Was spüre ich wenn ich die heilige Kommunion empfange?

Die brennende Liebe Jesu in der Eucharistie

08/07/2022

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Viele Gläubige stellen sich die Frage: Was spüre ich, wenn ich die Heilige Kommunion empfange? Erwarte ich ein überwältigendes Gefühl, eine plötzliche Erleuchtung oder eine tiefe Wärme? Die Antwort ist oft komplexer, als wir denken, und sie führt uns zu einem zentralen Bild in der Bibel, das Pater Walter Ludwig OCist in seinen Betrachtungen aufgreift: dem Feuer Jesu. Dieses Feuer ist nicht nur ein Symbol für Zerstörung, sondern vielmehr für eine leidenschaftliche, verwandelnde Liebe, die uns anstecken und zu einem tieferen Engagement für Gott und sein Reich führen will.

Was sagt der Bibel über das Feuer?
(Mt 10,34) Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen, und wie wünschte ich, es wäre schon angezündet! »Ich bin gekommen, um auf der Erde ein Feuer zu entfachen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! (Mt 10,34) Ich bin gekommen, ein Feuer auf die Erde zu bringen, und wie wünschte ich, es wäre schon entzündet! (Jes 10,17; Mt 3,11; Mk 9,49)
Inhaltsverzeichnis

Die Heilige Kommunion: Eine Begegnung jenseits der Gefühle

Die Heilige Kommunion, auch Eucharistie genannt, ist das Herzstück des christlichen Glaubens. Sie ist nicht primär eine Erfahrung, die auf sichtbaren oder fühlbaren Emotionen basiert, sondern eine tiefgreifende sakramentale Begegnung mit Jesus Christus selbst. Wenn wir die Kommunion empfangen, glauben wir, dass wir den Leib und das Blut Christi zu uns nehmen. Es ist eine tiefe spirituelle Gegenwart, die nicht unbedingt mit körperlichen Empfindungen oder emotionalen Hochgefühlen einhergehen muss.

Es ist völlig normal, nach dem Empfang der Kommunion keine besonderen Gefühle zu spüren – weder Wärme, noch Freude, noch eine Gänsehaut. Der Wert der Kommunion und die Gnade, die sie vermittelt, hängen nicht von unseren emotionalen Reaktionen ab. Vielmehr ist es ein Akt des Glaubens, eine Annahme der göttlichen Gabe, die uns innerlich stärkt, reinigt und mit Christus verbindet. Die eigentliche Wirkung ist oft eine subtile, tiefgehende Veränderung in unserem Innersten, die sich im Laufe der Zeit in unserem Leben und unseren Handlungen manifestiert.

Das "Feuer" Jesu: Ein biblisches Symbol der Transformation

Jesus selbst sagt in Lukas 12,49: „Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen; was wollte ich lieber, als dass es schon brennte!“ Dieser Ausspruch mag auf den ersten Blick befremdlich wirken, denn Feuer kann zerstören. Doch im biblischen Kontext hat Feuer oft eine vielschichtigere Bedeutung. Es symbolisiert Gottes heilige Präsenz, seine reinigende Kraft, seine leidenschaftliche Liebe und die Ausbreitung seines Geistes. Pater Walter Ludwig erinnert uns an drei zentrale biblische Feuergeschichten, die uns helfen, Jesu Worte besser zu verstehen:

Gottes brennende Gegenwart: Drei biblische Feuermetaphern

Um die Bedeutung des Feuers im Kontext von Jesu Botschaft und der Kommunion zu erfassen, lohnt sich ein Blick auf die Heilige Schrift:

  1. Der brennende Dornbusch (Exodus 3): Hier offenbart sich JHWH dem Mose nicht in einem verzehrenden Brand, sondern in einem Dornbusch, der brennt, aber nicht verbrennt. Dieses Feuer ist ein Zeichen für Gottes heilige, unnahbare, aber dennoch zugängliche und leidenschaftliche Transformation. Es zeigt Gott als den, der dem Menschen nahe ist, seine Not sieht und ihn aus der Finsternis ins Licht führt. Wenn wir dieses Feuer in der Kommunion empfangen, empfangen wir die Gegenwart des Gottes, der uns aus unseren eigenen Dornbüschen des Leidens und der Sünde befreien möchte.
  2. Elias Ruf nach Feuer vom Himmel (1 Könige 18, 20-39): Im Kampf mit den Baalspriestern ruft Elia Feuer vom Himmel, das das Opfer und den Altar verzehrt. Dieses Feuer steht für die Reinheit des Glaubens und Gottes unzweifelhafte Macht und Treue. Es ist ein Zeichen, dass die Gläubigen sich voll und ganz auf IHN verlassen können. In der Kommunion empfangen wir diesen reinigenden Aspekt des Feuers, der uns von allem trennt, was uns von Gott entfernt, und unseren Glauben stärkt. Es ist ein Aufruf zur kompromisslosen Hingabe an den einen wahren Gott.
  3. Das Pfingstfeuer (Apostelgeschichte 2, 1-12): Zu Pfingsten offenbart sich der Heilige Geist in den gewaltigen Zeichen von Sturm und Feuerzungen, die sich auf die Apostel niederlassen. Dieses Feuer ist die brennende Liebe Gottes selbst, die sich allen Menschen zeigen will und sie in sein Reich einlädt. Es ist das Feuer der Sendung, der Ermächtigung und der Gemeinschaft. Wenn wir die Kommunion empfangen, empfangen wir den Heiligen Geist, der uns befähigt, Zeugen Christi zu sein und seine Liebe in die Welt zu tragen. Es ist ein Feuer, das uns nicht verbrennt, sondern entzündet, um für Christus zu brennende Herzen zu haben.

Die Nähe zum Feuer: Origenes' tiefe Einsicht

Ein überliefertes Wort Jesu, das der heilige Origenes zitiert, vertieft unser Verständnis dieser brennenden Liebe: „Wer nahe bei mir ist, ist dem Feuer nahe; wer fern von mir ist, der ist fern vom Reich Gottes.“ Dieses Zitat unterstreicht die untrennbare Verbindung zwischen der Nähe zu Christus und der Erfahrung dieses göttlichen Feuers. Es ist ein Feuer, das uns nicht nur reinigt und erleuchtet, sondern auch mit der göttlichen Liebe ansteckt. Diese Nähe wird in der Heiligen Kommunion auf intimste Weise verwirklicht, wenn Christus selbst in uns Wohnung nimmt.

Wenn das Feuer lau wird: Wege zur Erneuerung

Pater Walter Ludwig spricht von der Gefahr, dass unser Christentum „schal und lau“ werden kann, selbst wenn wir dem Feuer nahe sind. Wir mögen dem Feuer nahe sein, ohne es zu spüren oder uns von ihm berühren zu lassen. Das göttliche Feuer der Leidenschaft Gottes scheint uns nicht zu erreichen, und wir nehmen nicht wahr, wie Jesus uns mit seiner Liebe verändern möchte. Doch es gibt Wege, dieses Feuer in uns neu zu entfachen und uns wieder mit ganzem Herzen Jesus zuzuwenden:

  • Die Bibel lesen: Durch das Lesen der Heiligen Schrift treten wir in den Dialog mit Gott. Sein Wort ist lebendig und kraftvoll, es kann unser Herz berühren und unsere Gedanken inspirieren. Es ist wie ein Funke, der das Feuer der Erkenntnis und der Liebe entzündet.
  • Die Heilige Kommunion empfangen: Jeder Kommunionempfang ist eine neue Gelegenheit, sich von der brennenden Liebe Jesu anstecken zu lassen. Es ist der intimste Moment der Vereinigung mit Christus, eine direkte Infusion seiner göttlichen Energie und Gnade in unsere Seele.
  • Beten: Das Gebet ist die persönliche Kommunikation mit Gott. Im Gebet öffnen wir unser Herz für seine Gegenwart und seine Führung. Es ist der Atem der Seele, der das Feuer am Brennen hält. Ob Lobpreis, Danksagung, Bitte oder Klage – jedes Gebet ist ein Schritt näher zu Gott und seinem Feuer.

Wo wir uns von seinem Feuer anstecken lassen, dort wollen wir uns mit ganzem Herzen für ihn und sein Reich einsetzen. Die Wirkung des Kommunionempfangs ist also nicht primär ein Gefühl, sondern eine innere Disposition, eine Bereitschaft zur Hingabe und zum Dienst.

Was spüre ich wenn ich die heilige Kommunion empfange?
Wenn ich die Bibel lese, wenn ich die heilige Kommunion empfange, wenn ich bete, spüre ich etwas von der brennenden Liebe Jesu. Und wo er mich mit seinem Feuer ansteckt, dort will ich mich mit ganzem Herzen für ihn und sein Reich einsetzen. Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! vollzogen ist.

Was spüre ich wirklich? Vielfalt der Erfahrungen

Die Erfahrungen beim Empfang der Heiligen Kommunion sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Während einige eine tiefe innere Ruhe, eine Welle der Dankbarkeit oder sogar eine spürbare Wärme empfinden, erleben andere nichts dergleichen. Dies ist kein Zeichen mangelnden Glaubens oder unzureichender Gnade. Oft ist die Wirkung der Kommunion eher subtil und entfaltet sich erst im Laufe der Zeit in unserem Leben. Es ist eine tiefe, geistliche Nahrung, die unsere Seele stärkt und uns befähigt, als Christen zu leben. Die wahren Früchte zeigen sich in einer größeren Geduld, mehr Liebe zu unseren Mitmenschen, einer tieferen Hoffnung und einem stärkeren Glauben.

Vergleich: Emotionale Reaktion vs. Spirituelle Wirkung

Emotionale Reaktion (Gefühl)Spirituelle Wirkung (Gnade)
Oft flüchtig und subjektivDauerhaft und objektiv wirksam
Kann variieren (Freude, Trost, aber auch Leere)Verbindet tiefer mit Christus
Nicht zwingend notwendig für die GnadeStärkt den Glauben und die Tugenden
Kann durch äußere Umstände beeinflusst werdenWirkt unabhängig von unseren Gefühlen
Dient als Zeichen, aber nicht als ZielIst das eigentliche Ziel der Kommunion

Das Feuer der Spaltung: Eine notwendige Unterscheidung

In Lukas 12,51-53 fügt Jesus hinzu: „Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf der Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Spaltung.“ Dieser Aspekt des Feuers, das Jesus auf die Erde werfen will, ist oft missverstanden. Es geht hier nicht um das Anstiften von Streit oder Gewalt, sondern um die radikale Konsequenz der Entscheidung für Christus. Das Feuer der Wahrheit, das Jesus bringt, legt die verborgenen Dinge offen. Es trennt die Geister und Herzen, weil die Annahme seiner Botschaft eine klare Entscheidung erfordert, die im Widerspruch zu den Werten der Welt stehen kann. Diese Spaltung ist eine Folge der Reinigung und Läuterung, die das göttliche Feuer bewirkt. Es trennt Licht von Finsternis, Wahrheit von Lüge, und kann daher auch innerhalb von Familien zu Spannungen führen, wenn nicht alle bereit sind, diesem Ruf zu folgen.

Häufig gestellte Fragen zur Heiligen Kommunion und dem "Feuer"

Muss ich etwas Besonderes fühlen, um die Kommunion würdig zu empfangen?

Nein, Gefühle sind keine Voraussetzung für einen würdigen Kommunionempfang. Was zählt, ist der Glaube an die reale Gegenwart Christi in der Eucharistie und die aufrichtige Absicht, sich mit ihm zu vereinen. Die Gnade der Kommunion wirkt unabhängig von unseren emotionalen Zuständen.

Was, wenn ich nach dem Kommunionempfang nichts spüre?

Das ist eine sehr häufige Erfahrung und völlig normal. Die Gnade der Kommunion ist ein Geschenk Gottes, das nicht immer mit spürbaren Empfindungen einhergeht. Vertrauen Sie darauf, dass Christus in Ihnen wirkt, auch wenn Sie es nicht unmittelbar fühlen können. Oft zeigen sich die Früchte der Kommunion erst später in Ihrem Leben durch Veränderungen in Ihrem Charakter, Ihren Entscheidungen und Ihrer Beziehung zu Gott und den Menschen.

Was ist der theologische Ansatz des Evangeliums?
Anfang der 1960er Jahre in Lateinamerika entstandener theologischer Ansatz, das Evangelium aus der Perspektive der Armen zu lesen und die den Armen im Evangelium zugesagte Befreiung nicht mehr nur in einem jenseitigen, sondern in einem umfassenden Sinn zu verstehen und aktiv für Gerechtigkeit einzutreten.

Wie kann ich mich besser auf den Kommunionempfang vorbereiten, um mehr zu spüren?

Der Fokus sollte nicht darauf liegen, etwas zu "spüren", sondern sich auf die Begegnung mit Christus vorzubereiten. Das können Sie tun durch: Gebet vor der Messe, eine aufrichtige Gewissenserforschung und gegebenenfalls das Sakrament der Beichte, das Lesen der biblischen Texte des Tages und die bewusste Teilnahme an der Eucharistiefeier. Konzentrieren Sie sich auf die Dankbarkeit für dieses große Geschenk und die Bereitschaft, sich von Christus verwandeln zu lassen.

Ist die Heilige Kommunion eine rein emotionale Erfahrung?

Nein, keineswegs. Die Heilige Kommunion ist ein Sakrament, eine objektive Handlung Gottes, die uns Gnade schenkt, unabhängig von unseren subjektiven Gefühlen. Sie ist eine spirituelle, theologische und mystische Begegnung mit dem auferstandenen Christus. Emotionale Reaktionen können Begleiterscheinungen sein, aber sie definieren nicht die Essenz des Sakraments.

Was bedeutet das "Feuer" genau im Kontext der Kommunion und des biblischen Textes?

Das "Feuer" im biblischen Kontext und in Bezug auf die Kommunion symbolisiert verschiedene Aspekte der göttlichen Wirkung: es ist die brennende Liebe Gottes, die uns reinigt und heiligt; es ist der Heilige Geist, der uns stärkt und befähigt; es ist der Eifer für Gott und sein Reich, der in uns entzündet wird; und es ist die reinigende Kraft, die uns von Sünden und weltlichen Bindungen befreit. Es ist ein Feuer, das Leben spendet und zur Umkehr ruft.

Fazit: Entzündet vom göttlichen Feuer

Die Frage, was wir bei der Heiligen Kommunion spüren, führt uns letztendlich zu einer tieferen Betrachtung von Glauben und Gnade. Es geht nicht primär um spürbare Emotionen, sondern um die reale Gegenwart Jesu Christi, der uns durch dieses Sakrament seine brennende Liebe schenkt. Dieses göttliche Feuer will uns nicht verbrennen, sondern entzünden – für Gott, für unsere Mitmenschen und für die Ausbreitung seines Reiches. Wenn wir die Bibel lesen, die Kommunion empfangen und beten, öffnen wir uns für diese brennende Liebe. Und wo Jesus uns mit seinem Feuer ansteckt, dort wollen wir uns mit ganzem Herzen für ihn und sein Reich einsetzen. Mögen wir alle zu brennenden Herzen werden, die die Welt mit der Liebe Christi erleuchten.

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