31/01/2023
Die Taufe ist weit mehr als nur ein Ritual; sie ist ein tiefgreifendes Sakrament, das den Beginn eines neuen Lebens im Glauben markiert und eine unzertrennliche Verbindung mit Christus herstellt. Sie ist ein sichtbares Zeichen der unsichtbaren Gnade Gottes und ein bedeutsamer Schritt auf dem persönlichen Glaubensweg. Doch was genau bedeutet diese Handlung in ihrer ganzen Tiefe, insbesondere die oft zitierte „Taufe auf den Tod“, und welche Texte können diese feierliche Zeremonie inhaltlich bereichern?
Die tiefere Bedeutung der Taufe auf den Tod
Wenn die Heilige Schrift davon spricht, dass wir „auf Christus Jesus getauft“ und „auf seinen Tod getauft“ wurden (Römer 6,3), mag dies auf den ersten Blick ungewöhnlich klingen. Es handelt sich hierbei jedoch um ein zentrales theologisches Konzept, das die vollständige Identifikation des Täuflings mit Christus in seinem Tod und seiner Auferstehung symbolisiert. Die Taufe ist ein Sterben mit Christus und ein Auferstehen zu einem neues Leben.

Konkret bedeutet dies, dass wir durch die Taufe symbolisch mit Christus begraben werden. So wie Christus seinen irdischen Tod erfahren hat, so sterben wir in der Taufe symbolisch unserem alten, sündigen Leben ab. Dieses „Begrabenwerden“ durch das Untertauchen im Wasser (oder das Begießen) steht für das Ablegen alter Gewohnheiten, Sünden und einer Lebensweise, die von Gott entfernt ist. Es ist ein Akt der Reinigung und der Hingabe, bei dem der Täufling die Vergangenheit hinter sich lässt.
Doch die Taufe ist nicht nur ein Akt des Sterbens, sondern vielmehr ein Aufbruch in die Auferstehung. So wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir „als neue Menschen leben“ (Römer 6,4). Dieser Aspekt der Auferstehung ist entscheidend. Er bedeutet, dass wir nicht im Tod verbleiben, sondern durch Gottes Gnade zu einem Leben in Fülle und in Gemeinschaft mit ihm berufen sind. Die Taufe befähigt uns, ein Leben zu führen, das von den Prinzipien des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung geprägt ist. Sie ist der Beginn eines Weges, auf dem wir von der Kraft des Heiligen Geistes geleitet werden, um ein Leben zu führen, das Gott gefällt und das zu unserer eigenen Heiligung beiträgt.
Dieses Verständnis der Taufe auf den Tod ist fundamental für das christliche Verständnis von Umkehr und Neuanfang. Es ist eine Verpflichtung, aber auch eine unermessliche Gabe, die es uns ermöglicht, in Christus eine neue Identität zu finden und ein Leben zu führen, das auf ewig mit ihm verbunden ist.
Die Auswahl passender Lesungen für die Taufe
Die Lesungen sind ein Herzstück jeder Tauffeier, denn durch sie wird das Wort Gottes in die Gemeinde getragen und ausgelegt. Sie bieten eine Gelegenheit, die Botschaft der Taufe zu vertiefen und den spirituellen Rahmen der Zeremonie zu gestalten. Egal, ob die Taufe im Rahmen einer Eucharistiefeier mit der gesamten Pfarrgemeinde stattfindet oder in einer separaten Feier außerhalb einer Heiligen Messe, in der Regel sind ein bis zwei Lesungen vorgesehen.
Die Rolle der Lesungen in der Tauffeier
In diesem Teil der Feier wird aus der Bibel das Wort Gottes vorgelesen, und anschließend legt der Priester oder Diakon es in seiner Predigt aus. Zuerst hören die Anwesenden die göttliche Botschaft, und dann wird sie durch die Predigt verständlich gemacht und auf das konkrete Ereignis der Taufe bezogen. Wenn zwei Lesungen gelesen werden, stammt eine meist aus dem Alten Testament und die andere aus den Briefen, der Apostelgeschichte oder der Offenbarung des Neuen Testaments. Oft wird in diesem Teil der Messe auch aus den Psalmen gesungen oder gebetet, die ebenfalls dem Alten Testament entstammen und eine reiche Quelle der Spiritualität bieten.
Biblische Lesungen für die Taufe
Prinzipiell sind für jeden Tag konkrete Lesungen vorgesehen. Doch für Eltern und Paten besteht oft die Möglichkeit, eigene Lesungen auszuwählen. Hierbei ist es besonders sinnvoll, eine Lesung zu wählen, die thematisch das Evangelium begleitet oder die sich gegenseitig ergänzen. Es ist immer ratsam, die Wahl der Lesungen im Taufgespräch mit dem Priester oder Diakon zu besprechen, da diese über viel Erfahrung und wertvolle Vorschläge verfügen.
Einige besonders passende Bibelstellen für die Taufe sind:
- Galater 3,27: „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus (als Gewand) angelegt.“ Dieser Vers ist kurz, aber ungemein aussagekräftig. Er verweist auf das Taufkleid, das als Zeichen für die umgebende Liebe und Nähe Gottes angelegt wird. Es symbolisiert die neue Identität in Christus und die Reinheit, die durch die Taufe erlangt wird. Für eine Lesung kann es sinnvoll sein, den Kontext dieses Verses zu erweitern, um seine volle Bedeutung zu entfalten.
- 1 Korinther 12,12-13: Hier spricht der Apostel Paulus davon, dass wir alle „durch die Taufe in einen einzigen Leib aufgenommen und mit dem einen Geist getränkt“ sind. Dies betont die Gemeinschaft der Gläubigen und die Einheit, die durch die Taufe geschaffen wird. Wir werden Teil des Leibes Christi, der Kirche, und empfangen den Heiligen Geist, der uns befähigt, in diesem Leib zu wirken.
- Epheser 4,1-6: In diesem Brief, den Paulus aus dem Gefängnis schreibt, empfiehlt er den Menschen ein Leben im Glauben, das sie durch die Taufe führen können und sollen. Es ist ein Aufruf zu Demut, Sanftmut, Geduld und gegenseitiger Liebe, um die Einheit des Geistes zu bewahren. Dieser Abschnitt unterstreicht den ethischen Anspruch des Tauflebens und den Glaubensweg, den der Täufling nun beschreitet.
Außerbiblische Texte für die Taufe
Neben dem Wort Gottes aus der Bibel können im Rahmen der Tauffeier auch weltliche Geschichten oder inspirierende Texte erzählt oder vorgetragen werden. Diese können eine wertvolle Ergänzung sein, um die Botschaft der Liebe, des Schutzes und der Begleitung Gottes auf eine andere, vielleicht persönlichere Weise zu vermitteln. Der Priester oder Diakon kann eine solche Geschichte in seiner Predigt vorlesen, oder am Ende der Tauffeier kann ein weltlicher Text von einer Taufpatin, einem Onkel oder einem anderen Angehörigen vorgetragen werden.

Eine weitere Möglichkeit, einen Taufspruch, ein Taufgedicht oder einen inspirierenden Text in die Gestaltung der Taufe einzubeziehen, ist die Taufeinladung oder das Heft zur Tauffeier. Oft hört oder liest man etwas und denkt: „Das muss ich mir merken! Was für eine wunderschöne Geschichte!“ Solche Texte, die man irgendwo aufschnappt, können durchaus für die Taufe passend und geeignet sein.
Einige Klassiker, die sich eignen:
- „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry: Sein allseits bekanntes Zitat „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“ kann als wunderschöne Metapher für den Glauben und die unsichtbare Liebe Gottes dienen. Es erinnert daran, dass die tiefsten Wahrheiten oft jenseits des Sichtbaren liegen und nur mit dem Herzen erfasst werden können.
- Die Erzählung von den beiden Spuren im Sand: Diese Geschichte, in vielen Varianten zu finden, zeigt besonders schön, dass Gott uns nicht alleine lässt, sondern uns unser ganzes Leben lang begleitet, auch wenn wir manchmal meinen, er habe uns verlassen. Am Ende seines Lebens sieht ein Mann Spuren im Sand und erkennt, dass es die Spuren seines Lebens sind. Doch in den schwersten Zeiten sieht er nur eine Spur und beklagt sich bei seinem Freund, Gott. Der Freund entgegnet: „Da, wo du nur eine Spur siehst – wo du meinst, es seien die schweren Zeiten deines Lebens gewesen – da habe ich dich getragen!“ Diese Geschichte vermittelt eine tiefe Botschaft der Gottes Begleitung und des Vertrauens.
- Die Geschichte von der Frau mit dem zerbrochenen Krug: Eine Frau geht mit einem zerbrochenen Krug Wasser holen und grämt sich, dass sie immer weniger Wasser zurückbringt als die anderen. Doch dann bemerkt sie, dass am Wegrand, der durch ihren kaputten Krug bewässert wurde, wunderschöne Blumen wachsen. Diese Geschichte lehrt uns, dass selbst aus unseren Unvollkommenheiten und Schwächen etwas Schönes entstehen kann und dass Gott unsere Mängel nutzen kann, um Gutes zu bewirken.
- Das Märchen der Gebrüder Grimm vom goldenen Schlüssel: Es endet ohne Ende, mit der Frage, was das Schatzkästchen des Lebens für das Kind bringen wird. Dies symbolisiert die Offenheit des Lebensweges eines Kindes nach der Taufe und die unbegrenzten Möglichkeiten und Geheimnisse, die das Leben bereithält, immer unter dem Schutz und der Führung Gottes.
Vergleich: Biblische vs. Außerbiblische Texte
| Merkmal | Biblische Lesungen | Außerbiblische Texte |
|---|---|---|
| Quelle | Heilige Schrift (Altes & Neues Testament) | Literatur, Gedichte, Fabeln, persönliche Erzählungen |
| Autorität | Gottes Wort, von der Kirche anerkannt | Inspirierende Botschaft, moralisch/ethisch wertvoll |
| Zweck in der Feier | Grundlage für Predigt, theologische Verankerung | Vertiefung, emotionale Bereicherung, persönliche Note |
| Wann genutzt | Hauptteil der Wort-Gottes-Feier | In Predigt, am Ende der Feier, in Begleitheften |
| Beispiele | Galater 3,27; 1 Korinther 12,12-13; Epheser 4,1-6 | Der kleine Prinz, Zwei Spuren im Sand, Der zerbrochene Krug |
Häufig gestellte Fragen zur Taufe und Lesungen
Muss es immer eine biblische Lesung sein?
Ja, in katholischen und den meisten evangelischen Taufgottesdiensten ist mindestens eine biblische Lesung obligatorisch, da sie das Wort Gottes und die theologische Grundlage des Sakraments darstellt. Außerbiblische Texte können eine schöne Ergänzung sein, ersetzen aber nicht die biblische Lesung.
Wer darf die Lesungen vortragen?
Biblische Lesungen werden in der Regel von einem Lektor, einem Familienmitglied (Eltern, Paten) oder einem anderen geeigneten Gemeindemitglied vorgetragen. Weltliche Texte können von jedem vorgetragen werden, der dafür ausgewählt wurde und sich wohlfühlt.
Können wir eigene Texte für die Taufe schreiben?
Ja, persönliche Fürbitten oder ein selbst verfasster Taufspruch können eine sehr schöne und individuelle Ergänzung sein. Es ist jedoch wichtig, dies im Vorfeld mit dem Priester oder Diakon abzustimmen, um sicherzustellen, dass sie in den Ablauf des Gottesdienstes passen und die theologische Botschaft der Taufe unterstützen.
Wie lang sollten die Lesungen sein?
Die Länge der Lesungen sollte angemessen sein, um die Aufmerksamkeit der Gemeinde zu halten. Biblische Lesungen sind oft vorgegeben oder können in Absprache mit dem Zelebranten gekürzt werden. Bei außerbiblischen Texten empfiehlt sich eine Länge von wenigen Minuten, um den Rahmen der Feier nicht zu sprengen.
Welche Bedeutung hat das Taufkleid im Zusammenhang mit den Lesungen?
Das Taufkleid symbolisiert die Reinheit, die durch die Taufe erlangt wird, und das „Anlegen Christi“ (Galater 3,27). Es ist ein äußeres Zeichen der inneren Verwandlung und der neuen Identität in Christus. Passende Lesungen können diese Symbolik aufgreifen und vertiefen.
Fazit
Die Taufe ist ein zutiefst bedeutsames Sakrament, das weit über das sichtbare Ritual hinausgeht. Sie ist ein Bund des Lebens, der uns mit Christus verbindet und uns zu einem neues Leben in der Gemeinschaft der Gläubigen befähigt. Die „Taufe auf den Tod“ ist dabei nicht morbide, sondern ein kraftvolles Symbol für das Absterben des Alten und das Auferstehen zu einer neuen Existenz in Gott. Die sorgfältige Auswahl von biblischen und gegebenenfalls auch außerbiblischen Lesungen trägt maßgeblich dazu bei, diese tiefe Botschaft für alle Anwesenden erfahrbar und verständlich zu machen. Sie verleiht der Feier eine persönliche Note und unterstreicht die unermessliche Liebe und Gottes Begleitung, die der Täufling auf seinem Glaubensweg erfahren wird. Möge diese Feier ein unvergesslicher Startpunkt für ein Leben voller Segen und Hoffnung sein.
Wenn du andere Artikel ähnlich wie Die Taufe: Ein Bund des Lebens und der Hoffnung kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Glaube besuchen.
