28/02/2022
Im Herzen des antiken Mesopotamiens, einer Wiege der Zivilisation, thronte eine Gottheit, deren Einfluss weit über die Grenzen ihrer Tempel hinausreichte: Ištar. Bekannt unter ihrem sumerischen Namen Inanna, war sie eine Figur von atemberaubender Komplexität und widersprüchlicher Natur. Sie verkörperte nicht nur die zärtliche Liebe und das brennende sexuelle Begehren, sondern auch die unerbittliche Wut des Krieges und die lebensspendende Kraft der Fruchtbarkeit. Ihre Präsenz war allgegenwärtig, von den prunkvollen Toren Babylons bis zu den intimen Gebeten der Gläubigen. Doch hinter dieser allmächtigen Göttin stand ein Kreis von Wesen, die ihr dienten, ihre Befehle ausführten und ihre Macht manifestierten: Ištars göttliche Dienerinnen. Wer waren diese geheimnisvollen Gestalten, und welche Rolle spielten sie im komplexen Gefüge des mesopotamischen Pantheons?
Dieser Artikel beleuchtet die vielschichtige Persönlichkeit Ištars, ihre Ursprünge, ihre Symbole und die Kultpraktiken, die sie umgaben. Besonderes Augenmerk legen wir dabei auf die Identität und mögliche Funktion ihrer Dienerinnen, die – obwohl oft im Schatten der großen Göttin – ein faszinierender Aspekt ihrer göttlichen Macht und ihres Hofstaates waren. Bereiten Sie sich auf eine Reise in eine Zeit vor, in der Götter und Menschen in einer untrennbaren Beziehung zueinanderstanden und das Schicksal der Welt in den Händen mächtiger, oft paradoxer Gottheiten lag.

- Die Göttin Ištar: Eine Einführung in ihre Vielschichtigkeit
- Attribute und Symbole: Die Sprache der Göttin
- Ištars Einfluss auf Babylon und Assyrien
- Die göttlichen Dienerinnen von Ištar: Wer waren sie?
- Ištarhymnen und ihre Botschaft
- Mythen und Epen: Ištars Rolle in der Erzählung
- Ištar jenseits Mesopotamiens: Beinamen, Gleichsetzungen und moderne Rezeption
- Ištars Duale Natur: Eine vergleichende Übersicht
- Häufig gestellte Fragen (FAQs)
- Schlussfolgerung
Die Göttin Ištar: Eine Einführung in ihre Vielschichtigkeit
Ištar, der akkadische Name für die sumerische Inanna (dMÙŠ), war zweifellos eine der prominentesten und am schwierigsten zu fassenden Gottheiten des mesopotamischen Pantheons. Ihre Komplexität rührt daher, dass sie scheinbar gegensätzliche Eigenschaften in sich vereinte: Sie war die Göttin des (sexuellen) Begehrens und der Liebe, aber ebenso eine furchterregende Kriegsgöttin. Diese Dualität machte sie zu einem Paradox für die heutigen Forscher, doch für die Menschen des Alten Orients war sie schlichtweg allumfassend. Ihr Einfluss erstreckte sich über alle Aspekte des Lebens, von der persönlichen Leidenschaft bis hin zu den Schicksalen ganzer Königreiche.
Ištar wurde oft als Tochter des Mondgottes Sin und Schwester des Sonnengottes Šamaš verehrt, was ihr einen festen Platz im himmlischen Gefüge sicherte. Ihr wurde der Planet Venus zugeordnet, der sowohl als Morgen- als auch als Abendstern am Himmel leuchtet – eine weitere Metapher für ihre ambivalente Natur, die Licht und Dunkelheit, Anfang und Ende in sich vereint. Ihre Verehrung war nicht auf eine einzelne Stadt beschränkt; sie war die wichtigste babylonische Göttin, fand aber auch in Assyrien unter dem Namen Ištar-Aššuritu eine herausragende Stellung und galt dort sogar als Gründerin von Ninive und Gattin des Nationalgottes Aššur. Dies unterstreicht ihre überregionale Bedeutung und ihre Anpassungsfähigkeit an verschiedene lokale Traditionen.
Attribute und Symbole: Die Sprache der Göttin
Die Macht und die verschiedenen Aspekte Ištars wurden durch eine Reihe von kraftvollen Symbolen und ikonografischen Darstellungen vermittelt. Ihr bekanntestes Symbol ist der achtzackige Stern, der ihre himmlische Natur und ihre Verbindung zum Planeten Venus repräsentiert. Dieses Sternsymbol war nicht nur in Tempeln und auf Kultgegenständen präsent, sondern schmückte auch königliche Monumente und persönliche Amulette, was die Allgegenwart der Göttin im Leben der Menschen verdeutlichte.
Ein weiteres, vielleicht das prominenteste Symboltier Ištars, ist der Löwe. Die Löwin (akkadisch: labbatu) war ein Epitheton der Göttin selbst, was ihre wilde, furchtlose und königliche Natur unterstreicht. In vielen Darstellungen ist Ištar auf einem Löwen stehend abgebildet, was ihre Überlegenheit und ihre Fähigkeit, die wildesten Kräfte zu beherrschen, symbolisiert. Das Löwenmotiv ist besonders eindrucksvoll am Ištar-Tor in Babylon zu sehen, wo Dutzende von Löwenreliefs die Prozessionsstraße säumten und die Macht der Göttin dem Betrachter vor Augen führten. Es wird angenommen, dass diese Löwen nicht nur als Symbole dienten, sondern auch als Schutzgeister, die die Stadt und ihre Bewohner unter Ištars Obhut stellten.
Neben dem Löwen wird auch der Schakal mit Ištar assoziiert, was durch eine Hymne belegt ist, die sie als „Ein Schakal auf Lämmerjagd bist du!“ beschreibt. Dieses Attribut mag ihre unvorhersehbare, vielleicht auch ihre zerstörerische oder hinterhältige Seite andeuten, eine Eigenschaft, die im Kontext einer Kriegsgöttin durchaus Sinn ergibt. In ihrer Ikonografie als Kriegsgöttin wird Ištar oft bärtig dargestellt, mit einem Sichelschwert in der Hand, was ihre männliche, aggressive Seite betont. Als Göttin des sexuellen Begehrens hingegen wird sie in Darstellungen gezeigt, wie sie ihr Gewand hochhält (die „seilspringende Göttin“) oder ihre Brüste mit den Händen umfasst, was ihre sinnliche und fruchtbare Natur hervorhebt. Ein unfertiges neubabylonisches Kalksteinrelief zeigt sie auf einem Löwen, mit Sichelschwert, Ring und Stab als Königssymbolen und einer hohen zylindrischen Mütze – eine vollständige Darstellung ihrer komplexen Identität.
Ištars Einfluss auf Babylon und Assyrien
Die Verehrung Ištars war tief in der Gesellschaft Mesopotamiens verwurzelt und prägte das religiöse, soziale und politische Leben. In Babylon war sie die unangefochtene Hauptgöttin, und ihre Tempel, oft als Zikkurats bekannt, waren nicht nur religiöse Zentren, sondern auch soziale Knotenpunkte. Der Eanna-Tempel in Uruk, der ihr gewidmet war, war ein herausragendes Beispiel für die architektonische Pracht und die zentrale Rolle ihrer Kultstätten.
Das wohl berühmteste Zeugnis ihrer Verehrung ist das Ištar-Tor in den Mauern von Babylon, dessen beeindruckende Rekonstruktion heute im Pergamonmuseum in Berlin zu bewundern ist. Dieses Tor war Teil der prächtigen Prozessionsstraße, deren Wände auf jeder Seite mit 60 Löwen, den Symboltieren Ištars, verziert waren. Die Prozessionsstraße und das Tor waren Schauplatz der jährlichen Neujahrsfeste, dem Akitu-Fest, bei dem die Götterstatuen in feierlichen Umzügen durch die Stadt getragen wurden. Ištar spielte hier eine zentrale Rolle, da ihre Präsenz die Fruchtbarkeit des Landes und das Wohlergehen des Königreiches sichern sollte.
Auch in Assyrien genoss Ištar, hier oft als Ištar-Aššuritu bekannt, höchste Verehrung. Sie galt als eine der wichtigsten Göttinnen und hatte bereits in altassyrischer Zeit einen bedeutenden Tempel in Aššur. Ihre Rolle als Kriegsgöttin war in Assyrien, einer kriegerischen Nation, besonders ausgeprägt. Sie wurde als Gründerin von Ninive angesehen und war die Gattin von Aššur, dem Hauptgott des assyrischen Pantheons. Diese Verbindungen unterstreichen ihre immense Bedeutung für die Identität und Macht des assyrischen Reiches.
Die göttlichen Dienerinnen von Ištar: Wer waren sie?
Die Allmacht einer Gottheit spiegelte sich im Alten Orient oft in der Größe und Vielfalt ihres göttlichen Hofstaates wider. Für Ištar, die Göttin der Götter und Herrin aller Häuser, war dies nicht anders. Die uns vorliegenden Texte nennen spezifische Namen von Wesen, die als ihre „göttlichen Dienerinnen“ oder „letzten Dienerinnen“ fungierten. Ihre göttlichen Dienerinnen waren Ninatta, Kulitta, Sintal-irti und [H]amrazunna. Ihre „letzten“ Dienerinnen waren Ali, Halzari, Taruwi und Šinanda-dukarni. Obwohl die Quellen keine detaillierten Beschreibungen ihrer individuellen Rollen oder spezifischen Taten liefern, lässt allein ihre Nennung auf eine geordnete Hierarchie und einen festen Kreis von Assistentinnen um die mächtige Göttin schließen.
In den Kulturen Mesopotamiens hatten göttliche Diener und Dienerinnen oft vielfältige Funktionen. Sie konnten Boten der Götter sein, ihre Befehle ausführen, in Ritualen assistieren, die göttliche Ordnung aufrechterhalten oder sogar bestimmte Aspekte der Hauptgottheit personifizieren. Es ist plausibel anzunehmen, dass Ištars Dienerinnen ähnliche Aufgaben erfüllten. Angesichts Ištars dualer Natur als Göttin der Liebe und des Krieges könnten ihre Dienerinnen spezialisierte Rollen gehabt haben: Einige könnten mit ihrer Rolle als Göttin der Fruchtbarkeit und des Begehrens in Verbindung gestanden haben, vielleicht als Hüterinnen heiliger Riten oder als Vermittlerinnen von Leidenschaft. Andere könnten Ištar in ihren kriegerischen Unternehmungen unterstützt haben, indem sie etwa als himmlische Kriegerinnen oder als Trägerinnen ihrer Waffen fungierten.
Die Unterscheidung zwischen „göttlichen Dienerinnen“ und „letzten Dienerinnen“ könnte auf unterschiedliche Ränge oder Verantwortlichkeiten innerhalb Ištars himmlischem Gefolge hindeuten. Die „letzten“ Dienerinnen könnten vielleicht diejenigen gewesen sein, die in direkterem Kontakt mit der irdischen Sphäre standen oder spezifische, vielleicht weniger sakrale, aber dennoch wichtige Aufgaben erfüllten. Die bloße Existenz dieser benannten Dienerinnen unterstreicht die Komplexität des babylonischen Pantheons und die Vorstellung von einem umfassenden göttlichen Hofstaat, der die Allmacht der Hauptgottheit widerspiegelte. Sie waren stille Zeugen und aktive Teilnehmer am Wirken einer der größten Göttinnen der Antike, auch wenn ihre individuellen Geschichten im Laufe der Jahrtausende in Vergessenheit gerieten.
Ištarhymnen und ihre Botschaft
Ein tiefes Verständnis für Ištar und ihre Bedeutung lässt sich aus den zahlreichen Hymnen und Gebeten gewinnen, die ihr gewidmet waren. Diese Texte sind nicht nur Zeugnisse religiöser Verehrung, sondern auch reiche Quellen für theologische Konzepte und die Charakterisierung der Göttin. Der Ištarhymnus Šu-illa, bekannt durch eine neubabylonische Version aus Uruk, bietet einen umfassenden Einblick in ihre Attribute und die Erwartungen der Gläubigen. Dieser Hymnus beschreibt Ištar als die „Göttin aller Göttinnen“, die „Herrin aller Häuser“ und die „Führerin des Menschengeschlechts“. Sie wird als größer und mächtiger als alle anderen Götter beschrieben, deren Wort und Name stark sind. Als himmlische Tochter des Sin erleuchtet sie Himmel und Erde und wurde von Anu, Enlil und Ea mit großer Macht ausgestattet.
Die Hymnen betonen ihre Rolle als Kriegsgöttin: Sie trägt Waffen, ordnet die Schlachtordnung und ist der „Stern des Schlachtrufs“, fähig, Bruder gegen Bruder und Freund gegen Freund zu kehren. Gleichzeitig wird ihre Weisheit und ihre Rolle als „klügste unter den großen Göttern“ (igigu) hervorgehoben. Doch Ištar ist nicht nur eine Gottheit der Zerstörung; sie ist auch eine Quelle der Gnade und Gerechtigkeit. Sie entscheidet mit Gerechtigkeit, sieht mit Gnade auf die Unterdrückten und Misshandelten und lässt ihnen Gerechtigkeit widerfahren. Ihre Gnade kann den Sterbenden genesen lassen, den Kranken wieder aufstehen und dem ungerecht Behandelten Wohlstand bringen. Sie ist die „leuchtende Fackel des Himmels und der Erde“, das „Licht aller Behausungen“ und das „Feuer, das gegen den Feind strahlt“.
Eine weitere Keilschrifttafel aus Bogazköy beschreibt anschaulich die Auswirkungen von Ištars Gnade oder Ungnade auf einen Haushalt. Wenn Ištar gnädig ist, verrichten die Bewohner ihre Arbeit unter Lachen, sorgen mit Freude für ihr Haus, die jungen Gattinnen leben in Eintracht und weben unermüdlich, und die Söhne pflügen Morgen um Morgen das Feld in Eintracht. Im Gegensatz dazu, wenn Ištar nicht gnädig ist, wird die Hausarbeit mit Stöhnen und Leiden erledigt, die jungen Bräute streiten sich und ziehen sich an den Haaren, und die Brüder sind verfeindet – ein eindringliches Bild der gesellschaftlichen Harmonie, die von der Gunst der Göttin abhing.

Mythen und Epen: Ištars Rolle in der Erzählung
Ištars komplexer Charakter spiegelt sich auch in den großen Mythen und Epen Mesopotamiens wider, in denen sie oft eine zentrale, wenn auch manchmal problematische Rolle spielt. Ihre Fähigkeit, sich durchzusetzen, wo andere Götter scheiterten, oft unter Einsatz ihrer Sexualität, ist ein wiederkehrendes Thema. Doch selbst eine Gottheit von Ištars Statur hatte ihre Grenzen.
Einer der bekanntesten Mythen ist Ištars Fahrt in die Unterwelt, die auf das sumerische Epos von Inannas Gang in die Unterwelt zurückgeht. In dieser Erzählung steigt Ištar in das Reich ihrer Schwester Ereškigal, der Herrin der Unterwelt, hinab. Auf ihrem Weg muss sie an jedem der sieben Tore ein Kleidungsstück oder Schmuckstück ablegen, bis sie nackt und hilflos vor ihrer Schwester steht. Diese Geschichte symbolisiert den Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt und Ištars Macht über diese Zyklen, auch wenn sie selbst die Gesetze der Unterwelt nicht vollständig umgehen kann.
Im berühmten Gilgamesch-Epos tritt Ištar als eine mächtige, aber auch impulsive und rachsüchtige Figur auf. Nachdem der Held Gilgamesch ihre Annäherungsversuche zurückweist und sie beleidigt, entfesselt Ištar den Himmelsstier, um Zerstörung über Uruk zu bringen. Dies zeigt ihre Fähigkeit, sowohl schöpferische als auch zerstörerische Kräfte zu entfesseln, und ihre Unfähigkeit, mit Zurückweisung umzugehen. Ein weiteres Beispiel für ihre Grenzen ist ihr Versagen gegen den Steindämon Ullikummi, der weder sehen noch hören kann und daher von Ištars Verführungskünsten unbeeindruckt bleibt. Diese Mythen zeigen Ištar als eine Gottheit von immenser Macht, aber auch als eine, die menschliche Schwächen wie Stolz und Rachsucht aufweisen kann.
Ištar jenseits Mesopotamiens: Beinamen, Gleichsetzungen und moderne Rezeption
Ištars Einfluss reichte weit über die geografischen Grenzen Babyloniens und Assyriens hinaus und manifestierte sich in verschiedenen Kulturen unter unterschiedlichen Namen. Sie wurde oft mit der sumerischen Inanna gleichgesetzt, was ihre tiefe historische Verwurzelung in der mesopotamischen Religion zeigt. Auch die hurritische Göttin Šauška und die hethitische Pinikir weisen starke Parallelen zu Ištar auf, was auf einen regen kulturellen Austausch und eine gemeinsame religiöse Vorstellungswelt im Alten Orient hindeutet. Interessanterweise gibt es sogar Vergleiche mit der Yoruba-Göttin Moremi, was die universellen archetypischen Muster von Göttinnen der Liebe und des Krieges unterstreicht.
Ištars Bedeutung ist nicht in der Antike verblasst; sie hat auch in der modernen Kultur vielfältige Rezeption gefunden. In der Literatur griffen Autoren wie Wiktor Pelewin in „Generation P“ und Abraham Merritt in „The Ship of Ishtar“ den Ištar-Mythos auf. Neil Gaimans Comicreihe „The Sandman – Brief Lives“ stellt Ištar (sowie Astarte und Belili) als eine Gottheit dar, die aufgrund mangelnder Verehrung in einem Stripclub arbeitet, um „selbst ein wenig Verehrung [ist] besser als gar nichts“ zu erhalten – eine moderne Reflexion über die Abhängigkeit der Götter von menschlichem Glauben.
Auch im Film fand Ištar Eingang: Der Horrorfilm „Blood Feast“ (1963) und seine Fortsetzung „Blood Feast 2“ (2002) zeigen einen ägyptischen Caterer, der junge Frauen für ein Festmahl tötet, um Ištar wiederzuerwecken. Der Film „Ishtar“ von 1987, obwohl kommerziell erfolglos, zeugt ebenfalls von ihrer fortwährenden Präsenz im kollektiven Bewusstsein. In der bildenden Kunst widmete die feministische Künstlerin Judy Chicago ihr in der Arbeit „The Dinner Party“ eines der 39 Gedecke am Tisch, um Ištars Rolle in der Geschichte der Frauen hervorzuheben. Sogar in der Musik, etwa im Lied „Unveiled“ der Metalband Otep, wird Ištar angerufen, was ihre Motive von Krieg und Sexualität in einem religiösen und feministischen Kontext aufgreift. Selbst der Planet Venus ehrt sie: Einer seiner kleineren Kontinente trägt den Namen Ištar Terra.
Ištars Duale Natur: Eine vergleichende Übersicht
Um die komplexen Facetten von Ištar besser zu verstehen, ist es hilfreich, ihre scheinbar gegensätzlichen Aspekte nebeneinander zu betrachten. Diese Dualität machte sie zu einer der dynamischsten und faszinierendsten Gottheiten.
| Aspekt der Ištar | Beschreibung |
|---|---|
| Göttin der Liebe und des Begehrens | Verbunden mit sexueller Freiheit, Sinnlichkeit und Fruchtbarkeit. Sie war die Schutzpatronin von Frauen und Fortpflanzung. Ihre Verehrung umfasste Rituale, die die Leidenschaft und das Gedeihen des Lebens förderten. |
| Göttin des Krieges und der Schlacht | Eine furchtlose Kämpferin, die Armeen anführte und über Schlachtordnungen wachte. Sie war verbunden mit Zorn, Zerstörung und Gewalt, und ihre Anwesenheit konnte über Sieg oder Niederlage entscheiden. |
| Himmelsgöttin (Morgen- und Abendstern) | Assoziiert mit dem Planeten Venus, dem hellsten Gestirn am Himmel. Sie war die „leuchtende Fackel des Himmels und der Erde“, die Orientierung und Licht spendete. |
| Heilgöttin und Bringerin der Gerechtigkeit | Ihre Gnade konnte Krankheiten heilen und den Sterbenden wiederbeleben. Sie sah mit Milde auf Unterdrückte und Misshandelte und sorgte für Gerechtigkeit und Wohlstand. |
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Wer war Ištar?
Ištar war eine der wichtigsten und vielschichtigsten Gottheiten im antiken Mesopotamien, bekannt unter ihrem akkadischen Namen und als Inanna in Sumer. Sie wurde als Göttin des (sexuellen) Begehrens und der Liebe, aber auch als mächtige Kriegsgöttin verehrt. Ihr wurden der Planet Venus und zahlreiche Tempelbauten zugeschrieben, darunter das berühmte Ištar-Tor in Babylon. Sie war Tochter des Mondgottes Sin und Schwester des Sonnengottes Šamaš.
Was waren Ištars Hauptattribute und Symbole?
Ištars Hauptattribute waren der achtzackige Stern, der ihre himmlische Natur und Verbindung zur Venus symbolisierte, und der Löwe, der ihre Stärke und königliche Macht darstellte. Sie wurde oft auf einem Löwen stehend abgebildet. Als Kriegsgöttin konnte sie bärtig mit einem Sichelschwert dargestellt werden, während sie als Göttin der Liebe ihr Gewand hochhielt oder ihre Brüste umfasste. Auch der Schakal war ein mit ihr assoziiertes Tier.
Welche Rolle spielten Ištars göttliche Dienerinnen?
Ištars göttliche Dienerinnen – Ninatta, Kulitta, Sintal-irti, [H]amrazunna sowie ihre „letzten“ Dienerinnen Ali, Halzari, Taruwi und Šinanda-dukarni – bildeten ihren himmlischen Hofstaat. Obwohl ihre spezifischen Aufgaben in den erhaltenen Texten nicht detailliert beschrieben sind, ist es wahrscheinlich, dass sie Ištar in ihren vielfältigen Rollen assistierten. Sie könnten als Boten, Kultassistentinnen oder als Personifikationen bestimmter Aspekte ihrer Macht gedient haben, sei es in Bezug auf Liebe und Fruchtbarkeit oder in ihren kriegerischen Unternehmungen. Ihre Existenz unterstreicht Ištars Status als mächtige und hochrangige Gottheit.
Wo wurde Ištar verehrt?
Ištar wurde in weiten Teilen Mesopotamiens verehrt. Sie war die wichtigste Göttin in Babylon und hatte dort prächtige Tempel und Monumente wie das Ištar-Tor. Auch in Assyrien war sie als Ištar-Aššuritu eine zentrale Figur, galt als Gründerin von Ninive und besaß wichtige Tempel in Aššur. Ihre Verehrung erstreckte sich auch auf andere Städte und Regionen, was ihre überregionale Bedeutung belegt.
Warum wird Ištar als paradoxe Gottheit betrachtet?
Ištar wird als paradox betrachtet, weil sie scheinbar gegensätzliche Eigenschaften in sich vereinte: Sie war gleichzeitig die Göttin der sinnlichen Liebe, des Begehrens und der Fruchtbarkeit, aber auch eine furchterregende Kriegsgöttin, die für Zerstörung und Gewalt stand. Diese Fähigkeit, extreme Gegensätze zu verkörpern, machte sie zu einer vielschichtigen und oft unberechenbaren Figur in der Mythologie und in den Augen ihrer Verehrer.
Schlussfolgerung
Ištar bleibt eine der faszinierendsten und komplexesten Figuren der antiken Mythologie. Ihre Fähigkeit, Liebe und Krieg, Leben und Tod, Schöpfung und Zerstörung in sich zu vereinen, machte sie zu einer Gottheit, die das menschliche Dasein in all seinen Facetten widerspiegelte. Von den prächtigen Toren Babylons bis zu den intimen Gebeten der Gläubigen, von den epischen Mythen bis zur modernen Rezeption in Kunst und Literatur – Ištars Einfluss ist unbestreitbar und zeitlos. Ihre göttlichen Dienerinnen, obwohl im Detail unbekannt, sind ein Zeugnis ihrer immensen Macht und der Komplexität ihres himmlischen Hofstaates. Sie erinnern uns daran, dass selbst die mächtigsten Gottheiten von einem Gefolge umgeben waren, das ihre Autorität untermauerte und ihre Präsenz in der Welt manifestierte. Ištar, die Königin des Himmels und der Erde, die Kriegerin und Liebende, wird uns weiterhin in ihren Bann ziehen und zum Nachdenken über die tiefen Mysterien des Glaubens und der menschlichen Natur anregen.
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