15/02/2024
Die Taufe ist für viele ein tiefgreifendes Ereignis – ein Bund, der ein Kind oder einen Erwachsenen in die christliche Gemeinschaft aufnimmt und einen Lebensweg unter Gottes Schutz und Segen stellt. Es ist ein Moment des Versprechens, der Hoffnung und des Glaubens. Doch was genau bedeutet dieser Ritus aus biblischer Sicht, und welche Rolle spielt der Glaube dabei? Dieser Artikel beleuchtet zentrale Aspekte der Taufe, biblische Botschaften und die Kraft, die in den Worten des Evangeliums liegt.

Die Kraft des Glaubens: „Alles ist möglich dem, der glaubt“
Oft wird die Frage gestellt, was der „Taufspruch von Jesus“ sei. Es ist wichtig zu verstehen, dass Jesus selbst nicht getauft wurde in dem Sinne, wie wir heute Menschen taufen, um sie in die Gemeinschaft aufzunehmen. Vielmehr handelt es sich bei dieser Frage meist um einen kraftvollen Ausspruch Jesu, der sich hervorragend als Taufspruch eignet und die Essenz des Vertrauens in Gott widerspiegelt: „Alles ist möglich dem, der glaubt.“
Dieser Satz findet sich im Markusevangelium (Markus 9,23) und ist Teil einer bewegenden Geschichte. Ein Vater fleht Jesus an, seinen von einem bösen Geist geplagten Sohn zu heilen. Er sagt: „Wenn du etwas tun kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!“ Jesu Antwort ist eine Ermahnung und eine Offenbarung zugleich: „Wenn du glauben kannst! Alles ist möglich dem, der glaubt.“ Daraufhin ruft der Vater unter Tränen: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“
Die Wahl dieses Verses als Taufspruch ist ein starkes Bekenntnis zur unerschütterlichen Kraft des Glaubens. Er ist eine Botschaft an das Kind – und an die Eltern und Paten –, dass Vertrauen in Gott Berge versetzen kann, auch wenn menschliche Erfahrungen oft das Gegenteil zu beweisen scheinen. Es geht nicht darum, dass jede menschliche Vorstellung sofort Realität wird, sondern um die innere Haltung, dass mit Gottes Hilfe und einem festen Glaube oft wesentlich mehr erreicht werden kann, als zunächst denkbar erscheint. Dieser Spruch kann ein Kind auf seinem Lebensweg begleiten, ihm Mut machen in schwierigen Zeiten und ihm lehren, niemals die Hoffnung zu verlieren, selbst wenn es mit Krankheiten, Behinderungen oder anderen Herausforderungen konfrontiert ist. Er ist eine Ermutigung, über das Offensichtliche hinauszublicken und an das Gute zu glauben.
Die biblische Botschaft zur Taufe: Jesus segnet die Kinder
Ein zentraler Text, der in fast jedem Taufgottesdienst gelesen wird, ist das sogenannte Kinderevangelium aus dem Markusevangelium (Markus 10,13-16). Diese vier Verse, die schnell gelesen sind, bergen eine tiefe Botschaft über Gottes Liebe zu den Kindern und die Einstellung, mit der wir das Reich Gottes empfangen sollen.
Die Geschichte: Jesus segnet die Kinder
Jesus war auf seinen Reisen ständig von Menschen umgeben, die seine Geschichten hören, Trost finden oder Heilung erfahren wollten. Eines Tages brachten Mütter und Väter ihre Kinder zu ihm. Sie wünschten, dass Jesus sie berühre und ihnen segnend die Hände auflege. Doch Jesu Jünger, die ihren Meister vor Ablenkungen schützen wollten, wiesen die Kinder schroff ab und schimpften mit den Eltern. Sie sahen die Kinder als Störung.
Als Jesus dies bemerkte, wurde er zornig. Er rief seinen Jüngern entgegen: „Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes!“ Und mit einem energischen „Amen“ fügte er hinzu: „Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen!“ Danach nahm er die Kinder liebevoll in seine Arme, legte ihnen die Hände auf ihre Köpfe und segnete sie.
Diese Geschichte ist ein starkes Zeugnis dafür, wie sehr die Kinder Gott am Herzen liegen und wie wichtig es ist, sie willkommen zu heißen und zu segnen. Sie zeigt, dass das Reich Gottes nicht den Mächtigen oder Weisen, sondern den Demütigen und Empfänglichen gehört, eben denen, die wie Kinder sind.

Verschiedene Übersetzungen des Kinderevangeliums
Der biblische Text der Kindessegnung ist in verschiedenen Übersetzungen verfügbar, die jeweils Nuancen in der Formulierung aufweisen, aber die gleiche zentrale Botschaft vermitteln:
Lutherbibel 2017 (Markus 10,13-16):
13 Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an. 14 Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes. 15 Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. 16 Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.
Gute Nachricht Bibel (Markus 10,13-16):
13 Einige Leute wollten ihre Kinder zu Jesus bringen, damit er sie berühre; aber seine Jünger fuhren sie an und wollten sie wegschicken. 14 Als Jesus es bemerkte, wurde er zornig und sagte zu den Jüngern: „Lasst die Kinder doch zu mir kommen und hindert sie nicht daran; denn für Menschen wie sie steht Gottes neue Welt offen. 15 Ich versichere euch: Wer sich Gottes neue Welt nicht schenken lässt wie ein Kind, wird niemals hineinkommen.“ 16 Dann nahm er die Kinder in die Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie.
Beide Übersetzungen betonen Jesu Zorn über das Verhalten der Jünger und seine liebevolle Zuwendung zu den Kindern. Sie verdeutlichen, dass Demut und Offenheit – wie sie bei Kindern oft zu finden sind – der Schlüssel zum Verständnis und Empfang des Reiches Gottes sind. Diese Botschaft ist eine wichtige Taufermahnung an die Erwachsenen, sich von der Überheblichkeit zu lösen und eine kindliche Haltung des Empfangens einzunehmen.
Der Segen nach der Taufe: Eine Entfaltung der Trinität
Nach der Taufe des Kindes ist es ein schöner Brauch, auch die anwesenden Kinder und Familien zu segnen. Die gängigste und meistverwendete Segensformel in den christlichen Kirchen ist der sogenannte trinitarische Segen, der Gott als Vater, Sohn und Heiligen Geist preist:
„Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.“
Oft wird diese Formel auch erweitert, um ihre Bedeutung tiefer zu entfalten und den Segen noch eindringlicher zu machen. Diese erweiterten Sätze erklären und betonen die einzelnen Aspekte des Segens und können beispielsweise von verschiedenen Personen im Gottesdienst gesprochen werden, wie von Taufpaten oder Großeltern:
Der Trinitarische Segen im Detail
- Es segne dich
mit allem Guten, das dein Körper, dein Geist und deine Seele benötigt - und behüte dich
vor allen Bedrohungen auf allen deinen Wegen - der allmächtige Gott
der dich in diese Welt schickte und dich begleitet - der Barmherzige
der dich trägt, wenn deine Kräfte versagen, der dir den Weg zeigt, wenn du dich verläufst, der dich neu anfangen lässt, wenn du Fehler machst - der Vater
der Ursprung allen Seins, ohne den diese Welt nicht bestehen würde - der Sohn
der Mensch wurde, um dir nahe zu sein, der dich willkommen heißt, der dich einlädt in das Reich Gottes, dich berührt, dich herzt und täglich neu segnet - und der Heilige Geist
der immer schon bei den Menschen war und der auch jetzt nahe ist und der bleiben wird und als gute Kraft dein Leben immer bereichern wird.
Amen!
Dieser ausführliche Segen unterstreicht die allumfassende Fürsorge Gottes. Er zeigt, wie der Vater als Schöpfer, der Sohn als Erlöser und der Heiliger Geist als ständiger Begleiter und Tröster wirken. Es ist ein Gebet für Schutz, Führung und die unendliche Liebe, die das Leben des Getauften umfängt.
Den passenden Taufspruch finden: Ein Begleiter fürs Leben
Der Taufspruch ist mehr als nur ein Bibelvers; er ist ein persönliches Leitmotiv, das den Täufling ein Leben lang begleiten soll. Er wird sorgfältig ausgewählt, um gut zum Kind zu passen und eine Botschaft des Glaubens, der Hoffnung oder der Liebe zu vermitteln.
Bei der Auswahl eines Taufspruchs suchen Eltern und Paten oft nach Worten, die dem Kind Orientierung geben, es stärken und an Gottes Liebe erinnern. Es gibt zahlreiche biblische Verse, die sich eignen, sei es ein Psalm, der von Gottes Schutz spricht, ein Wort Jesu über Liebe und Nachfolge oder ein Vers aus den Briefen, der zur Hoffnung ermutigt. Es ist eine sehr persönliche Entscheidung, die oft im Taufgespräch mit dem Geistlichen besprochen wird, um den idealen Vers zu finden, der das Leben des Kindes symbolisch umrahmen soll.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Taufe
Was ist der Taufspruch von Jesus?
Der Begriff „Taufspruch von Jesus“ bezieht sich meist auf einen seiner kraftvollen Aussprüche, der als Taufspruch für andere gewählt wird. Ein prominentes Beispiel ist „Alles ist möglich dem, der glaubt“ (Markus 9,23). Dieser Vers unterstreicht die Bedeutung des Glaubens und die unbegrenzten Möglichkeiten, die sich daraus ergeben können.
Welche Bedeutung hat das Kinderevangelium für die Taufe?
Das Kinderevangelium (Markus 10,13-16) ist von zentraler Bedeutung, da es Jesu Haltung gegenüber Kindern zeigt: Er heißt sie willkommen, segnet sie und stellt sie als Vorbild für den Empfang des Reiches Gottes dar. Es betont Gottes Liebe zu den Kleinsten und die Notwendigkeit kindlicher Demut, Offenheit und Empfänglichkeit für alle, die in das Reich Gottes gelangen wollen.
Was ist der Sinn eines Taufspruchs?
Ein Taufspruch ist ein ausgewählter Bibelvers, der den Täufling durch sein Leben begleiten soll. Er dient als persönliche Botschaft, als Leitfaden und als ständige Erinnerung an Gottes Liebe, seinen Schutz und die Werte des christlichen Glaubens. Er soll dem Täufling in guten wie in schlechten Zeiten Halt und Orientierung geben.
Wer vertritt die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern?
Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern ist eine Körperschaft des Öffentlichen Rechts und wird durch den Landesbischof Christian Kopp vertreten.
Die Taufe ist somit weit mehr als ein Ritus; sie ist eine tiefgreifende spirituelle Erfahrung, die den Getauften in eine Gemeinschaft des Glaubens eingliedert und ihm die biblische Botschaft von Gottes unbedingter Liebe und seinem Segen für sein Leben mitgibt. Mögen diese Worte des Glaubens und der Hoffnung alle Getauften auf ihrem Weg begleiten.
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