04/09/2024
Das Gebet ist ein zentraler Pfeiler des christlichen Lebens, eine Quelle unermesslicher Kraft und Trost. Seit langem schon hat mich das Gebet als integraler Bestandteil unseres Glaubensweges zutiefst fasziniert. Diese Faszination hat mich dazu bewogen, die Tiefe und Breite dieses Themas durch intensive Studien zu ergründen. Insbesondere die Betrachtung unseres „Hinzutretens zum Thron der Gnade“ hat sich als überaus bereichernd erwiesen. Inspiriert durch theologische Werke und persönliche Reflexionen, lade ich Sie ein, die wunderbaren Wahrheiten zu entdecken, die sich entfalten, wenn wir uns dem allmächtigen Gott im Gebet nähern.

Im Hebräerbrief finden wir eine tiefgründige Einladung, die das Wesen des Gebets auf eindringliche Weise beleuchtet:
Hebräer 4,16: Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben.
Dieser Vers ist eine Einladung zum Gebet, zum direkten Dialog mit unserem himmlischen Vater. Er spricht von einem Moment der Not, in dem wir Barmherzigkeit und Gnade empfangen können, indem wir uns dem „Thron der Gnade“ nähern. Wenn wir beten, wenden wir uns an Gott, den Allmächtigen, der über allem thront. Dies ist kein gewöhnliches Gespräch, sondern ein Akt des Glaubens, der uns in die unmittelbare Gegenwart des Schöpfers versetzt.
Der unschätzbare Zugang zum Vater durch Christus
Um die volle Dimension dieser Einladung zu verstehen, müssen wir den Kontext betrachten, der uns diesen Zugang überhaupt erst ermöglicht:
Hebräer 4,14–16: Weil wir denn einen großen Hohepriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis. Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht mit leiden könnte mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde. Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben.
Jesus Christus ist unser großer Hohepriester, der zur Rechten Gottes dient. Er ist unser Mittler, der uns den Zugang zum Vater eröffnet hat. Ohne ihn wäre eine solche Annäherung unmöglich. Epheser 2,18 bestätigt diese Wahrheit:
Epheser 2,18: Denn durch ihn [Christus] haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater.
Durch sein Sühneopfer am Kreuz hat Jesus Christus all jenen, die an ihn glauben, den Weg zu Gott als ihrem Vater geebnet. Wir treten nicht physisch vor den Thron, sondern vielmehr „in einem Geist“, in unserem neuen Wesen, das uns durch Gottes Gnade geschenkt wurde. Gebet ist demnach weit mehr als das bloße Aussprechen von Worten oder das Empfinden von Wünschen. Es ist das Vorbringen der tiefsten Herzensanliegen vor Gott, ein direktes Nähern im Geist. Es ist eine geistliche Gemeinschaft mit dem Vater, die durch die Gabe des Heiligen Geistes ermöglicht wird. Der Geist hilft unserer Schwachheit auf und bewirkt Fürbitte für uns (vgl. Römer 8,26–27). Das Ziel unseres Gebets ist einzig und allein Gott; wir erreichen ihn mit unseren Anliegen.
Dieser außergewöhnliche Zugang zum Schöpfer des Himmels und der Erde ist in unserem Herrn und Heiland Jesus Christus und seinem Sühneopfer am Kreuz gegründet. Sein kostbares Blut hat uns diesen Zugang erkauft, uns von Sünde gereinigt und geheiligt, sodass wir vor Gott erscheinen und unsere Anliegen kundtun können. Durch sein einmaliges Opfer ist der Vorhang zerrissen, der einst das Allerheiligste verbarg. Nun können wir als Geheiligte in Christus Jesus im Gebet und im neuen Wesen des Geistes vor Gottes Thron der Gnade treten. Welch ein unermessliches Privileg und welch eine gewaltige Kraft das Gebet dadurch erhält!
Der Thron: Majestät, Herrschaft und Heiligkeit
Die Formulierung „Thron der Gnade“ (Hebräer 4,16) birgt eine tiefe theologische Bedeutung. Obwohl wir Gott als unserem Vater begegnen dürfen – ein Ausdruck intimer Nähe, der durch das aramäische Wort „Abba“ (Vater) betont wird (vgl. Galater 4,6) – dürfen wir niemals vergessen, dass Gott uns nicht gleich ist. Jesus selbst, der seinen Jüngern das Beten lehrte, betonte die Erhabenheit Gottes, indem er sprach: „Unser Vater, der du bist im Himmel“ (Matthäus 6,9). Dies verdeutlicht, dass unser Vater unendlich viel größer und höher ist als wir. Und sogleich schloss Jesus daran an, dass es uns gebührt, dies anzuerkennen, als er sprach: „Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe …“ (Matthäus 6,9.10).
Unser Vater ist der souveräne Herrscher über alle Dinge, der allmächtige Gott. Wenn wir beten, treten wir nicht nur in die „Wohnstube“ unseres Vaters, wo wir uns entspannt zurücklehnen könnten. Vielmehr treten wir vor den Thron des Königs aller Könige und Herrn aller Herren, vor den Thron des großen Monarchen des Universums. Diese Wahrheit sollten wir stets bedenken: Gnade und Barmherzigkeit fließen vom Thron der Gnade.
Die richtige Haltung vor dem Thron der Gnade
Wenn wir uns bewusst machen, dass wir im Gebet am Hofe der himmlischen Majestät sind und in seinen Thronsaal eintreten, dass wir vor erlauchter Majestät erscheinen, wird unsere Gebetshaltung von der rechten Einstellung geprägt sein:
- Ehrfurcht und Demut: Es ist unerlässlich, sich dem Thron in tiefer Ehrfurcht und Demut zu nähern. Ein Diener oder Untertan erweist seinem Monarchen Ehre und Ehrerbietung. Stolz, Hochmut oder gar verräterische Gedanken sind vor dem König fehl am Platz. Wir erscheinen vor dem größten aller Herrscher, dem allein wahrhaft Herrschenden und Gewaltigen, wie es in 1. Timotheus 6,15.16 heißt: „welche uns zeigen wird zu seiner Zeit der Selige und allein Gewaltige, der König aller Könige und Herr aller Herren, der allein Unsterblichkeit hat, der da wohnt in einem Licht, zu dem niemand kommen kann, den kein Mensch gesehen hat noch sehen kann. Dem sei Ehre und ewige Macht! Amen.“ Angesichts solcher Wahrheit sollten wir uns mit demütigem und ehrfürchtigem Herzen dem Thron nähern. Aus uns selbst haben wir nichts, das vor ihm gelten könnte. Christus ist unser einziges Verdienst, durch ihn allein genießen wir dieses hohe Privileg. Wir sollten in unserem Herzen „unsere Schuhe ausziehen“, denn Gott ist „heilig, heilig, heilig“. Trotz unserer Kindschaft erkennen wir unsere fortwährende Sündhaftigkeit und unsere Abhängigkeit von seiner Barmherzigkeit an.
- Andächtige Freude: Dem Thron dürfen wir uns auch mit andächtiger Freude nähern. Demut und Ehrfurcht führen uns zur Erkenntnis, wie wahrhaft froh wir sein können, zu denen zu gehören, die im Gebet durch den Geist Zugang zum himmlischen Hof und Gottes Thron haben. Dies sollte uns mit tiefer Freude erfüllen. Wäre dies der Thron des Gerichts, würden wir mit Trauer und Furcht erfüllt sein. Doch da Gott uns in Christus gerechtfertigt hat, treten wir nicht vor den Thron des Gerichts, sondern vor den Thron der Gnade. Dies bereitet unserem Herzen eine stille, bleibende Freude. Einst waren wir fern von Gott, verloren und auf dem Weg zur ewigen Verdammnis. Nun aber, durch Christus und sein Erlösungswerk, haben wir Zugang zu Gottes Palast, dürfen uns an seinem Hof einfinden und uns ihm nähern, wenn er auf seinem Thron sitzt. Solches Nachsinnen lässt für einen Moment den Atem stocken und sollte tiefe Dankbarkeit hervorrufen, die sich in Lobpreis und einem freudigen Herzen äußert.
- Völlige Unterwerfung: Wer vor einem Thron erscheint, muss dies in völliger Unterwerfung tun. Wir beten nicht, um Gott vorzuschreiben, was er zu tun hat. Sicher, wir sollen unsere Nöte, Bedürfnisse und Wünsche kundtun, aber immer in der Haltung, die Jesus lehrte: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“ Wer würde es wagen, dem Herrscher auf dem Thron etwas zu diktieren? Wir sind Kinder des Allerhöchsten und sollen ernsthaft, aufrichtig, ja, auch leidenschaftlich und beharrlich unsere Anliegen vorbringen – aber stets in einem Geist, der anerkennt, dass der Vater mehr weiß und besser tun kann, als wir es wahrnehmen oder ersinnen können. Daher ist es unsere Aufgabe, seinen Willen zu suchen und uns seiner Antwort auf unser Gebet in völliger Unterwerfung unterzuordnen. Auch wenn keine Antwort in unserem Sinne erfolgt, nehmen wir seine „Verweigerung“ als gute Antwort an, denn es besteht immer die Möglichkeit, dass wir um etwas gebeten haben, was uns nicht zum Guten dienen würde.
- Größere Erwartungen: Da wir vor den Thron treten, dürfen wir auch größere Erwartungen haben, als man gewöhnlich erwarten würde. Wir kommen nicht zu Gottes Armenhaus, noch schleichen wir uns durch die Hintertür ein, wo man aus Mitleid vielleicht etwas empfangen könnte. Wenn wir beten, betreten wir den Thronsaal Gottes, von wo aus der König aller Könige aufs Großzügigste bereit ist, seine Gunst zu erweisen und sich als Herrscher zu zeigen. Wir dürfen uns daran erinnern, dass seine Gedanken höher sind als unsere und seine Wege weit über dem sind, was wir erdenken (vgl. Jesaja 55,8.9). Wir dürfen große Dinge erbitten – immerhin stehen wir vor einem großen Thron! Und die Schrift bestätigt, dass Gott von diesem Thron „überschwenglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen“ (Epheser 3,20).
- Unerschütterliche Zuversicht: Ein weiterer Punkt, der uns angesichts des Thrones der Gnade anregen sollte, ist die Möglichkeit, in absoluter und unerschütterlicher Zuversicht vor seinen Thron zu treten. Wer würde am König zweifeln? Wer würde dem König verächtlich gegenüberstehen wollen? Der König hat absolute Integrität, ist absolut treu und wahr – wer könnte es wagen, ungläubig vor ihm zu erscheinen? Schande sei über uns, wenn wir im Unglauben und in Zweifel vor dem Thron des Allerhöchsten stehen, während er in all seiner Herrlichkeit und Macht vor uns auf seinem Thron sitzt. Sollen wir in unseren Herzen verzagt sein und ihm misstrauen und etwa denken, er würde seine Verheißung nicht einhalten? Heißt es nicht: „Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm [Christus] das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zum Lobe.“ (2. Korinther 1,20)? Wir sollten uns als wahre Nachfahren Abrahams erweisen, von dem es heißt: „Denn er zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern wurde stark im Glauben und gab Gott die Ehre und wusste aufs allergewisseste: was Gott verheißt, das kann er auch tun.“ (Römer 4,20.21).
- Tiefste Ernsthaftigkeit: Da wir uns vor seinem Thron befinden, sollte unser Gebet mit tiefstem Ernst geschehen und in einem Geiste, der alles wirklich sein lässt. Wenn wir nicht loyal sind, sollten wir uns wenigstens nicht erdreisten, ihn auch noch auf seinem Thron zu beleidigen. Es gebührt sich nicht, Worte zu reden, ohne dass unser Herz beteiligt ist und wir wirklich meinen, was wir beten. Wenn wir unseren Mund in seiner Gegenwart auftun, so sind es Worte, die wir an den König aller Könige richten, und wir sollten bedenken, dass wir mit Gott selbst reden und mit ihm zu tun haben. Leere Wiederholungen von Worten sind unerwünscht, unbedachte Worte sind Torheit und in keiner Weise wünschenswert. Vor seinem Thron reden wir Wahrheit, verkünden wir sein Lob und seinen Preis. Wir halten ihn in Ehren, geben ihm Lob und Dank.
Psalm 95,6.7: Kommt, lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem HERRN, der uns gemacht hat. Denn er ist unser Gott, und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand. Wenn ihr doch heute auf seine Stimme hören wolltet:
Der Thron der Gnade: Ein Ort der Barmherzigkeit und Hilfe
Angesichts dieser großartigen Wahrheiten über den Thron, die unseren menschlichen Verstand vielleicht übersteigen mögen, folgt eine nähere Bestimmung dieses Thrones, vor den wir mit Zuversicht treten: Es ist ein Thron der Gnade.
Wir sind berufen, zum Thron der Gnade zu kommen, nicht zum Thron des Gesetzes. Zum „Thron des Gesetzes“ konnte selbst Israel nicht hinzutreten; niemandem war es erlaubt, dem Berg zu nahe zu kommen. Niemandes eigene Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz käme, ist ausreichend, um sich diesem Thron zu nähern. Auch reden wir nicht von dem großen Thron des Gerichts am Ende der Tage. Jener Thron wird für all jene, die an Christus geglaubt haben, ein Thron des „gnädigen Gerichts“ sein, denn Gott wird kein verdammendes Urteil gegen den Menschen sprechen, der durch Glauben aufgrund von Gnade bereits gerechtfertigt ist. Von jenem Thron wird für uns wiederum Gnade strömen.
Wir treten hinzu zu dem Thron der Gnade, von wo aus Gottes Güte und Barmherzigkeit fließen. Wir nähern uns dem Thron der Gnade, und es ergeht uns wie Königin Ester seinerzeit am Hofe Persiens:
Ester 5,2: Und als der König die Königin Ester im Hofe stehen sah, fand sie Gnade vor seinen Augen. Und der König streckte das goldene Zepter in seiner Hand gegen Ester aus. Da trat Ester herzu und rührte die Spitze des Zepters an.
Wenn unser Vater uns von weitem sieht, wie wir im Vorhofe seines Thronsaals stehen und Einlass zu seinem Thron der Gnade suchen, streckt er das Zepter seiner Gnade gegen uns aus, sodass wir uns zu seinem Thron begeben können.
Gnade und Barmherzigkeit sehen über Fehler hinweg
Vor den Thron der Gnade können wir auch kommen, wenn uns die Worte zum Gebet fehlen, wenn wir Fehler beim Beten machen und unzulänglich beten. Der auf dem Thron sitzt, wird uns deswegen nicht verdammen oder abweisen. Er wird uns vielmehr hilfreich entgegenkommen.

In jedem unserer Gebete wird es Unzulänglichkeiten geben; immer wieder werden wir auch beladen mit Sünde vor dem Thron der Gnade erscheinen. Doch Gott wird bereit sein, uns zu vergeben und unser Gebet anzunehmen, auch wenn wir nicht über die rechten Worte und die rechte Kunst des Flehens oder Bittens verfügen. Selbst wenn uns alles ein wenig schwer über die Lippen und aus dem Herzen kommt, dürfen wir dennoch nicht verzagen, sondern wir sollen zu ihm kommen und es mehr tun als zuvor. Dies ist nicht ein Thron herber und schwerer Kritik, sondern ein Thron der Gnade. Es ist ein Thron, von dem aus Gnade und Barmherzigkeit erwiesen werden, wo auch der schlimmste Sünder Vergebung und Aufnahme finden kann.
Wenn Worte fehlen: Gottes Hilfe im Gebet
Auf dem Thron der Gnade begegnen wir unserem himmlischen Vater, der uns geliebt hat und uns liebt und uns in allen Dingen Segen zukommen lassen will. Manchmal fehlen uns die Worte, es mangelt an Klarheit darüber, was wir eigentlich wollen und wonach wir gezielt bitten. Dies ist vor dem Thron der Gnade kein Hindernis.
Kleine Kinder kommen manchmal zu ihren Eltern und beginnen aufgeregt etwas zu erzählen oder um etwas zu bitten, und ihnen entfallen die Worte; sie vergessen, was sie eigentlich sagen wollten. Wie oft sehen wir die Eltern, wie sie dem Kind die entfallenen Worte „vorsagen“, dem Kleinen mit den richtigen Worten weiterhelfen, weil sie ja schon wissen, was ihr Kind sagen will. Nicht anders ist es bei unserem himmlischen Vater. Uns mögen die Worte fehlen oder entfallen, was aber für ihn kein Problem darstellt; er legt sie uns wieder ans Herz und hilft uns weiter beim Beten, da er ja weiß, wessen wir bedürfen und was wir eigentlich wollen. Unser Vater wird uns lehren und uns leiten, er wird uns die Wünsche und auch das Kundtun dieser Wünsche nahebringen – welch große Gnade uns doch von diesem Thron gewährt wird.
Bedürfnisse werden erfüllt
Dieser Thron ist ein Thron der Gnade und daher nicht ein Thron, wo von Untergebenen Tribut eingefordert wird, wo Geschenke und Zahlungen verlangt werden – nein! Im Gegenteil, es ist der Thron, von dem aus Gnade erwiesen wird, von dem aus Gott freizügig sein Wohlwollen gütig erzeigt, indem er Gnadengeschenke austeilt.
Es geht vor dem Thron der Gnade nicht darum, gut zu sein oder sich etwas verdient zu haben. Wir treten hinzu im Gebet, auch wenn unsere Gebete unzulänglich sein mögen, auch wenn wir nicht die schönsten oder besten oder feinsten Worte finden. Wir treten hinzu, auch wenn wir meinen, wir hätten ein Defizit an Erkenntnis und wüssten gar nicht, was zu erwarten ist. Wir treten hinzu, auch wenn wir denken, wir hätten einen zu kleinen Glauben. Wir treten hinzu, auch wenn wir uns bewusst sind, dass wir im Geist vielleicht nicht ganz so brennend sind, wie es sein sollte. Obwohl all diese Dinge nicht unbedingt sein sollten, und wir ganz sicher unser Augenmerk darauf richten wollen, solche Defizite zu beheben, so bleibt dieser Thron doch ein Thron der Gnade, von dem Gott seine Gnade, sein von uns nicht verdientes Wohlwollen, erzeigt.
Vergleich: Zugang im Alten und Neuen Bund
Der Zugang zu Gott hat sich im Laufe der Heilsgeschichte grundlegend gewandelt. Eine vergleichende Betrachtung macht die Einzigartigkeit des Zugangs zum Thron der Gnade im Neuen Bund deutlich:
| Aspekt | Alter Bund (Gesetz) | Neuer Bund (Gnade) |
|---|---|---|
| Zugang | Nur Hohepriester, einmal jährlich, ins Allerheiligste, unter strengsten Vorschriften. | Alle Gläubigen, jederzeit, zum Thron der Gnade, durch Jesus Christus. |
| Mittler | Irdischer Hohepriester (sündhaft, sterblich). | Jesus Christus (vollkommen, sündlos, ewig). |
| Grundlage | Einhaltung des Gesetzes, Tieropfer zur Sühnung. | Glauben an das vollkommene Sühneopfer Jesu Christi. |
| Haltung | Furcht, Distanz, Bewusstsein der Unwürdigkeit. | Zuversicht, Ehrfurcht, Demut, Freude, Dankbarkeit. |
| Ergebnis | Temporäre Sühnung, fortwährendes Sündenbewusstsein. | Vollständige Vergebung, Gerechtigkeit, ewiges Leben. |
| Vorhang | Existierte und trennte das Heilige vom Allerheiligsten. | Zerrissen (Matthäus 27,51), freier Zugang. |
| Ort | Irdischer Tempel (Stiftshütte). | Himmlisches Heiligtum, Thron Gottes. |
Häufig gestellte Fragen zum Gebet am Thron der Gnade
1. Was bedeutet es, mit Zuversicht zum Thron der Gnade zu treten?
Es bedeutet, mit festem Glauben und Vertrauen in Gottes Charakter und seine Verheißungen zu kommen. Diese Zuversicht gründet nicht in unserer eigenen Würdigkeit, sondern in dem vollbrachten Werk Jesu Christi, der uns den Zugang ermöglicht hat. Wir dürfen wissen, dass Gott uns gnädig empfängt, weil wir durch Christus gerechtfertigt sind.
2. Muss ich perfekte Worte finden, um zu beten?
Nein, der Thron der Gnade ist gerade dafür da, unsere Unzulänglichkeiten zu überwinden. Gott versteht unsere unausgesprochenen Wünsche und selbst unsere stammelnden Gebete. Der Heilige Geist hilft uns in unserer Schwachheit und legt unsere Anliegen Gott so dar, wie es sich gebührt (Römer 8,26–27). Es geht mehr um die Herzenseinstellung als um die perfekte Formulierung.
3. Warum ist es wichtig, Gott im Gebet zu unterwerfen?
Unterwerfung im Gebet bedeutet, Gottes Souveränität und seinen allumfassenden Plan anzuerkennen. Es geht darum zu vertrauen, dass Gott weiß, was das Beste für uns ist, auch wenn es nicht unseren momentanen Wünschen entspricht. Es ist eine Haltung der Demut, die sagt: „Dein Wille geschehe“, wie Jesus selbst betete (Matthäus 26,39).
4. Wie kann ich meine Gebetsleben intensivieren und freudiger gestalten?
Indem Sie die tiefe Wahrheit verstehen und verinnerlichen, dass Sie durch Christus direkten, ungehinderten Zugang zum Thron des allmächtigen, liebevollen Vaters haben. Üben Sie sich in Ehrfurcht und Demut, aber auch in der freudigen Erwartung, dass Gott ein großzügiger Geber ist. Verbringen Sie bewusst Zeit in seiner Gegenwart, hören Sie auf seine Stimme und bringen Sie ihm Ihre Dankbarkeit und Ihren Lobpreis dar.
5. Was, wenn ich mich im Gebet unwürdig fühle?
Das Gefühl der Unwürdigkeit ist menschlich, aber der Thron, zu dem wir treten, ist ein Thron der Gnade. Gnade bedeutet unverdiente Gunst. Es ist gerade unsere Unwürdigkeit, die uns die Gnade Gottes so notwendig macht. Jesus Christus hat uns würdig gemacht, indem er unsere Sünde auf sich nahm. Kommen Sie so, wie Sie sind, mit einem demütigen Herzen, und vertrauen Sie auf Gottes Barmherzigkeit und Vergebung.
Fazit: Das unermessliche Privileg des Gebets
Ach, wie großartig und wie wunderbar ist Gottes Thron der Gnade und was uns von diesem Thron erwartet! Wir kommen zu diesem Thron nicht mit vollen Händen, nicht mit Opfern und dem Werk unserer eigenen Hände. Wir kommen mit nichts, außer mit einem Herzen, das sich der Gnade und Barmherzigkeit Gottes erinnert und den Vater als gütigen und barmherzigen Gott anerkennt. Vor diesen Thron kommen wir, so wie der Prophet Jesaja es beschreibt:
Jesaja 55,1: Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!
Hier „kaufen wir ohne Geld und umsonst“ – weil ein anderer bereits für uns bezahlt hat. Jesus Christus war es, der mit seinem Leben, mit seinem teuren Blut, uns bereits erkauft und aus der Gewalt des Satans und der Macht der Sünde losgekauft hat. Sein einmaliges Opfer, das er als der Hohepriester für uns im wahren Heiligtum darbrachte, eröffnete uns den Zugang zu unserem himmlischen Vater. Jesus Christus, unser Herr und Heiland, öffnete die Tür zum Thronsaal Gottes, des Herrschers über alle Herrscher, und er ist unser Hohepriester, durch den wir nun alle hinter den Vorhang gehen und mit Zuversicht vor den Gnadenthron des Allerhöchsten treten können, um ihm unser Lob, unseren Preis, wie auch unsere Bitten, unser Flehen und unsere Gebete mit Danksagung vorzutragen.
O, wie wunderbar ist es, Zugang zum Thron der Gnade erlangt zu haben!
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