Was ist das Apostolische Glaubensbekenntnis?

Glaubensbekenntnisse: Was Christen glauben

06/02/2023

Rating: 4.89 (1667 votes)

In der reichen Geschichte des Christentums spielen Glaubensbekenntnisse eine zentrale Rolle. Sie sind nicht nur alte Texte, die in feierlichen Gottesdiensten gesprochen werden, sondern lebendige Zeugnisse des Glaubens, die über Jahrhunderte hinweg geformt und verteidigt wurden. Doch was genau ist ein Glaubensbekenntnis, und warum sind diese prägnanten Zusammenfassungen für Millionen von Gläubigen weltweit so bedeutsam? Dieser Artikel beleuchtet die Definition, die historische Entwicklung und die tiefere Bedeutung dieser fundamentalen Glaubensaussagen und klärt Missverständnisse über ihren Charakter und ihren Zweck.

Was ist ein Glaubensbekenntnis?
Christliche Glaubensbekenntnisse gibt es seit dem Entstehen der Kirche. Ein Glaubensbekenntnis, auch als Credo oder Symbolum (latinisiert von griech. Symbolon) bezeichnet, ist eine kurzgefasste, feststehende Zusammenfassung der Glaubensinhalte des Christentums; es wurde in der Regel auf einem kirchlichen Konzil beraten und beschlossen.
Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Glaubensbekenntnis?

Ein Glaubensbekenntnis, oft auch als Credo (lateinisch für „ich glaube“) oder Symbolum bezeichnet, ist eine kurzgefasste, feststehende Zusammenfassung der zentralen Glaubensinhalte des Christentums. Es entstand in der Regel in spezifischen historischen Situationen, oft auf kirchlichen Konzilien beraten und beschlossen. Von Anfang an dienten diese Bekenntnisse vielfältigen Zwecken: Sie waren Taufbekenntnisse, die den Eintritt in die christliche Gemeinschaft markierten, und dienten als Abgrenzung gegen als häretisch beurteilte Lehren. In prekären Zeiten, sei es unter politischem Druck oder in theologischen Auseinandersetzungen, gewann das christliche Glaubensbekenntnis nicht selten die Bedeutung eines „Glaubenszeugnisses“ oder sogar eines Martyriums, bei dem Gläubige für ihre Überzeugungen einstanden.

Die biblischen Wurzeln des Bekenntnisses

Die Idee, den Glauben in prägnanten Aussagen zusammenzufassen, ist so alt wie das Christentum selbst. Schon im Neuen Testament finden sich zahlreiche Credo-ähnliche Formulierungen, die den Kern der frühen christlichen Botschaft verdichten. Das kürzeste und wohl bekannteste frühchristliche Bekenntnis, das oft wiederholt wird, ist die einfache Aussage über Jesus Christus.

  • In den Evangelien finden sich Aussagen wie: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ (Mt 16,16 EU) oder „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.“ (Joh 11,27 EU). Auch Thomas' Ausruf „Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20,28 EU) hat Bekenntnischarakter.
  • Eine der ältesten und umfassendsten Zusammenfassungen der Glaubenslehre findet sich bei Paulus in 1 Kor 15,3 ff. EU: „Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.“
  • Der Philipperhymnus (Phil 2,6–11 EU) ist ein weiteres frühes Bekenntnis, das die Gottheit und Erniedrigung Christi preist und in der Aussage „Jesus Christus ist der Herr zur Ehre Gottes, des Vaters“ kulminiert.
  • Ein ähnlicher Hymnus in 1 Tim 3,16 EU fasst das Geheimnis der Frömmigkeit zusammen: „Er wurde offenbart im Fleisch, gerechtfertigt durch den Geist, geschaut von den Engeln, verkündet unter den Völkern, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.“

Diese biblischen Beispiele zeigen, dass die Praxis des Bekenntnisses tief in der frühesten christlichen Überlieferung verwurzelt ist und als Ausdruck des gemeinsamen Glaubensdientes.

Die großen Glaubensbekenntnisse der Alten Kirche

Mit der Ausbreitung des Christentums und dem Aufkommen theologischer Debatten wurden umfassendere und präzisere Glaubensbekenntnisse notwendig. Sie dienten dazu, die Einheit der Kirche zu wahren und sich von häretischen Lehren abzugrenzen.

  • Das Altrömische Glaubensbekenntnis, das aus dem 2. Jahrhundert stammt, ist ein frühes Beispiel für ein Taufbekenntnis. Es bildete die Grundlage für spätere Bekenntnisse.
  • Die Tauffragen des Kirchenvaters Hippolyt (ca. † 236) geben einen Einblick in die frühchristliche Taufpraxis, bei der der Täufling seinen Glauben an Gott den Vater, Jesus Christus und den Heiligen Geist bekennt. Diese Fragen spiegeln die trinitarische Struktur wider, die für spätere Bekenntnisse prägend sein sollte.
  • Das Bekenntnis von Nicäa (325 n. Chr.) war eine entscheidende Reaktion auf den Arianismus, der die Gottheit Christi leugnete. Es betonte, dass Jesus „wahren Gott vom wahren Gott“ und „wesensgleich mit dem Vater“ ist.
  • Das Nicäno-Konstantinopolitanum (381 n. Chr.) erweiterte das nicänische Bekenntnis und definierte präziser die Lehre vom Heiligen Geist und der Dreifaltigkeit. Es ist bis heute das grundlegende Bekenntnis vieler christlicher Kirchen.
  • Das Apostolische Glaubensbekenntnis, das sich auf dem Altrömischen Bekenntnis entwickelte und in der Westkirche in Gebrauch kam, ist heute eines der am weitesten verbreiteten Bekenntnisse, das oft in Gottesdiensten gesprochen wird.
  • Das Christusbekenntnis des Konzils von Chalcedon (451 n. Chr.) legte die Grundlage für die weitere Entwicklung der Christologie, indem es die zwei Naturen Christi (göttlich und menschlich) in einer Person betonte.
  • Das Athanasische Glaubensbekenntnis aus dem 6. Jahrhundert ist ein weiteres wichtiges Bekenntnis der Westkirche, das die Trinitätslehre und Christologie detailliert darlegt.

Die Vielfalt der Bekenntnisse: Von der Reformation bis heute

Die Reformation brachte eine Fülle neuer Bekenntnisschriften hervor, da die verschiedenen reformatorischen Strömungen ihre eigenen theologischen Schwerpunkte setzten und sich von der römisch-katholischen Kirche abgrenzten. Auch danach entstanden in verschiedenen Denominationen weitere Bekenntnisse, die ihre spezifischen Überzeugungen zusammenfassten.

Bekenntnisse in verschiedenen Konfessionen

Die Art und Weise, wie Glaubensbekenntnisse verwendet und geschätzt werden, variiert stark zwischen den verschiedenen christlichen Konfessionen. Hier ein Überblick:

KonfessionWichtige Bekenntnisse/MerkmaleZweck/Bedeutung
Orthodoxe KirchenNicäno-Konstantinopolitanum (ohne Filioque), Christus-Bekenntnis von Chalcedon. Spätere Bekenntnisse (Gennadius Scholarius, Petro Mohyla, Dositheus) als Reaktion auf andere Religionen/Konfessionen.Lehre des Glaubens, Abgrenzung, Identitätsstiftung.
Römisch-katholische KircheNicäno-Konstantinopolitanum, Apostolisches Glaubensbekenntnis (Liturgie), Beschlüsse des Konzils von Trient, Professio fidei tridentina (Pius IV.), Credo des Gottesvolkes (Paul VI.), Professio fidei für Geistliche (1989).Autoritative Lehre, Liturgie, Treuebekenntnis.
Lutherische KirchenConfessio Augustana (1530, Philipp Melanchthon), Confessio Bohemica.Grundlegendes lutherisches Bekenntnis, theologische Basis, Abgrenzung.
Reformierte Kirchen67 Artikel (Zwingli), Berner Thesen, Confessio Tetrapolitana, Erstes Basler Bekenntnis, Genfer Katechismen (Calvin), Erstes Helvetisches Bekenntnis, Consensus Tigurinus, Zweites Helvetisches Bekenntnis (Bullinger), Heidelberger Katechismus.Vielfältige lokale und überregionale Bekenntnisse, theologische Fundierung.
Täuferische Kirchen (Mennoniten)Schleitheimer Bekenntnis (Michael Sattler, 1527), Konzept von Köln, Korte Confessie (Jan Cents), Dordrechter Bekenntnis (1632).Erste ausformulierte Bekenntnisschrift der Täufer, Vereinigung zersplitterter Gemeinden.
BaptistenEine Reihe von Glaubensbekenntnissen seit 1689 (ältestes) bis 1977 (jüngstes dt. Sprache). Z.B. „Glaubensbekenntniß der Evangelisch Taufgesinnten (Baptisten) Gemeinden“.Legitimation vor Behörden, Grundlage für interkonfessionelles Gespräch. Im Gemeindeleben oft weniger Rolle, Prinzip: Allein die Schrift.
Neuapostolische KircheZehn Glaubensartikel (Dreifaltigkeit, Apostelamt, Sakramente, Verheißung, Staat/Obrigkeit).Zusammenfassung der spezifischen Lehre.
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten TageDie „Glaubensartikel“ (Joseph Smith), 13 Punkte im Buch Die Köstliche Perle.Zusammenfassende Darstellung des Glaubens.
Siebenten-Tags-Adventisten28 Glaubensgrundsätze.Zusammenfassung der Glaubensüberzeugungen.
Evangelisch-methodistische KircheAltkirchliche Bekenntnisse, zusätzlich ein Soziales Bekenntnis (1972).Lehrgrundlagen, gesellschaftliche Verantwortung.

Glaubensbekenntnis vs. Heilige Schrift: Eine klare Abgrenzung

Ein häufiges Missverständnis betrifft die Beziehung zwischen Glaubensbekenntnissen und der Heiligen Schrift. Es ist entscheidend zu verstehen, dass es sich um zwei unterschiedliche Kategorien handelt, die sich aber gegenseitig ergänzen.

Das Wort „Credo“ ist lateinisch und bedeutet „ich glaube“. Wenn wir ein Glaubensbekenntnis aufsagen, bekunden wir schlichtweg, was wir glauben. In diesem Sinne hat jeder Mensch ein Glaubensbekenntnis, selbst wenn er behauptet, an keines zu glauben, außer an Christus – diese Aussage ist selbst ein Glaubensbekenntnis. Der Kernunterschied liegt in ihrer Herkunft und Autorität:

  • Die Heilige Schrift ist inspiriert. Das griechische Wort für inspiriert, theopneustos (2. Timotheus 3,16), bedeutet wörtlich „von Gott eingehaucht“. Die Bibel ist das direkte, von Gott gegebene Wort. In ihr hören wir, wie Gott sagt: „So spricht der Herr…“
  • Glaubensbekenntnisse hingegen sind nicht-inspirierte Worte von Menschen. Sie sind die Antwort der Kirche auf Gottes Offenbarung. In den Glaubensbekenntnissen erwidern wir: „Wir glauben dir…“ Sie sind menschliche Zusammenfassungen und Interpretationen der biblischen Lehre, die der Kirche helfen, ihren Glauben zu artikulieren und zu bewahren.

Die Bibel selbst enthält bereits Credo-ähnliche Zusammenfassungen, wie das Schema in 5. Mose 6,4 („Höre Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein“) oder Aussagen in Römer 10,9–10 und 1. Korinther 15,3–4. Dies zeigt, dass die Praxis der Glaubenszusammenfassung biblisch fundiert ist.

Wo lebte Maria Magdalena nach ihrer Ankunft in Frankreich?
Dort angekommen soll sie als Einsiedlerin im Wald gelebt haben. Man sagt, sie habe dort eine Höhle entdeckt und sie zu ihrem Wohnort ernannt.

Ein klares Beispiel für die Verteidigung biblischer Lehre durch ein Glaubensbekenntnis ist das Nicänische Glaubensbekenntnis. Es wurde nicht geschaffen, um neue Lehren einzuführen, sondern um die biblische Wahrheit über Gott gegen häretische Ansichten, insbesondere den Arianismus, zu verteidigen. Arius leugnete die Gottheit des Sohnes, was im Widerspruch zu klaren biblischen Aussagen stand. Das Konzil von Nicäa (325 n. Chr.) und Konstantinopel (381 n. Chr.) formulierten das Nicänische Glaubensbekenntnis, um die biblische Lehre der Dreieinigkeit zu bekräftigen: Es gibt einen Gott, der Vater ist Gott, der Sohn ist Gott, der Heilige Geist ist Gott, und sie sind dennoch unterschiedliche Personen. Die Verwendung von Glaubensbekenntnissen ist daher keine gefährliche Entwicklung hin zum römischen Katholizismus, wie manchmal befürchtet wird, sondern eine historisch bewährte Methode, biblische Wahrheiten zu bewahren und zu verteidigen.

Das Apostolische Glaubensbekenntnis: Ein Fundament im Wandel der Zeit

Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist eines der meistgesprochenen Bekenntnisse in evangelischen und katholischen Gottesdiensten. Es definiert in kurzen Sätzen die zentralen Inhalte des christlichen Glaubens und bietet Orientierung und Gemeinschaft bei Taufen, Trauungen und Sonntagsgottesdiensten. Es dient dazu, eine willkürliche Interpretation des christlichen Glaubens zu verhindern und eine gemeinsame Basis zu schaffen.

Entgegen einer weit verbreiteten Legende wurde das Apostolische Glaubensbekenntnis nicht von den Aposteln selbst verfasst. Diese Legende entstand im 4. oder 5. Jahrhundert. Tatsächlich entwickelte es sich aus kurzen Glaubensaussagen und Taufbekenntnissen des 2. und 3. Jahrhunderts, wie dem Altrömischen Glaubensbekenntnis. Diese frühen Glaubenserklärungen, oft als regula fidei oder „Glaubensregel“ bezeichnet, waren Zusammenfassungen der biblischen Lehre über Gott, die den Täuflingen gestellt wurden.

Auch wenn einige Formulierungen des Apostolischen Glaubensbekenntnisses aus heutiger Sicht Fragen aufwerfen können – etwa die Allmacht Gottes angesichts des Leidens oder die Vorstellung, dass Jesus „zur Rechten Gottes“ sitzt – ermutigen Theologen dazu, diese Fragen als Gelegenheit zur Reflexion zu nutzen. Die grundlegenden Fragen, die die Verfasser des Bekenntnisses beschäftigten, sind auch heute noch relevant: Wie sehen wir Gott? Welche Bedeutung hat Jesus für uns? Was geschieht nach dem Tod? Das Bekenntnis lädt dazu ein, diese tiefen Fragen immer wieder neu zu durchdenken.

Moderne Bekenntnisse und ihre Bedeutung

Im 20. Jahrhundert entstanden Bekenntnisse, die sich konkret mit den Herausforderungen ihrer Zeit auseinandersetzten. Ein prominentes Beispiel ist die Barmer Theologische Erklärung von 1934. Sie grenzte das evangelische Bekenntnis der Bekennenden Kirche klar vom Nationalsozialismus ab und betonte die alleinige Herrschaft Jesu Christi. Auch wenn von lutherischer Seite (z.B. Hermann Sasse) diskutiert wurde, ob es sich um ein „Bekenntnis“ im klassischen Sinne oder eine „theologische Erklärung“ handelte, so war ihre Bedeutung als Glaubenszeugnis in einer Zeit der Krise immens.

Ein weiteres bemerkenswertes Beispiel ist das Maasai-Glaubensbekenntnis der Gemeinde des Heiligen Geistes in Ostnigeria aus dem Jahr 1960. Es zeigt, wie der christliche Glaube in einem spezifischen kulturellen Kontext ausgedrückt werden kann:

Wir glauben an den einen Hohen Gott, der aus Liebe die schöne Welt und alles Gute in ihr erschuf. Er erschuf den Menschen und wollte, dass der Mensch in der Welt glücklich ist. Gott liebt die Welt und jede Nation und jeden Stamm der Erde. Wir kannten diesen Hohen Gott in der Dunkelheit und jetzt kennen wir ihn im Licht. Gott versprach im Buch seines Wortes, der Bibel, dass er die Welt und alle Nationen und Stämme retten würde.

Wir glauben, dass Gott sein Versprechen hielt, indem er seinen Sohn sandte, Jesus Christus, einen Mann im Fleisch, ein Jude dem Stamm nach, arm in einem kleinen Dorf geboren, der sein Heim verließ und immer auf Safari war, Gutes tat, Leute durch die Macht Gottes heilte, über Gott und die Menschen lehrte und zeigte, dass die Bedeutung der Religion Liebe ist. Er wurde von seinem Volk zurückgewiesen, gefoltert und mit Händen und Füßen an ein Kreuz genagelt und starb. Er lag im Grab, doch die Hyänen berührten ihn nicht, und am dritten Tag stand er aus dem Grab auf. Er stieg zum Himmel empor. Er ist Herr.

Was macht Latein so besonders?
Dem Latein ist aufgrund seiner Klarheit und Schnörkellosigkeit zudem eine einzigartige Ästhetik zu Eigen. Die Sprache ist von zeitloser Schönheit und passt sich mit ihrer außergewöhnlichen Schlichtheit dem ästhetischen Empfinden jeder Zeit an.

Wir glauben, dass alle unsere Sünden durch ihn vergeben sind. Alle, die an ihn glauben, müssen ihre Sünden bereuen und im Heiligen Geist Gottes getauft werden, nach den Regeln der Liebe leben und das Brot gemeinsam in Liebe teilen, um andern die Gute Nachricht zu bringen, bis Jesus wiederkommt. Wir warten auf ihn. Er ist lebendig. Er lebt. Das glauben wir. Amen.

Dieses Bekenntnis veranschaulicht, wie der universelle christliche Glaube in spezifischen kulturellen Metaphern und Erzählweisen ausgedrückt werden kann, ohne seinen Kern zu verlieren. Es zeigt die dynamische Natur des Bekenntnisses als Ausdruck einer lebendigen Glaubensgemeinschaft.

Kirchen ohne formelles Bekenntnis

Interessanterweise schreiben nicht alle christlichen Kirchen formelle Glaubensbekenntnisse vor. Beispiele hierfür sind einige evangelisch-reformierte Kirchen der Schweiz, die Quäker oder die Baptisten. Bei den Baptisten gilt oft das Prinzip „Allein die Schrift“ (Sola Scriptura) als höchste Autorität, und Bekenntnisse dienen eher als Gesprächsgrundlage oder zur Legitimation, nicht als verbindliche Glaubensnorm für das Gemeindeleben. Dies bedeutet jedoch nicht, dass diese Kirchen keinen Glauben haben oder keine Glaubensaussagen formulieren; vielmehr bevorzugen sie oft eine weniger dogmatische und stärker bibelzentrierte Herangehensweise an die Formulierung ihres Glaubens.

Häufig gestellte Fragen zu Glaubensbekenntnissen

1. Warum brauchen wir Glaubensbekenntnisse, wenn wir die Bibel haben?

Die Bibel ist das inspirierte Wort Gottes und die höchste Autorität für Christen. Glaubensbekenntnisse sind jedoch von Menschen formulierte Zusammenfassungen, die aus mehreren Gründen nützlich sind:

  • Zusammenfassung: Sie fassen die komplexen Lehren der Bibel prägnant zusammen und machen sie leichter verständlich und memorierbar.
  • Einheit: Sie dienen als Ausdruck des gemeinsamen Glaubens einer Gemeinschaft und fördern die Einheit innerhalb der Kirche.
  • Abgrenzung: Historisch gesehen wurden sie oft als Antwort auf theologische Irrlehren formuliert, um die biblische Wahrheit zu verteidigen und sich von Häresien abzugrenzen.
  • Lehre und Bildung: Sie helfen, Generationen von Gläubigen in den Kernlehren des Glaubens zu unterweisen.
  • Zeugnis: Sie sind öffentliche Bekenntnisse des Glaubens gegenüber der Welt.

2. Sind alle Glaubensbekenntnisse gleich wichtig?

Nein, ihre Bedeutung kann variieren. Die altkirchlichen Bekenntnisse wie das Nicänische oder das Apostolische Glaubensbekenntnis haben eine ökumenische Bedeutung, da sie von den meisten großen christlichen Konfessionen geteilt werden und grundlegende Lehren über Gott, Christus und den Heiligen Geist formulieren. Konfessionelle Bekenntnisse (z.B. die Confessio Augustana oder der Heidelberger Katechismus) sind für bestimmte Denominationen von großer Bedeutung und spiegeln deren spezifische theologische Schwerpunkte wider. Alle dienen jedoch dem Zweck, den Glauben zu formulieren und zu bewahren.

3. Können sich Glaubensbekenntnisse ändern?

Die großen, ökumenischen Glaubensbekenntnisse der Alten Kirche (z.B. Nicäno-Konstantinopolitanum, Apostolisches Glaubensbekenntnis) gelten als feststehend und unveränderlich, da sie über Jahrhunderte hinweg als Ausdruck des universalen christlichen Glaubens etabliert wurden. Neuere Bekenntnisse oder theologische Erklärungen können jedoch in bestimmten Kirchen oder zu bestimmten Zeiten entstehen, um auf aktuelle Herausforderungen zu reagieren oder spezifische Schwerpunkte zu setzen. Diese sind jedoch oft nicht als Ersatz für die alten Bekenntnisse gedacht, sondern als Ergänzung oder zeitgemäße Interpretation.

4. Was bedeutet es, ein Glaubensbekenntnis zu sprechen?

Ein Glaubensbekenntnis zu sprechen bedeutet, den eigenen Glauben öffentlich zu bekennen und sich mit der Gemeinschaft der Gläubigen zu identifizieren. Es ist eine bewusste Handlung, die die Zugehörigkeit zu einer Tradition und das Einverständnis mit den formulierten Glaubenssätzen ausdrückt. Es ist sowohl ein persönliches „Ich glaube“ als auch ein gemeinschaftliches „Wir glauben“, das die Einheit im Glauben stärkt.

Fazit

Glaubensbekenntnisse sind weit mehr als nur historische Dokumente. Sie sind lebendige Zeugnisse des Glaubens, die die Essenz des Christentums über Jahrtausende hinweg bewahrt haben. Sie geben Orientierung, stiften Gemeinschaft und dienen als Bollwerk gegen theologische Verirrungen. Von den knappen Aussagen des Neuen Testaments über die großen Konzilsentscheidungen der Alten Kirche bis hin zu den vielfältigen Bekenntnissen der Reformation und den modernen Glaubensaussagen – sie alle zeugen von der dynamischen und doch beständigen Natur des christlichen Glaubens. Sie laden uns ein, uns immer wieder neu mit den fundamentalen Fragen des Lebens und des Glaubens auseinanderzusetzen und unseren Platz in der großen Geschichte Gottes mit der Menschheit zu finden.

Wenn du andere Artikel ähnlich wie Glaubensbekenntnisse: Was Christen glauben kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Religion besuchen.

Go up