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Kommt und Seht: Was bedeutet Jesu Ruf?

29/10/2023

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„Kommt und seht!“ – Diese prägnante und doch so tiefgründige Einladung hallt durch die Jahrhunderte und findet ihren Ursprung in den heiligen Schriften, insbesondere im Johannesevangelium. Sie ist weit mehr als nur eine Aufforderung zur Beobachtung; sie ist ein Ruf zu einer persönlichen, transformierenden Begegnung. Wenn der Herr einlädt zu „kommen und zu sehen“, impliziert dies eine Realität, die sich offenbart, etwas von unermesslicher Bedeutung, das sich unseren Sinnen und unserem Geist darbietet. Für das Johannesevangelium liegt der Kern dieser Offenbarung in der atemberaubenden Wahrheit, dass „das Wort Fleisch geworden ist“. Gott selbst ist in menschlicher Gestalt in unsere Welt getreten, um sich uns zu zeigen, greifbar und sichtbar zu werden. Doch diese göttliche Sichtbarkeit, so wunderbar sie auch ist, führt nicht automatisch jeden Menschen zum Glauben. Diese scheinbare Diskrepanz wirft tiefgehende Fragen auf über die Natur des Sehens, des Glaubens und der menschlichen Freiheit. In diesem Artikel werden wir die vielschichtigen Dimensionen dieser Einladung erkunden, ihre biblischen Wurzeln beleuchten und ergründen, warum diese universelle Offenbarung nicht bei allen zu einer Annahme des Glaubens führt.

Welche gebetswürfel eignen sich für die Taufe?
Prima eignen sich die ca. 6 x 6 x 6cm großen Gebetswürfel als Geschenk zur Taufe oder auch zur Kommunion. Viele Eltern schenken ihren Schützlingen die Würfel bereits zur Taufe – wobei das Kind in diesem Alter eher weniger mit einem mit Gebeten bedruckten Gegenstand anfangen kann.
Inhaltsverzeichnis

Die Ursprünge von "Kommt und seht!" im Johannesevangelium

Die erste und wohl bekannteste Stelle, an der Jesu Einladung „Kommt und seht!“ erklingt, finden wir im ersten Kapitel des Johannesevangeliums (Johannes 1,39). Johannes der Täufer hatte auf Jesus hingewiesen als das „Lamm Gottes“, und zwei seiner Jünger folgten daraufhin Jesus. Als Jesus sich umwandte und sah, dass sie ihm folgten, fragte er sie: „Was sucht ihr?“ Sie antworteten: „Rabbi (das heißt: Lehrer), wo wohnst du?“ Und Jesu Antwort war schlicht und doch revolutionär: „Kommt und seht!“ Sie gingen mit ihm, sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm. Diese kurze Episode ist von immenser Bedeutung. Es ist nicht nur eine Einladung, einen Ort zu besuchen, sondern eine Aufforderung, Zeit mit Jesus zu verbringen, seine Gegenwart zu erfahren, sein Leben zu teilen. Es ist eine Einladung zur Gemeinschaft, zum tiefen Eintauchen in die Realität seiner Person. Die Jünger sollten nicht nur zusehen, sondern teilhaben. Es geht darum, nicht nur Informationen über Jesus zu erhalten, sondern ihn selbst zu erfahren, sein Wesen zu erkennen und eine Beziehung zu ihm aufzubauen. Diese Einladung ist der Beginn der Nachfolge, der ersten Schritte auf einem Weg, der das gesamte Leben der Jünger verändern sollte. Sie ist ein Aufruf zur direkten, unvermittelten Erfahrung.

Die tiefere Bedeutung: Das Wort wird Fleisch

Der Prolog des Johannesevangeliums (Johannes 1,1-18) bereitet den Boden für die Einladung „Kommt und seht!“, indem er die zentrale theologische Aussage des Evangeliums formuliert: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ (Johannes 1,14). Hier wird deutlich, was es zu sehen gibt: Gott selbst, der sich in der Person Jesu Christi inkarniert hat. Das abstrakte, ewige Wort Gottes, durch das alles geschaffen wurde, nimmt menschliche Gestalt an. Diese Inkarnation ist das ultimative Zeugnis von Gottes Liebe und seinem Wunsch, sich der Menschheit zu offenbaren. Jesus ist nicht nur ein Prophet oder Lehrer; er ist die sichtbare und greifbare Offenbarung Gottes. Das „Sehen“ hier ist nicht bloß ein physischer Akt der Augen, sondern ein Akt des Erkennens, des Verstehens und des Glaubens. Es ist das Erkennen der göttlichen Herrlichkeit, die in einem menschlichen Körper wohnt. Es bedeutet, die Wahrheit und Gnade Gottes in der Person Jesu zu erfahren. Die Einladung „Kommt und seht!“ ist somit eine Einladung, die menschliche Verkörperung der göttlichen Wahrheit zu erleben, die ultimative Offenbarung Gottes an die Menschheit. Es ist die Einladung, dem Ursprung des Lebens und der Wahrheit selbst zu begegnen, nicht in abstrakten Begriffen, sondern in einer lebendigen Person.

Sehen und Glauben: Eine komplexe Beziehung

Obwohl die Herrlichkeit Gottes im Fleisch offenbar wurde und die Einladung „Kommt und seht!“ an alle ergeht, stellt das Johannesevangelium fest, dass nicht alle zum Glauben kommen. „Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ (Johannes 1,11). Dies ist das zentrale Paradox: Wie kann es sein, dass angesichts einer so klaren Offenbarung nicht alle reagieren? Die Antwort liegt in der Komplexität der menschlichen Natur, des freien Willens und der Notwendigkeit einer inneren Bereitschaft. Physisches Sehen garantiert nicht spirituelles Erkennen. Viele sahen Jesus, hörten seine Lehren, wurden Zeugen seiner Wunder, lehnten ihn aber dennoch ab. Ihre Herzen waren verhärtet, ihre Augen durch Vorurteile, weltliche Machtinteressen oder Unwillen, sich zu ändern, verblendet. Jesus selbst sprach von denen, die Augen haben und nicht sehen, und Ohren haben und nicht hören (Matthäus 13,13). Der Glaube ist nicht nur eine rationale Schlussfolgerung aus Beobachtungen, sondern auch eine Entscheidung des Herzens, eine Öffnung für die Gnade Gottes. Er ist ein Geschenk, das angenommen werden muss. Es erfordert eine Demut, die eigene Vorstellungskraft und Überzeugungen dem göttlichen Licht unterzuordnen. Das spirituelle Sehen ist also eine Gnade, die eine menschliche Antwort erfordert. Es geht darum, das Gesehene nicht nur zu registrieren, sondern es in sich wirken zu lassen und sich davon verwandeln zu lassen. Wer nicht bereit ist, sich zu ändern oder seine vorgefassten Meinungen aufzugeben, wird auch angesichts der größten Offenbarung blind bleiben. Der Glaube ist somit eine aktive Teilnahme, keine passive Beobachtung.

Die Einladung heute: Was sollen wir sehen?

Die Einladung „Kommt und seht!“ ist nicht auf die Zeit Jesu beschränkt; sie ist eine zeitlose Aufforderung, die auch heute noch an jeden Menschen ergeht. Was bedeutet es für uns, heute zu „kommen und zu sehen“? Obwohl wir Jesus nicht mehr physisch begegnen können, ist seine Gegenwart durch den Heiligen Geist, durch die Heilige Schrift und durch die Gemeinschaft der Gläubigen – die Kirche – lebendig. Wir sind eingeladen, Jesus in den Evangelien zu „sehen“, indem wir seine Worte studieren und seine Taten meditieren. Wir sind eingeladen, ihn in der Eucharistie zu „sehen“, wo er sich unter den Gestalten von Brot und Wein hingibt. Wir sind eingeladen, ihn in den „geringsten unserer Brüder und Schwestern“ zu „sehen“, in den Armen, Kranken und Leidenden. Das „Sehen“ heute bedeutet ein tiefes Eintauchen in die Mysterien des Glaubens, eine fortwährende Suche nach Gott in unserem Alltag und eine Bereitschaft, uns von seiner Liebe und Wahrheit leiten zu lassen. Es ist eine kontinuierliche Nachfolge, die nicht nur unser Verstand, sondern unser ganzes Sein beansprucht. Die Einladung ist ein Aufruf zu einer lebendigen Beziehung, die uns dazu befähigt, Gottes Wirken in der Welt und in unserem eigenen Leben zu erkennen und darauf zu reagieren. Es ist die Aufforderung, Zeugen seiner Herrlichkeit zu werden und diese Botschaft der Hoffnung und Liebe weiterzutragen.

Vergleich: Physisches Sehen vs. Spirituelles Sehen

Um die Nuancen der Einladung „Kommt und seht!“ besser zu verstehen, ist es hilfreich, zwischen physischem und spirituellem Sehen zu unterscheiden. Obwohl beide Begriffe dasselbe Verb verwenden, bezeichnen sie doch grundlegend unterschiedliche Ebenen der Wahrnehmung und Erkenntnis.

MerkmalPhysisches SehenSpirituelles Sehen
ObjektÄußere Erscheinungen, Materie, OberflächenGöttliche Wahrheit, unsichtbare Realitäten, Sinn, Beziehungen
VoraussetzungFunktionierende Augen, ausreichend Licht, klare SichtOffenes Herz, Glaube, Gnade, Bereitschaft zur Transformation
ErgebnisInformation, Erkennung von Objekten, Orientierung im RaumErkenntnis Gottes, Verwandlung des Inneren, Frieden, Sinnfindung
Tiefe der WahrnehmungOberflächlich, auf das Äußere beschränktTiefgründig, erfasst die Essenz und Bedeutung
Beziehung zu GottIndirekt (Gottes Schöpfung erkennen, aber nicht Gott selbst)Direkt (Gott selbst begegnen, seine Gegenwart erfahren)
VeränderungspotenzialGering (ändert primär die Information, nicht das Sein)Hoch (führt zu innerer Erneuerung und Lebenswandel)

Dieser Vergleich verdeutlicht, dass das „Sehen“, zu dem Jesus einlädt, über das bloße Betrachten hinausgeht. Es ist ein Sehen mit den Augen des Glaubens, das eine tiefere Dimension der Wirklichkeit erschließt und zu einer persönlichen Beziehung mit dem Göttlichen führt.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Was bedeutet „Kommt und seht!“ für mich persönlich?

Für Sie persönlich bedeutet es eine Einladung, Jesus Christus und seine Lehren aktiv zu suchen und zu erleben. Es ist ein Ruf, nicht nur über den Glauben zu lesen, sondern ihn in Ihrem Leben zu praktizieren, durch Gebet, Studium der Bibel, Teilnahme an der Gemeinschaft und Dienst an anderen. Es ist eine Aufforderung, eine tiefere, persönliche Beziehung zu Gott aufzubauen.

Ist es genug, Jesus nur „gesehen“ zu haben?

Nein, das physische oder intellektuelle „Sehen“ ist nur der erste Schritt. Das Johannesevangelium lehrt, dass wahres Sehen zu Glauben und Nachfolge führen muss. Viele sahen Jesus, aber nicht alle folgten ihm. Das wahre „Sehen“ ist ein spiritueller Akt, der eine Herzensentscheidung für Christus und ein Leben im Einklang mit seinen Lehren beinhaltet.

Was, wenn ich nicht das Gefühl habe, Ihn zu „sehen“ oder seine Gegenwart zu spüren?

Spirituelles Sehen ist nicht immer eine überwältigende, emotionale Erfahrung. Es ist oft ein subtiler Prozess, der Geduld und Ausdauer erfordert. Es kann sich in einem tieferen Verständnis der Schrift, in einem Gefühl des Friedens, in der Erkenntnis von Gottes Führung in Ihrem Leben oder in der Stärke, Herausforderungen zu begegnen, offenbaren. Bleiben Sie im Gebet, studieren Sie das Wort Gottes und suchen Sie die Gemeinschaft der Gläubigen. Manchmal ist das „Sehen“ auch ein Akt des Vertrauens, wenn wir uns in Situationen befinden, in denen alles unsichtbar erscheint.

Wie kann ich mein spirituelles Sehen kultivieren?

Spirituelles Sehen wird durch bewusste Praktiken gefördert: regelmäßiges und aufmerksames Gebet, das Studium der Bibel (insbesondere der Evangelien), die Teilnahme an Gottesdiensten und Sakramenten, die Pflege einer demütigen und offenen Haltung, die Bereitschaft zur Selbstreflexion und die Praxis der Nächstenliebe. Indem Sie Ihr Herz für Gott öffnen und aktiv nach ihm suchen, werden Sie befähigt, seine Gegenwart und sein Wirken in Ihrem Leben immer klarer zu erkennen.

Fazit

Die Einladung „Kommt und seht!“ bleibt ein zentraler Pfeiler des christlichen Glaubens. Sie ist ein Ruf zur Begegnung mit der lebendigen Wahrheit, die im „Wort, das Fleisch geworden ist“, offenbart wurde. Es ist eine Einladung, die über bloße Neugier hinausgeht und eine tiefe, persönliche Antwort erfordert. Während physisches Sehen uns Informationen liefert, ermöglicht spirituelles Sehen eine Transformation des Herzens und des Geistes. Es ist die Gnade, Gottes Gegenwart in unserem Leben zu erkennen und darauf mit Glauben und Liebe zu antworten. Mögen wir alle diese ewige Einladung annehmen und mit offenen Augen und Herzen auf das schauen, was uns der Herr zu zeigen bereit ist, und so immer tiefer in das Mysterium seines Seins eintauchen.

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