Was ist der Zweck des Johannesevangeliums?

Wer schrieb das Johannes-Evangelium?

09/12/2021

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Das Johannes-Evangelium, ein Eckpfeiler des Neuen Testaments, unterscheidet sich in Stil und Inhalt maßgeblich von den drei synoptischen Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas). Es bietet eine einzigartige Perspektive auf das Leben und Wirken Jesu Christi, die oft als die tiefgründigste und mystischste aller Evangelien betrachtet wird. Doch wer war der geheimnisvolle Schreiber dieses bedeutsamen Werkes, das die christliche Theologie und Spiritualität so nachhaltig geprägt hat? Die traditionelle Auffassung identifiziert den Verfasser mit dem Apostel Johannes, einem der engsten Jünger Jesu. Doch es gibt auch alternative, tiefgehende spirituelle Betrachtungen, die eine andere, noch komplexere Identität des Evangelisten vorschlagen.

Wer war der Schreiber des Johannes-Evangeliums?
„Der Schreiber des Johannes-Evangeliums war ein hoher, durch Christus selbst eingeweihter Seher. Der Jünger Johannes wird im ganzen Johannes-Evangelium nirgends genannt. Von ihm heißt es nur: «Der Jünger, den der Herr lieb hatte», zum Beispiel im Kapitel 19, Vers 26.
Inhaltsverzeichnis

Die traditionelle Identifikation: Johannes der Evangelist

Nach weit verbreiteter theologischer Auffassung ist der Schreiber des Johannes-Evangeliums Johannes der Evangelist, der auch als Autor der Offenbarung des Johannes und der drei Johannes-Briefe gilt. Er wird traditionell mit dem Apostel Johannes identifiziert, einem der zwölf Jünger Jesu. Sein latinisierter Name Johannes (griechisch: Ἰωάννης Iōannēs) leitet sich vom hebräischen Namen Jochanan (יוחנן) ab und bedeutet „der HERR (JHWH) ist gnädig“, was im Judentum als Ausdruck einer „als göttliches Geschenk gegebenen Geburt“ verstanden wird.

Die synoptischen Evangelien nennen Johannes als Bruder des Jakobus des Älteren, beides Söhne des Fischers Zebedäus (Mt 10,2, Mk 3,17, Lk 6,14). Ihnen wurde von Christus der Beiname Boanerges, „Donnersöhne“, gegeben (Mk 3,17). Demnach wäre Johannes in Betsaida, nordöstlich des Sees Genezareth, geboren. Im Johannes-Evangelium selbst wird der Name Johannes nicht explizit genannt, doch wird der Verfasser nach allgemeiner Tradition mit dem namentlich nicht genannten „Lieblingsjünger“ Jesu identifiziert, der am Busen Christi ruhte (Joh 13,23) und unter dem Kreuz stand (Joh 19,26).

Historische Zeugnisse und Legenden

Das früheste historisch fassbare Zeugnis über Johannes findet sich im Galaterbrief des Paulus (ca. 50 n.Chr.), wo Paulus Johannes als eine der drei „Säulen“ des jungen Christentums bezeugt (Gal 2,9 EU). Der frühchristliche Bischof Irenäus (ca. 130-200 n.Chr.) berichtet, dass ein Jünger Christi namens Johannes in Ephesus bis in die Zeit Kaiser Trajans (98-117 n.Chr.) gelebt, gewirkt und dort sein Evangelium verfasst haben soll. Der Kirchenhistoriker Eusebius von Caesarea (um 260-340) überliefert Irenäus' entscheidende Aussage: „Danach gab Johannes, der Jünger des Herrn, der auch an seinem Busen ruhte, sein Evangelium heraus als er sich in Ephesus in der Asia aufhielt.“

Zahlreiche Legenden über das Wirken des Johannes in Kleinasien sind in der „Legenda aurea“ des Jacobus de Voragine überliefert. Diese Erzählungen zeugen von seiner außergewöhnlichen Standhaftigkeit und den wundersamen Kräften, die ihm zugeschrieben wurden:

  • Der Kessel siedenden Öls: Kaiser Domitian soll Johannes vor den Toren Roms in einen Kessel voll siedenden Öls tauchen lassen haben. Doch Johannes entstieg dem Kessel unverletzt und frisch, als wäre er aus einem belebenden Bad gekommen.
  • Verbannung nach Patmos: Da Johannes seine Predigten nicht einstellte, verbannte ihn der Kaiser auf die Insel Patmos, wo er in Einsamkeit die Offenbarung verfasste.
  • Auferweckung der Drusiana: Nach Domitians Tod kehrte Johannes nach Ephesus zurück. Als man ihm die tote Drusiana auf einer Bahre entgegenbrachte, die seine Rückkehr sehnlichst erwartet hatte, erweckte er sie mit den Worten: „Mein Herr Jesus Christus erwecke dich, Drusiana: steh auf und geh in dein Haus und bereite mir zu essen.“
  • Wunder mit den Steinen und Ruten: Ein Philosoph namens Craton forderte Johannes heraus, zerbrochene Edelsteine wieder ganz zu machen, wenn Gott wirklich sein Meister sei. Johannes erfüllte dies und bekehrte Craton. Später verwandelte er Ruten und Kiesel in Gold und Edelsteine für zwei reiche Jünglinge, die ihr Gut verkauft hatten, um ihnen ihren Fehler des Reichtums zu verdeutlichen und sie zur Buße zu bewegen.
  • Auferweckung des jungen Mannes: Ein junger Mann, der kurz zuvor geheiratet hatte, wurde tot zu Johannes gebracht. Johannes betete lange und erweckte ihn zum Leben. Der Auferweckte schilderte daraufhin die Höllenpein, die auf die Reichen wartet, und die Seligkeit, die sie verloren hatten, was die beiden reichen Jünglinge zur Reue führte.
  • Zerstörung des Diana-Tempels und Giftprobe: Johannes rief die Götzenanbeter heraus, indem er vorschlug, dass jeder seine Götter anrufen solle, um den Tempel des anderen zu zerstören. Nach Johannes' Gebet fiel der Tempel der Diana. Aristodemus, der Oberpriester der Diana, forderte Johannes daraufhin auf, Gift zu trinken, das zuvor zwei Verbrecher getötet hatte. Johannes schlug das Kreuz über den Kelch, das Gift entwich als Schlange, und er trank unversehrt. Anschließend erweckte er die beiden Gift-Toten wieder zum Leben, woraufhin Aristodemus sich bekehrte.
  • Letzte Worte und Tod: Im hohen Alter soll Johannes, kaum noch sprechend, stets nur die Worte wiederholt haben: „Kindlein, liebet euch untereinander.“ Im 99. Lebensjahr erschien ihm der Herr und kündigte seinen Tod an. Johannes ließ eine Grube ausheben, betete und trat hinein. Ein helles Licht umhüllte ihn, und als es verschwand, war das Grab voll Himmelsbrot (Manna), das noch heute dort wachsen soll.

Rudolf Steiners anthroposophische Sicht: Der Lazarus-Johannes

Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, bietet eine tiefgreifende spirituelle Perspektive auf die Identität des Evangelisten Johannes, die von der traditionellen Lehre abweicht und diese in ein umfassenderes kosmisches Mysterium einbettet. Laut Steiner ist der Verfasser des Johannes-Evangeliums nicht Johannes Zebedäus, sondern der von Christus von den Toten wiedererweckte Lazarus von Bethanien.

Die Auferweckung des Lazarus als Initiation

Für Steiner war die im Johannes-Evangelium (Joh 11,1-45) geschilderte Auferweckung des Lazarus keine bloße physische Wiederbelebung, sondern ein tiefer Einweihungsakt. Lazarus erfuhr einen dreieinhalbtägigen Todesschlaf, wie er in den alten vorchristlichen Mysterien üblich war. In diesem Zustand durchschaute er die geistige Welt und wurde durch Christus in eine höhere Erkenntnis eingeweiht. Der Ausdruck „der Jünger, den der Herr lieb hatte“ (Joh 11,3; 13,23; 19,26; 20,2; 21,20-24) ist nach Steiner ein technischer Ausdruck für einen vom Meister selbst Eingeweihten. Lazarus beschreibt in Kapitel 11 des Johannes-Evangeliums somit seine eigene Einweihung.

Lazarus wurde als Repräsentant der urpersischen Kulturepoche, stellvertretend für Zarathustra, auferweckt. Zarathustra hatte seine Leibeshüllen für die Inkarnation des Christus bei der Jordan-Taufe zur Verfügung gestellt. Steiner betont, dass Lazarus, der wiedergeborene Hiram Abiff (der Baumeister des Salomonischen Tempels), der bedeutungsvollste der Kainssöhne war, der wie Zarathustra aus dem menschlichen Ich heraus an der Erdenmission gearbeitet hatte.

Vereinbarkeit mit den synoptischen Evangelien

Die scheinbare Diskrepanz zwischen Steiners Darstellung und den synoptischen Evangelien, die Johannes als Sohn des Zebedäus nennen, erklärt Steiner durch eine tiefere, symbolische Bedeutung. Johannes Zebedäus sei nicht der Apostel im eigentlichen Sinne gewesen, sondern vielmehr ein zeitweiser Stellvertreter. Die zwölf Apostel repräsentieren kosmische Kräfte im Menschen, und Lazarus nahm den Platz des Johannes im Kreis der Zwölf ein. Der Name „Zebedäus“ (hebräisch: זְבַדְיָה zəvadjāh) bedeutet „Geschenk Gottes“, und Bethsaida, der Geburtsort, „Haus des Fisches“, wobei der Fisch ein urchristliches Symbol für Christus war. So interpretiert, ist Johannes als göttliches Geschenk aus dem Geist Christi geboren, was genau die Einweihung des Lazarus charakterisiert.

Die Evangelien schildern nach Steiner nicht primär rein äußere Tatsachen, sondern diese sind stets ein Bild für geistige Zusammenhänge. Die Berufung der Fischer am See Genezareth (Mk 1,16-20) kann als Übergang von einem naturhaften, imaginativen Hellsehen (verbunden mit dem Meer und Fischfang) zu einem wachen Ich-Bewusstsein interpretiert werden. Die Jünger mussten auf ihre vererbten, naturgegebenen Kräfte verzichten, um neue zu erwerben, die unmittelbar aus dem Ich schöpfen. Dies gilt insbesondere für Johannes, der am weitesten in der durch Christus im Ich erweckten übersinnlichen Erkenntnis voranschreiten sollte. Das „Haus der Armut“ (Bethanien, wo Lazarus lebte) symbolisiert diesen Verzicht auf äußeren Reichtum zugunsten geistiger Armut, die zum Himmelreich führt (Mt 5,3).

Frühere und spätere Inkarnationen des Lazarus-Johannes

Rudolf Steiner enthüllte eine bemerkenswerte Inkarnationsreihe für den Lazarus-Johannes:

  1. Hiram Abiff: Der Baumeister des Salomonischen Tempels, der in dieser Inkarnation an die Grenze der Einweihung gelangte.
  2. Lazarus: Der von Christus wiedererweckte Jünger, der den Einweihungsnamen Johannes erhielt.
  3. Flor oder Blancheflor (7./8. Jahrhundert n.Chr.): Eine Inkarnation, die in der Sage von Flor und Blancheflor besungen wird.
  4. Christian Rosenkreutz (13./14. Jahrhundert): Der Begründer der Rosenkreuzer-Strömung, der eine neue Mysterienschule ins Leben rief, um das Christus-Geheimnis in einer der Neuzeit entsprechenden Weise zu pflegen.
  5. Graf von Saint-Germain (18. Jahrhundert): Eine weitere namentlich bekannte Inkarnation.

Steiner betonte, dass hohe Eingeweihte sich in der Regel in jedem Jahrhundert inkarnieren, oft mit nur kurzen Zeiträumen zwischen den Inkarnationen. Um einen falschen Persönlichkeitskult zu verhindern, dürfen die Namen solcher hoher Eingeweihter jedoch erst 100 Jahre nach ihrem Tod öffentlich bekannt werden.

Johannes der Evangelist und Johannes der Täufer: Eine Durchdringung der Individualitäten

Rudolf Steiner sprach wiederholt über die Inkarnationen Johannes des Täufers, wobei er die Reihe Elias – Johannes der Täufer – Raffael – Novalis angab. Doch in seiner letzten öffentlichen Ansprache am 28. September 1924 überraschte Steiner seine Zuhörer mit einer scheinbar abweichenden Darstellung: Er sprach davon, dass die Wesenheit des Elias in Lazarus-Johannes wiedererschienen sei. Dies ist jedoch kein Widerspruch, sondern ein Bild von größter Bedeutung, das in Steiners früheren Vorträgen vorbereitet wurde.

Steiner erklärte, dass die überragende Geistgestalt des Elias/Johannes sich nicht vollständig in einem einzelnen Leib inkarnieren konnte. Als Prophet Elias war er zugleich so etwas wie die Gruppenseele des jüdischen Volkes. Auch als Johannes der Täufer ragte seine Geistgestalt weit über das Leibesgefäß hinaus. Nach seinem Märtyrertod wurde Elias/Johannes zur Gruppenseele der zwölf Apostel, wodurch diese zu einer neuen Art des Hellsehens befähigt wurden und Kranke heilen sowie Dämonen austreiben konnten (Mk 6,12ff).

Die Wirksamkeit der geistigen Individualität des Täufers schränkte sich dann auf den engeren Kreis der drei Apostel Petrus, Jakobus und Johannes ein, die dadurch die Verklärung Christi auf dem Berg Tabor hellsichtig erleben konnten (Mk 9,2). Die anderen neun Jünger konnten die Heilung des mondsüchtigen Knaben nicht bewirken, da ihnen diese Kraft fehlte.

Am tiefsten und entscheidendsten wird der Wirkungskreis des Elias/Johannes, als Christus die Einweihung des Lazarus vollzieht. Hier verbindet sich die Wesenheit des Täufers von oben her mit der auf Erden aus dem Todesschlaf erweckten Individualität des Lazarus. So durchdringen sich die beiden Wesenheiten, und Lazarus wird tatsächlich zum Lazarus-Johannes, dem „Jünger, den der Herr lieb hatte“.

Diese komplexe Durchdringung bedeutet, dass Lazarus bis zur Gemüts- und Verstandesseele aus Erdenkräften entwickelt war, während ihm von Johannes dem Täufer von der Bewusstseinsseele aufwärts die Geistesglieder Manas, Buddhi und Atma verliehen wurden. So stand vor Christus ein Mensch, der von den Erdentiefen bis in die höchsten Himmelshöhen reichte und in Vollkommenheit alle Glieder bis zu den Geistesgliedern in sich trug.

Diese Perspektive findet sich symbolisch im Isenheimer Altar von Matthias Grünewald, wo der Apostel Johannes und Johannes der Täufer gemeinsam unter dem Kreuz postiert sind. Auch Raffaels Malerei, die keine Verrats- oder Leidensszenen wie die Kreuztragung darstellt, erklärt Steiner damit, dass Raffael als Johannes der Täufer das Mysterium von Golgatha, die Zeit der Klage und des Leidens, nicht mehr mitgemacht hat, sondern die Zeit der Prophezeiungen und des Frohlockens.

Ikonographie des Evangelisten Johannes

In der bildenden Kunst wird Johannes der Evangelist oft in einer besonderen Weise dargestellt, die seine Rolle und Eigenschaften hervorhebt:

  • Jugendliches Aussehen: Er ist meist der einzige der Christus begleitenden Jünger, der bartlos dargestellt wird, um seine Jugend zum Zeitpunkt seiner Berufung zu betonen. Die „Legenda aurea“ hebt die Lauterkeit seines jungfräulichen Leibes hervor. Erst in Darstellungen seines späteren Wirkens in Kleinasien erscheint er als bärtiger Mann.
  • Evangelisten-Symbol Adler: Das bekannteste Symbol des Johannes ist der Adler. Hieronymus deutete dies so, dass Johannes im Prolog seines Evangeliums über das Wort, das am Anfang bei Gott war, höher steigt als die anderen Evangelisten und sich wie ein Adler zur Sonne in die höchsten geistigen Regionen aufschwingt.
  • Weitere Attribute: Der Kelch mit der Schlange und der Ölkessel beziehen sich auf die Legenden seines Erdenlebens, insbesondere das Wunder der Giftprobe und des siedenden Öls. Eine Schriftrolle oder ein Buch charakterisiert ihn als den inspirierten Schreiber des Evangeliums und der Offenbarung.

Gedenktag des Apostels und Evangelisten Johannes

Der Gedenktag des Apostels und Evangelisten Johannes ist seit dem 4. Jahrhundert bezeugt. In der römisch-katholischen und evangelischen Kirche wird er am 27. Dezember gefeiert, direkt nach Weihnachten. Dies unterstreicht seine besondere Nähe zu Christus und die Bedeutung seines Evangeliums, das die göttliche Natur Christi so tiefgründig beleuchtet. In den orthodoxen Kirchen wird sein Fest am 8. Oktober und am 15. Mai gefeiert.

Vergleich: Traditionelle vs. Anthroposophische Sicht

AspektTraditionelle SichtAnthroposophische Sicht (Rudolf Steiner)
Identität des EvangelistenJohannes, Sohn des Zebedäus, Bruder des Jakobus des Älteren.Lazarus von Bethanien, der nach seiner Einweihung den Namen Johannes erhielt. Johannes Zebedäus war ein Stellvertreter.
Bedeutung des „Lieblingsjüngers“Ein Ausdruck der besonderen persönlichen Zuneigung Jesu zu Johannes.Ein technischer Ausdruck für einen durch Christus selbst Eingeweihten.
Auferweckung des LazarusEin wundersames, physisches Ereignis der Wiederbelebung eines Toten.Ein tiefer Einweihungsakt, ein dreieinhalbtägiger Todesschlaf, der zur geistigen Neugeburt führte.
Verhältnis zu Johannes dem TäuferZwei unterschiedliche, wenn auch bedeutende, biblische Persönlichkeiten.Die geistige Wesenheit des Johannes des Täufers (Elias) durchdrang die Individualität des Lazarus während dessen Einweihung und verschmolz mit ihr.
Charakter des Johannes-EvangeliumsEine spirituell tiefgehende, aber historische Erzählung über Jesus.Eine Darstellung der eigenen Einweihung des Verfassers, die die tiefsten Geheimnisse der Christus-Entwicklung offenbart, oft in symbolischer Form.

Häufig gestellte Fragen

Wer war Johannes der Evangelist nach traditioneller Auffassung?

Nach traditioneller Auffassung war Johannes der Evangelist identisch mit dem Apostel Johannes, einem der zwölf Jünger Jesu, Sohn des Fischers Zebedäus und Bruder des Jakobus des Älteren. Er gilt als Verfasser des Johannes-Evangeliums, der Offenbarung und der Johannes-Briefe.

Warum wird Johannes oft als „Lieblingsjünger“ bezeichnet?

Der Begriff „Lieblingsjünger“ (oder „der Jünger, den Jesus lieb hatte“) wird im Johannes-Evangelium mehrfach verwendet und bezieht sich auf eine namentlich nicht genannte Person, die traditionell mit Johannes dem Evangelisten identifiziert wird. Es deutet auf eine besondere Nähe und Vertrautheit mit Jesus hin. Rudolf Steiner interpretiert dies als technischen Begriff für einen durch Jesus selbst Eingeweihten.

Was ist das Besondere am Johannes-Evangelium im Vergleich zu den Synoptikern?

Das Johannes-Evangelium ist stilistisch und theologisch einzigartig. Es konzentriert sich stärker auf die göttliche Natur Jesu, seine „Ich bin“-Worte und lange theologische Diskurse, anstatt auf Wunder und Gleichnisse wie die synoptischen Evangelien. Es bietet eine tiefere, mystische Perspektive auf Christus.

Gibt es unterschiedliche Ansichten über den Verfasser des Johannes-Evangeliums?

Ja, neben der traditionellen Identifikation mit dem Apostel Johannes gibt es alternative theologische und spirituelle Ansichten. Rudolf Steiner vertritt die Auffassung, dass der Verfasser der von Christus wiedererweckte Lazarus war, der durch einen Einweihungsakt den geistigen Namen Johannes annahm.

Was bedeutet der Name „Johannes“?

Der Name Johannes (griechisch: Ἰωάννης) leitet sich vom hebräischen Namen Yochanan (יוחנן) ab und bedeutet „der HERR (JHWH) ist gnädig“. Im Judentum wird dies oft als Ausdruck einer „als göttliches Geschenk gegebenen Geburt“ verstanden. Für Rudolf Steiner ist „Johannes“ auch eine allgemeine Bezeichnung für geistig weit fortgeschrittene Menschen, die bereit sind, die Christuskraft aufzunehmen.

Die Frage nach dem Schreiber des Johannes-Evangeliums bleibt eine der faszinierendsten in der biblischen Forschung und Spiritualität. Ob man der traditionellen Überlieferung folgt oder sich den tiefgründigen Einsichten Rudolf Steiners öffnet – die Figur des Johannes, sei es als Apostel oder als eingeweihter Lazarus, bleibt eine zentrale Gestalt für das Verständnis des Christus-Mysteriums.

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