20/05/2024
Jerusalem, eine Stadt, die seit Jahrtausenden im Schnittpunkt von Geschichte, Spiritualität und Konflikt steht, nimmt im Islam eine einzigartige und zutiefst verehrte Stellung ein. Während sie für Judentum und Christentum von immenser Bedeutung ist, birgt sie für Muslime eine eigene, reiche Erzählung, die eng mit den Anfängen des Islam und dem Leben des Propheten Mohammed verwoben ist. Diese Stadt, oft als „Al-Quds“ (Die Heilige) bezeichnet, ist weit mehr als nur ein geografischer Ort; sie ist ein spirituelles Zentrum, das tiefe Emotionen hervorruft und die Herzen von Milliarden Gläubigen weltweit berührt.

- Das Herzstück islamischer Heiligkeit: Al-Aqsa und der Felsendom
- Die Qibla-Wende: Ein Wendepunkt im islamischen Gebet
- Jerusalem in den Augen islamischer Gelehrter und Reisender
- Die vielschichtige Heiligkeit Jerusalems: Eine vergleichende Perspektive
- Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Bedeutung Jerusalems im Islam
Das Herzstück islamischer Heiligkeit: Al-Aqsa und der Felsendom
Im Zentrum der islamischen Verehrung in Jerusalem steht der sogenannte Tempelberg, den Muslime als Al Haram al-Scharif – das „edle Heiligtum“ – bezeichnen. Dieses weitläufige Areal beherbergt zwei der wichtigsten Stätten des Islam außerhalb Mekkas und Medinas: die Al-Aqsa-Moschee und den prächtigen Felsendom.
Die Al-Aqsa-Moschee: Die drittheiligste Stätte des Islam
Die Al-Aqsa-Moschee gilt als die drittheiligste Moschee im Islam, nur übertroffen von der Kaaba in Mekka und der Prophetenmoschee in Medina. Ihre Bedeutung geht auf die früheste Zeit des Islam zurück. Bevor die Gebetsrichtung (Qibla) nach Mekka geändert wurde, richteten sich die Muslime während ihrer Gebete nach Jerusalem. Diese historische Tatsache unterstreicht die ursprüngliche und anhaltende Ehrfurcht, die Muslime für diese Stadt empfinden.
Der Felsendom: Schrein der Himmelfahrt
Direkt neben der Al-Aqsa-Moschee erhebt sich der majestätische Felsendom, ein architektonisches Meisterwerk, das oft fälschlicherweise als Moschee bezeichnet wird. Tatsächlich ist der Felsendom ein Schrein, der Ende des 7. Jahrhunderts um einen Felsen herum erbaut wurde, der eine zentrale Rolle in der islamischen Überlieferung spielt. Dieser Fels soll der Ausgangspunkt für die Himmelfahrt Mohammeds (Al-Isra wal-Mi'raj) gewesen sein. Nach islamischer Lehre reiste der Prophet Mohammed auf seinem Himmelspferd Buraq von Mekka nach Jerusalem und stieg von diesem Felsen aus in den Himmel auf, wo er den früheren Propheten wie Moses und Jesus begegnete.
Im Inneren des Felsendoms kann dieser nackte Fels heute noch besichtigt werden. Gläubige erkennen auf seiner Oberfläche einen Fußabdruck des Propheten. Zudem sollen in einem kleinen Schrein Barthaare des Propheten Mohammed aufbewahrt werden, was die tiefe Verehrung und die historische Verbindung zu diesem Ort weiter verstärkt. Die genaue Beziehung dieses Felsens zu den früheren jüdischen Tempelbauten ist unter Forschenden umstritten, doch für Muslime ist seine Bedeutung als Ort der Himmelfahrt unbestreitbar.

Die Qibla-Wende: Ein Wendepunkt im islamischen Gebet
Die Wahl Jerusalems als erste Gebetsrichtung (Qibla) ist ein faszinierendes Detail in der Frühgeschichte des Islam und ein starkes Indiz für die anfängliche Verbundenheit mit den monotheistischen Traditionen, die der Islam fortsetzte. Für eine gewisse Zeit beteten Muslime nicht Richtung Mekka, sondern gen Jerusalem. Dies änderte sich jedoch, als sich der Prophet Mohammed mit den jüdischen Stämmen Medinas zerstritt. Die Gebetsrichtung wurde daraufhin zur Kaaba in Mekka geändert, was einen bedeutenden theologischen und identitätsstiftenden Wandel für die junge muslimische Gemeinschaft markierte.
Obwohl Mekka heute die alleinige Qibla ist, bleibt die Erinnerung an Jerusalem als erste Gebetsrichtung tief im kollektiven Gedächtnis der Muslime verankert. Dies verleiht der Stadt eine besondere historische Aura und unterstreicht ihre einzigartige Stellung innerhalb der islamischen Geographie der Heiligkeit.
Jerusalem in den Augen islamischer Gelehrter und Reisender
Die Komplexität und Dualität Jerusalems spiegeln sich auch in den Beschreibungen frühislamischer Gelehrter wider. Der frühislamische Geograf und Reisende Schams ad-Din al-Maqdisi beschrieb die Stadt im zehnten Jahrhundert mit den berühmten Worten: „Jerusalem ist die glanzvollste Stadt. Aber Jerusalem hat auch Nachteile. So heißt es: Jerusalem ist ein goldener Kelch voller Skorpione.“ Dieses Zitat fängt die ambivalente Natur Jerusalems ein: eine Stadt von unvergleichlicher Schönheit und Spiritualität, aber auch ein Ort, der von politischen Spannungen, Streit und Sorgen geprägt ist.
Die Medien berichten oft über Jerusalem im Kontext von Spaltung und Konflikt, was angesichts der realen Herausforderungen wie Verdrängung, Okkupation und Bedrohungen berechtigt ist. Doch abseits dieser Trennungen ist Jerusalem auch eine Stadt der Vielfalt und des Zusammenlebens, die eine Geschichte von Diversität, Zerstörung, Verlust und Hoffnung in sich vereint. Sie ist der „Mittelpunkt der Erde“ für viele Gläubige und ein Ort, dessen „Falten tiefe Furchen aus Jahrhunderten“ sind, die ihre reiche Geschichte und ihre vielfältigen Kulturen widerspiegeln.

Die vielschichtige Heiligkeit Jerusalems: Eine vergleichende Perspektive
Die Heiligkeit Jerusalems für den Islam ist nicht isoliert zu betrachten, sondern steht im Kontext ihrer Bedeutung für alle drei großen monotheistischen Religionen. Obwohl dieser Artikel den Fokus auf den Islam legt, ist es wichtig zu verstehen, dass Jerusalem für Juden der Ort des Allerheiligsten war und für Christen der Schauplatz von Jesu Leiden und Auferstehung ist.
Für Muslime ist Jerusalem heilig, nicht nur wegen des Felsendoms und der Al-Aqsa-Moschee, sondern auch weil dort Propheten wie Abraham und Jesus gewirkt haben, die im Islam als wichtige Gesandte Gottes anerkannt sind. Diese gemeinsame prophetische Geschichte verbindet die Stadt mit der gesamten Offenbarungstradition, die der Islam fortführt und vollendet sieht.
Vergleich der Heiligen Stätten im Islam
| Stätte | Bedeutung im Islam | Ort |
|---|---|---|
| Kaaba (Al-Masdschid al-Harām) | Heiligste Stätte, Gebetsrichtung (Qibla) | Mekka |
| Prophetenmoschee (Al-Masdschid an-Nabawī) | Zweitheiligste Stätte, Grab des Propheten Mohammed | Medina |
| Al-Aqsa-Moschee | Drittheiligste Stätte, erste Qibla, Teil der Himmelfahrt | Jerusalem |
| Felsendom | Schrein, Ort der Himmelfahrt Mohammeds | Jerusalem |
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Bedeutung Jerusalems im Islam
Ist der Felsendom eine Moschee?
Nein, der Felsendom ist keine Moschee im herkömmlichen Sinne, sondern ein Schrein. Er wurde um den Felsen herum gebaut, von dem der Prophet Mohammed seine Himmelfahrt angetreten haben soll. Die eigentliche Moschee auf dem Tempelberg-Areal ist die Al-Aqsa-Moschee.
Warum beteten Muslime zuerst nach Jerusalem?
In der Frühzeit des Islam war Jerusalem die erste Gebetsrichtung (Qibla) für Muslime. Dies änderte sich später auf göttliche Anweisung hin zur Kaaba in Mekka, nach einer Auseinandersetzung des Propheten Mohammed mit den jüdischen Stämmen Medinas. Die anfängliche Ausrichtung nach Jerusalem unterstreicht jedoch die historische Verbindung und Wertschätzung der Stadt.

Dürfen Nichtmuslime den Tempelberg / Al Haram al-Scharif betreten?
Ja, Nichtmuslime dürfen das Plateau des Al Haram al-Scharif (Tempelberg) als Touristen besuchen. Das Gebet ist jedoch nur Muslimen gestattet.
Was bedeutet 'Al Haram al-Scharif'?
'Al Haram al-Scharif' ist Arabisch und bedeutet übersetzt „das edle Heiligtum“. Dieser Begriff bezeichnet das gesamte Areal des Tempelbergs in Jerusalem, auf dem sich der Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee befinden.
Welche Propheten des Islam werden mit Jerusalem verbunden?
Neben dem Propheten Mohammed, dessen Himmelfahrt von Jerusalem ausging, sind auch andere wichtige Propheten des Islam mit der Stadt verbunden. Dazu gehören Abraham (Ibrahim) und Jesus (Isa), die im Islam als bedeutende Propheten und Gesandte Gottes anerkannt sind und deren Wirken ebenfalls in Jerusalem stattgefunden haben soll.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Jerusalem für Muslime eine Stadt von unermesslicher spiritueller und historischer Bedeutung ist. Sie ist der Ort der Himmelfahrt des Propheten Mohammed, beherbergt die drittheiligste Moschee des Islam und war die erste Gebetsrichtung der Muslime. Ihre tiefe Verwurzelung in der islamischen Geschichte und Theologie macht sie zu einem unersetzlichen Bestandteil des muslimischen Glaubens und zu einem ewigen Symbol der Heiligkeit und Sehnsucht.
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