26/03/2022
Der Glaube an den Jüngsten Tag ist ein fundamentaler Pfeiler im Islam, eine tiefe Überzeugung, die das gesamte Leben eines Muslims prägt. Er ist weit mehr als nur die Vorstellung vom Ende der Welt; er ist die Gewissheit einer umfassenden Abrechnung und eines ewigen Lebens nach dem Tod. Allah der Allmächtige hat diesen Tag in Seinem Heiligen Buch, dem Quran, und durch Seinen Gesandten, den Propheten Muhammad (Allahs Segen und Heil auf ihm), detailliert beschrieben. Diese umfassende Offenbarung dient nicht nur der Information, sondern auch als ständige Erinnerung und Motivation für rechtschaffenes Handeln. Die Vorstellung vom Jüngsten Tag, mit all ihren Stationen – von der Grabesprüfung über die Auferstehung bis hin zur Waage der Taten und dem endgültigen Eintritt ins Paradies oder in die Hölle – ist eine Mahnung an die Vergänglichkeit des Diesseits und die Unausweichlichkeit des Jenseits.

- Das Konzept des Jüngsten Tages im Islam
- Die Weisheit hinter der häufigen Erwähnung
- Das Eintreten des Todes: Der erste Schritt ins Jenseits
- Die Geschehnisse im Grab
- Die Anzeichen für das baldige Eintreffen des Jüngsten Tages
- Die Geschehnisse des Jüngsten Tages
- 1. Der Beginn des Jüngsten Tages: Die totale Zerstörung des Universums
- 2. Die Auferweckung
- 3. Die Versammlung
- 4. Die Belohnung für die Taten
- 5. Die Vorstellung und die Abrechnung
- Gruppen bei der Abrechnung
- 6. Die Waage
- 7. Das Becken (Hauda)
- 8. Die Brücke über die Hölle (Sirat)
- 9. Das Paradies und die Hölle
- Häufig gestellte Fragen zum Jüngsten Tag
Das Konzept des Jüngsten Tages im Islam
Der Iman (Glaube) an den Jüngsten Tag umfasst die unerschütterliche Überzeugung von der Wahrheit all dessen, was Allah im Quran und durch Seinen Gesandten über das Leben nach dem Tod mitgeteilt hat. Dazu gehören wesentliche Phasen und Ereignisse:
- Die Prüfung und Bestrafung oder Belohnung im Grab.
- Die Auferstehung aller Geschöpfe.
- Die Versammlung am Jüngsten Tag.
- Die Bücher der Taten, in denen alles aufgezeichnet ist.
- Die Abrechnung und das Wiegen der Taten auf der Waage.
- Das Becken des Propheten (Hauda).
- Die Brücke (Sirat) über der Hölle.
- Die Fürsprache des Gesandten Allahs.
- Das Paradies und die Hölle als ewige Wohnstätten.
Diese Stationen sind untrennbar miteinander verbunden und bilden das Gesamtbild des Jüngsten Tages, wie es in den Quellen von Zaidan, M.N.Yasin, Muslim und Nawawi dargelegt wird.
Die Weisheit hinter der häufigen Erwähnung
Die häufige Erwähnung des Jüngsten Tages im Quran hat tiefgreifende Weisheiten. Sie soll das Bewusstsein für das Jenseits schärfen und eine ständige Erinnerung daran sein, wie sich das Handeln des Menschen auf sein ewiges Schicksal auswirkt. Für diejenigen, die die Existenz des Jenseits oder die Auferstehung der Menschen nach dem Verfall ihrer Knochen abstreiten, widerlegt Allah ihre Scheinargumente auf vielfältige Weise, indem Er die Unausweichlichkeit und die Logik Seiner Schöpfung und Seiner Macht betont. Die detaillierten Beschreibungen dienen dazu, den Menschen zur Besinnung zu bringen und ihn zu ermutigen, sein Leben im Diesseits verantwortungsbewusst zu gestalten.
Das Eintreten des Todes: Der erste Schritt ins Jenseits
Bereits mit dem Eintreten des Todes beginnt die erste Phase des Jenseits. Wenn der Engel des Todes und seine Helfer die Seele eines Menschen mit Allahs Erlaubnis entnehmen, wird jedem Einzelnen sein zukünftiger Platz offenbart – sei es im Paradies oder in der Hölle. Für die Rechtschaffenen verkünden die Engel: "Friede sei mit euch, tretet ein ins Paradies (als Belohnung) für das, was ihr getan habt." (Quran 16:32). Den Übeltätern hingegen wird Pein und Schande verheißen, während die Engel ihre Hände ausstrecken und fordern: "Liefert eure Seelen aus! Heute wird euch mit der Pein der Schande das vergolten, was ihr an Falschem gegen Allah gesprochen habt, und weil ihr euch hochmütig von Seinen Zeichen abgewendet habt." (Quran 6:93). Der Prophet Muhammad (Allahs Segen und Heil auf ihm) betonte die Bedeutung des Grabes als erste Station des Jenseits: "Das Grab ist die erste Station der Stationen des Jenseits. Wenn man es heil übersteht, so ist leichter, was nach ihm kommt. Wenn man es aber nicht heil übersteht, so ist das, was nach ihm kommt, noch härter."
Die Geschehnisse im Grab
Die Prüfung und Befragung durch die Engel
Nach der Bestattung des Verstorbenen und dem Weggang seiner Gefährten, deren Schritte er noch hören kann, beginnt die Prüfung im Grab. Zwei Engel befragen den Toten nach seinem Gott, seiner Religion und seinem Gesandten. Ein Gläubiger (Mu’min) wird standhaft antworten: "Ich bezeuge, dass er der Diener Allahs und Sein Gesandter ist." Ihm wird daraufhin sein Platz im Höllenfeuer gezeigt, nur um dann zu erfahren, dass Allah ihm stattdessen einen Platz im Paradies gewährt hat. Er sieht beide Plätze. Ein Ungläubiger (Kafir) oder Heuchler hingegen wird zögern und sagen: "Ich weiß nicht, ich sagte, was die Menschen zu sagen pflegten!" Daraufhin wird ihm mit Eisenhämmern ein Schlag versetzt, dessen Schrei alle außer Menschen und Dschinn hören.
Die Peinigung oder Glückseligkeit im Grab
Die Zeit zwischen dem Tod und dem Jüngsten Tag ist entweder von Peinigung oder Glückseligkeit im Grab geprägt. Die Art des Todes oder der Bestattung – ob Verbrennen, Ertrinken oder Zerstreuen der Asche – spielt dabei keine Rolle. Die Strafe des Grabes wird sowohl im Quran als auch in zahlreichen authentischen Hadithen erwähnt. Allah sagt über die Leute Pharaos: "...und es umschloss die Leute Pharaos das Böse der Strafe, das Feuer, sie werden vor ihm aufgestellt zur Morgenstunde und abends. Und am Tag, wenn die Stunde ersteht: „Tretet ein, Zugehörige Pharaos, in das Härteste der Strafe!“..." (Quran 40:45-46). Dies deutet auf eine Strafe vor der Auferstehung hin. Hadithe bestätigen dies, wie die Aussage des Propheten: "Wenn einer von euch stirbt, wird ihm sein Platz morgens und abends vorgeführt: Wenn er zu denjenigen gehört, die ins Paradies eingehen werden, dann wird ihm sein Platz im Paradies vorgeführt. Wenn er zu denjenigen gehört, die ins Höllenfeuer eingehen werden, wird ihm sein Platz im Höllenfeuer vorgeführt." (Buchari und Muslim). Das Grab ist somit eine Vorschau auf das ewige Schicksal.
Die Anzeichen für das baldige Eintreffen des Jüngsten Tages
Die Nähe des Tages der Abrechnung wird im Quran betont: "Den Menschen ist die Zeit ihrer Abrechnung nahegerückt; und doch wenden sie sich in Achtlosigkeit ab." (Quran 21:1). Den genauen Zeitpunkt des Jüngsten Tages kennt jedoch niemand außer Allah allein: "Sie befragen dich nach der Stunde, wann sie wohl eintreten werde. Sprich: „Das Wissen darum ist bei meinem Herrn. Keiner als Er kann die Stunde zu ihrer Zeit bekanntgeben. Schwer lastet sie in den Himmeln und auf der Erde. Sie soll über euch nur plötzlich hereinbrechen.“" (Quran 7:187).
Dennoch gibt es deutliche Anzeichen, die der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) überliefert hat. Diese werden in kleine und große Anzeichen unterteilt. Die kleinen Anzeichen sind Vorboten, die die Verderbtheit der Menschen und das Abweichen von der Rechtleitung signalisieren, während die großen Anzeichen unmittelbar das Eintreffen des Jüngsten Tages ankündigen und nach deren Auftreten keine Reue mehr angenommen wird.
Kleine und Große Anzeichen im Überblick
Die Anzeichen für den Jüngsten Tag lassen sich in zwei Kategorien einteilen:
| Kleine Anzeichen (Vorboten) | Große Anzeichen (Direkte Vorzeichen) |
|---|---|
| Die Entsendung des Propheten Muhammad (als letzter Prophet). | Das Erscheinen des Daddschal (Antichrist). |
| Die Magd bringt ihre Herrin zur Welt. | Das Herabkommen von Jesus (Isa), dem Sohn der Maria. |
| Barfüßige Schafhirten sind anmaßend im Errichten von Gebäuden. | Das Erscheinen von Gog und Magog (Ya'juj und Ma'juj). |
| Große Kriege zwischen großen Gruppen. | Der Aufgang der Sonne aus dem Westen. |
| Das Erscheinen von fast 30 falschen Propheten. | Das Erscheinen eines Tieres aus der Erde, das zu den Menschen spricht. |
| Wissen stirbt aus, Erdbeben nehmen zu, Zeit verkürzt sich. | Drei große Erdversinkungen (im Osten, Westen, auf der Arabischen Halbinsel). |
| Zunehmende Zwietracht, Kriminalität und Überfluss an Reichtum. | Ein Feuer, das aus dem Jemen kommt und die Menschen zum Versammlungsplatz treibt. |
| Wunsch nach dem Tod angesichts des Elends. | Ein Rauch, der die Menschen umhüllt. |
| Schlechte Nachbarschaft und Abbruch verwandtschaftlicher Beziehungen. | |
| Plötzlicher Tod wird häufig. | |
| Streit und Teilung in der Ummah, schlechtes Handeln bei guter Rede. | |
| Verhöhnung des Gebetes. |
Viele dieser kleinen Anzeichen sind in der heutigen Zeit bereits sichtbar, was die Relevanz der prophetischen Überlieferungen unterstreicht. Trotz der Verderbtheit der Gesellschaft wird es jedoch stets eine Gruppe von Muslimen geben, die am Recht festhält, wie der Prophet (Allahs Segen und Heil auf ihm) verhieß: "Eine Gruppe von meiner Gemeinde wird beharrlich am Recht festhalten. Ihnen wird nicht schaden, wer sie im Stich lässt, bis der Befehl Allahs kommt." Zudem wird derjenige, der an der Sunnah des Propheten in Zeiten der Verderbtheit festhält, die Belohnung eines Märtyrers erhalten.
Die Geschehnisse des Jüngsten Tages
Die eigentlichen Geschehnisse am Jüngsten Tag sind im Quran und in den Sahih-Hadithen detailliert beschrieben und umfassen eine Reihe von entscheidenden Stationen, die jeder Mensch durchlaufen wird.
1. Der Beginn des Jüngsten Tages: Die totale Zerstörung des Universums
Der Jüngste Tag beginnt mit einer vollständigen Transformation und Zerstörung des uns bekannten Universums. Der Quran beschreibt dies mit eindringlichen Worten: "Wenn die Sonne umwunden wird, und wenn die Sterne herabschießen, und wenn die Berge fortbewegt werden, und wenn die hochträchtigen Kamele vernachlässigt werden, und wenn die wilden Tiere versammelt werden, und wenn die Meere zu einem Flammenmeer werden, und wenn die Seelen (mit ihren Leibern) gepaart werden, und wenn das lebendig begrabene Mädchen gefragt wird, für welches Verbrechen es getötet wurde. Und wenn die Schriften weithin aufgerollt werden, und wenn der Himmel weggezogen wird, und wenn das Höllenfeuer entflammt wird, und wenn das Paradies nahegebracht wird; dann weiß jede Seele, was sie bereit gemacht hat." (Quran 81:1-14). Ebenso: "Wenn der Himmel sich spaltet, und wenn die Sterne zerstreut sind, und wenn die Meere über die Ufer treten, und wenn die Gräber aufgewühlt werden; dann wird jede Seele wissen, was sie getan und was sie unterlassen hat." (Quran 82:1-5).
Diese totale Zerstörung erfolgt nach dem ersten Hornstoß: "Und wenn in das Horn gestoßen wird mit einem einzigen Stoß, und die Erde samt den Bergen emporgehoben, dann mit einem einzigen Schlag niedergeschmettert wird, an jenem Tage wird das Ereignis schon eingetroffen sein. Und der Himmel wird sich spalten, denn an jenem Tage wird er brüchig sein." (Quran 69:13-16). Schließlich werden alle Geschöpfe sterben, bis auf diejenigen, die Allah will, wenn in das Horn gestoßen wird: "Und in das Horn wird gestoßen, und alle, die in den Himmeln und auf Erden sind, werden tot niederstürzen; mit Ausnahme derjenigen, die Allah will...." (Quran 39:68).
2. Die Auferweckung
Nach dem ersten Hornstoß, der den Tod aller Geschöpfe einleitet, folgt der zweite Stoß ins Horn. Auf Allahs Befehl hin werden alle Toten auferweckt: "....Dann wird in das Horn wiederum hineingestoßen, und siehe, da stehen sie auf und schauen." (Quran 39:68). Alle Menschen werden dann mit Leib und Seele auferstehen, bereit für die kommende Abrechnung.
3. Die Versammlung
Nach der Auferweckung werden die Menschen durch die Engel mit Allahs Erlaubnis zum Versammlungsplatz getrieben. Dort werden sie nackt, barfüßig und unbeschnitten vor Allah versammelt, um Rechenschaft über ihre Taten abzulegen. "Am Tage, da Wir die Gottesfürchtigen als eine Abordnung vor dem Allerbarmer versammeln, werden Wir die Schuldigen (wie eine Herde) zur Hölle treiben." (Quran 19:85-86). Der Prophet (Allahs Segen und Heil auf ihm) beschrieb die extremen Bedingungen auf diesem Platz: "...Und die Menschen werden dann je nach ihren Taten im Schweiß stehen. Manch einem von ihnen wird der Schweiß bis zu seinen Knöcheln, manch einem von ihnen wird er bis zu seinen Knien, manch einem wird er bis zu seinen Lenden und manch einem wird er bis zum Mund reichen." Dies verdeutlicht die immense Anspannung und die Schwere des Wartens auf die Abrechnung.
4. Die Belohnung für die Taten
An diesem Tag wird jede Seele gerecht nach ihren Taten belohnt oder bestraft. "Wer Gutes vollbringt, soll Besseres als das erhalten; wer jedoch eine böse Tat vollbringt – jene, die schlechte Werke tun, sollen nur gemäß dem belohnt werden, was sie getan haben." (Quran 24:84). Allahs Gerechtigkeit ist absolut, und niemandem wird Unrecht geschehen.
5. Die Vorstellung und die Abrechnung
Bei der Vorstellung werden alle Taten eines Menschen – seien es Handlungen, Worte, Absichten, offene oder verdeckte, gute oder schlechte – in Erinnerung gerufen und offengelegt. Die Menschen werden in zwei Hauptgruppen geteilt:
- Diejenigen, denen die Aufzeichnung ihrer Taten in die rechte Hand gegeben wird, was bedeutet, dass sie keine ausführliche Rechenschaft ablegen müssen und zu den Gesegneten gehören.
- Diejenigen, denen die Aufzeichnung ihrer Taten hinter ihrem Rücken gegeben wird, was darauf hinweist, dass sie zur Rechenschaft gezogen und nach jeder einzelnen ihrer Taten befragt werden.
Die Aufzeichnungen stammen von den Engeln, die jeden Menschen während seines Lebens begleiteten: "Das ist Unsere Schrift; sie bezeugt die Wahrheit gegen euch. Wir ließen alles aufschreiben, was ihr getan hattet." (Quran 45:29). "Und einem jeden Menschen haben Wir seine Taten an den Nacken geheftet; und am Tage der Auferstehung werden Wir ihm eine Schrift vorlegen, die er aufgeschlagen vorfinden wird. Trage deine Schrift vor. Heute genügt deine eigene Seele als Berechnende gegen dich." (Quran 17:13-14).
Die Abrechnung ist ein intensiver Prozess, bei dem kein Mensch sich von seiner Stelle bewegen wird, bevor er gefragt wird nach seinem Leben, wie er es verbrachte?, nach seinem Wissen, was er damit machte?, nach seinem Vermögen, wie er es erwarb und ausgab? und nach seinem Körper, wie er ihn abnutzte? Während der Abrechnung werden für alle Taten der Menschen Geschöpfe als Zeugen auftreten. Sie werden bezeugen, wozu und wie sie gebraucht oder missbraucht wurden, was durch sie, und mit bzw. auf ihnen geschah: Die Erde, die Körperglieder und die Organe werden bezeugen.
Gruppen bei der Abrechnung
| Gruppe der Abrechnung | Beschreibung | Schicksal |
|---|---|---|
| Ohne Abrechnung | Propheten, Gesandte und eine bestimmte Anzahl ihrer Anhänger (z.B. siebzigtausend aus der Ummah des Propheten Muhammad). | Gelangen direkt ins Paradies durch Allahs Gnade. |
| Leichte Abrechnung | Gläubige (Mu'minun), deren Sünden Allah nicht öffentlich bekanntmacht und ihnen vergibt. | Gelangen ins Paradies durch Allahs Barmherzigkeit. |
| Schwere Abrechnung | Personen mit sehr vielen schweren Sünden, die jede einzelne Tat rechtfertigen und verantworten müssen. | Riskieren Bestrafung, möglicherweise im Höllenfeuer, bevor sie das Paradies betreten können (falls sie Gläubige sind) oder für immer in der Hölle bleiben (falls Ungläubige). |
Um einer schweren Abrechnung zu entgehen, sollten Muslime ihr Leben im Diesseits selbstkritisch bewerten und Allah ständig um Vergebung bitten.
6. Die Waage
Am Tag der Auferstehung werden die guten und schlechten Taten der Menschen mit einer Waage gewogen, um die Gerechtigkeit Allahs des Herrschers offenkundig zu zeigen. Allah der Erhabene sagt: "Und Wir werden Waagen der Gerechtigkeit für den Tag der Auferstehung aufstellen, so dass keine Seele in irgendeiner Weise Unrecht erleiden wird. Und wäre es das Gewicht eines Senfkorns, wir würden es hervorbringen. Und Wir genügen als Rechner" (Quran 21:47). "Und das Gewicht an diesem Tag ist die Wahrheit. Denjenigen, deren Waagschalen dann schwer sind, wird es wohl ergehen. Diejenigen aber, deren Waagschalen leicht sind, sind diejenigen, die ihre Seelen verloren haben, weil sie gegenüber Unseren Zeichen ungerecht gehandelt haben." (Quran 7:8-9).
Die Quellen weisen darauf hin, dass es eine wirkliche Waage mit zwei Waagschalen ist und dass Allah die Taten der Menschen zu Körpern mit einem Gewicht umwandelt, so dass dann die guten Taten in die eine Waagschale getan werden und die schlechten in die andere. Das Wiegen der Taten geschieht nach Abschluss der Abrechnung: Das Ergebnis der Abrechnung ist eine Aufstellung der Taten, wohingegen das Gewicht die Vergeltung bestimmt – d.h. die Größe der Belohnung bzw. der Strafe.
7. Das Becken (Hauda)
Sahih-Hadithe berichten vom Haud des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm). Nach dem Verlassen des Versammlungsplatzes wird der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) dieses Haud als Erster erreichen. Dann werden ihm seine Anhänger nachfolgen. Die Frevler, die großen Sünder und diejenigen unter ihnen, die sich von ihm abgewandt haben, werden von seinem Haud ferngehalten. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) sagte: "Ich bin der Erste, der das haud erreicht. Wer es erreicht, wird trinken, und wer getrunken hat, wird nie dürsten..." Form und Inhalt des Haud wurden durch den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) folgendermaßen beschrieben: "Mein haud ist einen Monatsmarsch (lang), sein Wasser ist weißer als die Milch, sein Duft ist angenehmer als Moschus und seine Krüge sind wie die Himmelssterne, wer daraus trinkt, wird nie dürsten." Jeder Prophet wird ein Haud haben, doch das größte und schönste ist das Haud von Muhammad (Allahs Segen und Heil auf ihm).
8. Die Brücke über die Hölle (Sirat)
Nachdem die Abrechnung und das Wiegen der Taten stattgefunden hat, verlassen die Menschen den Versammlungsplatz, um über eine Brücke, welche über die Hölle gespannt ist, zu laufen. Diese Brücke wird Sirat genannt. Über diese Brücke müssen alle Menschen gehen: die Propheten, die Wahrhaftigen, die Mu’minun und die Kafirun, die, die eine Abrechnung erfahren haben und die, denen Allah die Abrechnung erspart hat. Je nachdem, wie gottesfürchtig der Mensch im irdischen Leben gewesen ist, entsprechend ist die Geschwindigkeit, mit der er über diese Brücke geht. Die Kafirun und diejenigen, die zum Verbüßen einer Strafe verurteilt sind, werden von dieser Brücke in die Hölle stürzen. Buchari und Muslim berichten, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) sagte: "...Und die Brücke wird über die Hölle gelegt, wobei ich und meine Gemeinde die ersten sein werden, die über die Brücke gehen und niemand außer den Gesandten spricht an diesem Tag. Und das Bittgebet der Gesandten ist an diesem Tag: "O Allah, lass es gut überstehen, lass es gut überstehen". Und in der Hölle gibt es Fleischerhaken, die gleich Stacheln der Sa'dan-Pflanze sind. Kennt ihr die Sa'dan-Pflanze?" Sie sagten: "Ja, o Gesandter Allahs". Der Prophet fuhr fort: "Die Fleischerhaken sind wie die Stacheln der Sa'dan-Pflanze, nur, dass die Größe der Fleischerhaken nur Allah kennt. Diese Fleischerhaken ergreifen die Menschen entsprechend (bzw. auf Grund ) ihrer Taten..."
Im folgenden Vers weist Allah auf dieses Überqueren der Hölle hin: "Und es gibt keinen von euch, der nicht zu ihr gelangt. Es ist bei deinem Herrn unweigerlich, beschlossen." (Quran 19:71). Jeder muss also über die Hölle. Muslim berichtet, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) gesagt hat: "So Gott will wird keiner von denen, die unter dem Baum den Treueeid geleistet haben, die Hölle betreten", worauf Hafsa, die Frau des Propheten, sagte: "Und es gibt keinen von euch, der nicht zu ihr gelangt", worauf der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) sagte: "Allah hat gesagt: "Dann erretten Wir die Gottesfürchtigen und Wir lassen die Unrechthandelnden dort auf Knien"." Zur Hölle zu gelangen, muss also nicht unbedingt heißen, in sie einzutreten. Nach der Überquerung der Brücke bleiben die Mu’minun auf einem Bogen zwischen Paradies und Feuer stehen: Muslim berichtet, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) gesagt hat: "Nachdem die Mu’minun vor dem Höllenfeuer errettet werden, werden sie auf einem Bogen zwischen dem Paradies und dem Feuer gefangen gehalten, damit sie jeweils Vergeltung voneinander üben für Ungerechtigkeiten, die sie im irdischen Leben unter sich begangen haben. Wenn sie schließlich völlig gesäubert und gereinigt sind, wird ihnen erlaubt, ins Paradies einzutreten."
9. Das Paradies und die Hölle
Das Paradies und das Höllenfeuer sind beides Geschöpfe Allahs, die Allah der Allmächtige vor der Schöpfung des Menschen erschaffen hat. Er hat sie zur Belohnung bzw. Bestrafung erschaffen. Sowohl Paradies als auch Hölle sind jetzt bereits vorhanden und sie bleiben auch ewig vorhanden.
Über die Hölle hat Allah der Allmächtige gesagt: "O ihr Mu’minun, hütet euch selbst und eure Angehörigen vor einem Feuer, dessen Brennstoff Menschen und Steine sind; über ihm sind unnachgiebige, harte Engel, die sich nicht Allah widersetzen in dem, was Er ihnen befiehlt, und sie tun, was ihnen befohlen wird." (Quran 66:6). "An dem Tag sagen Wir zur Hölle: 'Bist du voll', und sie sagt: 'Gibt es noch mehr?'" (Quran 50:29). Über einiges, was es in der Hölle gibt, berichtet Allah in den folgenden Versen: "Ist dies besser als Quartier oder der Baum Zaqqum? Wir haben ihn ja zu einer Versuchung für die Missetäter gemacht. Er ist ein Baum, der aus dem Grunde des Feuerbrandes emporwächst. Seine Früchte sind, als ob sie Köpfe der Satane wären. Sie sollen davon essen und ihre Bäuche damit füllen. Darauf sollen sie eine Mischung von siedendem Wasser (zum Trank) erhalten. Danach sollen sie zum Feuerbrand zurückkehren." (Quran 37:62-68). Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) berichtete, dass das Feuer des Jenseits siebzigmal heißer ist als das irdische Feuer. Außerdem sagte der Prophet (Allahs Segen und Heil auf ihm) in einem Hadith, den Buchari und Muslim überlieferten, über die leichteste Strafe im Höllenfeuer: "Die leichteste Strafe im Höllenfeuer am Tag der Auferstehung ist, dass der betreffende Mann unter die Fersen ein Stück glühender Kohle bekommt, wodurch sein Gehirn kocht."
Das Paradies hingegen ist die ultimative Belohnung für die Gottesfürchtigen. Es ist eine Stätte der Sicherheit, mit Gärten, Quellen, gekleidet in Seide und Brokat. Die Bewohner werden mit Paradiesjungfrauen mit ganz schwarzen Augen auf ganz weißem Augengrund vermählt. Sie werden Früchte jeder Art verlangen und in Sicherheit leben. Sie schmecken dort nicht das Sterben – außer den erstmaligen Tod (im Diesseits, nach dem diesseitigen Leben). "Und Er hat sie vor der Strafe des Feuerbrandes bewahrt – als eine Gnade von deinem Herrn. Das ist der gewaltige Gewinn. Und Wir haben ihn (d.h. den Quran) leicht gemacht, damit sie sich vielleicht ermahnen lassen." (Quran 44:51-59). Und: "Und es wird der Paradiesgarten nahe gebracht für die Gottesfürchtigen, und es ist nicht länger fern. 'Das ist, was jedem von euch verheißen wurde, der reumütig war und die Grenzen beachtete; der den Allerbarmer im Verborgenen fürchtete und mit reuigem Herzen zu Ihm kam. Geht ins Paradies ein in Frieden. Dies ist der Tag der Ewigkeit.' Sie haben darin, was immer sie begehren, und bei Uns ist noch weit mehr." (Quran 50:31-35). Eine ausführliche Darstellung über das Paradies ist in [Khafagy 95] zu finden, einer Zusammenfassung der Werke "Ar-Ruh" und "Hadil-Arwah" von Ibn al-Qayyim.
Die Bewohner des Paradieses werden auch mit denen der Hölle sprechen: "Und die Bewohner des Paradieses rufen den Bewohnern der Hölle zu: 'Seht, wir haben als Wahrheit vorgefunden, was unser Herr uns verhieß. Habt ihr auch als Wahrheit vorgefunden, was euer Herr euch verhieß?' Jene sagen: 'Ja'. Und es ruft ein Ausrufer unter ihnen aus: 'Der Fluch Allahs sei über den Missetätern, die vom Weg Allahs abhalten und ihn krumm haben möchten und keinen Iman an das Jenseits hatten.'" (Quran 7:44-45).
Die Bewohner des Paradieses bleiben ewig im Paradies und die Kafirun müssen ewig in der Hölle bleiben – Buchari und Muslim berichten, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil auf ihm) gesagt hat: "Wenn die Bewohner des Paradieses ins Paradies eintreten, und die Bewohner des Höllenfeuers in die Hölle, wird der Tod herbeigebracht und zwischen das Paradies und die Hölle platziert. Dann wird er geschlachtet und dann ruft ein Ausrufer: "O Bewohner des Paradieses, kein Tod mehr. O Bewohner der Hölle, kein Tod mehr" Da nimmt die Freude der Paradiesbewohner noch mehr zu und die Bewohner der Hölle werden noch trauriger."
Häufig gestellte Fragen zum Jüngsten Tag
- Wann wird der Jüngste Tag eintreten?
- Der genaue Zeitpunkt des Jüngsten Tages ist ausschließlich Allah bekannt. Niemand außer Ihm weiß, wann die Stunde hereinbrechen wird, sie wird plötzlich über die Menschen kommen.
- Was passiert unmittelbar nach dem Tod?
- Unmittelbar nach dem Tod erfährt jeder Mensch seinen zukünftigen Platz im Paradies oder in der Hölle. Im Grab findet eine Befragung durch Engel statt, gefolgt von Glückseligkeit oder Peinigung, die bis zur Auferstehung andauert.
- Muss jeder Mensch über die Hölle gehen?
- Ja, jeder Mensch, ob Gläubiger oder Ungläubiger, muss die Brücke (Sirat) überqueren, die über die Hölle gespannt ist. Nur die Gottesfürchtigen werden sie sicher überqueren, während die Ungläubigen und Sünder hinabstürzen.
- Wie werden die Taten der Menschen gewogen?
- Am Jüngsten Tag werden die guten und schlechten Taten der Menschen auf einer wirklichen Waage gewogen. Allah wird die Taten in Körper mit Gewicht umwandeln. Das Ergebnis dieser Wägung bestimmt die endgültige Vergeltung.
- Gibt es eine Reuefrist vor dem Jüngsten Tag?
- Reue wird grundsätzlich bis zum Eintritt der großen Anzeichen des Jüngsten Tages angenommen. Wenn bestimmte große Zeichen, wie der Aufgang der Sonne aus dem Westen oder das Erscheinen des Tieres aus der Erde, eintreten, nützt Reue nicht mehr.
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