Was versteht man unter Berufung?

Was Berufung im Glauben wirklich bedeutet

14/11/2022

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Der Begriff „Berufung“ trägt in sich eine immense Tiefe und Vielfalt, die weit über die landläufige Vorstellung eines bloßen Berufs oder einer Karriere hinausgeht. Im Kontext des Glaubens, insbesondere im christlichen Verständnis, spricht die Berufung von einem Ruf – einem Ruf, der unser ganzes Sein umfasst und uns in eine tiefere Beziehung zu Gott und unserem wahren Lebenszweck führt. Es ist eine Einladung, die unser Innerstes berührt und uns auf einen Weg der Transformation und Hingabe einlädt. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem mächtigen Wort, und wie manifestiert sich die Berufung in unserem Leben?

Die griechischen Begriffe καλέω (kaleo – rufen), κλῆσις (klesis – Ruf, Berufung) und κλητός (kletos – Gerufener) sind in der Heiligen Schrift vielschichtig angewendet. Sie offenbaren, dass Berufung kein monolithisches Konzept ist, sondern ein facettenreiches Juwel, das in verschiedenen Lichtverhältnissen unterschiedliche Aspekte seines Glanzes zeigt. Von unserem Platz in der Gesellschaft bis hin zum erhabenen Ruf zur ewigen Errettung – die Bibel zeichnet ein umfassendes Bild dessen, wie Gott uns anspricht und für seinen Plan gebraucht.

Was ist der kürzeste Fall von Berufung?
r dritte Fall von Berufung ist der kürzeste. Dafür steht er genau n der Mitte der Gesamterzählung: Jesus selbst findet einen Jünger, Philippus. Dieser stammt aus dem gleichen Umfeld wie die anderen: aus Betsaida. Diese kurze Geschichte ist nicht ausgestaltet. Ihre Stellung mitten unter den anderen Berufungen besagt Folgendes: Berufun
Inhaltsverzeichnis

Die alltägliche Berufung: Unser Platz in der Welt

Die erste und oft übersehene Dimension der Berufung betrifft unsere gewöhnliche Stellung im Leben. Ob als Sklave oder Freier, jeder Mensch hat einen „Beruf“ oder eine „Berufung“ in seinem täglichen Umfeld. Der Apostel Paulus ermahnt die Christen in 1. Korinther 7,20-24, in dem „Beruf“ zu bleiben, in dem sie berufen wurden, sofern es mit Gottes Willen vereinbar ist. Dies bedeutet nicht, dass man sich niemals beruflich oder gesellschaftlich verändern sollte, sondern dass die Umstände, in denen wir uns bei unserer Bekehrung befinden, nicht unbedingt geändert werden müssen, um Gott zu dienen. Vielmehr können wir gerade in diesen Umständen unseren Glauben leben und Gott ehren. Die Berufung hier ist, Christus in unserem Alltag zu widerspiegeln, sei es als Arbeiter, Familienmitglied oder Bürger. Es geht darum, unsere Aufgaben mit Integrität und einem Herzen voller Dankbarkeit zu erfüllen, wissend, dass jede ehrliche Arbeit, die wir tun, zu seiner Ehre geschehen kann. Diese Form der Berufung lehrt uns, dass Heiligkeit nicht nur im Kloster oder im Dienst auf der Kanzel gefunden wird, sondern auch im Waschen von Geschirr, im Erziehen von Kindern oder im Ausüben eines Handwerks. Es ist die Berufung, Christus in jedem Aspekt unseres Lebens zu verherrlichen.

Der allgemeine Ruf: Die Einladung des Evangeliums

Eine weitere bedeutende Form der Berufung ist der allgemeine Ruf oder die Einladung durch das Evangelium. Dies ist der Ruf, der an alle Menschen ergeht, Buße zu tun und an Jesus Christus zu glauben. In Matthäus 20,16 und 22,14 heißt es: „Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.“ Dieser Vers hebt einen wichtigen Unterschied hervor: Der Ruf des Evangeliums ist universell und richtet sich an jeden, der Ohren hat zu hören. Er ist eine offene Einladung zur Errettung und zum ewigen Leben. Doch nicht jeder, der diesen Ruf hört, nimmt ihn an. Die „Auserwählten“ sind diejenigen, die auf diesen Ruf reagieren und durch Gottes Gnade erwählt sind, ihn anzunehmen. Dieser allgemeine Ruf ist die Grundlage für jede weitere Form der Berufung, denn ohne die Annahme des Evangeliums kann keine tiefere göttliche Berufung in unserem Leben wirksam werden. Er ist die Tür, durch die wir in Gottes Reich eintreten und seine Liebe und Vergebung erfahren.

Gottes persönlicher Ruf: Ein Weg der Hingabe

Neben dem allgemeinen Ruf gibt es Gottes persönlichen Ruf an Einzelne. Dieser Ruf ist spezifisch und oft mit einer bestimmten Aufgabe oder einem bestimmten Weg verbunden. Gott spricht Menschen direkt an und befähigt sie gleichzeitig, ihm zu gehorchen. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist Abraham, der berufen wurde, sein Land und seine Verwandtschaft zu verlassen, um in ein unbekanntes Land zu ziehen, das Gott ihm zeigen würde (Hebräer 11,8). Abrahams Berufung erforderte immensen Gehorsam und Glauben. Er wusste nicht, wohin er gehen sollte, aber er vertraute dem Ruf Gottes. Solche individuellen Berufungen können sich in verschiedenen Formen manifestieren: Es kann der Ruf sein, Missionar zu werden, ein geistliches Amt zu übernehmen, eine Familie zu gründen, sich in der Gemeinde zu engagieren oder einen Dienst in der Gesellschaft zu leisten. Das Kennzeichen dieser Berufung ist, dass Gott denjenigen, den er ruft, auch ausrüstet und ihm die nötige Willigkeit und Kraft gibt, dem Ruf zu folgen. Es ist ein Akt der Hingabe und des Vertrauens, bei dem wir unsere eigenen Pläne loslassen und uns Gottes höherem Plan unterordnen.

Die absolute Berufung zur Errettung: Gnade und Rechtfertigung

Die tiefste und fundamentalste Bedeutung der Berufung ist die absolute Berufung zur Errettung. Römer 8,30 formuliert es prägnant: „Welche er aber zuvorbestimmt hat, diese hat er auch berufen; und welche er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt; welche er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht.“ Diese Passage beschreibt die „goldene Kette der Errettung“, die von Gottes ewiger Vorherbestimmung bis zur endgültigen Verherrlichung reicht. Hier ist die Berufung nicht nur eine Einladung, sondern eine wirksame, unwiderrufliche Tat Gottes, die den Menschen zur Umkehr bewegt und zur Rechtfertigung führt (vgl. Römer 11,29). Die Heiligen sind Heilige durch Berufung, die Apostel waren Apostel durch Berufung (Römer 1,1.7). Dies unterstreicht, dass unsere Identität in Christus nicht aus eigener Leistung, sondern aus Gottes souveränem Ruf entspringt. Es ist die Gnade Gottes, die uns erwählt, ruft und befähigt, in eine Beziehung zu ihm zu treten und seinen Willen zu tun. Diese Berufung ist der Kern unseres christlichen Lebens und die Quelle unserer Hoffnung und unseres Friedens.

Arten der Berufung im Vergleich

Art der BerufungBeschreibungBiblische Referenz (Beispiel)Fokus
Alltägliche/LebensstellungLeben des Glaubens in den gegebenen gesellschaftlichen Umständen.1. Korinther 7,20-24Heiligung im Alltag, Zeugnis
Allgemeiner RufEinladung des Evangeliums an alle Menschen zur Buße und zum Glauben.Matthäus 20,16; 22,14Evangelisation, universelle Einladung
Persönlicher RufSpezifischer Ruf Gottes an Einzelne für eine besondere Aufgabe oder einen Weg.Hebräer 11,8 (Abraham)Gehorsam, spezifischer Dienst
Absolute Berufung zur ErrettungGottes wirksamer Ruf, der zur Rechtfertigung und Verherrlichung führt.Römer 8,30Gnade, Errettung, Identität in Christus

Die eigene Berufung festmachen: Ein Prozess des Glaubens

Wenn wir von Gottes Berufung sprechen, ist es entscheidend zu verstehen, dass dies nicht nur ein einmaliges Ereignis ist, sondern ein fortlaufender Prozess. Petrus ermahnt die Gläubigen in 2. Petrus 1,10, allen Fleiß anzuwenden, um ihre „Berufung und Erwählung“ fest zu machen. Dies bedeutet nicht, dass wir Gottes Plan für uns ändern könnten, sondern dass wir in unserem eigenen Bewusstsein und Erleben die Gewissheit unserer Berufung und Erwählung stärken sollen. Es geht darum, unsere Beziehung zu Christus zu vertiefen, geistlich zu wachsen und die Früchte des Geistes in unserem Leben sichtbar werden zu lassen. Durch Gebet, Studium des Wortes, Gemeinschaft mit anderen Gläubigen und das Ausüben unseres Glaubens können wir unsere Berufung immer klarer erkennen und in ihr wandeln. Es ist ein aktiver Prozess der Vertiefung und des Engagements, der uns hilft, in der Gewissheit von Gottes Plan für uns zu leben.

Die höhere Berufung: Himmlisch und heilig

Die Bibel spricht auch von einer noch höheren Dimension der Berufung. Wir lesen von der „hohen Berufung Gottes nach oben“ (Philipper 3,14), dem „heiligen Ruf“ (2. Timotheus 1,9) und „der himmlischen Berufung“ (Hebräer 3,1). Diese Ausdrücke weisen auf das ultimative Ziel unserer Berufung hin: die ewige Gemeinschaft mit Gott in Herrlichkeit. Es ist ein Ruf, der uns über die irdischen Begrenzungen hinaushebt und unseren Blick auf das Himmlische richtet. Der „heilige Ruf“ betont die Reinheit und Heiligkeit, zu der wir berufen sind – ein Leben, das Gott geweiht ist und seinen Charakter widerspiegelt. Die „himmlische Berufung“ erinnert uns daran, dass unser wahres Zuhause nicht auf dieser Erde ist, sondern in der himmlischen Sphäre bei Christus. Diese höhere Berufung motiviert uns, uns von den Dingen dieser Welt zu lösen und uns auf das ewige Erbe zu konzentrieren. Sie verleiht unserem Leben einen transzendenten Zweck und eine unerschütterliche Hoffnung.

Was versteht man unter Berufung?
Berufung in einem absoluten Sinn für die Errettung: „Welche er aber zuvorbestimmt hat, diese hat er auch berufen; und welche er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt" (Rö 8,30; vgl. Rö 11,29). Die Heiligen sind Heilige durch Berufung, die Apostel waren Apostel durch Berufung (Rö 1,1.7).

Der kürzeste Fall von Berufung: Philippus und die Direktheit Gottes

Interessanterweise hebt der bereitgestellte Text auch den „kürzesten Fall von Berufung“ hervor: die Berufung des Philippus durch Jesus selbst. Diese kurze Geschichte, die nicht weiter ausgestaltet ist, steht genau in der Mitte der Gesamterzählung der Jüngerberufungen. Jesus findet Philippus, der wie andere Jünger aus Betsaida stammt, und ruft ihn. Die Kürze dieser Begebenheit ist bedeutsam. Sie zeigt, dass Gottes Ruf manchmal direkt, unkompliziert und ohne große Vorankündigung erfolgen kann. Es bedarf keiner langen Vorbereitung oder ausführlichen Gespräche; manchmal ist es ein einfaches „Folge mir nach“. Diese Direktheit unterstreicht die Souveränität Gottes und die Notwendigkeit einer sofortigen Antwort auf seinen Ruf. Philippus' Berufung erinnert uns daran, dass Gott auf vielfältige Weise ruft und dass wir bereit sein sollten, schnell zu reagieren, wenn er uns anspricht.

Häufig gestellte Fragen zur Berufung

Ist Berufung nur für Pastoren oder Missionare?

Nein, absolut nicht. Wie wir gesehen haben, umfasst die Berufung sowohl den allgemeinen Ruf zur Errettung, der an alle Gläubigen ergeht, als auch spezifische, persönliche Berufungen, die sich im Alltag, im Beruf, in der Familie oder im Dienst in der Gemeinde manifestieren können. Jeder Christ hat eine Berufung, die Christus in seinem Leben zu verherrlichen, unabhängig von seinem beruflichen oder sozialen Status. Der Dienst als Pastor oder Missionar ist nur eine spezielle Form der Berufung, aber nicht die einzige.

Wie erkenne ich meine persönliche Berufung?

Das Erkennen der persönlichen Berufung ist oft ein Prozess, der Gebet, Bibellese, Reflexion und die Beratung mit geistlichen Mentoren erfordert. Achten Sie auf Ihre Leidenschaften, Ihre Gaben und Talente, die Bedürfnisse um Sie herum und die Bestätigung durch andere Gläubige. Oftmals spricht Gott auch durch innere Überzeugungen und Gelegenheiten. Es ist wichtig, geduldig zu sein und offen für Gottes Führung zu bleiben, wissend, dass er Sie auf den Weg führen wird, den er für Sie vorbereitet hat.

Kann ich meine Berufung verfehlen oder verlieren?

Die absolute Berufung zur Errettung ist unwiderruflich, da sie auf Gottes souveränem Plan beruht (Römer 11,29). Doch im Hinblick auf spezifische persönliche Berufungen kann es vorkommen, dass man Gottes Führung ignoriert oder von seinem Weg abkommt. Das bedeutet nicht, dass Gott Sie aufgibt, sondern dass Sie möglicherweise nicht den vollen Segen oder die Erfüllung erfahren, die mit dem Gehorsam gegenüber seiner Berufung verbunden gewesen wären. Gott ist jedoch ein Gott der zweiten Chancen und kann uns immer wieder auf den richtigen Weg zurückführen, wenn wir uns ihm zuwenden.

Was ist der Unterschied zwischen Berufung und Erwählung?

Erwählung bezieht sich auf Gottes ewigen Ratschluss, bestimmte Personen für die Errettung auszuwählen, bevor die Welt gegründet wurde. Es ist ein Akt seiner souveränen Gnade. Berufung hingegen ist der konkrete Ruf Gottes an diese erwählten Personen, sich ihm zuzuwenden und in eine Beziehung zu ihm zu treten. Während die Erwählung Gottes verborgener, ewiger Plan ist, ist die Berufung die sichtbare Manifestation dieses Plans in Zeit und Raum. Die Berufung ist die Brücke, die von der Erwählung zur Rechtfertigung und Verherrlichung führt.

Die Berufung ist somit ein zentrales Thema im christlichen Glauben, das uns daran erinnert, dass unser Leben einen göttlichen Sinn und Zweck hat. Es ist ein Ruf zur Beziehung mit Gott, zur Heiligkeit im Alltag, zum Dienst an anderen und letztlich zur ewigen Gemeinschaft mit unserem Schöpfer. Indem wir uns diesem Ruf öffnen und ihm mit Glauben und Gehorsam folgen, können wir ein Leben führen, das nicht nur uns selbst, sondern auch Gott zutiefst ehrt und erfüllt.

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