Kann man sich eine beliebige Sure aussuchen?

Maghrib-Gebet: Erste vs. Dritte Rakat

08/10/2022

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Das Gebet (Salat) ist eine der fünf Säulen des Islam und stellt eine direkte Verbindung zwischen dem Gläubigen und seinem Schöpfer dar. Es ist eine tägliche Praxis, die Disziplin, Demut und spirituelle Konzentration erfordert. Unter den fünf täglichen Gebeten nimmt das Maghrib-Gebet, das nach Sonnenuntergang verrichtet wird, eine besondere Stellung ein. Es besteht aus drei Gebetseinheiten, den sogenannten Rakat. Während der grundlegende Ablauf einer Rakat immer ähnlich ist, gibt es doch feine, aber entscheidende Unterschiede zwischen der ersten und der letzten Rakat, die das Ende des gesamten Gebets markieren.

Wann beginnt das Gebet?
Die Zeit des Nachtgebets ist bis zur Mitte der durchschnittlichen Nacht, und die Zeit des Morgengebets beginnt mit dem Erscheinen der Morgendämmerung, solange die Sonne nicht aufgegangen ist. Wenn die Sonne aufgeht, unterlasse das Gebet, denn sie geht zwischen den Hörnern des Teufels auf.

Bevor wir uns den spezifischen Unterschieden widmen, ist es unerlässlich, die Vorbereitung und den allgemeinen Ablauf des Gebets zu verstehen. Das Gebet beginnt nicht einfach mit dem Stehen auf dem Gebetsteppich, sondern mit einer rituellen Reinigung, der Waschung, bekannt als Wudu. Diese körperliche und geistige Reinigung bereitet den Gläubigen auf die heilige Handlung vor.

Inhaltsverzeichnis

Vorbereitung auf das Gebet: Die Wudu

Die Wudu ist ein fundamentaler Bestandteil der rituellen Reinheit im Islam und eine Voraussetzung für die Gültigkeit des Gebets. Sie symbolisiert nicht nur die äußere Sauberkeit, sondern auch die innere Bereitschaft und Konzentration auf die bevorstehende Anbetung. Der Ablauf der Wudu ist präzise und spirituell bedeutsam:

  • Absicht (Niyyah): Bevor man beginnt, fasst man die Absicht, die Waschung für das Gebet zu verrichten.
  • Hände waschen: Man beginnt, indem man die Hände bis zu den Handgelenken dreimal wäscht, beginnend mit der rechten Hand.
  • Mund spülen: Dreimal den Mund mit Wasser ausspülen.
  • Nase reinigen: Dreimal Wasser in die Nase ziehen und wieder ausschnauben.
  • Gesicht waschen: Das gesamte Gesicht von der Stirn bis zum Kinn und von Ohr zu Ohr dreimal waschen.
  • Arme waschen: Die Arme bis zu den Ellbogen dreimal waschen, zuerst den rechten, dann den linken Arm.
  • Kopf streichen (Masah): Mit nassen Händen einmal über den Kopf streichen, vom Haaransatz bis zum Nacken.
  • Ohren reinigen: Mit den Zeigefingern die Innenseite der Ohren und mit den Daumen die Außenseite der Ohren reinigen.
  • Füße waschen: Die Füße bis zu den Knöcheln dreimal waschen, zuerst den rechten, dann den linken Fuß.

Nachdem die Wudu abgeschlossen ist, sucht man sich einen sauberen und ruhigen Ort, richtet sich in Richtung der Kaaba in Mekka (Qibla) aus und ist bereit, das Maghrib-Gebet zu beginnen.

Der allgemeine Ablauf einer Rakat

Jede Rakat, ob die erste, zweite oder dritte, folgt einem grundlegenden Muster von Stehen, Verbeugen und Niederwerfen. Dieses Muster wird als 'Rakat' bezeichnet und bildet die Einheit des Gebets. Die Bewegungen sind nicht willkürlich, sondern haben tiefe spirituelle Bedeutungen, die Demut, Gehorsam und Hingabe symbolisieren.

1. Das Stehen (Qiyam) und Rezitation

Das Gebet beginnt mit dem Stehen. Man fasst die Absicht (Niyyah) für das spezifische Gebet (z.B. Maghrib) in seinem Herzen und hebt die Hände bis zu den Ohren, während man „Allahu Akbar“ (Allah ist der Größte) spricht. Dies ist der Takbirat al-Ihram, der 'Takbir der Heiligung', der den Beginn des Gebets markiert und alle weltlichen Dinge außerhalb des Gebets lässt.

Anschließend rezitiert man im Stehen die Sure Al-Fatiha, die Eröffnungssure des Korans. Sie ist das Herzstück jeder Rakat und wird in jedem Gebet wiederholt. Nach Al-Fatiha rezitiert man eine weitere Sure oder mehrere Verse aus dem Koran. Die Auswahl der Suren ist dem Betenden freigestellt und kann variieren.

2. Die Verbeugung (Ruku)

Nach der Rezitation beugt man sich in die Ruku. Dabei legt man die Hände auf die Knie, der Rücken ist gerade und parallel zum Boden. In dieser Position spricht man dreimal „Subḥāna Rabbiyal-ʿAẓīm“ (Gepriesen sei mein Herr, der Allergrößte). Die Ruku symbolisiert Demut und die Anerkennung der Größe Allahs.

Danach erhebt man sich wieder aus der Ruku, spricht dabei „Sami' Allahu liman Hamidah“ (Allah hört denjenigen, der Ihn lobt) und im Stehen „Rabbana wa lakal-hamd“ (Unser Herr, Dir gebührt alles Lob).

3. Die Niederwerfung (Sujud)

Von der aufrechten Position geht man in die Niederwerfung über, den Sujud. Dabei legt man Stirn, Nase, Hände, Knie und Zehenspitzen auf den Boden. Dies ist die tiefste Form der Demut und Hingabe, da man das höchste Körperteil (den Kopf) auf den Boden legt, um die eigene Kleinheit vor Allah zu zeigen. In dieser Position spricht man dreimal „Subḥāna Rabbiyal-A‘lā“ (Gepriesen sei mein Herr, der Allerhöchste).

Nach dem ersten Sujud erhebt man sich kurz in eine sitzende Position (Jalsa), die kurz ist und dem Betenden erlaubt, sich zu sammeln. Dann verrichtet man einen zweiten Sujud, wobei man erneut dreimal „Subḥāna Rabbiyal-A‘lā“ spricht. Nach dem zweiten Sujud erhebt man sich wieder, um die nächste Rakat zu beginnen.

Die erste Rakat des Maghrib-Gebets

Die erste Rakat des Maghrib-Gebets folgt genau dem oben beschriebenen Muster. Sie beginnt mit der Absicht und dem Takbirat al-Ihram, gefolgt von der Rezitation der Sure Al-Fatiha und einer weiteren Sure oder Versen. Danach folgen die Ruku und die beiden Sujuds.

Der entscheidende Punkt der ersten Rakat ist, dass sie keine abschließende Sitzhaltung enthält. Nach dem zweiten Sujud erhebt man sich direkt wieder in die stehende Position (Qiyam), um die zweite Rakat zu beginnen. Die erste Rakat ist somit ein Startpunkt und ein Baustein für das gesamte Gebet.

Die dritte Rakat des Maghrib-Gebets: Der krönende Abschluss

Die zweite und dritte Rakat folgen in ihren *inneren Bewegungsabläufen* der ersten Rakat, wie in der Einleitung erwähnt. Das bedeutet, auch in der dritten Rakat rezitiert man die Sure Al-Fatiha, gefolgt von einer weiteren Sure oder Versen, verrichtet die Ruku und die beiden Sujuds.

Der fundamentale Unterschied der dritten Rakat liegt jedoch in ihrem Abschluss. Sie ist die letzte Rakat des Maghrib-Gebets und daher folgen ihr bestimmte Handlungen, die das gesamte Gebet beenden:

Nach dem zweiten Sujud in der dritten Rakat erhebt man sich nicht wieder zum Stehen, sondern setzt sich in eine spezielle Sitzhaltung. In dieser Sitzhaltung verrichtet man den Tashahhud. Dies ist eine wichtige Anrufung, in der man den Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) und andere gute Diener Allahs grüßt und Allah bezeugt, dass es keinen Gott außer Ihm gibt und Muhammad Sein Diener und Gesandter ist. Der Tashahhud ist ein Moment der Besinnung und des Gebets für den Propheten und die gesamte Ummah.

Nach dem Tashahhud folgen die Segenswünsche für den Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), bekannt als Salawat oder Durud Ibrahimiyyah. Dies ist ein Ausdruck der Liebe und des Respekts für den Propheten.

Der Abschluss des Gebets erfolgt dann mit dem Salam. Dabei dreht man den Kopf zuerst nach rechts und spricht „As-salamu alaikum wa rahmatullah“ (Friede sei mit euch und die Barmherzigkeit Allahs) und dann nach links, wobei man dieselben Worte spricht. Der Salam ist der Gruß an die Engel auf beiden Seiten und an die anderen Betenden und markiert das offizielle Ende des Gebets. Es ist ein Akt des Friedens und des Abschlusses der Andacht.

Vergleichstabelle: Erste Rakat vs. Dritte Rakat (Maghrib)

MerkmalErste RakatDritte Rakat
BeginnTakbirat al-Ihram (Gebetsbeginn)Direkt aus der sitzenden Position (nach 2. Rakat)
Rezitation (Qiyam)Al-Fatiha + zusätzliche Sure/VerseAl-Fatiha + zusätzliche Sure/Verse
Verbeugung (Ruku)Ja, einmalJa, einmal
Niederwerfung (Sujud)Ja, zweimalJa, zweimal
Sitzhaltung nach 2. SujudKeine (direktes Erheben für 2. Rakat)Ja, für Tashahhud und Salawat
TashahhudNeinJa, der letzte Tashahhud
Salawat (Gebete für den Propheten)NeinJa
Salam (Gebetsende)NeinJa (nach rechts und links)
FunktionErster Baustein des GebetsAbschluss und Beendigung des Gebets

Die Bedeutung von Konzentration (Khushu) im Gebet

Unabhängig davon, ob es sich um die erste oder dritte Rakat handelt, ist die innere Konzentration, bekannt als Khushu, von größter Bedeutung. Khushu bedeutet, dass das Herz dem Gebet vollständig gewidmet ist, dass man sich der Gegenwart Allahs bewusst ist und seine Worte und Bewegungen mit tiefer Ehrfurcht ausführt. Ohne Khushu wird das Gebet zwar äußerlich verrichtet, aber seine spirituelle Kraft und sein Nutzen können gemindert sein.

Khushu zu erreichen, erfordert Übung und Disziplin. Es bedeutet, alle weltlichen Gedanken während des Gebets beiseite zu schieben und sich voll und ganz auf die Rezitation, die Bedeutung der Worte und die bewusste Ausführung jeder Bewegung zu konzentrieren. Es ist ein ständiger Kampf gegen Ablenkungen, aber die Belohnung ist eine tiefere Verbindung zu Allah und ein innerer Frieden, der über das Gebet hinaus in den Alltag strahlt.

Häufig gestellte Fragen zum Maghrib-Gebet und den Rakat

Warum hat das Maghrib-Gebet nur drei Rakat, während andere Gebete vier haben?

Die Anzahl der Rakat für jedes Pflichtgebet wurde vom Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) festgelegt, basierend auf der Offenbarung Allahs. Die Weisheit dahinter ist vielschichtig und nicht immer vollumfänglich für den Menschen zu erfassen. Es wird angenommen, dass die Anzahl der Rakat eine göttliche Anordnung ist, die die göttliche Ordnung und das Gleichgewicht im Universum widerspiegelt. Maghrib ist das kürzeste der täglichen Gebete in Bezug auf die Rakat-Anzahl, während Dhuhr, Asr und Isha vier Rakat haben und Fajr zwei. Jedes Gebet hat seine spezifische Zeit und Bedeutung, und die Anzahl der Rakat ist Teil dieser von Allah gewählten Ordnung.

Muss ich in der dritten Rakat des Maghrib-Gebets eine andere Sure nach Al-Fatiha lesen als in der ersten?

Nein, es gibt keine Verpflichtung, in der dritten Rakat eine andere Sure zu lesen als in der ersten. Es ist erlaubt, in jeder Rakat dieselbe Sure nach Al-Fatiha zu rezitieren, oder man kann in jeder Rakat eine andere Sure wählen. Die Auswahl ist flexibel und hängt von der Kenntnis und Vorliebe des Betenden ab. Wichtig ist nur, dass nach Al-Fatiha eine zusätzliche Sure oder mindestens drei Verse aus dem Koran rezitiert werden.

Was ist die Bedeutung von „Subḥāna Rabbiyal-ʿAẓīm“ und „Subḥāna Rabbiyal-A‘lā“?

„Subḥāna Rabbiyal-ʿAẓīm“ bedeutet „Gepriesen sei mein Herr, der Allergrößte“. Dieser Spruch wird in der Ruku (Verbeugung) gesprochen und unterstreicht die Größe und Erhabenheit Allahs. Es ist ein Ausdruck der Demut und Anerkennung Seiner unermesslichen Macht und Majestät.

„Subḥāna Rabbiyal-A‘lā“ bedeutet „Gepriesen sei mein Herr, der Allerhöchste“. Dieser Spruch wird im Sujud (Niederwerfung) gesprochen. Da der Sujud die tiefste Form der Demut ist, bei der man sein Gesicht auf den Boden legt, erinnert dieser Spruch daran, dass Allah trotz unserer tiefsten Erniedrigung der Allerhöchste ist, unendlich über allem Erschaffenen. Es ist eine Bestätigung Seiner Transzendenz und unserer absoluten Abhängigkeit von Ihm.

Was passiert, wenn ich versehentlich einen Schritt im Gebet vergesse oder hinzufüge?

Wenn man versehentlich einen obligatorischen Teil des Gebets (wie eine Ruku oder einen Sujud) vergisst, muss man ihn nachholen, sobald man sich daran erinnert. Wenn man sich erst nach dem Salam erinnert, muss man das Gebet unter Umständen wiederholen, je nachdem, was vergessen wurde. Für kleinere Fehler, wie das Vergessen einer Sunnah-Handlung oder das Hinzufügen einer zusätzlichen Bewegung, gibt es die Möglichkeit, am Ende des Gebets zwei zusätzliche Niederwerfungen zu verrichten, bekannt als Sujud as-Sahw (Niederwerfung der Vergesslichkeit). Dies dient dazu, den Fehler auszugleichen und das Gebet gültig zu machen. Es ist ratsam, sich bei Unsicherheiten an einen Gelehrten zu wenden.

Gibt es auch bei anderen Gebeten Unterschiede zwischen der ersten und der letzten Rakat?

Ja, das Prinzip, dass die letzte Rakat eines Gebets den Tashahhud und Salam beinhaltet, gilt für alle Pflichtgebete. Bei einem Zwei-Rakat-Gebet wie Fajr ist die zweite Rakat die letzte und beinhaltet den Tashahhud und Salam. Bei Vier-Rakat-Gebeten (Dhuhr, Asr, Isha) beinhaltet die vierte Rakat den letzten Tashahhud und Salam. Bei diesen Gebeten gibt es oft auch einen kürzeren, ersten Tashahhud nach der zweiten Rakat, bevor man für die dritte Rakat aufsteht. Das unterstreicht die Rolle der letzten Rakat als dem abschließenden Segment der Anbetung.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das islamische Gebet eine tief strukturierte und bedeutungsvolle Handlung ist. Obwohl die grundlegenden Bewegungen einer Rakat sich wiederholen, ist der Übergang von der ersten zur dritten Rakat im Maghrib-Gebet von entscheidender Bedeutung. Die erste Rakat ist ein Beginn, der in die Fortsetzung des Gebets führt, während die dritte Rakat mit dem Tashahhud und dem Salam den würdevollen und vollständigen Abschluss der Anbetung darstellt. Das Verständnis dieser Nuancen vertieft nicht nur unser Wissen über das Gebet, sondern auch unsere spirituelle Verbindung zu Allah, dem Allmächtigen.

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