21/06/2022
Lappland, der Inbegriff wilder, unberührter Natur und mystischer Landschaften, ist zweifellos eine der bekanntesten Regionen Schwedens – zumindest dem Namen nach. Mit einer beeindruckenden Fläche von 109.702 km² ist es nicht nur die größte Landschaft Schwedens, sondern erstreckt sich über eine Fläche, die der aller Landschaften Götalands, dem südlichen Teil Schwedens, zusammen entspricht. Geographisch grenzt Lappland im Westen an Norwegen, im Nordosten an Finnland, im Osten an Norrbotten, im Südosten an Västerbotten und im Süden an Ångermanland und Jämtland. Diese immense Ausdehnung hat im Laufe der Geschichte zu interessanten Entwicklungen geführt, die Lappland zu dem einzigartigen Ort gemacht haben, den wir heute kennen.

Historisch gesehen reichte die Region Lappland einst bis zur russischen Grenze. Doch im Jahr 1809 verlor Schweden einen Teil seines Territoriums an Finnland, wodurch eine neue Grenze direkt durch Lappland gezogen wurde. Das Ergebnis ist eine Aufteilung in einen schwedischen und einen finnischen Teil, wobei der finnische Teil deutlich kleiner ist als sein schwedisches Pendant. Trotz dieser Teilung bleibt die Essenz Lapplands, seine unberührte Wildnis und seine einzigartige Kultur, in beiden Teilen lebendig.
- Die unberührte Natur Lapplands: Nationalparks und Tierwelt
- Wirtschaft und Lebensweise: Von Rentierzucht bis Tourismus
- Wichtige Orte in Lappland
- Bewohner in Lappland: Dünn besiedelt, reich an Talenten
- Faszinierende Fakten über Lappland
- Vergleich: Winter vs. Sommer in Lappland
- Häufig gestellte Fragen zu Lappland
Die unberührte Natur Lapplands: Nationalparks und Tierwelt
Was Lappland so besonders macht, ist die Tatsache, dass es in ganz Europa kaum ein Gebiet gibt, das so viel unberührte Natur aufweist. Um dieses kostbare Erbe zu schützen, wurden beeindruckende sieben Nationalparks eingerichtet. Diese Schutzgebiete sind wahrlich einzigartig in ihrer Flora und Fauna und bieten Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere. Eines der floralen Wahrzeichen Lapplands ist die Weiße Silberwurz, eine kleine, zarte Blume, die man nur in den hohen Bergregionen findet und die perfekt an die rauen Bedingungen angepasst ist.
Das Landschaftstier Lapplands ist der Polarfuchs, ein Meister der Anpassung an eisige Kälte. Leider ist sein Bestand in Schweden stark gefährdet, da die steigenden Temperaturen infolge des Klimawandels seinen Lebensraum bedrohen. Der Schutz dieser und anderer Arten ist ein zentrales Anliegen in Lappland, um die biologische Vielfalt dieser einzigartigen Region zu bewahren.
Wirtschaft und Lebensweise: Von Rentierzucht bis Tourismus
Ein Blick in die Geschichte Lapplands zeigt, dass das Innere des Landes lange Zeit keine sesshafte Bevölkerung hatte. Es war das Land der Samen, der indigenen Bevölkerung, die seit mehreren tausend Jahren Rentiere in dieser Region hielt. Die Rentierzucht war über Jahrtausende die Grundlage ihrer Existenz und Kultur. Erst mit der Entdeckung von Eisenerz und dem Bau der Inlandsbahn zogen auch andere Menschen in den Norden und siedelten sich dort an.
Früher verdiente man in Lappland hauptsächlich mit Rentierhaltung, Jagd und Fischerei seinen Lebensunterhalt. Später kam die Waldwirtschaft hinzu. Der Anbau von Nutzpflanzen war und ist aufgrund des extremen Klimas und der langen Winter weiterhin eine große Herausforderung. Die Vegetationsperiode ist so kurz, dass die meisten Pflanzen nicht ausreichend wachsen können, um geerntet zu werden. Eine bemerkenswerte Ausnahme bilden Kartoffeln, die kurz vor dem ersten Schnee im Oktober geerntet werden können und eine wichtige Rolle in der lokalen Landwirtschaft spielen.
Heute ist Lapplands atemberaubende Natur, geprägt von tiefen Wäldern, hohen Bergen, verwunschener Tundra, klaren Seen und zahlreichen Flüssen, zu einer der wichtigsten Einkommensquellen geworden: dem Tourismus. Tausende von Menschen aus aller Welt strömen jedes Jahr nach Lappland, sowohl im Sommer als auch im Winter, um die einzigartige schwedische Wildnis zu erleben. Im Winter lockt das magische Nordlicht unzählige Besucher an, während im Sommer die Mitternachtssonne das Highlight ist – ein Phänomen, bei dem die Sonne bis zu 60 Tage lang nicht unter den Horizont sinkt und es somit nie richtig dunkel wird. Diese Naturphänomene bieten unvergessliche Erlebnisse und prägen den Rhythmus des Lebens in Lappland.
Wichtige Orte in Lappland
Obwohl Lappland dünn besiedelt ist, gibt es einige wichtige Orte, die eine besondere Rolle in der Region spielen:
Kiruna: Die Stadt auf Wanderschaft
Kiruna erhielt 1948 das Stadtrecht und war zu diesem Zeitpunkt flächenmäßig die größte Stadt der Welt. Heute leben dort etwas mehr als 17.000 Menschen. Die Existenz Kirunas ist eng mit einer riesigen Eisenerzgrube verbunden, die sich zwei Kilometer unter der Stadt befindet. Dieses Eisen ist sowohl ein Segen als auch eine Last für Kiruna. Aktuell läuft das größte Stadtentwicklungsprojekt in der Geschichte Schwedens: Ein Teil von Kiruna muss umziehen, um den weiteren Abbau des Eisenerzes für die nächsten hundert Jahre zu ermöglichen. Dieses ambitionierte Projekt ist ein faszinierendes Beispiel für die Anpassungsfähigkeit der Menschen an die Gegebenheiten der Natur und Wirtschaft.
Jokkmokk: Das Herz der Samen-Kultur
Jokkmokk ist ein zentraler Ort für die Samen in Schweden und ein wichtiges kulturelles Zentrum. Hier befindet sich Ájtte, das schwedische Berg- und Samenmuseum, das tiefe Einblicke in die Geschichte, Kultur und Lebensweise der Samen bietet. Außerdem gibt es ein Ausbildungszentrum der Samen und eine Vielzahl von Kunst- und Handwerksgeschäften, die traditionelle samische Produkte anbieten. Seit 1605 wird in Jokkmokk jedes Jahr im Februar der berühmte Wintermarkt abgehalten, ein farbenfrohes Ereignis, das Besucher aus aller Welt anzieht und die samische Kultur feiert.
Tärnaby: Eine Wiege des Skisports
Tärnaby, eine kleine Gemeinde nahe der norwegischen Grenze mit nur rund 500 Einwohnern, ist trotz ihrer geringen Größe weltberühmt. Unglaubliche 131 von Schwedens 185 Weltcupsiegern im alpinen Skisport stammen aus Tärnaby. Ein wesentlicher Grund dafür ist die große Skianlage, die einen Großteil der Einnahmen in der Wintersaison durch den Tourismus generiert. Zudem haben die Jugendlichen im Ort oft nicht viele andere Möglichkeiten, ihre Freizeit zu verbringen, außer auf Skiern zu stehen, was die Entwicklung talentierter Skifahrer fördert.
Bewohner in Lappland: Dünn besiedelt, reich an Talenten
Es ist weithin bekannt, dass Lappland sehr dünn besiedelt ist. Insgesamt leben hier nur etwa 91.666 Menschen, was einer Bevölkerungsdichte von lediglich 0,84 Einwohnern pro Quadratkilometer entspricht – nicht einmal eine Person auf einen Quadratkilometer. Dafür gibt es aber eine umso größere Anzahl an Rentieren! Obwohl die Bevölkerungszahl gering ist, haben einige Persönlichkeiten aus Lappland, insbesondere im Skisport, internationale Bekanntheit erlangt, was angesichts der winterlichen Bedingungen der Region nicht verwunderlich ist.
- Anja Pärson: Eine herausragende alpine Skiläuferin, die für Schweden zahlreiche Medaillen gewonnen hat, darunter 13 WM-Medaillen, 6 Olympische Medaillen und 42 Weltcupsiege.
- Ingemar Stenmark: Eine Legende des alpinen Skisports, der sich weltweit einen Namen gemacht hat.
- Stig Strand: Ebenfalls ein bekannter Name im Skisport, der aus dieser Region stammt und die Tradition der erfolgreichen Skifahrer fortsetzt.
Faszinierende Fakten über Lappland
Lappland steckt voller interessanter Geschichten und Fakten, die seine einzigartige Identität prägen:
- Das Königinnenland: Wenn man einen Blick auf die Karte Lapplands wirft, fallen drei Orte mit Frauennamen auf: Vilhelmina, Dorotea und Fredrika. Diese Namen stammen von Friederike von Baden, der Gemahlin des schwedischen Königs Gustav IV. Adolf. Ihr vollständiger Name war Friederike Dorothea Wilhelmina, und die Namen wurden an das Schwedische angepasst. Aus diesem Grund wird der südliche Teil Lapplands manchmal auch als Königinnenland bezeichnet.
- Treriksröset: Der Drei-Länder-Punkt: Am nördlichsten Punkt Schwedens befindet sich ein Grenzmal namens Treriksröset. Dies ist der genaue Punkt, an dem die Grenzen von Norwegen, Schweden und Finnland aufeinandertreffen. Es ist ein eher unscheinbarer, runder, leicht gewölbter und gelb angestrichener Betonstein, der aber eine enorme geografische Bedeutung hat.
- Die Weite Schwedens: Der Abstand zwischen dem nördlichsten Punkt Schwedens, Treriksröset, und dem südlichsten Punkt, Smygehuk, beträgt unglaubliche 1.572 km. Zum Vergleich: Das ist eine längere Strecke als von Flensburg bis nach Rom (ca. 1.450 km) – und es fehlen immer noch 122 km! Dies verdeutlicht die enorme Nord-Süd-Ausdehnung Schwedens und die Weite Lapplands.
Vergleich: Winter vs. Sommer in Lappland
Lappland bietet zu jeder Jahreszeit einzigartige Erlebnisse. Hier ein kurzer Vergleich, um die Besonderheiten hervorzuheben:
| Merkmal | Winter in Lappland | Sommer in Lappland |
|---|---|---|
| Highlights | Nordlichter, Skifahren, Hundeschlittenfahrten, Rentierschlitten | Mitternachtssonne, Wandern, Angeln, Kanufahren, Wildtierbeobachtung |
| Temperaturen | Sehr kalt, oft unter -20°C, extreme Kälte möglich | Mild und angenehm, ca. 10-20°C, selten wärmer |
| Tageslicht | Kurze Tage, Polarnacht (kein Sonnenaufgang) in den nördlichsten Regionen | Lange Tage, 24 Stunden Licht (Mitternachtssonne) in den nördlichsten Regionen |
| Aktivitäten | Alpiner und Langlaufski, Snowmobil-Touren, Eisfischen, Besuch des Eishotels | Trekking in Nationalparks, Beeren sammeln, Flusssafaris, Mountainbiking |
| Kleidung | Thermokleidung, Daunenjacken, warme Mützen, Handschuhe und Stiefel | Leichte Schichten, Regenschutz, Insektenschutz (Mücken!), Wanderschuhe |
Häufig gestellte Fragen zu Lappland
Wann ist die beste Reisezeit für Lappland?
Die beste Reisezeit hängt stark davon ab, was Sie erleben möchten. Für das Nordlicht und Wintersport sind die Monate Dezember bis März ideal. Möchten Sie die Mitternachtssonne und Wanderungen in der unberührten Natur genießen, eignen sich die Monate Juni bis August am besten. Der Herbst (September/Oktober) bietet beeindruckende Herbstfarben und ist eine gute Zeit für Wanderungen.
Was kann man im Winter in Lappland erleben?
Der Winter in Lappland ist magisch. Neben der Jagd nach dem Nordlicht können Sie spannende Hundeschlittenfahrten unternehmen, mit dem Snowmobil durch die verschneite Landschaft gleiten, Eisfischen, Langlaufen oder Ski fahren in den zahlreichen Skigebieten. Ein Besuch des berühmten Eishotels in Jukkasjärvi ist ebenfalls ein unvergessliches Erlebnis.
Was kann man im Sommer in Lappland erleben?
Im Sommer verwandelt sich Lappland in ein Paradies für Naturliebhaber. Die Mitternachtssonne ermöglicht es Ihnen, auch nachts aktiv zu sein. Beliebte Aktivitäten sind Wandern in den Nationalparks, Kanufahren auf den Seen und Flüssen, Angeln, Beeren sammeln und die reiche Tierwelt beobachten. Die Landschaft ist grün und die Luft frisch, ideal für Outdoor-Abenteuer.
Wie reist man am besten nach Lappland?
Die meisten Reisenden erreichen Lappland per Flugzeug, wobei Flughäfen wie Kiruna, Luleå oder Arvidsjaur die wichtigsten Anlaufstellen sind. Innerhalb Lapplands kann man sich mit Mietwagen fortbewegen, um flexibel zu sein. Die Inlandsbahn bietet zudem eine malerische Möglichkeit, die Region zu erkunden, insbesondere auf längeren Strecken.
Was ist das Besondere an der Kultur der Samen?
Die Samen sind die einzige indigene Bevölkerung Europas und ihre Kultur ist tief mit der Natur und der Rentierzucht verbunden. Ihre Traditionen umfassen einzigartige Handwerkskunst (Duodji), eine reiche mündliche Überlieferung, traditionelle Lieder (Joik) und eine enge Beziehung zur Tierwelt und den Jahreszeiten. Ihre Lebensweise ist geprägt von Nachhaltigkeit und Respekt vor der Natur.
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