Was ist eine griechisch-orthodoxe Kirche?

Die Griechisch-Orthodoxe Kirche: Geschichte & Glaube

03/08/2021

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Die Griechisch-Orthodoxe Kirche ist eine der ältesten und traditionsreichsten christlichen Konfessionen der Welt. Ihre Wurzeln reichen tief in die ersten Jahrhunderte des Christentums zurück, als sich die jungen Gemeinden im griechischsprachigen Teil des Römischen Reiches entwickelten. Doch ihre Geschichte ist auch eine von politischen Umwälzungen, theologischen Auseinandersetzungen und der beständigen Bewahrung eines tief verwurzelten Glaubens. Sie steht für eine reiche spirituelle Tradition, deren Verständnis uns nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart einer bedeutenden Weltreligion näherbringt.

Wie viele orthodoxe Christen gibt es?
Beide Kirchenoberhäupter nahmen für sich in Anspruch, dass sie die Nachfolge der ursprünglichen christlichen Kirche seien. Heute gibt es weltweit ungefähr 300 Millionen orthodoxe Christinnen und Christen. Sie lassen sich orthodoxen Kirchen zuordnen, die sich jeweils selbst verwalten.

Die Ursprünge der griechisch-orthodoxen Kirchen liegen in den ersten christlichen Gemeinden des 1. Jahrhunderts, die sich im östlichen, griechischsprachigen Teil des Römischen Reiches formierten. Aus diesen frühen Zentren des Glaubens entstanden die altkirchlichen Patriarchate in Jerusalem, Antiochien und Alexandrien. Im 4. Jahrhundert kam Konstantinopel als viertes wichtiges Patriarchat hinzu, das später eine herausragende Stellung einnehmen sollte. Diese Patriarchate waren die geistlichen und administrativen Zentren der frühen Kirche, und ihre Bischöfe spielten eine entscheidende Rolle bei der Definition und Bewahrung des christlichen Glaubens.

Inhaltsverzeichnis

Ein turbulentes Erbe: Vertreibung und Verlust

Die Geschichte der griechisch-orthodoxen Kirche ist untrennbar mit den politischen Geschicken der Region verbunden. Mit den Eroberungen von Teilen des Byzantinischen Reiches durch muslimische Herrscher verringerte sich die Bedeutung der byzantinischen Kirchen erheblich. Ein besonders einschneidendes Ereignis war die Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 durch das Osmanische Reich. Mit diesem Fall ging nicht nur die Hauptstadt des Oströmischen Reiches verloren, sondern auch die Hagia Sophia, einst das prächtige Zentrum der Orthodoxen Kirche, wurde in eine Moschee umgewandelt. Dies markierte einen tiefen Einschnitt und eine Phase der Unterdrückung für die Orthodoxie in der Region.

Doch die Herausforderungen endeten nicht mit dem Fall Konstantinopels. Im 20. Jahrhundert erlebten griechisch-orthodoxe Gemeinden weitere dramatische Verfolgungen. Zwischen 1914 und 1923, während der sogenannten Griechenverfolgungen im Osmanischen Reich, verschwanden zahlreiche griechisch-orthodoxe Gemeinden fast vollständig aus dem Gebiet des neu gegründeten türkischen Staates. Diese Ereignisse führten zu einer massiven Dezimierung und Vertreibung der orthodoxen Bevölkerung und hatten weitreichende Konsequenzen für die Präsenz der Kirche in ihrem ursprünglichen Siedlungsgebiet.

Die Griechisch-Orthodoxe Kirche und der Staat: Eine Verfassungsgeschichte

Die Beziehung zwischen der Griechisch-Orthodoxen Kirche und dem griechischen Staat ist von historischer Tiefe und durch die Verfassungsgeschichte des Landes geprägt. Die Kirche spielte von Anfang an eine zentrale Rolle in der nationalen Identität Griechenlands, insbesondere nach der Befreiung vom Osmanischen Reich.

Bereits der Paragraph 1 der ersten Verfassung Griechenlands, der provisorischen Verfassung vom 1. Januar 1822, stellte klar: „Die herrschende Religion im griechischen Staate ist die der morgenländischen orthodoxen Kirche Christi. Es duldet jedoch die Regierung von Griechenland jede andere, Religion, und die Ceremonien und heiligen Gebräuche einer jeden derselben werden ungehindert ausgeübt.“ Dies legte den Grundstein für die Stellung der Orthodoxie als Staatsreligion, gewährte aber gleichzeitig eine gewisse Religionsfreiheit für andere Bekenntnisse.

Diese Festlegung wurde in den folgenden Verfassungen immer wieder bekräftigt und präzisiert. Artikel 1 der Verfassung vom 17. Mai 1827 wiederholte die Staatsreligion, betonte aber noch stärker den Schutz der freien Religionsausübung für jedermann. Die Verfassung von 1864 ging ins Detail und legte in Artikel 1 fest, dass die orthodoxe Kirche die herrschende Religion sei, während andere bekannte Religionen geduldet und geschützt würden, allerdings mit einem Verbot der Proselytenmacherei und jeglicher Bestrebungen gegen die herrschende Religion. Artikel 2 dieser Verfassung war besonders bedeutsam: Er erklärte die orthodoxe Kirche Griechenlands als autokephal, was bedeutet, dass sie ihre souveränen Rechte unabhängig von jeder anderen Kirche ausübt und von einer Heiligen Synode aus Prälaten geleitet wird. Gleichzeitig betonte sie ihre dogmatische Einheit mit der Großen Kirche von Konstantinopel und anderen Kirchen gleichen Bekenntnisses, die die apostolischen Kanons und Traditionen bewahren.

Was glauben evangelische Christen an die Bibel?
Ja, evangelische Christen glauben an die Bibel als das von Gott inspirierte und unfehlbare Wort Gottes. Sie glauben, dass die Bibel allein als Grundlage für ihren Glauben und ihr Leben dient und ihnen das notwendige Wissen und die Anweisungen gibt, um Gottes Willen zu erfüllen.

Die Verfassungen des 20. Jahrhunderts, wie die von 1927 und 1952, führten diese Prinzipien fort. Die Verfassung von 1927 bestätigte die Orthodoxie als vorherrschende Religion und die Autokephalie der griechischen Kirche, betonte aber auch die unzertrennliche dogmatische Verbindung zur Großen Kirche in Konstantinopel. Sie schützte die Freiheit des religiösen Gewissens und die freie Ausübung des Kultus, sofern dies nicht der öffentlichen Ordnung oder den guten Sitten zuwiderläuft. Ein bemerkenswerter Punkt war das absolute Verbot der Übertragung des Textes der Heiligen Schriften in eine andere sprachliche Form ohne vorherige Genehmigung der Kirche – ein Zeichen für die Betonung der Tradition und Autorität der Kirche.

Die Verfassung von 1952 wiederholte diese Bestimmungen, fügte aber hinzu, dass niemand wegen seiner religiösen Überzeugung von seinen Pflichten gegenüber dem Staat befreit werden oder die Wahrung der Gesetze des Landes verweigern darf. Die aktuelle Verfassung vom 9. Juni 1975, die nach der Militärdiktatur und der Abschaffung der Monarchie in Kraft trat, regelt in Artikel 3 weiterhin die Beziehungen zwischen Kirche und Staat, wobei die Orthodoxie ihre herausragende, aber nicht exklusive Stellung behält.

Der Große Schisma: Orthodoxie vs. Katholizismus

Die griechisch-orthodoxe Kirche ist Teil der breiteren orthodoxen Christenheit, die sich im Laufe der Geschichte von der römisch-katholischen Kirche getrennt hat. Beide Kirchen sehen sich als die ursprüngliche, aus den Urgemeinden hervorgegangene Kirche an. Die anfänglichen Unterschiede waren vor allem sprachlicher und geographischer Natur: Im westlichen, lateinischsprachigen Rom war der Papst das Oberhaupt der Kirche, während im griechischsprachigen Osten mehrere Patriarchen (Metropoliten) die Entscheidungen bezüglich der christlichen Glaubenspraxis trafen.

Die letztliche Spaltung, bekannt als das Große Schisma, ereignete sich im Jahr 1054, zur Regierungszeit des katholischen Papstes Leo IX. und des orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel, Michael I. Kerullarios. Dieser Konflikt war eine Mischung aus Machtstreitigkeiten und unterschiedlichen Glaubenspraktiken. Hochrangige Mitglieder beider Kirchen belegten sich gegenseitig mit dem Bann, was eine Ausweisung aus der Kirche und Gemeinschaft bedeutete. Die Trennung wurde endgültig besiegelt und für alle spürbar, als im Jahr 1204 römische Kreuzfahrer in den östlichen Teil des Römischen Reiches einfielen und Konstantinopel plünderten. Dieses gewaltsame Ereignis hinterließ tiefe Wunden, die bis heute nachwirken.

Wichtige Unterschiede zwischen Orthodoxen und Katholiken

MerkmalOrthodoxe KircheRömisch-Katholische Kirche
KirchenoberhauptMehrere Patriarchen/Metropoliten (Autokephalie), keine zentrale Autorität wie der PapstPapst in Rom als universelles Oberhaupt
KalenderMeist Julianischer Kalender (Weihnachten 6./7. Januar, Ostern verschoben)Gregorianischer Kalender (Weihnachten 25. Dezember)
Ikonen/BilderverehrungIkonen werden verehrt (Fenster zum Göttlichen), nicht angebetet; oft auf Holz, reich verziertBilder/Statuen werden verehrt, oft mehr naturalistische Darstellung
Sakramente/MysterienSieben Mysterien (vergleichbar mit Sakramenten)Sieben Sakramente
PriestereheVerheiratete Männer können Priester werden (aber nicht Bischof)Zölibat für Priester (Ausnahmen in östlichen Riten)
Filioque-StreitGlaube, dass der Heilige Geist nur vom Vater ausgehtGlaube, dass der Heilige Geist vom Vater und dem Sohn (Filioque) ausgeht
Unbefleckte Empfängnis MariensWird nicht als Dogma anerkannt, aber Marias Sündlosigkeit wird angenommenDogma der Unbefleckten Empfängnis

Trotz der Unterschiede teilen orthodoxe und katholische Christen zentrale Glaubensinhalte: den Glauben an den dreifaltigen Gott als Vater, Jesus Christus und Heiligen Geist sowie an die Auferstehung Jesu. Es gibt jedoch spezifische theologische und liturgische Unterschiede, die die Identität jeder Konfession prägen.

Das orthodoxe Christentum: Eine weltweite Präsenz

Das orthodoxe Christentum ist die drittgrößte christliche Glaubensrichtung weltweit. Das griechische Wort „orthodox“ bedeutet übersetzt „richtige Verehrung“ oder „rechtgläubig“. Dies unterstreicht die große Bedeutung, die orthodoxe Christinnen und Christen ihren Glaubensgrundlagen, Traditionen und ihrer Kirchengeschichte beimessen. Sie sehen sich als Bewahrer der unverfälschten Lehre der frühen Kirche.

Heute gibt es weltweit rund 250 bis 300 Millionen orthodoxe Christen. Sie sind in verschiedenen autokephalen, also sich selbst verwaltenden, orthodoxen Kirchen organisiert, die sich oft an Nationalstaaten orientieren. Zu den bekanntesten gehören die russisch-orthodoxe, die griechisch-orthodoxe, die serbisch-orthodoxe, die rumänisch-orthodoxe und die ukrainisch-orthodoxe Kirche. Auch die koptische Kirche ist eine bedeutende orthodoxe Kirche, wenngleich sie zu den sogenannten orientalisch-orthodoxen Kirchen gehört, die sich bereits auf den Konzilien des 5. Jahrhunderts von der byzantinischen Orthodoxie trennten.

Was ist der Unterschied zwischen katholischem und evangelischem Glauben?
predigt lebendig und glaubwürdig das Evangelium. Den wichtigsten Unterschied zwischen katholischem und evangelischem Glauben gibt es wohl bei der Abendmahlsfeier bzw. der Eucharistiefeier. Katholiken glauben, dass dabei Brot und Wein zum Leib und Blut Christi werden und Jesus so in jeder Messe körperlich anwesend ist.

An der Spitze dieser autokephalen Kirchen stehen Erzbischöfe, die den Titel „Patriarch“ oder „Metropolit“ tragen. Obwohl diese Kirchen administrativ unabhängig sind, sehen sie sich dogmatisch als eine unteilbare Einheit. Idealerweise streben die orthodoxen Kirchen eine „Symphonia“, also eine Harmonie, mit dem Staat an, in dem sie sich befinden – eine Beziehung, die historisch gewachsen ist und die enge Verbindung von Kirche und nationaler Identität widerspiegelt.

Die Rolle der Ikonen

Ein zentrales Merkmal der orthodoxen Glaubenspraxis ist die Verehrung von Ikonen. Dies sind reich geschmückte Bilder, meist auf Holz gemalt und oft mit Gold verziert, die Jesus Christus, die Gottesmutter Maria oder Heilige darstellen, die ein vorbildlich christliches Leben führten. Orthodoxe Künstler beten und bitten Gott um Erlaubnis, bevor sie eine Ikone malen, und der Malprozess selbst ist ein Akt der Hingabe und des Gebets.

Die Ikonen werden von den Gläubigen verehrt, wobei es wichtig zu verstehen ist, dass nicht die Bilder oder die Heiligen selbst angebetet werden. Vielmehr gelten Ikonen als „Fenster zum Göttlichen“ – sie sind sichtbare Symbole, durch die die Gläubigen eine Verbindung zur dargestellten göttlichen Wahrheit oder zur heiligen Person herstellen. Das Küssen von Ikonen ist ein Ausdruck dieser Verehrung und der tiefen Ehrfurcht. In orthodoxen Kirchen finden sich oft beeindruckende Ikonenwände, sogenannte Ikonostasen, die das Kirchenschiff, wo die Gläubigen sitzen, vom Altarraum trennen. Der Altarraum ist ein besonders heiliger Bereich, der nur von Priestern und anderen ausgewählten Personen betreten werden darf.

Feiertage und Kalender

Eine weitere Besonderheit der orthodoxen Kirchen, die oft für Verwirrung sorgt, ist die Nutzung des Julianischen Kalenders für die Festlegung ihrer kirchlichen Feiertage. Während Katholiken und Protestanten sich nach dem gregorianischen Kalender richten, nutzen die meisten orthodoxen Kirchen weiterhin den älteren Julianischen Kalender, der bereits zu Lebzeiten Jesu galt. Dies führt dazu, dass orthodoxe Feiertage oft zu anderen Zeitpunkten stattfinden als im westlichen Christentum. Das Weihnachtsfest fällt beispielsweise auf den 6. und 7. Januar, und auch Ostern wird in der Regel später gefeiert. Die Gottesdienste selbst finden wie in anderen christlichen Kirchen am Sonntag statt und sind oft von großer Länge und tiefer Symbolik geprägt.

Orthodoxie in Deutschland

In Deutschland leben etwa 1,5 Millionen orthodoxe Christen (Stand 2022). Die Mehrheit von ihnen sind Zuwandererfamilien aus Ländern wie Griechenland, Russland, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Georgien und der Ukraine. Dementsprechend finden die Gottesdienste in Deutschland oft auf Griechisch oder Russisch statt, aber auch andere Landessprachen werden verwendet. Die Präsenz der orthodoxen Kirchen in Deutschland wächst stetig und spiegelt die Vielfalt der Gesellschaft wider. Gemeinden wie die Griechisch-Orthodoxe Kirche in Esslingen am Neckar sind lebendige Zentren des Glaubens und der Kultur für die orthodoxen Gemeinschaften.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist die griechisch-orthodoxe Kirche katholisch?
Nein, die griechisch-orthodoxe Kirche ist nicht katholisch. Sie ist eine eigenständige christliche Konfession, die sich im Großen Schisma von der römisch-katholischen Kirche getrennt hat. Obwohl beide Kirchen gemeinsame Wurzeln im frühen Christentum haben und an die Dreifaltigkeit und Auferstehung glauben, unterscheiden sie sich in Lehre, Liturgie, Kirchenführung und bestimmten Traditionen.
Warum feiern Orthodoxe Weihnachten später?
Die meisten orthodoxen Kirchen, darunter auch die griechisch-orthodoxe, halten sich an den Julianischen Kalender für die Berechnung ihrer Feiertage. Dieser Kalender weicht vom im Westen gebräuchlichen Gregorianischen Kalender ab. Daher fällt Weihnachten für sie auf den 6. oder 7. Januar, je nachdem, wie der Julianische Kalender auf den Gregorianischen Kalender umgerechnet wird.
Was sind Ikonen in der orthodoxen Kirche?
Ikonen sind heilige Bilder, meist auf Holz gemalt, die Jesus Christus, die Gottesmutter Maria, Heilige oder biblische Szenen darstellen. Sie sind keine bloßen Dekorationen, sondern gelten als „Fenster zum Göttlichen“. Orthodoxe Christen verehren die Ikonen als Mittel zur Verbindung mit der dargestellten Person oder der göttlichen Wahrheit, aber sie beten nicht die Ikone selbst an.
Wie viele orthodoxe Christen gibt es weltweit?
Weltweit gibt es schätzungsweise zwischen 250 und 300 Millionen orthodoxe Christen. Sie sind die drittgrößte christliche Glaubensrichtung nach den Katholiken und Protestanten. Die meisten von ihnen leben in Osteuropa, im Nahen Osten und in Griechenland.

Die Griechisch-Orthodoxe Kirche ist ein faszinierendes Beispiel für die Beständigkeit des Glaubens und die Bewahrung alter Traditionen in einer sich ständig wandelnden Welt. Ihre tiefe Spiritualität, die reiche Ikonographie und die einzigartige Liturgie bieten einen tiefen Einblick in eine der ältesten Formen des Christentums.

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