28/12/2021
Die apostolische Sukzession ist ein Eckpfeiler im Verständnis vieler christlicher Kirchen, insbesondere der römisch-katholischen Kirche. Sie beschreibt die ununterbrochene Weitergabe des Bischofsamtes, beginnend bei den Aposteln, die direkt von Jesus Christus eingesetzt wurden, über unzählige Generationen von Bischöfen bis hin zu den heutigen Amtsträgern. Diese Kette der Handauflegungen wird nicht nur als historische Kontinuität verstanden, sondern auch als Garant für die unverfälschte Weitergabe der Lehre und der Vollmacht, die die Kirche seit ihren Anfängen prägt. Im Kern geht es darum, die Treue zur urchristlichen Tradition, die sogenannte traditio apostolica, zu sichern und die Glaubensinhalte unverändert weiterzugeben. Doch wie viele dieser Linien existieren heute noch in der römisch-katholischen Kirche, und welche Bedeutung haben sie?
- Was ist die Apostolische Sukzession?
- Historische Entwicklung und theologische Interpretationen
- Sukzession über Männer und Frauen: Eine ökumenische Herausforderung
- Wechselseitige Anerkennung der Sukzessionslinien
- Die Sukzessionslinien in der römisch-katholischen Kirche
- Beispiele prominenter Sukzessionslinien
- Häufig gestellte Fragen (FAQs)
- 1. Was ist der Unterschied zwischen einem Befehl Jesu und einem Nachfolger im Apostelamt?
- 2. Warum ist die apostolische Sukzession für die römisch-katholische Kirche so wichtig?
- 3. Ist die apostolische Sukzession historisch vollständig nachweisbar?
- 4. Erkennen alle christlichen Kirchen die apostolische Sukzession in gleicher Weise an?
- Fazit
Was ist die Apostolische Sukzession?
Die apostolische Sukzession oder apostolische Nachfolge ist die Überzeugung, dass die Sendung und Autorität der Apostel durch eine ununterbrochene Linie von Bischöfen weitergegeben wird. Diese Weitergabe erfolgt durch die Bischofsweihe, bei der die Handauflegung als sichtbares Zeichen der Vollmachtsweitergabe dient. Bereits im Neuen Testament finden sich Belege für diese Praxis, wie in Apg 14,23 oder 2 Tim 1,6, wo von der Einsetzung von Mitarbeitern und der Weitergabe von Vollmacht die Rede ist. Theoretisch kann jeder römisch-katholische Bischof seine Weihevorgänger bis zu einem der zwölf Apostel und somit bis zu Jesus Christus selbst zurückverfolgen.

Der tiefere Sinn der apostolischen Sukzession liegt in der unveränderten Weitergabe der Lehre, wie sie ursprünglich von den Aposteln gelehrt wurde. Sie verleiht den Bischöfen die Vollmacht, Lehren auf ihre Rechtgläubigkeit hin zu beurteilen und die Einheit des Glaubens zu wahren. Ein frühes und entscheidendes Zeugnis hierfür liefert Irenäus von Lyon im 2. Jahrhundert. In seiner Auseinandersetzung mit den Gnostikern, die sich auf geheime Offenbarungen und Lehren beriefen, argumentierte Irenäus, dass die wahre Lehre öffentlich durch die Apostel verkündet und lückenlos durch ihre legitimen Nachfolger überliefert wurde. Er listete die Bischöfe Roms bis zu seiner Zeit auf, um die Kontinuität und Authentizität der christlichen Lehre zu beweisen. Seine Schlussfolgerung war klar: Wer im Gegensatz zur überlieferten Lehre steht, steht nicht in der Nachfolge der Apostel und somit nicht in der Nachfolge Christi.
Historische Entwicklung und theologische Interpretationen
Das Konzept der apostolischen Sukzession entwickelte sich vermutlich in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts. In einer Zeit, in der die christlichen Gemeinden wuchsen und sich vernetzten, aber auch mit häretischen Lehren wie der Gnosis konfrontiert waren, wurde die Berufung auf eine apostolische Gründung und eine kontinuierliche Nachfolge im Amt zu einem wichtigen Legitimationsfaktor. Kirchenväter wie Hegesippus und Irenäus von Lyon nutzten Bischofslisten, um die Authentizität der Lehre ihrer Gemeinden zu unterstreichen und sich von Sonderlehren abzugrenzen.
Während die vorreformatorischen Kirchen die ununterbrochene Kette der Bischofsweihen als konstitutiv für das Bischofsamt ansehen (die sogenannte successio ordinis), betonen die protestantischen Kirchen die successio fidei, also die Treue zum apostolischen Glauben und der Schrift, als primäres Kriterium der Apostolizität. Für sie ist das Wirken des Zwölferkreises und der Propheten die Grundlage der Kirche, und die Übereinstimmung mit dem in der Schrift überlieferten Wort ist entscheidend.
In der nachkonziliaren katholischen Theologie wird das Sukzessionsprinzip durch das Kollegialitätsprinzip ergänzt. Die Vollmacht eines Bischofs beruht nicht allein auf seiner historischen Rückbindung an die Apostel, sondern auch auf seiner aktuellen Einbindung in die Einheit des gesamten Episkopats. Dies soll verhindern, dass die Sukzession als bloßes „Pipeline-Prinzip“ verstanden wird, bei dem unwürdige Amtsträger ihre Vollmacht willkürlich nutzen könnten.

Eine gänzlich andere Interpretation findet sich in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen). Sie gehen davon aus, dass die apostolische Vollmacht nach dem Tod der urchristlichen Apostel durch einen „Großen Abfall“ verloren ging. Sie beanspruchen, dass diese Vollmacht 1829 durch die auferstandenen Apostel Petrus, Johannes und Jakobus auf ihren Gründer Joseph Smith übertragen wurde, womit eine neue Linie der apostolischen Sukzession begann.
Sukzession über Männer und Frauen: Eine ökumenische Herausforderung
Ein zentraler Punkt, der die Ökumene erschwert, ist die Frage der Frauenordination und ihrer Anerkennung in der apostolischen Sukzession. Die römisch-katholische Kirche, die orthodoxen Kirchen und die orientalisch-orthodoxen Kirchen erkennen die Priester- und Bischofsweihe von Frauen nicht an. Nach ihrer Lehre kann das Weihesakrament nur von einem Mann gültig empfangen werden, wodurch Frauen kein Bestandteil einer gültigen Sukzessionslinie sein können.
Demgegenüber haben einige Kirchen der Anglikanischen Kirchengemeinschaft, die Herrnhuter Brüdergemeine, die Schwedische Kirche und bestimmte altkatholische Kirchen die Frauenordination eingeführt. Während die rein männlichen Sukzessionslinien von Kirchen, die Frauen zulassen, in der Regel nicht angezweifelt werden, gibt es von römisch-katholischer Seite keine Anerkennung der anglikanischen Ordinationen, wie Papst Leo XIII. in seiner Bulle Apostolicae Curae von 1896 erklärte. Die Mitglieder der Porvoo-Gemeinschaft erkennen ihre apostolische Sukzession jedoch gegenseitig über die Geschlechtsgrenzen hinweg an.
Wechselseitige Anerkennung der Sukzessionslinien
Die gegenseitige Anerkennung der apostolischen Sukzession ist ein komplexes Feld, das die Beziehungen zwischen den christlichen Konfessionen stark beeinflusst:
- Die apostolische Sukzession der Bischöfe der römisch-katholischen Kirche, der altkatholischen Kirche sowie der östlich-orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen wird gegenseitig anerkannt.
- Die östlich-orthodoxen Kirchen erkennen gewöhnlich die Ordination durch römisch-katholische und anglikanische Bischöfe zum Diakon oder Priester an, obwohl es auch Stimmen gibt, die die Lehre als wichtigeres Element der Sukzession betrachten und daher nicht-orthodoxe Ordinationen nicht anerkennen.
- Die Armenische Apostolische Kirche, eine orientalisch-orthodoxe Kirche, erkennt die bischöfliche römisch-katholische Konsekration an und umgekehrt.
- Die östlich-orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen erkennen inzwischen im Allgemeinen die jeweils anderen kirchlichen Ämter an, und mancherorts pflegen sie auch die gegenseitige Kommunion.
- Die lutherischen Kirchen, die die apostolische Sukzession erhalten oder wiedergewinnen konnten (insbesondere die Schwedische Kirche), haben in der Erklärung von Porvoo (1993) ihre Ämter gegenseitig anerkannt. Das deutschsprachige Luthertum hat sich dieser Entwicklung weitestgehend entzogen, obwohl die Hochkirchliche Bewegung im deutschen evangelischen Raum Bischofsweihen in apostolischer Sukzession über altkatholische Linien erhalten hat.
Die Sukzessionslinien in der römisch-katholischen Kirche
In der römisch-katholischen Kirche existieren heute primär vier Hauptsukzessionslinien im lateinischen Ritus, die sich bis auf die Anfänge zurückverfolgen lassen. Diese Linien sind nach den Konsekratoren benannt, die am Anfang der jeweiligen Kette stehen. Die Dominanz einzelner Linien lässt sich historisch erklären: Bischöfe, die an der römischen Kurie tätig waren oder vom Papst selbst geweiht wurden, waren oft die Konsekratoren für Missionsbischöfe oder für Bischöfe in Europa, was zur weiten Verbreitung ihrer Linien führte. Andere Linien starben im Verlauf von Reformation oder Säkularisation aus, da in diesen Zeiten kaum noch Bischofsweihen stattfanden oder die geweihten Bischöfe vorwiegend Konsekratoren aus den dominierenden Linien hatten.
Die vier Hauptlinien des lateinischen Ritus
Die vier Hauptlinien, die die römisch-katholische Kirche prägen, sind:
- Die Rebiba-Linie: Benannt nach Kardinal Scipione Rebiba († 1566). Diese Linie ist die am stärksten vertretene und umfasst die Mehrheit der heutigen römisch-katholischen Bischöfe, einschließlich der letzten drei Päpste (Johannes Paul II., Benedikt XVI., Franziskus). Die Rebiba-Linie verzweigt sich in mehrere Seitenarme, darunter die Orsini-Enriquez-Linie (zu der Papst Pius IX. gehörte) und die Orsini-Rezzonico-Linie, die heute die Hauptlinie darstellt und durch Kardinal Henry Benedict Mary Clement Stuart of York eine bedeutende Rolle für die Kontinuität vieler heutiger Bischöfe spielt. Die ehemals als Uchański- oder Rangonilinie bezeichneten Zweige wurden mittlerweile als Teile der Rebiba-Linie identifiziert und gelten nicht mehr als eigenständige Linien.
- Die D’Estouteville-Linie (ehemals Rovere-Linie): Benannt nach Kardinal Guillaume d’Estouteville († 1483). Lange Zeit wurde diese Linie nach Giuliano della Rovere (dem späteren Papst Julius II.) benannt, dessen Konsekrator jedoch nicht bekannt war. Mit der Identifizierung d'Estoutevilles als dessen Konsekrator hat die Linie ihren korrekten Namen erhalten. Sie findet sich heute vor allem in Frankreich. Ein wichtiger Vertreter war Jean Marcel Kardinal Honoré.
- Die Von-Bodman-Linie: Benannt nach Johannes Wolfgang von Bodman († 1691), Weihbischof von Konstanz. Diese Linie ist heute sehr selten, da viele ihrer Bischöfe selbst nie als Hauptkonsekratoren wirkten, sondern nur als Mitkonsekratoren. Sie war in den Niederlanden und den Asienmissionen verbreitet und ist heute noch in Indonesien anzutreffen.
- Die De-Bovet-Linie: Benannt nach François de Bovet († 1720), Erzbischof von Toulouse. Diese Linie war vor allem in der Chinamission vertreten. Es ist ungewiss, ob sie dort noch aktiv ist oder in der Untergrundkirche fortbesteht. Beispiele für jüngere Vertreter sind Erzbischof Florentinus Sului Hajang Hau (Indonesien) und Erzbischof Murphy Pakiam (Malaysia).
Sukzessionswurzeln in den östlichen Kirchen
Neben diesen vier Hauptlinien des lateinischen Ritus gibt es innerhalb der römisch-katholischen Kirche auch Bischöfe, die ihre Sukzessionswurzeln in den Linien der östlichen Kirchen haben. Diese Bischöfe sind überwiegend in den Episkopaten der mit Rom unierten Ostkirchen zu finden, die zwar in voller Gemeinschaft mit dem Papst stehen, aber ihre eigenen Riten und Traditionen, einschließlich ihrer Sukzessionslinien, bewahrt haben. Beispiele hierfür sind:
- Nasrallah Pierre Kardinal Sfeir (Patriarch von Antiochia – Maroniten) – maronitische Linie
- Gregorios III. (Loutfi) Laham (Patriarch von Antiochia – Melkitische Griechisch-Katholische Kirche) – melkitische Linie
- Emmanuel III. (Emmanuel-Karim) Delly (Patriarch der Chaldäisch-Katholischen Kirche) – chaldeische Linie
- Ignace Pierre VIII. (Grégoire) Abdel-Ahad (Patriarch von Antiochia – Syrisch-katholische Kirche) – syrische Linie
- Lubomyr Kardinal Husar (Großerzbischof von Lemberg – Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche) – ukrainische Linie
- Auch einige Bischöfe des lateinischen Ritus können eine östliche Sukzessionslinie aufweisen, wie Bischof Francis Dean Alleyne (in maronitischer Linie) oder Erzbischof Joseph Ngô Quang Kiêt (in chaldeischer Linie).
Beispiele prominenter Sukzessionslinien
Die folgenden Auflistungen veranschaulichen die Tiefe der apostolischen Sukzession am Beispiel der Weihelinien der letzten Päpste, die alle der Rebiba-Linie entstammen:
Die Rebiba-Linie am Beispiel von Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI.
| Papst Johannes Paul II. | Papst Benedikt XVI. |
|---|---|
| Papst Karol Józef Wojtyła (1958) | Papst Joseph Ratzinger (1977) |
| Erzbischof Eugeniusz Baziak (1933) | Bischof Josef Stangl (1957) |
| Erzbischof Bolesław Twardowski (1919) | Erzbischof Josef Schneider (1955) |
| Erzbischof Hl. Józef Bilczewski (1901) | Joseph Kardinal Wendel (1941) |
| Jan Kardinal Puzyna de Kosielsko (1886) | Bischof Ludwig Sebastian (1917) |
| Mieczysław Halka Kardinal Ledóchowski (1861) | Erzbischof Johann Jakob von Hauck (1912) |
| Camillo Kardinal Di Pietro (1839) | Bischof Ferdinand von Schlör (1898) |
| Chiarissimo Kardinal Falconieri Mellini (1826) | Erzbischof Joseph von Schork (1891) |
| Papst Annibale Francesco Clemente Melchiore Girolamo Nicola della Genga (1794) | Erzbischof Franz Joseph von Stein (1879) |
| Henry Benedict Mary Clement Kardinal Stuart of York (1758) | Erzbischof Friedrich von Schreiber (1875) |
| Erzbischof Gregor (Leonhard Andreas) von Scherr, O.S.B. (1856) | |
| Gemeinsame Sukzessionswurzel in Kardinal Rebiba | |
| Papst Carlo della Torre Rezzonico (1743) | Antonio Saverio Kardinal De Luca (1845) |
| Papst Prospero Lorenzo Lambertini (1724) | Giacomo Filippo Kardinal Fransoni (1822) |
| Papst Pietro Francesco (Vincenzo Maria) Orsini de Gravina, O.P. (1675) | Pietro Francesco Kardinal Galeffi (1819) |
| Paluzzo Kardinal Paluzzi Altieri Degli Albertoni (1666) | Alessandro Kardinal Mattei (1777) |
| Ulderico Kardinal Carpegna (1630) | Bernardino Kardinal Giraud (1767) |
| Luigi Kardinal Caetani (1622) | Papst Carlo della Torre Rezzonico (1743) |
| Ludovico Kardinal Ludovisi (1621) | Papst Prospero Lorenzo Lambertini (1724) |
| Erzbischof Galeazzo Sanvitale (1604) | Papst Pietro Francesco (Vincenzo Maria) Orsini de Gravina, O.P. (1675) |
| Girolamo Kardinal Bernerio, O.P. (1586) | Paluzzo Kardinal Paluzzi Altieri Degli Albertoni (1666) |
| Giulio Antonio Kardinal Santorio (1566) | Ulderico Kardinal Carpegna (1630) |
| Scipione Kardinal Rebiba | Luigi Kardinal Caetani (1622) |
| Ludovico Kardinal Ludovisi (1621) | |
| Erzbischof Galeazzo Sanvitale (1604) | |
| Girolamo Kardinal Bernerio, O.P. (1586) | |
| Giulio Antonio Kardinal Santorio (1566) | |
| Scipione Kardinal Rebiba | |
Die D’Estouteville-Linie am Beispiel von Bischof Jean-Marie Le Vert
Diese Linie, die sich bis zu Kardinal Guillaume d’Estouteville zurückverfolgen lässt, zeigt eine andere historische Entwicklung:
- Paul-Marie-André Kardinal Richaud (1934)
- Erzbischof Benjamin-Octave Roland-Gosselin (1919)
- Léon-Adolphe Kardinal Amette (1899)
- Guillaume-Marie-Romain Kardinal Sourrieu (1882)
- Bischof Pierre-Alfred Grimardias (1866)
- Bischof Louis-Charles Féron (1834)
- Erzbischof Hyacinthe-Louis de Quélen (1817)
- Erzbischof Gabriel Cortois de Pressigny (1786)
- César-Guillaume Kardinal de la Luzerne (1770)
- Erzbischof Christophe de Beaumont du Repaire (1741)
- Erzbischof Louis-Jacques Chapt de Rastignac (1722)
- Bischof Jean-François de Valderies de Lescure (1699)
- Louis-Antoine Kardinal de Noailles (1679)
- Erzbischof François de Harlay de Champvallon (1651)
- Nicolò Kardinal Guidi di Bagno (1644)
- Antonio (Marcello) Kardinal Barberini Sen., O.F.M. Cap. (1625)
- Laudivio Kardinal Zacchia (1605)
- Pietro Kardinal Aldobrandini (1604)
- Ippolito Aldobrandini, Sen. (1592) (später Papst Clemens VIII.)
- Alfonso Kardinal Gesualdo di Conza (1564)
- Francesco Kardinal Pisani (1527)
- Alessandro Kardinal Farnese (1519) (später Papst Paul III.)
- Giovanni de Medici (1513) (später Papst Leo X.)
- Raffaele Kardinal Sansone Riario (1504)
- Giuliano Kardinal della Rovere (später Papst Julius II.)
- Guillaume Kardinal d’Estouteville
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
1. Was ist der Unterschied zwischen einem Befehl Jesu und einem Nachfolger im Apostelamt?
Im Neuen Testament gibt es keinen ausdrücklichen Befehl Jesu Christi an die Apostel, Nachfolger in ihrem Amt zu benennen. Die Apostel wurden von Jesus ausgesandt und mit Vollmacht ausgestattet, die Kirche zu leiten. Die Praxis der Handauflegung zur Einsetzung von Mitarbeitern ist jedoch bezeugt (z.B. Apg 6,6; 14,23; 20,28; 2 Tim 1,6). Die Nachwahl des Apostels Matthias in der Apostelgeschichte (Apg 1,15ff) beruft sich auf Verse aus den Psalmen, nicht auf einen direkten Befehl Jesu. Die Vorstellung der kontinuierlichen Reihe von Bischofsweihen als konstitutiv für das Bischofsamt entwickelte sich aus der Tradition der frühen Kirche, um die unverfälschte Weitergabe der Lehre und Vollmacht zu gewährleisten.

2. Warum ist die apostolische Sukzession für die römisch-katholische Kirche so wichtig?
Für die römisch-katholische Kirche ist die apostolische Sukzession von fundamentaler Bedeutung, da sie die Legitimität des Bischofsamtes und damit die Gültigkeit der Sakramente sowie die Authentizität der Lehre sicherstellt. Sie gilt als sichtbares Zeichen der Kontinuität mit der Kirche der Apostel und somit mit Christus selbst. Sie symbolisiert die Bewahrung des Glaubens und der kirchlichen Struktur über die Jahrhunderte hinweg und ist ein Zeichen der Einheit.
3. Ist die apostolische Sukzession historisch vollständig nachweisbar?
Während die apostolische Sukzession in den ersten christlichen Jahrhunderten aus Sicht der modernen historischen Wissenschaft nicht lückenlos nachweisbar ist – da die frühen Aufzeichnungen oft auf theologischen Vorstellungen und nicht auf strengen historischen Recherchen beruhten –, gilt sie ab dem 12. Jahrhundert als historisch gesichert. Die Listen der Kirchenväter wie Irenäus hatten primär eine theologische Absicht: die Abgrenzung von Häresien durch den Nachweis einer unverfälschten Überlieferung. Trotzdem bilden sie die Basis für das Verständnis der Kontinuität.
4. Erkennen alle christlichen Kirchen die apostolische Sukzession in gleicher Weise an?
Nein, die Anerkennung der apostolischen Sukzession variiert stark zwischen den christlichen Konfessionen. Während die römisch-katholische Kirche, die orthodoxen und altorientalischen Kirchen die ununterbrochene Kette der Bischofsweihen als essenziell für die Gültigkeit des Amtes betrachten, legen protestantische Kirchen den Schwerpunkt auf die successio fidei, also die Treue zum apostolischen Glaubenszeugnis und der Schrift. Es gibt jedoch ökumenische Fortschritte, wie die gegenseitige Anerkennung der Sukzession innerhalb der Porvoo-Gemeinschaft zwischen einigen lutherischen und anglikanischen Kirchen.
Fazit
Die apostolische Sukzession ist weit mehr als nur eine historische Linie von Bischöfen; sie ist ein lebendiges Zeugnis der Kontinuität des Glaubens und der Vollmacht, die die römisch-katholische Kirche seit ihrer Gründung prägt. Die Existenz von vier Hauptlinien im lateinischen Ritus, ergänzt durch jene der unierten Ostkirchen, unterstreicht die vielfältige, aber dennoch einheitliche Weitergabe des apostolischen Erbes. Diese ununterbrochene Kette ist für Gläubige ein starkes Symbol der Treue zur ursprünglichen Lehre Christi und seiner Apostel und bildet das Fundament für die Autorität und Identität der Kirche in der heutigen Welt.
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