27/12/2022
Das Fest Mariä Himmelfahrt, das jedes Jahr am 15. August gefeiert wird, ist weit mehr als nur ein traditioneller Feiertag. Es ist ein Hochfest, das tief in der christlichen Glaubenslehre verwurzelt ist und eine Botschaft der Hoffnung und des Trostes für alle Gläubigen birgt. An diesem Tag gedenkt die Kirche der leiblichen Aufnahme Marias, der Mutter Jesu, in den Himmel. Es ist ein Ereignis, das nicht direkt in der Bibel überliefert ist, aber über Jahrhunderte hinweg zu einem zentralen Bestandteil des Glaubensschatzes geworden ist. Maria wird an diesem Tag als das Urbild des erlösten Menschen gefeiert, als jemand, der den Tod nicht verloren gegeben wurde, sondern auf ewig bei Gott geborgen ist. Ihr Beispiel lehrt uns zu glauben, dass sich das erfüllt, was Gott uns zusagt – eine Verheißung, die über unser irdisches Dasein hinausreicht.

Was bedeutet Mariä Himmelfahrt wirklich?
Mariä Himmelfahrt, offiziell als „Mariä Aufnahme in den Himmel“ bezeichnet, feiert die Vollendung von Marias Leben in Gott. Es ist der Glaube, dass Maria am Ende ihres irdischen Lebens nicht der Verwesung anheimfiel, sondern mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde. Dieses Geheimnis des Glaubens betont, dass Maria als ganzer Mensch, als ganze Frau, bis in alle Ewigkeit bei Gott ist. Die Präfation, ein Gebet zu Beginn des Eucharistischen Hochgebets an diesem Festtag, fasst dies prägnant zusammen: „Denn heute hast du die jungfräuliche Gottesmutter in den Himmel erhoben, als Erste empfing sie von Christus die Herrlichkeit, die uns allen verheißen ist, und wurde zum Urbild der Kirche in ihrer ewigen Vollendung.“
Dieser Glaube basiert auf der tiefen Überzeugung, dass Marias einzigartige Rolle als Mutter des Lebensurhebers eine besondere Gnade von Gott erforderte. Ihr Leib, der Christus geboren hat, sollte nicht der Vergänglichkeit unterliegen. Damit widerspricht das Fest allen leibfeindlichen Tendenzen und betont die Heiligkeit und Würde des menschlichen Körpers. Was an Maria geschehen ist, dürfen alle für sich erhoffen, die an Christus glauben. Es ist ein untrügliches Zeichen der Hoffnung und eine Quelle des Trostes für das pilgernde Volk, das auf seine eigene Vollendung in Gott hinarbeitet.
Historische Wurzeln und theologische Entwicklung
Die Vorstellung von Marias Himmelfahrt ist nicht direkt in der Heiligen Schrift zu finden. Dennoch hat sie eine lange und reiche Geschichte in der Kirche. Ihre Wurzeln reichen bis ins 5. Jahrhundert nach Jerusalem zurück, wo erste Feierlichkeiten im Zusammenhang mit Marias Tod und ihrer Verherrlichung bezeugt sind. Die Entwicklung dieses Glaubens war ein langsamer Prozess, geprägt von „langem theologischem Meditieren über Maria und ihren Sohn und einer spirituellen Versenkung in ihre Biographie“.
Die urchristliche Erfahrung der Auferstehung Christi war dabei der Ausgangspunkt. Wenn Christus den Tod überwunden hat und lebt, so die theologische Schlussfolgerung, muss dies auch in besonderer Weise für seine Mutter gelten, die ihm so eng verbunden war. Die Briefe des Apostels Paulus sprechen immer wieder von Tod und Auferstehung Jesu und der Macht des Todes, die im Fundament erschüttert ist. Was an Christus geschehen ist, sollte demnach auch jedem Menschen, jedem Christen, zugutekommen, und Maria als Erste und Einzigartige in besonderem Maße.

Ein entscheidender Moment in dieser Entwicklung war die Dogmatisierung der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel im Jahr 1950 durch Papst Pius XII. mit der Apostolischen Konstitution „Munificentissimus Deus“. Obwohl der Glaube schon lange vorher bestand und gefeiert wurde, wurde er damit zum verbindlichen Dogma der katholischen Kirche erhoben. Johannes von Damaskus (gestorben vor 754) wird in dieser Konstitution zitiert und fasst die theologische Begründung poetisch zusammen: „In der Geburt des Herrn blieb ihre Jungfräulichkeit unverletzt. So musste ihr Leib auch nach dem Tod unversehrt bleiben. Sie hat den Schöpfer als ihr Kind an ihrer Brust getragen, darum musste sie auch mit ihm im Himmelszelt weilen.“ Maria, die sich mit einem schlichten „ja, mir geschehe nach deinem Wort“ ganz Gott hingegeben hat, wurde so in ihrer „totalen Biographie“ vollendet.
Vergleich: Himmelfahrt Christi und Aufnahme Mariens
Obwohl beide Ereignisse die Aufnahme in den Himmel betreffen, gibt es einen fundamentalen Unterschied zwischen der Himmelfahrt Jesu und der Aufnahme Mariens:
| Merkmal | Himmelfahrt Christi | Aufnahme Mariens in den Himmel |
|---|---|---|
| Subjekt des Handelns | Jesus steigt aus eigener göttlicher Kraft auf (er handelt). | Maria wird von Gott aufgenommen (Gott handelt an ihr). |
| Natur des Ereignisses | Abschluss der irdischen Sendung Jesu als Gottessohn. | Vollendung von Marias Leben als erster erlöster Mensch. |
| Biblische Basis | Direkt in der Apostelgeschichte und Evangelien beschrieben. | Nicht direkt biblisch, sondern durch theologische Entwicklung und Überlieferung. |
| Bedeutung für Gläubige | Jesus geht voraus, um uns einen Platz zu bereiten. | Maria ist ein untrügliches Zeichen und Urbild unserer eigenen Hoffnung auf Vollendung. |
Maria als Urbild der Hoffnung
Maria ist für die Gläubigen ein starkes Hoffnungszeichen. Ihre Aufnahme in den Himmel bedeutet, dass das, was an Christus geschehen ist – die Überwindung des Todes und die Führung ins Leben – auch für den Menschen möglich ist. „Denn Christus ist von Gott als erster lebendig gemacht worden, dann folgen alle, die zu ihm gehören.“ (1. Korintherbrief 15,23). Maria ist die Erste unter allen Menschen, die ganz in diese Lebenssphäre des Auferstandenen hineingezogen wurde, „ein für allemal und ganz, d.h. mit Leib und Seele.“
Ihre Antwort auf die Ankündigung der Empfängnis Jesu – ein schlichtes „ja, mir geschehe nach deinem Wort“ – war eine totale Hingabe. Diese tiefe Verbindung zu Gott, die nichts trennen konnte, führte zu ihrer vollständigen Erlösung bis in die Wurzeln ihres Daseins und bis in die letzten Konsequenzen, also bis in den Tod hinein und das, was danach folgt. Marias Biographie endet nicht mit dem biologischen Tod; sie vollendet sich in der Teilhabe an der himmlischen Existenz ihres Sohnes. Dies ist die Botschaft des Festes: Der Tod ist nicht das Ende, sondern ein Übergang zum Leben in Gott.
Das Fest und seine Bräuche: Die Kräuterweihe
Eng verbunden mit dem Fest Mariä Himmelfahrt ist der Brauch der Kräuterweihe, der in vielen katholischen Gemeinden, besonders in Regionen wie der Steiermark, bis heute lebendig ist. Diese Tradition, die seit dem 10. Jahrhundert bezeugt ist, hat ihren Ursprung in alten Legenden. Eine davon erzählt, dass die Apostel beim Öffnen von Marias Grab statt ihres Leichnams nur wohlriechende Rosen und duftende Kräuter vorfanden.

Die Kräuterweihe ist ein Ausdruck der Achtung vor der Schöpfung und ein Dank für die Heilkraft der Kräuter, die als Symbol für die Zuwendung Gottes an den Menschen verstanden wird. Viele Heilkräuter sind Mitte August reif, was die Wahl dieses Datums für die Segnung begünstigte. Die gesammelten Kräuterbüschel, oft bestehend aus Wermut, Pfefferminze, Kamille, Johanniskraut und vielen anderen Heilpflanzen sowie Blumen, werden im Gottesdienst gesegnet. Dieser Segen und die Schönheit der Schöpfung werden so in den Gottesdienst hineingetragen und mit der Bitte um das Heil des ganzen Menschen verbunden.
In einigen Pfarreien wird dieser Brauch sogar interaktiv gestaltet: Frauen stellen die Kräuter vor und erklären ihren symbolischen Wert für die Pfarrgemeinde. Beispielsweise kann das Öl der Sonnenblumenkerne, das ein gutes Hautpflegemittel ist, symbolisch für Menschen stehen, die durch ihre Mitarbeit überzeugen und andere motivieren. Nach der Messe werden die gesegneten Kräuter an die Gläubigen verteilt, oft verbunden mit einer Agape, einem gemeinsamen Mahl mit Kuchen, Brot und Wein. Der Duft der Heilkräuter und Blumen erinnert an den Wohlgeruch Mariens und verweist auf die Bewahrung ihres Leibes in der Wirklichkeit der Auferstehung, ein Fest der Freude am Leib und an der ganzen irdischen Natur.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist Mariä Himmelfahrt ein biblisches Ereignis?
Nein, die Aufnahme Mariens in den Himmel ist nicht direkt in der Bibel beschrieben. Sie ist Teil der mündlichen Überlieferung und des Glaubensschatzes der Kirche, der sich über Jahrhunderte theologisch entwickelt hat und 1950 als Dogma verkündet wurde.

Warum ist Maria „mit Leib und Seele“ aufgenommen worden?
Dieser Glaube beruht auf der einzigartigen Rolle Marias als Mutter Jesu und der Überzeugung, dass sie aufgrund ihrer besonderen Gnade und ihrer vollständigen Hingabe an Gott von Beginn ihres Lebens an erlöst war. Es wird angenommen, dass ihr Leib, der den Urheber des Lebens getragen hat, nicht der Verwesung unterliegen sollte, sondern als Erste die Herrlichkeit Christi empfing. Dies ist ein Zeichen der Hoffnung für alle Gläubigen.
Was bedeutet die Kräuterweihe an diesem Tag?
Die Kräuterweihe ist ein alter Brauch, der die Achtung vor der Schöpfung und den Dank für die Heilkraft der Natur zum Ausdruck bringt. Sie geht auf Legenden zurück, in denen Marias Grab nicht ihren Leichnam, sondern wohlriechende Kräuter und Blumen enthielt. Die gesegneten Kräuter sollen Schutz und Segen für Haus und Hof bringen und erinnern an die Bewahrung Marias vor der Verwesung.
Ist Mariä Himmelfahrt ein gesetzlicher Feiertag?
Mariä Himmelfahrt ist in einigen Bundesländern Deutschlands (z.B. Bayern, Saarland) sowie in Österreich und Teilen der Schweiz ein gesetzlicher Feiertag. In anderen Regionen ist es ein kirchliches Hochfest, an dem aber nicht arbeitsfrei ist.

Was ist der Unterschied zwischen „Himmelfahrt“ und „Aufnahme in den Himmel“?
Die „Himmelfahrt“ (Christi) beschreibt, dass Jesus aus eigener göttlicher Macht in den Himmel aufgestiegen ist. Die „Aufnahme in den Himmel“ (Mariens) bedeutet, dass Maria von Gott in den Himmel aufgenommen wurde – sie wurde erhoben, nicht aus eigener Kraft aufgestiegen. Dies ist ein wichtiger theologischer Unterschied.
Schlusswort
Das Fest Mariä Himmelfahrt ist somit weit mehr als eine historische Erinnerung. Es ist eine lebendige Feier der Hoffnung auf unsere eigene Vollendung in Gott. Maria ist die „Bürgin der Hoffnung auf unsere Vollendung in Gott“, die uns zeigt, dass unser Leben nicht im Tod endet, sondern in der ewigen Geborgenheit bei unserem Schöpfer. Es ist ein Tag, an dem wir nicht nur Maria ehren, sondern auch unsere eigene Zukunft im Licht der Auferstehung feiern dürfen. Möge die Botschaft dieses Hochfestes uns alle mit Trost und Zuversicht erfüllen.
Wenn du andere Artikel ähnlich wie Mariä Himmelfahrt: Ein Fest der Hoffnung kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Religion besuchen.
