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Das Gebet: Absicht, Herz und die Sure al-Fātiḥa

01/07/2022

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Das Gebet, im Islam als Salah bekannt, ist weit mehr als eine rituelle Abfolge von Bewegungen und Rezitationen. Es ist die direkte Verbindung des Dieners zu seinem Schöpfer, ein Moment der Einkehr, der Dankbarkeit und des Bittgebets. Doch was genau ist die Absicht hinter diesem fundamentalen Akt der Anbetung? Die Absicht, die sogenannte Niyyah, ist das Fundament, auf dem jedes Gebet ruht. Sie ist nicht nur ein verbales Bekenntnis, sondern ein tiefes inneres Verlangen, eine bewusste Hinwendung des Herzens zu Allah, dem Erhabenen. Ohne diese aufrichtige Absicht verliert das Gebet seinen Sinn und seine spirituelle Kraft. Es ist die Niyyah, die eine bloße körperliche Handlung in einen Akt der Gottesdienstlichkeit verwandelt und somit den Menschen seinem Schöpfer näherbringt.

Was ist die Absicht beim Gebet?
Die Absicht: Die Absicht ist eine Voraussetzung für die Gültigkeit des Gebets. Das heißt, man beabsichtigt in seinem Herzen, durch das Verrichten des Gebets Allah zu dienen. Dabei muss man wissen, um welches Gebet es sich genau handelt, z.B. um das Sonnenuntergangsgebet (maġrib) oder das Nachtgebet (ʿišāʾ).

Im Herzen jedes Gebets, jeder Rak'ah, steht die Rezitation der Sure al-Fātiḥa, der Eröffnungs-Sure des Heiligen Qur’an. Sie wird oft als 'Umm al-Kitāb' (Die Mutter des Buches) oder 'As-Sab’ul Mathani' (Die sieben Wiederholten) bezeichnet und ist von so immenser Bedeutung, dass kein Gebet ohne ihre Rezitation gültig ist. Die Fātiḥa ist eine umfassende Zusammenfassung der Lehren des Qur’an, eine Lobpreisung Allahs, eine Erklärung der Abhängigkeit von Ihm und ein Bittgebet um Rechtleitung. Ihr tiefes Verständnis ermöglicht es dem Betenden, die wahre Essenz des Gebets zu erfassen und seine spirituelle Erfahrung zu vertiefen.

Inhaltsverzeichnis

Die Absicht (Niyyah) im Gebet: Das Herzstück der Hingabe

Die Absicht (Niyyah) ist das unsichtbare, aber mächtigste Element jeder gottesdienstlichen Handlung im Islam. Sie ist der innere Entschluss und die bewusste Ausrichtung des Herzens auf Allah, um Seinetwillen eine bestimmte Handlung zu vollziehen. Im Kontext des Gebets bedeutet dies, dass der Betende nicht nur mechanisch handelt, sondern mit vollem Bewusstsein und dem Ziel, Allahs Wohlgefallen zu erlangen. Die Niyyah unterscheidet eine gewöhnliche Handlung von einer gottesdienstlichen; sie unterscheidet beispielsweise das Aufstehen und Niederknien im Gebet von bloßen Gymnastikübungen. Der Prophet Muhammad (Allahs Segen und Friede auf ihm) sagte: „Die Taten sind nur entsprechend den Absichten, und jeder Mensch bekommt nur das, was er beabsichtigt hat.“

Es ist wichtig zu verstehen, dass die Niyyah ein mentaler Zustand ist und nicht laut ausgesprochen werden muss. Sie entsteht im Herzen des Gläubigen, bevor er mit dem Gebet beginnt. Diese bewusste Ausrichtung auf Allah schärft den Fokus des Betenden und hilft ihm, sich von weltlichen Ablenkungen zu lösen. Sie ist der erste Schritt zur Konzentration (Khushu') im Gebet, die für eine tiefere spirituelle Erfahrung unerlässlich ist. Eine aufrichtige Niyyah verwandelt das Gebet von einer Pflicht in ein Vergnügen, von einer Last in eine Erleichterung.

Sure al-Fātiḥa: Eine Analyse ihrer tiefen Bedeutung

Die Sure al-Fātiḥa ist das Herzstück des Gebets und eine der am häufigsten rezitierten Suren des Qur’an. Ihre sieben Verse umfassen die grundlegenden Prinzipien des islamischen Glaubens und der Beziehung zwischen Schöpfer und Geschöpf. Lassen Sie uns die Bedeutung jedes Verses detailliert betrachten:

1. „Al-ḥamdu lillāhi rabbi-l-ʿālamīn“ – (Alles) Lob gebührt Allah, dem Herrn der Weltenbewohner.

Dieser Vers eröffnet die Sure mit einer universellen Erklärung des Lobpreises. „Al-ḥamdu lillāhi“ bedeutet, dass jegliches Lob, jede Dankbarkeit und jede Anbetung ausschließlich Allah zusteht. Es ist nicht nur ein Akt des Lobens, sondern auch eine Anerkennung Seiner Vollkommenheit, Seiner Eigenschaften und Seiner Taten. Ob sichtbar oder verborgen, alle Gnadengaben stammen von Ihm. Der Betende drückt hier seine tiefe Liebe, Ehrfurcht und höchste Verherrlichung für Allah aus.

Das Wort „Rabbi“ (Herr) ist zentral. Es bedeutet, dass Allah der Schöpfer ist, der alles aus dem Nichts hervorgebracht hat. Er ist der alleinige Besitzer und Eigentümer aller Dinge. Er lenkt und leitet alle Angelegenheiten der Schöpfung und überhäuft Seine Diener mit unzähligen Gnadengaben. Die Herrschaft (Rububiyyah) Allahs ist allumfassend und schließt die Versorgung, Erhaltung und Lenkung des gesamten Universums ein.

„Al-ʿālamīn“ (die Weltenbewohner) erweitert den Horizont dieses Lobpreises. Es umfasst alles, was existiert, außer Allah selbst. Dazu gehören die Welten der Menschen, der Dschinn, der Engel, der Tiere, Pflanzen und alle anderen uns bekannten und unbekannten Schöpfungen. Dies unterstreicht die Universalität von Allahs Herrschaft und die Abhängigkeit aller Geschöpfe von Ihm.

2. „Ar-raḥmāni-r-raḥīm“ – Dem Allerbarmer, dem Barmherzigen.

Diese beiden Namen Allahs, „Ar-Raḥmān“ und „Ar-Raḥīm“, betonen Seine grenzenlose Barmherzigkeit. „Ar-Raḥmān“ beschreibt die umfassende Barmherzigkeit Allahs, die alles und jeden einschließt, sowohl Gläubige als auch Ungläubige, Menschen, Tiere und die gesamte Schöpfung. Es ist die Barmherzigkeit, die sich in Seiner Fürsorge, Seiner Versorgung und Seinem Schutz manifestiert.

„Ar-Raḥīm“ hingegen beschreibt die spezifische Barmherzigkeit Allahs, die Seinen gläubigen Dienern vorbehalten ist. Diese Barmherzigkeit führt sie zur Rechtleitung, belohnt ihre guten Taten und gewährt ihnen das Paradies. Die Wiederholung dieser Eigenschaft nach dem Lobpreis erinnert den Gläubigen daran, dass Allahs Macht und Herrschaft immer von Seiner Barmherzigkeit begleitet werden, was Hoffnung und Trost spendet.

3. „Māliki yaumi-d-dīn“ – Dem Herrscher am Tag des Gerichts.

Dieser Vers lenkt die Aufmerksamkeit auf den Jüngsten Tag, den Tag der Abrechnung und Belohnung. Allah ist der alleinige Herrscher (Mālik) an diesem Tag, an dem niemand außer Ihm Macht oder Autorität besitzt. Dieser Vers dient als mächtige Erinnerung für den Muslim an die Endlichkeit des Diesseits und die unvermeidliche Rückkehr zu Allah. Er motiviert den Gläubigen, rechtschaffene Taten zu verrichten und sich auf diesen entscheidenden Tag vorzubereiten. Es ist ein Aufruf zur Verantwortlichkeit und zur Besinnung auf die Konsequenzen der eigenen Handlungen im Diesseits.

4. „Iyyāka naʿbudu wa iyyāka nastaʿīn“ – Dir allein dienen wir, und zu Dir allein flehen wir um Hilfe.

Dieser Vers ist das Herzstück der Fātiḥa und fasst die Essenz des Monotheismus (Tawhid) zusammen. „Iyyāka naʿbudu“ (Dir allein dienen wir) bedeutet, dass alle Formen der Anbetung, ob im Herzen, mit der Zunge oder durch körperliche Handlungen, ausschließlich Allah gewidmet sind. Dies schließt Gebet, Bittgebet, Opfer, Gelübde, Furcht, Liebe und Hoffnung ein. Es ist eine Ablehnung jeglicher Form von Götzendienst oder der Beigesellung von Partnern zu Allah in der Anbetung.

„Wa iyyāka nastaʿīn“ (und zu Dir allein flehen wir um Hilfe) bedeutet, dass wir nur bei Allah Hilfe für all unsere Angelegenheiten suchen. Denn alles liegt in Seiner Hand; nichts und niemand außer Ihm hat Macht, nicht einmal über das Gewicht eines Stäubchens. Dies stärkt das Vertrauen in Allah und lehrt den Gläubigen, sich in allen Lebenslagen an Ihn zu wenden. Die Reihenfolge ist hier wichtig: Zuerst kommt die Anbetung, dann die Bitte um Hilfe, da die Anbetung Allahs die Voraussetzung dafür ist, dass man Seine Hilfe erhält.

5. „Ihdinā-ṣ-ṣirāṭa-l-mustaqīm“ – Leite uns den geraden Weg!

Nach der Erklärung der Anbetung und der Bitte um Hilfe folgt das Bittgebet um Rechtleitung. „Ihdinā-ṣ-ṣirāṭa-l-mustaqīm“ ist die Bitte an Allah, den Betenden auf den geraden Weg zu führen, ihm diesen Weg zu zeigen und ihm zu helfen, ihn zu gehen. Es ist auch eine Bitte um Standhaftigkeit auf diesem Weg bis zum Tod.

Der gerade Weg ist die Religion des Islams, die klar und deutlich ist und zum Wohlgefallen Allahs und in Sein Paradies führt. Es ist der Weg, den uns der Prophet Muhammad (Allahs Segen und Friede auf ihm) zeigte. Es gibt keinen anderen Weg, um wahre Glückseligkeit zu erreichen, außer diesem Weg zu folgen und fest und standhaft auf ihm zu bleiben. Dieses Bittgebet ist ein Eingeständnis der menschlichen Schwäche und des ständigen Bedürfnisses nach göttlicher Führung.

6. „Ṣirāṭa-l-laḏīna anʿamta ʿalayhim“ – Den Weg derjenigen, denen Du Gunst erwiesen hast,

Dieser Vers präzisiert, welcher gerade Weg gemeint ist. Es ist der Weg derer, denen Allah Seine Gnade und Rechtleitung gewährte. Dazu gehören die Propheten, die Wahrhaftigen, die Märtyrer und die Rechtschaffenen, wie es an anderer Stelle im Qur’an erklärt wird. Sie sind diejenigen, die die Wahrheit erkannten und ihr folgten, die Allah gehorchten und Sein Wohlgefallen suchten. Ihre Lebenswege dienen als Vorbilder und Inspiration für die Gläubigen.

7. „Ġayri-l-maġḍūbi ʿalayhim wa lā-ḍ-ḍāllīn“ – Nicht derjenigen, die (Deinen) Zorn erregt haben, und nicht der Irregehenden!

Dieser letzte Vers ist eine Abgrenzung vom falschen Weg und eine Bitte um Schutz vor ihm. Es ist eine Bitte, nicht den Weg derjenigen einzuschlagen, auf die Allah wütend ist und die Sein Missfallen erregt haben. Dies sind diejenigen, die die Wahrheit kannten, aber nicht danach handelten, aus Hochmut, Eigensinn oder Neid. Das klassische Beispiel hierfür sind die Juden, die die Offenbarung kannten, aber oft davon abwichen.

Ebenso bittet der Gläubige, nicht dem Weg der Irregegangenen zu folgen. Dies sind diejenigen, die aus Unwissenheit und mangelndem Wissen den Weg der Wahrheit nicht fanden. Das klassische Beispiel hierfür sind die Christen, die zwar aufrichtig sein mögen, aber in ihren Überzeugungen und Praktiken irregeleitet wurden. Dieses Bittgebet unterstreicht die Bedeutung von Wissen und aufrichtiger Absicht, um den geraden Weg zu erkennen und zu beschreiten.

Warum ist die Fātiḥa so zentral für das Gebet?

Die Sure al-Fātiḥa ist aus mehreren Gründen von zentraler Bedeutung für das islamische Gebet und das Leben eines Muslims:

  • Umfassende Zusammenfassung: Sie fasst die wesentlichen Aspekte des Glaubens zusammen: Lobpreis Allahs, Anerkennung Seiner Herrschaft und Barmherzigkeit, die Gewissheit des Jüngsten Tages, die Exklusivität der Anbetung und der Bitte um Hilfe, und das Bittgebet um Rechtleitung.
  • Direkte Kommunikation: Die Fātiḥa ist ein Dialog zwischen dem Betenden und Allah. In einem Hadith Qudsi wird berichtet, dass Allah antwortet, wenn der Diener die Fātiḥa rezitiert, Vers für Vers.
  • Säule des Gebets: Kein Gebet ist ohne die Rezitation der Fātiḥa gültig. Der Prophet (s.a.w.) sagte: „Es gibt kein Gebet für denjenigen, der nicht die Eröffnungs-Sure des Buches rezitiert hat.“
  • Heilung und Segen (Barakah): Die Fātiḥa wird auch als 'Ar-Ruqyah' (Heilung) bezeichnet und hat die Kraft, Krankheiten zu heilen und Segen zu bringen, wenn sie mit aufrichtigem Glauben rezitiert wird.
  • Ständige Erinnerung: Durch ihre häufige Rezitation in jedem Gebet dient sie als ständige Erinnerung an die Grundlagen des Glaubens und die Beziehung zu Allah.

Vergleich der Wege: Wissen und Unwissenheit

Die Sure al-Fātiḥa unterscheidet klar zwischen zwei Arten von Irreleitung, die beide vermieden werden sollen:

GruppeMerkmalBeispiel (gemäß Text)Folge
Die Zorn Erregten (al-maghdūbi ʿalayhim)Kannten die Wahrheit, handelten aber nicht danach; wählten bewusst den falschen Weg.JudenZorn und Missfallen Allahs
Die Irregegangenen (aḍ-ḍāllīn)Fanden den Weg der Wahrheit aus Unwissenheit nicht; irrten sich aus Mangel an Wissen.ChristenVerirrung vom geraden Weg

Diese Unterscheidung lehrt uns die Bedeutung von Wissen ('ilm) und dessen Anwendung ('amal). Es ist nicht nur wichtig, die Wahrheit zu kennen, sondern auch danach zu handeln und sich vor Unwissenheit zu schützen, die zu Fehlern führen kann. Das Bittgebet in der Fātiḥa ist somit ein umfassendes Bittgebet um Wissen, Rechtleitung und die Fähigkeit, danach zu handeln.

Häufig gestellte Fragen zur Absicht und zur Fātiḥa

Muss die Fātiḥa in jedem Gebet rezitiert werden?

Ja, die Rezitation der Sure al-Fātiḥa ist eine der Säulen (arkan) des Gebets. Ohne ihre Rezitation ist das Gebet nach der Mehrheit der Gelehrten ungültig. Sie muss in jeder Gebetseinheit (Rak’ah) rezitiert werden.

Was passiert, wenn man die Fātiḥa nicht richtig versteht?

Auch wenn das Gebet formal gültig ist, wenn die Fātiḥa korrekt rezitiert wird, verliert man ohne Verständnis der Bedeutung einen Großteil der spirituellen Tiefe und Konzentration (Khushu'). Das Verständnis der Fātiḥa hilft, die Verbindung zu Allah zu vertiefen und die Absicht des Gebets zu stärken.

Ist die Fātiḥa auch außerhalb des Gebets bedeutsam?

Absolut. Die Fātiḥa ist eine Quelle der Heilung (Ruqyah), des Segens (Barakah) und der Reflexion. Muslime rezitieren sie oft außerhalb des Gebets für Schutz, Heilung oder einfach zur Erinnerung an Allah und Seine Eigenschaften. Ihre Botschaft ist universell und relevant für jeden Moment des Lebens.

Wie kann ich meine Absicht (Niyyah) im Gebet stärken?

Um die Niyyah zu stärken, sollte man sich vor dem Gebet einen Moment Zeit nehmen, um sich auf Allah zu konzentrieren und sich bewusst zu machen, warum man betet. Das Verständnis der Bedeutung der Fātiḥa und anderer Gebetsformeln hilft ebenfalls, die Konzentration zu vertiefen. Man sollte versuchen, weltliche Gedanken vor dem Gebet abzulegen und sich ganz auf die Anbetung einzulassen. Regelmäßiges Nachdenken über die Größe Allahs und die Bedeutung des Gebets kann ebenfalls dazu beitragen.

Das Gebet ist eine tägliche Möglichkeit, sich neu auszurichten und die Verbindung zu Allah zu stärken. Die Absicht ist der Schlüssel, der dieses Tor öffnet, und die Sure al-Fātiḥa ist der Wegweiser, der uns auf dem Pfad der Rechtleitung führt. Möge Allah uns allen helfen, unsere Gebete mit aufrichtiger Absicht und tiefem Verständnis zu verrichten.

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