Das Kloster Gabriel: Ewige Anbetung in Berlin

11/08/2023

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Um 5:30 Uhr morgens, wenn die meisten Städte noch im Schlaf liegen, beginnt im Kloster Gabriel ein ganz besonderer Tag. In der Stille der frühen Stunde versammeln sich die Schwestern in der Klosterkirche, um das Morgenlob zu beginnen. Es ist ein heiliger Moment, der die Grenze zwischen der klösterlichen Abgeschiedenheit und der weltlichen Hektik markiert. Ein feines Gitter trennt die Nonnen, die im vorderen Teil nahe des Altars sitzen, von den wenigen Besuchern, die sich im hinteren Bereich des Gotteshauses eingefunden haben. In dieser Stunde des Gebets wird der Grundstein für einen Tag gelegt, der ganz im Zeichen der Ewigen Anbetung steht – einer Aufgabe, die das Herzstück des Klosterlebens bildet und das Kloster Gabriel zu einem spirituellen Ankerpunkt macht.

Wie viele Schwestern gibt es im Kloster Gabriel?
Lebten früher fast 40 Schwestern im Kloster Gabriel, sind es heute nur noch 18. Den 24-Stunden-Gebetsrhythmus aufrechtzuerhalten, fällt den Nonnen zunehmend schwer. Schon vor Jahren mussten sie um Hilfe von außen bitten. Und sie haben Unterstützung bekommen.

Das Kloster Gabriel ist Heimat der Steyler-Anbetungsschwestern, einem der beiden Frauenorden, die 1875 vom deutschen Missionar Arnold Jansen im niederländischen Steyl gegründet wurden. Neben den Steyler-Missionsschwestern, die sich der Verkündigung des Glaubens in der Welt widmen, sind die Anbetungsschwestern jene, die im Gebet die Mission unterstützen. Ihre Berufung ist es, unermüdlich zu wachen und zu beten, ein 24-Stunden-Gebetsrhythmus, der Gottes Segen auf die Arbeit der Missionare herabrufen und für die Anliegen aller Menschen eintreten soll. Es ist eine tiefe Form der Hingabe und des Dienstes, die sich in jeder Stunde des Tages und der Nacht manifestiert.

Inhaltsverzeichnis

Die tiefe Bedeutung der Ewigen Anbetung

Die Ewige Anbetung ist mehr als nur ein rituelles Gebet; sie ist eine Lebenshaltung und, wie Oberin Maria Mechthildis betont, "man möchte sagen, eine Weltmacht". Seit 2009 leitet Oberin Maria Mechthildis das Kloster Gabriel, nachdem sie 1959 ordiniert wurde und Jahre in Klöstern in Steyl, Argentinien und Bad Driburg verbrachte. Sie erklärt die fundamentale Wichtigkeit dieser ununterbrochenen Anbetung: Da viele Menschen nicht die Zeit oder den Willen finden, sich dem Gebet zu widmen, übernehmen die Schwestern diese Aufgabe stellvertretend. Es ist ein Akt der Liebe und der Sühne, ein Gebet mit „liebendem Herzen“ für andere. Die Oberin beschreibt es eindringlich: „Einer muss da sein und wachen und beten.“ Dies unterstreicht die Verantwortung, die die Schwestern empfinden, nicht nur für sich selbst, sondern für die gesamte Menschheit vor Gott zu treten. Das Gebet der Anbetungsschwestern ist somit ein beständiger Strom des Segens, der die Welt umhüllt und die missionarische Arbeit des Ordens stärkt.

Ein Tag im Kloster: Der Rhythmus des Gebets

Der Alltag im Kloster Gabriel ist streng strukturiert durch den Rhythmus des Gebets. Die Hauptaufgabe der Schwestern ist die Aufrechterhaltung der ewigen Anbetung. Dies bedeutet, dass sich die Schwestern abwechselnd für 30 oder 45 Minuten in der Kirche aufhalten, um dort individuell zu beten. Einige knien andächtig vor dem Altar, andere sitzen alters- oder gesundheitsbedingt auf den Bänken. Diese persönlichen Gebetszeiten ermöglichen eine tiefe, individuelle Verbindung zu Gott.

Zusätzlich zu den individuellen Schichten kommen die Schwestern siebenmal am Tag zum gemeinsamen Chorgebet zusammen. Schwester Maria Mechthildis erläutert, dass dies die traditionellen Gebetszeiten umfasst, die sich durch den Tag ziehen: Laudes am Morgen, gefolgt von Terz und Sext während des Tages, die Lesehore, sowie Vesper und Komplet am Abend. Auch zum Angelus-Gebet um 11:45 Uhr versammeln sich die Schwestern. Während es früher für jede Anbetungsstunde vorgeschriebene Gebete gab, genießen die Nonnen heute mehr Freiheit. Die Oberin berichtet, dass jede Nonne innerlich freier ist, so zu beten, wie sie es möchte – sei es meditativ oder durch persönliche Fürbitt-Gebete. Der Schwerpunkt ihrer Anbetung liegt auf dem Allerheiligsten, der konsekrierten Hostie, und der Mutter Gottes, Maria.

Gebet als Brücke zur Welt: Externe Anliegen und tiefe Verbindungen

Obwohl die Schwestern in der Klausur leben, sind sie keineswegs von der Welt abgeschnitten. Im Gegenteil, ihr Gebet ist eng mit den Anliegen der Menschen außerhalb der Klostermauern verbunden. Fast täglich erhalten die Nonnen Briefe von Menschen, die sie um Gebet für sich oder ihre Angehörigen bitten. Diese Gebetsanliegen reichen von Krankheiten und Notlagen bis hin zu freudigen Ereignissen wie Hochzeiten, Geburten oder bevorstehenden Urlaubsreisen. Die Schwestern nehmen diese Bitten sehr ernst und beantworten die Schreiben persönlich.

Aus diesen Briefwechseln entwickeln sich oft langjährige und tiefe Freundschaften. Oberin Maria Mechthildis erzählt von Familien, die über Jahrzehnte hinweg mit dem Kloster in Verbindung stehen. Eine Frau rief an und berichtete von ihrem 45-jährigen Sohn, um den sie sich Sorgen machte. Doch schon zehn Jahre vor seiner Geburt hatten sie das Kloster um Gebet gebeten und waren überglücklich, als er geboren wurde. „Also die stehen praktisch 55 Jahre mit uns in Verbindung“, so die Oberin. Dies zeigt die immense Bedeutung, die das Gebet der Schwestern für viele Menschen hat, und wie es Generationen verbindet. Obwohl nicht jede Gebetsbitte auf wundersame Weise sofort erfüllt wird – „Man kann nicht sagen, wir beten jetzt und auf einmal ist die Krankheit verschwunden“ –, berichten die Menschen doch oft von Besserungen und Dankbarkeit: „Ja, die Krankheit ist besser geworden. Wir sind so dankbar!“

Herausforderungen und die Kraft der Gemeinschaft

Das Kloster Gabriel steht, wie viele Ordensgemeinschaften heute, vor erheblichen Herausforderungen. Die größte Sorge ist der seit Jahren anhaltende Rückgang der Zahl der Novizinnen und damit der Schwestern. Lebten früher fast 40 Schwestern im Kloster Gabriel, so sind es heute nur noch 18. Diese drastische Reduzierung macht es zunehmend schwer, den anspruchsvollen 24-Stunden-Gebetsrhythmus aufrechtzuerhalten. Auch finanzielle Mittel sind stets willkommen, denn das Kloster ist auf Spenden angewiesen.

Angesichts dieser Schwierigkeiten mussten die Schwestern bereits vor Jahren um externe Hilfe bitten – und sie haben diese in beeindruckender Weise erhalten. Verschiedene Laien haben Gebetsstunden übernommen, insbesondere in den Abendstunden zwischen 20 und 22 Uhr. Diese Helfer kommen aus den unterschiedlichsten Kulturen und Ländern: eine Peruanerin, ein junger Kroate, ein Afrikaner aus Benin und eine Polin. Besonders engagiert ist die philippinische Gemeinde, die in der benachbarten Heilig-Geist-Kirche beheimatet ist. Drei Abende pro Woche übernehmen sie Gebetsstunden, dienstags sogar mit Gitarrenbegleitung. Eine Philippina beschreibt ihre Motivation und Erfahrung: Obwohl sie nach der Arbeit körperlich erschöpft sei, fühle sie sich nach dem Gebet glücklich und ihr Körper sei "leicht". Für sie ist das Gebet kein Opfer, sondern eine Quelle der Freude und Stärke. Ihre Priester wurden von der Oberin um Hilfe gebeten, da die Schwestern nicht mehr so jung sind, und die Philippinos, so sagt sie, „macht Gebet für ganze Welt.“

Auch andere engagierte Einzelpersonen tragen dazu bei, den Gebetskreis aufrechtzuerhalten. Die 83-jährige Waltraud Kahlau, die vor 40 Jahren zum Katholizismus konvertierte, weil sie sich von den Sakramenten angezogen fühlte, betet jeden Freitag. Sie beschäftigt sich intensiv mit der Theologie Arnold Jansens, der betonte, dass alle Missionsversuche betend unterstützt werden sollten. Sie empfindet die Gebetsformen der Schwestern als "wirklich mystisch". Ein deutscher Taxifahrer übernimmt sogar dreimal wöchentlich die Nachtschicht zwischen vier und fünf Uhr morgens. Dank dieser vielfältigen Unterstützung von innen und außen bleibt der 24-Stunden-Gebetskreis im Kloster Gabriel intakt – ein Zeugnis der tiefen Verbundenheit und des gemeinsamen Glaubens.

Welche Arten des ewigen Gebets gibt es?
Es gibt verschiedene Formen des ewigen Gebets: Die Anbetung ist buchstäblich ewig; es ist also ununterbrochen jemand da, der vor dem Allerheiligsten betet. Dieser Brauch wird in verschiedenen Kirchen und Wallfahrtsorten gepflegt, aber auch von manchen kontemplativen Ordensgemeinschaften. [2]

Die Zukunft des Klosters: Ein Wunsch nach Nachwuchs

Trotz der beeindruckenden Unterstützung durch Laien bleibt die Zukunft des Klosters eine ständige Sorge. Oberin Maria Mechthildis' größter Wunsch ist es, dass wieder junge Schwestern dazukommen und die Gemeinschaft beleben. Der Rückgang der Berufungen ist ein Phänomen, das viele Orden betrifft, und das Kloster Gabriel ist keine Ausnahme. Die Aufrechterhaltung dieser einzigartigen Form der ewigen Anbetung, die so viel Segen und Unterstützung für die Welt bedeutet, hängt maßgeblich von neuem Nachwuchs ab. Es ist ein Aufruf an jene, die eine tiefe spirituelle Berufung verspüren und ihr Leben ganz dem Gebet und dem Dienst an Gott und den Menschen widmen möchten. Die Gemeinschaft im Kloster Gabriel lebt von der Hoffnung, dass auch in Zukunft Stimmen in ihrer Kirche erklingen werden, die den Lobpreis Gottes Tag und Nacht fortführen.

Vergleich: Mitgliederzahl im Kloster Gabriel

ZeitraumAnzahl der SchwesternAnmerkung
Früher (Höhepunkt)Fast 40Volle Besetzung, 24-Stunden-Gebetsrhythmus ohne externe Hilfe
Heute18Rückläufige Zahlen, externe Unterstützung notwendig zur Aufrechterhaltung des Gebets

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Kloster Gabriel

Wie viele Schwestern leben derzeit im Kloster Gabriel?

Aktuell leben 18 Schwestern im Kloster Gabriel. Früher waren es fast 40 Schwestern, die den Konvent belebten.

Was ist die Hauptaufgabe der Schwestern im Kloster Gabriel?

Die Hauptaufgabe der Schwestern ist die „Ewige Anbetung“ des Allerheiligsten. Sie beten 24 Stunden am Tag, stellvertretend für die Anliegen der Menschen und um Gottes Segen auf die Missionstätigkeit des Steyler-Ordens herabzurufen.

Wie wird der 24-Stunden-Gebetsrhythmus aufrechterhalten?

Aufgrund der gesunkenen Schwesternzahl wird der 24-Stunden-Gebetsrhythmus durch die Mithilfe von Laien unterstützt. Dies umfasst Einzelpersonen und Gruppen, wie die philippinische Gemeinde, die Gebetsstunden übernehmen, insbesondere in den Abend- und frühen Morgenstunden.

Können Laien das Kloster unterstützen?

Ja, Laien unterstützen das Kloster in vielfältiger Weise, insbesondere durch die Übernahme von Gebetsstunden. Auch finanzielle Spenden sind willkommen, da das Kloster auf diese angewiesen ist.

Was bedeutet „Ewige Anbetung“ im Kontext des Klosters?

Die Ewige Anbetung bedeutet, dass im Kloster Gabriel zu jeder Tages- und Nachtzeit, ohne Unterbrechung, eine Schwester im Gebet vor dem Allerheiligsten ist. Dies ist ein kontinuierlicher Akt der Verehrung und des Fürbittsgebets.

Wer ist Oberin Maria Mechthildis?

Oberin Maria Mechthildis ist die derzeitige Leiterin des Klosters Gabriel. Sie wurde 1959 ordiniert und hat nach Stationen in Steyl, Argentinien und Bad Driburg seit 2009 die Leitung des Berliner Klosters inne. Sie ist eine zentrale Figur und Stimme der Gemeinschaft.

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