Wann ist das Erntedankfest in Kassel?

Erntedankfest: Dankbarkeit, Segen und Gemeinschaft

07/05/2023

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Jedes Jahr, wenn die Blätter sich golden färben und die Felder ihre reiche Pracht preisgeben, kommt eine besondere Zeit der Besinnung und des Danks: das Erntedankfest. Es ist ein Moment, in dem die Kirchen festlich geschmückt sind mit den Gaben der Natur – prächtigen Kürbissen, leuchtendem Obst, frischem Gemüse, goldenen Kornähren und strahlenden Sonnenblumen. Traditionell steht an diesem Tag der tiefe Dank für die eingebrachte Ernte im Mittelpunkt, aber auch die Wertschätzung für all das, was im Leben gelungen ist. Das Erntedankfest erinnert uns daran, dass die wirklich wichtigen Dinge im Leben oft Geschenke sind, die wir empfangen dürfen, und dass wir in allem auf Gottes Großzügigkeit vertrauen können. Es ist ein Fest, das uns einlädt, über den eigenen Tellerrand zu blicken und die Fülle, die uns geschenkt wird, nicht als selbstverständlich anzusehen, sondern mit einem Herzen voller Dankbarkeit zu begegnen und diese Fülle auch mit anderen zu teilen.

Was ist das Erntedankfest?
Am Erntedankfest ist die Kirche festlich geschmückt mit Obst und Gemüse, mit Kornähren und Sonnenblumen. Traditionell steht der Dank für die Ernte im Mittelpunkt – und dazu Dank für alles, was gelungen ist. Das Erntedankfest erinnert daran: Was wirklich wichtig ist im Leben, können wir nur empfangen.
Inhaltsverzeichnis

Was ist das Erntedankfest? Eine Feier der Dankbarkeit

Das Erntedankfest ist weit mehr als nur eine Feier der landwirtschaftlichen Ernte; es ist ein tief verwurzeltes Fest der Dankbarkeit. Christinnen und Christen feiern es traditionell nach der Ernte im Herbst, um Gott für seine unzähligen Gaben zu danken. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur die Früchte der Felder und Gärten, sondern auch das tägliche Brot und alles, was Menschen zum Leben benötigen. Die reich geschmückten Erntealtäre mit Riesenkürbissen, vollen Ähren, Honigwaben und frischem Brot symbolisieren die Fülle der Natur und die Früchte menschlicher Arbeit. Doch die Ernte, für die wir danken, geht über Nahrung und Kleidung hinaus. Sie umfasst jedes Wachsen und Gedeihen in Partnerschaften und Familien, kleine und große Erfolge im Beruf – all die Dinge, für die wir zutiefst dankbar sein können. Das Erntedankfest schafft einen Raum für diese Dankbarkeit und richtet sie auf Gott aus. Wer dankbar ist, betrachtet nichts als selbstverständlich und weiß sich von Gott reich beschenkt. Dies befreit von ängstlichem Sammeln und übermäßiger Sorge und inspiriert dazu, Gottes Großzügigkeit nachzuahmen. So lenkt dieser Tag den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus und ruft zum verantwortungsvollen Teilen von Besitz und Ressourcen auf. Denn wer geben kann, dessen Quellen werden niemals versiegen.

Die historische Entwicklung und biblische Wurzeln des Erntedankfestes

Die Tradition, für die Ernte zu danken, ist nicht neu, sondern in vielen Kulturkreisen tief verwurzelt. Schon in vorchristlicher Zeit feierten die Menschen in Nordeuropa Riten, um ihre Dankbarkeit für die eingebrachte Ernte auszudrücken, da die Früchte des Feldes oft als göttliche Geschenke angesehen wurden. Im westlichen Christentum ist das Erntedankfest seit dem 3. Jahrhundert belegt. Damals gab es jedoch noch keinen einheitlichen Termin, da die Erntezeiten im Römischen Reich je nach Klimazone variierten.

Die biblische Geschichte liefert wichtige Grundlagen für das Erntedankfest. Bereits im Alten Testament wird von Opfergaben der Erstlinge der Ernte berichtet, wie bei Kain, der Früchte des Feldes darbrachte, und Abel, der die Erstlinge seiner Herde opferte (1. Mose 4). Das Judentum kannte später zwei bedeutende Erntefeste: das Pfingstfest als Getreide-Erntefest und das Laubhüttenfest als umfassendes Wein- und Erntefest. Diese Feste unterstreichen die tiefe Verbindung zwischen dem Menschen, der Natur und der göttlichen Fürsorge.

Wann wird Erntedank gefeiert? Termine und Traditionen

Der genaue Termin des Erntedankfestes ist nicht festgeschrieben und variiert je nach örtlichen Gewohnheiten und Traditionen. Nach der Reformation wurde es zunächst an unterschiedlichen Tagen gefeiert. Schließlich setzte sich die Feier am Michaelistag (29. September) oder am Sonntag danach durch, welcher oft schon im Oktober liegt.

Was wird an den Altären beim Erntedankfest aufgestellt?
Als Zeichen dafür schmücken die Gemeinden ihre Altäre mit den Früchten des Feldes und hängen eine aus Getreide oder Weinreben geflochtene Erntekrone auf. Dabei stehen vor allem die Ernte und die Früchte des Feldes im Mittelpunkt, aber auch das tägliche Brot und alles, was Menschen zum Leben brauchen.

Mittlerweile hat sich in den evangelischen und römisch-katholischen Kirchen in Deutschland der erste Sonntag im Oktober als weitgehend empfohlener Termin etabliert. Diese Empfehlung ist jedoch nicht bindend, weshalb manche Gemeinden das Fest bereits am letzten Sonntag im September begehen. Ein interessantes Beispiel sind Moselgemeinden, die das Erntedankfest oft erst nach der Weinlese am zweiten Sonntag im November feiern, was die lokale Anpassung an die jeweiligen Erntezeiten verdeutlicht.

Es ist wichtig zu beachten, dass das Erntedankfest kein Ereignis der Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen darstellt und somit kein fester Bestandteil des „offiziellen“ Kirchenjahres ist. Auch ist es in Deutschland kein gesetzlicher Feiertag, was seine Feierlichkeiten oft auf Gottesdienste und lokale Gemeindeveranstaltungen beschränkt.

Bräuche und Symbole des Erntedankfestes

Das Erntedankfest ist reich an Bräuchen und Symbolen, die seine Bedeutung hervorheben und die Gemeinschaft stärken:

Der Erntealtar: Ein Fest der Fülle

Ein zentraler Brauch ist das festliche Schmücken des Altars und des Altarraums in den Kirchen mit den vielfältigen Erntegaben und Früchten des Feldes oder Gartens. Dazu gehören oft Getreideähren, Äpfel, Kürbisse, Honig, Sonnenblumen, aber auch Brot und Weintrauben, die als Symbole für das Abendmahl und die Gnade Gottes dienen. Diese Altäre sind ein sichtbares Zeichen der Fülle, die Gott schenkt, und der menschlichen Arbeit, die Früchte trägt.

Die Erntekrone: Symbol der Gemeinschaft

Ein besonderer Ausdruck der Gemeinschaft ist die Erntekrone, die oft aus Getreide oder Weinreben geflochten wird. Vielerorts wird sie in einer feierlichen Prozession durch das Gemeindegebiet getragen und schließlich in der Kirche aufgehängt. Sie symbolisiert nicht nur die Ernte selbst, sondern auch den Zusammenhalt und den gemeinsamen Dank der Dorfgemeinschaft.

Festumzüge und lokale Traditionen

In vielen Gemeinden, insbesondere in ländlichen Gebieten, finden zwischen Mitte September und Anfang Oktober Festumzüge statt. Diese Umzüge, oft mit Motivwagen, Fußgruppen und Spielmannszügen, erinnern an Karnevalsumzüge und sind ein lebendiger Ausdruck der Freude und des Danks. Historisch entstanden viele Erntefeste durch die Gutsherren, die ihre Mägde und Knechte mit Erntebier und Essen bewirteten, was die soziale Komponente des Festes unterstreicht.

Was sagt der Bibel über den Erntedank?
27. Sonntag im Jahreskreis – Erntedank - Bistum Augsburg / 27. Sonntag im Jahreskreis – Erntedank 27. Sonntag im Jahreskreis – Erntedank 1. Lesung: Gen 2,18–24 Gott, der HERR, sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm ebenbürtig ist.

Regionale Besonderheiten

Einige Regionen haben ihre ganz eigenen Bräuche entwickelt. So wird in einigen Gegenden aus den letzten Garben eine Erntepuppe hergestellt, die als Opfergabe auf dem Feld verbleibt. In Schottland hat sich die "Hotch-potch"-Suppe, eine herzhafte Suppe aus Fleisch und Garten-Gemüse, als Spezialität zum Erntedank erhalten. Diese Vielfalt zeigt, wie tief das Erntedankfest in den regionalen Kulturen verwurzelt ist.

Der Erntedankgottesdienst: Dank, Bitte und Solidarität

Der Erntedankgottesdienst ist das Herzstück der Feierlichkeiten. Christinnen und Christen schmücken ihre Altäre, danken für die Ernte, die Früchte der Erde und das tägliche Brot. In diesen Dank schließen sie die göttliche Vorsehung ein, die alle Erträge der Felder erst ermöglicht.

Familiengottesdienste und biblische Botschaften

In jüngster Zeit werden Erntedankgottesdienste immer häufiger als Familiengottesdienste gestaltet, an denen sich Eltern und Kinder aktiv beteiligen. Hier werden biblische Texte vorgelesen, die zur Besinnung anregen. Ein verbreitetes Beispiel ist das Gleichnis vom reichen Kornbauern (Lukas 12,13-21), in dem Jesus mahnt, dass großer Besitz keine wahre Sicherheit bietet, sondern den Blick für den wahren Reichtum – ein Handeln aus Nächstenliebe und "reich bei Gott" zu sein – verstellt. Ein bekanntes Lied, das oft gesungen wird, ist "Wir pflügen und wir streuen" von Matthias Claudius, das die Abhängigkeit von Gottes Segen und die Bedeutung der menschlichen Arbeit thematisiert.

Klimawandel und globale Verantwortung

Angesichts des Klimawandels wird immer deutlicher, dass eine ausreichende Versorgung der Menschheit mit Nahrungsmitteln keine Selbstverständlichkeit ist und niemals war. Daher bitten Christinnen und Christen an Erntedank auch um Gottes Gnade und um mehr Gerechtigkeit für hungernde Menschen weltweit. Viele Gemeinden, die sich für die "Eine Welt" engagieren, stellen an diesem Tag die Arbeit von Organisationen wie "Brot für die Welt" oder eigene Projekte vor, um ein Zeichen der Solidarität zu setzen. Die Kollekte, die während des Gottesdienstes gesammelt wird, kommt oft diesen Zwecken zugute, um Menschen zu helfen, die Opfer von Hunger, Krieg, Vertreibung oder Naturkatastrophen geworden sind.

Gemeinschaft und Teilen

Nach dem Gottesdienst ist es vielerorts Brauch, dass die Erntegaben an die Gottesdienstbesucher oder Bedürftige verteilt werden. Oft schließt sich an den Gottesdienst ein gemeinsames Essen an, bei dem manchmal sogar Erntegaben vom Altar zu einer Erntedank-Suppe verarbeitet werden. Dies fördert die Gemeinschaft und unterstreicht den Gedanken des Teilens und der Nächstenliebe.

Was ist ein Erntedankgottesdienst?
Bereits in den mittelalterlichen Kirchen kennt man Erntedankgottesdienste mit Segnungen der Früchte. Auch in der Reformationszeit gab es in den evangelischen Kirche Danksagungsgottesdienst für die eingebrachte Ernte. Zum Beispiel: Wer Brot backen will, muss Mehl haben.

Erntedank vs. Thanksgiving: Ein Vergleich

Obwohl beide Feste eine Form der Danksagung für die Ernte sind, gibt es deutliche Unterschiede zwischen dem deutschen Erntedankfest und dem amerikanischen Thanksgiving.

MerkmalErntedankfest (Deutschland)Thanksgiving (USA)
TerminErster Sonntag im Oktober (variiert)Vierter Donnerstag im November
UrsprungAlte europäische, vorchristliche und christliche TraditionenErinnerung an das Pionierleben der Pilgerväter
CharakterReligiös, kirchlich, Gemeinschaftsbezogen, regional unterschiedlichStaatlicher Feiertag, nationaler Charakter, wichtigstes Familienfest
FokusDank für Ernte, Gottes Gaben, Teilen, soziale GerechtigkeitDank für Überleben, Einheit, Fülle; Betonung der Familiengemeinschaft
BesonderheitenKirchenschmuck, Erntekrone, Prozessionen, SpendenaktionenGroßes Familienmahl (Truthahn), Paraden, Football
FeiertagKein gesetzlicher FeiertagGesetzlicher Feiertag

"Thanksgiving", wörtlich "Danksagung", ist in den Vereinigten Staaten ein staatlicher Feiertag und gilt als das wichtigste Familienfest. Es erinnert ursprünglich an das Überleben der Pilgerväter und die Zusammenarbeit mit den Ureinwohnern nach ihrer ersten Ernte und hat somit einen starken nationalen Charakter. Freunde und Familie kommen zu einer gemeinsamen Mahlzeit zusammen, bei der oft ein Truthahn im Mittelpunkt steht. Während das Erntedankfest in Deutschland primär kirchlich geprägt ist und die Dankbarkeit für die Schöpfung sowie die Solidarität mit Bedürftigen betont, hat Thanksgiving eine breitere gesellschaftliche Bedeutung als Feiertag des Zusammenkommens und der nationalen Identität.

Häufig gestellte Fragen zum Erntedankfest

Hier finden Sie Antworten auf einige der am häufigsten gestellten Fragen zum Erntedankfest:

Wer feiert das Erntedankfest?

Das Erntedankfest wird hauptsächlich von christlichen Kirchengemeinden gefeiert, oft in enger Zusammenarbeit mit den kommunalen Gemeinden. Auch Familien nehmen zunehmend an Familiengottesdiensten teil und nutzen den Tag zur Besinnung und zum gemeinsamen Feiern.

Was wird an den Altären beim Erntedankfest aufgestellt?

Die Altäre werden mit einer Vielzahl von Erntegaben geschmückt, die die Fülle der Natur symbolisieren. Dazu gehören Obst (Äpfel, Trauben), Gemüse (Kürbisse), Getreideähren, Honig, Brot und Sonnenblumen. Brot und Weintrauben haben zudem eine besondere Bedeutung als Symbole für das Abendmahl.

Was sagt die Bibel über den Erntedank?

Obwohl es keinen spezifischen "Erntedanktag" im biblischen Kalender gibt, zieht sich das Thema des Dankes für Gottes Gaben und der Ernte durch die gesamte Bibel. Beispiele sind die Opfergaben von Kain und Abel (1. Mose 4) und die verschiedenen Erntefeste im Alten Testament, wie das Pfingstfest (Erntefest des Getreides) und das Laubhüttenfest (umfassendes Erntefest). Die Bibel mahnt immer wieder zur Dankbarkeit und zur Verantwortung für die Schöpfung, die Gott den Menschen anvertraut hat (1. Mose 1,28 und 2,15).

Was ist das Erntedankfest?
Am Erntedankfest ist die Kirche festlich geschmückt mit Obst und Gemüse, mit Kornähren und Sonnenblumen. Traditionell steht der Dank für die Ernte im Mittelpunkt – und dazu Dank für alles, was gelungen ist. Das Erntedankfest erinnert daran: Was wirklich wichtig ist im Leben, können wir nur empfangen.

Ist das Erntedankfest ein gesetzlicher Feiertag in Deutschland?

Nein, das Erntedankfest ist in Deutschland kein gesetzlicher Feiertag. Es wird als kirchliches Fest gefeiert.

Wann ist das Erntedankfest in Kassel?

In Kassel, wie in den meisten evangelischen und römisch-katholischen Gemeinden Deutschlands, wird das Erntedankfest in der Regel am ersten Sonntag im Oktober gefeiert. Es gibt jedoch, wie auch anderswo, Gemeinden, die das Fest bereits im September oder erst Mitte Oktober begehen, abhängig von lokalen Gegebenheiten.

Erntedank: Mehr als nur eine Feier der Ernte

Das Erntedankfest ist ein jährlicher Aufruf zur Besinnung auf die fundamentalen Dinge des Lebens. Es erinnert uns daran, dass wir in Naturkreisläufe eingebunden und trotz allen technischen Fortschritts von ihnen abhängig sind. Es ist ein Tag, an dem wir bewusst innehalten und für die guten Gaben danken, die Gott uns schenkt – nicht nur die Früchte des Feldes, sondern auch die Früchte unseres eigenen Lebens. Es ist ein Fest, das uns daran erinnert, dass menschliche Mühe allein oft nicht zum Erfolg führt und dass Gottes Segen die Grundlage und Voraussetzung für eine reichliche Ernte ist.

Darüber hinaus schärft das Erntedankfest unser Bewusstsein für die Verantwortung, die wir für Gottes Schöpfung tragen. Es ist ein Appell, Ressourcen nachhaltig zu nutzen und die Natur zu schützen, die uns zur Bewahrung anvertraut ist. Indem wir Dankbarkeit zeigen und teilen, setzen wir ein Zeichen der Solidarität mit denjenigen, denen es am Nötigsten fehlt. Es ist ein Tag, an dem wir nicht nur empfangen, sondern auch geben, und damit die Botschaft verbreiten, dass Gottes Großzügigkeit ansteckend ist und unsere eigenen Quellen niemals versiegen werden, wenn wir sie im Sinne der Nächstenliebe nutzen. Ein reich gedeckter Tisch und Gottes Segen mögen uns alle auf diesem Weg begleiten.

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