Was ist eine Salbung an den Händen?

Gebet nach der Krankensalbung: Trost und Stärke

08/04/2023

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In Momenten schwerer Krankheit oder im Angesicht des Alters suchen viele Menschen nach Trost, Halt und innerem Frieden. Die katholische Kirche bietet hierfür ein tiefgründiges Sakrament an: die Krankensalbung. Doch was bedeutet dieses Sakrament wirklich, und welche Rolle spielt das Gebet, insbesondere jene Gebete, die die eigentliche Salbung begleiten und ihr folgen? Es ist weit mehr als ein Abschiedsritual; es ist eine Quelle der Gnade, der Hoffnung und der Vereinigung mit Christus in Leid und Heilung.

Was bedeutet das Gebet nach der Salbung?
Gebet nach der Salbung: Lasset uns beten: Herr Jesus Christus, du hast unsere gebrechliche Natur angenommen, um die Menschen zu erlösen und um die Kranken zu heilen. Blicke voll Erbarmen auf Herrn/Frau N. der/die krank danieder liegt und der/die auf deine heilende Gegenwart vertraut. In deinem Namen haben wir ihn/sie mit heiligem Öl gesalbt.

Die menschliche Existenz ist untrennbar mit der Erfahrung von Krankheit und Vergänglichkeit verbunden. In diesen Phasen der Vulnerabilität erwacht oft ein tiefes Bedürfnis nach spiritueller Unterstützung. Die Krankensalbung, früher oft als „Letzte Ölung“ missverstanden, ist ein lebendiges Zeichen dafür, dass Gott auch in den dunkelsten Stunden des Leidens nahe ist. Sie ist keine Vorbereitung auf den Tod allein, sondern vielmehr eine Stärkung für das Leben – sei es zur körperlichen Genesung oder zur Annahme des Leidens im Glauben. Die Gebete, die diesen Ritus umrahmen, sind der Ausdruck dieser tiefen spirituellen Zuwendung.

Inhaltsverzeichnis

Die Krankensalbung: Ein Sakrament der göttlichen Nähe

Das Sakrament der Krankensalbung ist ein Zeichen der besonderen Gnade Gottes für Christen, die schwere Krankheiten oder die Herausforderungen des hohen Alters durchleben. Es ist ein Sakrament der Lebenden, das nicht nur in Todesgefahr, sondern auch bei jeder Verschlechterung einer schweren Krankheit empfangen werden kann. Der Priester ist der Spendende dieses Sakraments, und seine Handlungen – die Salbung der Stirn und der Hände mit geweihtem Öl – werden von liturgischen Gebeten begleitet, die um die spezifische Gnade dieses Sakraments bitten.

Der Katechismus der Katholischen Kirche beschreibt die Wirkungen dieser besonderen Gnade sehr präzise:

  • Die Vereinigung des Kranken mit dem Leiden Christi: Durch die Salbung wird der Kranke in einzigartiger Weise mit dem Leiden Christi verbunden. Dies ermöglicht es, das eigene Leid nicht als sinnlos zu empfinden, sondern es mit dem Erlösungsleiden Jesu zu verbinden, zum eigenen Heil und dem der ganzen Kirche.
  • Trost, Friede und Mut: Das Sakrament schenkt dem Kranken Trost, inneren Frieden und den Mut, die Schwierigkeiten der Krankheit oder des Alters aus einer christlichen Perspektive heraus zu ertragen. Es ist eine Stärkung gegen Angst und Verzweiflung.
  • Die Vergebung der Sünden: Sollte der Kranke aus irgendeinem Grund nicht in der Lage gewesen sein, die Sünden durch das Bußsakrament zu empfangen, so werden sie ihm durch die Krankensalbung vergeben, sofern Reue vorhanden ist.
  • Die Genesung: Wenn es dem Seelenheil zuträglich ist, kann die Krankensalbung auch die körperliche Genesung bewirken. Es ist wichtig zu verstehen, dass dies keine Garantie, sondern eine Möglichkeit ist, die dem Willen Gottes unterliegt.
  • Die Vorbereitung auf den Hinübergang in das ewige Leben: Für jene, die tatsächlich am Ende ihres Lebens stehen, dient die Krankensalbung als letzte Stärkung für den Übergang in die Ewigkeit, als eine Art „geistlicher Reiseproviant“.

Diese Wirkungen zeigen die umfassende, heilende und stärkende Kraft des Sakraments, die weit über das rein Körperliche hinausgeht und den ganzen Menschen – Leib und Seele – umfasst.

Der Ablauf der Feier: Schritte des Trostes und der Hingabe

Die Feier der Krankensalbung folgt einer festgelegten Struktur, die den Kranken und die Anwesenden durch verschiedene Phasen der Begegnung mit Gott führt. Jeder Schritt ist bedeutungsvoll und trägt zur Entfaltung der sakramentalen Gnade bei:

  1. Eröffnung: Die Feier beginnt mit einem herzlichen Empfang und dem Wunsch nach Frieden. Der Priester bringt die Zuversicht zum Ausdruck, dass Jesus Christus, der die Kranken geheilt hat, auch jetzt mitten unter ihnen ist. Dies schafft eine Atmosphäre der Geborgenheit und des Vertrauens.
  2. Wortgottesdienst: Dieser Teil beinhaltet Schriftlesungen, die oft von Heilungsgeschichten Jesu erzählen, wie der Heilung der Schwiegermutter des Petrus. Das Wort Gottes spricht Trost zu, stärkt den Glauben und erinnert an die Verheißung Jesu, dass das Gebet aus dem Glauben den Kranken retten wird. Ein gemeinsames Schuldbekenntnis und die Bitte um Vergebung bereiten die Herzen auf den Empfang der Gnade vor.
  3. Feier der Salbung: Dies ist das Herzstück des Sakraments. Nach einem Gebet über dem Kranken und der Anrufung des Heiligen Geistes salbt der Priester die Stirn und die Hände des Kranken mit geweihtem Öl. Jede Salbung wird von einer spezifischen Formel begleitet, die die Gnade des Sakraments herabruft.
  4. Krankenkommunion: Wenn der Kranke es wünscht und in der Lage ist, empfängt er nach der Salbung die heilige Kommunion. Die Kommunion als „Wegzehrung“ verbindet den Kranken auf innigste Weise mit Christus und stärkt ihn für seinen weiteren Weg.
  5. Abschluss und Danksagung: Die Feier endet mit einem abschließenden Gebet, dem Segen und oft einem persönlichen Dankgebet des Kranken oder der Anwesenden. Dies ist der Moment, in dem die empfangene Gnade in Dankbarkeit vor Gott gebracht wird.

Die Bedeutung des Gebets während der Salbung

Das Gebet ist der rote Faden, der sich durch die gesamte Feier der Krankensalbung zieht. Es ist nicht nur eine Begleitung der rituellen Handlungen, sondern ihr innerstes Wesen. Jede Phase der Feier ist durch Gebete geprägt, die die Intention des Sakraments verdeutlichen und die göttliche Gnade herabrufen.

Die Salbung der Stirn und Hände: Ein tiefes Zeichen

Die physische Handlung der Salbung mit Öl ist untrennbar mit den begleitenden Gebeten verbunden. Die Salbung der Stirn symbolisiert die Erleuchtung des Geistes und die Stärkung des Verstandes, um das Leid anzunehmen und im Glauben zu wachsen. Die Salbung der Hände, als Werkzeuge des Handelns und der Arbeit, bedeutet die Stärkung für das Durchhalten und die Vergebung der Sünden, die durch menschliches Tun begangen wurden.

Bei der Salbung an den Händen spricht der Priester die bedeutungsvollen Worte: „Der Herr, der dich von Sünden befreit, rette dich, in seiner Gnade richte er dich auf.“ Diese Worte fassen die umfassende Wirkung des Sakraments zusammen: die Befreiung von Sünden, die Rettung der Seele und die Aufrichtung des ganzen Menschen durch die göttliche Gnade. Es ist ein Gebet, das nicht nur um Vergebung bittet, sondern auch die Wiederherstellung und Stärkung in Aussicht stellt.

Das Gebet nach der Salbung: Ein Anker der Zuversicht

Nach der eigentlichen Salbung und den dazugehörigen Gebeten, die die Kernhandlung des Sakraments bilden, folgt ein entscheidender Abschnitt der Feier, der oft als „Gebet nach der Salbung“ bezeichnet wird. Dies ist nicht ein einzelnes Gebet, das losgelöst vom Ritus steht, sondern die Fortsetzung und Vollendung der sakramentalen Handlung, die die empfangene Gnade festigt und vertieft. Der Seelsorger leitet zu diesem Zeitpunkt zum gemeinsamen „Vater unser“ über.

Das „Vater unser“ ist das Gebet, das Jesus selbst seine Jüngern gelehrt hat. Es ist ein universelles Gebet, das die Gläubigen in ihrer Verbundenheit mit Gott als Vater und untereinander als Geschwister vereint. In der Krankensalbung erhält es eine besondere Bedeutung: Es drückt das tiefe Vertrauen in Gottes Fürsorge aus, die Bitte um das tägliche Brot (auch das geistliche), die Vergebung der Schuld und die Bewahrung vor Versuchung und Bösem. Für den kranken Menschen ist es ein Gebet der Hingabe und des tiefen Glaubens, dass Gott in jeder Situation nahe ist und die Kontrolle behält.

Darauf folgt die Möglichkeit, die Krankenkommunion zu empfangen. Die Kommunion ist die innigste Form der Vereinigung mit Christus, der sich in Brot und Wein schenkt. Für den Kranken ist dies die ultimative Stärkung für Leib und Seele. Christus, der selbst Leid erfahren hat, ist nun leibhaftig im Kranken gegenwärtig, spendet Trost und Kraft für den weiteren Weg, sei es zur Genesung oder zum Übergang ins ewige Leben. Es ist der Höhepunkt der sakramentalen Begegnung, eine Quelle unermesslicher Gnade und Hoffnung.

Was ist das Sakrament der Krankensalbung?
Der Empfang des Sakramentes der Krankensalbung soll den Kranken in besonderer Weise mit Christus (d. h. wörtlich dem Gesalbten Gottes) verbinden. Darum soll der Kranke in jeder ernsten Krankheit das Sakrament der Krankensalbung empfangen, um so die stärkende Nähe des Herrn zu erfahren.

Die abschließenden Gebete und der Segen, wie das gemeinsame Dankgebet, das Gott für jeden Augenblick des Lebens, für Gesundheit, für Angehörige und Beistand dankt, sind Ausdruck der tiefen Dankbarkeit für die empfangene Gnade. Es bekräftigt die Gewissheit, in Gott geborgen zu sein – jetzt und in Ewigkeit. Diese Gebete sind eine spirituelle Verankerung, die dem Kranken hilft, die positiven Wirkungen des Sakraments im Alltag zu erfahren und im Glauben zu wachsen.

Vergleichende Betrachtung: „Letzte Ölung“ vs. „Krankensalbung“

MerkmalFrüheres Verständnis („Letzte Ölung“)Heutiges Verständnis („Krankensalbung“)
AnlassPrimär in Todesgefahr, kurz vor dem TodBei schwerer Krankheit oder Altersschwäche, auch mehrmals
ZweckVorbereitung auf den Tod, SterbebegleitungStärkung, Trost, Genesung, Sündenvergebung, Vorbereitung auf das ewige Leben
FokusAbschied, JenseitsLeben im Hier und Jetzt, Überwindung des Leidens, geistliche Stärkung
WirkungGnade für die TodesstundeUmfassende Gnade für Leib und Seele im Leid
EmpfängerSterbendeSchwer Kranke, alte Menschen

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Krankensalbung

Wer kann die Krankensalbung empfangen?

Jeder getaufte Christ, der sich in einer schweren Krankheit befindet oder durch Altersschwäche ernsthaft geschwächt ist. Es ist nicht auf Sterbende beschränkt.

Wann sollte man die Krankensalbung empfangen?

Sobald eine schwere Krankheit diagnostiziert wird, bei einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes oder wenn das Alter zu einer erheblichen Schwächung führt. Man sollte nicht bis zum letzten Moment warten.

Kann man die Krankensalbung mehrmals empfangen?

Ja, bei jeder neuen schweren Erkrankung oder wenn sich der Zustand einer bestehenden Krankheit verschlimmert.

Ist die Krankensalbung ein Ersatz für medizinische Hilfe?

Nein, das Sakrament ersetzt keineswegs die medizinische Behandlung. Es ist eine spirituelle Ergänzung und Stärkung, die im Einklang mit der medizinischen Versorgung steht.

Was ist der Unterschied zur Beichte (Bußsakrament)?

Die Beichte ist das Sakrament der Vergebung der Sünden, die bewusst und freiwillig begangen wurden. Die Krankensalbung kann Sünden vergeben, wenn der Kranke nicht beichten konnte, aber ihr Hauptzweck ist die Stärkung im Leid und die Vereinigung mit Christus.

Kann die Krankensalbung auch körperliche Heilung bewirken?

Ja, der Katechismus sagt, dass die Genesung eintreten kann, wenn sie dem Heil der Seele zuträglich ist. Es ist jedoch nicht der primäre oder ausschließliche Zweck des Sakraments.

Fazit: Ein Sakrament der Hoffnung und des Lebens

Die Krankensalbung ist ein Sakrament von unschätzbarem Wert, das in schweren Stunden des Lebens Licht und Hoffnung spendet. Das Gebet spielt dabei eine zentrale Rolle, von der Eröffnung bis zu den abschließenden Danksagungen und dem Empfang der Kommunion. Es ist nicht nur eine passive Handlung, sondern eine aktive Teilnahme an der göttlichen Gnade, die den Kranken befähigt, sein Leid im Glauben anzunehmen, Trost zu finden und Stärke für den weiteren Weg zu schöpfen.

Die Krankensalbung erinnert uns daran, dass wir in Krankheit und Schwachheit nicht allein sind. Gott ist durch seinen Priester und durch die Kraft des Heiligen Geistes präsent, um zu trösten, zu stärken und zu heilen. Möge dieses Verständnis dazu beitragen, die Angst vor diesem Sakrament zu nehmen und es als das zu sehen, was es wirklich ist: ein Akt der Liebe und Barmherzigkeit Gottes, der uns in jeder Lebenslage nahe ist und uns mit seiner Gnade und Hoffnung erfüllt. Es ist eine Quelle des Trostes und der inneren Heilung, die den Gläubigen auf seinem Weg begleitet und stärkt.

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