Wie wird die Himmelfahrt dargestellt?

Christi Himmelfahrt: Zwischen Himmel & Erde

13/06/2024

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„Hier ist der Himmel auf Erden“, sagen wir in Momenten, in denen es uns rundum gut geht. Diese Redewendung fängt eine tiefe Sehnsucht ein, die in uns allen schlummert: die Sehnsucht nach einem Zustand vollkommenen Glücks, Friedens und Einklangs. Doch was ist der Himmel wirklich? Ist er die unendlich blauen Weiten über uns, oder sind es die scheinbar zeitlosen Sekunden, in denen wir uns glücklich und mit allem verbunden fühlen? Wenn wir Christi Himmelfahrt feiern, erinnern wir uns an einen ganz besonderen Moment, der diese Fragen auf einzigartige Weise beantwortet: den Abschied Jesu von seinen Jüngern 40 Tage nach seiner Auferstehung. Er kehrt zurück zu Gott, seinem Vater, in eine Dimension, die wir als Himmel bezeichnen. Seit dieser Zeit ist für Christen der Himmel dort, wo Jesus Christus ist. Sie leben gewissermaßen „zwischen Himmel und Erde“, mit dem Blick auf das Himmlische gerichtet, aber fest verwurzelt im Irdischen. Und doch: Die Frage an die Jünger, „Was steht ihr da und schaut in den Himmel?“, gilt auch uns. Sie ist eine Aufforderung, den Blick nicht nur nach oben zu richten, sondern das Himmlische auch im Hier und Jetzt, in unserer Gegenwart, zu erfahren. Wir können etwas vom Himmel erfahren: in dem Glanz auf den Gesichtern unserer Mitmenschen, in Momenten der Freude und der Liebe, in denen wir eins sind mit Gott und Menschen.

Was wird an Christi Himmelfahrt gefeiert?
An Christi Himmelfahrt wird die Anwesenheit und Macht Jesu Christi an allen Orten und zu jeder Zeit betont. Deshalb wird der Kirchenraum vielerorts verlassen und mit Gottesdiensten im Freien und auf Bergen sinnenfällig gefeiert, dass Jesus Christus den Menschen verheißen hat: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

Die biblische Erzählung: Jesu Himmelfahrt in der Apostelgeschichte

Das Kernstück unseres Verständnisses von Christi Himmelfahrt finden wir in der biblischen Schrift, genauer gesagt in der Apostelgeschichte, die vom Evangelisten Lukas verfasst wurde. Lukas beginnt sein zweites Werk, die Apostelgeschichte, mit einer Zusammenfassung dessen, was Jesus von Anfang an tat und lehrte, bis zu dem Tag, an dem er „aufgenommen wurde“. Dies ist keine zufällige Formulierung, sondern eine präzise theologische Aussage über das Ende von Jesu irdischem Wirken und den Beginn einer neuen Phase in der Heilsgeschichte.

Die Passage (Apostelgeschichte 1, 1-14) schildert detailliert die letzten Begegnungen Jesu mit seinen Jüngern nach seiner Auferstehung. Vierzig Tage lang zeigte er sich ihnen als der Lebendige, durch „viele Beweise“. Diese Zeitspanne von vierzig Tagen ist von großer symbolischer Bedeutung. Sie erinnert an andere biblische Perioden der Vorbereitung und Offenbarung, wie die 40 Tage, die Mose auf dem Berg Sinai verbrachte, oder die 40 Jahre der Wüstenwanderung Israels. Für die Jünger war es eine Zeit der intensiven Lehre über das Reich Gottes, der Festigung ihres Glaubens und der Vorbereitung auf ihre zukünftige Mission. Es war eine Übergangsphase, in der die Jünger die Realität der Auferstehung vollständig erfassen und sich auf die physische Abwesenheit ihres Herrn einstellen konnten.

Beim letzten gemeinsamen Mahl befahl Jesus den Jüngern, Jerusalem nicht zu verlassen. Sie sollten auf die „Verheißung des Vaters“ warten, die sie von ihm gehört hatten: die Taufe mit dem Heiligen Geist. Dies ist ein entscheidender Punkt, der die Himmelfahrt untrennbar mit dem Pfingstfest verbindet. Johannes hatte mit Wasser getauft, aber die Jünger sollten eine viel tiefere, geistliche Taufe empfangen, die ihnen Kraft und Vollmacht für ihre Aufgabe verleihen würde.

Die Jünger, noch immer stark von irdischen Vorstellungen geprägt, fragten Jesus, ob er zu dieser Zeit das Reich für Israel wiederaufrichten würde. Ihre Frage offenbart ihre Hoffnung auf ein politisches, irdisches Königreich. Doch Jesus lenkte ihren Blick weg von zeitlichen und politischen Erwartungen hin auf eine universelle, geistliche Mission: „Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.“ Dieser Vers ist der Missionsbefehl der Kirche, der die globale Ausdehnung des Evangeliums vorzeichnet.

Unmittelbar nach diesen Worten geschah das Wunder der Himmelfahrt. Jesus wurde vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen. Die Wolke ist in der Bibel oft ein Symbol für die Gegenwart Gottes, ein Zeichen seiner Herrlichkeit und Majestät, das gleichzeitig seine Unnahbarkeit und das Geheimnis seiner Wege andeutet. Es ist kein schlichtes Abheben, sondern ein Akt göttlicher Erhöhung und Aufnahme in die himmlische Sphäre.

Während die Jünger ihm noch nachsahen, erschienen zwei Männer in weißen Gewändern – traditionell als Engel interpretiert. Ihre Frage: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel?“ ist eine Aufforderung, die passive Erwartungshaltung aufzugeben und die anstehende Mission in Angriff zu nehmen. Gleichzeitig gaben sie eine entscheidende Verheißung: „Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.“ Dies ist die Zusage der Wiederkunft Christi, die den Christen bis heute Hoffnung gibt.

Nach diesem tiefgreifenden Erlebnis kehrten die Jünger vom Ölberg nach Jerusalem zurück. Dort versammelten sie sich im Obergemach und hielten einmütig fest am Gebet, zusammen mit den Frauen, Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern. Dies ist der Moment der Erwartung, der Einheit und der Vorbereitung auf das Kommen des Heiligen Geistes an Pfingsten.

Die theologische Bedeutung von Christi Himmelfahrt

Christi Himmelfahrt ist weit mehr als nur ein Abschied. Sie ist ein zentrales Dogma des christlichen Glaubens mit tiefgreifender theologischer Bedeutung:

  • Jesu Erhöhung und Herrschaft: Die Himmelfahrt markiert die Erhöhung Jesu zur Rechten Gottes. Er kehrt nicht nur nach Hause zurück, sondern tritt seine himmlische Herrschaft an. Er ist nun nicht nur der gekreuzigte und auferstandene Herr, sondern auch der regierende König über Himmel und Erde.
  • Abschluss der irdischen Mission: Mit der Himmelfahrt ist Jesu Erlösungswerk auf Erden vollendet. Er hat den Weg zur Versöhnung mit Gott geöffnet und die Sünde besiegt.
  • Der Wegbereiter für den Heiligen Geist: Jesus selbst hatte angekündigt, dass sein Weggang notwendig sei, damit der Tröster, der Heilige Geist, kommen könne (Johannes 16,7). Die Himmelfahrt ist somit die Voraussetzung für die Ausgießung des Geistes an Pfingsten, der die Jünger befähigen wird, ihre Mission zu erfüllen.
  • Die Präsenz Jesu im Himmel: Für Christen bedeutet die Himmelfahrt die Gewissheit, dass Jesus im Himmel ist und dort als Fürsprecher für sie eintritt. Der Himmel ist nicht mehr nur ein abstrakter Ort, sondern untrennbar mit der Person Jesu Christi verbunden. „Wo Jesus ist, da ist der Himmel.“
  • Der Auftrag an die Gemeinde: Die Himmelfahrt ist der Startschuss für die weltweite Mission der Kirche. Die Jünger sollen nicht passiv in den Himmel starren, sondern aktiv Zeugen sein. Die Autorität und Kraft dafür erhalten sie durch den Heiligen Geist.

Himmelfahrt im Kontext des Kirchenjahres: Eine Brücke der Heilsgeschichte

Christi Himmelfahrt ist kein isoliertes Ereignis, sondern ein entscheidendes Bindeglied im christlichen Kirchenjahr. Sie steht genau 40 Tage nach Ostern, dem Fest der Auferstehung, und 10 Tage vor Pfingsten, dem Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes. Diese chronologische Abfolge ist theologisch bedeutsam:

EreignisZeitpunktWesentliche BedeutungAuswirkung auf die Jünger / Christen
Ostern (Auferstehung)3 Tage nach KreuzigungSieg über Sünde und Tod, Beginn des neuen LebensHoffnung, Glaube an ewiges Leben, Jesus ist der Lebendige
Christi Himmelfahrt40 Tage nach AuferstehungJesu Rückkehr zum Vater, Erhöhung, Beginn seiner HerrschaftAuftrag zur Mission, Erwartung des Heiligen Geistes, Gewissheit der Präsenz Jesu im Himmel
Pfingsten10 Tage nach HimmelfahrtAusgießung des Heiligen Geistes, Geburt der KircheKraft zur Verkündigung, Gemeinschaft, Erfüllung der Verheißung

Diese drei Feste bilden eine Einheit, die den Höhepunkt der Erlösung durch Jesus Christus und den Beginn der Kirche als Wirkungsstätte des Heiligen Geistes darstellt. Die Himmelfahrt ist der Übergang von Jesu physischer Präsenz zu seiner geistlichen Präsenz durch den Heiligen Geist in der Welt.

Was wird an Christi Himmelfahrt gefeiert?
An Christi Himmelfahrt wird die Anwesenheit und Macht Jesu Christi an allen Orten und zu jeder Zeit betont. Deshalb wird der Kirchenraum vielerorts verlassen und mit Gottesdiensten im Freien und auf Bergen sinnenfällig gefeiert, dass Jesus Christus den Menschen verheißen hat: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

Häufig gestellte Fragen zu Christi Himmelfahrt

Wir haben einige der häufigsten Fragen rund um Christi Himmelfahrt gesammelt und beantwortet, um ein umfassendes Verständnis dieses wichtigen Feiertags zu ermöglichen.

Warum feiert man Himmelfahrt 40 Tage nach Ostern?
Die Zahl 40 hat in der Bibel eine symbolische Bedeutung für eine Zeit der Vorbereitung, Prüfung oder Vollendung. Die 40 Tage nach der Auferstehung gaben Jesus Zeit, seinen Jüngern letzte Belehrungen über das Reich Gottes zu geben und sie auf die kommende Zeit ohne seine physische Anwesenheit vorzubereiten. Es war eine Phase des Übergangs, die das Verständnis der Auferstehung festigte und die Erwartung des Heiligen Geistes aufbaute.

Was bedeutet die Wolke bei der Himmelfahrt?
Die Wolke ist ein wiederkehrendes Motiv in der Bibel, das oft die sichtbare Manifestation der Herrlichkeit Gottes (Schechina) oder seine Gegenwart darstellt. Bei der Himmelfahrt symbolisiert die Wolke nicht nur, dass Jesus aus der menschlichen Sicht verschwindet, sondern auch, dass er in die göttliche Sphäre, in Gottes Herrlichkeit, aufgenommen wird. Sie ist ein Zeichen der göttlichen Intervention und der Majestät des Ereignisses.

Was ist der Unterschied zwischen Jesu Himmelfahrt und der Auferstehung?
Die Auferstehung ist Jesu Sieg über den Tod, seine Rückkehr ins Leben in einem verherrlichten Leib. Sie ist die Grundlage des christlichen Glaubens. Die Himmelfahrt hingegen ist Jesu Rückkehr zu Gott dem Vater, seine Erhöhung zur Rechten Gottes und der Beginn seiner himmlischen Herrschaft. Sie markiert das Ende seiner irdischen Mission und den Beginn seiner Rolle als himmlischer Fürsprecher und Herrscher.

Warum ist Himmelfahrt wichtig für Christen heute?
Christi Himmelfahrt ist aus mehreren Gründen von großer Bedeutung für heutige Christen. Sie gibt die Gewissheit, dass Jesus lebt und regiert, dass er im Himmel ist und für seine Nachfolger eintritt. Sie erinnert an den Auftrag, Zeugen seines Reiches zu sein „bis an das Ende der Erde“. Und sie zeigt, dass Jesu Abwesenheit physisch ist, aber seine Präsenz durch den Heiligen Geist fortbesteht. Sie ist ein Fest der Hoffnung auf seine Wiederkunft und der Ermutigung, im Glauben aktiv zu sein.

Wie können wir „Himmel auf Erden“ erfahren?
Die biblische Frage „Was steht ihr da und schaut in den Himmel?“ ist eine Aufforderung zum Handeln. „Himmel auf Erden“ zu erfahren bedeutet, Gottes Gegenwart und sein Reich nicht nur in der Ferne zu suchen, sondern im Hier und Jetzt. Es geschieht in Momenten der Liebe und des Dienstes an anderen, in der Freude an der Schöpfung, in der Gemeinschaft mit Mitchristen und im persönlichen Gebet. Es ist die Erkenntnis, dass Gottes Geist in uns wirkt und uns befähigt, seine Liebe und seinen Frieden in die Welt zu tragen. Wenn wir in den Gesichtern unserer Mitmenschen den Glanz der Liebe sehen, in Momenten der Freude und des Einsseins mit Gott und der Welt, dann erfahren wir einen Vorgeschmack dessen, was der Himmel bedeutet.

Die fortwährende Bedeutung von Christi Himmelfahrt

Die Feier der Christi Himmelfahrt lädt uns ein, über das Sichtbare hinauszuschauen und das Unsichtbare zu erkennen. Sie erinnert uns daran, dass unser Glaube nicht nur in der Vergangenheit wurzelt, sondern in einer lebendigen Realität, die unser Heute und unser Morgen prägt. Jesu Himmelfahrt ist kein Ende, sondern ein Anfang – der Anfang der Zeit der Kirche, die durch den Heiligen Geist bevollmächtigt ist, seine Botschaft in die Welt zu tragen. Es ist die Gewissheit, dass Jesus nicht nur gegangen ist, sondern „so wiederkommen wird, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.“ Diese Verheißung gibt uns Hoffnung für die Zukunft und die Motivation, im Hier und Jetzt als seine Zeugen zu leben.

Die Himmelfahrt ist somit eine ständige Erinnerung daran, dass unser Leben einen höheren Zweck hat. Wir sind aufgerufen, nicht nur auf den Himmel zu warten, sondern ihn durch unsere Taten, unsere Liebe und unseren Glauben bereits auf Erden sichtbar werden zu lassen. In jedem Akt der Freundlichkeit, jeder Geste des Mitgefühls und jedem Moment der Einheit mit Gott und unseren Mitmenschen erleben wir einen Funken des Himmels, der uns daran erinnert, dass wir „zwischen Himmel und Erde“ leben, mit einer himmlischen Bestimmung und einer irdischen Verantwortung.

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