15/06/2024
Wer kennt ihn nicht, den Heiligen Nikolaus? Er ist ein Phänomen, dieser Mann! Kaum ein Heiliger ist so populär und beliebt wie er. Sein Bild begegnet uns oft in diesen Tagen, aus Schokolade oder Marzipan, in Schaufenstern und an Häuserwänden. Er kommt mit einem Sack süßer Sachen in die Familien und in den Kindergarten, zu Nikolausfeiern in Frauenkreisen, Altersheimen und Seniorenclubs. Man begegnet ihm in den vorweihnachtlichen Einkaufstraßen unserer Städte und vor den großen Warenhäusern. Leider oft zum vertrottelten Weihnachtsmann verkommen, der mit unserem heutigen Tagesheiligen nicht mehr viel zu tun hat. Nikolaus ist einer der meistverehrten Heiligen in Ost und West. Zahllose Kirchen tragen seinen Namen. In der ganzen Welt ist er bekannt. – Er ist ein Phänomen, dieser Mann. Und doch weiß man kaum etwas über sein Leben. Eigentlich nur, dass er im 4. Jahrhundert in Myra / Kleinasien Bischof war. Ein einziges geschriebenes Wort ist von ihm überliefert: seine Unterschrift beim Konzil von Nizäa im Jahr 325. Auf dieser ersten großen Bischofsversammlung wurde die Irrlehre des Arius verworfen. Der Arianismus leugnete die Gottessohnschaft Jesu. Nikolaus verteidigte vehement die Wesensgleichheit der drei göttlichen Personen und unterschrieb jenes Glaubensbekenntnis, das wir das Große nennen und das alle christlichen Konfessionen heute noch gemeinsam beten.

Auch wenn wir – geschichtlich gesehen – nur wenig von Nikolaus wissen, so ist er doch ein ganz volkstümlicher Heiliger. Der Mangel an sicheren Nachrichten wird wettgemacht durch einen reichen Kranz von Legenden, die sich um seine Gestalt ranken. Sie schmücken sein Bild wie ein wertvoller Rahmen. In allen zeigt sich Nikolaus als ein Freund der Menschen. Seine Güte und Hilfsbereitschaft: das ist es, was unvergessen geblieben ist bis heute. Als ich einmal bei einer Nikolausfeier ein kleines Mädchen fragte, wer der Heilige Nikolaus war, da sagte es vor allen Leuten: „Nikolaus war ein guter Mann!“ Ganz einfach! Und goldrichtig! Den Nagel auf den Kopf getroffen!
- Die Essenz seines Seins: Güte und Hilfsbereitschaft in Taten
- Nikolaus und der Advent: Ein Bote der Freude, nicht der Furcht
- Die bleibende Botschaft des Heiligen Nikolaus: Liebe in Taten
- Vergleich: Der Heilige Nikolaus vs. Der Kommerzielle Weihnachtsmann
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Fazit: Ein Vorbild für uns alle
Die Essenz seines Seins: Güte und Hilfsbereitschaft in Taten
Die Güte des Heiligen Nikolaus hat sich in zahlreichen Legenden niedergeschlagen. Alle variieren im Grunde genommen nur dieses eine Thema: Nikolaus war ein guter Mann. Daran haben sich die Menschen erinnert. Und darüber haben sie Geschichten erzählt, die seine außergewöhnliche Barmherzigkeit und sein tiefes Mitgefühl für die Notleidenden unterstreichen. Diese Erzählungen sind weit mehr als bloße Anekdoten; sie sind Zeugnisse einer Lebenshaltung, die bis heute inspiriert.
Legenden, die seine Güte bezeugen
Eine der bekanntesten Geschichten handelt von den drei Töchtern eines Edelmannes, der Witwer war und durch einen Schicksalsschlag völlig verarmte. Die Familie litt unter größter Not, und der Vater konnte für die Hochzeit seiner Töchter nicht die nötige Aussteuer aufbringen. Dies brach dem vornehmen Mann fast das Herz, und in seiner Verzweiflung überlegte er sogar, seine Kinder der Prostitution preiszugeben, um ihr Überleben zu sichern. Da packte Nikolaus, der von der entsetzlichen Absicht des Vaters erfuhr, eines Nachts drei Goldstücke und warf sie, eingewickelt in ein Tuch, unbemerkt in sein Haus. So konnten seine drei Töchter heiraten und blieben von einem schweren Schicksal verschont. Diese Legende illustriert nicht nur Nikolaus' Großzügigkeit, sondern auch seine Diskretion und sein tiefes Verständnis für die Würde der Menschen.
In Konstantinopel, so weiß eine andere Legende, wurden einmal drei Offiziere bei Kaiser Konstantin unschuldig wegen Hochverrats angeklagt. Sie wurden in einen Turm gesperrt und warteten dort auf ihren Henker. In ihrer Verzweiflung riefen sie zu Gott, er möge ihnen den Heiligen Nikolaus zu Hilfe senden. Dieser erschien dem Kaiser im Traum und redete ihm kräftig ins Gewissen, indem er die Unschuld der Offiziere und die Ungerechtigkeit ihrer Verurteilung aufzeigte. Daraufhin ließ der Kaiser die drei Unschuldigen frei. Diese Geschichte hebt Nikolaus' Einfluss und seine Rolle als Fürsprecher für Gerechtigkeit hervor, selbst gegenüber weltlichen Machthabern.
Weiterhin wird erzählt, dass Nikolaus in Seenot geratenen Schiffern zu Hilfe kam und sie vor dem Ertrinken bewahrte. Diese Legenden machten ihn zum Schutzpatron der Seeleute. Eine andere, bemerkenswerte Erzählung berichtet, dass er sogar drei ermordete Schüler wieder zum Leben erweckte, was seine wundersame Macht und seine grenzenlose Barmherzigkeit unterstreicht. Eine weitere Geschichte handelt von einer Hungersnot, die der Stadt Myra bevorstand und die der Bischof Nikolaus abwendete. Und das geschah so: Ein Schiff, beladen mit Getreide, war unterwegs von Ägypten nach Konstantinopel. Im Hafen von Myra weigerte sich der Kapitän, auch nur ein Korn abzugeben, da die Ladung für den Kaiser bestimmt war. Nikolaus brachte es trotzdem fertig, das Schiff zum Teil entladen zu lassen, um die hungernde Bevölkerung von Myra zu versorgen. Das finde ich ganz schön mutig und kühn. Und das Wunderbare: Als der Kapitän Konstantinopel erreichte – voller Angst vor dem Kaiser – da fehlte nichts von der ursprünglichen Ladung. Myra aber war über Wochen hinweg versorgt. Nikolaus erwies sich als Retter in der Not. Das hat ihm große Zuneigung eingebracht. Zahllos sind die Wundererzählungen über Bischof Nikolaus, die alle seine Fähigkeit zur Hilfe und seine tiefe Verbundenheit mit den Menschen in den Vordergrund stellen.
Nikolaus und der Advent: Ein Bote der Freude, nicht der Furcht
Übrigens, in keiner Nikolauserzählung kommt Knecht Ruprecht vor, der die bösen Kinder in den Sack steckt oder mit einer Rute straft. In keiner geht es um Bestrafung, sondern immer um Rettung und Befreiung. Wie es auch Gott in der Erlösungstat Jesu Christi nur um Rettung und Befreiung geht. Und nichts anderes. Ich finde es schade, dass der Heilige Nikolaus da und dort zum Kinderschreck geworden ist. Der Heilige Nikolaus will nicht Angst machen, sondern Freude. Der Heilige Nikolaus ist ein lebendiger Hinweis auf Gott. Er kann uns die Liebe Gottes zu uns Menschen vergegenwärtigen.
In allen Legenden steht seine tatkräftige und selbstlose Nächstenliebe im Mittelpunkt, sein Mitfühlen mit den Notleidenden und Armen, seine Gebefreudigkeit, seine Hilfsbereitschaft, seine Großherzigkeit. Ja, Nikolaus hatte – wie Jesus selbst – ein liebevolles Herz für die ihm Anvertrauten, besonders für die Armen, die Hungernden und die Kranken. Im Heiligen Nikolaus sehen wir das Idealbild eines von Gott ganz und gar geprägten und vom Evangelium inspirierten Menschen. Heute sein Fest feiern, das heißt, sich berühren lassen vom Geist des Evangeliums, sich durchdringen lassen von der Gesinnung Jesu. Heute sein Fest feiern, das heißt, sich entzünden und anstecken lassen von der Liebe, die den Heiligen Nikolaus erfüllt hat.
Die bleibende Botschaft des Heiligen Nikolaus: Liebe in Taten
Nikolaus hat ernst gemacht mit der Liebe. Danach werden wir einmal gefragt am Ende unseres Lebens, nach der Liebe. Viele reden davon. Liebe ist aber nicht nur ein Wort. Liebe, das sind Worte und Taten. Was zählt, ist die konkrete, praktische Liebe. Der Heilige Nikolaus zeigt uns auch heute noch, worauf es ankommt. Das müssen gar keine großen und spektakulären Dinge sein, ein Zuhören, ein freundlicher Gruß, ein Händedruck, eine liebevolle Umarmung, ein Krankenbesuch, Zeit haben. Zeit haben ist meines Erachtens heute eines der wichtigsten Werke der Barmherzigkeit, in einer Welt, die von Hektik und Oberflächlichkeit geprägt ist. Wenn wir jemandem unsere ungeteilte Aufmerksamkeit schenken, eine echte Begegnung ermöglichen, dann ist das ein Akt tiefer Nächstenliebe.
Von Alfred Delp stammt das Wort: „Wenn durch einen Menschen ein wenig mehr Liebe und Güte, ein wenig mehr Licht und Wahrheit in der Welt war, dann hat sein Leben einen Sinn gehabt.“ Der Heilige Nikolaus mahnt uns, nach dem Hauptgebot unseres Herrn zu leben: in Gottesliebe und Nächstenliebe. Dies ist eine ganz wichtige Weisung auf unserem Lebensweg, wenn nicht sogar die wichtigste. Denn das ist das größte Gebot.
Ich finde, es passt gut, dass das Fest des Heiligen Nikolaus im Advent gefeiert wird. Denn Nikolaus ist eine wahrhaft adventliche Gestalt. In ihm wird, meine ich, etwas deutlich vom Advent Gottes, vom Kommen Gottes in unsere Welt. Nikolaus ist gleichsam ein Vorbote des Christkindes. An Weihnachten werden wir hören: „Erschienen ist die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes“. Etwas davon hat der Heilige Nikolaus gelebt und sichtbar gemacht. Durch ihn haben die Menschen heilsam und segensreich die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes erfahren.
Vergleich: Der Heilige Nikolaus vs. Der Kommerzielle Weihnachtsmann
Es ist wichtig, den wahren Heiligen Nikolaus von dem kommerziellen Weihnachtsmann zu unterscheiden, der oft in der vorweihnachtlichen Zeit auftaucht. Obwohl beide Figuren Geschenke verteilen, unterscheiden sich ihre Ursprünge, ihre Botschaft und ihr Fokus grundlegend.
| Merkmal | Der Heilige Nikolaus | Der kommerzielle Weihnachtsmann |
|---|---|---|
| Ursprung | Historische Person, Bischof von Myra (4. Jahrhundert) | Moderne Erfindung, basierend auf verschiedenen Folklore-Figuren und Marketing-Anpassungen (z.B. Coca-Cola) |
| Fokus | Nächstenliebe, selbstlose Hilfe, Glaube, Barmherzigkeit, Seelsorge | Geschenke, Konsum, Unterhaltung, Weihnachtsdekoration |
| Auftreten | Bescheiden, oft heimlich, als Helfer in der Not, mit Bischofsmitra und Stab | Auffällig, werbewirksam, mit rotem Mantel, Rauschebart, oft mit Rentieren und Schlitten |
| Botschaft | Rettung, Befreiung, Gottesliebe, praktische Nächstenliebe, Taten der Güte | Freude durch materielle Güter, Festtagsstimmung, magische Aspekte |
| Begleiter | Keine bestrafenden Begleiter in den originären Legenden (im Gegensatz zu lokalen Bräuchen wie Knecht Ruprecht oder Krampus) | Oft Elfen oder andere Helfer, die Geschenke vorbereiten; keine Betonung auf Bestrafung |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist der Nikolaus der Weihnachtsmann?
Nein, der Heilige Nikolaus ist nicht der Weihnachtsmann, obwohl sie oft verwechselt werden. Der Heilige Nikolaus ist eine historische Person, ein Bischof aus dem 4. Jahrhundert, dessen Leben von Nächstenliebe und Wundertaten geprägt war. Der Weihnachtsmann hingegen ist eine moderne, kommerzialisierte Figur, die im 19. und 20. Jahrhundert entstanden ist und Elemente aus verschiedenen europäischen und amerikanischen Traditionen vereint, oft stark durch Marketing beeinflusst. Der Heilige Nikolaus steht für selbstlose Güte und Glaube, während der Weihnachtsmann primär für das Schenken und den Konsum steht.
Warum ist der Heilige Nikolaus so beliebt?
Seine Beliebtheit rührt vor allem von den zahlreichen Legenden her, die seine Güte, Hilfsbereitschaft und seinen Einsatz für die Armen und Notleidenden hervorheben. Er gilt als Retter in der Not, als Beschützer der Kinder, Seeleute und Unschuldigen. Seine Taten der Barmherzigkeit, wie das heimliche Spenden der Mitgift oder die Rettung der hungernden Stadt Myra, haben ihn zu einem Symbol der Nächstenliebe gemacht, das über Jahrhunderte hinweg verehrt wurde und wird.
Was können wir vom Heiligen Nikolaus lernen?
Vom Heiligen Nikolaus können wir vor allem die Bedeutung der praktischen Nächstenliebe lernen. Er lehrt uns, dass Liebe nicht nur ein Gefühl oder ein Wort ist, sondern sich in konkreten Taten manifestiert. Seine Geschichte ermutigt uns, auf die Bedürfnisse anderer zu achten, besonders auf die der Schwachen und Benachteiligten, und ihnen ohne Eigennutz zu helfen. Er ist ein Vorbild dafür, wie man im Alltag Güte und Barmherzigkeit leben kann, sei es durch Zuhören, einen freundlichen Gruß oder das Schenken unserer Zeit.
Gibt es historische Beweise für seine Wunder?
Historisch gesicherte Informationen über das Leben des Heiligen Nikolaus sind spärlich. Abgesehen von seiner Unterschrift beim Konzil von Nizäa im Jahr 325, sind die meisten Erzählungen über seine Wunder Legenden, die sich erst Jahrhunderte nach seinem Tod entwickelt haben. Diese Legenden sind jedoch nicht als historische Berichte im modernen Sinne zu verstehen, sondern als Ausdruck der tiefen Verehrung und des Glaubens der Menschen an seine außergewöhnliche Güte und die Wirksamkeit seiner Fürbitte. Sie vermitteln eine theologische und moralische Botschaft, die über die reine Faktizität hinausgeht.
Fazit: Ein Vorbild für uns alle
Güte und Menschenfreundlichkeit zu leben und sichtbar zu machen ist Auftrag und Sendung auch für jeden von uns, wenn wir unser Leben evangeliumsgemäß gestalten wollen, wenn wir nicht nur Christen heißen, sondern es sein wollen. Auch unser Leben soll Zeugnis für die Liebe und Güte Gottes sein. Dann strahlt auch durch uns – wie durch den Heiligen Nikolaus – Gottes Bild in dieser Welt auf. Dann sind wir, was wir sein sollen: Stadt auf dem Berge, Salz der Erde, Licht der Welt. Der Heilige Nikolaus erinnert uns daran, dass wahre Heiligkeit in der Liebe zum Nächsten und im Dienst an Gott zum Ausdruck kommt. Sein Erbe ist eine zeitlose Aufforderung, unser Herz für die Nöte der Welt zu öffnen und mit unseren eigenen Taten einen Unterschied zu machen.
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