Was ist der Unterschied zwischen multireligiösen und interreligiösen Gebetstreffen?

Buddha und Jesus: Ein spiritueller Vergleich

23/11/2023

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In einer Zeit, in der die Suche nach Sinn und innerem Frieden viele Menschen im Westen antreibt, wenden sich immer mehr Suchenden östlichen Weisheitslehren zu. Der Buddhismus, mit seiner Betonung von Gewaltlosigkeit, Toleranz und Mitgefühl, übt eine besondere Anziehungskraft aus. Veranstaltungen mit Persönlichkeiten wie dem Dalai Lama, dem weltlichen Oberhaupt der Tibeter, ziehen Tausende an und werfen Fragen nach der spirituellen Ausrichtung unserer Gesellschaft auf. Doch was unterscheidet den Weg Buddhas von dem Jesu Christi, und welche Gemeinsamkeiten bestehen zwischen diesen beiden fundamentalen spirituellen Wegen?

Inhaltsverzeichnis

Die Anziehungskraft des Buddhismus im Westen

Die Faszination für den Buddhismus in der westlichen Welt ist unverkennbar. Als der Dalai Lama im Herbst 1998 in der Lüneburger Heide vor rund 10.000 Menschen sprach, war das Motto "Buddhas Weg ins Glück". Seine Herzlichkeit, sein Humor und sein unermüdliches Eintreten für Menschenrechte, gepaart mit einer Ausstrahlung von Gewaltlosigkeit und Toleranz, wirken auf viele Sinnsucher unwiderstehlich. Er wird oft als "Verkörperung von Liebe und Mitgefühl" oder "ein gelebtes Symbol für Frieden" wahrgenommen. Obwohl der Dalai Lama beteuert, nicht missionieren zu wollen und Christen sogar rät, ihrer eigenen Religion treu zu bleiben, verbreitet er den Tibetischen Buddhismus aktiv im Westen.

Was ist der Unterschied zwischen Buddhismus und Jesus?
Das Mitgefühl mit allen Lebewesen, das Gebot, weder Menschen noch Tiere zu töten, und die Ethik der Gewaltlosigkeit – all das lehrten sowohl Buddha als auch Jesus von Nazareth, nicht aber die Kirche. Allerdings hat sich der Buddhismus teilweise auch von Buddha entfernt, so etwa in dem Personenkult um seine religiösen Führer.

Diese Öffnung gegenüber östlichen Philosophien findet sich zunehmend auch innerhalb des kirchlichen Christentums. Pfarrer und Kirchenangestellte experimentieren mit östlicher Meditation und Mantren, was von manchen als Zeichen eines "geistigen Todes" des traditionellen Christentums interpretiert wird. Die Klagen über leere Beichtstühle und die kirchliche Leugnung von Konzepten wie dem Gesetz von Saat und Ernte oder der Reinkarnation, die für viele Menschen Aspekte der Wahrheit darstellen, tragen dazu bei, dass das Kirchenchristentum als "geistig entleertes Haus" wahrgenommen wird.

Wer war Buddha? Ein Weg zur Erleuchtung

Siddharta Gautama, bekannt als Buddha, der "Erleuchtete" oder "Erwachte", wurde im 6. Jahrhundert vor Christus als Fürstensohn in Indien geboren. Mit 29 Jahren verließ er sein privilegiertes Leben, um als Wandermönch nach dem Grund des menschlichen Leidens zu suchen. Seine Erkenntnisse fasste er in den sogenannten Vier Edlen Wahrheiten zusammen:

  1. Alles Leben ist Leiden (Dukkha).
  2. Die Ursache des Leidens ist das Begehren (Trishna).
  3. Mit dem Aufhören des Begehrens hört auch das Leid auf.
  4. Die Überwindung des Begehrens geschieht durch das Beschreiten des Achtfältigen Pfades.

Der Achtfältige Pfad umfasst rechte Ansicht, rechte Absicht, rechtes Reden, rechtes Handeln, rechten Lebenswandel, rechtes Streben, rechte Achtsamkeit und rechte Sammlung. Dieser Pfad, der Disziplin, Ausdauer und Konsequenz erfordert, ist ein Weg der Selbsterlösung, der auf der Arbeit an sich selbst basiert.

Interessanterweise wies Buddha selbst auf einen kommenden "neuen Buddha" hin, der nach 500 Jahren erscheinen und das "Rad der Lehre" erneut in Bewegung setzen würde. Manche interpretieren dies als einen Hinweis auf Jesus von Nazareth.

Jesus von Nazareth: Der innere Meister und der Erlöserfunke

Jesus von Nazareth brachte keine äußere Religion im traditionellen Sinne, sondern verkörperte den Freien Geist und lehrte eine "Innere Religion" oder die "Religion der selbstlosen Liebe". Er wurde von den meisten nicht angenommen und schließlich gekreuzigt. Die christliche Lehre betont, dass Jesus durch seinen Tod am Kreuz einen "Erlöserfunken" in alle Menschen übertrug, der die menschliche Seele stabilisiert und einen Weg zurück zu Gott ermöglicht. Dieser "Erlöserfunke" ist seither die rückführende Kraft in jeder Seele, was Jesu Aussage "Keiner kommt zum Vater denn durch Mich" eine tiefere Bedeutung verleiht.

Das Urchristentum spricht vom "Inneren Christus" und "Kosmischen Christus", was besagt, dass jeder Mensch diesen Christus-Erlöserfunken in seiner Seele trägt. Christus ist nicht Teil einer kirchlichen Dreieinigkeit, sondern als "Mitregent der Schöpfung" allgegenwärtig. Das Gebet zu ihm ist ein Gebet nach Innen, das keinen irdischen Meister mehr benötigt, da Christus selbst der innere Meister ist.

Gemeinsamkeiten der Lehren: Ethik und Mitgefühl

Obwohl Buddha und Jesus in unterschiedlichen Kulturen und zu verschiedenen Zeiten wirkten, teilen ihre Lehren erstaunliche ethische Gemeinsamkeiten. Beide betonten die Bedeutung von Mitgefühl, Gewaltlosigkeit und einem reinen Lebenswandel. Die folgende Tabelle vergleicht einige dieser ethischen Prinzipien:

Ethisches PrinzipLehre des BuddhaLehre des Jesus Christus (nach "Das ist Mein Wort")
Kein Töten von LebewesenHat das Töten lebender Wesen verworfen, verzichtet auf Stock und Schwert, ist zartfühlend, liebreich, auf das Wohl aller Lebewesen bedacht.„Du sollst nicht töten. Wer seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein.“ (Mt. 5, 21)
„Das Leiden der Tiere wird zu eurem Leiden.“ (146)
Kein Nehmen fremden EigentumsHat das Stehlen verworfen, nimmt nur, was man ihm gibt, verweilt ehrlichen Herzens.„Du sollst nicht stehlen.“ (10 Gebote)
„Wer Geld und Güter für sich hortet, ist ein Dieb, da er dem Nächsten einen Teil ihres geistigen Erbes vorenthält.“ (283)
Kein unzulässiger GeschlechtsverkehrPflegt keinen geschlechtlichen Umgang mit Frauen unter Obhut oder verheirateten Frauen.„Jeder, der eine Frau nur ansieht, im Sinn der Begierde, hat schon in seinem Herzen Ehebruch mit ihr begangen.“ (Mt. 5, 27)
„Treulosigkeit ist gegen die selbstlose Liebe.“ (508)
Wahrhaftigkeit / Kein LügenSpricht die Wahrheit, ist der Wahrheit ergeben, vertrauenswürdig, betrügt die Menschen nicht.„Du sollst nicht falsch Zeugnis geben.“ (10 Gebote)
„Wer lügt, der belügt sich auch selbst.“ (593)
Kein Hinterbringen / VersöhnungEint Entzweite, ermutigt Geeinte, fördert Eintracht, spricht eintrachtsfördernde Worte.„Gehe auf deinen Bruder zu und stelle ihn unter vier Augen zur Rede.“ (Mt. 18, 16-17)
„Versöhne dich mit deinem Nächsten.“ (302)
Keine rohe Rede / Zügelung der ZungeZügelt seine Rede, spricht denkwürdige, begründete, abgemessene und sinnvolle Worte.„Hütet euch vor eurer eigenen Zunge.“
„Rechenschaft für jedes unnütze Wort.“ (Mt. 12, 36)
„Eure Worte sind eure Richter.“ (350)
Keine HabgierLehrt das Ende des Begehrens und Anhaftens.„Sammelt euch nicht Schätze.“
„Trachtet zuerst nach dem Reiche Gottes.“ (340)
Kein Übelwollen / FeindesliebeLehrt Mitgefühl mit allen Lebewesen.„Liebet eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen.“ (Lk. 6, 27)
„Auch der scheinbare Feind ist euer Nächster.“ (307)
Keine üble Ansicht / HeucheleiLehrt rechte Ansicht als Teil des Achtfältigen Pfades.„Seid keine Heuchler.“ (Mt. 23, 28)
„Wer über andere negativ spricht, kennt sich selbst nicht.“ (351)

Fundamentale Unterschiede: Erlösung, Meister und Wege

Trotz ethischer Parallelen gibt es tiefgreifende Unterschiede in den Kernlehren von Buddhismus und Christentum, insbesondere hinsichtlich des Weges zur Erlösung und der Rolle des Meisters.

Selbsterlösung vs. Erlöserfunke

Die buddhistische Lehre betont die Selbsterlösung durch eigene Anstrengung und das Beschreiten des Achtfältigen Pfades, um das Leid zu überwinden und ins Nirwana einzugehen. Das Nirwana wird oft als ein Zustand der Auflösung aller Formen im formlosen Geist verstanden, ein Nachklang des ursprünglichen Abfalls von Gott.

Der Christusweg hingegen lehrt, dass eine Selbsterlösung seit dem kosmischen Geschehen auf Golgatha nicht mehr möglich ist. Jesus Christus hat durch seine Erlösertat einen Erlöserfunken in jede menschliche Seele eingehen lassen, der die Seelen stabilisiert und die drohende Auflösung der Schöpfung gestoppt hat. Dieser Funke ist die einzig rückführende Kraft zu Gott.

Äußere Meister vs. Innerer Meister

Buddha selbst war gegen einen Kult um seine Person, da er seine Schüler auf seine Lehre und nicht auf ihn selbst ausgerichtet sehen wollte. Dennoch entstand schon bald nach seinem Tod ein großer Kult um seine Person. Der Buddhismus kennt zudem eine Hierarchie von erleuchteten Meistern, wie den Dalai Lama, der auf einem Thron sitzt und sich "Seine Heiligkeit" oder sogar "Gottkönig" nennen lässt.

Jesus von Nazareth lehrte, dass seit Golgatha keine äußeren Meister mehr notwendig sind. Der innere Meister ist Christus selbst, der als "Teilkraft" der ewigen göttlichen "Urkraft" in jeder Seele gegenwärtig ist. Wer sich an einen äußeren Meister bindet, riskiert, die innere Freiheit und den unmittelbaren Zugang zur Gottesgegenwart in der eigenen Seele zu blockieren.

Mantra und Versenkung vs. Schonungslose Selbsterkenntnis

Östliche Wege, einschließlich des Buddhismus, sind oft Wege der Übung, der Versenkung und der Mantren. Sie sprechen von Meditation, Ruhe und Stille. Dies bedeutet vielfach, negatives Gedankengut beiseite zu legen oder zu unterdrücken, es aber im Unterbewusstsein oder in der Seele zu belassen. Das ständige Wiederholen eines Mantras kann eine Schicht erzeugen, die Ober- und Unterbewusstsein trennt und den Zugang zu verborgenen Negativitäten blockiert. Dies birgt die Gefahr der Selbsttäuschung, da das "Gefäß" der Seele nicht wirklich gereinigt, sondern nur ruhig gehalten wird.

Der klassische Christusweg, wie er in der Bergpredigt gelehrt wird, ist ein Weg der schonungslosen Selbsterkenntnis. Er fordert auf: "Erkenne dein Sündhaftes, bereue es, bereinige es in der Bitte um Vergebung, in der Vergebung, in der Wiedergutmachung und tue diese Sünde nicht mehr." Dieser Weg bedeutet, das "Gefäß" der Seele von Unrat – von Lieblosigkeit, Hass, Neid, Feindschaft und übertriebenen Wünschen – zu leeren. Erst wenn das Gefäß leer wird, können geistige, göttliche Kräfte einfließen und den Menschen zum Positiven, zum Göttlichen, wandeln. Wenn das Sündhafte nicht bereinigt wird, kann es sich später durch Schicksal, Leid, Krankheit und Not manifestieren.

Die Rolle der Institutionen und die wahre Lehre

Das Kirchenchristentum hat sich in vielerlei Hinsicht von den ursprünglichen Lehren Jesu entfernt. Während Jesus und Buddha Mitgefühl mit allen Lebewesen und Gewaltlosigkeit lehrten, hat die Kirche oft das Gegenteil praktiziert und sich von wichtigen Aspekten der Wahrheit, wie dem Gesetz von Saat und Ernte oder der Reinkarnation, abgewandt. Die Öffnung der Kirche gegenüber östlichen Techniken, die teils als "geistiger Tod" des Christentums interpretiert wird, zeigt die Suche nach Spiritualität außerhalb der eigenen Tradition.

Auch der Buddhismus hat sich teilweise von Buddhas ursprünglicher Lehre entfernt, insbesondere im Personenkult um seine religiösen Führer. Buddha selbst lehrte einen Weg der Selbstdisziplin und Arbeit an sich selbst, der nach seinem Tod "halbiert" wurde: ein "großes Fahrzeug" für Mönche und ein "kleines Fahrzeug" für die breite Bevölkerung, oft verbunden mit Riten und Kulten, die von den ursprünglichen Prinzipien abweichen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann man gleichzeitig Buddhist und Christ sein?

Der Dalai Lama riet einst dazu, der eigenen Religion treu zu bleiben. Die hier dargelegte Perspektive zeigt, dass die Kernlehren von Buddhismus (Selbsterlösung) und wahrem Christentum (Erlösung durch Christus als innerer Meister) fundamental unterschiedlich sind. Es handelt sich um verschiedene Wege, die zu unterschiedlichen Zielen führen. Ein „Sowohl-als-auch“ ist auf dieser tiefen Ebene nicht möglich, auch wenn es ethische Gemeinsamkeiten gibt.

Was ist mit der Reinkarnation im Christentum?

Das Kirchenchristentum leugnet die Reinkarnation, doch die hier zitierte Quelle deutet an, dass viele Menschen spüren, dass dies ein Aspekt der Wahrheit ist. Die Offenbarungen durch Christus in unserer Zeit (z.B. durch Gabriele) sprechen vom Fallgeschehen und der Rückkehr der Seelen ins Fleisch, bis sie bereuen und bereinigen. Dies impliziert einen Zyklus von Inkarnationen, der erst durch die Annahme des Christus-Erlöserfunkens und das Leben nach seinen Geboten durchbrochen wird.

Warum ist Selbsterlösung nicht mehr möglich?

Nach der Lehre des inneren Christusweges hat das kosmische Geschehen auf Golgatha die Bedingungen für die Erlösung grundlegend verändert. Christus hat einen "Erlöserfunken" in jede Seele gelegt, der eine unterstützende Kraft und einen Schub zur Umkehr darstellt. Dieser Funke ist die einzige rückführende Kraft zu Gott. Eine Erlösung aus eigener Kraft, ohne die Annahme dieser göttlichen Gnade und Hilfe, ist seitdem nicht mehr möglich.

Was ist der "Erlöserfunke"?

Der Erlöserfunke ist ein Teil des geistigen Erbes Christi, den er während seines Sterbens am Kreuz an alle Menschen übertrug. Er ist ein stützendes Kraftpotenzial und eine Schubkraft, die es dem Menschen ermöglicht, nach den Geboten Gottes zu leben und den Weg zurück in die ewige Heimat zu finden. Er ist die rückführende Kraft in jeder Seele und macht Christus zum inneren Meister.

Fazit: Wahrheit in Teilen und die ganze Wahrheit

In nahezu allen Weltreligionen finden sich Teile der ewigen Wahrheit. Buddha brachte wichtige ethische Prinzipien und einen Weg zur Überwindung des Leidens durch eigene Anstrengung. Doch der Geist der Wahrheit selbst, Christus, offenbart in unserer Zeit die ganze Wahrheit. Er ist der innere Meister, der in jedem Menschen gegenwärtig ist und den Weg zurück zum Vater-Mutter-Gott ermöglicht.

Der wahre Christusweg ist ein Weg der inneren Reinigung und Transformation, der über bloße Unterdrückung negativer Gedanken hinausgeht. Er lädt den Menschen ein, sein "Gefäß" von allem Unrat zu leeren, damit die göttlichen Kräfte einströmen und ihn von innen heraus wandeln können. Es ist der Weg der selbstlosen Liebe und der Rückkehr in die ewige Heimat, die durch den Christus-Erlöserfunken in jeder Seele ermöglicht wird.

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