Was muss ich beachten wenn ich beten?

Eltern und unerhörte Gebete: Teilen & Verstehen

17/06/2024

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Ein unerhörtes Gebet kann eine der größten Herausforderungen im Glaubensleben eines Menschen sein, und für Eltern ist diese Erfahrung oft noch komplexer. Wie erklärt man einem Kind, dass ein inniger Wunsch, für den gebetet wurde, nicht in Erfüllung gegangen ist? Wie bewahrt man den eigenen Glauben und den der Kinder, wenn die Antworten Gottes nicht unseren Erwartungen entsprechen? Dieser Artikel beleuchtet, wie Eltern ihre Erfahrungen mit unerhörten Gebeten teilen, damit umgehen und dabei eine tiefere Verbindung zu ihrem Glauben und ihren Kindern aufbauen können.

Was ist ein Gebet in der Kirche?
Die Glocken rufen zum Gebet in der Kirche. Hunderte, oft Tausende junger Menschen aus der ganzen Welt beten und singen mit den Brüdern der Communauté. Mit Gesängen beten ist eine wesentliche Form der Suche nach Gott. Kurze, stets wiederholte Gesänge schaffen eine Atmosphäre, in der man gesammelt beten kann.
Inhaltsverzeichnis

Die Last des unerhörten Gebets für Eltern

Eltern fühlen sich oft als Beschützer und Wegweiser für ihre Kinder. Wenn Kinder beten – sei es für die Genesung eines kranken Haustiers, den Erfolg bei einer Prüfung oder die Heilung eines geliebten Menschen – und das gewünschte Ergebnis ausbleibt, stehen Eltern vor einer schwierigen Aufgabe. Es ist nicht nur die eigene Enttäuschung, die sie verarbeiten müssen, sondern auch die des Kindes. Die Sorge, dass das Kind den Glauben an Gebet oder an Gott verlieren könnte, ist real. Manche Eltern neigen dazu, solche Themen zu vermeiden, um ihre Kinder vor Schmerz oder Zweifel zu bewahren. Doch gerade in diesen Momenten liegt eine Chance für tiefgreifendes Wachstum und authentische Glaubensbildung.

Die Gründe, warum Gebete unerhört bleiben, sind vielfältig und oft für den menschlichen Verstand nicht vollständig nachvollziehbar. Es geht nicht darum, Gott zu verstehen oder seine Wege zu erklären, sondern darum, wie wir als Menschen und besonders als Eltern mit dieser Realität umgehen. Es erfordert Mut, Ehrlichkeit und eine Bereitschaft, Verwundbarkeit zu zeigen.

Offenheit als Grundstein: Mit Kindern über unerhörte Gebete sprechen

Der erste und wichtigste Schritt ist, offen und ehrlich mit den Kindern zu kommunizieren. Dies bedeutet nicht, alle Antworten zu haben, sondern vielmehr, den Prozess des Suchens und des Vertrauens zu teilen. Die Art und Weise, wie man spricht, hängt natürlich stark vom Alter des Kindes ab.

Altersgerechte Kommunikation: Ein Leitfaden

  • Vorschulkinder (3-6 Jahre): Für sehr kleine Kinder ist das Konzept von "unerhörten Gebeten" schwer zu fassen. Hier geht es mehr darum, zu validieren, dass es in Ordnung ist, traurig oder enttäuscht zu sein. Man kann erklären, dass Gott manchmal andere Pläne hat, aber uns trotzdem liebt. Fokus auf Gottes Liebe und Fürsorge, auch wenn Dinge nicht so laufen, wie wir es uns wünschen. Einfache Metaphern können helfen, z.B. dass ein Arzt manchmal bittere Medizin gibt, weil sie gut ist, auch wenn sie nicht schmeckt.
  • Grundschulkinder (7-12 Jahre): Kinder in diesem Alter können bereits komplexere Gedanken verstehen. Man kann erklären, dass Gebet nicht wie ein Wunschbrunnen ist, bei dem jeder Wunsch sofort erfüllt wird. Betonen Sie, dass Gebet eine Kommunikation mit Gott ist und dass Gott uns immer hört, aber seine Antworten "Ja", "Nein" oder "Warte" sein können. Ermutigen Sie sie, ihre Gefühle auszudrücken und Fragen zu stellen. Teilen Sie eigene Erfahrungen, wie Sie mit Enttäuschungen umgehen.
  • Teenager (13+ Jahre): Jugendliche können tiefergehende theologische und existenzielle Fragen stellen. Hier ist es wichtig, Raum für Zweifel und Frustration zu geben. Eltern können ihre eigenen Unsicherheiten teilen und gemeinsam mit den Teenagern nach Antworten suchen, sei es in der Bibel, in der Gemeinschaft oder in Gesprächen mit Pastoren/Geistlichen. Diskutieren Sie, dass Gebet auch dazu dient, uns Gott näherzubringen und uns zu verändern, nicht nur um unsere Umstände zu ändern. Die Frage nach dem "Warum" kann hier besonders dominant sein; es ist wichtig, anzuerkennen, dass wir nicht immer alle Antworten haben.

Wichtige Botschaften, die Sie vermitteln sollten:

Gott hört immer zu: Auch wenn die Antwort nicht die gewünschte ist, bedeutet es nicht, dass Gott nicht zugehört hat oder sich nicht kümmert. Seine Liebe ist konstant.

Gottes Pläne sind größer: Manchmal verstehen wir im Moment nicht, warum etwas geschieht, aber im Nachhinein oder in der Ewigkeit wird der größere Plan Gottes sichtbar. Dies erfordert Vertrauen.

Gebet ist mehr als Wunschäußerung: Gebet ist Beziehung, Dankbarkeit, Anbetung, Fürbitte und das Suchen nach Gottes Willen. Es ist ein Weg, uns Gott anzunähern und uns von ihm formen zu lassen.

Es ist okay, traurig oder wütend zu sein: Validieren Sie die Gefühle Ihres Kindes. Es ist menschlich, enttäuscht zu sein. Ermutigen Sie sie, diese Gefühle vor Gott zu bringen.

Die Kraft der Gemeinschaft: Zeigen Sie, dass sie nicht allein sind. Die Familie und die Glaubensgemeinschaft können Unterstützung und Trost bieten.

Umgang mit eigenen Erfahrungen: Authentizität leben

Kinder lernen am meisten durch Beobachtung. Wenn Eltern ihre eigenen Erfahrungen mit unerhörten Gebeten teilen – nicht nur die Erfolge, sondern auch die Herausforderungen – vermitteln sie Authentizität. Erzählen Sie, wie Sie selbst mit Enttäuschungen umgegangen sind, wie Sie weiter gebetet haben oder wie Sie in schweren Zeiten Trost gefunden haben. Das zeigt Ihren Kindern, dass Glauben keine makellose Reise ist, sondern ein Prozess des Suchens, Zweifelns und Neu-Findens. Es geht darum, dass der Glaube stark genug ist, um auch die schwierigen Fragen auszuhalten.

Manchmal sind es die unerhörten Gebete, die uns am meisten lehren. Sie können uns dazu bringen, tiefer über Gottes Souveränität, seine Liebe und unseren eigenen Platz im Universum nachzudenken. Sie können uns lehren, unsere Wünsche loszulassen und uns Gottes Willen zu beugen, was oft schwer ist, aber zu einem tieferen Frieden führen kann.

Vergleichstabelle: Hilfreiche vs. Weniger hilfreiche Aussagen

Hilfreiche AussageWeniger hilfreiche Aussage
"Ich verstehe, dass du traurig bist. Es ist okay, diese Gefühle zu haben. Gott hört dir zu, auch wenn seine Antwort anders ist, als wir es uns gewünscht haben.""Du hast wohl nicht genug Glauben gehabt, sonst wäre dein Gebet erhört worden."
"Manchmal hat Gott einen anderen Plan für uns, den wir jetzt noch nicht verstehen können. Aber wir können darauf vertrauen, dass er uns liebt.""Gott hat dieses Gebet nicht erhört, weil es nicht gut für dich war." (Oft zu absolut und verunsichernd für Kinder)
"Wir können weiter beten und Gott bitten, uns zu zeigen, was wir aus dieser Situation lernen können oder wie wir damit umgehen sollen.""Hör auf, dich darüber aufzuregen. Gott weiß, was er tut."
"Auch ich habe schon Gebete gehabt, die nicht so erhört wurden, wie ich es mir vorgestellt habe. Es ist schwer, aber wir halten zusammen und vertrauen auf Gott.""Unerhörte Gebete gibt es nicht, nur andere Antworten." (Technisch korrekt, aber oft als abweisend empfunden)

Die Rolle der Glaubensgemeinschaft

Eltern müssen diese Reise nicht allein gehen. Die Glaubensgemeinschaft – sei es die Kirche, eine Gebetsgruppe oder andere gläubige Familien – kann eine unschätzbare Quelle der Unterstützung sein. Hier können Eltern ihre eigenen Zweifel teilen, von den Erfahrungen anderer lernen und gemeinsam Trost und Ermutigung finden. Es ist wichtig, einen sicheren Raum zu haben, in dem man offen über die Schwierigkeiten des Glaubens sprechen kann, ohne Angst vor Verurteilung. Die Gemeinschaft kann auch Modelle und Geschichten von Menschen bieten, die in ähnlichen Situationen ihren Glauben bewahrt oder sogar vertieft haben.

Manchmal hilft es auch, Geschichten aus der Bibel zu lesen, in denen Menschen gebetet haben und die Dinge nicht so liefen, wie sie es sich wünschten – denken Sie an Jesus in Gethsemane, der betete, dass der Kelch an ihm vorübergehen möge, oder an Paulus, der um die Entfernung seines "Dorns im Fleisch" bat. Diese Geschichten zeigen, dass selbst die größten Glaubenshelden mit unerhörten Gebeten konfrontiert waren und dennoch ihrem Gott vertrauten.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Was, wenn mein Kind den Glauben verliert, weil Gebete nicht erhört werden?

Es ist eine berechtigte Sorge. Der beste Weg, dem entgegenzuwirken, ist Ehrlichkeit und Authentizität. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Glauben nicht bedeutet, alle Antworten zu haben, sondern Vertrauen in Gott zu haben, auch wenn wir Dinge nicht verstehen. Ermutigen Sie offene Fragen und Zweifel. Manchmal ist das Ringen mit dem Glauben der Weg zu einem tieferen, persönlicheren Glauben, der nicht auf oberflächlichen Erwartungen basiert.

Sollten wir unseren Kindern sagen, dass Gott immer Gebete erhört?

Es ist präziser zu sagen, dass Gott immer zuhört und immer antwortet, aber seine Antworten können "Ja", "Nein" oder "Warte" sein. Eine unrealistische Erwartungshaltung kann zu großer Enttäuschung führen. Es ist besser, die Komplexität des Gebets und Gottes Souveränität altersgerecht zu vermitteln.

Wie erkläre ich, wenn es um etwas sehr Ernstes geht (z.B. eine schwere Krankheit oder den Tod)?

Dies sind die schwierigsten Situationen. Hier ist es entscheidend, die Trauer und den Schmerz des Kindes zu validieren. Sprechen Sie darüber, dass Gott in unserem Leid bei uns ist, auch wenn er es nicht wegnimmt. Betonen Sie die Hoffnung, die der Glaube bietet, sei es im Leben nach dem Tod oder in der Kraft, die wir durch Gottes Gegenwart inmitten des Leidens erhalten. Es ist in Ordnung, keine perfekten Erklärungen zu haben, aber es ist wichtig, präsent zu sein und zu zeigen, dass Gott auch in den dunkelsten Momenten nicht fern ist.

Wie können wir als Familie weiter beten, wenn wir enttäuscht sind?

Gerade in Zeiten der Enttäuschung ist es wichtig, nicht aufzuhören zu beten. Das Gebet kann sich in seiner Form ändern: Statt Bitten können es Klagen, Dank für das bisher Erfahrene oder einfach das Verweilen in Gottes Gegenwart sein. Gemeinschaftliches Gebet, das Teilen von Lasten und das gemeinsame Suchen nach Trost können sehr heilend wirken. Beten Sie auch für die Kraft, mit der Situation umzugehen und Gottes Willen zu erkennen.

Fazit: Wachstum durch Herausforderung

Die Erfahrung unerhörter Gebete ist eine unvermeidliche Facette des Glaubenslebens. Für Eltern bietet sie eine einzigartige Gelegenheit, nicht nur ihren Kindern etwas über Glauben und Vertrauen zu lehren, sondern auch ihren eigenen Glauben zu vertiefen. Es geht darum, eine Umgebung der Ehrlichkeit, des Mitgefühls und des offenen Dialogs zu schaffen. Indem Eltern ihre eigenen Erfahrungen teilen und ihren Kindern erlauben, ihre Fragen und Zweifel auszudrücken, können sie einen Glauben aufbauen, der widerstandsfähig ist und auch in schwierigen Zeiten Bestand hat. Letztendlich lehren unerhörte Gebete nicht die Abwesenheit Gottes, sondern die unendliche Tiefe seiner Wege und die Notwendigkeit, ihm auch dann zu vertrauen, wenn unser Verständnis begrenzt ist.

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