Was ist ein enttäuschtes Vertrauen?

Vertrauen auf Gott: Ein biblischer Leitfaden

24/12/2025

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In einer Welt voller Unsicherheiten und ständiger Veränderungen ist das Streben nach Sicherheit tief in der menschlichen Natur verwurzelt. Wir suchen Halt in Beziehungen, im Beruf, in finanzieller Absicherung – doch was geschieht, wenn diese Säulen unseres Lebens ins Wanken geraten? Die Bibel bietet eine zeitlose Perspektive auf ein Fundament, das unerschütterlich bleibt: das Vertrauen auf Gott. Dieses Vertrauen ist weit mehr als nur ein Gefühl; es ist eine bewusste Entscheidung, eine Haltung des Herzens und eine Lebensweise, die uns befähigt, selbst die größten Herausforderungen zu meistern. Tauchen Sie ein in die biblische Lehre über Vertrauen und entdecken Sie, wie es Ihr Leben transformieren kann.

Was sagt die Bibel über Vertrauen?
Am Ende geht es um Vertrauen. In der Bibel finden wir mindestens fünf Aspekte des Vertrauens. 1. Vertrauen auf Gottes Weisheit „Vertraue auf den HERRN von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand; erkenne ihn auf allen deinen Wegen, so wird er deine Pfade ebnen.“ (Sprüche 3,5-6)
Inhaltsverzeichnis

Vertrauen auf Gottes Weisheit

Das Buch der Sprüche ermutigt uns eindringlich: „Vertraue auf den HERRN von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand; erkenne ihn auf allen deinen Wegen, so wird er deine Pfade ebnen.“ (Sprüche 3,5-6). Dies ist eine radikale Aufforderung, denn sie stellt Gottes Weisheit über unsere eigene. Gott hat uns zwar einen Verstand gegeben, um Situationen zu analysieren und Entscheidungen zu treffen. Doch für diejenigen, die mit Gott unterwegs sind, ist der Verstand nicht die höchste Instanz – es ist Gott selbst. Wahres Vertrauen bedeutet, sich vor wichtigen Entscheidungen Zeit im Gebet zu nehmen, um Gott um Weisheit zu bitten. Es zeigt sich darin, ob wir gehorsam sind und seinen Wegen mehr vertrauen als unseren eigenen, anstatt Gott nur als einen Wunschautomaten zu sehen. Psalm 37,3-5 ergänzt dies: „Vertraue auf den HERRN und tue Gutes, wohne im Land und übe Treue; und habe deine Lust am HERRN, so wird er dir geben, was dein Herz begehrt! Befiehl dem HERRN deinen Weg, und vertraue auf ihn, so wird er es vollbringen.“ Es geht darum, unseren Weg dem Herrn zu übergeben und ihm die Kontrolle zu überlassen, in der Gewissheit, dass er unsere Pfade ebnen und unsere Herzenswünsche erfüllen wird, wenn wir unser Vertrauen auf ihn setzen und ihm treu sind.

Vertrauen auf Gottes Schutz und Treue

Viele Psalmen bezeugen Gott als die ultimative Zuflucht für diejenigen, die auf ihn vertrauen. David, der Verfasser vieler dieser Psalmen, konnte dies aus eigener Erfahrung bestätigen: „Der HERR ist mein Fels, meine Burg und mein Erretter; mein Gott ist mein Fels, bei dem ich mich berge.“ (Psalm 18,3). Schon als Hirtenjunge erlebte David Gottes Schutz vor wilden Tieren. Später, auf der Flucht vor König Saul, bewahrte Gott ihn vor seinen Verfolgern. Selbst als König schützte Gott ihn immer wieder vor Feinden und in den Schlachten, die er führte. Davids Leben ist ein lebendiges Zeugnis für Gottes unerschütterliche Treue und seinen Schutz. Wir sind eingeladen, David zum Vorbild zu nehmen und all unsere Ängste und Anfeindungen vor dem Gott abzulegen, dem wir vollkommen vertrauen können. Er ist unsere schützende Burg, ein sicherer Hafen in Zeiten der Not. Sein Schutz ist nicht immer die Abwesenheit von Gefahr, sondern seine bewahrende Gegenwart inmitten der Gefahr. Seine Treue ist ein Anker für unsere Seele, ein Versprechen, dass er niemals aufgeben wird, diejenigen zu verteidigen und zu bewahren, die sich unter seinen Flügeln bergen.

Vertrauen trotz Schwierigkeiten

Wenn wir von Gottes Schutz lesen, drängt sich oft die Frage auf: Warum werden wir trotzdem mit Schwierigkeiten konfrontiert? Warum lässt Gott Leid zu, obwohl er uns seinen Schutz zugesagt hat? Die Geschichte Hiobs im Alten Testament ist ein eindringliches Beispiel dafür, dass Gott manchmal sogar schweres Leid und Verluste zulässt. Hiob verlor alles – seine Kinder, seinen Besitz, seine Gesundheit – und doch hielt er an seinem Vertrauen auf Gott fest (Hiob 13,15). Auch wenn wir das "Warum" nicht immer verstehen, können Herausforderungen und Leid ein Sprungbrett sein, um unser Vertrauen auf Gott zu festigen. Denn erst wenn unser Vertrauen auf die Probe gestellt wird, merken wir, wie tief es in unseren Herzen wirklich verankert war. Psalm 23,4 drückt dies eindrücklich aus: „Und wenn ich auch wanderte durchs Tal der Todesschatten, so fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir.“ Dieses Versprechen bedeutet nicht, dass wir keine Täler durchwandern werden, sondern dass Gott in diesen Tälern an unserer Seite ist. Er ist der Hirte, der uns selbst durch die dunkelsten Zeiten führt und uns Trost spendet. Wahres Vertrauen wird nicht in der Abwesenheit von Problemen bewiesen, sondern in der Fähigkeit, an Gott festzuhalten, wenn alles um uns herum zusammenzubrechen scheint. Es ist das Dennoch-Vertrauen, das uns befähigt, Hoffnung zu finden, wenn keine Hoffnung in Sicht ist.

Vertrauen auf Gottes Verheißungen

Die Bibel ist voller Verheißungen Gottes an sein Volk und an jeden Einzelnen, der ihm vertraut. Eine der beeindruckendsten Figuren, die in besonderem Maße auf Gottes Verheißungen vertraute, ist Abraham. Gott versprach ihm, dass er aus ihm ein großes Volk machen würde (Jeremia 29,11). Abraham vertraute ihm – und das, obwohl er und seine Frau Sara in sehr hohem Alter noch keine Nachkommen hatten. Er vertraute Gott sogar dann, als dieser verlangte, seinen einzigen Sohn Isaak zu opfern, was scheinbar im Widerspruch zu seiner Verheißung stand, dass Isaak der Stammhalter sein würde. Doch Abraham glaubte, dass Gott sogar Tote auferwecken konnte, um seine Verheißung zu erfüllen. Am Ende geht es darum, ob wir Gott von Herzen vertrauen, dass er seine Zusagen hält. Denn Gott ist treu und unfehlbar in seinen Verheißungen. Er sucht Menschen, die das von ganzem Herzen glauben und ihre Hoffnung fest auf seine Worte setzen. Seine Verheißungen sind ein fester Anker in stürmischen Zeiten und ein Leuchtturm, der uns den Weg in eine hoffnungsvolle Zukunft weist. Sie sind der Beweis seiner Liebe und seines Plans für unser Leben, selbst wenn die Umstände etwas anderes zu sagen scheinen.

Vertrauen als Eigenschaft des Heiligen Geistes

Paulus schreibt an Timotheus: „Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Timotheus 1,7). Dies offenbart eine tiefe geistliche Wahrheit: Vertrauen oder mangelndes Vertrauen hat eine geistliche Wurzel. Angst und Sorgen sind nicht die logische Konsequenz von Herausforderungen, sondern die Folge, wenn wir uns in all dem nicht zu Gott flüchten. Als Kinder Gottes haben wir den Heiligen Geist empfangen. Dieser Geist äußert sich in Kraft, Liebe und Besonnenheit – oder anders ausgedrückt: in Gottvertrauen. Auf den Herrn zu vertrauen, heißt also auch, dem Geist Gottes in uns Raum zu geben, damit er dieses Vertrauen in uns hervorbringen kann. Es ist eine übernatürliche Fähigkeit, die uns befähigt, über unsere menschlichen Ängste und Begrenzungen hinauszublicken und uns auf Gottes souveräne Macht und Güte zu verlassen. Der Heilige Geist stärkt uns von innen heraus, um furchtlos zu leben und Gottes Willen zu tun, selbst wenn der Weg ungewiss erscheint. Er ist unser Beistand, der uns in jedem Moment daran erinnert, dass wir nicht allein sind und dass Gott alle Dinge zu unserem Besten wirken lässt.

Enttäuschtes Vertrauen: Wem können wir wirklich vertrauen?

„Da habe ich einem Menschen voll vertraut – und er hat mich bitter enttäuscht.“ Diese schmerzhafte Erfahrung kennt fast jeder. Enttäuschtes Vertrauen hinterlässt tiefe Risse und kann uns vorsichtig oder misstrauisch machen. Die Frage „Wem kann ich wirklich vertrauen?“ wird existenziell. Die Bibel gibt uns darauf eine klare Antwort: Treu im vollen Sinne des Wortes ist nur Gott (5. Mose 7,9; 32,4). Er ist der Unwandelbare, der sein Wort niemals bricht (Psalm 33,4). Deshalb wirbt Gott um unser Vertrauen. Es beweist sich in unserer Hingabe an ihn (Psalm 84,13; Jesaja 26,4; Jeremia 17,7).

Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist treu wie der Vater (Hebräer 2,17; Offenbarung 1,5; 3,14; 19,11). Seine Worte werden nicht vergehen, selbst wenn Himmel und Erde vergehen. Sein Wort steht fest bis zur Erfüllung. Deshalb können wir ihm vertrauen und auf sein Wort hin gehorsam handeln, wie Petrus: „aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen!“ (Lukas 5,5). Jesus selbst ist das Vorbild des Vertrauens zum Vater. Mitten in der Versuchung entschied er sich für das uneingeschränkte Vertrauen zum Vater (Matthäus 4,1-11; Hebräer 2,13) und hielt an dieser Entscheidung unbeirrt fest, selbst als er ans Kreuz genagelt wurde und die Spötter ihn höhnend aufforderten, sich selbst zu helfen (Matthäus 27,39-43). Der Hebräerbrief ermahnt müde Christen, an diesem Vertrauen festzuhalten: „Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld aber habt ihr nötig, damit ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt.“ (Hebräer 10,35.36).

Vertrauen wagen: Der Schritt ins Ungewisse

Das menschliche Bedürfnis nach Absicherung ist groß. Wir setzen auf Gesundheit, eigene Kraft, Erfolg, Reichtum, Besitz oder andere Menschen. Doch die Entscheidung, diesem Gott im Sinne des ersten Gebotes allein zu vertrauen und unser Herz nur an ihn zu hängen (Lukas 10,27), ist ein Vertrauenswagnis (Matthäus 19,16-26). Stellen Sie sich vor, Sie seilen sich am Fels ab. Sie müssen Vertrauen wagen, den Schritt ins Ungewisse über den sicheren Fels hinaus tun, um zu erfahren, dass das Seil hält. Frei im Seil zu hängen und gehalten zu werden, ist eine gigantische Erfahrung – aber es braucht den kleinen Schritt des Loslassens der eigenen Sicherheit, der eigenen Absicherung. Zu diesem Schritt muss ich mich entscheiden – Vertrauen ist Wagnis! Es verlässt das sichere Terrain, in dem ich alles im Griff habe, und hängt sich ins Seil, lässt sich fallen, um zu erfahren, was es bedeutet, gehalten zu werden.

Was sagt die Bibel über Vertrauen?
Am Ende geht es um Vertrauen. In der Bibel finden wir mindestens fünf Aspekte des Vertrauens. 1. Vertrauen auf Gottes Weisheit „Vertraue auf den HERRN von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand; erkenne ihn auf allen deinen Wegen, so wird er deine Pfade ebnen.“ (Sprüche 3,5-6)

Es gibt Situationen, da bin ich gefordert, mich gegen alles Äußere, gegen alle Erfahrung und gegen meine Gefühle zum Vertrauen zu entscheiden. Da kann ich Vertrauen nur blind wagen. Ein Beispiel sind Eltern, die ihr Kind nicht abtreiben ließen, obwohl die Ärzte eine Krankheit oder Behinderung voraussagten. Sie wagten Vertrauen und sagten Ja zu diesem Kind als Gabe Gottes – und hielten neun Monate später eine gesunde Tochter in den Armen. Dies ist ein Vorschuss-Vertrauen: Vertrauen gegen den Augenschein in Stürmen und Nöten. Es beweist sich im Verzicht auf eigenes Handeln in der Erwartung, dass der Helfer eingreift.

Ein weiteres Beispiel sind Paulus und Silas in Philippi (Apostelgeschichte 16). Nach der Bekehrung der Magd mit dem Wahrsagegeist wurden sie unschuldig verurteilt, hart geschlagen und ins Gefängnis geworfen. Dort, im innersten Trakt, an Händen und Füßen angekettet, mit den Schmerzen der Auspeitschung, wagen sie einen ungewöhnlichen Vertrauensakt: „Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott.“ (Apostelgeschichte 16,25). Sie feierten einen „Lobpreis-Gottesdienst“ in der Zelle! Gott zu loben trotz der Situation – das bedeutet Vertrauen wagen auf den Gott, der allein vertrauenswürdig ist, sich ganz in seine Hand zu geben und zu sagen: „Ja, Vater, du hast mein ganzes Leben und auch diese Situation in deiner Hand.“ Unser Leben mit seinen Höhen und Tiefen, dem Schönen und Schweren bejahend aus Gottes Hand zu nehmen, setzt eine tiefe Gottesbeziehung voraus. Eine solch vertrauende Lebenseinstellung ist gelebte Anbetung.

Das Vertrauen der verfolgten Gemeinden in der Offenbarung äußert sich ebenfalls im Lob und der Anbetung Gottes. Mitten in ihrer Verfolgung schauen sie durch die sichtbare Wirklichkeit hindurch (Offenbarung 7,9-17) – sie sehen hinein in das Reich Gottes und preisen den Gott, der von Ewigkeit zu Ewigkeit regiert (Offenbarung 4,8-11). Sie preisen den Gott, der alle Macht hat und der am Ende sein Reich sichtbar in Herrlichkeit vollenden wird (Offenbarung 5,11-14). Sie vertrauen darauf, dass vor ihm einmal alle Knie sich beugen und alle Zungen bekennen werden: „Jesus ist der Herr zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Philipper 2,9-11). Im Lob und in der Anbetung seiner Kinder äußert sich Vorschuss-Vertrauen auf den Gott, der König und Herr der Welt und unseres Lebens ist: „Die Herren dieser Welt gehen, unser Herr kommt!“ Auch wenn wir es noch nicht sehen, vertrauen wir darauf, dass er sein Wort erfüllen wird. Wir vertrauen darauf, dass er schon jetzt regiert (Offenbarung 11,15-18) – und dass seine Herrschaft einmal sichtbar werden wird für die ganze Welt, wenn er sein Reich vollendet in Herrlichkeit. Gott antwortet auf das Vertrauen seiner Kinder – mit seiner Hilfe (1. Chronik 5,20; Jeremia 39,18; Daniel 3,28). Menschen, die Gott vertrauen, erkennen ihn als den Helfer (Sirach 2,6), den Heiland (Psalm 17,7), ihren Schild (Psalm 18,31) und retten ihr Leben (Jeremia 39,18).

Und wenn Gott schweigt? Vertrauen mitten in der Anfechtung

„Hat Gott mich vergessen, hat er sich abgewandt?“ Diese verzweifelte Frage kommt auf, wenn Leid und Schmerz uns überwältigen, wenn Gebete unerhört bleiben und Gottes Schweigen ohrenbetäubend wird. Die junge Frau, deren Verlobter kurz vor der Hochzeit tödlich verunglückte, erlebte genau dies. Die Frage „Warum?“ schwebte schwer über dem offenen Grab. Auch Hanna im Alten Testament, kinderlos und von ihrer Nebenbuhlerin gedemütigt (1. Samuel 1), schüttete ihr Herz vor Gott aus. Ihre Frage war nicht nur die nach der Ungerechtigkeit der Menschen, sondern auch: Hat Gott sein Angesicht vor mir verborgen? Hat er mich vergessen? Ist das der Grund für mein Leid?

Gebet ist ein Vertrauensschritt – sich im Abgrund der Anfechtung, aus der Tiefe heraus Gott anzuvertrauen, vor ihm das Herz auszuschütten. Beten heißt, Gott zu sagen, wie es uns ums Herz ist, die Warum-Fragen, die tiefsten, verborgensten Sehnsüchte vor Gott auszusprechen, ihn dorthin schauen zu lassen, wo wir keinen anderen Menschen hineinschauen lassen. Mitten in der Anfechtung zu Gott kommen, mit unseren Tränen, wenn wir nicht mehr vertrauen können, und ihm unsere Not klagen! Gott so in den Ohren liegen wie die Psalmbeter in den Klagepsalmen.

Psalm 13 spiegelt solch eine innere Not wider – wenn jemand fast nicht mehr vertrauen kann, wenn einer zerbricht am Schweigen Gottes, an der Not des Lebens. Drei Bereiche der Klage werden sichtbar:

  • Die Gottklage: „Herr, wie lange willst du mich so ganz vergessen? Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir?“ (Psalm 13,2). Hier wird die ganze Enttäuschung über Gott herausgeschrien: „Bist du noch vertrauenswürdig? Gott, du bist mir wie ein Verführer, wie eine rissige Wand. Ich habe dir vertraut, und du hast mich betrogen.“ (Jeremia 20,7, hier im Kontext der Gottklage zitiert). Die Psalmen sind ein Gebetbuch, in dem Heilige ihr Herz öffnen und uns hineinschauen lassen. Hier finden wir noch Worte, wenn wir selbst keine mehr haben, wenn unser Vertrauen nur noch wie ein glimmender Docht ist, kurz vor dem Verlöschen.
  • Die Ich-Klage: „Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele und mich ängsten in meinem Herzen täglich?“ (Psalm 13,3a). Warum trifft es mich? Warum geht es den Gottlosen so gut und ich verderbe im Unheil, in der Not, der Krankheit, im Unrecht, das mir geschieht?
  • Die Feindklage: „Wie lange soll sich mein Feind über mich erheben?“ (Psalm 13,3b). Warum lässt du dem Bösen so viel Raum? Bist du wirklich der Regent, der alles wohl führt? „Schau her, antworte mir, Herr, mein Gott! Dass mein Feind nicht sage: ‚Ich habe ihn überwältigt!’ Dass meine Bedränger nicht frohlocken, wenn ich wanke.“ (Psalm 13,4.5).

Und dann, mitten in der Dunkelheit und Hoffnungslosigkeit, noch mitten in der Klage, ein Vertrauensbekenntnis: „Ich aber, ich habe auf deine Gnade vertraut, mein Herz soll frohlocken über deine Rettung.“ (Psalm 13,6a). Und ein Versprechen: „Ich will dem Herrn singen, denn er hat wohl getan an mir.“ (Psalm 13,6b). Schon jetzt, noch bevor das Gebet erhört ist, gelobt der Psalmbeter, den Herrn zu loben. Welch ein Wunder, wenn Menschen mitten in der Klage durchbrechen zum Dennoch-Vertrauen und bekennen: „Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an. Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott, den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun.“ (Psalm 73,23-28).

Vertrauen konkret: Wie Kinder Gottes lernen, Vertrauen zu buchstabieren (Jesaja 40,26-31)

Jesaja 40 führt uns in eine Phase der Geschichte Israels, in der das Volk gefordert war, das Wort „Vertrauen“ neu zu buchstabieren. Einst hatten sie ein eigenes Land, Wohlstand, Häuser und Felder. Nun befanden sie sich im Exil in Babylon, hoffnungslos, heimatlos, ohne Perspektive und voller Fragen: Was trägt jetzt noch? Worauf kann ich noch vertrauen, wenn alles zerbrochen ist, was mir Halt gegeben hat? Ihre militärische Stärke war dahin, die Hauptstadt niedergebrannt, das Volk in Gefangenschaft. Ihre politischen Taktiken waren gescheitert. Der Boden unter den Füßen war weggebrochen. Es gab nichts mehr, auf das man sich verlassen konnte. Die wirtschaftliche, politische und persönliche Zukunft war völlig ungewiss. In dieser Situation fordert der Prophet Jesaja die Menschen heraus, Vertrauen ganz praktisch zu buchstabieren: „Alle, die auf den Herrn vertrauen, bekommen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler.“ (Jesaja 40,31). Wörtlich heißt es „Die auf den Herrn harren“, also die aktiv, in gespannter Erwartung am Vertrauen an Gott festhalten – gegen den Augenschein.

Adler sind majestätische Vögel, die den Aufwind nutzen, um mühelos zu gleiten und Höhe zu gewinnen. Doch was, wenn es nur Abwinde gibt? Dann tun sich auch die Adler schwer. Genau in solche „Fallwinde“ geriet das Volk Israel. Fast siebzig Jahre waren sie im fremden Babylon. Die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr war längst begraben. Das Schlimmste war der Gedanke: „Gott hat mich vergessen! Er schaut weg, er kümmert sich nicht um mich. Er lässt es einfach zu, dass mir Unrecht geschieht. Es ist ihm egal.“ Heimat verloren, Freiheit verloren, Recht verloren, Gott verloren...alles war zerbrochen. Das lähmt innerlich – man fühlt sich wie ein Adler im Abwind.

a) Vertrauen konkret: Sich verlassen auf Gottes Verheißungen – auf Gottes Möglichkeiten

„Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies (das ganze Heer der Sterne) geschaffen?“ (Jesaja 40,26). Die Sterne am Himmel werden zum Fingerzeig für Gottes Möglichkeiten, die alle menschlichen Denkmöglichkeiten weit übersteigen! Mitten in der Nacht fordert Jesaja diese verzagten Menschen auf: „Kommt doch einen Moment heraus und schaut auf zum sternenklaren nächtlichen Himmel! Was für eine Weite, was für eine unzählbare Menge an Sternen!“ Ein Mensch kann die riesige Menge an Sternen unmöglich zählen. Was muss für ein wunderbarer Schöpfer hinter diesem Werk stehen! Wie groß muss seine Macht sein! Wie leicht muss es für ihn sein, eine Weltmacht aus den Angeln zu heben! Sollte er nicht auch das, was wir für ausweglos und hoffnungslos halten, ändern können? Sollten seine Verheißungen nicht für mich gelten, seine Möglichkeiten gerade in meiner Situation zu Ende sein?

Die Sterne des Nachthimmels werden zum Zeichen, um in einer menschlich gesehen hoffnungslosen Situation, in der alles zerbrochen ist, Vertrauen zu lernen. Der Herr, der das Weltall mit seinen unzähligen Sternen und Planeten erschaffen hat, hat so große Macht und Kraft, dass er auch dem Volk Israel in der babylonischen Gefangenschaft helfen kann. „Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.“ (Jesaja 40,26). Wenn dieser Gott den Überblick hat, wenn kein Stern am Himmel verschwindet, ohne dass er es bemerken würde, so wird auch das kleine Volk Israel in der Gefangenschaft nicht im Meer der Völker untergehen. Das ist neues Vertrauen, das der Prophet mit den zerschlagenen Menschen durchbuchstabiert.

Was ist das Evangelium in der Osterzeit?
Da sind sie in guter biblischer Gesellschaft. In der Osterzeit hören wir das Evangelium vom sog. ungläubigen Thomas, der bekanntlich erst glauben will, wenn er es leibhaft spürt bzw. handgreiflich zu fassen bekommt. Bei ihm sind wir mit dem Thema des heutigen Abends richtig, wenn es um Glauben und spüren und glauben und Zweifeln geht.

Wir werden Zeuge eines sehr persönlichen Gesprächs zwischen Gott und seinen Menschen: „Warum sagst du: Mein Weg ist dem Herrn verborgen? Warum sagst du: Der Herr kümmert sich nicht um mich, er lässt zu, dass mir Unrecht geschieht!“ Gott antwortet: „Wenn du jetzt denkst, dass ich dich nicht mehr ansehe, dass ich mein Angesicht von dir abgewandt habe, so täuscht du dich! Es geht dir schlecht, und andere Mächte haben für gewisse Zeit die Oberhand über dich behalten – doch ich bin dennoch da als der Gott, der Himmel und Erde in seiner Hand hat, und ich stehe zu dir! Ich bin noch immer derselbe Gott wie damals, als Abraham den Sternenhimmel angesehen hat, ich habe keine Sekunde geschlafen, meiner Macht kann niemand widerstehen. Du bist jetzt müde – vielleicht zu müde zum Hoffen, zu müde zum Vertrauen, aber ich gebe dir neue Kraft und Stärke! Die babylonischen Heere, die euch so furchtbare, vernichtende Schläge zugefügt haben, sie werden müde, sie haben nur begrenzte Kraft. Die Umstände und Mächte, die deinem Leben so vernichtende Schläge zugefügt haben, sie haben nur begrenzte Kraft.“

Das Volk Israel unter dem Sternenhimmel in Babylon – eine Sternstunde neuen Vertrauens für Menschen in einer Situation, in der nichts mehr trägt; eine Sternstunde der Hoffnung in der Geschichte Gottes mit zerbrochenen Menschen ohne Zukunftsperspektive. Solche Sternstunden sind etwas ganz Seltenes, Kostbares! Wenn der lebendige Gott sehr persönlich in unser zerbrochenes Vertrauen hineinredet, wenn er uns wieder Grund unter die Füße gibt, auf dem wir stehen können, wenn wir durch die Kraft des Heiligen Geistes merken: „Mit diesen Worten bin ich gemeint!“ Wenn innere Blockaden und Schutzwälle um die Seele zerbrechen und seine Verheißung uns trifft, wenn wir in seltener Klarheit – wie in einer ganz sternklaren Nacht – merken: „ER redet mit mir, der lebendige Gott!“ – das sind Sternstunden unseres Lebens! Es ist eine Sternstunde, wenn wir Gottes Größe und Macht erkennen und neu zu vertrauen beginnen: Dieser Gott ist auch für mein Leben nicht am Ende seiner Möglichkeiten! Das ist mehr als die großen Sternstunden der Menschheit, die in Geschichtsbüchern stehen.

Wo haben Sie das Vertrauen aufgegeben? Wo haben Sie resigniert – einfach weil das, was vor Augen liegt, so viel stärker ist als das, was Gott verheißen hat? Wo erwarten Sie nichts mehr für sich persönlich, nichts mehr für einen anderen Menschen? Wo sind Sie müde und zerschlagen – äußerlich, innerlich? Wo brauchen Sie im Moment ganz persönlich Trost, umarmt und gehalten zu werden? Jesaja sagt: „Hebt eure Augen in die Höhe und seht!“ Sehen Sie nach oben und entdecken Sie Gottes Möglichkeiten. Dieser Gott, der das Universum und Milliarden von Sternen gemacht hat, will Ihnen neue Kraft geben, Ihre Zukunft liegt in seiner Hand! Wollen Sie neu Vertrauen wagen – sich ins Seil der Verheißungen Gottes fallen lassen?

b) Vertrauen konkret: Sich verlassen auf Gottes Liebe und Fürsorge

Jesaja fragt geradezu leidenschaftlich: „Weißt du nicht (mehr)? Hast du nicht gehört, was Gott alles schon in der Geschichte dieses Volkes und deines Lebens getan hat?“ Manchmal müssen wir uns daran erinnern, was Gott schon in unserem Leben getan hat, weil die augenblickliche Hoffnungslosigkeit uns die Erinnerung raubt. Die Gefangenen in Babylon erinnerten sich, wie dieser Gott sie aus der Gefangenschaft in Ägypten befreit hat; wie er ihnen in wüsten Zeiten Brot gegeben und den Durst gestillt hat; wie Gott ihnen Siege geschenkt hat im Kampf gegen übermächtige Feinde. Sie erinnerten sich, dass Gott mit ihnen war und sie geleitet hat wie ein guter Hirte.

Sollte Gott, der bisher viel Gutes getan hat, nicht auch heute Gutes tun können? Vielleicht denken wir zu klein von diesem Gott! Gottes Möglichkeiten sind mit unseren menschlichen nicht vergleichbar. Wir werden müde – Gott nicht. Wir sehen oft nicht, wie es weitergehen soll – er weiß den Weg für uns. Wir können nur in kleinen Zeiträumen denken – Gott überblickt alle Zeit. Wir stoßen verstandesmäßig schnell an unsere Grenzen – sein Verstand ist unausforschlich. Gott ist viel größer als alles, was uns Not macht; alles, was sich wie ein Berg vor uns auftürmt; alles, was uns bedroht. Ihm kann ich vertrauen. Zugleich ist dieser große Gott für uns da wie ein Vater für sein Kind. Machen wir es doch wie die Kinder. Vertrauen wir dem Vater. Dann werden wir erleben, dass wir herauskommen aus den Fallwinden und frischen Aufwind kriegen. Die auf den Herrn vertrauen, bekommen immer wieder neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler. In Gottes Nähe herrscht Aufwind. Von ihm werden wir herausgetragen aus der Tiefe. Wagen wir es doch, uns wieder neu auf diesen Gott und seine Liebe zu verlassen!

Noch einmal hat er ein Zeichen gesetzt, auf das Verlass ist – mehr als auf die Sterne: das Kreuz! Und wenn Sie denken, Sie sind von allen Menschen verlassen – Jesus ist da, und seine durchbohrten Hände fangen Sie noch in der Tiefe auf. Diesem Jesus können Sie vertrauen – für immer. „Wie tief kann ich fallen, wenn alles zerfällt...? Nie tiefer als in Gottes Hand“, nie tiefer als in seine Arme, die am Kreuz für uns ausgebreitet sind.

Vergleich: Menschliches Vertrauen vs. Göttliches Vertrauen

AspektMenschliches VertrauenGöttliches Vertrauen
GrundlageErfahrung, Leistung, Versprechen von MenschenGottes Charakter, Seine Treue, Seine Verheißungen
BeständigkeitKann enttäuscht werden, ist fehlerhaft und begrenztUnwandelbar, ewig, unbegrenzt
Reaktion auf SchwierigkeitenFührt oft zu Angst, Sorge, ResignationFührt zu Frieden, Standhaftigkeit, Hoffnung
Quelle der SicherheitÄußere Umstände, eigene KontrolleGottes souveräne Macht und Fürsorge
ErgebnisOft Enttäuschung, Misstrauen, VorsichtNeue Kraft, tieferer Glaube, innere Ruhe, Erfüllung

Häufig gestellte Fragen zum Vertrauen in Gott

F: Was bedeutet es konkret, „auf den Herrn zu vertrauen“?
A: Es bedeutet, sich bewusst dafür zu entscheiden, Gottes Weisheit, Macht und Güte über die eigenen Fähigkeiten und die äußeren Umstände zu stellen. Es ist eine Haltung der Hingabe und des Gehorsams, die sich im Gebet, im Abwarten auf Gottes Führung und im Handeln gemäß Seinem Wort äußert, auch wenn es menschlich unmöglich erscheint.

F: Wie kann ich mein Vertrauen auf Gott stärken, besonders in schwierigen Zeiten?
A: Die Bibel lehrt uns, Gottes Verheißungen zu studieren und uns an seine Taten in der Vergangenheit zu erinnern – sowohl in der biblischen Geschichte als auch im eigenen Leben. Gebet, Lobpreis (auch im Leid) und das Zulassen des Heiligen Geistes in uns sind entscheidend. Oft wächst Vertrauen gerade dann am stärksten, wenn es auf die Probe gestellt wird.

F: Ist Vertrauen blindes Vertrauen oder basiert es auf Beweisen?
A: Biblisches Vertrauen ist kein blindes Vertrauen im Sinne von Ignoranz. Es basiert auf dem Charakter Gottes, der sich in seiner Treue, seinen Taten und seinen erfüllten Verheißungen durch die Geschichte hindurch immer wieder bewiesen hat. Es ist ein Vertrauen, das auf einer Beziehung und der Erfahrung seiner Zuverlässigkeit beruht, auch wenn der Verstand nicht immer alles erklären kann.

F: Was ist der Unterschied zwischen Vertrauen und Hoffnung?
A: Vertrauen und Hoffnung sind eng miteinander verbunden, aber nicht identisch. Hoffnung ist die erwartungsvolle Zuversicht auf zukünftige gute Dinge. Vertrauen ist die feste Überzeugung und Abhängigkeit von der Quelle dieser Hoffnung – also von Gott selbst. Man hofft auf etwas, weil man demjenigen vertraut, der es versprochen hat.

F: Was mache ich, wenn mein Vertrauen enttäuscht wurde, sei es durch Menschen oder durch scheinbar unerhörte Gebete?
A: Es ist wichtig, den Schmerz der Enttäuschung zuzulassen und ihn vor Gott zu bringen, wie es die Psalmbeter taten. Erkennen Sie an, dass menschliches Vertrauen fehlerhaft ist, während Gottes Treue unerschütterlich bleibt. Suchen Sie Trost in Gottes Wort und seiner Gegenwart. Auch wenn Gott schweigt, ist er da und ermutigt uns, im „Dennoch-Vertrauen“ an ihm festzuhalten.

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