05/08/2022
Das Credo, abgeleitet vom lateinischen credo, was schlicht „ich glaube“ bedeutet, ist weit mehr als nur eine Ansammlung von Worten. Es ist das pulsierende Herzstück des christlichen Gottesdienstes, ein gemeinsames und feierliches Glaubensbekenntnis, das Gläubige weltweit eint. Ob in majestätischen Kathedralen oder in bescheidenen Gemeindezentren, das Credo spricht von den fundamentalen Überzeugungen, die den christlichen Glauben definieren und über Jahrhunderte hinweg weitergegeben wurden.

Im profanen Sprachgebrauch hat der Begriff „Credo“ ebenfalls Einzug gehalten und bezeichnet dann eine persönliche Überzeugung, ein Leitprinzip oder eine grundlegende Weltanschauung. Doch seine tiefste und ursprünglichste Bedeutung entfaltet es im Kontext der Religion, wo es die Essenz dessen zusammenfasst, woran Christen glauben. Dieses Bekenntnis ist nicht nur ein liturgisches Element, sondern auch ein Ausdruck theologischer Identität und ein Band, das Generationen von Gläubigen miteinander verbindet. Es dient dazu, den gemeinsamen Glauben zu festigen, von Irrlehren abzugrenzen und die Mysterien des Glaubens zu verkünden, bevor sie in der Eucharistie gefeiert werden.
- Die verschiedenen Formen des Credo: Ein Blick auf historische Bekenntnisse
- Die theologische Funktion: Mehr als nur Worte
- Das Credo im Gottesdienst: Eine lebendige Tradition
- Das Credo in der Musikgeschichte: Von Bach bis Pärt
- Das Credo in der Bildenden Kunst: Glauben sichtbar gemacht
- Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Credo
- Das Credo: Ein zeitloses Bekenntnis
Die verschiedenen Formen des Credo: Ein Blick auf historische Bekenntnisse
Im Laufe der Kirchengeschichte haben sich verschiedene Textfassungen des Credo entwickelt, die jeweils spezifische theologische Schwerpunkte setzen und in unterschiedlichen Traditionen beheimatet sind. Die beiden prominentesten Formen sind das Nicäno-Konstantinopolitanum und das Apostolische Glaubensbekenntnis.
Das Nicäno-Konstantinopolitanum: Das ökumenische Bekenntnis
Dieses umfassende Glaubensbekenntnis ist das am weitesten verbreitete und in nahezu allen christlichen Kirchen bekannt und anerkannt. Sein Ursprung liegt in den frühen ökumenischen Konzilien von Nicäa (325 n. Chr.) und Konstantinopel (381 n. Chr.), die einberufen wurden, um theologische Streitigkeiten zu klären und die Lehre von der Dreifaltigkeit Gottes zu formulieren. Es ist ein detailliertes Bekenntnis zu Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist sowie zur Kirche und den letzten Dingen. Im Westen wird es oft mit dem Zusatz des Filioque („und dem Sohn“) gesprochen, der besagt, dass der Heilige Geist vom Vater und dem Sohn ausgeht. Dies ist ein Hauptunterschied zu den orthodoxen Kirchen, die das Filioque ablehnen und die ursprüngliche Form ohne diesen Zusatz beibehalten, was eine der historischen Ursachen für die Spaltung zwischen Ost- und Westkirche darstellt.
Das Apostolische Glaubensbekenntnis: Das persönliche Bekenntnis
Das Apostolicum, wie das Apostolische Glaubensbekenntnis oft genannt wird, ist kürzer und einfacher formuliert als das Nicäno-Konstantinopolitanum. Seine Wurzeln reichen bis in die frühchristliche Zeit zurück und es wird angenommen, dass es aus den Taufbekenntnissen der Alten Kirche hervorgegangen ist. Es ist besonders in den westlichen Kirchen, insbesondere in der römisch-katholischen und den evangelischen Kirchen im deutschsprachigen Raum, weit verbreitet. Während das Nicäno-Konstantinopolitanum oft in feierlichen Gottesdiensten und an Hochfesten verwendet wird, ist das Apostolicum aufgrund seiner Prägnanz und persönlichen Anrede („Ich glaube...“) häufiger in alltäglichen Messfeiern, Taufen und Konfirmationen zu finden. Ein bemerkenswerter Unterschied in den evangelischen Kirchen ist die Formulierung „ich glaube die heilige christliche Kirche“ anstelle von „ich glaube die heilige katholische Kirche“, um die universale, nicht an eine Konfession gebundene Natur der Kirche zu betonen.
Vergleich der beiden Hauptformen
Die folgende Tabelle fasst die wesentlichen Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden wichtigsten Credo-Formen zusammen:
| Merkmal | Nicäno-Konstantinopolitanum | Apostolisches Glaubensbekenntnis |
|---|---|---|
| Ursprung | Konzilien von Nicäa (325) und Konstantinopel (381) | Frühchristliche Taufbekenntnisse (ca. 2.-4. Jh.) |
| Inhaltliche Tiefe | Ausführlicher, theologisch präziser (Dreifaltigkeit, Christologie) | Kürzer, einfacher, persönlicher (Ich glaube...) |
| Verbreitung | Katholische, Orthodoxe, viele Protestantische Kirchen | Römisch-katholische, Evangelische Kirchen (bes. deutschsprachig) |
| Filioque-Zusatz | Westkirchen mit, Ostkirchen ohne | Nicht relevant, da andere Formulierung |
| Typische Verwendung | Sonntage, Hochfeste, Sakramentsspendungen | Alltägliche Messfeiern, Taufen, Konfirmationen, Rosenkranzgebet |
Die theologische Funktion: Mehr als nur Worte
Die theologische Funktion des Glaubensbekenntnisses ist vielfältig und tiefgreifend. Historisch gesehen diente das Credo als eine Bekräftigung des "rechten Glaubens" (Orthodoxie) und eine klare Abgrenzung von Irrlehren (Häresien). In einer Zeit, in der theologische Konzepte noch im Entstehen begriffen waren und verschiedene Interpretationen des christlichen Glaubens kursierten, bot das Credo einen festen Ankerpunkt für die Gemeinde.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Verbindung zum Katechumenat, der Vorbereitung auf die Taufe in der Alten Kirche. Das Credo wurde den Taufbewerbern gelehrt (traditio symboli), um sie in die grundlegenden Glaubenswahrheiten einzuführen, bevor sie durch die Taufe in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen wurden. Diese Tradition hat sich bis heute erhalten, indem das Credo in vielen christlichen Kirchen eng mit der Verkündigung des Wortes Gottes und der Spendung der Taufe verbunden ist.
Darüber hinaus hat das Credo auch eine tröstende und stärkende Funktion. Es ist überliefert, dass es in vielen Epochen der Kirchengeschichte am Sterbelager eines Christen gebetet wurde, um dessen Glauben im Angesicht des Todes zu bestätigen und zu festigen. Es bietet Halt und Hoffnung in Momenten der größten Unsicherheit und erinnert an die Verheißungen des ewigen Lebens.
Das Credo im Gottesdienst: Eine lebendige Tradition
Die Rolle des Credo in der Liturgie ist zentral und variiert je nach Konfession leicht. In der katholischen Kirche ist es ein fester Bestandteil des Ordinariums der heiligen Messe, das heißt der unveränderlichen Teile des Gottesdienstes. Es wird an Sonntagen und Hochfesten sowie bei der Spendung bestimmter Sakramente, insbesondere der Taufe, und bei Weihehandlungen gesungen oder gesprochen. Innerhalb der heiligen Messe ist es im Wortgottesdienst platziert, typischerweise nach der Homilie (Predigt) und vor den Fürbitten. Hier dient es dem versammelten Volk als Antwort auf das gehörte Wort Gottes und als Bekenntnis der großen Mysterien des Glaubens, bevor die Eucharistiefeier beginnt.
Während des Sprechens oder Singens des Credo stehen die Gläubigen als Zeichen der Achtung und des Bekenntnisses auf. Bei den Worten „Et incarnatus est de Spiritu Sancto ex Maria Virgine, et homo factus est“ („Und Fleisch angenommen hat durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden ist“) verbeugen sich alle. An Weihnachten und am Hochfest Verkündigung des Herrn wird bei diesen Worten sogar niedergekniet, um die tiefe Bedeutung der Menschwerdung Christi zu würdigen. Es ist auch üblich, dass anstelle des Credo ein Kirchenlied gesungen wird, das die Inhalte des Glaubensbekenntnisses paraphrasiert und so auf musikalische Weise zum Ausdruck bringt.
Im Rosenkranzgebet, einer weit verbreiteten Andachtsform, wird das Apostolische Glaubensbekenntnis zu Beginn nach dem einleitenden Kreuzzeichen gesprochen. In den Ostkirchen wird das Glaubensbekenntnis ebenfalls regelmäßig in der Eucharistiefeier rezitiert, entweder unmittelbar vor dem Hochgebet oder bereits vor dem Friedenskuss.
Das Credo in der Musikgeschichte: Von Bach bis Pärt
Die tiefgründigen Texte des Credo haben Komponisten über Jahrhunderte hinweg inspiriert und zu einigen der erhabensten Werke der klassischen Musik geführt. Als zentraler Bestandteil der Mess-Vertonungen (Missae) ist das Credo in unzähligen Werken verewigt worden, von denen einige weltberühmt sind.
Ein herausragendes Beispiel ist Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe. In diesem monumentalen Werk nimmt der Text des Credo nicht etwa einen einzigen Satz ein, sondern ist auf insgesamt neun Sätze verteilt: sieben Chorstücke, ein Duett (Sopran und Alt) und eine Arie (Bass). Diese Aufteilung ermöglicht es Bach, die einzelnen Glaubensaussagen – wie „Credo in unum Deum“ (Ich glaube an einen Gott), „Et in unum Dominum“ (Und an den einen Herrn), „Et incarnatus est“ (Und Fleisch angenommen hat), „Crucifixus“ (Gekreuzigt), „Et resurrexit“ (Und auferstanden ist), „Et in spiritum sanctum“ (Und an den Heiligen Geist), „Confiteor“ (Ich bekenne) und „Et expecto“ (Und erwarte) – musikalisch auszugestalten und ihre theologische Tiefe hervorzuheben. Dies zeigt, dass die Frage, „wie viele Sätze das Credo hat“, in der Musik nicht auf eine feste Zahl festgelegt ist, sondern von der kompositorischen Interpretation abhängt.

Auch Ludwig van Beethovens Missa solemnis und Wolfgang Amadeus Mozarts Messen, wie die Messe in C-Dur KV 257 (bekannt als „Credo-Messe“), betonen das Credo auf besondere Weise. In Mozarts Credo-Messe wird der Credo-Ruf nicht nur einmalig zu Beginn intoniert, sondern vor jeder neuen Glaubensaussage erneut wiederholt, was dem Bekenntnis eine besondere Feierlichkeit verleiht.
Neben den großen Messzyklen gibt es auch einzelstehende Credos, die von Komponisten wie Antonio Vivaldi (Credo RV 591), Antonio Lotti, Johann Christian Bach, Arvo Pärt, Einojuhani Rautavaara oder Krzysztof Penderecki geschaffen wurden. Diese Werke zeigen die anhaltende Relevanz und Inspirationskraft des Credo-Textes über verschiedene Epochen und musikalische Stile hinweg.
Das Credo in der Bildenden Kunst: Glauben sichtbar gemacht
Nicht nur in der Musik, auch in der bildenden Kunst spielte das Credo eine herausragende Rolle. Die unterschiedlichen christlichen Glaubensbekenntnisse dienten als reiche Quelle der Inspiration für Maler, Bildhauer und Grafiker, insbesondere im Hoch- und Spätmittelalter. Hier lag ein besonderes Augenmerk auf der Darstellung der einzelnen Credoartikel, oft in Verbindung mit den zwölf Aposteln, denen jeweils ein Artikel zugeschrieben wurde.
Ein bemerkenswertes Beispiel ist Antonio Tempestas Serie „Die Apostel und die Artikel des Glaubensbekenntnisses“ von 1591, die Radierungen der Apostel zeigt, begleitet von den zitierten Credoartikeln. Auch die Gebrüder Klauber schufen um 1755 für das Stift Göttweig das „Symbolum apostolorum“, das die Glaubensartikel in komplexen, allegorisch angereicherten Kompositionen darstellt.
Im 18. Jahrhundert, besonders im süddeutschen Raum, erlebte die Druckgrafik eine Blütezeit der Credo-Darstellungen. Künstler wie Gottfried Götz malten für religiöse Institutionen Serien, die die Verkündiger des Glaubens darstellten, wobei das Credo im Wirken der Heiligen und Prediger mitschwang. Diese künstlerischen Interpretationen machten die abstrakten Glaubenswahrheiten für die Gläubigen sichtbar und erfahrbar, indem sie die tiefen Bedeutungen der Bekenntnisse in ikonografische Formen übersetzten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Credo
Wie viele Sätze hat das Credo?
Die Frage nach der Anzahl der Sätze im Credo ist mehrdeutig, da sie sich auf verschiedene Kontexte beziehen kann. Der Text des Credo selbst, sei es das Nicäno-Konstantinopolitanum oder das Apostolische Glaubensbekenntnis, besteht aus einer Reihe von Glaubensaussagen, die in Absätze oder logische Einheiten gegliedert sind, aber nicht unbedingt in einer festgelegten Anzahl von "Sätzen" im grammatischen Sinne. Im liturgischen Gebrauch wird der Text als Ganzes gesprochen oder gesungen.
Wenn sich die Frage jedoch auf musikalische Vertonungen bezieht, wie zum Beispiel auf Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe, dann kann das Credo tatsächlich in mehrere musikalische Sätze unterteilt sein. In Bachs Werk sind es, wie beschrieben, neun einzelne musikalische Sätze, die den verschiedenen Abschnitten des Credo-Textes gewidmet sind. Dies ist jedoch eine künstlerische Interpretation und nicht eine allgemeingültige Regel für den Credo-Text an sich.
Was ist der Unterschied zwischen dem Nicäno-Konstantinopolitanum und dem Apostolicum?
Der Hauptunterschied liegt im Ursprung, der Länge und der theologischen Ausführlichkeit. Das Nicäno-Konstantinopolitanum entstand aus den Konzilen von Nicäa und Konstantinopel zur Klärung der Trinitätslehre und ist detaillierter. Das Apostolicum ist älter, kürzer, einfacher formuliert und stammt aus frühchristlichen Taufbekenntnissen. Ersteres wird oft in feierlicheren Gottesdiensten verwendet, letzteres häufiger im Alltag und bei Taufen.
Warum kniet man beim Credo manchmal nieder?
Das Niederknien beim Credo, insbesondere bei den Worten „Et incarnatus est de Spiritu Sancto ex Maria Virgine, et homo factus est“, ist ein Zeichen tiefer Ehrfurcht vor dem Mysterium der Menschwerdung Christi. Es drückt die Demut und Anbetung gegenüber Gott aus, der Mensch wurde und unter uns wohnte. An Weihnachten und am Hochfest Verkündigung des Herrn, die die Menschwerdung besonders betonen, wird diese Geste noch stärker hervorgehoben.
Welche theologische Bedeutung hat das Filioque?
Das Filioque ist ein Zusatz im Nicäno-Konstantinopolitanum, der besagt, dass der Heilige Geist vom Vater und dem Sohn ausgeht. Es ist ein Punkt der theologischen Differenz zwischen der westlichen (römisch-katholischen und den meisten protestantischen) und der östlichen (orthodoxen) Kirche. Die orthodoxen Kirchen lehnen diesen Zusatz ab und halten an der ursprünglichen Formulierung fest, dass der Heilige Geist nur vom Vater ausgeht. Diese theologische Frage war ein wesentlicher Faktor in der Spaltung der Kirchen.
Kann das Credo durch ein Lied ersetzt werden?
Ja, in vielen katholischen Messfeiern, insbesondere im deutschsprachigen Raum, ist es erlaubt, anstelle des gesprochenen oder gesungenen Credo ein Kirchenlied zu singen, das die Inhalte des Glaubensbekenntnisses paraphrasiert. Dies ermöglicht eine musikalische und oft emotional ansprechendere Ausdrucksform des Glaubens, solange der Inhalt des Liedes dem Bekenntnis entspricht.
Das Credo: Ein zeitloses Bekenntnis
Das Credo ist ein lebendiges Zeugnis des christlichen Glaubens, das über Jahrhunderte und Kulturen hinweg Bestand hat. Es ist nicht nur ein historisches Dokument oder ein liturgisches Ritual, sondern ein dynamischer Ausdruck des Glaubens, der Gläubige in ihrer Identität stärkt und sie in einer gemeinsamen Überzeugung vereint. Ob in seiner feierlichen Form im Gottesdienst, in der Kunst oder in der Musik – das Credo bleibt ein kraftvolles Symbol für das, woran Christen glauben, und eine Brücke zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Glaubens.
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