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Der Schatz im Acker: Hoffnung und tiefer Sinn

06/06/2022

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Das Wort „Schatz“ weckt in uns sofort Bilder von verborgenen Reichtümern, geheimnisvollen Karten und abenteuerlichen Suchen. Es ist ein Symbol, das tief in unserer kollektiven Vorstellung verankert ist und eine universelle Anziehungskraft besitzt. Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, einen Schatz zu finden und damit unerwartet zu großem Reichtum zu gelangen? Ein solcher Fund könnte nicht nur die eigene Lebensweise grundlegend verändern, sondern auch die gesamte Einstellung zum Leben. Schätze regen die Phantasie an und symbolisieren das Wertvolle, das Kostbare und oft auch das Unerreichbare, das plötzlich greifbar wird.

Was ist der Unterschied zwischen einem Gleichnis und einer Perle?

Besonders eindrucksvoll und „einleuchtend“ wird die Bedeutung des Schatzes im Gleichnis vom Schatz im Acker, das Jesus erzählte, um menschlichem Handeln eine Richtung zu geben und um Hoffnung zu begründen. Dieses Gleichnis, kurz und prägnant, spricht unmittelbar an und macht die Reich-Gottes-Thematik durch das Bild des vergrabenen Schatzes anschaulich. Es ist eine Metapher, die trotz ihrer Kürze eine tiefe Botschaft trägt und uns auffordert, über unsere eigenen Werte und Prioritäten nachzudenken.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein 'Schatz' im biblischen und symbolischen Sinn?

Im Alltag verbinden wir mit einem Schatz meist materielle Werte wie Gold, Juwelen oder Geld. Doch die symbolische Bedeutung geht weit darüber hinaus. In der Bergpredigt heißt es in Matthäus 6,21: „Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.“ Diese Aussage verdeutlicht, dass ein „Schatz“ nicht zwangsläufig etwas Physisches sein muss. Es kann auch ein Mensch für einen anderen ein „Schatz“ sein – etwas ganz Besonderes, Unersetzliches. Der wahre Schatz ist das, woran unser Herz hängt, wofür wir leben, was uns antreibt und erfüllt.

Im Kontext der Bibel und insbesondere der Gleichnisse Jesu symbolisiert der Schatz oft das Himmelreich, die Beziehung zu Gott oder die Wahrheit, die das Leben fundamental verändern kann. Es ist etwas von unschätzbarem Wert, das verborgen sein mag, aber wenn es entdeckt wird, eine so große Freude und Bedeutung besitzt, dass man bereit ist, alles andere dafür aufzugeben.

Die Anziehungskraft des Schatzes auf Kinder

Gerade für Kinder ist das Thema „Schatz“ besonders spannend und phantasieanregend. Märchen und Sagen sind voll von Geschichten über unermesslichen Reichtum, der einem Helden zufällt. Auch in der modernen Kinderliteratur und in vielen Computerspielen spielen Schätze immer wieder eine zentrale Rolle. Das Symbol ist Kindern auf natürliche Weise nah und spricht ihre Phantasie direkt an. Diese kindliche Begeisterung kann genutzt werden, um tiefere spirituelle Konzepte zu vermitteln.

Wenn Kinder gefragt werden, was für sie der größte Schatz wäre – ob Digimon-Sticker, ein Gameboy-Spiel oder vielleicht neue Freunde – regt dies sie dazu an, über ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse nachzudenken und zu erkennen, was ihnen im Leben wirklich wichtig ist. Diese persönliche Auseinandersetzung ist ein wichtiger Schritt, um die metaphorische Tiefe des Gleichnisses zu erfassen.

Das Gleichnis vom Schatz im Acker (Matthäus 13,44)

Das Gleichnis vom Schatz im Acker ist eine kurze, einfache Erzählung mit hohem metaphorischem Gehalt:

„Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker; den ein Mensch fand und vergrub und ging hin in seiner Freude und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte jenen Acker.“

Die Kürzest dieser Erzählung ist bemerkenswert. Sie konzentriert sich auf die Entdeckung und die radikale Reaktion des Finders. Der Mann entdeckt den Schatz, verbirgt ihn erneut und verkauft dann *alles*, was er besitzt, um den Acker zu kaufen. Dies unterstreicht die immense Freude und den unermesslichen Wert des gefundenen Schatzes. Er zögert nicht, seine gesamte Existenz für diesen einen Fund zu opfern.

Dies ist ein zentraler Punkt: Der Schatz ist nicht nur wertvoll, er ist *so* wertvoll, dass er alle anderen Besitztümer in den Schatten stellt. Es geht nicht darum, den Schatz zu stehlen oder zu behalten, ohne dafür einen Preis zu zahlen. Es geht darum, alles zu investieren, um das zu erwerben, was von höchstem Wert ist. Dies ist eine Metapher für die Hingabe, die das Eingehen auf das Reich Gottes erfordert.

Die Bedeutung von Symbolen im Religionsunterricht

Sigrid Berg betont die Bedeutsamkeit von Bildern und Symbolen für unser ganzes Leben. Überall werden wir mit Bildern und Metaphern konfrontiert. Sie geht davon aus, dass „Symbolsinn“ und „Symbolverstehen“ wichtige Teile unseres Lebens und Reifens sind. „Was Symbole sagen, lässt sich weder empirisch erreichen und analysieren noch auf irgendeinem anderen Erkenntnisweg als dem symbolischen finden. Darum sind Symbole die einzige Sprache, in der sich religiöse Wirklichkeit unmittelbar ausdrücken kann. Sie sind die authentische Sprache der Religionen selbst.“

Aus diesen Gründen ist es von großer Bedeutung, dass Schülerinnen und Schüler im Religionsunterricht mit Symbolen und symbolhafter, metaphorischer Sprache vertraut werden. In Bezug auf die Gleichnisbehandlung im Unterricht bedeutet das, im Bild des Gleichnisses zu verweilen und keine abstrakten Interpretationen und Erklärungen vorzunehmen. Jesus selbst übertrug seine Gleichnisse selten direkt: „Das bedeutet dies und damit meine ich jenes.“ Er lässt uns vielmehr im Gleichnis allein, lässt uns darin sein, um unseren Ort zu finden. Die innere Dynamik des Gleichnisses selbst soll uns die Wahrheit erschließen.

Ein ganzheitlicher, individueller und erfahrungsbezogener Zugang zu den Gleichnissen ist gefordert. Methodische Wege müssen gefunden werden, die den Kindern die Möglichkeit geben, die Erzählungen mit Leben und eigener Erfahrung zu füllen. Nur so können sie die tiefe Botschaft der Gleichnisse wirklich erfassen und für ihr eigenes Leben fruchtbar machen.

Praktische Wege zur Entdeckung des Schatzes

Um das Gleichnis vom Schatz im Acker und die damit verbundenen tiefen Bedeutungen für Kinder zugänglich zu machen, können verschiedene methodische Ansätze gewählt werden, die auf Erleben und Kreativität setzen.

1. Entwicklung innerer Bilder und Vorstellungen zum Thema „Schatz“

a) Das verborgene Schatzkästchen

Der Einstieg in das Thema kann durch das Entdecken eines verborgenen „Schatzkästchens“ in der Kreismitte geschehen. Unter braunen Tüchern verborgen, weckt es sofort die Neugier der Kinder. Spontane Assoziationen zum Geheimnisvollen und Verborgenen werden geäußert. Das symbolische „Ausgraben“ des Kästchens, indem die Kinder nacheinander Tücher abdecken, bereitet auf die Gleichniserzählung vor und steigert die Spannung.

Nach dem Freilegen kann eine gegenstandsbezogene Stilleübung folgen, bei der das Kästchen schweigend im Kreis weitergereicht wird. Jedes Kind hat so die Möglichkeit, es zu halten, anzuschauen und mit allen Sinnen das Kostbare, den Schatz zu fühlen und zu spüren. Dies schafft eine erste persönliche Verbindung zum Symbol.

b) Die Imaginationsübung: Mein innerer Schatz

In einer kurzen Imaginationsübung werden die Kinder nach innen geführt. Sie schließen die Augen (ohne Zwang) und werden eingeladen, das Schatzkästchen vor ihrem „inneren Auge“ zu öffnen. Was ist darin verborgen? Was kann ich sehen? In dieser Phase wird der Schatz persönlich und individuell erfahren. Er soll nicht Objekt und Sache für das Kind bleiben, sondern ihm wird die Möglichkeit gegeben, sich selbst dazu in Beziehung zu setzen. Innere Bilder und Vorstellungen werden geweckt. Anschließend können die Kinder erzählen, was sie in ihrem „inneren“ Schatzkästchen entdeckt haben.

c) Kreatives Gestalten mit Materialien

Nach der Imaginationsübung ist es wichtig, den Kindern Raum zu geben, das Erlebte und ihre gewachsenen Eindrücke auszudrücken. Die Schülerinnen und Schüler gestalten mit Material. Sie legen auf einem braunen Tuch etwas Kostbares, einen Schatz. Dabei gestaltet jedes Kind in erster Linie für sich selbst. Diese Phase erfordert Bewegung nach einer längeren Phase im Sitzkreis. Die Kinder dürfen herumgehen und sich ihr Material selbst zusammenstellen. Das Legen sollte nach Möglichkeit im Stillen stattfinden, begleitet von entspannender Musik, um das Wirken innerer Bilder zu unterstützen. Kinder, die ihre Arbeit beendet haben, setzen sich still auf ihren Stuhl.

Wie hoch war die Wahrscheinlichkeit, einen vergrabenen Schatz zu finden?
Denken wir an das Gleichnis vom Schatz im Acker. Die Wahrscheinlichkeit, in einem Acker einen vergrabenen Schatz zu finden, mag nicht sehr hoch gewesen sein, war aber in der antiken Welt nicht abwegig. Da es keine Banktresore und Alarmanlagen gab, mochte der sicherste Ort für Wertgegenstände durchaus unter der Matratze gewesen sein.

d) Austausch über die Legearbeit

Am Schluss der Stunde haben die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, sich zu ihrer fertigen Legearbeit zu äußern. Hier kommt es nicht so sehr auf das fertige Produkt an, sondern darauf, was ihnen bei ihrer Legearbeit wichtig war. Der Fokus liegt auf dem Prozess und der individuellen Bedeutung, die sie dem Symbol des Schatzes zugeschrieben haben.

2. Begegnung mit der Gleichnis-Erzählung vom Schatz im Acker

a) „Das Himmelreich ist wie …“

Die Lehrerin legt einen Kartonstreifen mit der Aufschrift „Das Himmelreich ist wie …“ in die Kreismitte. Spontan beenden die Schülerinnen und Schüler den angefangenen Satz. Eigene Vorstellungen dürfen hier zum Ausdruck gebracht werden. Vielleicht bringen einige Kinder das in der vorhergehenden Religionsstunde Erlebte mit dem Satzanfang in Verbindung.

b) Die Erzählung des Gleichnisses

Das Gleichnis vom Schatz im Acker wird erzählt. Dabei sollte besonders deutlich werden, dass der Mensch für diesen Schatz alles hergibt, was er besitzt. Die Erzählung kann in einer kindgerechten Sprache erfolgen, die die Kernaussage betont:

Einmal kamen Menschen zu Jesus. Sie fragten: Was ist das Himmelreich? Jesus erzählte ihnen eine Geschichte: Das Himmelreich ist wie ein Schatz, der in einem Acker verborgen ist. Ein Mensch entdeckt den Schatz. Er erzählt aber niemandem davon, was er gefunden hat. Er hält seine Entdeckung noch geheim. Voll Freude geht er hin, verkauft alles, was er besitzt. Vom Erlös aber kauft er den Acker.

Anschließend können spontane Äußerungen der Schülerinnen und Schüler folgen, um ihre unmittelbaren Eindrücke zu teilen.

c) Kreative Vertiefung im Religionsheft

Im Anschluss an das Gespräch kleben die Kinder eine Vorlage mit dem Gleichnistext in ihr Religionsheft, zeichnen dazu ihren „Schatz“ (schreiben gegebenenfalls etwas dazu) und bedecken diesen mit einem Tonpapierstück als Deckel. Danach malen sie das Gleiche in ein kleines fotokopiertes „Schatzkästchen“.

d) Die Schatzkiste füllen

Im Sitzkreis legen die Kinder schweigend die gestaltete Fotokopie in die Schatzkiste aus dem Beginn der Einheit und füllen sie so mit eigenen „Schätzen“. Wer möchte, darf seine Arbeit vorstellen. Es kann verabredet werden, dass die Schatzkiste in der Klasse stehen bleibt und in Freiarbeitsphasen darin „gestöbert“ werden darf. Dies schafft eine bleibende Erinnerung und einen Bezugspunkt für weitere Gespräche über Werte und das, was wirklich wichtig ist im Leben.

Vergleich: Materieller vs. Symbolischer Schatz

Um die unterschiedlichen Dimensionen des Schatzbegriffs zu verdeutlichen, lohnt sich ein Vergleich zwischen einem materiellen und einem symbolischen/spirituellen Schatz:

MerkmalMaterieller SchatzSymbolischer/Spiritueller Schatz
NaturPhysisch, greifbar (Gold, Juwelen, Geld)Immateriell (Liebe, Freundschaft, Glaube, Glück, Wissen, Sinn)
WertDefiniert durch Markt, Seltenheit, BesitzDefiniert durch persönliche Bedeutung, innere Erfüllung, Wirkung auf das Leben
ErwerbFinden, Erben, Verdienen, Kaufen, oft durch Zufall oder AnstrengungErlangen durch innere Entwicklung, Beziehungen, Erkenntnis, Hingabe
BeständigkeitKann verloren gehen, verbraucht werden, Wert schwanken, vergänglichBleibt oft bestehen, kann sich vertiefen, nicht materiell entwertbar, ewig
AuswirkungÄndert äußere Lebensumstände, materiellen Status, KomfortÄndert innere Einstellung, Werte, Lebenssinn, Charakter, Glücksempfinden
MotivationReichtum, Sicherheit, Status, GenussSinnfindung, Erfüllung, Liebe, Frieden, Zugehörigkeit

Das Gleichnis vom Schatz im Acker lenkt unseren Blick klar auf die zweite Kategorie: den symbolischen oder spirituellen Schatz, dessen Wert so unermesslich ist, dass er jede materielle Errungenschaft übersteigt und eine radikale Lebensentscheidung rechtfertigt.

Häufig gestellte Fragen zum Symbol „Schatz“ und dem Gleichnis

Warum erzählte Jesus Gleichnisse?

Jesus erzählte Gleichnisse, um komplexe spirituelle Wahrheiten auf eine zugängliche und einprägsame Weise zu vermitteln. Sie waren dazu gedacht, die Zuhörer zum Nachdenken anzuregen, ihnen eine Richtung für ihr Handeln zu geben und ihnen Hoffnung zu stiften. Gleichnisse erlauben es, dass die Wahrheit nicht nur intellektuell verstanden, sondern auch emotional und erfahrungsmäßig erfasst wird.

Was ist die Kernbotschaft des Gleichnisses vom Schatz im Acker?

Die Kernbotschaft ist, dass das Reich Gottes (oder die Wahrheit, die Erlösung, die Beziehung zu Gott) von so unschätzbarem Wert ist, dass es sich lohnt, alles andere dafür aufzugeben. Es geht um die Freude der Entdeckung und die absolute Priorität, die diesem größten Schatz eingeräumt wird.

Was bedeutet „Himmelreich“ in diesem Kontext?

Das „Himmelreich“ oder „Reich Gottes“ bezeichnet nicht primär einen geografischen Ort im Himmel, sondern die Herrschaft Gottes, die in Jesus Christus beginnt und sich in der Welt und im Leben der Menschen manifestiert. Es ist ein Zustand der Beziehung zu Gott, des Friedens, der Gerechtigkeit und der Erfüllung, der bereits hier und jetzt erfahren werden kann und auf seine Vollendung wartet.

Wie kann das Konzept des „Schatzes“ heute relevant sein?

Auch heute noch können wir uns fragen, was unser „Schatz“ ist – worauf wir unser Herz setzen, wofür wir bereit sind, Opfer zu bringen. Ist es materieller Besitz, Karriere, Anerkennung oder sind es immaterielle Werte wie Liebe, Freundschaft, Familie, Glaube, Sinnhaftigkeit? Das Gleichnis fordert uns heraus, unsere Prioritäten zu überdenken und das wirklich Wertvolle in unserem Leben zu erkennen und dafür einzustehen.

Warum ist es wichtig, sich im Religionsunterricht mit Symbolen auseinanderzusetzen?

Symbole sind die „authentische Sprache der Religionen“. Sie ermöglichen den Zugang zu religiöser Wirklichkeit auf einer tieferen, nicht-rationalen Ebene. Indem Schülerinnen und Schüler lernen, mit Symbolen umzugehen und deren Bedeutung zu erfassen, entwickeln sie ein tieferes Verständnis für spirituelle Dimensionen und können eigene Erfahrungen und Gefühle in Bezug auf religiöse Themen ausdrücken und verarbeiten.

Fazit

Das Symbol des „Schatzes“ und insbesondere das Gleichnis vom Schatz im Acker sind weit mehr als nur Geschichten über Reichtum. Sie sind tiefgründige Metaphern für das, was im Leben wirklich zählt. Sie lehren uns, dass das Wertvollste oft verborgen ist und eine bewusste Entdeckung und Hingabe erfordert. Die Freude über diesen Fund ist so groß, dass sie jede Opferbereitschaft übersteigt. Dieses Gleichnis lädt uns ein, unsere eigenen inneren „Schätze“ zu erkunden, unsere Prioritäten zu überdenken und das Himmelreich als etwas von unermesslichem Wert zu erkennen, für das es sich lohnt, alles zu geben.

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