Wie heißt die Tochter von Ben Becker?

Todesduell im Berliner Dom: Glaube und Kunst

17/10/2022

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Im Herzen Berlins, inmitten der altehrwürdigen Mauern des imposanten Berliner Doms, entfaltet sich ein Schauspiel, das die Grenzen zwischen Theater, Predigt und Gottesdienst auf einzigartige Weise verschwimmen lässt. Es ist eine Inszenierung, die nicht nur die Sinne fesselt, sondern auch tief in die existenziellen Fragen des menschlichen Daseins eintaucht. Ein riesiges Stück Eisenbahnschiene, eingespannt in einen Schraubstock vor dem Altar, setzt einen ungewöhnlichen Akzent in diesem sakralen Raum, der für Ben Beckers Interpretation von John Donnes „Todesduell“ zur Bühne wird. Hier, wo normalerweise Gottesdienste stattfinden, entfaltet sich ein anderthalbstündiger Monolog, der das Publikum von der ersten Minute an in seinen Bann zieht und zu einer tiefgreifenden Auseinandersetzung mit Leben, Tod und Glauben einlädt.

Was ist die berühmteste Predigt der Welt?
„Todesduell“ ist die vielleicht berühmteste Predigt der Welt, gehalten von dem wortgewaltigen metaphysischen Dichter John Donne, im Beisein von König Charles I. im Jahr 1631. Es sind John Donnes letzte öffentlich gesprochene Worte vor seinem Tod und ewigen Verstummen.

Ben Becker, bekannt für seine intensive Präsenz und seine Fähigkeit, komplexe Charaktere zum Leben zu erwecken, schlüpft in die Rolle eines Geistlichen, der durch den Mittelgang schreitet und sich neben dem Schraubstock positioniert. Was folgt, ist weit mehr als nur eine Theateraufführung; es ist eine packende Predigt, ein Gottesdienst im wahrsten Sinne des Wortes, der Fürbitte, Klagelied, Gebet, Evangeliumspredigt, Gesang und Orgelklänge kunstvoll miteinander verwebt. Die prachtvollen Kuppeln des Doms, das Kerzenlicht und das leise Quietschen der Kirchenbänke schaffen eine Atmosphäre von Ehrfurcht und Intimität, die das Geschehen auf der Bühne noch verstärkt und dem Publikum ein unvergessliches Erlebnis beschert.

Inhaltsverzeichnis

Das "Todesduell": Eine Reise durch Leid und Hoffnung

Die Geschichte des Stücks „Todesduell“ ist im klassischen Sinne keine Handlung, sondern eine intensive Auseinandersetzung mit den letzten Dingen. Der erste Teil ist das Transkript einer Predigt, die der metaphysische Dichter John Donne kurz vor seinem Tod im Jahr 1631 in der St. Paul’s Kathedrale in London hielt – im Beisein des damaligen Königs Charles I. In dieser ergreifenden Rede lässt Donne sein Leben Revue passieren, eine Geschichte voller Leid, Verdammnis, Tod und Plagen. Doch inmitten dieser Dunkelheit leuchtet die unerschütterliche christliche Hoffnung auf den Himmel. Die zentrale Botschaft hallt durch den Raum: Die Welt mag ein Grab sein, doch in Gottes Haus gibt es Wohnungen für jene, die ihn bekennen.

Für Donne und seine Zeit, besonders im Angesicht des Königs, war eine weitere Botschaft von immenser Bedeutung: Vor Gott sind alle gleich. Ob König oder Bettler, alle zerfallen zu Staub. Diese oft vergessene Hoffnung des christlichen Glaubens nimmt bei Donne viel Raum ein. Sie erinnert daran, dass Reichtum und Macht auf Erden vergänglich sind und dass ewiges Leben allein in der Hand eines gnädigen Gottes liegt, nicht in jenen von Monarchen, Machthabern, Diktatoren oder Oligarchen. Es ist eine tiefgründige Erinnerung an die universelle Sterblichkeit und die tröstende Verheißung göttlicher Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.

Am Ende des ersten Teils erlischt die Kerze auf der Bühne, symbolisch für Donnes Todesstunde. Ben Becker schreitet im Totenkleid durch den Mittelgang hinaus, nur um in einem zweiten Teil des Stücks zurückzukehren. Nun spricht und spielt er eine Hommage des Literaturnobelpreisträgers Joseph Brodsky auf Donne, ein Gedicht, das einerseits die Schönheit der Welt in Worte fasst – eine schneebedeckte Nacht, die Ruhe des Schlafs über aller Welt. Doch dann folgt ein leises Weinen. Es ist Donnes Seele, die darüber klagt, dass die Welt fern von Gott ist, sich abgekehrt hat und dem Tode geweiht ist. Das Stück kulminiert, als Donne schließlich in den Himmel abtritt, einen Sternenhimmel, der den Berliner Dom am Schluss plötzlich in funkelnden Lichtern erstrahlen lässt – ein fürwahr rührendes und beeindruckendes Finale.

Ben Beckers "Großes Wagnis" und die Rolle der Kunst

Ben Becker selbst bezeichnete diese Inszenierung des „Todesduells“ als ein „großes Wagnis“. Er hat nicht nur die Hauptrolle gespielt, sondern auch Regie geführt. Seine Tochter Lilith Becker schickte er als Engel auf die Bühne, mal tanzend, mal Cello spielend, mal trauernd – eine berührende und ätherische Präsenz, die die spirituelle Dimension des Stücks noch verstärkte. Man muss Becker zustimmen: Der Stoff ist sperrig, der Berliner Dom auf den ersten Blick keine typische Theaterbühne, und die Idee, eine Predigt über Tod und Auferstehung auf die Bühne zu bringen, erscheint ungewöhnlich. Doch das Erstaunliche ist: Es funktioniert. Die Aufführung ist ein Beweis dafür, wie Kunst die tiefsten menschlichen Erfahrungen und religiösen Konzepte auf eine Weise vermitteln kann, die berührt und zum Nachdenken anregt.

Wie heißt die Tochter von Ben Becker?
Ben Becker selbst nannte diese Inszenierung des „Todesduells“ am Samstag nach der zweiten Aufführung ein „großes Wagnis“. Er spielt es nicht nur, er hat auch Regie geführt. Seine Tochter Lilith schickt er als Engel auf die Bühne, mal tanzend, mal Cello spielend, mal trauernd. Man muss Becker zustimmen.

Man muss sich einlassen auf die Wortgewalt eines John Donne und eines Joseph Brodsky; das geht weit weniger leicht runter als die Sonntagspredigt in den meisten Kirchen. Zumal Donne in seiner Predigt Bezug nimmt auf biblische Figuren wie Hiob, Daniel, Jakob oder die Evangelisten. Wer hier nicht bibelfest ist, kommt rasch ins Schwimmen – oder blendet jene Teile schlicht aus. Doch trotz des gewaltigen Wortanteils und eines eher reduzierten Bühnenbildes ist das Stück auch eine Augenweide. Nicht nur wegen des Sternenregens am Ende, sondern auch durch die geschickte Nutzung des Doms als integralen Bestandteil der Inszenierung. Ein Schraubstock – als Symbol für die Zwänge der menschlichen Existenz –, eine Kerze und eine Parkbank reichen aus, um das Gesagte zu untermalen. Eine Nische rechts des Altarraums dient mit einer Leinwand versehen als Projektionsfläche für Schädel, Jesus am Kreuz, Eisenbahnschienen in der Nacht und ein dem Tod trotzendes Axolotl – scheinbar irritierend, aber letztlich wirkungsvoll.

Der Kirchenraum mit all seinen architektonischen Besonderheiten ist nicht einfach Theaterraum; er ist ein wichtiger Teil des Stücks. Ebenso wie das fulminante Orgelspiel des Dom-Organisten Andreas Sieling, das sich fast schon bescheiden im Hintergrund hält und doch das ganze Stück trägt. Es ist die Symbiose aus Wort, Raum, Licht und Klang, die dieses Erlebnis so einzigartig macht und die existenzielle Tiefe des Themas unterstreicht.

Ben Becker als "Missionar wider Willen"

Ben Becker scheint einmal mehr geradezu beseelt vom biblischen Stoff. Er hat bereits Teile der Bibel vertont und aufgeführt und spielte 2017 das Stück „Ich, Judas“ ebenfalls im Dom. Er selbst sagte in Interviews vor der Premiere, er sei nicht dafür zuständig, die Menschen zurück zur Kirche zu führen. Dennoch seien Kirchen für ihn wichtige Orte der Auseinandersetzung mit dem Existenziellem. Und vielleicht ist es genau das, was ihn am Ende doch zu einer Art Missionar wider Willen macht: Becker spricht die christlich geprägten Monologe, als formulierten sie seine eigene Hoffnung auf Rettung. Doch zugleich gibt er den menschlichen Abgründen Raum, dem Zweifel, dem Gefühl der Gottesferne, den Fragen nach dem richtigen Leben, der Lust an der Sünde. So glaubt man Becker jedes Wort, auch in der Sprache des Jahres 1631. Wer danach auf die herbstlichen, dunklen Straßen der Hauptstadt hinaustritt, in dessen Ohren hallen diese Worte, die Fragen und die Hoffnung nach. Selbst ein christlicher Prediger könnte sich kaum mehr wünschen.

Die Aufführung von „Todesduell“ ist ein kraftvolles Beispiel dafür, wie Kunst und Glaube sich gegenseitig befruchten können. Sie bietet einen Raum für Reflexion über universelle Themen wie Sterblichkeit, Vergebung und die Suche nach Sinn. In einer Welt, die oft von Oberflächlichkeit geprägt ist, lädt diese Inszenierung dazu ein, innezuhalten und sich den tiefsten Fragen des Lebens zu stellen – nicht in einer dogmatischen, sondern in einer zutiefst menschlichen und künstlerischen Weise. Es ist eine Erfahrung, die lange nachwirkt und den Geist dazu anregt, über die eigene Endlichkeit und die unendliche Hoffnung nachzudenken.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie heißt die Tochter von Ben Becker?
Ben Beckers Tochter heißt Lilith Becker. Sie tritt im Stück „Todesduell“ als Engel auf, tanzend und Cello spielend.
Was ist „Todesduell“?
„Todesduell“ ist eine Inszenierung, die auf einer berühmten Predigt des Dichters John Donne aus dem Jahr 1631 und einer Hommage des Dichters Joseph Brodsky basiert. Es ist eine Mischung aus Theater und Predigt, die sich mit Themen wie Tod, Leid, Hoffnung und der Gleichheit vor Gott auseinandersetzt.
Wo wurde „Todesduell“ aufgeführt?
Die Inszenierung „Todesduell“ wurde im Berliner Dom aufgeführt, der durch seine einzigartige Architektur und Atmosphäre zu einem integralen Bestandteil des Stücks wird.
Worum geht es in John Donnes Predigt?
John Donnes Predigt, die den ersten Teil des Stücks bildet, reflektiert über das menschliche Leben als eine Geschichte voller Leid und Verdammnis, betont aber gleichzeitig die christliche Hoffnung auf den Himmel und die Botschaft, dass vor Gott alle Menschen gleich sind, unabhängig von ihrem Status auf Erden.
Ist Ben Becker ein Prediger?
Ben Becker selbst sieht sich nicht als klassischen Prediger, aber seine Darbietungen biblischer Stoffe und seine Auseinandersetzung mit existenziellen Fragen in Kirchenräumen lassen seine Auftritte oft wie Predigten wirken. Er nennt Kirchen wichtige Orte der Auseinandersetzung mit dem Existenziellem.
Was ist die berühmteste Predigt der Welt?
Laut der gegebenen Information ist „Todesduell“, die Predigt von John Donne, die im Beisein von König Charles I. im Jahr 1631 gehalten wurde, vielleicht die berühmteste Predigt der Welt. Es sind John Donnes letzte öffentlich gesprochene Worte vor seinem Tod.

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