Was ist eine islamische Bestattung?

Das Totengebet im Islam: Ein umfassender Leitfaden

15/05/2025

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Bismillāhir-rahmānir-rahīm. Al-hamdu lillāhi rabbil-ālamīn. Was-salātu was-salāmu alā rasūlinā muhammad, wa alā ālihi wa sahbihi ajma’īn. In Deinem Namen lernen wir diese Dinge und nur Dir gegenüber müssen wir uns am Ende rechtfertigen.

Was ist bei der Bestattung eines Muslims zu beachten?
Zehnter Punkt: Aus Respekt für den Toten ist es empfohlen, sich mit der Vorbereitung des Toten und seiner Bestattung zu beeilen. Tränen auf den Toten sind nicht verboten, soweit sie nicht von obigen Handlungen begleitet sind. Sie trauernde Person soll das Leid geduldig tragen und auf den Trost und die Belohnung Gottes warten.

Das Leben eines Muslims ist von Geburt bis zum Tod von spezifischen Rechten und Pflichten geprägt, die die Gemeinschaft stärken und die Beziehungen zu ALLĀH festigen. Eines der fundamentalsten Rechte, das ein verstorbener Muslim bei seinen lebenden Geschwistern hat, ist die angemessene Vorbereitung und Durchführung seiner Bestattung. Diese ehrenvolle Aufgabe ist eine gemeinschaftliche Verpflichtung, bekannt als Fard al-Kifāyah. Das bedeutet, wenn eine ausreichende Anzahl von Muslimen diese Pflicht erfüllt, sind alle anderen davon entbunden. Sollte jedoch niemand dieser Pflicht nachkommen, tragen alle Muslime der Gemeinschaft die Sünde. Zu diesen Rechten gehören das Waschen des Verstorbenen, das Einhüllen in ein Leichentuch (Kafan), das Verrichten des Beerdigungsgebets (Salāt al-Janāzah) und schließlich die Bestattung. Die Wichtigkeit dieser Pflichten kann nicht hoch genug eingeschätzt werden, da sie die letzte Ehre sind, die einem Muslim auf dieser Welt zuteilwird, und eine Quelle des Segens für diejenigen, die daran teilnehmen.

Der gewaltige Lohn für die Teilnahme am Totengebet

Die islamische Lehre legt großen Wert auf die Teilnahme an Beerdigungen und dem Totengebet. Der Gesandte ALLĀHs (ﷺ) hat uns über den immensen Lohn informiert, der denjenigen zuteilwird, die dieser ehrenvollen Pflicht nachkommen. Er sagte sinngemäß: „Wer an der Beerdigung teilnimmt, bis das Gebet verrichtet wurde, erhält einen Qirāt (an Belohnung), und wer daran teilnimmt, bis der Verstorbene begraben wurde, erhält zwei Qirāt.“ Als er (‚alayhis-salātu was-salāmu) über die Größe der zwei Qirāt gefragt wurde, antwortete er sinngemäß: „Wie zwei gewaltige Berge.“ (Sahih al-Bukhārī und Sahih Muslim). Diese Hadithe unterstreichen nicht nur die Bedeutung der Beerdigungsriten, sondern auch die großzügige Belohnung, die ALLĀH für die Erfüllung dieser gemeinschaftlichen Pflicht bereithält. Die Vorstellung von zwei gewaltigen Bergen als Maßstab für die Belohnung sollte jeden Muslim dazu anspornen, diese Gelegenheit nicht zu verpassen, da sie eine unschätzbare Quelle des Segens und der Vergebung sein kann. Die Teilnahme an der Janāzah ist somit nicht nur ein Akt der Solidarität mit dem Verstorbenen und seiner Familie, sondern auch eine Investition in das eigene Jenseits.

Ablauf des Beerdigungsgebets (Salāt al-Janāzah)

Das Beerdigungsgebet, Salāt al-Janāzah, unterscheidet sich wesentlich von den fünf täglichen Pflichtgebeten. Es ist ein einzigartiges Gebet, das ausschließlich im Stehen verrichtet wird und weder Verbeugungen (Rukū‘) noch Niederwerfungen (Sujud) beinhaltet. Diese Einfachheit ist eine Gnade ALLĀHs und erleichtert es der muslimischen Gemeinschaft, dieser wichtigen Verpflichtung nachzukommen, selbst wenn die Umstände schwierig sind. Das Gebet ist strukturiert durch vier Takbīrāt – das Sagen von „Allāhu akbar“ (ALLĀH ist am größten). Bei jedem dieser Takbīrāt werden die Hände wie gewohnt beim Gebet gehoben und anschließend wieder unmittelbar unter der Brust platziert. Es ist ein Moment der Konzentration, der Demut und des Bittgebets für den Verstorbenen und die gesamte Ummah, frei von den physischen Bewegungen anderer Gebete, um den Fokus vollständig auf die spirituelle Fürbitte zu legen.

1. Erster Takbīr: Die Absicht und Sūrat al-Fātihah

Das Gebet beginnt mit dem ersten Takbīr, dem sogenannten Takbīrat al-Ihrām. Mit diesem Takbīr tritt man in den Zustand des Gebets ein, der die Konzentration auf ALLĀH und die Abkehr von weltlichen Gedanken erfordert. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass man vor dem Aussprechen dieses Takbīrs die bewusste Absicht (Niyyah) fasst, eine gemeinschaftliche Pflicht (Fard al-Kifāyah) zu erfüllen und nicht nur ein freiwilliges Gebet. Diese klare Absicht ist die Grundlage für die Gültigkeit des Gebets und spiegelt die Ernsthaftigkeit wider, mit der diese Pflicht angegangen wird. Nach dem ersten Takbīr rezitiert man Sūrat al-Fātihah, die Eröffnungssure des Korans, die in fast jedem islamischen Gebet eine zentrale Rolle spielt. Obwohl es theoretisch auch nach einem der anderen Takbīrāt rezitiert werden könnte, ist es am besten und empfohlen, dies direkt nach dem ersten Takbīr zu tun, um der Sunnah des Propheten (ﷺ) zu folgen. Es ist auch empfohlen, vor Sūrat al-Fātihah den Ta’awwudh („A’ūdhu billāhi minash-shaytānir-rajīm“ – „Ich suche Schutz bei ALLĀH vor dem verfluchten Satan“) aufzusagen, um sich von shaytanischen Einflüsterungen zu schützen und sich ganz auf das Gebet zu konzentrieren. Sūrat al-Fātihah zu rezitieren, ist eine verpflichtende Säule dieses Gebets.

2. Zweiter Takbīr: Salawāt auf den Gesandten ALLĀHs (ﷺ)

Nach dem zweiten Takbīr sendet man Segenswünsche (Salawāt) auf den Gesandten ALLĀHs (ﷺ). Dies ist ein Ausdruck der Liebe und des Respekts für den Propheten Muhammad (ﷺ) und eine Möglichkeit, seine Stellung bei ALLĀH zu ehren. Es ist ein Akt der Dankbarkeit für seine Führung und seine Botschaft, die uns den Weg zu ALLĀH geebnet hat. Das Minimum hierfür ist das Sprechen von „Allāhumma salli alā muhammad“ („Oh ALLĀH, sende Segen auf Muhammad“). Die empfohlene und vollständigere Variante ist diejenige, die man auch am Ende von regulären Gebeten aufsagt, bekannt als Salāt al-Ibrāhīmiyyah. Diese umfängliche Form der Salawāt beinhaltet Segenswünsche für den Propheten Muhammad (ﷺ) und seine Familie, sowie für den Propheten Ibrāhīm (Abraham) und seine Familie. Es ist ein tiefgründiges Bittgebet, das die Verbindung zu den Propheten ALLĀHs stärkt und die spirituelle Dimension des Gebets vertieft, indem es uns an die Kontinuität der göttlichen Botschaft erinnert.

3. Dritter Takbīr: Du’ā für den Verstorbenen

Nach dem dritten Takbīr folgt der wichtigste Teil des Beerdigungsgebets: das Sprechen von Du’ās (Bittgebeten) speziell für den Verstorbenen. Dies ist der Moment, in dem die Gemeinschaft ALLĀH um Vergebung, Barmherzigkeit und einen hohen Rang für den Verstorbenen bittet. Es ist ein Akt der Fürbitte, der dem Verstorbenen im Jenseits zugutekommen kann, da er nun auf die Gnade ALLĀHs angewiesen ist. Die Mindest-Du’ā, die in diesem Moment gesprochen werden sollte, ist: „Allāhumma-ghfir lah(u)“ („Oh ALLĀH, vergib ihm/ihr“). Obwohl es längere und ausführlichere Bittgebete gibt, die in dieser Phase gesprochen werden können – und die in ihrer Schönheit und Tiefe sehr bewegend sind – wird hier die kürzeste Form erwähnt, um die Komplexität zu reduzieren. Diese Du’ā, so kurz sie auch sein mag, ist von immenser Bedeutung, da sie die aufrichtige Bitte um Vergebung für die Sünden des Verstorbenen darstellt und seine letzte Hoffnung auf die Barmherzigkeit des Allmächtigen. Die Aufrichtigkeit und Reinheit der Absicht in diesem Bittgebet sind von größter Bedeutung.

4. Vierter Takbīr: Du’ā für die Allgemeinheit der Muslime

Nach dem vierten und letzten Takbīr spricht man eine Du’ā für die Allgemeinheit der Muslime. Diese Du’ā ist keine Pflicht, sondern lediglich empfohlen und unterstreicht den Geist der Solidarität und Einheit innerhalb der Ummah. Sie erinnert uns daran, dass wir als Muslime eine große Familie sind, die sich gegenseitig unterstützt und füreinander betet, sowohl im Leben als auch nach dem Tod. Ein empfohlenes Bittgebet ist: „Allāhumma lā tahrimnā ajrah(u) wa lā taftinnā ba’dah(u) wa-ghfir lanā wa lah(u)“ („Oh ALLĀH, halte uns nicht von seinem Lohn ab, setze uns nach ihm keinen Versuchungen aus und vergib uns und ihm/ihr.“). Dieses Bittgebet ist besonders relevant, da es uns vor Prüfungen nach dem Verlust des Verstorbenen schützt und uns daran erinnert, dass der Tod eine Prüfung für die Lebenden sein kann. Alternativ kann auch jede andere Du’ā gesprochen werden, die die gesamte muslimische Gemeinschaft betrifft, wie zum Beispiel die bekannte Koran-Du’ā: „Rabbanā ātinā fid-Dunyā hasanataw-wa fil-Ākhirati hasanataw-wa qinā adhāban-nār“ („Unser Herr, gib uns Gutes in dieser Welt und Gutes im Jenseits und schütze uns vor der Strafe des Feuers.“). Theoretisch wäre es auch möglich, nach dem vierten Takbīr einfach nichts zu sagen und den Salām des Imāms abzuwarten, doch das Bittgebet für die Gemeinschaft ist eine schöne Sunnah und stärkt das Gefühl der Zusammengehörigkeit und des gegenseitigen Verantwortungsgefühls.

Salām am Ende des Gebets

Das Gebet wird schließlich mit den beiden Salām’s abgeschlossen, genau wie bei den regulären Gebeten. Während man weiterhin im Stehen verharrt, dreht man den Kopf zuerst nach rechts und spricht „As-salāmu alaykum wa rahmatullāh“ („Friede sei mit euch und die Barmherzigkeit ALLĀHs“), und dann nach links, während man denselben Gruß wiederholt. Mit dem Salām endet das Beerdigungsgebet, und die Gläubigen sind nun bereit, den Verstorbenen zur letzten Ruhestätte zu begleiten, sofern dies vorgesehen ist. Der Salām symbolisiert das Verlassen des Gebetszustandes und die Rückkehr zur weltlichen Umgebung, aber mit dem Bewusstsein der erfüllten Pflicht und der Hoffnung auf ALLĀHs Barmherzigkeit. Es ist ein friedlicher Abschluss eines tief spirituellen Moments.

Zusammenfassung der Pflichten im Salāt al-Janāzah

Um die Struktur und die wesentlichen Bestandteile des Beerdigungsgebets zu verdeutlichen, hier eine Zusammenfassung der sieben Pflichten, die im Salāt al-Janāzah enthalten sind:

  • Die aufrichtige Absicht (Niyyah), das Gebet für ALLĀH zu verrichten und die Pflicht zu erfüllen.
  • Das Stehen während des gesamten Gebets, da es keine Verbeugungen oder Niederwerfungen gibt.
  • Das Aussprechen der vier Takbīrāt, die das Gebet strukturieren und seine einzelnen Abschnitte einleiten.
  • Die Rezitation von Sūrat al-Fātihah, am besten direkt nach dem ersten Takbīr.
  • Das Sprechen von Salawāt für den Gesandten ALLĀHs (ﷺ) nach dem zweiten Takbīr.
  • Das Verrichten einer Du’ā für den Verstorbenen nach dem dritten Takbīr, um ALLĀH um Vergebung und Barmherzigkeit zu bitten.
  • Das Aussprechen des Salām am Ende des Gebets, um den Gebetszustand ordnungsgemäß zu beenden.

Das Einhalten dieser Pflichten gewährleistet die Gültigkeit des Beerdigungsgebets und ermöglicht es der Gemeinschaft, ihre letzte Ehre dem Verstorbenen zu erweisen und gleichzeitig eine große Belohnung von ALLĀH zu erlangen. Es ist ein umfassendes Paket von Handlungen, die sowohl den Verstorbenen ehren als auch den Lebenden spirituellen Nutzen bringen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Totengebet

Was tun, wenn man Sūrat al-Fātihah nicht rechtzeitig zu Ende rezitieren kann?

Diese Situation kann vorkommen, insbesondere wenn man sich einem Gemeinschaftsgebet anschließt, das bereits begonnen hat und man Sūrat al-Fātihah nicht vollständig rezitieren kann, bevor der Imām den nächsten Takbīr ausspricht. Wenn die Zeit nicht ausreicht, um Sūrat al-Fātihah vollständig zu rezitieren, wird die Verpflichtung des verbleibenden Abschnitts der Rezitation durch die Rezitation des Imāms erfüllt. In einem solchen Fall kann man einfach aufhören und dem Imām direkt folgen, vorausgesetzt, der Imām hat Sūrat al-Fātihah überhaupt in seinem Gebet rezitiert.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass es unterschiedliche Madhhab (Rechtsschulen) im Islam gibt, die hier unterschiedliche Ansichten vertreten können. Zum Beispiel wird laut dem Hanafi Madhhab Sūrat al-Fātihah im Beerdigungsgebet gar nicht rezitiert. Wenn man also einem Hanafi-Imām im Beerdigungsgebet folgt und dieser keine Fātihah rezitiert, sollte man in einem solchen Fall nicht einfach dem Imām zum nächsten Takbīr folgen, ohne selbst die Fātihah beendet zu haben. Stattdessen sollte man Sūrat al-Fātihah etwas schneller zu Ende rezitieren, bevor man den nächsten Takbīr ausspricht. Solange der Imām nicht bereits den übernächsten Takbīr erreicht, während man noch nicht den nächsten Takbīr aufgesagt hat, wäre das eigene Gebet noch gültig. Dies sollte normalerweise kein Problem darstellen, wenn man zügig rezitiert und der Imām nicht ungewöhnlich schnell betet.

Es ist wichtig zu verstehen, dass es im Allgemeinen nicht möglich ist, einfach den nächsten Takbīr aufzusagen und Sūrat al-Fātihah dann danach zu Ende zu rezitieren. Die Reihenfolge der Gebetsbestandteile ist von großer Bedeutung für die Gültigkeit des Gebets, und das Überspringen oder Verschieben von Säulen kann die Gültigkeit beeinträchtigen. Daher ist es ratsam, sich mit den spezifischen Regeln der Rechtsschule vertraut zu machen, der man folgt, oder im Zweifelsfall die sicherste Vorgehensweise zu wählen.

Dieses Wissen ist entscheidend für jeden Muslim, um die Gebete korrekt zu verrichten und sicherzustellen, dass man die Belohnung für seine Handlungen erhält. Es zeigt auch die Wichtigkeit des Wissenserwerbs im Islam und die Notwendigkeit, sich mit den Regeln und Empfehlungen der Religion vertraut zu machen. Das Totengebet ist ein Zeichen der Solidarität, der Liebe und der Fürsorge innerhalb der muslimischen Gemeinschaft, und das korrekte Verrichten dieser Pflicht ist ein Akt der Anbetung und des Gehorsams gegenüber ALLĀH.

Und ALLĀH ta’ālā weiß es am besten.

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