04/08/2024
Die Gestalt des Franz von Assisi fasziniert die Menschheit seit über 800 Jahren. Sein Leben, geprägt von einer radikalen Abkehr vom weltlichen Prunk und einer tiefgreifenden Hinwendung zu den Grundwerten des Evangeliums, stellt einen „Ausstieg aus dem Zug der Zeit“ dar, der bis heute als außergewöhnlich gilt. Doch was machte diesen Ausstieg so einzigartig, und wer war dieser Mann, der so viele Menschen in seinen Bann zog und dessen Einfluss bis in unsere moderne Welt reicht?
- Wer war Franziskus von Assisi? Die frühen Jahre eines reichen Kaufmannssohnes
- Der Wendepunkt: Gefangenschaft, Krankheit und die Suche nach dem Sinn
- Die radikale Entscheidung: Bruch mit der Familie und der Weg der Armut
- Die Geburt einer Bewegung: Brüder und Regeln
- Ein Leben für die Menschen und die Schöpfung
- Das Vermächtnis des Franziskus: Eine Inspiration für heute
- Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Franz von Assisi
Wer war Franziskus von Assisi? Die frühen Jahre eines reichen Kaufmannssohnes
Geboren im Jahr 1182 in Assisi als Giovanni Bernardone, wuchs Franziskus in einer Zeit großer Umbrüche auf. Sein Vater, Pietro Bernardone, war ein erfolgreicher Tuchhändler, der durch seine häufigen Geschäftsreisen nach Frankreich dem Sohn den Kosenamen Francesco – das Französlein – gab. Seine Mutter Pica, aus der Provence stammend, prägte seine frühe Erziehung auch mit französischen Einflüssen. Die Zeit, in der Franziskus aufwuchs, war alles andere als stabil: Eine tiefgreifende wirtschaftliche Transformation vom Agrarsystem hin zu einer städtischen Handels- und Manufakturwirtschaft, die eine neue Geldwirtschaft mit sich brachte, prägte das gesellschaftliche Leben. Hinzu kamen die langwierigen kriegerischen Auseinandersetzungen, die sich über ein Jahrhundert hinzogen, zwischen den Päpsten und den staufischen Kaisern. Inmitten dieser turbulenten Epoche gehörten die Bernardones zu den Gewinnern der Zeit, was Franziskus ein Leben in Überfluss und Hedonismus ermöglichte.

Sein frühes Leben war von einer bemerkenswerten Verschwendungssucht und einem ausschweifenden Lebensstil geprägt. Franziskus war bekannt für die Ausrichtung opulenter Fress- und Saufgelage, die ihn zu einer lokalen Berühmtheit machten. Gemeinsam mit seinen „Saufkumpanen“ zog er grölend durch die Stadt, eine Szene, die man sich vielleicht als eine äußerst ausgelassene Kneipentour in der Altstadt vorstellen kann. Solche Feiern und Züge waren im 12. und 13. Jahrhundert typisch für die Oberschicht. Selbst in kirchlichen Kreisen, wie dem Lateran – der Vatikan wurde erst ab dem 14. Jahrhundert zur Residenz des Papstes – oder in vielen Klöstern, waren Genusssucht, Prunk, Dekadenz, Zügellosigkeit und Bestechlichkeit leider keine Seltenheit. Franziskus schien in diesem Umfeld perfekt aufgehoben zu sein, ein junger Mann, der das Leben in vollen Zügen genoss und dessen größtes Bestreben Ruhm und Vergnügen zu sein schien.
Der Wendepunkt: Gefangenschaft, Krankheit und die Suche nach dem Sinn
Der erste Bruch in Franziskus’ genussvollem Leben ereignete sich im Jahr 1202. Im Städtekrieg zwischen Assisi und Perugia wurde er nach einem blutigen Gemetzel gefangengenommen. Ein ganzes Jahr musste er im Kerker von Perugia verbringen, eine Zeit, die sein Leben nachhaltig prägen sollte. Dort erkrankte er an Tuberkulose, einer Krankheit, die ihn bis an sein Lebensende begleiten würde. Erst nach Zahlung eines hohen Lösegeldes wurde er schließlich freigelassen. Doch selbst diese traumatische Erfahrung schien seinen Traum vom Ritterleben zunächst nicht zu erschüttern. Im Jahr 1204 brach er mit anderen Kreuzfahrern auf, um Jerusalem, die Heilige Stadt, aus den Händen des Sultans Melek-al-Kamil zu „befreien“. Doch auch dieser Versuch endete abrupt. Schon bald erkrankte er in Spoleto erneut schwer. Im Fiebertraum hörte er eine Stimme, die ihm befahl, nach Hause zurückzukehren. War es die Stimme Gottes oder vielleicht doch die Stimme der Vernunft, die sich nach den Erlebnissen in Perugia meldete? Unabhängig von der Quelle dieser Stimme kehrte Franziskus nach Assisi zurück.
Zunächst führte er sein ausgelassenes und prassendes Leben fort. Doch etwas hatte sich verändert. Die Begegnungen mit Leprakranken, Lahmen und Blinden, Menschen, die am Rande der Gesellschaft standen und von den meisten gemieden wurden, begannen, ihn zutiefst zu berühren. Gleichzeitig begann er, die Botschaft des Evangeliums auf eine neue, tiefere Weise zu hören. Es muss ihn wie der Blitz getroffen haben, vermutlich am Ende eines seiner berüchtigten Saufgelage: Er erkannte die Unsinnigkeit seines bisherigen Lebens, das ausschließlich auf Ruhm und Genuss ausgerichtet war. Dieser Moment der Erkenntnis war der Beginn seiner eigentlichen Umkehr.
Der entscheidende Moment seiner Transformation ereignete sich in der kleinen, verfallenen Kirche San Damiano. Als er dort vor einem byzantinisch-ikonenhaften Kreuz betete, begegnete ihm Christus. Eine Stimme sprach zu ihm: „Geh hin, Franziskus, baue mein Haus wieder auf, das am Einstürzen ist.“ Franziskus nahm diesen Auftrag zunächst wörtlich und begann, San Damiano eigenhändig zu restaurieren. Erst später begriff er die tiefere Bedeutung dieser Worte: Nicht nur ein steinernes Gebäude, sondern die gesamte lebendige Kirche, die in seiner Zeit von Verfall und Korruption gezeichnet war, sollte er stützen und wiederaufbauen. Von diesem Moment an fasste Franziskus den Entschluss, fortan nur noch Gott zu dienen. Armut und Entsagung wurden zu den neuen Maximen seines Lebens. Inspiriert von Jesu Weisung an den reichen Jüngling: „Gehe hin verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen“ (Mt 19,21), begann er, sein Geld an Bettler und Leprakranke zu verteilen und für die Restaurierung von San Damiano auszugeben.
Die radikale Entscheidung: Bruch mit der Familie und der Weg der Armut
Diese radikale Lebensänderung führte unweigerlich zum Bruch mit seinem Vater im Jahr 1206. Pietro Bernardone, der die ausschweifenden Feste seines Sohnes finanziell großzügig unterstützt hatte, konnte die Größe der Almosen und die Hingabe an die Armut seines Sohnes nicht mehr hinnehmen. Er strengte vor dem Bischof von Assisi eine Veruntreuungsklage gegen Franziskus an. Während der Verhandlung soll Franziskus eine Geste vollzogen haben, die bis heute symbolisch für seine radikale Abkehr vom weltlichen Leben steht: Er gab seinem Vater all seine Habe, inklusive seiner Kleidung, zurück und bekundete splitternackt, dass er von nun an nur noch Gott seinen Vater nennen wolle. Diese öffentliche Entäußerung war ein Akt der Befreiung und der vollständigen Hingabe an seinen neuen Lebensweg.
Von nun an widmete sich der „Poverello“ – der kleine Arme – ganz dem Dienst an Gott und den Menschen. Durch seine Predigten, die Restaurierung von Kirchen wie San Damiano, San Pietro und Portiuncula sowie seinen unermüdlichen Dienst an den Armen stützte er die gesamte Kirche. Seine Autorität bezog er nicht aus hierarchischen Anweisungen „von oben“, sondern aus seinem authentischen Wirken am Menschen. Ein bemerkenswertes Beispiel seiner Nächstenliebe war, als er einmal ein kostbares Evangelienbuch verkaufte, um einer Familie in Not zu helfen. Für ihn war das Leben des Evangeliums wichtiger als das bloße Lesen oder Studieren. Diese radikale Lebensweise, die anfangs auf Ablehnung stieß, beeindruckte jedoch immer mehr Menschen. Immer mehr Gefährten schlossen sich ihm an, um seine Lebensform der christlichen Armut zu teilen.
Die Geburt einer Bewegung: Brüder und Regeln
Das starke Anwachsen seiner Gefolgschaft machte es notwendig, eine Regel für die Brudergemeinschaft (Fraternität) aufzustellen. Franziskus wollte nie einen Orden gründen; er sah sich und seine Gefährten als Brüder, die in Nachfolge Christi leben sollten. Die zentralen Maximen dieser Regel waren Armut, Gehorsam, Keuschheit und die völlige Abwesenheit von Eigentum – ursprünglich sollte auch kein gemeinschaftliches Eigentum wie Häuser oder ähnliches bestehen. Die Minderbrüder sollten wie Bettler in völliger Abhängigkeit von der Gnade Gottes und der Menschen leben und jegliche Sicherheiten aufgeben. Franziskus bezog sich dabei ausdrücklich auf die Aussendungsrede Jesu (Mt 10,5-16), in der Jesus seine Jünger ohne Besitz und Versorgung aussendet.
Für einen „vernünftigen“ Betrachter von damals – und auch für einen von heute – musste diese Regel übertrieben und grotesk erscheinen. Die Idee einer Brudergemeinschaft, die in solch radikaler Armut lebte, stieß auf großes Unverständnis. Tragischerweise wurde seine ursprüngliche Idee der Brudergemeinschaft bereits zu seinen Lebzeiten durch seine Nachfolger in der Leitung der Gemeinschaft, insbesondere Elias von Cortona, relativiert und somit in gewisser Weise korrumpiert. Dies führte zu Spannungen innerhalb der jungen Bewegung, da einige die radikale Vision des Gründers beibehalten wollten, während andere eine Anpassung an die Realitäten der Zeit für notwendig hielten.
Zur Zeit des Franz von Assisi waren Armutsbewegungen nichts Neues. Es gab bereits Gruppierungen wie die Waldenser und die Albigenser (Katharer), die durch Armut ihre Selbsterlösung erreichen wollten. Diese Bewegungen gerieten jedoch wegen theologischer Streitigkeiten mit der Kirche in Konflikt und fielen der Inquisition und somit der Ausrottung anheim. Glücklicherweise zog die franziskanische Bewegung nicht den Zorn des Papstes auf sich. Franziskus gelang es im Jahr 1210, Papst Innozenz III. – der selbst eher den weltlichen Gütern zugeneigt war – derart zu beeindrucken, dass dieser die neue Brudergemeinschaft offiziell genehmigte und Franziskus die Erlaubnis zum Predigen erteilte. Dies war ein entscheidender Moment für die Franziskaner und bewahrte sie vor dem Schicksal anderer Armutsbewegungen.
Vergleich der Armutsbewegungen im 12./13. Jahrhundert
| Bewegung | Fokus der Armut | Verhältnis zur Kirche | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Franziskaner | Völlige Hingabe an Gott und Dienst an den Armen; Nachfolge des armen Christus. | Loyalität zur Kirche, Anerkennung durch den Papst. | Offiziell genehmigt, wuchs zu einem der größten Orden heran. |
| Waldenser | Nachfolge des Apostellebens, Laienpredigt, Ablehnung des Reichtums der Kirche. | Konflikt mit der Hierarchie, Exkommunikation. | Verfolgung durch die Inquisition, Überleben in Nischenregionen. |
| Albigenser (Katharer) | Radikaler Dualismus, Ablehnung der materiellen Welt als böse, extreme Askese. | Erzfeinde der katholischen Kirche, als Häretiker bekämpft. | Ausrottung durch den Albigenserkreuzzug und die Inquisition. |
Franziskus war ein Nachfolger des armen Christus, aber nicht nur im materiellen Sinne und nicht als Selbstzweck zur Selbsterlösung. Seine Armut war vielmehr eine Hinwendung zu den Armen, Kranken und Aussätzigen, zu denen am Rande der Gesellschaft. Der Dienst am Menschen, die solidarische Teilhabe an der Existenznot der Armen war und ist wesentlicher Bestandteil franziskanischer Spiritualität. Für Franziskus konnte Christus in den Armen entdeckt werden, wie es im Matthäusevangelium heißt: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (vgl. Mt 25,31-46). In einer Zeit, in der ein Drittel der europäischen Bevölkerung in existenzbedrohender Armut lebte – eine Situation, die sich weltweit bis heute kaum geändert hat – erkannte Franziskus ausgerechnet die Armen als Ebenbild Gottes. Seine Abkehr von menschlicher Selbstsucht und seine Option für die Armen ging sogar so weit, dass er Leprakranke küsste und wusch, Handlungen, die damals als extrem und abscheulich galten.
Ein Leben für die Menschen und die Schöpfung
Im Jahr 1212 nahm Franziskus Klara von Assisi auf, die erste Frau in seiner wachsenden Bewegung. Sie stand bis zu ihrem Tod der franziskanischen Gemeinschaft von Frauen vor, den Klarissen, und setzte Franziskus' Ideale der Armut und Hingabe in ihrer eigenen Gemeinschaft fort.
Die friedvolle und ausgleichende Art des Franz von Assisi ist legendär. Es wird berichtet, dass er in Städten wie Arezzo, Siena, Bologna und sogar in seiner Heimatstadt Assisi Streitigkeiten schlichten und für Frieden sorgen konnte. In diesem Zusammenhang ist auch die berühmte Legende des Wolfs von Gubbio zu sehen, den er gezähmt haben soll. Diese Erzählung kann als Metapher verstanden werden, in der der Wolf für einen raubritterlichen Menschen oder, noch tiefergehend, als Bild für den „Wolf in jedem Menschen“ beziehungsweise in jeder Gesellschaft steht – die animalischen Triebe, die Gier und die Gewalt, die Franziskus durch seine sanfte und liebevolle Art zu überwinden vermochte.
Seine Fähigkeit, Frieden zu stiften, zeigte sich auch auf internationaler Ebene. Im Jahr 1219 reiste Franziskus nach Ägypten, obwohl sich die Kreuzfahrer zu dieser Zeit in einem erbitterten Krieg mit dem dortigen Sultan befanden. Mit seiner friedvollen Art soll er den Sultan derart beeindruckt haben, dass dieser den christlichen Pilgern den Zutritt zu den Heiligen Stätten in Jerusalem öffnete. Eine bemerkenswerte Leistung in einer Zeit, die von religiösem Fanatismus und militärischen Konflikten geprägt war.
Die charismatische Erscheinung des Franz von Assisi erfuhr im Jahr 1224 auf dem Monte Alverna eine tiefe spirituelle Verdeutlichung, als die Wunden (Stigmata) Jesu an seinem Leib sichtbar geworden sein sollen. Dieses Ereignis, das als Zeichen seiner tiefen Verbundenheit mit Christus gedeutet wurde, unterstrich seine einzigartige Rolle als Nachahmer und Zeuge des Leidens Christi.
Zudem war sein ganzes Leben von einer tiefen Liebe zur Schöpfung geprägt. Die berühmte Vogelpredigt, in der er zu den Vögeln sprach, ist nur ein Beispiel für seine außergewöhnliche Verbundenheit mit der Natur. Für Franziskus war die Schöpfung nicht nur eine Ressource, sondern ein Ort der Begegnung mit Gott. Alles Geschaffene war für ihn ein Verweis auf den Schöpfer, offenbarte ihm die Spuren Gottes in der Welt. Diese tiefe Ehrfurcht vor der Natur gipfelte ein Jahr vor seinem Tod im „Sonnengesang“ (Canticum fratris Solis), einem Lob- und Dankeshymnus an den Schöpfer. Er verfasste ihn in einer Lebensphase, die von schwersten Krankheiten (Malaria, Geschwüre, Wassersucht, Erkrankungen an Leber und Augen), tiefen Depressionen und dem nahenden Tod gezeichnet war. Trotz seines Leidens drückt der Sonnengesang sein respektvolles und geschwisterliches Verhältnis zu allen Geschöpfen aus, indem er Sonne, Mond, Sterne, Wind, Wasser, Feuer und Erde als Brüder und Schwestern bezeichnet. Selbst der Tod, der ihn am 4. Oktober 1226 in Portiunkula ereilte, galt ihm als Bruder und gehörte für ihn in die natürliche Ordnung des Lebens.
Das Vermächtnis des Franziskus: Eine Inspiration für heute
Die Person Franz von Assisi ist auch für heute, in einer Zeit der Maßlosigkeit und menschlichen Selbstsucht, der zweckentfremdeten Schöpfung, der fortschreitenden Umweltzerstörung, der Vereinsamung, der Verelendung und der Kriege, ein faszinierendes und hochaktuelles Lebensbeispiel. Sein Leben lehrt uns Ehrfurcht und Respekt vor der von Gott geschenkten Schöpfung und eine tiefe Sorge um alle Menschen und alle Geschöpfe. Viele Menschen folgen ihm heute nach, wenn sie beispielsweise in den Favelas oder Slums dieser Welt, oder auf der „Platte“ unserer Großstädte, aktiv werden und gegen herrschendes Unrecht auftreten. Sein Ruf nach Demut, Einfachheit und Nächstenliebe hallt bis heute nach und inspiriert zu einem Leben, das sich den drängenden Fragen unserer Zeit stellt: der Option für die Armen und der Achtung der Schöpfung als Gottesgeschenk.
Franziskus’ „Ausstieg“ war keine Flucht, sondern eine bewusste Umkehr zu Jesus Christus, die ein neues Gespräch mit Menschen, Natur und Gott ermöglichte. Er zeigte, dass wahre Freiheit nicht im Besitz liegt, sondern in der Hingabe und im Dienst. Seine Botschaft ist eine zeitlose Erinnerung daran, dass wir durch Liebe und Mitgefühl eine bessere Welt gestalten können, indem wir uns an die Worte Christi erinnern: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Franz von Assisi
- Warum ist Franziskus von Assisi so wichtig?
- Franziskus von Assisi ist wichtig, weil er ein radikales und authentisches Beispiel für ein christliches Leben in Armut und Nächstenliebe gab. Sein "Ausstieg" aus dem weltlichen Leben und seine Hinwendung zu Gott, den Armen und der Schöpfung inspirieren bis heute Menschen weltweit. Er reformierte die Kirche von innen heraus durch sein persönliches Beispiel und gründete eine der größten und einflussreichsten geistlichen Bewegungen.
- Was bedeutet "Ausstieg" bei Franziskus?
- Der "Ausstieg" bei Franziskus bedeutet nicht nur ein einfaches Verlassen des bisherigen Lebens oder Auswandern. Es war vielmehr eine tiefgreifende "Umkehr zu Jesus Christus", eine radikale Abkehr von weltlichem Reichtum, Ruhm und Hedonismus zugunsten eines Lebens in Armut, Demut und vollständiger Hingabe an Gott und den Dienst an den Mitmenschen und der Schöpfung.
- Was war die "Umkehr zu Christus" für Franziskus?
- Die "Umkehr zu Christus" für Franziskus war ein Prozess, der durch persönliche Erfahrungen (Gefangenschaft, Krankheit) und spirituelle Erlebnisse (Begegnung mit Leprakranken, das Hören des Evangeliums, die Vision in San Damiano) ausgelöst wurde. Sie führte zu der Erkenntnis, dass sein bisheriges Leben sinnlos war, und zu dem Entschluss, fortan nur noch Gott zu dienen, Armut und Entsagung zu leben und sich radikal an den Weisungen Jesu auszurichten.
- Warum war die Armut für Franziskus so zentral?
- Armut war für Franziskus nicht nur ein materieller Zustand, sondern ein spirituelles Ideal und eine Lebenshaltung. Er sah in der Armut eine Möglichkeit, Christus nachzufolgen, der selbst arm war. Sie ermöglichte ihm, sich von weltlichen Bindungen zu lösen, ganz für Gott offen zu sein und die befreiende Botschaft des Evangeliums zu verkünden. Zudem sah er in den Armen Christus selbst und machte den Dienst an ihnen zum Kern seiner Spiritualität.
- Was ist der "Sonnengesang"?
- Der "Sonnengesang" (Canticum fratris Solis) ist ein Lob- und Dankeshymnus, den Franziskus ein Jahr vor seinem Tod verfasste. Er drückt seine tiefe Liebe und Ehrfurcht vor der gesamten Schöpfung aus, indem er Sonne, Mond, Sterne, Wind, Wasser, Feuer, Erde und sogar den Tod als Brüder und Schwestern bezeichnet. Er ist ein Zeugnis seiner tiefen spirituellen Verbundenheit mit Gott durch die Natur, selbst in Zeiten schwerer Krankheit und Depression.
- Was sind die Stigmata bei Franziskus?
- Die Stigmata sind die Wundmale Jesu (Wunden an Händen, Füßen und Seite), die im Jahr 1224 auf dem Monte Alverna am Leib des Franziskus sichtbar geworden sein sollen. Sie gelten als ein Zeichen seiner tiefen Verbundenheit und Identifikation mit dem Leiden Christi und wurden als göttliche Bestätigung seiner Heiligkeit und seiner Rolle als Nachahmer Jesu interpretiert.
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