Wann erschien die Originalausgabe von The Gospel of Barnabas?

Barnabas: Geschichte, Evangelium und Brief

20/02/2022

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In den Annalen des frühen Christentums gibt es Persönlichkeiten, deren Beitrag zur Ausbreitung des Evangeliums von unschätzbarem Wert war, auch wenn sie manchmal im Schatten prominenterer Figuren stehen. Eine solche Persönlichkeit ist Barnabas, ein Name, der sowohl in den kanonischen Schriften des Neuen Testaments als auch in umstrittenen frühchristlichen Texten auftaucht. Wer war dieser Mann wirklich, der den Beinamen „Sohn des Trostes“ trug? Und welche Rolle spielen die Schriften, die seinen Namen tragen – das Evangelium des Barnabas und der Brief des Barnabas – in der komplexen Geschichte des Glaubens? Dieser Artikel nimmt Sie mit auf eine Entdeckungsreise, um die vielschichtigen Facetten dieser faszinierenden Figur und der mit ihr verbundenen Texte zu beleuchten und ihre Bedeutung für unser Verständnis der christlichen Ursprünge zu ergründen.

Wann erschien die Originalausgabe von The Gospel of Barnabas?
Die italienisch-englische Originalausgabe erschien 1907 unter dem Titel The Gospel of Barnabas bei Clarendon Press Oxford. 1907 by Clarendon Press. Ins Deutsche übersetzt und herausgegeben von Safiyya M. Linges.
Inhaltsverzeichnis

Barnabas: Der Apostel des Trostes und Wegbereiter des Evangeliums

Der Mann, den wir als Barnabas kennen, wurde ursprünglich Joseph genannt und stammte als Levit aus Zypern. Doch es war sein Charakter und sein Handeln, die ihm bei den Aposteln in Jerusalem einen neuen Namen einbrachten: Barnabas, was „Sohn des Trostes“ oder „der Ermahnung“ bedeutet (Apg 4,36-37). Dieser Name ist bezeichnend für sein Wesen und seine entscheidende Rolle in der jungen christlichen Gemeinde.

Ein Mann des Glaubens und der Großzügigkeit

Die erste Erwähnung des Barnabas in der Apostelgeschichte zeichnet das Bild eines Mannes von außergewöhnlicher Hingabe. Wir erfahren, dass er sein Land verkaufte und den Erlös zu den Füßen der Apostel legte – ein Zeugnis seiner tiefen Verbundenheit mit der Gemeinschaft und seines Vertrauens in die Führung Gottes. Diese Tat symbolisierte nicht nur materielle Unterstützung, sondern auch eine vollständige Hingabe an das Leben im Geist und die Ideale der ersten Christen.

Der Brückenbauer für Saulus

Einer der wohl bedeutendsten Beiträge des Barnabas war seine Rolle bei der Integration des bekehrten Saulus (später Paulus) in die noch misstrauische Jerusalemer Gemeinde. Als die Jünger Saulus fürchteten und ihm nicht trauten, war es Barnabas, der sich seiner annahm, ihn den Aposteln vorstellte und für seine aufrichtige Bekehrung bürgte (Apg 9,26-27). Ohne Barnabas’ Fürsprache hätte Paulus möglicherweise nie die volle Anerkennung der Apostel gefunden, was den Verlauf der gesamten christlichen Geschichte verändert hätte. Barnabas erkannte das Potenzial und die Gnade Gottes in Saulus, wo andere nur den Verfolger sahen.

Die Mission in Antiochien und die ersten Missionsreisen

Als sich in Antiochien viele Heiden bekehrten, sandte die Jerusalemer Gemeinde Barnabas dorthin, um die Entwicklung zu beurteilen und zu fördern. Dort freute er sich über die offenbarte Gnade Gottes und ermahnte die Gläubigen, „mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren“. Die Schrift lobt ihn als „guten Mann, voll Heiligen Geistes und Glaubens“ (Apg 11,22-26). Angesichts des Wachstums in Antiochien suchte Barnabas Saulus in Tarsus auf und brachte ihn nach Antiochien, wo sie ein ganzes Jahr gemeinsam lehrten und die Gemeinde aufbauten (Apg 11,27-30). Antiochien wurde zu einem zentralen Ausgangspunkt für die Verbreitung des Evangeliums unter den Nationen.

Der Höhepunkt ihrer Zusammenarbeit war der Beginn der ersten großen Missionsreisen. Der Heilige Geist selbst wies die Gemeinde in Antiochien an: „Sondert mir Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe“ (Apg 13,2-4). So begann eine transformative Reise, die sie durch Zypern und Kleinasien führte, wo sie das Evangelium predigten, Gemeinden gründeten und sich den Herausforderungen der frühen Mission stellten.

Das Konzil von Jerusalem und die Trennung von Paulus

Barnabas stand Paulus auch bei der wichtigen Frage der Beschneidung von Heidenchristen zur Seite, die zum Konzil von Jerusalem führte (Apg 15,1-41). Sie legten dar, wie Gott durch sie unter den Nationen gewirkt hatte, und trugen maßgeblich zur Entscheidung bei, dass Heiden nicht beschnitten werden mussten, um gerettet zu werden. Diese Entscheidung war wegweisend für die universelle Ausrichtung des Christentums.

Nach dem Konzil kam es jedoch zu einer bemerkenswerten Trennung zwischen Barnabas und Paulus. Paulus schlug vor, die bereits besuchten Städte erneut aufzusuchen. Barnabas bestand darauf, seinen Neffen Markus mitzunehmen, der sie zuvor auf einer Reise verlassen hatte. Paulus war vehement dagegen, was zu einer Meinungsverschiedenheit führte, die so groß war, dass sich die beiden „wertvollen Diener des Herrn“ trennten. Barnabas segelte mit Markus nach Zypern, während Paulus Silas wählte und eine andere Route einschlug (Apg 15,36-41). Obwohl ihre Wege sich trennten, bleibt Barnabas’ Bedeutung für das frühe Christentum unbestritten. Paulus selbst erwähnt ihn später liebevoll, auch wenn er seine Beeinflussung durch Petrus’ Heuchelei in Galater 2,13 kritisiert.

Das Evangelium des Barnabas: Ein rätselhaftes Zeugnis

Abseits der kanonischen Schriften existiert ein Werk, das den Titel „Das Evangelium des Barnabas“ trägt. Es ist eine faszinierende und umstrittene Schrift, deren Existenz und Inhalt Anlass zu intensiven Debatten geben.

Die Originalausgabe und ihre Veröffentlichung

Die uns bekannte Originalausgabe dieses Evangeliums erschien im Jahr 1907 unter dem Titel „The Gospel of Barnabas“ bei der renommiClarendon Press Oxford. Es handelte sich um eine italienisch-englische Ausgabe, die ein Manuskript aus dem Vatikan übersetzte und der Öffentlichkeit zugänglich machte. Später wurde es von Safiyya M. Linges ins Deutsche übersetzt und herausgegeben. Die Veröffentlichung dieses Textes war ein bemerkenswertes Ereignis in der Religionswissenschaft, da er eine von den kanonischen Evangelien abweichende Darstellung des Lebens und der Lehren Jesu bietet und daher von großer Bedeutung für das Studium der apokryphen Schriften ist. Es ist wichtig zu betonen, dass es sich hierbei nicht um eine biblische Schrift handelt, sondern um einen Text, der weit außerhalb des christlichen Kanons steht und dessen Entstehung und theologische Ausrichtung intensiv diskutiert werden.

Der Brief des Barnabas: Eine umstrittene frühchristliche Schrift

Neben dem biblischen Barnabas und dem umstrittenen Evangelium gibt es noch eine dritte Schrift, die mit dem Namen Barnabas verbunden ist: den „Brief des Barnabas“.

Wann wurde das Manuskript von Barnabas entdeckt?
Jahrhunderts ein Freund Papst Sixtus’ V. aus der Bibliothek entwendete. Nach einer weiteren Legende aus dem 16. Jahrhundert stammt ein Manuskript von Barnabas selbst. Es sei im Jahr 478 mitsamt den sterblichen Überresten des Barnabas auf Zypern entdeckt worden. Diese Behauptung beruft sich auf eine historisch unsichere zypriotische Legende des 5.

Inhalt und frühe Rezeption

Dieser Brief umfasst 21 Kapitel und wurde in der frühen Kirche von einigen bedeutenden Persönlichkeiten hochgeschätzt. Clemens von Alexandria beispielsweise betrachtete ihn als authentisch, und Origenes bezeichnete ihn sogar als „katholischen Brief“, was seine weite Verbreitung und Akzeptanz in bestimmten Kreisen der frühen Kirche andeutet.

Die moderne Einschätzung und Gründe für die Ablehnung

Trotz dieser frühen Wertschätzung sind sich heutige Gelehrte jedoch weitgehend einig, dass der Schreiber dieses Briefes nicht der biblische Begleiter des Paulus war. Es wird allgemein angenommen, dass der Brief wahrscheinlich von einem Nichtjuden verfasst wurde, und zwar wahrscheinlich Ende des 1. oder Anfang des 2. Jahrhunderts n. Chr. Die Gründe für diese Einschätzung sind vielfältig:

  • Der Brief ist stark gegen das Judentum gerichtet, was nicht zur Rolle des biblischen Barnabas als Levit passen würde.
  • Er weist zahlreiche Ungenauigkeiten in Bezug auf das Alte Testament auf.
  • Er enthält absurde Auslegungen der Schrift, die von der theologischen Linie der Apostel abweichen.
  • Er enthält viele törichte Anspielungen auf ein angeblich „höheres Wissen“ des Schreibers, was auf eine gnostische oder ähnlich esoterische Denkweise hindeuten könnte.

Aufgrund dieser Merkmale zählt der Kirchenhistoriker Eusebius diesen Brief zu den „falschen Schriften“ (Pseudepigrapha) und er wurde nie in den Kanon des Neuen Testaments aufgenommen. Trotz seiner umstrittenen Authentizität bietet der Brief des Barnabas wertvolle Einblicke in die theologische Vielfalt und die intellektuellen Auseinandersetzungen des frühen Christentums.

Vergleichende Übersicht: Barnabas in verschiedenen Kontexten

Um die Unterschiede zwischen den verschiedenen Aspekten des Namens Barnabas zu verdeutlichen, bietet die folgende Tabelle eine komprimierte Übersicht:

AspektJoseph/Barnabas (der Apostel)Das Evangelium des BarnabasDer Brief des Barnabas
TypusHistorische biblische Persönlichkeit (Apostelbegleiter)Apokryphe (nicht-kanonische) Schrift, die als Evangelium beansprucht wirdFrühchristliche Schrift, die als Brief klassifiziert wird
Autor/ZuschreibungJoseph, Levit aus Zypern; von den Aposteln Barnabas genanntWird Barnabas zugeschrieben, aber von der Forschung als Pseudepigraphie betrachtetWird Barnabas zugeschrieben, aber die Forschung geht von einem anderen Autor aus
Erscheinungsjahr/ZeitCa. 1. Jahrhundert n. Chr. (Wirken)Originalausgabe 1907 (Italienisch-Englisch) durch Clarendon Press OxfordEntstehung ca. spätes 1. oder frühes 2. Jahrhundert n. Chr.
Kanonischer StatusIm Neuen Testament prominent vertretenNicht Teil des biblischen Kanons; gilt als apokryphNicht Teil des biblischen Kanons; wird von Eusebius als „falsche Schrift“ gelistet
Hauptmerkmale„Sohn des Trostes“, wichtiger Wegbereiter für Paulus, Missionar, großzügig, glaubensstarkUmstrittener Inhalt, weicht stark von kanonischen Evangelien ab, historische KuriositätStark antijüdisch, theologische Ungenauigkeiten, umstrittene Auslegungen, Anspruch auf „höheres Wissen“

Die bleibende Bedeutung für Glaube und Theologie

Die Untersuchung des Barnabas und der mit ihm verbundenen Schriften ist mehr als nur eine historische Übung; sie ist ein Fenster in die Frühzeit des Christentums und beleuchtet den komplexen Prozess der Entstehung und Festigung des Glaubens. Der biblische Barnabas steht exemplarisch für Hingabe, Dienst und die Bereitschaft, Brücken zu bauen, selbst in schwierigen Zeiten. Seine Geschichte lehrt uns über die menschliche Seite der Apostelgeschichte – über Freundschaft, Meinungsverschiedenheiten und die gemeinsame Berufung, das Evangelium zu verbreiten.

Die Existenz und die Merkmale des Evangeliums und des Briefes des Barnabas sind entscheidend für das Verständnis des Kanonisierungsprozess. Sie zeigen, dass in den ersten Jahrhunderten eine Vielzahl von Schriften im Umlauf war und dass die Kirche sorgfältig zwischen Texten unterschied, die als inspirierte Offenbarung galten, und solchen, die es nicht waren. Dies unterstreicht die Bedeutung der kritischen Prüfung und des Konsenses der frühen Kirchenväter bei der Formung des neutestamentlichen Kanons.

Für gläubige Menschen und Theologen gleichermaßen bieten diese Texte eine tiefere Wertschätzung für die historische Entwicklung ihres Glaubens. Sie laden dazu ein, die Quellen des Christentums kritisch zu hinterfragen und gleichzeitig die Tiefe und den Reichtum der biblischen Botschaft neu zu entdecken. Das Studium solcher Figuren und Schriften fördert ein umfassenderes Verständnis der Vielfalt und Dynamik, die das frühe Christentum prägten, und erinnert uns daran, dass der Weg des Glaubens oft von historischen und theologischen Herausforderungen begleitet wird, die unsere Überzeugungen festigen und vertiefen können.

Häufig gestellte Fragen

Wer war der biblische Barnabas?

Der biblische Barnabas, ursprünglich Joseph genannt, war ein Levit aus Zypern und ein wichtiger Wegbereiter des Evangeliums im frühen Christentum. Er war bekannt als „Sohn des Trostes“, ein guter Mann, voll Heiligen Geistes und Glaubens. Er spielte eine entscheidende Rolle bei der Einführung des Apostels Paulus in die Gemeinde und begleitete ihn auf seiner ersten Missionsreise.

Warum gibt es ein „Evangelium des Barnabas“, das nicht in der Bibel steht?

Das „Evangelium des Barnabas“ ist eine apokryphe (nicht-kanonische) Schrift, die im Jahr 1907 in einer italienisch-englischen Originalausgabe veröffentlicht wurde. Es wurde nicht in den biblischen Kanon aufgenommen, weil es wesentliche theologische Unterschiede zu den kanonischen Evangelien aufweist und die Forschung davon ausgeht, dass es nicht vom biblischen Barnabas verfasst wurde. Es ist eher ein historisches und theologisches Kuriosum.

Ist der „Brief des Barnabas“ authentisch?

Obwohl der „Brief des Barnabas“ in der frühen Kirche von einigen als authentisch angesehen wurde, sind sich moderne Gelehrte weitgehend einig, dass er nicht vom biblischen Barnabas verfasst wurde. Gründe dafür sind seine starke antijüdische Haltung, theologische Ungenauigkeiten und abweichende Auslegungen der Schrift. Er ist daher nicht Teil des biblischen Kanons.

Welche Rolle spielte Barnabas bei der Verbreitung des Evangeliums?

Barnabas spielte eine zentrale Rolle bei der Verbreitung des Evangeliums, insbesondere unter den Heiden. Er war maßgeblich an der Etablierung der Gemeinde in Antiochien beteiligt, wo er Saulus (Paulus) hinzuholte. Gemeinsam unternahmen sie die erste Missionsreise, die viele neue Gemeinden hervorbrachte. Er war ein Brückenbauer und Förderer, der die Botschaft Christi mutig in die Welt trug.

Fazit

Die Geschichte des Barnabas und der mit seinem Namen verbundenen Schriften ist ein faszinierendes Beispiel für die Komplexität und den Reichtum der frühchristlichen Ära. Der biblische Barnabas bleibt eine zentrale Figur des Neuen Testaments, ein Mann des Trostes und ein unverzichtbarer Partner des Paulus bei der Ausbreitung des Evangeliums. Die apokryphen Schriften, das Evangelium und der Brief des Barnabas, mögen zwar nicht zum biblischen Kanon gehören, doch ihre Existenz und Geschichte bereichern unser Verständnis der theologischen Vielfalt und des Kanonisierungsprozesses jener Zeit. Sie laden uns ein, die historischen Wurzeln unseres Glaubens zu erkunden und die bleibende Bedeutung derjenigen zu erkennen, die ihr Leben dem Dienst an Gott und der Verbreitung seiner Botschaft widmeten.

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