Was ist eine Säule des Gebets?

Die Säulen des Islamischen Gebets

07/10/2023

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Im Islam ist das Gebet (Salat) eine der fünf Säulen und stellt eine direkte Verbindung zwischen dem Gläubigen und Allah dar. Damit ein Gebet jedoch als gültig und vollständig angesehen wird, müssen bestimmte obligatorische Handlungen, die sogenannten Säulen (arab. Rukn), eingehalten werden. Diese Säulen sind unverzichtbare Bestandteile des Gebets, deren absichtliches oder unabsichtliches Auslassen dazu führt, dass das gesamte Gebet ungültig wird. Die Kenntnis und korrekte Ausführung dieser Säulen ist daher für jeden Muslim von größter Bedeutung, um seine Gebete in voller Reinheit und Gültigkeit zu verrichten.

Was sagt der Koran über das Beten?
Ganz wichtig ist es ihnen vor allem, mit dem Herzen und mit den Gedanken bei der Sache zu sein und die Nähe und das Vertrauen zu Allah zu spüren. Auch im Koran steht an vielen Stellen, dass sich die Menschen neben dem Beten auch mit Herz und Verstand für Gutes einsetzen sollen (Sure 2:177 und Sure 2:262-265).

Glücklicherweise gibt es im Islam auch eine Möglichkeit zur Korrektur, falls eine dieser Säulen unabsichtlich ausgelassen wurde. Das Gebet kann in solchen Fällen durch das Nachholen der ausgelassenen Säule und die Ausführung einer speziellen Niederwerfung der Vergesslichkeit (Sudschud as-Sahw) geheilt werden. Dies unterstreicht die Barmherzigkeit Allahs und die Wichtigkeit, das Gebet korrekt zu verrichten, während gleichzeitig eine gewisse Flexibilität für menschliche Fehler gewährt wird.

Inhaltsverzeichnis

Was sind die Säulen des Gebets?

Die Säulen des Gebets sind im Islam klar definiert und umfassen eine Reihe von körperlichen Handlungen, Rezitationen und inneren Zuständen, die in einer bestimmten Reihenfolge ausgeführt werden müssen. Wenn eine dieser Handlungen ausgelassen wird, sei es absichtlich oder unabsichtlich, so führt dies zur Ungültigkeit des Gebets. Es ist daher entscheidend, jede dieser Säulen mit der gebotenen Sorgfalt und Konzentration zu verrichten.

Im Folgenden werden die einzelnen Säulen des Gebets detailliert aufgeführt und erläutert, basierend auf den Lehren des Korans und der Sunna des Propheten Muhammad (Allahs Segen und Friede auf ihm):

  • Das Stehen im Gebet, wenn man dazu fähig ist.
  • Takbirat ul-ihram (das Sagen von „Allahu akbar“ und das Aufheben beider Hände am Anfang des Gebets).
  • Das Rezitieren der Sure „Al-Fatiha“ in jeder Rak'a (Gebetseinheit).
  • Das Verbeugen (arab. Ruku').
  • Das Sich-Aufrichten nach der Verbeugung.
  • Die Niederwerfung (arab. Sudschud) auf alle sieben Gliedmaßen (Stirn mit Nase, beide Hände, beide Knie und Zehenspitzen beider Füße).
  • Das Sich-Erheben von der Niederwerfung.
  • Das Sitzen zwischen beiden Niederwerfungen.
  • Die Ruhe bei der Verrichtung aller Gebetshandlungen (At-Tu'manina).
  • Das Beachten der richtigen Reihenfolge aller Gebetshandlungen.
  • Der letzte Taschahhud.
  • Das Sitzen beim Taschahhud.
  • Die Segenswünsche für den Propheten (Salawat).
  • Das Beenden des Gebets mit Taslim.

Die einzelnen Säulen des Gebets im Detail

Das Stehen im Gebet, wenn man dazu fähig ist

Das Stehen ist eine grundlegende Säule des Gebets für diejenigen, die körperlich dazu in der Lage sind. Dies wird im Koran und in der Sunna des Propheten Muhammad (Allahs Segen und Friede auf ihm) deutlich hervorgehoben. Allah sagt im Koran (2:238): „Haltet die Gebete ein, und (besonders) das mittlere Gebet, und steht demütig ergeben vor Allah.“

Die Wichtigkeit des Stehens wird auch in einem Hadith von Abu Huraira (Allahs Wohlgefallen auf ihm) verdeutlicht. Der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) wies einen Mann an, der nicht richtig gebetet hatte, wiederholt: „Gehe zurück und bete; denn du hast nicht gebetet!“ Erst nachdem der Mann dreimal vergeblich versucht hatte, richtig zu beten, und um Belehrung bat, erklärte ihm der Prophet die korrekte Abfolge, beginnend mit dem Takbir und dem aufrechten Stehen, gefolgt von der Rezitation und den weiteren Handlungen. Dies unterstreicht, dass das Stehen nicht nur eine Position, sondern eine wesentliche Voraussetzung für die Gültigkeit des Gebets ist, sofern keine körperliche Einschränkung vorliegt.

Takbirat ul-ihram

Mit „Takbirat ul-ihram“ ist das laute Sprechen der Worte „Allahu akbar“ (Allah ist der Größte) gemeint, verbunden mit dem Heben beider Hände am Anfang des Gebets. Dieser Takbir markiert den Beginn des Gebets und leitet den Zustand der Weihe ein, der es dem Betenden verbietet, sich mit weltlichen Dingen zu beschäftigen. Ein Hadith, überliefert von Abu Dawud, At-Tirmidhi, Ahmad und Al-Bazar, besagt: „Seine Eröffnung (arab. Tahrim) ist der Takbir und seine Beendigung (arab. Tahlil) ist der Taslim.“ Dies zeigt die fundamentale Rolle des Takbirat ul-ihram als Tor zum Gebet.

Das Rezitieren der Sure „Al-Fatiha“ in jeder Rak'a (Gebetseinheit)

Die Sure „Al-Fatiha“, auch bekannt als die „Eröffnende des Buches“, muss in jeder Gebetseinheit (Rak'a) rezitiert werden. Ihre Bedeutung ist so groß, dass das Gebet ohne sie als ungültig gilt. Ubada Ibn As-Samit berichtete, dass der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) sagte: „Es ist kein Gebet für denjenigen (gültig), der nicht die Eröffnende des Buches (arab. Al-Fatiha) rezitiert.“ Diese Rezitation ist ein zentraler Bestandteil, der die Kommunikation des Gläubigen mit Allah ausdrückt und die Ausrichtung des Herzens auf den Schöpfer symbolisiert.

Das Verbeugen (arab. Ruku')

Das Verbeugen, bekannt als Ruku', ist eine weitere wichtige Säule des Gebets. Dabei beugt sich der Betende so weit vor, dass seine Hände die Knie erreichen und der Rücken gerade ist. Dies drückt Demut und Ehrerbietung gegenüber Allah aus. Im Koran (22:77) heißt es: „O die ihr glaubt, verbeugt euch, werft euch nieder und dient eurem Herrn und tut das Gute, auf dass es euch wohl ergehen möge!“ Der Ruku' ist ein Zeichen der Unterwerfung und Anerkennung der Größe Allahs.

Das Sich-Aufrichten nach der Verbeugung

Nachdem man den Ruku' ausgeführt hat, ist das vollständige Sich-Aufrichten eine eigene Säule des Gebets. Man kehrt in eine aufrechte Position zurück, bevor man sich zur nächsten Handlung, der Niederwerfung, begibt. Diese kurze Phase der Ruhe und des aufrechten Stehens ist entscheidend für die Vollständigkeit der Gebetsbewegungen.

Die Niederwerfung (arab. Sudschud) auf alle sieben Gliedmaßen

Die Niederwerfung, Sudschud, ist eine der erhabensten Handlungen im Gebet, da der Betende dabei Allah am nächsten ist. Es ist vorgeschrieben, dass die Niederwerfung auf sieben Gliedmaßen erfolgt: Stirn und Nase, beide Hände, beide Knie und die Zehenspitzen beider Füße. Abdullah Ibn Abbas berichtete, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede auf ihm) sagte: „Mir wurde befohlen, die Niederwerfung auf sieben (Körperteilen) zu verrichten: Stirn und Nase, beide Hände, beide Knie und beide Füße, und dabei die Haare und Kleider (im Gebet) nicht zusammenzubinden.“ Der Sudschud symbolisiert die höchste Form der Erniedrigung vor Allah und die Anerkennung Seiner absoluten Souveränität.

Das Sich-Erheben von der Niederwerfung

Nach der Niederwerfung ist das Sich-Erheben von dieser Position eine weitere Säule. Der Betende richtet sich auf, um die Sitzposition zwischen den beiden Niederwerfungen einzunehmen, bevor er die zweite Niederwerfung ausführt.

Das Sitzen zwischen beiden Niederwerfungen

Zwischen den beiden Niederwerfungen in jeder Rak'a ist das Sitzen eine obligatorische Säule. Dies ist eine kurze Ruheposition, die dem Gebet Struktur und eine geordnete Abfolge verleiht. Auch hier ist die Ruhe und Konzentration entscheidend für die Gültigkeit der Handlung.

Die Ruhe bei der Verrichtung aller Gebetshandlungen (At-Tu'manina)

Eine oft unterschätzte, aber äußerst wichtige Säule ist die Ruhe und Gelassenheit (arab. At-Tu'manina) bei der Verrichtung aller Gebetshandlungen. Jede Bewegung, sei es das Stehen, Verbeugen, Aufrichten oder Niederwerfen, muss mit einer gewissen Ruhe und Verweildauer ausgeführt werden, nicht hastig. Der bereits erwähnte Hadith über den Mann, der sein Gebet nicht richtig verrichtete, betont diese Ruhe ausdrücklich: „…dann verbeuge dich in der Weise, dass du dies ruhig bis Ende ausführst; dann erhebe deinen Oberkörper in der Weise, dass dieser aufrecht wird; dann werfe dich in der Weise nieder, dass du die Niederwerfung bis Ende ruhig ausführst; dann richte deinen Oberkörper in der Weise zurück, dass du die sitzende Stellung ruhig einnimmst; und dies sollst du im ganzen Gebet machen.“ Ohne diese innere und äußere Ruhe ist das Gebet unvollständig.

Das Beachten der richtigen Reihenfolge aller Gebetshandlungen

Die Einhaltung der korrekten Reihenfolge (Tartib) der Gebetshandlungen ist ebenfalls eine Säule. Man kann nicht die Niederwerfung vor dem Verbeugen ausführen oder die Al-Fatiha nach der Verbeugung rezitieren. Jede Handlung muss in der vorgeschriebenen Abfolge erfolgen, wie sie vom Propheten (Allahs Segen und Friede auf ihm) gelehrt wurde. Der Hadith des Mannes, der nicht richtig betete, illustriert dies durch die Schritt-für-Schritt-Anleitung des Propheten.

Der letzte Taschahhud und das Sitzen dabei

Der Taschahhud ist eine Gebetsformel, die im Sitzen am Ende des Gebets rezitiert wird. Abdullah Ibn Mas’ud berichtete, dass der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) die Muslime lehrte, im Sitzen im Gebet zu sagen: „At-Tahiyatu lillahi wassalawatu wattayyibatu, assalamu `alaika ayyuhan Nabiyyu wa rahmatullahi wa barakatuhu, assalamu `alainaa wa `ala `ibadillahis salihin – Alle Ehrungen, Segnungen, Gebete und gute Taten gebühren Allah. Der Friede sei auf dir, oh Prophet, und die Barmherzigkeit Allahs und sein Segen. Der Friede sei auf uns und auf den rechtschaffenen Dienern Allahs. Wenn ihr dies sprecht, wird es auf jeden rechtschaffenen Diener treffen, im Himmel und auf der Erde – Aschhadu alla ilaha illallah, wa aschhadu anna Muhammadan `abduhu wa Rasuluh - Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah, und ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist.“ Das Sitzen während dieser Rezitation ist ebenfalls eine Säule.

Die Segenswünsche (arab. Salawat) für den Propheten

Die Rezitation der Segenswünsche (Salawat) für den Propheten Muhammad (Allahs Segen und Friede auf ihm) nach dem Taschahhud ist eine weitere Säule. Ka’b Ibn `Udschra berichtete, dass der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) lehrte: „Sprecht: Allahumma salli `ala Muhammadin wa `ala ali Muhammad, kama sallaita `ala Ibrahim, innaka hamidun madschid. Allahumma barik `ala Muhammadin wa `ala ali Muhammad, kama barakta `ala Ibrahim, innaka hamidun madschid – Oh Allah, schenke Muhammad Frieden und den Angehörigen Muhammads, so wie Du Abrahams Angehörigen Frieden geschenkt hast. Wahrlich, du bist des Preises und des Ruhmes würdig! Oh Allah, segne Muhammad und die Angehörigen Muhammads, so wie Du die Angehörigen Abrahams gesegnet hast. Du bist des Preises und des Ruhmes würdig!“

Die Bedeutung des Wortes „Salat“ (Plural: Salawat) ist vielschichtig. Ibn Abdulwahhab erklärt, dass „Salat von Allah“ Sein Loben Seines Dieners in den größten Versammlungen bedeutet, wie von Al-Buchari überliefert wurde. Abu l-`Aliya sagte, es bedeute „Sein Loben Seines Dieners in den höchsten Versammlungen (d.h. Engel).“ Es wird auch als Barmherzigkeit interpretiert. Wenn Salat von Engeln kommt, bedeutet es die Bitte um Vergebung; wenn von Menschen, steht es für Bittgebet. Die erste Definition gilt jedoch als die richtigere.

Das Beenden des Gebets mit Taslim

Das Gebet wird mit dem Taslim beendet, dem Friedensgruß. Hierbei werden die Worte „Assalamu alaikum“, „Assalamu alaikum wa rahmatullah“ oder auch „Assalamu alaikum wa rahmatullahi wa barakatuhu“ gesprochen, während man den Kopf nach rechts und dann nach links dreht. Der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) grüßte zu seiner Rechten: „Assalamu `alaikum wa rahmatullah“ und zu seiner Linken ebenfalls „Assalamu `alaikum wa rahmatullah“, wobei das Weiße seiner Wangen sichtbar wurde. Manchmal fügte er auf der rechten Seite „wa barakatuh“ hinzu. Es wurde auch berichtet, dass er den Gruß auf der linken Seite manchmal kürzte zu „Assalamu alaikum“ oder sogar nur einmalig „Assalamu alaikum“ nach vorn, leicht zur rechten Seite drehend, sprach.

Taslim-VarianteBeschreibung
Regulärer Taslim„Assalamu alaikum wa rahmatullah“ zu beiden Seiten.
Erweiterter Taslim (rechts)„Assalamu alaikum wa rahmatullahi wa barakatuhu“ zur rechten Seite.
Gekürzter Taslim (links)„Assalamu alaikum“ zur linken Seite.
Einmaliger Taslim„Assalamu alaikum“ nach vorn, leicht zur rechten Seite drehend.

Häufig gestellte Fragen zu den Gebetssäulen

Was passiert, wenn man eine Säule des Gebets vergisst oder auslässt?

Wenn eine Säule des Gebets, sei es absichtlich oder unabsichtlich, ausgelassen wird, führt dies dazu, dass das Gebet ungültig wird. Es kann jedoch durch das Nachholen der ausgelassenen Säule und die Ausführung einer Vergesslichkeitsniederwerfung (Sudschud as-Sahw) geheilt werden, sofern das Auslassen unabsichtlich geschah und man sich noch im Gebet befindet.

Muss man die Sure Al-Fatiha in jeder Gebetseinheit rezitieren?

Ja, das Rezitieren der Sure „Al-Fatiha“ ist eine obligatorische Säule in jeder Rak'a (Gebetseinheit). Ohne ihre Rezitation ist das Gebet nicht gültig, wie der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) ausdrücklich betonte.

Was bedeutet Takbirat ul-ihram?

Takbirat ul-ihram sind die Worte „Allahu akbar“, die zu Beginn des Gebets laut gesprochen und mit dem Heben beider Hände verbunden werden. Sie markieren den Eintritt in den geweihten Zustand des Gebets und beenden alle weltlichen Aktivitäten.

Wie viele Gliedmaßen müssen beim Sudschud (Niederwerfung) den Boden berühren?

Beim Sudschud müssen sieben Gliedmaßen den Boden berühren: Stirn und Nase, beide Hände, beide Knie und die Zehenspitzen beider Füße. Dies ist eine spezifische Anweisung des Propheten Muhammad (Allahs Segen und Friede auf ihm).

Was ist die Bedeutung von „Salat“ im Kontext der Segenswünsche für den Propheten?

Die Bedeutung von „Salat“ (Plural: Salawat) kann je nach Kontext variieren. Wenn sie von Allah kommt, bedeutet sie Sein Loben Seines Dieners in den höchsten Versammlungen. Wenn von Engeln, ist es die Bitte um Vergebung. Wenn von Menschen, steht es für Bittgebet. Im Kontext der Segenswünsche für den Propheten bedeutet es, Allah um Segen und Frieden für ihn zu bitten.

Gibt es verschiedene Arten, das Gebet mit Taslim zu beenden?

Ja, es gibt verschiedene überlieferte Formen des Taslim. Die häufigste ist „Assalamu alaikum wa rahmatullah“ nach rechts und links. Es gibt auch Varianten wie das Hinzufügen von „wa barakatuh“ auf der rechten Seite, ein Kürzen des Grußes auf der linken Seite zu nur „Assalamu alaikum“, oder selten auch einen einmaligen Gruß nach vorn, leicht nach rechts drehend.

Die Einhaltung dieser Säulen des Gebets ist von größter Bedeutung für die Gültigkeit und Akzeptanz des Gebets im Islam. Jede Säule trägt zur Vollständigkeit und zur spirituellen Tiefe der Anbetung bei, und ihre gewissenhafte Ausführung ist ein Zeichen der Hingabe und des Verständnisses für die göttlichen Gebote.

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