28/05/2024
Der Freitag nimmt im Islam eine herausragende Stellung ein, denn er ist ein Tag voller Segen, besonderer Vorzüge und einzigartiger Gelegenheiten, Allah näherzukommen und Seinen Wohlgefallen zu erlangen. Zahlreiche Überlieferungen des Propheten Muhammad (Allahs Segen und Frieden auf ihm) betonen die Wichtigkeit dieses Tages, der als das „Oberhaupt der Tage“ gilt. Er ist nicht nur ein Tag der Gemeinschaft und des Gebets, sondern auch eine Zeit, in der die Herzen der Gläubigen für spirituelle Reflexion und die Annahme von Bittgebeten besonders offen sind. Es ist eine Ehre für die muslimische Gemeinschaft, diesen Tag erhalten zu haben, an dem so viele Segnungen herabgesandt werden. Doch mit diesen Vorzügen gehen auch bestimmte Regeln und Empfehlungen einher, die es zu beachten gilt, um den Freitag in seiner vollen spirituellen Bedeutung zu erfassen und zu leben.

Das Freitagsgebet, bekannt als Salat al-Dschumua, ist eine der wichtigsten Pflichten im Islam und ein zentraler Bestandteil des Freitags. Es ist ein Akt des gemeinsamen Gottesdienstes, der die muslimische Gemeinschaft stärkt und ihre Einheit unterstreicht. Allah – erhaben ist Er – sagt im Qur'an:
„O die ihr glaubt, wenn zum Gebet gerufen wird am Freitag, dann eilt zu Allahs Gedenken und lasst das Kaufgeschäft. Das ist besser für euch, wenn ihr wisst.“ [Al-Dschumua:9]
Diese klare Aufforderung verdeutlicht die Priorität des Gebets über weltliche Geschäfte an diesem Tag. Ibn Al-Qayyim – möge Allah ihm barmherzig sein – hob in seinem Werk „Zad Al-Maad“ (1/376) die gewaltige Bedeutung des Freitagsgebets hervor, indem er sagte: „Das Freitagsgebet gehört zu den wichtigsten Pflichten des Islams und größten Versammlungen der Muslime. Es ist gewaltiger und verpflichtender als jede Versammlung, in der sie zusammenkommen, bis auf die Versammlung bei Arafah. Wer es aus Geringschätzung unterlässt, dessen Herz wird von Allah versiegelt.“
Die islamische Lehre warnt eindringlich davor, das Freitagsgebet leichtfertig zu vernachlässigen. Dies wird durch mehrere Hadithe untermauert, die die schwerwiegenden Konsequenzen eines solchen Handelns aufzeigen:
- Abu Al-Dschad Ad-Dumari, ein Prophetengefährte, berichtete, dass der Prophet (Allahs Segen und Frieden auf ihm) sagte: „Wer drei Freitagsgebete aus Geringschätzung unterlässt, dessen Herz wird Allah versiegeln.“ (Überliefert von Abu Dawud, 1052; Al-Albani stufte dies als authentisch ein). Dies unterstreicht die spirituelle Gefahr, die von der Nachlässigkeit dieses Gebets ausgeht. Ein versiegeltes Herz ist ein Herz, das für die Führung und Barmherzigkeit Allahs unempfänglich wird.
- Abdullah Ibn Umar und Abu Huraira berichteten, dass sie den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden auf ihm) auf seiner Minbar stehend sagen hörten: „Die Leute sollen aufhören die Freitagsgebete zu unterlassen, ansonsten wird Allah ihre Herzen versiegeln, sodass sie zu den Unachtsamen gehören werden.“ (Überliefert von Muslim, 865). Diese Überlieferung betont nicht nur die individuelle Verantwortung, sondern auch die kollektive Bedeutung des Freitagsgebets für die gesamte Ummah. Es ist eine Mahnung, wachsam zu bleiben und nicht in Unachtsamkeit zu verfallen.
Besondere Sunnahs und Empfehlungen für den Freitag
Neben der Pflicht des Freitagsgebets gibt es eine Reihe von Sunnahs und empfohlenen Handlungen, die den Freitag zu einem noch segensreicheren Tag machen und die spirituelle Verbindung des Gläubigen stärken.
1. Die Stunde der angenommenen Bittgebete
Der Freitag birgt eine ganz besondere Stunde, in der Bittgebete (Du'a) erhört und angenommen werden. Dies ist eine der größten Gnaden Allahs, die Gläubigen die Möglichkeit zu geben, ihre tiefsten Wünsche und Bitten direkt an Ihn zu richten. Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtete, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden auf ihm) das Freitagsgebet erwähnte und sagte: „Darin befindet sich eine Stunde, wenn der muslimische Diener sie erreicht, während er stehend betet und Allah – erhaben ist Er – um etwas bittet, wird Er ihm dies gewähren.“ Und er wies mit seiner Hand darauf hin, dass es eine kurze Zeitspanne ist.“ (Überliefert von Al-Bukhary, 893 und Muslim, 852). Obwohl der genaue Zeitpunkt dieser Stunde unter Gelehrten diskutiert wird, sind die gängigsten Meinungen, dass sie entweder zwischen dem Asr-Gebet und dem Sonnenuntergang oder während der Zeit, in der der Imam auf der Minbar sitzt und die Predigt hält, liegt. Unabhängig vom genauen Zeitpunkt ist es ratsam, den gesamten Freitag über vermehrt Bittgebete zu sprechen, in der Hoffnung, diese gesegnete Stunde zu treffen.
2. Die Rezitation der Sure Al-Kahf
Die Rezitation der Sure Al-Kahf (Höhle) am Freitag ist eine weitere hochgelobte Praxis. Abu Said Al-Khudri berichtete, dass der Prophet (Allahs Segen und Frieden auf ihm) sagte: „Wer die Sure Al-Kahf am Freitag rezitiert, so wird er ihm von diesem Freitag bis zum nächsten, das Licht erhellt.“ (Überliefert von Al-Hakim und Al-Albani stufte dies in „Sahih At-Targhib“ (836) als authentisch ein). Dieses Licht ist nicht nur ein physisches Licht, sondern ein metaphorisches Licht, das den Gläubigen auf seinem Weg rechtleitet, ihn vor Irreführung schützt und ihm inneren Frieden schenkt. Es ist eine Quelle der Barakah (Segen) und des Schutzes vor Fitnah (Prüfungen und Versuchungen).
3. Häufiges Sprechen von Segenswünschen für den Propheten
Der Freitag ist auch ein idealer Tag, um vermehrt Segenswünsche (Salawat) auf den Propheten Muhammad (Allahs Segen und Frieden auf ihm) zu sprechen. Aus Ibn Aus berichtete, dass der Prophet (Allahs Segen und Frieden auf ihm) sagte: „Zu euren besten Tagen gehört der Freitag. An ihm wurde Adam – der Friede sei auf ihm – erschaffen, an ihm ist er gestorben, an ihm wird in das Horn geblasen und jene, die dieses Geräusch hören, werden sterben. So spricht oft Segenswünsche für mich, denn eure Segenswünsche werden mir vorgelegt.“ Die Gefährten fragten: „O Gesandter Allahs, wie sollen dir unsere Segenswünsche vorgelegt werden, wenn du bereits verwesen bist?“ Er antwortete: „Allah – der Mächtige und Gewaltige – hat der Erde verboten die Körper der Propheten in sich aufzunehmen.“ (Überliefert von Abu Dawud, 1047; als authentisch eingestuft von Ibn Al-Qayyim und Al-Albani). Dies zeigt die besondere Verbindung, die zwischen den Gläubigen und dem Propheten am Freitag besteht. Das Sprechen von Salawat ist ein Ausdruck der Liebe und Wertschätzung für den Propheten und bringt zahlreiche Belohnungen mit sich. In Aun Al-Ma'bud steht treffend: „Er wählte den Freitag aus, weil dieser das Oberhaupt der Tage ist und der Auserwählte (Muhammad) ist das Oberhaupt der Geschöpfe. Das Gebet an ihm hat einen Vorzug, den es an anderen Tagen nicht gibt.“
Was am Freitag zu unterlassen ist: Die Vermeidung von Übertreibung
Trotz all dieser Vorzüge und empfohlenen Gottesdienste hat der Prophet (Allahs Segen und Frieden auf ihm) es verboten, den Freitag und die Nacht zum Freitag für bestimmte Gottesdienste auszuwählen, die nicht explizit in der islamischen Gesetzgebung überliefert wurden. Dies dient dazu, Übertreibungen im Glauben zu vermeiden und die reine Sunnah zu bewahren.

Das Verbot, den Freitag speziell auszuwählen
Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtete, dass der Prophet (Allahs Segen und Frieden auf ihm) sagte: „Von allen Nächten, wählt nicht die Nacht des Freitags speziell aus. Und von allen Tagen wählt nicht den Freitag speziell aus, es sei denn es handelt sich um ein Fasten, das einer von euch für gewöhnlich fastet.“ (Überliefert von Muslim, 1144). Dieser Hadith ist ein wichtiger Grundsatz für die Praxis am Freitag.
Die Weisheit hinter dem Verbot
Gelehrte haben die Weisheit hinter diesem Verbot ausführlich dargelegt. As-Sanani sagte in „Subul As-Salam“: „Der Hadith ist ein Beweis dafür, dass es verboten ist, die Nacht des Freitags für (spezielle) Gottesdienste und nicht gewöhnlichen Rezitationen auszuwählen, es sei denn es wurde überliefert, wie die Rezitation der Sure Al-Kahf.“ An-Nawawi ergänzte: „Aus diesem Hadith entnehmen wir das klare Verbot, die Nacht und den Tag des Freitags, zwischen allen Nächten und Tagen, für das Fasten auszuwählen. Und über dessen Verpönung herrscht eine Übereinstimmung (unter den Gelehrten).“
Die Gelehrten erklärten weiter, dass die Hauptweisheit hinter diesem Verbot darin liegt, dass der Freitag ein Tag für besondere Gottesdienste und Andachten ist, die im Qur'an und der Sunnah explizit erwähnt werden. Dazu gehören die Ganzkörperwaschung (Ghusl), das frühe und pünktliche Erscheinen zum Gebet, das Warten auf das Gebet, das aufmerksame Zuhören der Predigt und das Sprechen vieler Andachten. Allah – erhaben ist Er – sagt: „Wenn das Gebet beendet ist, dann breitet euch im Land aus und trachtet nach etwas von Allahs Huld. Und gedenkt Allahs viel.“ [Al-Dschumua:10] Diese Aufforderung zum vielfältigen Gedenken Allahs und zur aktiven Teilnahme am Leben nach dem Gebet deutet darauf hin, dass der Freitag ein Tag der Aktivität und der Freude am Gottesdienst ist. Das Fasten könnte die Fähigkeit beeinträchtigen, diese Handlungen aktiv und mit offener Brust zu verrichten und sie ohne Müdigkeit oder Langeweile zu genießen. Es ist vergleichbar mit dem Hajj-Pilger am Tag von Arafah, wo es zur Sunnah gehört, nicht zu fasten, um die Kraft für die intensiven Andachten zu bewahren. Dies ist die anerkannte Ansicht über die Weisheit, die hinter dem Verbot steckt, am Freitag allein zu fasten.
Andere Ansichten, wie die Furcht vor Übertreibung oder die Annahme, es könnte als verpflichtend angesehen werden, werden von Gelehrten als schwach angesehen und widerlegt durch die Existenz des Freitagsgebets selbst und anderer bekannter, spezifischer Handlungen am Freitag, die seine Ehrung darstellen. Die korrekte Ansicht ist jene, die die Erleichterung der aktiven und freudigen Ausführung der spezifischen Freitags-Gottesdienste in den Vordergrund stellt.
Um die empfohlenen und zu vermeidenden Handlungen am Freitag übersichtlich darzustellen, kann die folgende Tabelle hilfreich sein:
| Empfohlene Handlungen am Freitag | Zu vermeidende Handlungen am Freitag |
|---|---|
| Pünktliches Erscheinen zum Freitagsgebet | Das Freitagsgebet aus Geringschätzung unterlassen |
| Ganzkörperwaschung (Ghusl) | Den Freitag für nicht-gewohnheitsmäßiges Fasten auswählen (außer es ist ein habitualisiertes Fasten) |
| Rezitation der Sure Al-Kahf | Die Nacht des Freitags speziell für Gebete auswählen, die nicht explizit überliefert sind |
| Häufiges Sprechen von Segenswünschen für den Propheten | Übermäßige Verehrung des Tages, die von der etablierten Sunnah abweicht |
| Intensives Sprechen von Bittgebeten, besonders in der Stunde der Annahme | Handlungen verrichten, die nicht in der islamischen Gesetzgebung für den Freitag verankert sind |
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Freitag im Islam
- Ist das Freitagsgebet für jeden Muslim verpflichtend?
- Ja, das Freitagsgebet (Salat al-Dschumua) ist für jeden erwachsenen, männlichen, gesunden und ansässigen Muslim verpflichtend. Ausnahmen gelten für Reisende, Kranke, Frauen und Kinder.
- Wann ist die Stunde der angenommenen Bittgebete am Freitag?
- Der genaue Zeitpunkt dieser gesegneten Stunde ist nicht eindeutig festgelegt, um die Gläubigen dazu anzuspornen, den gesamten Tag über Bittgebete zu sprechen. Die gängigsten und stärksten Meinungen der Gelehrten sind jedoch, dass sie entweder zwischen dem Nachmittagsgebet (Asr) und dem Sonnenuntergang liegt oder während der Zeit, in der der Imam auf der Minbar sitzt und die Predigt hält, bis zum Abschluss des Gebets. Es wird empfohlen, in beiden Zeiträumen die Bittgebete zu intensivieren.
- Darf ich am Freitag fasten?
- Es ist nicht empfohlen, den Freitag speziell für das Fasten auszuwählen, es sei denn, es handelt sich um ein Fasten, das Sie ohnehin regelmäßig verrichten (z.B. Fasten an jedem zweiten Tag, oder wenn der Freitag mit einem Tag zusammenfällt, an dem Sie gewöhnlich fasten, wie dem Tag von Arafah oder Aschura, falls er auf einen Freitag fällt). Dies liegt daran, dass der Freitag ein Tag der Freude, des Gedenkens und der aktiven Teilnahme an besonderen Gottesdiensten ist, die durch Fasten beeinträchtigt werden könnten. Wenn Sie am Freitag fasten möchten, ist es ratsam, einen Tag davor (Donnerstag) oder danach (Samstag) mitzufasten.
- Warum soll ich am Freitag viele Segenswünsche auf den Propheten sprechen?
- Der Freitag ist der beste Tag der Woche, und der Prophet (Allahs Segen und Frieden auf ihm) hat uns dazu aufgefordert, an diesem Tag vermehrt Segenswünsche auf ihn zu sprechen. Dies liegt daran, dass unsere Segenswünsche ihm direkt vorgelegt werden. Es ist ein Akt der Liebe, des Respekts und der Dankbarkeit gegenüber dem Gesandten Allahs, der uns den Islam gebracht hat. Das Sprechen von Salawat ist eine Form des Gottesdienstes, die immense Belohnungen mit sich bringt und unsere Verbindung zum Propheten stärkt.
- Welche weiteren Sunnahs gibt es für den Freitag, die nicht erwähnt wurden?
- Neben den bereits erwähnten wichtigen Sunnahs gehören auch das Schneiden der Nägel, das Auftragen von Parfüm (für Männer), das Tragen der besten Kleidung und das frühe Gehen zur Moschee zum Freitagsgebet zu den empfohlenen Praktiken. All diese Handlungen tragen dazu bei, den Freitag in seiner vollen spirituellen Bedeutung zu würdigen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Freitag im Islam ein Tag von unschätzbarem Wert ist, gefüllt mit unzähligen Segnungen und Gelegenheiten zur spirituellen Erneuerung. Die Einhaltung der empfohlenen Sunnahs und das Vermeiden von nicht überlieferten Praktiken helfen dem Gläubigen, diesen Tag auf die bestmögliche Weise zu nutzen und Allahs Wohlgefallen zu erlangen. Mögen wir alle die Vorzüge dieses gesegneten Tages erkennen und sie in unserem Leben umsetzen. Und Allah weiß es am besten.
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