Wie viele Schläge gibt es in der Osterzeit?

Glockenschläge: Angelus und Regina Caeli

26/04/2022

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Jeder kennt es: Dreimal am Tag, meist um 6, 12 und 18 Uhr oder leicht abweichend um 7, 12 und 19 Uhr, erklingen von den Kirchtürmen die Glocken und markieren bestimmte Zeitpunkte im Tagesablauf. Für viele ist es ein vertrautes Geräusch, das zum Stadt- oder Dorfbild gehört. Doch in der katholischen Kirche ist dieses Läuten untrennbar mit einem besonderen Gebet verbunden, das ihm auch seinen Namen gab: der Angelus, der Engel des Herrn. Dieses Gebet ist tief in der Geschichte und Theologie verwurzelt und lädt Gläubige weltweit zum Innehalten und zur Besinnung ein. Es ist eine tägliche Erinnerung an ein zentrales Ereignis des christlichen Glaubens: die Menschwerdung Christi.

Wann wird das Gebet übertragen?
Normalerweise wird das Gebet an jedem Sonntag um 12.00 Uhr aus dem Apostolischen Palast auf den Petersplatz übertragen. Der Papst spricht dann von einem Fenster hinunter zu vielen Tausend Gläubigen. Jetzt war spekuliert worden, dass die Übertragung aus der Gemelli-Klinik im Westen Roms erfolgen könnte, wo Franziskus seit Freitag behandelt wird.

Die Grundlage für das Angelus-Gebet bildet eine Szene aus dem Lukasevangelium, in der der Erzengel Gabriel bei Maria eintritt, sie grüßt und ihr die frohe Botschaft der Geburt des Sohnes Gottes verkündet. Das Gebet besteht aus drei Versikeln, die dieses Geschehen betrachten und jeweils durch ein „Gegrüßet seist du, Maria“ ergänzt werden. Am Ende folgt nach einem weiteren Doppelvers die abschließende Oration, die das Gebet abrundet. Doch wie kam es zu dieser dreimal täglichen Gebetspraxis, und welche Entwicklungen hat sie über die Jahrhunderte durchlaufen?

Inhaltsverzeichnis

Die faszinierende Entwicklung des Angelus-Gebets

Die Praxis, das Angelus-Gebet dreimal am Tag zu verrichten, wenn die Glocken läuten, hat sich nicht über Nacht, sondern erst im Laufe vieler Jahrhunderte entwickelt. Schon im frühen Mittelalter gab es päpstliche Anordnungen, die vorsahen, dass die kanonischen Stunden – also die in Klöstern praktizierten Gebetszeiten – durch akustische Signale angezeigt werden sollten. Dies sollte auch jenen, die nicht direkt am Klosterleben teilnahmen, eine innere Anteilnahme am Gebetsleben ermöglichen.

Das Morgenläuten: Ein Echo der Auferstehung

Das Morgenläuten ist das älteste der drei Angelus-Läuten. Es stammt aus dem 11. Jahrhundert und wurde ursprünglich eng mit der Auferstehung Jesu Christi in Verbindung gebracht. Die Glocken am Morgen sollten die Gläubigen an den Sieg des Lebens über den Tod erinnern, der mit dem Ostermorgen begann. Erst später, wie die Provinzialsynoden in Köln und Mainz im Jahr 1423 bestätigten, wurde es verstärkt auf die Gottesmutter Maria bezogen. Heutzutage ist das Morgenläuten paradoxerweise auch dasjenige, das aufgrund von Anwohnerklagen in einigen Kirchengemeinden nur noch eingeschränkt praktiziert wird – ein Zeichen dafür, wie sich Traditionen an moderne Lebensweisen anpassen müssen.

Das Mittags- und Abendläuten: Von Gebet bis Sperrstunde

Das Mittagsgeläut entstand erst im späteren Mittelalter. Seine Motivation war mancherorts auch durch politische Ereignisse geprägt. Ein bekanntes Beispiel ist die Anordnung von Papst Calixt III. im Jahr 1456, mittags zum Gebet für einen Sieg über die Türken zu läuten, die zu dieser Zeit Belgrad belagerten. Ähnlich wie das Morgenläuten sollte auch das Mittagsläuten die Gläubigen zu einem „Ave Maria“ aufrufen. Im weltlichen Bereich hingegen signalisierte das Mittagsläuten, das an einigen Orten bereits um 11 Uhr stattfand, den Beginn der Mittagspause. Im Protestantismus wurde es später oft als Friedensläuten interpretiert.

Das Läuten am Abend hatte ursprünglich einen weltlichen Hintergrund: Es galt als Zeichen zum Löschen offener Feuer oder zum Anzeigen der Sperrstunde in Städten. Doch schon im Jahr 1262 regte der heilige Bonaventura ein Gebet zu Ehren der Gottesmutter in Verbindung mit dem Abendläuten an. Es dauerte jedoch bis ins 16. Jahrhundert, bis ein innerer Zusammenhang des dreimal täglichen Angelusläutens entstand, das nun einzelnen Horen der Stundenliturgie und den ihnen zugrunde liegenden Heilsereignissen zugeordnet wurde:

  • Morgenläuten: Verbunden mit den Laudes und der Auferstehung Jesu.
  • Mittagläuten: Verbunden mit der Sext und der Kreuzigung Christi.
  • Abendläuten: Verbunden mit der Vesper und dem Gedächtnis der Menschwerdung.

Ähnlich wie der Rosenkranz entwickelte sich das dreimal tägliche Angelusgebet zu einer Art „Volksbrevier“, einem Gebetsbuch für jedermann, das die Gläubigen täglich in die Heilsgeschichte einbindet.

Die Besonderheit der Osterzeit: Das Regina Caeli

Während der Papst den Angelus jeden Sonntag und an jedem Hochfest öffentlich betet, gibt es eine wichtige Ausnahme: In der Osterzeit spricht man nicht den Angelus, sondern das Regina caeli. Diese Tradition geht auf Papst Benedikt XIV. zurück, der 1742 anordnete, in den sieben Wochen zwischen Ostern und Pfingsten anstelle des Angelus die aus dem 12. Jahrhundert stammende marianische Antiphon „Regina caeli“ (Königin des Himmels) zu beten. Hier wird Maria als Himmelskönigin angerufen und in die österliche Freude über die Auferstehung ihres Sohnes mit einbezogen. Es ist eine Hymne des Jubels und der Freude über das zentrale Ereignis des christlichen Glaubens.

Wie viele Schläge gibt es in der Osterzeit?

Die Frage nach der Anzahl der Schläge in der Osterzeit ist besonders interessant, da sie eine subtile, aber bedeutsame theologische Nuance offenbart. Die Durchführung des Angelusläutens ist regional recht unterschiedlich. Während in Süddeutschland direkt nach dem Uhrschlag eine schwingend geläutete Glocke einsetzt, gehen diesem Läuten in den nördlicheren Regionen dreimal drei Anschläge voraus, die die Struktur des Angelusgebets (drei Versikel, jeweils mit Ave Maria) widerspiegeln. In Südtirol wird mit Hilfe eines Klöppelfängers, der ein sekundengenaues Einsetzen der Glocke ermöglicht, in drei kurzen Pulsen geläutet.

Eine Anpassung dieser dreimal drei Schläge in der Osterzeit, um dem Regina caeli Rechnung zu tragen, erfolgt meist nicht. Die meisten Kirchen behalten das gewohnte 3x3-Muster bei. Doch es gibt bemerkenswerte Ausnahmen: Lediglich der Kölner Dom und einige wenige Kirchen lassen in den sieben Wochen zwischen Ostern und Pfingsten statt dreimal drei Schläge die Glocke dann viermal zwei anschlagen. Dieses 4x2-Muster entspricht den vier Versen des Regina caeli, die jeweils mit einem „Halleluja“ enden. Wer also morgens, mittags und abends genau hinhört, wird diesen kleinen, aber feinen Unterschied bemerken und darf sich zum Mitbeten eingeladen fühlen – eine wunderbare Möglichkeit, die österliche Freude auch akustisch zu erleben.

Angelus vs. Regina Caeli: Ein Vergleich

Um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser beiden wichtigen Gebete und ihrer Läutesignale zu verdeutlichen, bietet sich eine vergleichende Betrachtung an:

MerkmalAngelusRegina Caeli
GebetszeitGanzjährig (außer Osterzeit)Osterzeit (von Ostern bis Pfingsten)
Thematischer FokusMenschwerdung Christi (Verkündigung, Kreuzigung, Auferstehung)Auferstehung Christi und Marias Freude als Himmelskönigin
UrsprungEntwicklung über Jahrhunderte, Papst Calixt III., BonaventuraMarianische Antiphon aus dem 12. Jh., Einführung durch Papst Benedikt XIV. (1742)
Glockenschläge (regional)Oft 3x3 Anschläge vor dem vollen LäutenMeist 3x3 Anschläge beibehalten; selten 4x2 (z.B. Kölner Dom)
StimmungBesinnlich, betrachtend, demütigJubelnd, freudig, feierlich

Häufig gestellte Fragen zu Glockenläuten und Gebet

Warum läuten Kirchenglocken dreimal am Tag?

Kirchenglocken läuten dreimal am Tag (meist morgens, mittags und abends), um die Gläubigen zum Angelus-Gebet einzuladen. Diese Tradition entwickelte sich über Jahrhunderte und ist mit den kanonischen Stunden und wichtigen Heilsereignissen (Menschwerdung, Kreuzigung, Auferstehung) verbunden.

Was ist der Angelus?

Der Angelus (Engel des Herrn) ist ein traditionelles katholisches Gebet, das an die Verkündigung der Geburt Jesu an Maria durch den Erzengel Gabriel erinnert. Es wird üblicherweise dreimal täglich gebetet, wenn die Kirchenglocken läuten.

Was ist das Regina Caeli?

Das Regina Caeli (Königin des Himmels) ist eine marianische Antiphon (Lobgesang), die in der katholischen Kirche während der Osterzeit (von Ostern bis Pfingsten) anstelle des Angelus-Gebets gesprochen wird. Es ist ein Ausdruck der Freude über die Auferstehung Jesu und die Rolle Marias als Himmelskönigin.

Wann wird das Regina Caeli gebetet?

Das Regina Caeli wird in der Osterzeit, also in den sieben Wochen von Ostersonntag bis Pfingsten, gebetet. Es ersetzt in dieser Zeit das Angelus-Gebet, das sonst das ganze Jahr über gesprochen wird.

Gibt es regionale Unterschiede beim Glockenläuten für den Angelus oder das Regina Caeli?

Ja, es gibt regionale Unterschiede. Während in Süddeutschland oft direkt nach dem Uhrschlag die Glocke schwingend einsetzt, gehen in nördlicheren Regionen dem Läuten oft dreimal drei Anschläge voraus, die die Struktur des Angelus-Gebets widerspiegeln. In der Osterzeit behalten die meisten Kirchen dieses 3x3-Muster bei, doch einige wenige (wie der Kölner Dom) ändern es zu viermal zwei Anschlägen, um die vier Verse des Regina Caeli zu symbolisieren.

Ein Klang, der verbindet

Die Glockenschläge, die uns täglich erreichen, sind mehr als nur eine Zeitansage. Sie sind ein tief verwurzeltes kulturelles und religiöses Erbe, das Generationen verbindet und zum Innehalten einlädt. Ob es der vertraute Klang des Angelus ist, der an die Menschwerdung erinnert, oder das jubilierende Läuten des Regina Caeli, das die Osterfreude verkündet – jedes Läuten trägt eine Botschaft in sich. Es ist eine Einladung, sich der über 1000 Jahre alten Tradition des Gebets und der Besinnung anzuschließen und Teil einer Gemeinschaft zu sein, die durch diese akustischen Zeichen des Glaubens miteinander verbunden ist. Achten Sie das nächste Mal genau auf die Glocken – vielleicht entdecken Sie den „kleinen, aber feinen Unterschied“, der die Osterzeit so besonders macht.

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