Die Vier Evangelisten und ihre Symbole

29/03/2023

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Die Verfasser der vier kanonischen Evangelien – Matthäus, Markus, Lukas und Johannes – sind nicht nur die Chronisten des Lebens, Wirkens, Sterbens und der Auferstehung Jesu Christi, sondern auch Figuren von tiefer symbolischer Bedeutung in der christlichen Tradition. Seit Jahrhunderten werden sie in Kunst und Theologie durch unverwechselbare Bildsymbole dargestellt, die weitaus mehr sind als bloße Erkennungszeichen. Diese sogenannten Evangelistensymbole durchziehen die biblischen Texte ebenso wie die kirchliche Kunst und offenbaren eine reiche Schicht theologischer Deutungen.

Welche Symbole gibt es in der Bibel?
Symbole durchziehen die biblischen Texte ebenso wie die kirchliche Kunst. Zu den bekanntesten gehören die Symbole für die vier Evangelisten: Matthäus wird als Engel oder Mensch dargestellt. Markus ist ein Löwe, Lukas ein Stier und Johannes ein Adler. Diese Zeichen lassen sich nur annähernd aus der Bibel herleiten.
Inhaltsverzeichnis

Die vier Evangelisten und ihre klassischen Symbole

Die vier Evangelisten sind grundlegende Säulen des Neuen Testaments, da ihre Schriften die Hauptquelle für das Leben Jesu bilden. Ihre traditionellen Symbole sind tief in der christlichen Ikonographie verwurzelt und haben sich über die Jahrhunderte etabliert, auch wenn die Evangelisten selbst diese Symbole nicht verwendet haben:

  • Matthäus wird als Mensch oder Engel dargestellt.
  • Markus wird als Löwe dargestellt.
  • Lukas wird als Stier dargestellt.
  • Johannes wird als Adler dargestellt.

Diese Figuren tragen oft Flügel, was ihre himmlische oder inspirierte Natur unterstreicht. Die Zuordnung dieser Symbole zu den einzelnen Evangelisten war in der Frühzeit nicht immer festgelegt, wie historische Quellen belegen. Unterschiedliche Kirchenväter schlugen verschiedene Zuordnungen vor, doch dank der weiten Verbreitung der Vulgata wurde die heute geläufige Verteilung im Westen verbindlich.

Biblische Ursprünge der Symbole

Die Ursprünge dieser faszinierenden Symbole lassen sich auf zwei zentrale Visionen in der Bibel zurückführen: die Gottesvisionen des Propheten Ezechiel und die des Johannes in der Offenbarung. Obwohl die biblischen Beschreibungen nicht direkt auf die Evangelisten Bezug nehmen, dienten sie als Inspiration für die spätere theologische und künstlerische Interpretation.

Im Buch Ezechiel (Kapitel 1, Verse 1-28) beschreibt der Prophet vier lebende Wesen, jedes mit vier Gesichtern – dem eines Menschen, eines Löwen, eines Stiers und eines Adlers – und vier Flügeln. Diese Wesen werden als Träger der Herrlichkeit Gottes dargestellt.

Die Offenbarung des Johannes (Kapitel 4, Verse 7) greift diese Bilder auf und beschreibt ebenfalls vier Lebewesen vor dem Thron Gottes: das erste glich einem Löwen, das zweite einem jungen Stier, das dritte hatte ein Antlitz wie ein Mensch, und das vierte glich einem fliegenden Adler. Hier haben die Wesen jeweils sechs Flügel und sind voller Augen.

Die Kirchenväter, insbesondere Irenaeus und Hippolytus, begannen, diese vier Lebewesen christologisch zu deuten. Sie sahen in ihnen ein Gleichnis der vier Wesenseigenschaften des einen Logos und zugleich Bilder des viergestaltig überlieferten einen Evangeliums. Hieronymus war maßgeblich für die Verbreitung dieser Gedanken im lateinischen Sprachraum verantwortlich, indem er die Vierzahl und Einheit der Evangelien aus den biblischen Visionen ableitete.

Wie nennt man die vier Evangelisten?
Die Verfasser der Evangelien, die vier Evangelisten Markus, Matthäus, Lukas und Johannes, werden häufig mit Bildsymbolen dargestellt, obwohl sie selbst diese Symbole gar nicht verwendet haben: Markus als Löwe, Matthäus als Mensch, Lukas als Stier und Johannes als Adler. Alle Figuren tragen Flügel, wie himmlische Wesen.

Die theologische Deutung der Symbole: Eine christologische Lesart

Neben ihrer Rolle als Erkennungszeichen der Evangelisten erhielten die Symbole eine tiefere, christologische Deutung. Diese Interpretation, die von Kirchenvätern wie Gregor I. und Alkuin verbreitet und später von Rupert von Deutz weitergeführt wurde, ordnet die vier Evangelistensymbole den vier Hauptereignissen im Leben Jesu zu:

EvangelistSymbolTheologische Deutung (nach Gregor I. u.a.)
MatthäusMensch / EngelInkarnation (Menschwerdung Christi), da Matthäus mit dem Stammbaum Jesu beginnt und seine menschliche Abstammung betont.
MarkusLöweAuferstehung Christi, da der Löwe als König der Tiere und Symbol der Stärke gilt, der seine Jungen durch Anhauchen zum Leben erweckt (Physiologus-Tradition). Markus beginnt sein Evangelium mit der Stimme, die wie ein Löwe in der Wüste brüllt (Johannes der Täufer).
LukasStierOpfertod Christi, da der Stier ein Opfertier im Alten Testament war. Lukas beginnt sein Evangelium mit der Priestergeschichte des Zacharias im Tempel und betont die Opferbereitschaft Jesu.
JohannesAdlerHimmelfahrt Christi oder die himmlische Natur Christi, da der Adler hoch fliegt und direkt in die Sonne blickt. Johannes' Evangelium beginnt mit einem erhabenen Prolog über das Wort Gottes, das bei Gott war, und seine theologische Tiefe reicht zu den höchsten himmlischen Sphären.

Diese erweiterte Bedeutung erklärt das häufige Vorkommen der Evangelistensymbole in Bilddarstellungen, die thematisch keine unmittelbare Verbindung mit den vier Evangelisten selbst haben, sondern den Heilsplan Christi oder seine Majestät symbolisieren.

Evangelistensymbole in der Kunstgeschichte

Die bildliche Darstellung der Evangelistensymbole ist seit etwa 400 n. Chr. fassbar und hat sich über die Jahrhunderte in vielfältiger Weise entwickelt. Ihre Präsenz reicht von monumentalen Mosaiken bis hin zu kleinsten Buchmalereien und schmückt unzählige kirchliche Gegenstände.

Frühchristliche und mittelalterliche Darstellungen

In der frühchristlichen Kunst erscheinen die Evangelistensymbole primär in visionär-eschatologischen Themenkreisen, oft als Begleiter Christi oder eines Christus-Symbols (z.B. das Lamm Gottes oder das Kreuz). Ein prominentes Beispiel ist die sogenannte Majestas Domini, eine Darstellung des thronenden Christus in Herrlichkeit, umgeben von den vier Wesen. Es gab einen "westlichen Typus", bei dem die Symbole oft horizontal angeordnet waren, basierend auf der apokalyptischen Vision, und einen "östlichen Typus", der stärker von der Ezechiel-Vision inspiriert war und die Symbole diagonal um Christus anordnete, oft in dynamischer Bewegung.

Das Mittelalter war die Glanzzeit der Evangelistensymbole in der Kunst. Hier wurden sie am häufigsten im Autorenbild dargestellt, oft als Begleiter des jeweiligen Evangelisten selbst, der schreibend oder meditierend abgebildet ist. Diese Darstellungen finden sich vor allem in Evangeliaren, Bibeln und anderen theologischen Handschriften. Die Symbole konnten dabei auch alleine auf Zierseiten, Kanontafeln oder in Verbindung mit Initialen am Anfang der Evangelientexte erscheinen. Sie wurden auch mit den vier Lebensstadien Christi kombiniert, um die christologische Deutung zu visualisieren.

Besonders hervorzuheben sind die sogenannten "Harmoniebilder", die die Einheit der vier Evangelien in Christus betonen. Hier sind die Symbole, oft zusammen mit den Evangelisten, um Christus oder ein Christus-Symbol gruppiert. Das Kreuz spielt dabei eine wichtige Rolle, da es den Gedanken des vierfach vom Kreuz ausgehenden Lebensquells der Evangelien veranschaulicht, ähnlich den Paradiesesströmen. Diese Darstellungen finden sich auf Buchdeckeln, Reliquiaren, Altären und in der Monumentalskulptur.

Wie nennt man die vier Evangelisten?
Die Verfasser der Evangelien, die vier Evangelisten Markus, Matthäus, Lukas und Johannes, werden häufig mit Bildsymbolen dargestellt, obwohl sie selbst diese Symbole gar nicht verwendet haben: Markus als Löwe, Matthäus als Mensch, Lukas als Stier und Johannes als Adler. Alle Figuren tragen Flügel, wie himmlische Wesen.

Kombinationen mit anderen Vierergruppen

Das mittelalterliche Denken liebte Ordnungsschemata, und so wurden die Evangelistensymbole oft mit anderen biblischen oder kosmologischen Vierergruppen in Verbindung gebracht:

  • Vier große Propheten: Eine typologische Gegenüberstellung von Altem und Neuem Testament.
  • Vier Paradiesesflüsse: Symbolisieren die lebensspendende Kraft der Evangelien, die wie die Flüsse aus einer Quelle (Christus/Kreuz) strömen.
  • Kardinaltugenden: Tugenden wie Gerechtigkeit, Tapferkeit, Weisheit und Mäßigung wurden mit den Evangelien in Verbindung gebracht.
  • Vier Elemente: Erde, Wasser, Luft, Feuer.
  • Vier Kirchenväter: Augustin, Hieronymus, Ambrosius, Gregor der Große.

Nachmittelalterliche Kunst und ikonographische Details

Seit dem Ende des Mittelalters verloren die Evangelistensymbole an eigenständiger Bedeutung und wurden zunehmend in die untergeordnete Rolle von Attributen der Evangelisten abgedrängt. Dennoch finden sich bedeutende Werke in Renaissance, Barock und sogar in der Reformationskunst, die die Symbole als Begleiter ihrer Evangelisten darstellen, oft mit Betonung der Inspiration.

Gestaltung und Flügel

Die Darstellung der Symbole folgt selten wörtlich den biblischen Beschreibungen. Während Ezechiel von vier Flügeln sprach und die Apokalypse von sechs, zeigen die meisten künstlerischen Darstellungen in der Regel zwei Flügel, insbesondere im Mittelalter. Manchmal erscheinen die Symbole auch ganz ohne Flügel, mit Ausnahme des Adlers. Die anthropomorphen Evangelistensymbole, mit menschlichem Leib und Tierköpfen, basieren auf Ezechiels Beschreibung menschenähnlicher Wesen und sind besonders in der iberischen, insularen und fränkischen Kunst des Frühmittelalters verbreitet.

Attribute, Haltung und Bewegung

Die frühesten Darstellungen der Evangelistensymbole hatten keine Attribute. Ab der Mitte des 5. Jahrhunderts wurden sie durch Nimben ausgezeichnet. Das geschlossene Buch wurde ab der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts zum allgemeinen Attribut, während das geöffnete Buch erst ab dem 8. Jahrhundert gebräuchlich wurde. Auch offene oder geschlossene Rollen (Rotuli) dienten als Attribute.

Die Haltung und Bewegung der Symbole entwickelte sich von anfänglich einfachen, verehrenden Posen zu komplexeren Darstellungen, insbesondere in den karolingischen Kanontafeln. Dort sind die Symbole in vielfältigen Aktionen zu sehen: Bücher haltend, Schriftbänder tragend oder Vorhänge zurückziehend. Das Symbol des Matthäus konnte sogar schreibend dargestellt werden, was seine Angleichung an den Evangelisten betont. Gelegentlich wurden Initialen aus dem Leib eines Evangelistensymbols gebildet.

Häufig gestellte Fragen zu den Evangelistensymbolen

Warum sind die Evangelisten mit Tieren und einem Menschen symbolisiert?

Die Symbolik leitet sich von Visionen in den biblischen Büchern Ezechiel und Offenbarung ab, wo vier lebende Wesen mit den Gesichtern eines Menschen, Löwen, Stiers und Adlers beschrieben werden. Diese Wesen wurden von den Kirchenvätern auf die vier Evangelisten und die vierfachen Aspekte des Evangeliums bezogen.

Was ist das Evangelium von Markus?
Markus geschriebenes Evangelium verwahrt wurde, assoziiert damit den von vier Wesen getragenen Thron Gottes und zugleich die von den Evangelisten verkündete Lehre der vier Evangelien. Im Cod. Amiatinus 1 der Bibl. Laurenziana, Florenz, der zwar erst um 700 entstand, aber wahrscheinlich eine Kopie des Codex grandior des Cassiodor, einer südital.

Wer hat die Symbole den Evangelisten zugeordnet?

Die Zuordnung der Symbole zu den einzelnen Evangelisten war in der Frühzeit nicht einheitlich. Verschiedene Kirchenväter wie Irenaeus, Hippolytus und Augustinus hatten unterschiedliche Vorschläge. Die heute gängige Zuordnung (Matthäus-Mensch, Markus-Löwe, Lukas-Stier, Johannes-Adler) wurde maßgeblich von Hieronymus im 4. Jahrhundert festgelegt und verbreitete sich durch die Vulgata im Westen.

Was bedeuten die Flügel der Evangelistensymbole?

Die Flügel der Evangelistensymbole unterstreichen ihre himmlische, göttliche oder inspirierte Natur. Sie sind ein Hinweis auf die biblischen Visionen in Ezechiel und Offenbarung, wo die lebenden Wesen ebenfalls geflügelt beschrieben werden. Sie symbolisieren auch die schnelle Verbreitung der Frohen Botschaft in alle Welt.

Repräsentieren die Symbole auch Aspekte des Lebens Jesu?

Ja, eine wichtige theologische Deutung, insbesondere durch Gregor I., verbindet die Symbole mit den vier Hauptstadien im Leben Jesu: der Mensch für die Inkarnation (Menschwerdung), der Stier für den Opfertod, der Löwe für die Auferstehung und der Adler für die Himmelfahrt oder die göttliche Natur Christi.

Wo kann man diese Evangelistensymbole in der Kunst sehen?

Evangelistensymbole finden sich in fast allen Bereichen der christlichen Kunst, sowohl in Kirchengebäuden als auch in der Ausstattung. Dazu gehören Mosaike, Fresken, Skulpturen an Portalen und Kapitellen, Glasfenster, Buchmalereien in Evangeliaren und Bibeln, Goldschmiedearbeiten auf Altären, Reliquiaren, Kelchen und Buchdeckeln, sowie in der Elfenbeinschnitzerei und auf Grabsteinen. Sie sind ein allgegenwärtiger Bestandteil der christlichen Ikonographie.

Die Evangelistensymbole sind somit nicht nur einfache Erkennungszeichen, sondern ein komplexes System von Bedeutungen, das tiefe theologische Konzepte über die Natur Christi, die Einheit der Evangelien und die Verbreitung der göttlichen Botschaft vermittelt. Ihre Präsenz in der Kunst ist ein beredtes Zeugnis ihrer bleibenden Relevanz über Jahrhunderte hinweg.

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