Wann wurde das Fest Allerheiligen erstmals gefeiert?

Allerheiligen & Allerseelen: Gedenken und Hoffnung

27/07/2021

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Der Novemberbeginn ist in der katholischen Kirche von zwei tiefsinnigen Festtagen geprägt, die eng miteinander verbunden sind und doch ihre eigene, spezifische Bedeutung tragen: Allerheiligen am 1. November und Allerseelen am 2. November. Diese Tage sind weit mehr als nur gesetzliche Feiertage oder Anlässe für Friedhofsbesuche; sie sind eine Einladung, über das Leben, den Tod und die unauflösliche Verbindung zwischen der irdischen Existenz und der himmlischen Vollendung nachzudenken. Im Kern geht es um die tröstliche Zusage des neuen Lebens bei Gott, eine Botschaft, die sich auch in den Evangelien widerspiegelt, die den endgültigen irdischen Abschied Jesu von seinen Jüngern thematisieren – jedoch nicht als Ende, sondern als Beginn einer neuen Gemeinschaft mit Gott.

Was ist das heutige Evangelium?
Im heutigen Evangelium steht der endgültige irdische Abschied Jesu von seinen Jüngern im Raum. Doch geht es da nicht um ein Nimmerwiedersehen oder den Tod. Vielmehr wird das neue Leben bei Gott für ihn, für uns und auch für unsere Verstorbenen begründend hervor-gehoben. Eine trostvolle Zusage, aber auch Anfrage an uns. 2.

Diese Festtage bieten eine einzigartige Gelegenheit, die Lehre der Kirche über die Gemeinschaft der Heiligen zu erfahren und zu leben, die Lebende und Verstorbene in einem Band des Glaubens und der Hoffnung vereint. Sie erinnern uns daran, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, sondern ein Übergang in eine neue Dimension des Seins ist, in der die Liebe Gottes alles umfängt. Das heutige Evangelium, das vom Abschied Jesu spricht, unterstreicht diese Perspektive: Es ist kein endgültiges Lebewohl, sondern die Verheißung eines Wiedersehens und eines Lebens in Gottes Gegenwart – eine Botschaft, die gleichermaßen für uns, für Jesus selbst und für unsere geliebten Verstorbenen gilt.

Inhaltsverzeichnis

Allerheiligen: Ein Fest der unsichtbaren Heiligen

Am 1. November feiert die Katholische Kirche das Fest Allerheiligen. Der Name dieses Festtages ist Programm: Es wird aller Heiligen und Seligen der Kirche gedacht. Doch wer sind diese Heiligen, und warum brauchen sie einen eigenen Festtag? Die Antwort liegt in der Weite der himmlischen Gemeinschaft. Allerheiligen rückt insbesondere jene Heiligen in den Mittelpunkt, derer im Jahreskreis nicht durch eigene Gedenktage gedacht wird, und die nicht immer im alltäglichen Bewusstsein präsent sind. Es ist ein Tag, um die unzähligen Seelen zu ehren, die ihren Glauben in bemerkenswerter Weise gelebt haben und nun bei Gott sind.

Der theologische Hintergrund dieses Festes ist tief in der Osterbotschaft verwurzelt: Der Tod ist durch die Auferstehung Jesu Christi bereits überwunden. Der Begriff „heilig“ im Verständnis der Urkirche meinte ursprünglich nicht die Eigenschaft besonderer religiöser Leistungsfähigkeit oder einer außergewöhnlichen Lebensführung. Vielmehr waren damit die Getauften gemeint, weil sie aus der Gabe des göttlichen Heils leben können, das ihnen in den Sakramenten der Taufe und Firmung zugesagt und zugeteilt wurde. Jeder Gläubige ist somit zur Heiligkeit berufen, nicht durch eigene Verdienste allein, sondern durch die Gnade Gottes. Die liturgische Farbe Weiß, die an diesem Tag getragen wird, symbolisiert die Reinheit und Freude der Heiligen im Himmel. Im Evangelium werden traditionell die Seligpreisungen aus der Bergpredigt gelesen, die die Merkmale eines heiligen Lebens aufzeigen und eine Vision der himmlischen Glückseligkeit vermitteln.

Allerseelen: Das Gedächtnis der Verstorbenen

Direkt im Anschluss an Allerheiligen, am 2. November, begeht die Katholische Kirche das Gedächtnis für alle Verstorbenen – Allerseelen. Dieser Tag ist dem Gebet und der Fürbitte für die Seelen im Fegefeuer gewidmet, die der Reinigung bedürfen, bevor sie die vollkommene Gemeinschaft mit Gott erreichen können. Es ist ein Akt der Nächstenliebe und der Verbundenheit, durch den die Lebenden den Verstorbenen auf ihrem Weg zur himmlischen Vollendung beistehen können.

Die Gläubigen gedenken ihrer Lieben durch Gebet, Fürbitte, Almosen und insbesondere durch den Besuch der Friedhöfe, wo Gräber geschmückt und Lichter entzündet werden. Diese Handlungen sind Ausdruck des Glaubens an die Gemeinschaft der Lebenden und Toten und an die Wirksamkeit des Gebets über die Grenzen des Todes hinaus. Die liturgische Farbe Violett, die an Allerseelen getragen wird, symbolisiert Trauer, Buße und die Hoffnung auf die Auferstehung.

Die historische Entwicklung: Wann begannen die Traditionen?

Die Wurzeln der Feste Allerheiligen und Allerseelen reichen weit zurück in die Geschichte der Kirche, auch wenn ihre heutige Form erst später festgelegt wurde.

Was ist das heutige Evangelium?
Im heutigen Evangelium steht der endgültige irdische Abschied Jesu von seinen Jüngern im Raum. Doch geht es da nicht um ein Nimmerwiedersehen oder den Tod. Vielmehr wird das neue Leben bei Gott für ihn, für uns und auch für unsere Verstorbenen begründend hervor-gehoben. Eine trostvolle Zusage, aber auch Anfrage an uns. 2.

Ursprung von Allerheiligen

Das Fest Allerheiligen hat seinen Ursprung bereits im 4. Jahrhundert in der Osthälfte des Römischen Reiches. Es fasste alle Heiligen, Märtyrer und Apostel an einem einzigen Festtag zusammen. Ursprünglich wurde der „Herrentag aller Heiligen“ am 1. Sonntag nach Pfingsten gefeiert. Angesichts der rasant angestiegenen Zahl der Märtyrer während der Christenverfolgungen erschien es ratsam, einen Festtag für all jene Heiligen einzuführen, denen im kirchlichen Kalender kein eigener Gedenktag eingeräumt werden konnte. Ende des 8. Jahrhunderts verbreitete sich das Fest von Frankreich aus auf die gesamte Westkirche. Papst Gregor IV. legte Allerheiligen im Jahr 835 dann auf den 1. November fest, möglicherweise um ein christliches Gegengewicht zu den heidnischen Herbstfesten zu schaffen und die Einheit der Kirche im Gedenken an ihre Heiligen zu stärken.

Ursprung von Allerseelen

Die Wurzeln von Allerseelen gehen auf das Jahr 998 zurück. Der Abt des französischen Benediktinerklosters Cluny, Odilo von Cluny, legte den 2. November als Gedenktag für alle verstorbenen Gläubigen in seinem Kloster fest. Christliche Feste zum Totengedenken gab es zwar bereits seit dem 2. Jahrhundert, doch die offizielle Festsetzung des Gedenktages für die gesamte Kirche erfolgte erst spät – im Jahr 1915 durch Papst Benedikt XV., der die Bedeutung der Fürbitte für die Verstorbenen erneut betonte.

Vergleich: Allerheiligen und Allerseelen

Obwohl oft zusammen genannt, haben Allerheiligen und Allerseelen unterschiedliche Schwerpunkte:

MerkmalAllerheiligen (1. November)Allerseelen (2. November)
ZweckGedenken an alle Heiligen und Seligen im HimmelGedenken und Fürbitte für alle verstorbenen Gläubigen (insbesondere im Fegefeuer)
Liturgische FarbeWeiß (Freude, Reinheit)Violett (Trauer, Buße, Hoffnung)
KernbotschaftDie Berufung zur Heiligkeit, die Vollendung im HimmelDie Solidarität mit den Verstorbenen, die Wirksamkeit der Fürbitte
Ursprung4. Jahrhundert (Osten), 835 (Westen, festgelegt auf 1. Nov.)998 (Cluny), 1915 (offiziell für Weltkirche)

Die theologische Verbindung: Warum sind beide Tage so eng miteinander verknüpft?

Dass sich das Totengedenken mehr und mehr auf den Allerheiligentag verschoben hat, hat vor allem pragmatische Gründe, da Allerheiligen in vielen Regionen ein gesetzlicher Feiertag ist. Doch auch theologisch stehen beide Feste in einem engen Zusammenhang. Sie gründen in der christlichen Überzeugung, dass durch Jesus Christus eine unauflösliche Verbindung zwischen den Lebenden und den Toten besteht. Diese Verbindung wird als die „Gemeinschaft der Heiligen“ bezeichnet, die die Pilgernde Kirche auf Erden, die leidende Kirche im Fegefeuer und die triumphierende Kirche im Himmel umfasst. Der Blick weitet sich vom irdischen Leben hin zur himmlischen Vollendung. Allerheiligen feiert diejenigen, die bereits in dieser Vollendung angekommen sind, während Allerseelen für diejenigen betet, die noch auf dem Weg dorthin sind. Beide Tage sind Ausdruck der Hoffnung auf die Auferstehung und das ewige Leben, die durch Christus verheißen ist.

Brauchtum rund um Allerheiligen und Allerseelen

Um Allerheiligen und Allerseelen ranken sich zahlreiche, oft regional sehr unterschiedliche Bräuche, die das tief empfundene Gedenken und die Verbundenheit mit den Verstorbenen zum Ausdruck bringen:

  • Friedhofsbesuche und Grabschmuck: Traditionell besuchen viele Menschen an diesen beiden Tagen die Gräber ihrer verstorbenen Verwandten. Die Gräber werden liebevoll mit Blumen geschmückt, insbesondere mit Herbstblumen wie Chrysanthemen, und Lichter oder Laternen entzündet. Diese Lichter symbolisieren das ewige Licht und die Hoffnung auf das Leben nach dem Tod.
  • Gräberumgänge und Gräbersegnungen: Am Nachmittag von Allerheiligen finden in vielen Pfarreien Gräberumgänge statt, bei denen die Priester die Gräber segnen. Dies ist ein feierlicher Akt des Gedenkens und der Fürbitte für die Verstorbenen.
  • Der Allerheiligenstriezel: Ein beliebter Brauch, besonders in Österreich, ist der Allerheiligenstriezel oder Allerheiligenzopf. Dieses süße Germgebäck, oft in Zopfform geflochten, wird meist an Allerseelen verschenkt. Er gilt als symbolische Form der Seelenspeisung und der Gabe für die „armen Seelen“. In einigen Regionen Österreichs wird dieser Tag auch „Godntag“ oder „Godltag“ genannt, da der Pate oder die Patin dem Patenkind einen Allerheiligenstriezel schenkt.
  • Gedenkfeiern für Kriegsopfer: Traditionell werden zu Allerheiligen auch Gedenkfeiern mit Kranzniederlegung zu Ehren aller in den Weltkriegen gefallenen Soldaten gefeiert. Gedenktafeln und Kreuze an Straßenrändern erinnern an die Opfer und mahnen zum Frieden.

Häufig gestellte Fragen zu Allerheiligen und Allerseelen

Was ist der Unterschied zwischen Allerheiligen und Allerseelen?
Allerheiligen (1. November) gedenkt aller Heiligen und Seligen, die bereits bei Gott im Himmel sind. Allerseelen (2. November) ist ein Gedenktag für alle verstorbenen Gläubigen, die sich möglicherweise noch im Zustand der Reinigung (Fegefeuer) befinden, und für die wir beten und Fürbitte leisten.
Warum ist Allerheiligen ein Feiertag, Allerseelen aber meist nicht?
Allerheiligen ist in vielen katholisch geprägten Ländern und Regionen ein gesetzlicher Feiertag, was das Gedenken und den Besuch der Friedhöfe erleichtert. Allerseelen ist ein kirchlicher Gedenktag, der jedoch in den meisten Ländern kein gesetzlicher Feiertag ist. Dies hat dazu geführt, dass sich das öffentliche Totengedenken oft auf den Allerheiligentag verlagert hat.
Was bedeutet der Allerheiligenstriezel?
Der Allerheiligenstriezel, ein süßes Hefegebäck, ist ein traditioneller Brauch, besonders in Österreich. Er symbolisiert eine „Seelenspeisung“ und wird oft an Patenkinder verschenkt. Er steht für die Verbundenheit und Fürsorge für die Seelen der Verstorbenen.

Halloween: Ein moderner Brauch mit alten Wurzeln

In jüngster Zeit verbinden viele Kinder, auch im deutschsprachigen Raum, mit Allerheiligen das Halloween-Brauchtum, das seinen Weg aus dem englischen Sprachraum gefunden hat. Der Ursprung des Festes ist tatsächlich eng mit dem christlichen Allerheiligentag verbunden. So geht der Name auf die englische Bezeichnung „All Hallows' Eve“ zurück, also den Vorabend des Allerheiligenfestes. Ursprünglich war es ein keltisches Erntefest und Totenfest, bei dem man glaubte, dass die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten besonders durchlässig sei. Mit der Christianisierung wurde es mit Allerheiligen verknüpft. Kinder ziehen am Vorabend von Allerheiligen verkleidet durch die Straßen und bitten um Süßigkeiten, ein Brauch, der auf ältere Traditionen des "Seelenbrot"-Sammelns zurückgeht.

Dia de los Muertos: Ein Blick über die Grenzen

In Mexiko wird rund um Allerheiligen der „Día de los Muertos“ (Tag der Toten) gefeiert, ein farbenprächtiges Volksfest zu Ehren der Toten. Bei diesem Fest, das von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt wurde, vermischen sich indigene und christliche Traditionen auf einzigartige Weise. Familien errichten Altäre für ihre Verstorbenen, schmücken sie mit Blumen, Kerzen, Speisen und Getränken und feiern das Leben ihrer Lieben, anstatt nur zu trauern. Es ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie Kulturen auf unterschiedliche Weise mit dem Tod umgehen und die Verbindung zu ihren Vorfahren ehren können.

Die Feste Allerheiligen und Allerseelen sind somit nicht nur Gedenktage, sondern tiefgründige Ausdrucksformen des christlichen Glaubens an das ewige Leben und die Trost spendende Gemeinschaft aller Gläubigen über den Tod hinaus. Sie laden uns ein, innezuhalten, zu beten und die Hoffnung auf die Vollendung in Gottes Liebe zu feiern.

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