16/11/2023
Ein gesegneter Morgen! Vielleicht ein ungewohnter Gruß, doch in guter christlicher Tradition ist Segen etwas, das man nie genug bekommen – und vor allem weitergeben kann. Aber wie kann man sich Segen eigentlich vorstellen? Die Vorstellung eines fließenden Segens ist tief in spirituellen Traditionen verwurzelt. Man könnte ihn sich wie das Wasser eines prachtvollen barocken Marmorbrunnens vorstellen, dessen Kaskaden von oben herabfließen, sich in kleinere Schalen ergießen und dann sanft in ein großes Becken münden. So steigt der Segen vom Ursprung empor, ergießt sich von oben und verströmt sich dann in unzählige Richtungen, um alles zu durchdringen. Dieses Bild des stetig fließenden Segens, der sich von einer Quelle aus verbreitet, bietet eine wunderbare Metapher für Gottes unerschöpfliche Güte und die Art und Weise, wie sie unser Leben durchdringt und uns befähigt, sie auch an andere weiterzugeben. Es ist eine Einladung, sich diesem göttlichen Strom zu öffnen und seine belebende Kraft zu erfahren.

Gerhard Tersteegen und der Brunnen des Heils
Die Vorstellung des Segens als fließendes Wasser ist keineswegs neu. Sie hat tiefe Wurzeln in der biblischen Überlieferung und wurde von Mystikern und Dichtern über Jahrhunderte hinweg aufgegriffen. Einer der bedeutendsten Vertreter dieser Denkweise war Gerhard Tersteegen (1697–1769), ein deutscher reformierter Mystiker, Liederdichter und Seelsorger. Als er sein berühmtes Lied „Brunn alles Heils, dich ehren wir“ schrieb, hatte er wohl keinen römischen Prachtbrunnen vor Augen. Tersteegen, aufgewachsen im 18. Jahrhundert in Mülheim an der Ruhr, war schon als Kind ein außergewöhnlicher Bücherwurm und begabt im Erlernen von Sprachen. Tragischerweise konnte sich seine Familie nach dem Tod des Vaters kein Studium für den hochbegabten Sohn leisten, was ihn zunächst in eine kaufmännische Ausbildung zwang. Später verdiente er seinen Lebensunterhalt als Leineweber und Seidenbandwirker. Doch sein Herz zog es zur Gelehrsamkeit, zur Gotterkenntnis und zum Studium geistlicher Schriften. Tersteegen übernahm das Bild des Brunnens direkt aus dem biblischen Buch des Propheten Jesaja, wo es heißt: „Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen“ (Jes 12,3). Diese biblische Verheißung, dass der Segen Gottes wie Wasser aus einem Brunnen strömt, war für Tersteegen nicht nur eine theologische Erkenntnis, sondern eine zutiefst persönliche Erfahrung. Als junger Mann kam er in Kontakt mit erweckten Kreisen, die eine intensive mystische Innerlichkeit pflegten. Er lebte nach deren strengen, asketischen Grundsätzen: nur das Nötigste, eine tägliche karge Mahlzeit aus Mehl, Wasser und Milch, Verzicht auf Tee und Kaffee. Diese Lebensweise führte dazu, dass er von vielen als überspannter Frömmler angesehen wurde, und selbst seine Familie zog sich von ihm zurück. Doch am Gründonnerstag des Jahres 1724 trat eine entscheidende Wende in seinem Leben ein. In einem Akt tiefer Hingabe verfasste er ein Dokument, in dem er sein Leben symbolisch Jesus übergab und es mit seinem eigenen Blut unterzeichnete. Dieser radikale Schritt markierte seinen inneren Durchbruch und gab ihm den nötigen Halt, den er so lange gesucht hatte. Fortan änderte er seinen Lebensstil, suchte aktiv den Kontakt zu seinen Mitmenschen und wurde zu einem der führenden Köpfe einer bedeutenden Erweckungsbewegung. Er gründete sogar ein großes diakonisches Hilfswerk, das sich der Unterstützung Bedürftiger widmete. Der Segen Gottes, den er selbst so tiefgreifend erfahren hatte, gab er nun in vielfältiger Weise weiter: als Seelsorger, Prediger und Publizist. Sein Leben wurde ein lebendiges Zeugnis dafür, wie der empfangene Segen nicht nur das eigene Leben transformiert, sondern auch zum Kanal für andere werden kann.
Die Kraft des Gesangs: Eine direkte Verbindung zu Gott
Gottes Segen möge strömen – und der Mensch soll darauf antworten, mit Beten und Singen. Für Gerhard Tersteegen war das Singen weit mehr als nur eine musikalische Darbietung; es war eine zutiefst spirituelle Handlung, eine Form der direkten Kommunikation mit dem Göttlichen. Im Jahr 1736 schrieb er dazu: „Das Singen selbst muss geschehen mit Ehrerbietung, Andacht, Einfalt und herzlicher Begierde. Die Ehrerbietung vor Gottes Angesicht ist eine notwendige Seelenbeschaffenheit beim Singen. Wenn du singst, o Seele, so redest du mit dem heiligen, allgegenwärtigen Gott eben sowohl, als wenn du betest. Denke, du stehest mit den vielen tausend mal tausend Engeln und seligen Geistern im Geiste vor dem Throne Gottes und willst deine schwache Stimme mit der Engel Musik vereinigen.“ Dieser Gedanke ist zutiefst tröstlich und entlastend, besonders für all jene, die vielleicht meinen, ihre Stimme sei nicht gut genug für das gemeinsame Singen. Tersteegen versichert uns, dass es nicht um die Perfektion der Stimme geht, sondern um die Haltung des Herzens. Wir schließen uns im Singen dem großen Chor der Engel und seligen Geister an, vereinen unsere schwache Stimme mit ihrer vollkommenen Musik vor dem Thron Gottes. Es ist die Hingabe und die Ehrerbietung, die das Singen zu einem Gebet macht, das gehört wird. Das Singen wird so zu einem Akt der Anbetung, der die Seele erhebt und sie in die Gegenwart Gottes versetzt. Tersteegen forderte nicht nur das Singen im Gottesdienst, sondern auch im Alltag. Für sein Lied „Brunn alles Heils“ gab er die Anweisung: „Morgens, abends, bei Tisch, nach der Predigt und zu aller Zeit gläubig zu beten.“ Dies unterstreicht die Idee, dass der Segen jederzeit und überall durch das Lob Gottes fließen kann.
Der Aaronitische Segen: Ein Erbe für alle Gläubigen
Die Praxis des Segnens ist uralt und tief in der biblischen Geschichte verwurzelt. Tersteegen orientierte sich in seiner Auffassung des Segensflusses und der Rolle des Gesangs stark an der Segenspraxis aus dem 4. Buch Mose, bekannt als der Aaronitische Segen. Als die Israeliten nach ihrer Flucht aus Ägypten durch die Wüste zogen, empfing Mose von Gott den genauen Segensspruch, den sein Bruder Aaron und dessen Söhne, die Priester, über die Israeliten sprechen sollten. Gott selbst betonte die Bedeutung dieses Segens: „Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne“ (4. Mose 6,27). In dem Moment, in dem der Gottesname ausgesprochen wird, beginnt der Segensstrom zu fließen. Die Worte des Aaronitischen Segens sind bis heute eine der bekanntesten und kraftvollsten Segensformeln: „Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden“ (4. Mose 6,24-26). Für Martin Luther war diese Segensformel von solcher zentraler Bedeutung, dass er sie fest in die evangelische Liturgie einfügte. Seit der Reformation wird der Aaronitische Segen am Schluss jedes Gottesdienstes gesprochen, als eine feierliche Verabschiedung der Gemeinde mit Gottes Schutz und Gnade. Tersteegen ging jedoch noch einen Schritt weiter als die traditionelle liturgische Praxis. Für ihn sollte der Segen nicht nur durch Priester im Gottesdienst erteilt werden, sondern durch das immerwährende Singen und Beten im Alltag zugänglich sein. Er glaubte, dass der Name Gottes singend auf sein Volk gelegt werden kann, und zwar zu allen wichtigen Punkten des Tages, bei der Beschäftigung mit Gottes Wort und überhaupt bei jeder Gelegenheit. Dadurch kann der Segen ständig strömen. Tersteegen sah hierfür keinen weiteren Mittler, keinen Priester als notwendig an, wenn die Menschen es sich gegenseitig oder sich selbst singend zusprechen. Dies war ein revolutionärer Gedanke, der die Gläubigen ermächtigte, den Segen aktiv in ihr Leben zu ziehen und weiterzugeben.
| Aspekt | Traditionelle Segenspraxis (z.B. Luthers Liturgie) | Gerhard Tersteegens erweiterte Vision |
|---|---|---|
| Spender des Segens | Primär der ordinierte Priester / Geistliche | Jeder Gläubige durch Gebet und Gesang |
| Ort der Segensspendung | Vorwiegend im Gottesdienst oder bei kirchlichen Anlässen | Überall und jederzeit: im Alltag, zu Hause, bei der Arbeit |
| Mittel des Segens | Gesprochene Formeln, liturgische Rituale | Gebet, insbesondere aber der Gesang des Gottesnamens und Loblieder |
| Empfänger des Segens | Die versammelte Gemeinde | Individuen und Gemeinschaften gleichermaßen, in jedem Moment |
| Häufigkeit | Anlassbezogen, z.B. am Ende des Gottesdienstes | Kontinuierlich, als ständiger Lebensbegleiter |
Die Dreieinigkeit im Segensstrom
Tersteegen verband die drei Abschnitte des Aaronitischen Segens auf faszinierende Weise mit den drei Personen der Trinität – Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Nach dem Schöpfer in der ersten Strophe seines Liedes wird in der dritten Strophe der Heiland angerufen. „Heiland“ ist bereits in der Hebräischen Bibel ein Name für Gott, doch in der christlichen Tradition wird er untrennbar auf Jesus Christus bezogen. So entfaltet sich der Segen als ein umfassendes Wirken Gottes in seinen verschiedenen Aspekten. Die nächste Strophe widmet sich dem Heiligen Geist, dem Tröster. Schon zu Beginn der Schöpfung schwebte Gottes Geist über dem Wasser, als die Erde noch wüst und leer war und Dunkelheit auf der Tiefe lag. Und zu Pfingsten sorgte er dafür, dass alle Menschen in Jerusalem, trotz ihrer unterschiedlichen Muttersprachen, einander plötzlich verstehen konnten – ein Wunder der Kommunikation und Einheit. Tersteegen beschreibt die innige Verbindung des Geistes zum Menschen mit einem Begriff aus der Münzherstellung: Sein Bild werde uns eingedrückt, es soll uns prägen. Dies bedeutet, dass der Heilige Geist uns nicht nur tröstet und leitet, sondern uns auch innerlich umgestaltet, uns das göttliche Bild einprägt und uns so zu Abbildern Gottes macht. Ein weiterer bemerkenswerter Punkt ist Tersteegens Umgang mit dem Namen Gottes. In der jüdischen Tradition durfte der Name Gottes (JHWH, Jachweh) normalerweise nicht ausgesprochen werden, da er so heilig war, dass nur die Priester ihn unter bestimmten Umständen in den Mund nehmen durften. In biblischen Schriften wurde oft ein Platzhalter aus vier Buchstaben verwendet: JHWH. Durch einen Übertragungsfehler, bei dem die Vokale e, o und a hinzugefügt wurden, entstand der Name Jehova, der auch in der christlichen Tradition verwendet wurde. Tersteegen dichtete seine letzte Liedstrophe ursprünglich so: „Jehova, Vater, Sohn und Geist, o Segensbrunn, der ewig fleußt, durchfleuß Herz, Sinn und Wandel wohl, mach uns deins Lobs und Segens voll!“ Damit fasste er die drei Aspekte Gottes unter einem Namen zusammen, ganz im Sinne von Trinitatis, dem christlichen Fest der Dreieinigkeit, dessen Name sich aus den griechischen Begriffen Trias (Dreiheit) und Unitas (Einheit) zusammensetzt. In der Schlussstrophe seines Liedes greift Tersteegen das Bild des strömenden Brunnens wieder auf und bestärkt uns im Singen und Loben. Es ist eine Einladung, sich dem Fluss des Segens hinzugeben und zu erfahren, wie er vom Grund unseres Herzens aufsteigt, zu Gott und zu den Mitmenschen strömt und sich so in alle Richtungen verbreitet, damit wir voll des Segens werden.
Praktische Wege, den Segen zu empfangen und weiterzugeben
Das Verständnis des Segens als eines fließenden Stroms, wie es Tersteegen vermittelte, bietet uns praktische Ansatzpunkte, wie wir diesen göttlichen Fluss in unserem eigenen Leben erfahren und aktiv gestalten können. Es geht nicht nur darum, passiv Segen zu empfangen, sondern auch darum, ein Kanal für ihn zu werden.
- Die Praxis des bewussten Lobpreises und Gesangs: Tersteegen betonte die Bedeutung des Singens als direkten Dialog mit Gott. Nehmen Sie sich bewusst Zeit, Lieder des Lobpreises zu singen, sei es im Gottesdienst, zu Hause oder unterwegs. Es muss nicht perfekt klingen; die Herzenseinstellung zählt. Lassen Sie die Worte der Lieder zu Gebeten werden, die Ihren Geist erheben und Ihre Seele mit Dankbarkeit erfüllen. Dieser Akt des Singens öffnet Kanäle für den Segen.
- Tägliche Segensworte sprechen: Der Aaronitische Segen ist ein kraftvolles Werkzeug. Sprechen Sie ihn bewusst über sich selbst, Ihre Familie oder Ihre Freunde aus. Es ist nicht notwendig, ein Priester zu sein. Die Überzeugung, dass Gottes Name Segen bringt, ist entscheidend. Beginnen Sie den Tag mit einem Segenswunsch für sich und andere, und beenden Sie ihn damit.
- Dankbarkeit kultivieren: Segen ist oft eng mit Dankbarkeit verbunden. Wenn wir bewusst anerkennen, was uns geschenkt wird – sei es die Gesundheit, Beziehungen, Nahrung oder die Schönheit der Natur –, öffnen wir uns für mehr Segen. Ein Dankbarkeitstagebuch oder tägliche Dankbarkeitsgebete können helfen, diese Haltung zu festigen.
- Dienen und Geben: Tersteegen gründete ein diakonisches Hilfswerk. Der Segen, den wir empfangen, ist nicht nur für uns selbst bestimmt, sondern soll auch durch uns weiterfließen. Indem wir anderen dienen, unsere Zeit, Talente oder Ressourcen teilen, werden wir selbst zu einem Kanal des Segens. Das Prinzip des Gebens ist oft ein Katalysator für das Empfangen.
- Bewusstes Leben im Hier und Jetzt: Achten Sie auf die kleinen Segnungen des Alltags. Ein Sonnenstrahl, ein freundliches Wort, ein Moment der Ruhe – all dies kann als Ausdruck des göttlichen Segens wahrgenommen werden. Ein achtsames Leben ermöglicht es uns, die Gegenwart Gottes in den scheinbar unscheinbaren Momenten zu erkennen.
- Studium geistlicher Schriften: Wie Tersteegen ein „Bücherwurm“ war und sein Leben dem Studium geistlicher Schriften widmete, so kann auch für uns das Eintauchen in die Bibel oder andere inspirierende Texte eine Quelle des Segens sein. Gottes Wort ist lebendig und kraftvoll und kann uns Orientierung und Trost schenken.
Häufig gestellte Fragen zum Segen
Was ist Segen eigentlich?
Segen ist im Kern die Zusage und das Wirken Gottes zum Guten im Leben eines Menschen oder einer Gemeinschaft. Es ist die Erfahrung von Gottes Gunst, Schutz, Wohlwollen, Gedeihen und Frieden. Segen ist nicht nur materieller Reichtum, sondern umfasst alle Bereiche des Lebens: körperliche und seelische Gesundheit, gute Beziehungen, innere Ruhe, Weisheit und die Gewissheit von Gottes Gegenwart. Es ist eine göttliche Energie, die fördert, stärkt und erhält.

Muss ich singen, um Segen zu erleben?
Nein, Singen ist keine absolute Voraussetzung, um Segen zu erleben. Segen ist Gottes Geschenk und kann auf vielfältige Weise empfangen werden, sei es durch Gebet, Meditation, das Lesen der Bibel, Gemeinschaft oder einfach durch Gottes Gnade. Gerhard Tersteegen betonte jedoch die besondere Kraft des Gesangs als eine sehr direkte und hingebungsvolle Form des Gebets und der Anbetung. Singen kann einen einzigartigen Kanal für den Segen öffnen, da es Herz, Geist und Körper gleichermaßen einbezieht und eine tiefe emotionale und spirituelle Verbindung zu Gott herstellt. Es ist eine Möglichkeit, den Segen aktiv in sein Leben zu ziehen, aber nicht die einzige.
Kann Segen auch auf andere Menschen übertragen werden?
Ja, unbedingt. Die biblische Tradition des Segnens, wie der Aaronitische Segen, ist ein klares Zeugnis dafür, dass Segen nicht nur empfangen, sondern auch weitergegeben werden kann. Indem wir andere segnen – sei es durch gesprochene Worte, Gebet oder konkrete Taten der Liebe und des Dienstes –, werden wir selbst zu einem Kanal für Gottes Segen. Der Segen ist wie ein Brunnen: Er fließt nicht nur zu uns, sondern auch durch uns hindurch, um andere zu erreichen und zu beleben. Dies ist ein zentrales Element von Tersteegens Vision des fließenden Segens, der sich in viele Richtungen verströmt.
Wer war Gerhard Tersteegen und warum ist er wichtig für das Thema Segen?
Gerhard Tersteegen (1697–1769) war ein bedeutender deutscher reformierter Mystiker, Liederdichter und Seelsorger des 18. Jahrhunderts. Er ist wichtig für das Thema Segen, weil er eine tiefe persönliche Erfahrung des göttlichen Segens machte, die sein Leben grundlegend veränderte. Er verstand Segen nicht als eine einmalige Gabe, sondern als einen ständigen, fließenden Strom, vergleichbar mit einem Brunnen. Seine Lieder, insbesondere „Brunn alles Heils“, und seine Schriften ermutigten die Menschen, den Segen aktiv durch Gebet, Gesang und Hingabe im Alltag zu suchen und weiterzugeben. Er betonte die direkte Beziehung jedes Gläubigen zu Gott und die Möglichkeit, den Segen ohne Vermittler zu erfahren und zu verbreiten, was ihn zu einer Schlüsselfigur in der protestantischen Erweckungsbewegung machte.
Wie kann ich den Segen im Alltag spüren?
Um den Segen im Alltag zu spüren, ist es hilfreich, eine Haltung der Achtsamkeit und Dankbarkeit zu entwickeln. Achten Sie auf die kleinen Dinge, die gut laufen, die Schönheit in Ihrer Umgebung, die Unterstützung von Mitmenschen oder Momente des Friedens. Sprechen Sie regelmäßig Dankgebete. Integrieren Sie Momente der Stille und des Gebets in Ihren Tag, selbst wenn es nur wenige Minuten sind. Lesen Sie inspirierende Texte, die Ihren Glauben stärken. Seien Sie bereit, anderen zu helfen und Freundlichkeit zu zeigen. Oft spüren wir den Segen am deutlichsten, wenn wir selbst ein Segen für andere sind. Das Gefühl der Verbundenheit mit Gott und der Welt kann ein starker Indikator für den fließenden Segen sein.
Ist Segen nur für religiöse Menschen?
Während der Begriff „Segen“ in vielen Religionen eine zentrale Rolle spielt und oft mit einer göttlichen Quelle verbunden ist, können die positiven Auswirkungen dessen, was als Segen empfunden wird, auch von Menschen außerhalb eines spezifisch religiösen Kontextes erlebt werden. Gefühle des Glücks, des Wohlbefindens, des Schutzes oder glückliche Umstände können von jedem als „Glück“ oder „gute Fügung“ wahrgenommen werden, unabhängig von einer religiösen Interpretation. Aus einer religiösen Perspektive wird Segen als ein Akt Gottes verstanden, der sich allen Menschen zuwenden kann, unabhängig von ihrem Glaubensstand, auch wenn die tiefste Dimension des Segens oft im Kontext einer bewussten Beziehung zu Gott erfahren wird.
Fazit: Ein Leben im Segensstrom
Die Erkenntnisse Gerhard Tersteegens und die uralte biblische Tradition des Segens laden uns ein, unser Verständnis von Gottes Güte zu vertiefen. Segen ist kein statischer Zustand, sondern ein dynamischer, fließender Strom, der sich unaufhörlich von der Quelle allen Seins ergießt. Es ist eine Einladung, sich diesem göttlichen Fluss zu öffnen, ihn in sich aufzunehmen und ihn dann bewusst und freigiebig an andere weiterzugeben. Ob durch das bewusste Singen von Lobliedern, das Aussprechen von Segensworten, die Kultivierung von Dankbarkeit oder durch Taten des Dienens – wir alle können zu Kanälen werden, durch die der Segen Gottes in die Welt strömt. Mögen wir alle erfahren, wie der Segen vom Grund unseres Herzens aufsteigt, zu Gott und zu unseren Mitmenschen strömt und sich so in alle Richtungen verbreitet, damit wir voll des Segens werden. Ein gesegnetes Leben ist ein Leben, das sich der Strömung hingibt und selbst zur Quelle wird.
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