicher und rechtlich bindender Akt, der die Treue bis zum Tod versprach. Sie war so ernsthaft, dass Verlobte bereits als Mann und Frau galten.
Ist die Verlobung wichtiger als die Hochzeit?Aus biblischer Sicht, insbesondere im Hinblick auf das Gleichnis von Christus und Seiner Gemeinde, hat die Verlobung eine entscheidende Bedeutung, da sie den unwiderruflichen Bund darstellt, der alles entscheidet. Die Hochzeit ist die Vollziehung dieses Bundes.
Wie unterscheidet sich biblische Liebe von weltlicher Liebe?Biblische Liebe ist selbstlos, opferbereit und eine Entscheidung, die auf das Wohl des anderen ausgerichtet ist. Sie basiert nicht primär auf Gefühlen, sondern auf einem Willen zur Hingabe, wie Christus sie uns vorgelebt hat.
Welche Schritte sind für eine Ehe nach Gottes Willen wichtig?Die Bibel nennt drei Schritte: 1. Das Verlassen von Vater und Mutter, 2. Das Anhangen an den Partner (geistige, seelische Einheit), 3. Das Ein-Fleisch-Sein (körperliche Einheit).

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