Was ist das zentrale Gebet der Synagoge?

Die Amidah: Das Herzstück jüdischen Gebets

06/06/2023

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Das Gebet ist eine Säule des Glaubens in vielen Religionen, ein direkter Kanal der Kommunikation mit dem Göttlichen. Im Judentum nimmt das Gebet eine besonders zentrale Stellung ein, und kein Gebet verkörpert dies so umfassend wie die Amidah, auch bekannt als Schmone Esre oder einfach als die T’filah (das Gebet). Sie ist das Herzstück jedes jüdischen Gottesdienstes und wird mit tiefer Hingabe und Inbrunst gesprochen.

Was ist ein ersteinmal bei einem christlichen Gebet?
Zu Ersteinmal muss man bei einem christlichen Gebet verstehen, dass ein Christ mit seinem Gebet nicht an bestimmten Gegenständen, Orten oder gar Ritualen gebunden ist. Es gibt sogar Christen, die sagen, dass man nicht mal sprechen muss, um zu beten. Es ist keine bestimmte Gebetshaltung nötig, um mit Gott zu reden.
Inhaltsverzeichnis

Die Amidah: Das Herzstück des jüdischen Gebets

Die Amidah, wörtlich „das Stehende“, wird ihrem Namen gerecht, da sie stets im Stehen gesprochen wird. Sie ist so bedeutsam, dass sie den Mittelpunkt jedes Gottesdienstes bildet – sei es im Morgengebet (Shachrith), im Nachmittagsgebet (Minchah) oder im Abendgebet (Ma’ariw). Oft wird sie schlicht als „die T’filah“ bezeichnet, was ihre herausragende Rolle im jüdischen Gebetsleben unterstreicht.

Ursprünglich bestand dieses Gebet aus achtzehn Lobpreisungen und Bitten, daher der Name „Schmone Esre“ (achtzehn). Später wurde eine neunzehnte Bitte hinzugefügt, ohne dass der populäre Name geändert wurde. Diese zusätzliche Anrufung bittet G’tt, Frevel verschwinden zu lassen und die Bösen zu vernichten.

Wenn man die Schmone Esre mit all der Hingabe und Inbrunst liest, die in ihr ist und aus ihr zum Himmel aufsteigt, zuversichtlich aufblickt und aus der Not aufruft, und wenn man sich ungefähr noch alle kleine private und große allgemeine Qual und Hoffnung vorstellt, welche jahrhundertelang die Juden einer schweren, mühseligen Welt in diese Worte morgens und abends, Jahr um Jahr, hineingebetet haben, dann hat man vielleicht einen Schimmer davon, wie sehr gerade dieses das Judengebet ist mit dem ganzen Judenleben darin, von der „Hölle“ durch die Welt zum Himmel. Man bittet ja darin um Hilfe gegen Verleumdung und um Gesundheit, um das Irdischste und um das Erhabene. Sowohl der Priestersegen, mit dem einst im heiligen Tempel zu Jerusalem das Volk Jisrael gesegnet wurde, wie auch die Keduscha, die große Heiligung G’ttes durch den Chor der Engel, sind darin enthalten.

Struktur der Amidah: Lob, Bitten, Dank

Die Schmone Esre ist in drei Hauptteile untergliedert, die eine logische und spirituelle Progression darstellen: Lobpreis G’ttes, persönliche und gemeinschaftliche Bitten, und schließlich Dank und Bitte um Frieden. Diese Struktur spiegelt die Beziehung zwischen Mensch und Schöpfer wider – zuerst die Anerkennung Seiner Größe, dann das Flehen um Hilfe und Führung, und zuletzt die tiefe Dankbarkeit für Seine Güte.

I. Die drei Lobpreisungen (Schewach)

Die ersten drei Segenssprüche dienen dazu, G’ttes Größe, Seine Taten und Seine Heiligkeit zu preisen. Sie bilden die Grundlage für die nachfolgenden Bitten, indem sie den Betenden auf die Erhabenheit des Schöpfers einstimmen.

1. Awot (Väter)

Dieser Segen preist G’tt als den G’tt der Patriarchen – Abraham, Isaak und Jakob – und betont Seine Großartigkeit, Stärke und Ehrfurcht gebietende Natur. Er erinnert an G’ttes Bund mit den Vätern und Seine Liebe zu Seinem Volk.

Adonaj Sefatai tiftach, uFi jagid Tehilatekha.
Herr, öffne meine Lippen, daß mein Mund deinen Ruhm verkünde.

Barukh atah Adonaj,
Eloheinu, v’Elohei Awotenu,
Elohei Awraham, Elohei Jizhak, vElohei Ja’akow,
haEl haGadol haGibor vehaNorah.
El eljon, gomel Chasadim towim vekone hakol
Vesokher Chasdej Awot
uemewi Goel liWnej Wnejhem, lemaan Shemo beAhawah.

Gelobt seist du, Ewiger,
unser G’tt und G’tt unserer Väter,
G’tt Abrahams, G’tt Isaaks und G’tt Jakobs,
großer, starker und furchtbarer G’tt.
Höchster G’tt, der du beglückende Wohltaten erweisest und Eigner des Alls bist.
Der du die Frömmigkeit der Väter erinnerst
und einen Erlöser bringst ihren Kindeskindern, um seines Namens willen in Liebe.

In den ‚Zehn Hohen Tagen‘ wird eingefügt:
Sakhrenu leChajim, Melekh chafez baChajim,
vekhatwenu beSefer haChajim, lemaankha Elohim chajim.
Gedenke unser zum Leben, König, der Wohlgefallen hat am Leben,
und schreibe uns ein im Buche des Lebens um deinetwillen, lebendiger G’tt.

Melekh, Oser uMoshi’a uMagen! Barukh atah Adonaj, Magen Awraham!
König, Helfer und Retter und Schild! Gelobt seist du, Ewiger, Schild Abrahams!

2. Gewurot (Macht Gottes)

Dieser Segen konzentriert sich auf G’ttes Macht, die Toten zu beleben und Seine Fähigkeit, zu helfen. Er betont Seine Fähigkeit, Leben zu erhalten, Kranke zu heilen und Gefesselte zu befreien. Je nach Jahreszeit wird hier auch um Regen oder Tau gebetet.

Atah Gibor leOlam, Adonaj
mechajej Metim atah raw lehoshi’a.
Du bist mächtig in Ewigkeit, Herr, belebst die Toten, du bist stark zum Helfen.

Vom Ausgang des Sukoth-Festes bis zum Eingang des Pesah-Festes sagt man hier: meshiw haRuach umorid haGeshem. Ansonsten: morid haTal.
Du läßt den Wind wehen und den Regen fallen. Ansonsten: Der den Tau herablässt.

Mechalkel Chajim beChesed
mechajej Metim beRahamim rabim
somekh Noflim verofe Cholim
umatir Asurim
umekajem Emunato l’Jshne Afar.
Du ernährst die Lebenden mit Gnade,
belebst die Toten in großem Erbarmen,
stützest die Fallenden, heilst die Kranken,
befreist die Gefesselten
und hältst die Treue den im Staube Schlafenden.

Mi kamokha Baal Gewurot umi dome lakh, Melekh memit umechaje umazmiach Jeshu’a.
Wer ist wie du, Herr der Allmacht, und wer gleichet dir, König, der tötet und belebt und Rettung erwachsen lässt.

In den ‚Zehn Hohen Tagen‘ wird eingefügt:
Mi kamokha, Aw haRahaman, sokher Jezurav leChajim beRahamim.
Wer ist wie du, Vater des Erbarmens, der du deiner Geschöpfe zum Leben gedenkst in Barmherzigkeit.

Veneeman atah lehachajot Metim
Barukh atah Adonaj, mechaje haMetim.
Und treu bist du, die Toten wieder zu beleben.
Gelobt seist du, Ewiger, der die Toten belebt!

3. Keduscha (Heiligung)

Die Keduscha ist ein Höhepunkt des Gebets, in dem die Gemeinde in fast ekstatische Weise die Heiligkeit G’ttes preist, oft im Chor mit dem Vorbeter. Sie ist eine Anlehnung an die himmlische Heiligung G’ttes durch die Engel.

Bei der (laut gesprochenen) Wiederholung der Schemone Esre durch den Vorbeter folgt die Kedushah folgendermaßen:

Vorbeter:
Nekadesh et Shimkha baOlam, k’she makdishim oto biShmej Marom, kakatuw, al jad Newiekha: “vekara seh el seh, veamar:
Wir wollen deinen Namen auf Erden heiligen, wie man ihn in den Himmeln der Höhe heiligt, wie durch deinen Propheten geschrieben: Einer ruft dem andern zu und spricht:

Gemeinde:
Kadosh! Kadosh! Kadosh! Adonaj Zewaot! Melo khol haArez Kewodo!
Heilig! Heilig! Heilig! Herr Zewaoth! Voll ist die ganze Erde von seiner Ehre.

Vorbeter:
leumatam Barukh jomeru:
Ihnen gegenüber sprechen sie: Gelobt!

Gemeinde:
Barukh Kewod Adonaj m’mekomo!
Gelobt sei die Herrlichkeit des Ewigen von seiner Stätte aus.

Vorbeter:
Uw’diwrej kodshekha katuw lemor:
Und in deinen heiligen Worten steht geschrieben also:

Gemeinde:
Jimlokh Adonaj leOlam, Elohajkh Zion leDor vaDor, haleluJah.
Regieren wird der Ewige in Ewigkeit, dein G’tt, Zion, von Geschlecht zu Geschlecht. Halalujah!

Vorbeter:
LeDor vaDor nagid Godlakh, uleNezach Nezachim kedushatekha nakdish, uShwakhekha Elohenu miPinu lo jamush leOlam vaEd, ki El Melekh gadol vekadosh atah! (Melekh kadosh atah!).
Von Geschlecht zu Geschlecht wollen wir deine Größe verkünden und in allen Ewigkeiten deine Heiligkeit heiligen, dein Preis, unser G’tt, soll nicht aus unserem Munde weichen immer und ewig, denn G’tt, ein großer und heiliger König bist du. Gelobt seist du, Ewiger, heiliger G’tt! (In den ‚Zehn Hohen Tagen‘: heiliger König!)

Atah kadosh, veShimkha kadosh,
uKedoshim bekhol-Jom jehalelukha – selah.
Barukh atah Adonaj, haEl hakadosh.
Du bist heilig, und dein Name ist heilig, und Heilige preisen dich jeden Tag. Selah!
Gelobt seist du, Ewiger, heiliger G’tt!

In den ‚Zehn Hohen Tagen‘: anstelle ‚haEl hakadosh‘ ‚haMelekh hakadosh‘
In den ‚Zehn Hohen Tagen‘: heiliger König!

II. Die dreizehn Bitten (Bakkaschot)

Dieser Abschnitt bildet den Kern der persönlichen und gemeinschaftlichen Anliegen. Er umfasst eine breite Palette menschlicher Bedürfnisse und spiritueller Sehnsüchte, von Erkenntnis und Vergebung bis hin zu Erlösung und Frieden für das Volk Israel und die ganze Welt.

4. Da'at (Erkenntnis)

Die Bitte um göttliche Erkenntnis und Einsicht, um den rechten Weg zu finden.

Atah chonen leAdam Daat, umelamed leEnosh Binah.
Chanenu meitkha De’ah Binah veHaskel.
Barukh atah Adonaj, chonen haDa’at.
Du begnadest den Menschen mit Erkenntnis und lehrst den Menschen Einsicht,
begnade uns von dir mit Erkenntnis, Einsicht und Verstand.
Gelobt seist du, Ewi ger, der du mit Erkenntnis begnadest!

5. Tschuwah (Umkehr)

Ein Flehen um die Möglichkeit zur Umkehr zu G’ttes Lehre und Dienst, eine zentrale jüdische Vorstellung.

Hashiwenu Awinu leToratekha,
vekarwenu Malkenu laAwodatekha,
vehachsirenu b’Tshuwah shelemah lefanekha.
Barukh atah Adonaj, harozeh b’Tshuwah.
Führe uns zurück, unser Vater, zu deiner Lehre, und bringe uns, unser König, deinem Dienste nahe
und laß uns in vollkommener Rückkehr zu dir zurückkehren.
Gelobt seist du, Ewiger, der du an der Rückkehr Wohl gefallen hast!

6. Selichah (Vergebung)

Die Bitte um Vergebung für Sünden und Frevel, da G’tt als der Vergebende und Gnädige bekannt ist.

Slach lanu Awinu ki chatanu,
mechal lanu Malkenu ki fashanu,
ki Mochel veSoleach atah.
Barukh atah Adonaj, Chanun hamarbeh lisloach.
Verzeihe uns, unser Vater, denn wir haben gesündigt,
vergib uns, unser König, denn wir haben gefrevelt,
denn du vergibst und verzeihst.
Gelobt seist du, Ewi ger, der du gnädig immer wieder verzeihst!

7. Geulah (Erlösung)

Ein Flehen um rasche und vollkommene Erlösung für das Volk Israel.

Ree na veanenu, veriwa Riwenu,
ugalenu Geulah shlemah meherah lemaan Shemekha,
ki Goel chasak atah.
Barukh atah Adonaj, Goel Jisrael.
Schaue auf unser Elend, führe unseren Streit,
und erlöse uns rasch in vollkommener Erlösung um deines Namens willen,
denn du bist ein starker Erlöser.
Gelobt seist du, Ewiger, der Israel erlöst!

8. Refuah (Heilung)

Die Bitte um Heilung von Krankheiten und Leiden, da G’tt der treue und barmherzige Arzt ist.

Refaenu Adonaj venirape,
hoshi’enu venivashea,
ki Tehilatenu atah,
veheale Refuah shlemah arukha umarpe lekhol Tachaluenu ulekhol Machiweinu ulekhol Makotenu,
ki El Melekh Rofe ne’eman verahaman atah.
Barukh atah Adonaj, rofe Chole Amo Jisrael.
Heile uns, Ewiger, dann sind wir geheilt,
hilf uns, dann ist uns geholfen,
denn du bist unser Ruhm,
und bringe vollkommene und anhaltende Heilung allen unseren Wunden, Gebrechen und Schmerzen,
denn G’tt, König, ein treuer und barmherziger Arzt bist du.
Gelobt seist du, Ewiger, der du die Kranken deines Volkes Israel heilst!

9. Birkath Hashanim (Segen der Jahre)

Ein Gebet für einen gesegneten Ertrag des Jahres und für Fülle und Wohlstand.

Barekh alenu Adonaj Elohenu et haShanah hasot
veet khol minej Tewuatah,
veten Brakhah (*veten Tal uMatar l’Wrakhah) al penei haadamah,
vesaweenu m’Tuwekha, uwarekh Shnatenu k’Shanim hatowot. Segne uns, Ewiger, unser G’tt, dieses Jahr
und alle Arten seines Ertrages,
und gib Segen (*der Tau und Regen zum Segen) der Oberfläche der Erde,
sättige uns mit deinem Gute und segne unser Jahr wie die guten Jahre.

Vom Abend des 59.Tages nach T’kufath Tischrj (~5./6.Dez.), bis Pesah werden hier die Worte ‚Tal uMatar‘ eingeschaltet.

Barkhenu, Adonaj Elohenu, bekhol Ma’asej Jadenu,
uwarekh Shnatenu k’Shanim hatowot l’Wrakhah,
ki El tow um’tiw atah, umwarekh haShanim.
Barukh atah Adonaj, mewarekh haShanim.
Segne uns Ewiger, in allem Werk unserer Hände,
und segne unsere Jahre, wie die guten Jahre zum Segen,
denn Du bist unser guter G’tt und gütig, und die Jahre segnend.
Gelobt seist du, Ewiger, der du die Jahre segnest!

10. Kibbutz Galuyot (Sammlung der Verbannten)

Die Bitte um die Sammlung der verstreuten Juden aus aller Welt und ihre Rückführung in das Land Israel.

Tek’a beShofar gadol leCherutenu,
vesa Nes lekawez Galujotenu,
vekabezenu jahad m’arba Kanfot haArez.
Barukh atah Adonaj, mekabez Nidhej Amo Jisrael.
Stoße in das große Schofar zu unserer Befreiung,
tue ein Wunder zur Sammlung unserer Verbannten,
und führe uns zusammen von den vier Enden der Erde.
Gelobt seist du, Ewiger, der du die Verstoßenen deines Volkes Israel sammelst!

11. Mishpat (Gerechtigkeit)

Ein Flehen um die Wiederherstellung gerechter Richter und Ratgeber und die Beseitigung von Leid und Klage.

Hashiwa Shoftenu kewaRishonah,
veJo’ezenu kebaTchilah,
vehaser m’imenu Jagon vaAnachah,
umlokh alenu atah Adonaj lewadkha
beChesed uvRahamim, vezadkenu baMishpat. Bringe unsere Richter wieder wie früher
und unsere Ratgeber wie zu Anbeginn,
entferne von uns Seufzen und Klage,
regiere über uns Du, Ewiger, allein
in Gnade und Erbarmen und rechtfertige uns im Gericht.

Barukh atah Adonaj, Melekh ohew Zdakah uMishpat.
in den ‚Zehn Hohen Tagen‘: ‚Melekh haMishpat‘
Gelobt seist du, Ewiger, König, der Gerechtigkeit und Recht liebt!
In den ‚Zehn Hohen Tagen‘: König des Rechtes!

12. Minim (Vernichtung der Bösen)

Diese Bitte richtet sich gegen Verleumder und Ruchlose und fleht um deren rasche Vernichtung, um das Böse aus der Welt zu schaffen.

VelaMalshinim al tehi Tikvah,
vekhol haRisha’im keRega jovedu,
vekhol Ojewe Amkha meherah jikaretu,
vehaSedim meherah teaker ut’mager vetachnia.
Barukh atah Adonaj, shower Ojwim umachnia Sedim.
Den Verleumdern sei keine Hoffnung,
und alle Ruchlosen mögen im Augenblick verloren sein,
alle Feinde deines Volkes mögen rasch ausgerissen werden,
und die Trotzigen schnell entwurzle, zerschmettre und demütige.
Gelobt seist du, Ewiger, der du die Feinde zerbrichst und Trotzige demütigst!

13. Zaddikim (Gerechte)

Ein Gebet für die Gerechten, die Frommen, die Gelehrten und die Proselyten, verbunden mit der Hoffnung auf guten Lohn für alle, die auf G’tt vertrauen.

Al haZadikim veal haChasidim,
veal Siknej Amkha Bet Jisrael,
veal Plitat Sofrehem,
veal Gerej haZedek vealejnu,
jehemu Rahamekha Adonaj Elohenu,
veten Sachar tow lekhol haBotchim beShimkha beEmet,
vesim Chalkenu imahem,
uleOlam lo newosh ki bkha batachnu,
veal Chasdekha hagadol beEmet nish’anu.
Barukh atah Adonaj, miSh’an uMiwtach laZadikim!
Über die Gerechten, über die Frommen,
über die Altesten deines Volkes, des Hauses Israel,
über den Überrest ihrer Gelehrten,
über die frommen Proselyten und über uns
sei dein Erbarmen, Ewiger, unser G’tt,
gib guten Lohn allen, die auf deinen Namen in wahrhaft vertrauen,
und gib unser Teil mit dem ihrigen zusammen
und in Ewigkeit lass uns nicht zur Schande sein, da wir auf dich vertrauen,
und deine große Güte wahrhaftig unsere Stütze ist.
Gelobt seist du, Ewiger, Stütze und Sicherheit der Frommen!

14. Boneh Yerushalayim (Erbauung Jerusalems)

Die tiefe Sehnsucht nach der Wiederherstellung Jerusalems als ewiger Bau und die Wiedereinsetzung des davidischen Throns.

Vel’Irushalajim Irekha beRahamim tashuw,
vetishkon betokha keasher dibarta.
uwne otah beKarow beJamenu Binjan Olam,
veKhise David Awdekha meherah letokhah tachin.
*) Gelobt seist du, Ewiger, der du Jeruschalaim erbaust!

15. Keren Yeshuah (Messianische Erlösung)

Die Bitte um das rasche Erscheinen des messianischen Sprösslings aus dem Hause Davids, der die Erlösung bringen wird.

Et Zemach David Awdekha meherah tazmiach,
veKarno tarim,
ki l’Jishuatekha kiwinu khol haJom.
Barukh atah Adonaj, mazmiach Keren Jeshu’ah.
Den Sprößling deines Knechtes David laß rasch emporsprießen, sein Horn erhöhe durch deine Hilfe, denn auf deine Hilfe hoffen wir den ganzen Tag.
Gelobt seist du, Ewiger, der das Horn der Hilfe emporsprießen läßt!

*) Am 9. Ab wird im Mincha-Gebet hier eingeschaltet: Tröste, Ewiger, unser G’tt, die um Zion Trauernden und die um Jeruschalaim Trauernden, und die Stadt, die trauernde, zerstörte, verachtete und verödete, die trauert, weil sie ohne ihre Kinder, zerstört sind ihre Paläste, verachtet ist ihre Ehre, verödet, weil sie unbewohnt; sie sitzt da mit verhülltem Haupte wie eine unfruchtbare Frau, die nie geboren.
Legionen haben sie verwüstet, Götzendiener sie ein genommen; dein Volk Israel gaben sie dem Schwerte preis, töteten mit Frevelmut die Frommen des Höchsten. Darüber weint Zion bitterlich, und Jeruschalaim läßt ihre Stimme vernehmen: Mein Herz, mein Herz klagt über ihre Erschlagenen, mein Inneres, mein Inneres über ihre Erschlagenen. Denn du, Ewiger, im Feuer hast du sie verbrannt, und mit Feuer wirst du sie einst wieder erbauen, wie es heiß: Ich werde ihr, spricht der Ewige, eine Mauer von Feuer ringsum sein und zur Ehre sein in ihrer Mitte. Gelobt seist du, Ewiger, der du Zion tröstest und Jeruschalaim erbaust!

16. Tefillah (Gebetserhörung)

Die umfassende Bitte, dass G’tt die Gebete und Flehen Seines Volkes mit Erbarmen und Wohlgefallen annimmt.

Aw haRahamim, shema‘ Kolenu Adonaj Elohenu,
chus verachem alenu,
vekabel beRahamim uw’Razon et Tefilatenu,
ki El shome’a Tefilot veTachanunim atah.
Umilefanekha Malkenu rekam al teshiwenu.
Chanenu v’anenu ushem’a Tefilatenu,
ki atah shome’a Tefilat Amkha Jisrael beRahamim. Vater des Erbarmens, höre unsere Stimme, Ewiger, unser G’tt
schone und erbarme dich über uns,
nimm mit Erbarmen und Wohlgefallen unser Gebet an,
denn G’tt, der du Gebete und Flehen erhörst, bist du.
Weise uns, unser König, nicht leer von dir hinweg.
Erbarme dich über uns und erhöre unhser Gebet,
denn du erhörst das Gebet deines Volkes Israel in Erbarmen.

Barukh atah Adonaj, shome’a Tfilah.
Gelobt seist du, Ewiger, der das Gebet erhört!

An einem Fasttage wird hier im Mincha-Gebet folgendes ein geschaltet:
Erhöre uns, Ewiger, erhöre uns am Tage, da wir fasten und uns kasteien, denn wir sind in großer Not! Achte nicht auf unsere Bosheit, verhülle nicht dein Angesicht vor uns, entziehe dich nicht unserem Flehen, sei doch unserer Bitte nahe, deine Gnade möge doch walten, uns zu trösten! Ehe wir zu dir rufen, erhöre uns nach dem Worte, das verheißen worden: “Ehe sie rufen, will ich antworten, noch sprechen sie, und ich erhöre“. Denn du, Ewiger, erhörst zur Zeit der Not, erlösest und rettest in jeder Zeit der Not und der Bedrängnis.

An Rosh haChodesch und Chol haMoed wird eingeschaltet:
Unser G’tt und G’tt unserer Väter, es steige empor, komme und gelange, werde sichtbar und wohlgefällig aufgenommen, gehört und bedacht und bleibe in Erinnerung unser Gedenken und unsere Erhörung, das Gedenken unserer Väter, das Gedenken des Gesalbten, des Sohnes Davids, deines Knechtes, das Gedenken Jeruschalaims, deiner heiligen Stadt, und das Gedenken deines ganzen Volkes, des Hauses Israel, vor dir zur Errettung und zum Glücke, zur Gunst, zur Gnade und zum Erbarmen, zum Leben und zum Frieden am Tage

Rosch ha-Chodesch: des Neumondes
Pesah: des Festes der ungesäuerten Brote
Sukoth: des Festes der Laubhütten

Gedenke unser, Ewiger, unser G’tt, an ihm zum Glücke, erhöre uns an ihm zum Segen und hilf uns an ihm zum Leben, und durch das Wort des Heils und des Erbarmens schone und begnadige uns und erbarme dich über uns und hilf uns, denn zu dir sind unsere Augen gerichtet, weil du G’tt, ein gnädiger und barmherziger König bist.

III. Die drei Dankesgebete (Hoda'ah)

Die letzten drei Segenssprüche drücken Dankbarkeit aus und flehen um Frieden. Sie sind der Höhepunkt der Gebetsreise, die in Lobpreis begann und durch Bitten führte, und nun in Dankbarkeit und der Vision eines friedlichen Lebens endet.

17. Avodah (Dienst)

Diese Beracha drückt das Wohlgefallen an G’ttes Volk und seinen Gebeten aus und bittet um die Wiederherstellung des Tempeldienstes in Jerusalem.

Reze, Adonaj Eloheinu,
beAmkha Jisrael uw’Tfilatam.
Vehashew ethaAwodah liDwir Betekha.
VeJshej Jisrael uTfilatam beAhawa tekabel beRazon.
Utehi leRazon tamid Awodat Jisrael Amkha.
Habe Wohlgefallen, Ewiger, unser G’tt,
an deinem Volk Jisrael und ihrem Gebet,
und bringe den Dienst wieder in das Heiligtum deines Hauses,
und die Feueropfer Israels und ihr Gebet in Liebe nimm wohlgesonnen auf,
und es sei stets gefällig der Dienst deines Volkes Israel.

Vetechsena A’jnenu beShuwkha, leZion beRahamim.
Barukh atah Adonaj, hamach’sir Sh’chinato leZion.
Und unsere Augen mögen schauen, wenn du nach Zion zurückkehrst in Erbarmen.
Gelobt seist du, Ewiger, der seine Majestät nach Zion zurückbringt.

18. Modim (Dank)

Ein allgemeines Dankgebet für das Leben, die Seele, G’ttes Wunder und Güte, die sich täglich zeigen.

Modim anachnu lakh sheatah hu Adonaj Elohenu v’Elohej Awotenu leOlam vaEd.
Zur Chajenu Magen Jishenu atah hu leDor vaDor.
Nodeh lekha unesaper Tehilatekha
al Chajenu hamesurim beJad’kha
veal Nishmotenu hapkudot lakh
veal Nisekha sh’bekhol Jom imanu
veal Nifleotekha veTowotekha, sh’bekhol Et,
Erew vaWoker veZohorajim.
Hatow ki lo chalu Rachamekha vehaMerachem
ki lo tamu Chas’dekha ki m’Olam kivinu lakh.
Wir danken dir, denn du bist der Ewige, unser G’tt und der G’tt un serer Väter, immer und ewig.
Fels unseres Lebens, Schild unserer Errettung bist du von Geschlecht zu Geschlecht.
Wir wollen dir danken und deinen Ruhm erzählen für unsere Leben, die in deine Hand gegeben, und unsere Seelen, die dir anvertraut, und deine Wunder, die täglich mit uns, und deine Wundertaten und Wohltaten zu jeder Zeit, abends, morgens und mittags.
Allgütiger, dein Erbarmen ist nicht zu fassen, Erbarmender, deine Güte endet nie, von Anbeginn der Zeiten hoffen wir auf dich.

Während der Wiederholung durch den Vorbeter betet die Gemeinde während des Modim leise:
Wir danken dir, denn du bist der Ewige, unser G’tt und der G’tt unserer Väter, der G’tt alles Fleisches, unser Schöpfer, der Schöpfer des Anbeginns, Segen und Dank deinem großen und heiligen Namen, daß du uns Leben gegeben und uns erhalten hast, so gib uns Leben und erhalte uns und sammle unsere Verbannten in den Höfen deines Heiligtums, deine Gesetze zu hüten, deinen Willen zu erfüllen und dir mit ganzem Herzen zu dienen, auf daß wir dir danken. Gelobt sei G’tt, dem Dank gebührt!

Veal kulam, jitbarakh vejitromam shimkha
Malkenu, tamid leOlam vaEd. Für alles sei dein Name gepriesen und gerühmt, unser König, beständig und immer und ewig.

in den ‚Zehn Hohen Tagen‘:
Ukhtow leChajim towim khol Benej Britekha.
Und schreibe zu einem glücklichen Leben alle Kinder deines Bundes ein.

Vekhol haChajim jod’ukha sela
v’halelu etShimkha beEmet,
haEl Jeshu’atenu veEsratenu sela.
Barukh atah Adonaj, hatow Shimkha ulekha na’e lehodot.
Alle Lebenden danken dir, selah, und rühmen deinen Namen in Wahrheit, G’tt unserer Hilfe und unseres Beistandes, Selah!
Gelobt seist du, Ewiger, Allgütiger ist dein Name, und dir ist schön zu danken.

19. Shalom (Frieden)

Der abschließende Segen bittet um Frieden, Segen und Güte für das Volk Israel und die ganze Welt.

Sim Shalom Towa uWrakha,
Chajim, Chen vaChesed veRachamim,
alenu veal kol Jisrael Amkha.
Barekhenu Awinu, kulanu keEhad, beOr Panekha.
ki beOr Panekha natata lanu, Adonaj Elohenu,
Torat Chajm veAhawat Chesed,
uZ’daka uWrakha veRahamim, veChajim veShalom.
vetow beAjnekha lewarekh et Amekha Jisrael
bekhol Et ub’khol Sha’ah biShlomekha.
Im Morgengebet (an Fasttagen auch im Minchagebet):
Verleihe Frieden, Glück und Segen, Gunst und Gnade und Erbarmen
uns und ganz Israel, deinem Volke, segne uns, unser Vater, uns alle wie einen im Licht deines Angesichtes, denn im Lichte deines Angesichtes gabst du uns, Ewiger, unser G’tt, die Lehre des Lebens und die Liebe zur Güte, Wohltätigkeit und Segen und Barmherzigkeit und Leben und Frieden,
und gut ist es in deinen Augen zu segnen, dein Volk Israel zu jeder Zeit und zu jeder Stunde mit deinem Frieden.

Im Mincha- und Abendgebet:
Fülle des Friedens lege auf dein Volk Israel ewiglich, denn du bist König und Herr alles Friedens, und wohl gefällig ist es in deinen Augen zu segnen, dein Volk Israel zu jeder Zeit und zu jeder Stunde mit deinem Frieden.

Barukh atah Adonaj, hamewarekh et Amo Jisrael baShalom. Gelobt seist du, Ewiger, der du dein Volk Israel mit Frieden segnest.

in den ‚Zehn Hohen Tagen‘:
BeSefer Chajim Brakha veShalom, uParnasah towah,
uG’serot towot, Jeshuot veNechamot, nesakher venikatew lefanekha,
anachnu vekhol Amkha Bet Jisrael, leChajim towim ul’Shalom.
Barukh atah Adonaj, oseh haShalom.
In den ‚Zehn Hohen Tagen‘:
Im Buche des Lebens, des Segens und Friedens und guten Lebensunterhaltes und guter Beschlüße, Erretung und Trost, mögen wir bedacht und vor dir eingeschrieben werden,
wir und dein ganzes Volk, das Haus Israel, zu gutem Leben und zum Frieden.
Gelobt seist du, Ewiger, der Frieden schafft!

Der Priestersegen (Birkat Kohanim)

Während der Wiederholung der Amidah durch den Vorbeter, insbesondere im Morgen- und Mussafgebet, wird der dreifache Priestersegen, wie er in der Tora durch Moses überliefert und von Aaron und seinen Söhnen gesprochen wurde, eingefügt. Dies ist ein Moment besonderer Heiligkeit, in dem die Gemeinde von G’tt direkt gesegnet wird.

Im Morgen- und Musafgebet, an Fasttagen auch im Mincha, wird während der Wiederholung vom Vorbeter (allerdings nicht in einem Trauerhause und nicht am 9.Av) eingeschaltet:
Elohenu veElohe Awotenu,
barkhenu baWrakha haMeshuleshet baTorah, haketuvah al jede Moshe Awdekha,
haamura miPi Aharon uWanav,
Kohanim Am kedoshekha kaamur:
Unser G’tt und G’tt unserer Väter, segne uns mit dem dreifachen Segen der Thora, der geschrieben durch deinen Knecht Moshè, ausgesprochen durch den Mund Aarons und seiner Söhne, der Priester, deines heiligen Volkes, wie es heißt:

Jewarekhekha Adonaj vejishmerekha.
Gem.:Ken jehi Razon!
Es segne dich der Ewige und behüte dich!
Gem: So sei es gefällig!

Ja’er Adonaj Panav elekha vichuneka.
Gem.:Ken jehi Razon!
Es lasse der Ewige sein Angesicht dir zuleuchten und sei dir gnädig!
Gem: So sei es gefällig!

Jisa Adonaj Panav elekha, vejasem lekha Shalom.
Gem.:Ken jehi Razon!
Es wende der Ewige sein Angesicht dir zu und gebe dir Frieden!
Gem: So sei es gefällig!

Die abschließenden persönlichen Bitten

Nach den neunzehn Segenssprüchen folgen persönliche Bitten, die dem Einzelnen Raum geben, seine individuellen Anliegen vor G’tt zu bringen und um Schutz und Führung zu flehen.

Mein G’tt, bewahre meine Zunge vor Bösem und meine Lippen, Falsches zu reden, denen gegenüber, die mir fluchen, schweige meine Seele, und es sei meine Seele wie Staub allem gegenüber. Öffne mein Herz deiner Lehre, und deinen Geboten jage meine Seele nach, und alle, die Böses gegen mich sinnen, bald vereitle ihren Rat und zerstöre ihre Pläne.
Tue es um deines Namens willen, tue es um deiner Rechten willen, tue es um deiner Heiligkeit willen, tue es um deiner Lehre willen, damit gerettet werden, die dich lieben, hilf mit deiner Rechten und erhöre mich.

Es seien zum Wohlgefallen die Worte meines Mundes und das Sinnen meines Herzens vor dir, Ewiger, mein Fels und mein Erlöser.

Der da Frieden stiftet in seinen Himmelshöhen, er wird auch Frieden bereiten uns und ganz Israel und darauf sprechet: Amen!

Jehi Razon lefanekha Adonaj Elohenu v’Elohej Awotenu shejibane Bet haMikdash biMherah beJamenu veten Helkenu beToratekha.
Vesham naawadekha beJirah keJmej Olam ukeShanim kadmonjot.
Vearwah laAdonaj Minchat Jehudah viJrushalajim kiJmej Olam ukeShanim kadmonjot Es sei zum Wohlgefallen vor dir, Ewiger, unser G’tt und G’tt unserer Väter, daß erbaut werde das Heiligtum bald in unseren Tagen, und gib uns unseren Anteil an deiner Lehre. Dort wollen wir dir die nen in Ehrfurcht wie in den Tagen der Vorzeit und den ehemaligen Jahren. Und lieblich wird sein dem Ewigen die Opfergabe Judas und Jeruschalajims wie in den Tagen der Vorzeit und den ehemaligen Jahren.

An Rosh ha-Chodesch, Hanukah und Chol ha-Moed wird hier Halel gebetet. In den ‚Zehn Hohen Tagen‘ wird hier Awinu Malkenu gebetet.

Der Gebetsvollzug: Individuell und Gemeinschaftlich

Die Schmone Esre wird beim Gottesdienst der Gemeinde zunächst von jedem leise für sich gesprochen. Dies ermöglicht eine persönliche und intime Kommunikation mit G’tt. Anschließend wird sie laut vom Vorbeter wiederholt, wobei die Gemeinde während der Keduscha in einer fast ekstatischen Weise einfällt und im Chor die Heiligung G’ttes ausspricht und vollzieht: „Wir wollen deinen Namen in der Welt heiligen, wie man in Himmelshöhen dich heiligt!“ Diese Wiederholung durch den Vorbeter findet nur morgens und nachmittags statt, da das Abendgebet ursprünglich freiwillig war und erst später zur Pflicht wurde.

Variationen der Amidah: Anpassung an Zeit und Anlass

Die Amidah ist nicht statisch; sie passt sich dem jüdischen Kalender an. An bestimmten Tagen werden spezifische Einschübe vorgenommen, die die Besonderheit des Tages hervorheben.

Die Amidah am Schabbat und an Feiertagen

Am Schabbat und an anderen Feiertagen werden die dreizehn Bitten (Segenssprüche 4-16) nicht gesprochen. Der Grund dafür ist, dass diese Tage als „Vorgeschmack der Erlösung“ gelten, an denen man nicht an Leid und Elend erinnert werden soll. Stattdessen wird ein spezieller Teil zur Heiligung des Tages eingefügt, wodurch sich die Amidah auf ein Siebenbittengebet reduziert (Ausnahme: Musaf an Rosch haSchana mit neun Bitten).

Vergleich: Wochentags-Amidah vs. Schabbat-Amidah

MerkmalWochentags-AmidahSchabbat- und Feiertags-Amidah
Anzahl der Segenssprüche19 (ursprünglich 18)7 (Ausnahme Rosch haSchana: 9)
Bitten (4-16)EnthaltenNicht enthalten, ersetzt durch thematische Einleitung
FokusPersönliche und gemeinschaftliche Anliegen, alltägliche BedürfnisseHeiligung des Tages, Ruhe und spirituelle Erhebung
AtmosphäreFlehen und BittenLobpreis und Dankbarkeit

Besondere Einschübe und Gebete

  • Zehn Hohe Tage: Während der „Zehn Hohen Tage“ zwischen Rosch haSchana und Jom Kippur werden zusätzliche Sätze eingefügt, die das Gedenken an das Leben und die Einschreibung ins Buch des Lebens betonen.
  • Fasttage: An Fasttagen wird im Mincha-Gebet ein spezieller Einschub gesprochen, der die Not und das Flehen um Erhörung in Zeiten der Bedrängnis hervorhebt.
  • Rosch Chodesch und Chol haMoed: An Neumonden und an den Zwischenfesttagen wird ein Gebet eingefügt, das das Gedenken an den Tag und seine Bedeutung hervorhebt.
  • 9. Aw: Am 9. Tag des Monats Aw, einem nationalen Trauertag, wird im Mincha-Gebet ein besonderer Trostgesang für Zion und Jerusalem eingefügt, der die Zerstörung des Tempels und die Hoffnung auf Wiederaufbau thematisiert.

Die historische Bedeutung und Entwicklung

Die Amidah hat tiefe historische Wurzeln. Ihre Entstehung ist eng mit den beiden täglichen Lamm-Opfern im Tempel verbunden, die morgens und nachmittags dargebracht wurden. Dementsprechend war die T’filah zunächst nur für diese beiden Tageszeiten verpflichtend. Im Blick auf das Motiv des dreimaligen Gebets am Tag, wie es etwa im Buch Daniel (Dan 6,11) beschrieben wird, wurde das Abendgebet der T’filah, das ursprünglich freiwillig war, im Laufe der Zeit ebenfalls zur Pflicht. Zusätzlich wird die T’filah auch beim Mussaf-Gebet am Sabbat und an Feiertagen sowie beim Abschlussgebet des Versöhnungstags (Ne’ilah) gebetet.

Die heutige Fassung des Gebets hat sich im babylonischen Judentum entwickelt, wobei es ursprünglich unterschiedliche Fassungen in Palästina und Babylonien gab. Die Festlegung der Bitten erfolgte gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. Die Hinzufügung der Keduscha und anderer spezifischer Einschübe erfolgte nach und nach, um die spirituelle Tiefe und Relevanz des Gebets weiter zu erhöhen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Amidah

Was bedeutet „Amidah“ und „Schmone Esre“?

„Amidah“ bedeutet im Hebräischen „das Stehende“ und bezieht sich darauf, dass dieses Gebet im Stehen verrichtet wird. „Schmone Esre“ bedeutet „achtzehn“ und verweist auf die ursprüngliche Anzahl der Segenssprüche, obwohl heute 19 Bitten enthalten sind.

Warum ist die Amidah so wichtig im Judentum?

Die Amidah ist das Zentrum jedes jüdischen Gottesdienstes und gilt als die primäre Form der direkten Kommunikation mit G’tt. Sie umfasst Lobpreis, Bitten und Dank und spiegelt die gesamte Bandbreite der menschlichen Beziehung zum Göttlichen wider.

Wird die Amidah immer leise gesprochen?

Nein. Die Gemeinde spricht die Amidah zunächst leise für sich selbst. Danach wiederholt der Vorbeter (Kantor) sie laut, wobei die Gemeinde an bestimmten Stellen, wie der Keduscha, aktiv und laut mitspricht. Die laute Wiederholung findet nur morgens und nachmittags statt.

Gibt es unterschiedliche Versionen der Amidah?

Ja, die Amidah variiert je nach Anlass. An Wochentagen enthält sie 19 Segenssprüche. Am Schabbat und an Feiertagen werden die 13 Bitten ausgelassen und durch einen thematischen Einschub ersetzt, wodurch das Gebet auf 7 Segenssprüche reduziert wird. Auch an bestimmten Fasttagen oder besonderen Feiertagen wie Rosch haChodesch gibt es spezifische Einschübe.

Kann jeder die Amidah beten?

Ja, grundsätzlich kann jeder Jude die Amidah beten. Sie ist ein fester Bestandteil des täglichen Gebets und kann sowohl in der Synagoge als auch privat zu Hause verrichtet werden.

Fazit

Die Amidah ist weit mehr als nur eine Abfolge von Worten; sie ist ein lebendiges Zeugnis der jüdischen Spiritualität, Geschichte und Hoffnung. Sie verbindet Generationen von Gläubigen durch ihre zeitlose Struktur und ihren tiefen Inhalt. Ob im stillen persönlichen Gebet oder im ekstatischen Chor der Gemeinde, die Amidah bleibt das unerschütterliche Herzstück des jüdischen Gebets, eine Brücke zwischen Himmel und Erde, die die tiefsten Sehnsüchte des menschlichen Herzens ausdrückt und die Gegenwart G’ttes im Alltag erfahrbar macht.

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