Barnabas: Sohn des Trostes und Heiler

27/07/2024

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In den Annalen des frühen Christentums gibt es Persönlichkeiten, deren Einfluss weitreichend war, auch wenn sie im Schatten berühmterer Apostel standen. Eine solche Figur ist Barnabas, dessen ursprünglicher Name Josef war. Er war bekannt als der „Sohn des Trostes“ und spielte eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung der Botschaft Christi. Doch über seine biografischen Fakten hinaus ranken sich auch faszinierende Legenden um ihn, insbesondere jene von seiner einzigartigen Heilkraft. Dieser Artikel taucht tief in das Leben dieses bemerkenswerten Mannes ein, von seinen Ursprüngen als Levit auf Zypern bis hin zu seinem Vermächtnis als Märtyrer und der geheimnisvollen „Heilung des Barnabas“, die durch das Auflegen des Matthäusevangeliums geschehen sein soll.

Was ist die Heilung von Barnabas?
Inhaltsverzeichnis

Wer war Barnabas? Eine biografische Skizze

Josef, später Barnabas genannt, war ein griechischsprachiges Mitglied der Urgemeinde in Jerusalem. Er stammte von der Insel Zypern und gehörte dem angesehenen israelitischen Stamm der Leviten an. Seine Großzügigkeit zeigte sich früh, als er den Erlös aus dem Verkauf eines Gutes der Gemeinde zur Verfügung stellte, eine Handlung, die seinen festen Glauben und seine Hingabe unterstreicht. Der Beiname Barnabas, der ihm von den Aposteln verliehen wurde, bedeutet „Sohn des Trostes“ oder „Sohn der Ermunterung“, was seine Rolle als Brückenbauer und Vermittler in der jungen Kirche widerspiegelt.

Eine der bekanntesten Überlieferungen besagt, dass Barnabas eine Schlüsselfigur bei der Einführung des Saulus von Tarsus, des späteren Apostels Paulus, in die Jerusalemer Gemeinde war. Nach seiner Bekehrung war Paulus zunächst misstrauisch beäugt worden, doch Barnabas setzte sich für ihn ein und ebnete ihm den Weg zur Akzeptanz unter den Aposteln. Diese Darstellung, obwohl in Galater 1,18-19 von Paulus selbst anders berichtet, zeugt von Barnabas’ Ansehen und seiner Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen.

Barnabas als führender Missionar und Brückenbauer

Barnabas’ missionarisches Wirken konzentrierte sich zunächst auf Antiochia, eine der wichtigsten frühen christlichen Gemeinden. Dort arbeitete er Seite an Seite mit Petrus und Paulus, den er selbst in die Gemeinde einführte, sowie anderen Leitern. Antiochia war ein Schmelztiegel für Juden- und Heidenchristen, und Barnabas spielte eine entscheidende Rolle bei der Integration dieser unterschiedlichen Gruppen. Er war nicht nur ein Prediger, sondern auch ein Organisator und ein Mann der Tat.

Die Apostelgeschichte berichtet ausführlich über seine erste Missionsreise, die er gemeinsam mit Paulus unternahm. Diese Reise führte sie durch Barnabas’ Heimat Zypern und weiter in das südliche Kleinasien. Sie gründeten Gemeinden, lehrten das Evangelium und festigten die junge Kirche. Barnabas’ Erfahrung und sein diplomatisches Geschick waren dabei von unschätzbarem Wert. Er war unbestreitbar einer der führenden urchristlichen Missionare seiner Zeit.

Seine Bedeutung wurde auch beim sogenannten Apostelkonvent in Jerusalem deutlich, einem entscheidenden Treffen, bei dem über die Aufnahme von Heidenchristen in die Gemeinde ohne Einhaltung der jüdischen Gesetze beraten wurde. Barnabas nahm an diesem Konvent teil und trug maßgeblich zu den Beschlüssen bei, die die universelle Ausrichtung des Christentums festlegten.

Die legendäre Heilkraft des Barnabas: Das Matthäusevangelium als Instrument

Die Frage nach der Heilung des Barnabas führt uns zu den altkirchlichen Legenden, die über seine übernatürlichen Fähigkeiten berichten. Im Gegensatz zu vielen anderen Heilungsgeschichten, die durch Gebet oder Handauflegen geschahen, wird Barnabas eine ganz besondere Methode zugeschrieben: Er soll Kranke geheilt haben, indem er ihnen das Matthäusevangelium auflegte. Diese einzigartige Überlieferung hebt sich von anderen Wundern ab und verleiht Barnabas’ Wirken eine spezifische, fast rituelle Dimension. Das Buch selbst, das Wort Gottes, wurde somit zum Kanal der Heilung.

Diese Vorstellung, dass ein heiliges Buch als direktes Instrument göttlicher Heilkraft dienen kann, ist faszinierend und spiegelt möglicherweise eine tiefe Verehrung für die Evangelien in der frühen Kirche wider. Es betont die Macht des geschriebenen Wortes und die Überzeugung, dass göttliche Kraft durch materielle Objekte, die mit dem Heiligen in Verbindung stehen, wirken kann. Das Matthäusevangelium, das als erstes der kanonischen Evangelien gilt und eine zentrale Rolle in der frühchristlichen Lehre spielte, wurde somit zum Attribut und Werkzeug des Barnabas.

Wann erschien die Originalausgabe von The Gospel of Barnabas?
Die italienisch-englische Originalausgabe erschien 1907 unter dem Titel The Gospel of Barnabas bei Clarendon Press Oxford. 1907 by Clarendon Press. Ins Deutsche übersetzt und herausgegeben von Safiyya M. Linges.

Meinungsverschiedenheiten und das Ende seiner Reisen

Trotz seiner engen Zusammenarbeit mit Paulus kam es auch zu Spannungen zwischen den beiden Aposteln. Paulus selbst berichtet im Galaterbrief von einem Streit in Antiochia über die Tischgemeinschaft zwischen Juden- und Heidenchristen. Barnabas, der zunächst auf Paulus’ Seite stand, ließ sich von Petrus beeinflussen und zog sich vom Essen mit Heidenchristen zurück, was Paulus scharf kritisierte. Dieser Vorfall zeigt die tiefgreifenden theologischen und praktischen Herausforderungen, denen die junge Kirche gegenüberstand.

Eine weitere Meinungsverschiedenheit, die in der Apostelgeschichte beschrieben wird, drehte sich um Johannes Markus, Barnabas’ Vetter. Als Paulus eine zweite Missionsreise plante, wollte er Johannes Markus nicht mitnehmen, da dieser sie auf der ersten Reise verlassen hatte. Barnabas jedoch bestand darauf, Johannes Markus mitzunehmen, was zu einer so heftigen Auseinandersetzung führte, dass sich die beiden trennten. Barnabas segelte daraufhin mit Johannes Markus nach Zypern, während Paulus Silas wählte. Diese Trennung, obwohl schmerzhaft, führte dazu, dass die Missionsarbeit auf noch breiterer Basis fortgesetzt wurde.

Altkirchliche Legenden berichten, dass Barnabas schließlich auf Zypern als Märtyrer starb. Das Jahr 61 n. Chr. wird als sein Todesjahr angenommen, und Salamis bei Famagusta als Ort seines Martyriums. Er gilt heute als Nationalheiliger Zyperns.

Die Schriften unter dem Namen Barnabas: Eine Welt voller Rätsel

Unter dem Namen Barnabas sind im Laufe der Geschichte verschiedene Schriften entstanden, die seine Bedeutung unterstreichen, aber auch Fragen aufwerfen. Es ist wichtig zu verstehen, dass nicht alle dieser Werke tatsächlich von Barnabas selbst verfasst wurden; einige sind sogenannte Pseudepigraphen, also Schriften, die unter dem Namen einer bekannten Persönlichkeit verbreitet wurden, um ihnen Autorität zu verleihen.

Der Barnabasbrief

Der Barnabasbrief ist ein solches Pseudepigraph, der mit einiger Gewissheit erst in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts entstand. Er ist ein bedeutendes Dokument der frühchristlichen Theologie und zeichnet sich durch seine allegorischen Auslegungen des Alten Testaments aus. Der Brief enthält auch polemische Passagen gegen das Judentum, was die Abgrenzung des aufstrebenden Christentums von seinen jüdischen Wurzeln widerspiegelt.

Die Barnabasakten

Die Barnabasakten, ein Werk aus dem 6. Jahrhundert, sammeln Legenden über Barnabas’ Missionsreisen und seinen Märtyrertod auf Zypern. Sie sind eine wichtige Quelle für die spätantike und frühmittelalterliche Verehrung des Apostels und trugen maßgeblich zur Etablierung seines Kultes bei, insbesondere auf Zypern.

Das geheimnisvolle Barnabasevangelium

Das wohl bekannteste und gleichzeitig umstrittenste Werk ist das sogenannte Barnabasevangelium. Dieses Evangelium existiert in einem italienischen Manuskript aus dem 16. Jahrhundert und einem jüngeren spanischen Fragment. Die Forschung ist sich weitgehend einig, dass es sich um einen rein mittelalterlichen Text handelt, der frühestens im 14. Jahrhundert entstand. Das spanische Manuskript enthält die Legende, ein Mönch namens Fra Marino habe das Buch heimlich aus der Bibliothek des Papstes Sixtus V. entwendet – eine Geschichte, die seine mysteriöse Herkunft unterstreicht.

Wann erschien die Originalausgabe von The Gospel of Barnabas?
Die italienisch-englische Originalausgabe erschien 1907 unter dem Titel The Gospel of Barnabas bei Clarendon Press Oxford. 1907 by Clarendon Press. Ins Deutsche übersetzt und herausgegeben von Safiyya M. Linges.

Was das Barnabasevangelium so einzigartig und kontrovers macht, sind seine theologischen Inhalte. Es bezeichnet Mohammed als Propheten und Jesus als seinen Vorläufer. Darüber hinaus behauptet es, Jesus sei nicht am Kreuz gestorben und auch nicht der Sohn Gottes. Diese Aussagen weisen unverkennbar muslimische Einflüsse auf und stehen im starken Gegensatz zur christlichen Dogmatik. Es ist daher ein wichtiges Zeugnis des interreligiösen Dialogs und der Polemik zwischen Christentum und Islam im Mittelalter, auch wenn es für die historische Gestalt des Barnabas keine Relevanz besitzt.

Interessanterweise belegt das Decretum Gelasianum (496 n. Chr.), ein Verzeichnis erlaubter und verbotener Bücher, die Existenz eines heute unbekannten „Evangeliums unter dem Namen des Barnabas“ in der alten Kirche. Dieses frühere Werk wurde dort den nicht-kanonischen (apokryphen) Schriften zugeordnet, ist aber sicher nicht mit dem mittelalterlichen Barnabasevangelium identisch.

Vergleich der Schriften unter dem Namen Barnabas

SchriftEntstehungszeitCharakteristikInhaltliche Besonderheiten
Barnabasbrief1. Hälfte 2. Jh.PseudepigraphAllegorische Auslegung AT, Polemik gegen Judentum
Hebräerbrief1. Jh. (Zuschreibung durch Tertullian)Brief des NTTheologische Abhandlung (Zuschreibung umstritten)
Barnabasakten6. Jh.LegendensammlungMissionsreisen, Märtyrertod auf Zypern
BarnabasevangeliumFrühestens 14. Jh.Spätmittelalterliches PseudepigraphMohammed als Prophet, Jesus nicht gekreuzigt/Sohn Gottes (islamische Einflüsse)
Altes "Evangelium unter dem Namen des Barnabas"Vor 496 n. Chr. (erwähnt im Decretum Gelasianum)Apokryphes EvangeliumInhalt unbekannt, nicht kanonisch

Das Grab des Heiligen Barnabas und der Wallfahrtsort auf Zypern

Trotz der Tatsache, dass Barnabas im Neuen Testament oft im Schatten des Paulus steht und nur wenige Kirchen oder Klöster direkt nach ihm benannt sind (ausgenommen der Barnabiten-Orden, der indirekt nach einer Barnabas-Kirche benannt wurde), ist sein Grab auf Zypern ein bedeutender Wallfahrtsort.

Etwa acht Kilometer nördlich von Famagusta und zwei Kilometer westlich von Salamis, im türkisch besetzten Teil Zyperns, befindet sich das St.-Barnabas-Kloster. Diese Anlage ist eine wichtige Stätte, an der der Märtyrer Barnabas als zypriotischer Nationalheiliger verehrt wird. Die Anlage umfasst die Klosterkirche, die Klostergebäude mit einem beeindruckenden Museum für Ikonen und Archäologie sowie die eigentliche Grabkirche des Heiligen.

Das Kloster ist strategisch günstig am Westrand der Nekropole von Salamis gelegen, zwischen der antiken Stadt Salamis/Constantia und der archaischen Stadt Enkomi. Die Ursprünge des Klosters reichen bis ins Jahr 477 zurück, während die heutige Klosterkirche, die auf einem früheren Bau aus dem 10. Jahrhundert errichtet wurde, im Jahr 1756 durch Erzbischof Philotheos fertiggestellt wurde.

Nach dem Weggang der letzten drei Mönche im Jahr 1976 wurde die Klosterkirche unverändert belassen und dient heute als Ikonen-Museum, während die ehemaligen Klostergebäude in ein archäologisches Museum umgewandelt wurden. Die dort ausgestellten Artefakte sind von immenser historischer Bedeutung, insbesondere die zahlreichen außergewöhnlichen Keramiken aus Enkomi (ca. 7000 bis 1000 v. Chr.) und Salamis. Viele dieser Schätze, die nicht ins Cyprus Museum nach Nikosia oder ins Britische Museum nach London verbracht wurden, können hier besichtigt werden und geben einen tiefen Einblick in die reiche Geschichte Zyperns.

Attribute, Reliquien und Patrozinien

Barnabas wird in der Kunst und Liturgie mit bestimmten Attributen dargestellt, die seine Rolle und seine Legenden widerspiegeln:

  • Attribute: Er wird oft mit dem Matthäusevangelium dargestellt, was auf die Legende seiner Heilungen durch dessen Auflegen verweist. Ein weiterer Hinweis ist ein Stein, der an sein Martyrium erinnern könnte.
  • Orte mit Reliquien: Überlieferte Reliquien des Heiligen Barnabas befinden sich an verschiedenen Orten in Europa, darunter Mailand, Prag, Namur, Köln, Andechs und natürlich Zypern. Es ist jedoch anzumerken, dass die im 17. Jahrhundert in drei Kölner Kirchen befindlichen Kleinreliquien heute nicht mehr nachweisbar sind und vermutlich während der Aufklärung oder der beiden Weltkriege verloren gingen.
  • Patron von: Barnabas ist der Schutzpatron mehrerer Städte, darunter Mailand, Florenz und Logroño.
  • Schutzheiliger: Er wird auch als Schutzheiliger bestimmter Handwerkszünfte verehrt, insbesondere der Küfer/Böttcher (Fassmacher) und der Weber.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was bedeutet der Name Barnabas?
Der Name Barnabas bedeutet „Sohn des Trostes“ oder „Sohn der Ermunterung“ und wurde Josef, einem Leviten aus Zypern, von den Aposteln verliehen.
Wie heilte Barnabas laut Legende Kranke?
Altkirchliche Legenden berichten, dass Barnabas Kranke heilte, indem er ihnen das Matthäusevangelium auflegte.
Welche Rolle spielte Barnabas bei Paulus’ Einführung in Jerusalem?
Laut Apostelgeschichte stellte Barnabas Paulus den Jerusalemer Aposteln vor und sorgte für dessen Akzeptanz in der Urgemeinde.
Was ist das Barnabasevangelium und warum ist es umstritten?
Das Barnabasevangelium ist ein mittelalterlicher Text (frühestens 14. Jh.), der Jesus nicht als Gottes Sohn oder gekreuzigt darstellt und Mohammed als Propheten bezeichnet. Seine Inhalte weisen starke muslimische Einflüsse auf und stehen im Widerspruch zur christlichen Lehre.
Wo befindet sich das Grab des Heiligen Barnabas?
Das Grab des Heiligen Barnabas befindet sich im St.-Barnabas-Kloster auf Zypern, nahe Famagusta und Salamis, und ist ein bedeutender Wallfahrtsort.
Gibt es heutzutage noch Reliquien des Barnabas?
Ja, es gibt überlieferte Reliquien an verschiedenen Orten wie Mailand, Prag, Namur, Andechs und Zypern. Einige Reliquien, wie die in Köln, gelten jedoch als verloren.

Fazit

Barnabas, der „Sohn des Trostes“, war eine unverzichtbare Säule des frühen Christentums. Seine Großzügigkeit, sein missionserisches Engagement und seine Fähigkeit, Brücken zwischen unterschiedlichen Gruppen zu bauen, prägten die Entwicklung der jungen Kirche maßgeblich. Obwohl er oft im Schatten des Paulus stand, zeugen die Legenden seiner einzigartigen Heilkraft durch das Matthäusevangelium, die vielfältigen Schriften unter seinem Namen und die Verehrung an seinem Grab auf Zypern von seinem anhaltenden Einfluss. Barnabas bleibt eine faszinierende Figur, deren Leben und Vermächtnis uns auch heute noch Einblicke in die komplexen Anfänge einer Weltreligion geben.

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